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Das schleichende Gift der Politischen Korrektheit

¬†“Politische Korrektheit ist die √úbertragung des Waschzwangs auf die Sprache” (Bonmot)

Der Allgemeine Studierendenausschuss der Alice-Salomon-Hochschule f√ľr Sozialarbeit in Berlin-Hellersdorf hat in einem Offenen Brief an das Rektorat die Entfernung des Gedichts ‚Äěavenidas‚Äú von Eugen Gomringer von der Fassade der Hochschule verlangt. Hier der Text des ¬†¬†Gedichts:

avenidas
avenidas y flores

flores
flores y mujeres

avenidas
avenidas y mujeres

avenidas y flores y mujeres y
un admirador

√ľbersetzt:

alleen / alleen und blumen / blumen / blumen und frauen / alleen / alleen und frauen / alleen und blumen und frauen und / ein bewunderer

Die weiblichen Studierenden schreiben in ihrem Brief,¬† dass Gomringers Gedicht¬† ‚Äěnicht viel anderes in den Fokus [stelle], als den omnipr√§senten objektivierenden Blick auf Weiblichkeit; [‚Ķ] [dadurch] erinnert es unangenehm daran, dass wir uns als Frauen* nicht in die √Ėffentlichkeit begeben k√∂nnen, ohne f√ľr unser k√∂rperliches ‚ÄěFrau*-Sein‚Äú bewundert zu werden. Eine Bewunderung, die h√§ufig unangenehm ist, die zu Angst vor √úbergriffen und das konkrete Erleben solcher f√ľhrt.‚Äú Weiterlesen

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Darf Satire wirklich alles?

Selten gehe ich mit der Meinung¬† konform, die Jakob Augstein in seiner Kolumne “Im Zweifel links” auf SPIEGEL-online ¬†¬†√§u√üert. Mit seinem letzten Kommentar “Witz, komm raus!” (18. 04. 2016) bin ich allerdings¬† voll und ganz einverstanden. Die Botschaft ist so einfach wie treffend: Bei Jan B√∂hmermanns Machwerk handele es ¬†sich weder um Kunst noch um Satire, sondern um eine Beleidigung. Und eine Beleidigung sei nach unserer Rechtsordnung strafbar – Kanzlerin-Erm√§chtigung hin oder her.

Mich hat in der √∂ffentlichen Debatte ¬†gewundert, wie sehr ¬†die feinsinnigen Feuilletonisten der liberalen Bl√§tter bem√ľht waren, das beleidigende Potential des anst√∂√üigen “Gedichts”¬† hinter dem Pathos der Verteidigung von Meinungsfreiheit und¬† Kunstprivileg ¬†zu verstecken. Man stelle sich einmal folgendes vor: Ein Pegida-Anh√§nger h√§tte ein solches Schm√§hgedicht gegen die Ausl√§nderbeauftrage der Bundesregierung (eine Deutsche mit t√ľrkischem Hintergrund) oder gegen Cem √Ėzdemir von den ¬†Gr√ľnen oder – noch schlimmer – gegen einen homosexuellen Politiker verfasst. Dann w√§ren die Wogen der Emp√∂rung hochgeschlagen und die ¬†wackeren Verteidiger der Meinungsfreiheit h√§tten nach dem Kadi gerufen. Weiterlesen

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