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Herrschaft Angst

 Von Susannah Winter:

Es ist ein Kreuz mit der Angst.

Da hat sie uns als evolutionäre Errungenschaft über tausende Jahre das Leben und den Fortbestand ermöglicht, nur um uns heute vor allem ihre hässliche Fratze zu zeigen. Schaut man sich in der Gesellschaft um, fast könnte man Angst vor der Angst bekommen.

Wo es früher galt, dem Raubtier zu entkommen, einer realen, physischen Bedrohung, erlebt eben im akuten Moment der Angst, macht heute vor allem die mögliche, die potenzielle Bedrohung Angst.
Und die lauert überall. Alles ist vorstellbar und so wirkt auch alles bedrohlich.

Das Fahrrad, von dem man fallen könnte: Potenziell gefährlich. Und so wird selbst politisch über Helmpflicht debattiert. Denn wenn der Deutsche Angst hat, braucht es Gesetze. Meist bringen die nicht viel, doch blinder Aktionismus beseitigt, zumindest temporär, die schlimmsten Ängste für eine Weile.

Das Auto: Eine potenzielle Todesfalle. Weiterlesen

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„Nieder mit dem FrĂĽhstĂĽcksbĂĽfett!“

Während hier über Petitessen wie Kunduz oder die Klimapolitik gestritten wird, findet sich niemand, der den Skandal geißelt, der sich Hotelfrühstück nennt.

Dabei geht es mir nicht um die Frage, ob man darauf sieben oder neunzehn Prozent Mehrwertsteuer zahlen muss. Das ist eine Sache zwischen dem Hotelbesitzer und meinem Arbeitgeber. Mir geht es ums Prinzip. Weiterlesen

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Warum ein Freitod so erschĂĽttert – und doch jeder ein Recht darauf hat

Robert Enke soll Selbstmord verĂĽbt haben. Schon das Wort „Selbst-Mord“ beeinhaltet eine ungeheuerliche moralische Bewertung. Jeder Mensch hat ein Recht auf Leben. Auf sein Leben. Und jeder Mensch sollte ein Recht haben, sein Leben zu beenden, ohne dass die Gesellschaft ein Recht haben sollte, dies zu bewerten.

Die Einordnung ist oft Ausfluss der eigenen existentiellen Angst. Die monotheistischen Weltreligionen haben sich diese Angst zu nutze gemacht und wollen – scheinbar – den Menschen helfen, indem sie die Beendung des eigenen Lebens als SĂĽnde charakterisieren – nach dem Motto „Gott hat das Leben gegeben und nur Gott kann das Leben wieder nehmen“.

Besonders erschĂĽttert ein Freitot dann, wenn ein Vorbild, ein scheinbar starker Mensch, sich dafĂĽr entscheidet. Weiterlesen

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