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Warum ich ein Linker bin

Mein Freund, Ex-Genosse und Ex-Kollege Rainer Werner hat an dieser Stelle geschrieben, warum er kein Linker sei. Er begründet das mit seinen Schul-Erfahrungen. Ich habe – kommend aus derselben maoistischen Organisation – die gleichen Schul-Erfahrungen gemacht. Sie reichen jedoch nicht aus, um eine absage an das Links-Sein zu begründen. Sie reichen nur aus, um bestimmten Spielarten der linken Pädagogik eine Absage zu erteilen.

Ich könnte mir vorstellen, dass manche Leser meiner Beiträge über die Jahre die Selbstbezeichnung als Linken eher für Koketterie halten: Habe ich nicht George Bush und Tony Blair verteidigt, die Neocons gelobt, die EU als Imperium bezeichnet und in dem Zusammenhang dem Imperialismus vom alten Rom bis zum britischen Weltreich eine zivilisierende Mission bescheinigt? Bin ich nicht ein begeisterter Anhänger Adam Smiths und des Kapitalismus konsumistischer Prägung, des Freihandels und dessen, was die Populisten „Globalismus“ nennen? Habe ich nicht – bei aller Kritik – immer wieder Angela Merkel gewählt?Bin ich nicht mit Alexander Gauland fast befreundet? Arbeite ich nicht für Axel Springer? Habe ich nicht die Benennung der Kochstraße nach dem Heiligen Rudi Dutschke kritisiert und immer wieder nachzuweisen versucht, dass sich Linke und Rechte oft näher sind, als ihnen lieb ist?

Der Kategorische Imperativ des linken Bürgers

Doch für mich ist Linkssein keine Positionierung auf einem abgesteckten Kontinuum, bei dem andere bestimmen, was links ist und was nicht. Für mich ist Linkssein eine Haltung. Eine bürgerliche Haltung, um es genauer auszudrücken. Eine Bürgerpflicht, die sich aus bürgerlichen Privilegien ableitet, und die man deshalb bei jenen nicht erwarten darf, die solche Privilegien nicht genießen. Der Bürger Karl Marx nannte es den „kategorischen Imperativ, alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. Wer solche Verhältnisse nicht hasst, sondern rechtfertigt, weil sie das Ergebnis von Ordnungen sind, deren Bestand wichtiger ist als das Leiden einzelner Menschen oder Gruppen; oder wer die Knechtschaft, Verlassenheit und Verachtung als Ergebnis einer natürlichen Ordnung der Dinge – zum Beispiel des Geschlechts, der Rasse, der Intelligenz oder des Charakters – erklärt, der ist rechts.

Will sagen, bezogen auf die Schule, und damit mag es vorerst sein Bewenden haben: Schon 1977 sagte unser Hauptseminarleiter, ein im übrigen weder pädagogisch noch didaktisch begabter Mann, anlässlich einer Diskussion über „nature and nurture“, also den Einfluss von Herkunft und Umgebung auf Lernfähigkeit und Schulerfolg der Kinder: „Als Pädagogen haben wir gar keine Alternative als so zu tun, als wären alle Kinder gleich intelligent.“ Will sagen: alle nach Kräften zu fordern und zu fördern. Diese Fiktion, die durchaus die Erkenntnis verträgt, dass es sehr wohl Unterschiede gibt in der Begabung im Fleiß, in der Aufmerksamkeit, im Gedächtnis, in den Interessen und vor allem in dem, was man seit einiger Zeit „Grit“ nennt, der Fähigkeit, die Bedürfnisbefriedigung aufzuschieben,  gehört in den Bereich der vielen frommen Lügen, die sich Menschen erzählen, und ohne die es kein menschliches Miteinander gibt: Keine Liebe, keine Ehe, keine  Elternschaft, schon gar nicht Pädagogik, die den Namen verdient.

Karl Marx und der Freihandel

Marx, den ich oft genug kritisiere, vor allem weil er als Deutscher den deutschen Hang zu Dogmatismus, Systembastelei und Begriffshuberei teilte, hatte – vermutlich da er in England lebte – oft genug auch hellsichtige Erkenntnisse. Ohnehin bestand ein Großteil seiner Arbeit aus der Kritik an anderen Linken: Proudhon, Bakunin, Lasalle, den utopischen und „deutschen“ Sozialisten usw. usf. So schrieb Marx etwa in seiner Kritik des Gothaer Programms der Sozialdemokratie über den Passus, der die internationalen Aufgaben der Partei beschrieb: „In der Tat steht das internationale Bekenntnis des Programms noch unendlich tief unter dem der Freihandelspartei. Auch sie behauptet, das Ergebnis ihres Strebens sei ‚die internationale Völkerverbrüderung‘. Sie tut aber auch etwas, um den Handel international zu machen, und begnügt sich keineswegs bei dem Bewusstsein – dass alle Völker bei sich zu Haus Handel treiben.“

Bis heute hat sich diese Marx‘sche Erkenntnis bei jenen Linken nicht durchgesetzt, die munter gegen TTIP und andere Freihandelsabkommen demonstrierten (es waren die größten Demonstrationen der deutschen Nachkriegsgeschichte, größer als jene gegen die Notstandsgesetze 1968!) und damit Donald Trump und der AFD in die Hände arbeitet. Das heißt: Linke und Rechte arbeiten Hand in Hand gegen den Handel, der die Völker und Nationen praktisch verbindet. Als Linker freilich (und nicht nur als Anhänger des Kapitalismus) muss man für TTIP, CETA usw. sein und gegen den linken und rechten Protektionismus, den schon Marx kritisierte.

Gegen die dogmatische Linke

Noch einmal: Es geht darum, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. Viele Linke haben das vergessen. Sie glauben, es gehe darum, den „Imperialismus“ oder den „Zionismus“ oder den „Kapitalismus“ oder die USA zu bekämpfen, möglichst viele Lebensbereiche unter staatliche Kontrolle zu stellen und die parlamentarische Mehrheit jener Parteien sicherzustellen, die von jener Sozialdemokratie abstammen, die Marx kritisierte, oder schlimmer noch, von jener Verbrecherbande, die sich unter Lenin verschwor, um die Welt ihrem Willen zu unterwerfen.

Warum aber sollte es richtig sein, gegen die Rassendiskriminierung in den USA zu protestieren, den Rassismus in Afrika aber nicht zu geißeln, obwohl er in Ruanda zum Beispiel zu einigen der schlimmsten Völkermorde unserer Zeit geführt hat?  Oder die Behandlung von Arabern in der Westbank durch israelische Soldaten zu kritisieren, nicht aber die völlige Entrechtung der Araber im Iran? Wieso ist der blutbesudelte Stalinist Che Guevara noch ein Held der Linken, der friedliche Revolutionär Lech Walesa fast schon vergessen? Warum werden die Massenmorde der „Befreier“ in Algerien, Kenia, Vietnam, Zimbabwe vornehm verschwiegen? Warum wird die Behandlung von Frauen und Schwulen in „Palästina“ wie in der gesamten arabischen Welt sowie auch im christlichen Afrika vornehm beschwiegen? Und so weiter und so fort. Es ist nicht „links“, an der Seite von frauenfeindlichen nationalistischen und religiösen Fanatikern wie der Hamas gegen Israel zu kämpfen. Es ist nicht „links“, die korrupte Einparteienherrschaft der ANC in Südafrika zu dulden. Es ist nicht „links“, Verständnis für Russlands imperiale Absichten aufzubringen. Und so weiter und so fort.

Für den Kapitalismus als emanzipatorische Bewegung

Und es ist auch nicht links, gegen den Kapitalismus zu sein. In der „Deutschen Ideologie“ (in einer früheren Fassung dieses Artikels heißt es fälschlich: im Kommunistischen Manifest) schrieben Marx und Engels: „Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.“ Und vergessen wir nicht: Der „jetzige Zustand“, das sind „alle Verhältnisse, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. Nur, wer völlig blind durch die Weltgeschichte geht, kann glauben, die Verhältnisse, in denen Menschen erniedrigt, geknechtet und verlassen sind, würden hauptsächlich durch den Kapitalismus verschuldet. Wir haben in den 200 Jahren seit der Geburt von Karl Marx gelernt, den Kapitalismus für unsere Zwecke in Bewegung zu setzen, seine emanzipatorischen Kräfte für uns zu nutzen und seine zerstörerischen Kräfte zu bändigen. Allein in China hat die Kommunistische Partei mit Hilfe des Kapitalismus mehr Menschen in kürzerer Zeit aus der Armut geholt als je zuvor in der Menschheitsgeschichte.

Die „wirkliche Bewegung, die den jetzigen Zustand aufhebt“, ist eben nicht die traditionelle Linke, mit ihrer Konzentration auf die Gewerkschaften und den Staat, mit ihrer Verachtung des Markts, der Innovation und des Unternehmertums. Sie ist da eher ein Bremsklotz. Wissenschaft und Technik, Kommunikation und Unterhaltung, Frauenbewegung  und sexuelle Emanzipation, offener Handel, Migration und poröse Grenzen, Investitionen und Erziehung sind die Triebkräfte der Moderne, und es ist kein Zufall, dass die Dunkelmänner aller Schattierungen gerade sie bekämpfen. Und ja, diese Dunkelmänner könnten gewinnen, haben in der letzten Zeit Geländegewinner erzielt, weshalb man den Terror unnachgiebig bekämpfen, Diktatoren stürzen oder mit Sanktionen belegen, wirklich demokratische – nicht „antiimperialistische“ – Bewegungen unterstützen muss.

Humboldt lebt

Und noch ein Wort zur Schule: Es ist leicht, Experimente wie die Gesamtschule zu kritisieren. Insbesondere kann man kritisieren, dass sie die akademische Exzellenz dem Ideal einer für Alle gleichwertigen Schule opfern. Freilich tun das die High Schools und Colleges in den USA seit jeher ganz bewusst. (Zunächst freilich nur für „Weiße“. Seit 1954 zunehmend auch für Schwarze.) Die Frage darf ruhig gestellt werden, was wichtiger ist: Latein oder soziale Durchmischung. Die Antwort ist nicht auf Anhieb klar, ebenso wenig wie die Frage, was wichtiger ist: Musik oder Chemie, Sport oder Mathe, Handarbeit oder Kopfarbeit.

Die Schulform wurde geändert; eine Änderung des Curriculums und der Lehrmethoden fand nicht statt. Dabei zeigen Deutschlands Grundschulen, Steiner-Schulen und Reformschulen, wo nicht willkürlich getrennt wird, dass integrativer Unterricht möglich ist, wenn der Inhalt und die Form stimmen. Marx nannte als ideal eine Gesellschaft, in der es möglich wäre, „heute dies, morgen jenes zu tun, morgens zu jagen, nachmittags zu fischen, abends Viehzucht zu treiben, nach dem Essen zu kritisieren, wie ich gerade Lust habe, ohne je Jäger, Fischer, Hirt oder Kritiker zu werden“. Wie kann da eine Schule „links“ sein, die darauf aus ist, lauter einseitig ausgebildete Menschen zu produzieren, die als Fabrikarbeiter, Angestellte oder Beamte funktionieren? Was Marx beschreibt, ist das Humboldt‘sche Bildungsideal, auf die Gesellschaft übertragen. Das mag utopisch sein, obwohl inzwischen Kapitalisten und CDU-Politiker übe das „bedingungslose Grundeinkommen“ diskutieren; aber es wäre, so man wollte, immer noch möglich, Humboldts Bildungsideal in der Bildung zu realisieren. DAS wäre links.

 

 

75 thoughts on “Warum ich ein Linker bin

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    Freunde, die sozialistische Verbrecherbande will die Vernichtung unserer Kinder und die Vernichtung unserer Heimat.

    Ezechiel 11:8-9 Das Schwert fürchtet ihr; darum werde ich das Schwert über euch bringen – Spruch Gottes, des Herrn.
    Ich vertreibe euch aus der Stadt, ich liefere euch den Fremden aus und halte ein Strafgericht über euch ab.

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    Hallo Alan, wenn Du ein Linker bist, hoffst du doch allen Ernstes auf das Überwinden „aller Verhältnisse (umzuwerfen), in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“. Trittst im gleichen Atemzug aber für die „offene Gesellschaft“ im Sinne Poppers ein. Der war ja nun bekanntlich der Ansicht, dass der Kampf für die Freiheit ewig währt und niemals endet. Die Aufklärung die Barbarei keineswegs abschütteln wird. Bist Du nun ein „Popper“ oder ein „Linker“?

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    „Im Kommunistischen Manifest schrieben Marx und Engels: „Der Kommunismus ist für uns nicht ein Zustand, der hergestellt werden soll, ein Ideal, wonach die Wirklichkeit sich zu richten haben [wird]. Wir nennen Kommunismus die wirkliche Bewegung, welche den jetzigen Zustand aufhebt.“ “
    Was – in der Deutschen Ideologie MEW 3,35 – Marx da schreibt und was vor allem in dem Absatz davor (3,34f) steht, was vorausgesetzt ist und in der heutigen Zeit gerade wieder untergraben wird, universelle Entwicklung der Produktivkraft und zusammenhängender, ist in der Tat eine Art kommunistisches Manifest, mehr als das von 1848. Erbärmlich apologetisch hinsichtlich einer Kritik, die Lenin und Co. den Boden entzieht die Endnote 9, die rechtfertigt, was zum Scheitern verurteilt ist, Kommunismus als Lokalität, was auf, wie es heißt, „heimisch-abergläubige ‚Umstände'“ führt. Das, was da verteidigt wird, hat heute die Rechte beerbt und die Linke nicht gelernt, was sie auch in Rosa Luxemburgs, Nationalitätenfrage und Autononomie, Berlin 2016 (2.Aufl der dt. Übersetzung des ursp. polnischen Artikels) sich hätten bejagdscheinigen hätten können.
    Ingesamt teile ich das Meiste, zumal ich die Gesäßtopographie rechts-links, die einst die des Parlaments war, ohnehin nicht mehr stimmig ist. Was Stalinismus von Marx unterscheidet, hat ja nun in AfD und Co. eine eigene blaue Heimat gefunden, nachdem der Neoliberalismus abgedankt hat und man wundert sich nicht so, daß das vor allem in der Ostzone passiert. Viel muß da ja nicht umgedacht werden.

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      Dann hätte ich aus dem falschen Manifest zitiert, lieber Martin Blumentritt, tut mir Leid. Freilich waren Marx & Engels, anders konnte es ja gar nicht sein, Kinder ihrer Zeit, darum schrieben sie unmittelbar vor diesem Satz: „Der Kommunismus ist empirisch nur als die Tat der herrschenden Völker ‚auf einmal‘ und gleichzeitig möglich, was die universelle Entwicklung der Produktivkraft und den mit ihm zusammenhängenden Weltverkehr voraussetzt.“ Der Begriff der „herrschenden Völker“ – gemeint sind die Engländer, Franzosen, Deutschen, Russen und Amerikaner – sitzt uns nun doch ein wenig quer in der Kehle. Die „herrschenden Völker“ hätten die Revolution gemacht und den Kommunismus den beherrschten 90% zum Geschenk gemacht. Vielen Dank auch. Und wenn es stimmt, dass der Kommunismus nur „auf einmal“ möglich ist, können wir uns getrost zurücklehnen wie jene Katholiken, die gewiss sind, dass die Welt erst endet, wenn die Juden alle Jesus als ihren Messias anerkennen.

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    I first had my problem with the ‚etiquette‘ left when I read an article by one of the high priests of the Italian left, Paolo Flores D’Arcais. He maintained that those on the right cannot per definitionem be democrats. Perhaps both he and I do not really understand what left means. At 70 time isrunning out for me.

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      I think you mean „label“, not „etiquette“ (politeness). I am tempted to answer that the main division in the world today is between advocates of open societies (whether they be self-determined als leftists or Rightists) and advocates of closed societies (and closed worldviews) – to whom your Italian aristocrat seems to belong.

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        @APo

        … was meinen Sie eigentlich mit ‚Offener Gesellschaft‘? Das lese ich immer wieder und kann damit nix anfangen.

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        Lesen Sie bitte dazu Karl Popper: „Die offene Gesellschaft und ihre Feinde“. Und wenn Ihnen das zu viel Arbeit ist, googeln Sie Karl Popper.

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        … Popper? nein, vielen Dank, Zeitverschwendung. Ich dachte eher Sie würden kurz begründen was denn so toll an einer ‚offenen Gesellschaft‘ sein soll, in der EU-Kommissare über Völker stehen und den ‚Souverän‘ faktisch entmündigen.

        ‚Open Society‘ ist die ‚Sozialistische Internationale‘ von Marx und Genossen im Zeitgeist. Orwell reloaded. Wie langweilig. Das ist nicht nur antidemokratisch, das ist verfassungswidrig, das ist völkerrechtswidrig.

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        Lieber Blonderhans, hier sind Sie eindeutig in einem Bereich, wo Ihre Leser das Fremdschämen überkommt.

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        Hallo, BH,

        es gibt gute Literatur zum Thema der OG 🙂

        Aber ich muß Sie warnen 😉 – die offene Gesellschaft ist mMn in keiner Weise das, was ich als eine gute Gesellschaftsordnung ansehen würde.

        Das Hauptproblem, das ich nicht nur bei Karl Popper (ein brillanter Kopf nichtsdestotrotz), sondern bei allen linken und liberalen Denkern sehe, ist die Annahme, ein Mensch hätte irgend einen intrinsischen Wert, einfach aufgrund seiner Zugehörigkeit zur biologischen Spezies Mensch.

        Für mich ist eine solche Theorie vollkommen absurd: Menschen sind als Individuen ebenso verschieden, aber auch ebenso ungleichwertig wie als Nationen.

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        @Linkenhasser

        … nix für ungut, Popper widerspricht sich nahezu in jedem zweiten Satz. Aus Popper liest heraus was jeder will. Und ‚raus kommt, u.a., open society foundation oder Gauck: ‚Das Problem sind nicht die Eliten, das Problem ist momentan die Bevölkerung.‘

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        Lieber Linkenhasser, mit Ihrer Ansicht, die Menschen seien ungleichwertig, verlassen Sie den christlichen Konsens. Alle Menschen sind Gottes Ebenbild, und in der Bibel selbst hat Gott zwar ein Volk auserwählt, hat aber nicht geäußert, die Babylonier oder Hethiter oder sonstwer seien minderwertig, weil sie Babylonier, Hethiter oder sonstwer seien, sondern weil sie nicht ihn verehrten, sondern irgendwelche Götzen.
        Anders gesagt: Das Christentum hat einen universellen Anspruch, alle Gläubigen zu vertreten und als gleichwertig anzusehen (lesen Sie einmal, was Jesus Christus über die Pharisäer sagt…).

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        Sehr geehrter Herr Krempel,

        leider hat meine Antwort die Zensur verschluckt, aber ich wollte nur sagen, daß das Christentum in der Politik sehr problematisch ist. Christen in ihrer verzeihenden Güte haben alle Talente, sich den Himmel zu erwerben, aber keins, um sich in dieser Welt zu behaupten. Sie sind zu gut für diese Welt, und ihre Gegner gewinnen deshalb immer, weil sich (einem arabischen Sprichwort zufolge) in einem Streit grundsätzlich der Gemeinere durchsetzen kann. Traurig, aber leider… 🙁

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    Vielleicht darf ich noch etwas ‚Meta-Analyse‘ loswerden: Ich denke, bei dem, was links und rechts unterscheidet handelt es sich darum, ob die Grenze zwischen den Klassen (ich finde Orwells Unterscheidung in ‚1984‘ zwischen Proletariat und ‚Nomenklatura‘ für die Gegenwart treffender) durchlässig sein soll, oder nicht. Diese Grenze durchlässig zu machen ist aber offensichtlich gar nicht so einfach: Vor einigen Jahrzehnten wurde es dem Proletriat durch Bafög ermöglicht, zu studieren (auch ich profitierte davon). Mittlerweile studieren über 50% eines Jahrgangs und wir müssen von der ‚Generation Praktikum‘ sprechen, die in D mit Harz-4 diszipliniert und in der Zukunft höchstwahrscheinlich mit einem bedingungslosen Grundeinkommen ruhiggestellt werden soll. (Ich befürworte letzteres, aber das ist ein anderes Thema.) In Südeuropa lebt dieses akademische Proletariat von den Renten der Eltern/Großeltern mit, weswegen Berlusconi wahrscheinlich irgendwann wieder mal dran kommt, denn er will die Renten erhöhen und adressiert so auch dieses Proletariat.
    Geld (z.B. für Schulen) bewirkt also erst mal gar nichts. Und eine als Arbeitsplatzrettung (und Systemrettung, -> Bankenrettung) verkaufte Stabilisierung der Wirtschafts-Platzhirsche ganz offensichtlich ebenfalls nichts. Es gibt nur eine Möglichkeit, die Grenze zwischen Proletariat und Nomenklatura (Arbeitslose und Arbeitsplatzbesitzer, befristet Beschäftgte und die mit unbefristeten Verträgen, Freelancer und Großunternehmer, Parteien-Fußvolk und Abgeordnete usw. usf.) durchlässiger zu machen und das hört man hier überhaupt nicht gerne: Hire & fire und Firmen (alle!) pleite gehen lassen, wenn sie es nicht nicht mehr ‚bringen‘. Jaja, die übliche neoliberale Leier, werden jetzt einige sagen, aber ich habe davon gehört, daß in Kopenhagen die glücklichsten Menschen der Welt leben sollen, weil sie weder morgens im Stau stehen, noch sich überhaupt ‚wie in der Tretmühle‘ fühlen. Dänemark hat einen sehr liberalisierten Arbeitsmarkt, allerdings bei durchaus hohen Standards bei Arbeitsschutz und sozialer Absicherung, was dazu führt, daß bei Kündigung der nächste Arbeitsplatz ein, zwei Straßen weiter schon wartet. Man fährt mit dem Fahrrad über gut ausgebaute Radwege zur Arbeit und mit dem Lastenfahrrad einkaufen.
    Die typische Perzeption im Schildbürger-Deutschland mit real existierender Sozialdemokratie wäre:
    1. Radwege ausbauen (nachdem der Diesel verboten wurde, natürlich)
    2. Zuschüsse für Lastenfahrräder geben
    3. Verkehrsschilder und Ampeln auf den neuen Radwegen aufstellen
    4. eine PFZ-Steuer (Pedalfahrzeug-Steuer) einführen (weitere Vorschläge sind bestimmt reichlich vorhanden)..

    jedenfals Geld, viiieeel Geld ausgeben.

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    Die Linken sollten schon präzise ihren Zuständigkeitsbereich definieren; einfach konkreter argumentieren. Über Landesgrenzen hinweg bleibt die linke Frage eine Wunschvorstellung. Gegen Ungerechtigkeiten zu sein, Kriege etc., ist nicht weiter rechtfertigungsbedürftig. Die historische Frage wird nicht wirklich beantwortet: Was kommt danach?

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      Lieber GUDE: „Danach“ kommt nur bei religiösen Menschen etwas. Linkssein ist kein Programm, sondern eine Haltung, und sie bedeutet nicht, „gegen Ungerechtigkeiten, Kriege usw.“ zu sein, wie Sie schreiben.Im Gegenteil: Manchmal müssen Linke für Kriege sein, wie ja Marx und Engels immer für einen europäischen Krieg gegen Russland argumentierten und in Amerika den Krieg der Nordstaaten gegen die Südstaaten unterstützen. (Kein Wunder darum, dass heutige Rechte pro-russisch sind und die Konföderiertenfahne schwenken.)

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    Was nur etwas fehlt, ist die Lokalisierung der Macht. „Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen“ und Universalismus sind Markenkerne, die können aber auch Diktaturen hervorragend bedienen – und sie tun es ja auch, der Begriff Entwicklungsdiktatur ist ja nicht neu, wir hatten es ja auch über Imperien. Links impliziert im allgemeinen Verständnis die Möglichkeit, die Frage nach dem Eigentum und damit der Macht zu stellen und daraus leiten sich entsprechende Notwendigkeiten ab, d.h. eine Eigentumsgarantie kann nicht gegeben werden und das ist dann vielleicht der Hauptunterschied zu den Liberalen, bei allen möglichen Überschneidung. Kocks hat in den SM mal Privat mal das Supergrundrecht bezeichnet und das kann kein Linker so garantieren, was es eben zu einer Option und auf keinen Fall zu einem Supergrundrecht macht. Zum Linkssein im allgemeinen Verständnis gehört eben nicht nur das Ziel, bei dem es viele Gemeinsamkeiten gibt, sondern auch das Verfahren. Die Frage ist, was der bessere Ansatz ist, auf Verfahren zu bestehen oder auf Ziele hinzuarbeiten. Ich bevorzuge die Zielsetzung, was mich in unserem Koordinatensystem aus der linken Lager rauskegelt.

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      Die Eigentumsfrage ist natürlich zentral, Stevanovic, aber es ist schon interessant, dass der Kapitalismus selbst an dessen Aufhebung arbeitet (Carsharing, Streamingdienste usw.).

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        Ja, stimmt schon, aber das meinte ich nicht mit Eigentum. Die Linke stört ja weniger mein Auto als die Frage, wem die Fabrik gehört, die das Auto baut. Musk und Bezos haben so viel Kapital, dass sie sich ein privates Wettrennen in den Weltraum leisten können. Ich möchte dies nicht kritisieren (im Gegenteil, ich bin ja dafür), aber es gibt keinerlei Anzeichen, dass der Kapitalismus die Art von Eigentum aufhebt, die Linke so gerne als Großkapital bezeichnen. Ich will nicht mit Klassenbewusstsein anfangen, aber die Überwindung des Eigentums durch Carshering ist eine Verschiebung des Eigentums am BMW von mir auf den Besitzer des Carsherings, d.h. der BMW bleibt im Eigentum der Quandts, nicht der Stevanovics, die aber immer noch Geld an die Quandts bezahlen. Denn im Hintergrund der neuen Geschäftsmodelle stehen ja immer noch die gleichen Leute. Tatsächlich nimmt der Wettbewerb ja ab und nicht zu. Google und facebook haben die neuen digitalen Claims abgesteckt, was der Gründerkultur nicht gut getan hat. Schauen sie an der Tanke die Schokoriegel, da gibt es nur zwei/drei Firmen. Es geht uns besser, die linken Ziele werden erreicht, aber eine Überwindung des Eigentums findet nicht statt.
        Disclaimer: Ich fahre keinen BMW.

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        Ja, stimmt schon, Stevanovic. Siehe meine Antwort an Roland Ziegler, der einen ähnlichen Einwand formuliert. Zwei Gegeneinwände: Erstens (und grundsätzlich): Was würde besser, wenn – sagen wir – BASF dem Staat gehörte, und nicht den Aktionären? Staatlichen Akteuren verdanken wir solche Großerfolge wie die Kernkraft, die britische Autoindustrie und zivile Luftfahrt, und BER. (Die Gegenargumente, und sie sind gewichtig, hat meine Freundin Marianne Mazzucato in „Das Kapital des Staates“ aufgeschrieben.) Zweitens (und das hängt mit erstens zusammen) befinden sich BMW, Ford und Co. gerade in einem Kampf auf Leben und Tod mit Google, Amazon usw. in Sachen selbstfahrende Elektroautos. Wer weiß, wer gewinnt. Und wer weiß, wer in zehn Jahren seinerseits Google und Facebook, Amazon und Apple obsolet machen wird. Das heißt: die Probleme sind vielschichtig: Es gibt die exorbitanten Gehälter der Managerelite (darüber habe ich hier auf SM geschrieben); die Monopolstellung einiger großen Firmen; die mit beiden verbundenen Probleme für die Demokratie. Und auf der anderen Seite die ziemliche Gewissheit, dass weder Verstaatlichung noch höhere Besteuerung sinnvolle Antworten darauf sind. Hic Rhodus, hic salta.

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        Eigentlich wird doch nur der persönliche Warenpark geschrumpft. Solange das Bankkonto stimmt, ist auch Eigentum da. Das Geld ist ja das Entscheidende am Kapitalismus, wie der Name schon sagt. Danach streben alle, und wer viel davon hat, ist reich. Daran ändert sich durch Straming, Car Sharing u. Co. nichts. (Vielleicht durch ein nennenswertes bedingungsloses Grundeinkommen, das ja auch von vielen Kapitalisten gefordert wird, um die erlahmende Kaufkraft anzukurbeln – damit würde die Eigentumssituation dann etwas unübersichtlich)

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        Ja. Eigentum wird durch Access ersetzt, und Access – Zugang – ist an Geld gebunden, das ist richtig. Es gibt auch den von Piketty beschriebenen Vorgang der Entstehung einer neuen Rentierklasse, die dabei ist, sich von der übrigen Bevölkerung abzuschotten – eigene Wohngebiete, eigene Schulen, eigene Clubs, Heirat nur noch untereinander. Das geht nicht lange gut, trotz bedingungslosem Grundeinkommen, in dem ich hauptsächlich ein Befriedungsmittel sehe.

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        Deswegen kommt die Linke in Deutschland nicht wirklich aus dem Quark. Ob BASF staatlich ist und ich dem Treiben indirekt und über viele politische Umwege in einer Wahl alle 4 Jahre meinen Segen gebe oder nicht, macht in der Lebenswirklichkeit der Menschen keinen wirklichen Unterschied. Glücklich der, der zu Weltraumstationen eine valide Meinung hat, ich habe sie nicht. In der Praxis hat sich gezeigt, dass die Wähler im Zweifel genauso ticken, wie sie es als Konsumenten tun, d.h. ob BASF Staat oder Privat ist, macht für mich keinen Unterschied. Wenn BASF staatlich wäre, würde es die Glyphosat-Debatte wahrscheinlich gar nicht geben, weil es um Arbeitsplätze der Wähler geht.

        Der Access-Punkt hat einen Haken: wir haben als Familie 2-3 Generationen gebraucht, um an den Punkt zu kommen, dass einer von uns einen kleinen Laden ausmachen kann. Auch kleines Kapital will akkumuliert sein. Wenn aber um uns herum alles Franchise-Ketten gehört, alles geleast ist und die Dynamik des Marktes die Bedingungen immer schneller ändert, bleibt nicht mehr viel Luft für Kleinunternehmer, die Becker und Metzger ja durchaus mal waren. Wie viele Kleinunternehmer hat ein durchschnittliches Dorf noch? Und wenn Franchise die Dörfer dominiert, was macht dann den Unterschied zum Staatsunternehmen? Nicht im großem Ganzen, sondern nur in der Lebenswelt des Dorfes. Vielleicht hat das nichts mit Links/Rechts zu tun, aber mehr Bälle im Spaßbad (staatliches Grundeinkommen) oder eine Konzentration auf Franchise (Oligarchen), killt den einzigen Raum, den ich überschauen und wirklich mitbestimmen kann. Das macht mir mehr Sorgen als die BASF. Accses konserviert die Kapitalverteilung, zum einem bilde ich nicht mal als Familie welches und zweitens erfordert das Konzept große Einheiten. Ob das nun Google oder BMW werden…

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        Kann man so oder so sehen, was besser ist – staatlicher Einfluß oder rein privater. Beim rein privaten Einfluß bestehen zwei Gefahren: daß Innovationen gescheut werden, weil sie nicht in adäquater Zeit Gewinne abzuwerfen versprechen oder daß sie verschlafen werden, da man die Cash-Cows lieber länger melken möchte. Beispiele für letzteres gibt es zu Hauf: Die bestehende Autoindustrie, die weltweit die selbstfahrenden Fahrzeuge nicht als Perspektive im Blick hatte, die deutsche Autoindustrie, die die Konzepte für Hybridfahrzeuge in der Schublade versauern ließ, weil sie keinen Markt dafür gesehen hatte (bis 2008 der Spritpreis durch die Decke ging – dann war aber Toyota schon da und hatte seine Hybridfahrzeuge bereits in Serienproduktion) oder Microsoft, das mit Windows und Office so viel verdiente, daß es das Setzen neuer Trends (Suchmaschinen, soziale Netzwerke, e-Commerce, Mobilgeräte, Cloud-Services) anderen überließ.
        Und bei den Innovationen, die langfristige Entwicklung mit ungewissem Ausgang vor sich haben, zeigen gerade die aktuellen Beispiele, daß diese bei nicht-staatlichen Unternehmen davon abhängen, daß es – abfällig gesprochen – schwerreiche Spinner gibt, denen es nichts ausmacht, wenn sie Millionen in den Sand setzen (Branson und Musk beispielsweise wollen Flüge ins All kommerzialisieren, Paul Allen träumt von Kernfusion, und Mark Shuttleworth sponsert Ubuntu). Die staatlich gesponserte Innovation hingegen hängt essentiell davon ab, welches politische Umfeld herrscht; Kernenergie wurde in der frühen Bundesrepublik intensiv gefördert, weil Adenauer und Strauß von eigenen Nuklearwaffen träumten und dafür das notwendige Wissen brauchten, die Raumfahrt war zunächst ein Abfallprodukt des Militärs (Spionage- und Kommunikationssatelliten, Interkontinentalraketen), ehe sie zu einer Propagandaschlacht im Kalten Krieg mutierte, und ein nicht geringer Teil unserer heutigen Computertechnik baut auf Entwicklungen auf, die im Rahmen der Luftraumüberwachung und dem Problem der Online-Datenübertragung, -Auswertung und Visualisierung entstanden. Allen ist gemeinsam, daß bei der Entwicklung dank des Kalten Krieges Geld oder Wirtschaftlichkeit keine Rolle spielte. Auch dies eine Parallele zu der Sponsorentätigkeit der „schwerreichen Spinner“.

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        @Stevanovic
        Natürlich ticken die Wähler wie Konsumenten. Ein ‚Homo oeconomicus‘ – nur daß der nicht rational ist, sondern Börsen-chaotisch-emotional-triebgiergesteuert. Normal. Die ‚Menschen‘ mit der ‚Lebenswirklichkeit‘ haben sich allerdings bisher darauf verlassen, daß Großunternehmen, die irgentwie staatlich gefördert/eingebunden waren (Post bzw. Nachfolgeunternehmen, Telekom, VW usw., auch den nationalstaatlichen sozialen Konsens (Stichworte Mindestlohn, Korruption) mitgetragen haben. Das ist in zweifacher Hinsicht zur Lüge geworden (sehr wahrscheinlich war es auch immer eine). Erstens erlaubt die Politik, daß diese Unternehmen kapitalistisch mit harten Bandagen an der Grenze der Legalität agieren, lässt sie aber nicht pleite gehen (Steuergelder!) und zweitens fahren die Steuerbehörden dennoch bei kleinen Unternehmen und bei Privatleuten die konsequente ordnungspolitischen Linie: Wer das nicht aushält muss peite gehen. Doppelte Standards sind ein gesellschaftlicher Sprengsatz. Ja, und das Familienvermögen, das Vererbte, war immer auch ein Schutz gegen staatliche Wilkür. Allgemein gesagt müssen wir uns von scharz-weiß-Betrachtungen (bitte bitte!) dringend veranschieden (Stichwort Vermögenssteuer).

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        Ja, Klaus J. Nick, da haben Sie Recht. Eine Bank ist „systemrelevant“, ein Kleinunternehmen nicht. Die an der Grenze zur Illegalität operierenden Bankmanager werden gerettet, einschließlich ihrer „Boni“, die sofort in Immobilien gesteckt werden, der Besitzer der Kleinfirma landet in der Insolvenz und muss sein Haus verkaufen. Das ist jenseits von „links“ und „rechts“ eine Gemeinheit, die den Zusammenhalt der Gesellschaft und das Vertrauen in die Regierung (also die Demokratie selbst) untergräbt.

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        @Opa Krempel
        Sie kritisieren die „schwerreichen Spinner“, loben hingegen Hybridfahrzeuge von Toyota mit zwei Antriebssystemen, daher ohne nennenswerte Nutzlast und E-Autos, eine Technologie des 19.Jh. mit im Betrieb gefährlichem Energiereservoir, das faktisch nur mit ‚Atomstrom‘ wirklich‘ regional autark aufgeladen werden kann. Wissen Sie wirklich wohin es geht? Oder spekulieren Sie nur auf ‚gestaltende Politik‘, die mit Angst („Klimakatastrophe“) agiert?

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        @KJN: Die „schwerreichen Spinner“ werden mitnichten kritisiert – ganz im Gegenteil: Ohne deren Bereitschaft, Geld in eine Idee zu stecken, ohne die Garantie zu haben, daß die Idee Erfolg haben wird, gibt es kaum Weiterentwicklung. „Spinner“ sind sie aus der Perspektive derjenigen, die eine Kapitalbereitstellung – auch bei hohem Risiko – als Investition sehen, also in angemessener Zeit eine Rendite erwarten.
        2. Ob Hybridfahrzeuge aus der Sicht eines Ingenieurs der wahre Jakob sind, ist für meine Argumentation eher zweitrangig; entscheidend ist, daß sie in Japan und Deutschland bereits als Nischenprodukt auf dem Markt waren, aber seitens der deutschen Autobauer weder ein Angebot geschaffen wurde, noch in Erwägung gezogen wurde, der Markt könne sich in diese Richtung entwickeln. Und daß die deutschen Autobauer folglich auch nicht reagieren konnten, als plötzlich die Nachfrage da war.

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        @KJN
        Die Vermögenssteuer wird immer wichtiger, oder (besser), sie wird immer wichtiger werden. Aber nicht als Gerechtigkeitssteuer gegen Mittelständler und den reichsten Bauern im Dorf, sondern als Notwehrsteuer gegen Vermögen, die politisch tektonische Platten verschieben und damit die Marktwirtschaft und letztlich die Demokratie aushebeln können. Vermögenssteuer als Grundsteuer haben wir ja schon heute, allerdings nur für die, die nicht weg können. Die Solidarität der Mittelschicht mit den wirklich Reichen in dieser Frage ist doch recht einseitig.

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        @Opa Krempel
        Soweit verstanden. Tatsächlich sollte sich eine moderne Gesellschaft bei der Grundlagenforschung bzw. der nicht sofort wirtschaftlich verwertbaren Forschung ausschließlich von „schwerreichen Spinnern“, also Mäzenen abhängig machen, sondern genau hier staatlich finanzieren. Deswegen will Donald Trump ja auch die Mondflüge wieder aufnehmen lassen. (Staatlich finanzierte, von der Wirtschaft unabhängige Institutionen sind wohl überhaupt das Rückgrat einer Gesellschaft und die Privatisierung bestimmter Bereiche, wie Justizvollzug und Post m.E. völlig undiskutabel. In den USA sieht man das weitgehend auch bei der Wasserversorgung so, entgegen hier üblicher Klischees.)
        Nicht gut ist, wenn Politik und Forschung sich gegenseitig in bestimmten Auffassungen bestärken, wie überhaupt jegliche hierzulande so beliebten Mischformen (public private partnerships) zwischen öffentlicher Hand und Privatinteressen bzw. politischen Interessen und unabhängig sein sollenden Institutionen eben nicht nur ordnungspolitisch inkonsequent sondern eine Form von übler, wenn auch ‚keimfreier‘ Korruption sind.

        Ich für meinen Teil habe bei den letzten beiden threads gelernt, daß mir die Kategorien ‚links‘ oder ‚rechts‘ keinerlei tiefere Einsicht mehr vermitteln können, selbst wenn ich mich über meine Vorstellung von ‚Chancengerechtigkeit‘ vielleicht noch eher links sehe und nicht den Schritt der Mehrheit meiner Freunde und Bekannten mit gehe, die es für Realismus halten, den Menschen ‚angestammte‘ Plätze zuzuweisen. Danke allen fürs Mit- oder Gegenlesen und Kommentieren.

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    Sehr geehrter Herr Posener, ich finde ihren Artikel sehr aufschlussreich und sogar hilfreich. Er formuliert nämlich deutliche eine weitverbreitete Haltung unter Menschen, die sich gerne als „links“ bezeichnen. Diese Position wird aber selten so explizit formuliert wie in Ihren Artikel. Deshalb ist es gut, dass Sie das alles so schön aufgeschrieben haben. Inhaltlich erlaube ich mir aber, zu widersprechen. Ohne eine starke Anbindung an die Gewerkschaften und einen, wie auch immer zeitgemäß begründeten Anti-Kapitalismus, hat man m.E. nicht das Recht, sich als Linker zu bezeichnen. Ein Bekenntnis zu dem von Ihnen angeführten Marx-Zitat reicht nicht aus, für sich die Selbstbezeichnung „Linker“ in Anspruch zu nehmen und sich damit in die Tradition der sozialen und emanzipatorischen Leistungen der Arbeiterbewegung einzureihen. Wer CDU und Angela Merkel wählt, (wie sie zugeben) kann kein Linker sein. Sie scheinen vielmehr Sympathisant einer nicht deklarierten Neu-Religion zu sein, die sich aus Zerfallsprodukten des Christentums konstituiert hat und sich in einem diffusen Engagement für alle Menschen gefällt, die irgendwie benachteiligt oder schlecht dran sind. Nach dieser Auffassung kann man sein Geld tagsüber bei einer internationalen Investmentbank verdienen und sich nebenher für irgendeine Minderheit engagieren und schon darf man sich als „links“ bezeichnen. Diese Meinung teile ich nicht.

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      Lieber Roland Augsburger, nun weiß ich nicht, wo Sie arbeiten, und ob Ihnen Ihre Berufstätigkeit das „Recht“ einräumt, sich als Linken zu bezeichnen. Vielleicht sind Sie Gewerkschaftssekretär? Hätten Sie sich ein wenig informiert, wüssten Sie, dass ich seit über 40 Jahren Gewerkschaftsmitglied bin und dafür auch von der Gewerkschaft geehrt wurde.(Ich habe darüber in der WELT geschrieben.) Ihre Kennzeichnung meiner Haltung als einer „nicht deklarierten Neu-Religion, die sich aus Zerfallsprodukten des Christentums konstituiert hat“, ist natürlich eine sehr gute Selbstbezeichnung des „wissenschaftlichen“ Sozialismus, wie Sie nur zu genau wissen, der ja faktisch die Transponierung der Erlöserreligion ins Weltliche ist, mit Paradies, Fall, Heilsgeschichte, Messias und Paradies. Doch wie Jesus nicht der Messias war, ist das Proletariat nicht der Erlöser, wie schon Engels explizit und Lenin implizit zugaben, und so lange die dogmatische Linke den Anti-Kapitalismus als Schibboleth beibehält, wird sie nichts bewirken, jedenfalls nichts Positives.

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    Mir gefällt der Ansatz, sich über die Ziele zu definieren. Schwierig wird’s immer, wenn ich etwas pauschal verteidigen oder verdammen soll, es gibt nach meiner Erfahrung keine zimmergültig gleichen Antworten. Manche Blüten, die „der Kapitalismus“ treibt, sind an manchen Orten und zu manchen Zeiten gut für die gerade Anwesenden (oder eine Mehrheit), in anderen Umständen oder Zeiten eher nicht. Das gleiche gilt für Regeln. Wir müssen alles immer wieder hinterfragen und ggf unser Urteil ändern. Wahrscheinlich befinden wir dann mal so, mal so.
    Also im Großen und Ganzen einverstanden. Dazu passt für mich jedoch nicht, an anderer Stelle abzuleiten, was man als Linker befürworten oder ablehnen MUSS. Es ist möglich, mit ähnlichen Zielen zu abweichenden Schlussfolgerungen oder Gewichtungen zu kommen. Und das zuzulassen, ist für auch eine linke Tugend 😉

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    Die Proteste gegen TIPP und Ceta sind nicht als Gegnerschaft zum Freihandel zu verstehen, sondern als Abwehr der in dre Tat gefährlichen Investitionsgarantien. Herr Posener sollte, bevor er etwas schreibt, sich dar+über informieren, was Sache ist. Gut klingende Thesen – schön un d gut – aber wenn die Fakten, mit denen diese Thesen garniert werden, nicht stimmen, dann sind sie eben nichts als Schall und Rauch. Und das gilt eigentlich für den gesamten Beitrag von Herrn Posener.

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      Lieber Günter Spitzing, ich bin nicht blöd, auch wenn Sie das gern so hinstellen wollen. Ich habe keine Proteste der so genannten Linken gegen die zahlreichen Handelsverträge gesehen, die Deutschland allein oder via EU mit Staaten der „Dritten Welt“ abgeschlossen hat, und in denen viel strengere Investitionsgarantien enthalten waren. Erst als es um Verträge mit den USA und Kanada ging, waren die Proteste da. Das soll mir mal einer erklären.

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    Die Linke und Rechte Populismus Keule.
    Oder der Zwang seine Gesinnung unbedingt Folge zu leisten.
    Was ist denn “ LINKS “ oder “ RECHTS “ ???????
    Ich kenne nur .
    Gerechtes oder Ungerechtes.
    Demokratisches oder Undemokratisches.
    Soziales oder Unsoziales.
    Bin ich ein Linker wenn ich Wohlstand für Alle bin .(Essen. Wohnen,Kleidung,Bildung ,Freizeitgestaltung)
    Oder bin ich ein Rechter wenn ich verlange das , das Grundgesetz von allen die in Deutschland leben akzeptiert wird und für die ,die nicht danach leben wollen kein Platz ist in diesen Land ohne Ausnahme .( sollte auch für die gelten die einen Deutschen Pass haben )

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      Lieber Peter Ettinger, ich habe wenig übrig für rhetorische Fragen. Wenn Sie verlangen, dass das Grundgesetz von allen – bei Strafe der Ausweisung – akzeptiert werden soll, sind Sie vielleicht ein Rechter, vielleicht ein Linker, aber eines sind Sie nicht: ein Demokrat. Selbstverständlich darf ich das Grundgesetz ablehnen, bekämpfen, für seine Änderung oder Ersetzung streiten, etwa durch die Diktatur des Proletariats oder eine islamische Theokratie. Ich darf dann vielleicht nicht Beamter werden, und muss vielleicht mit der Observation durch die Gesinnungsschnüffler vom Verfassungsschutz rechnen, aber – ich wiederhole es – die Gedanken sind frei, und die Worte auch, und müssen es bleiben.

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    … warum ich noch nie ein Linker war und es auch nie sein werde. Ich weiß das nervt und ist immer wieder dieselbe Argumentation. Es gibt aber keine andere.

    ‚Links‘ ist, bis zu den gegenwärtigen ‚Sondierungsgesprächen‘ um die Ex, verantwortlich für 150’000’000 (150 Millionen) ermordete Menschen allein im vergangenen Jahrhundert. Und ja, die National-SOZIALISTEN waren auch ‚Links‘. Braucht es mehr Begründung?

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      Ja. Jede Argumentation, die alles Böse in der Welt einer einzigen Quelle zuschreibt, ist offenkundig Unsinn und im übrigen unchristlich, denn schon Jesus warnte, dass der Teufel viele Gestalten annehmen könne.

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        … auf den Nenner, das (gläubige) Judentum ist der ‚Vormärz‘, das Christentum die Revolution. Alles andere ist Konterrevolution … die ‚Gutlinken‘ argumentieren wie die Mohammedaner, hat nix mit ‚Links‘, hat nix mit Islam zu tun. ‚Gutlinke‘ sind, wie ‚Gutmenschen‘, das Feigenblatt menschenfeindlicher Ideologie/Politik. Das kann, wer will, auch als ‚Ungläubiger‘ gesehen werden … ahem, was, wiederum, ein Beweis ist … 😉

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        Das sehen die Juden ganz anders, blonderhans, und mit sehr guten Gründen.

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    Ihre Definition von linkssein könnte vielleicht nicht Ihr Fastfreund Gauland, aber bestimmt Leute wie Höcke und Co unterschreiben.
    Auch Höcke will die „Verhältnisse umzuwerfen“, denn er ist felsenfest davon überzeugt, daß der (deutsche) „Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“.
    Interessant fand ich auch Ihre Anmerkungen zu Marx.
    Einem Menschen Charaktereigenschaften („den deutschen Hang zu Dogmatismus, Systembastelei und Begriffshuberei“) aufgrund seiner Herkunft zuzuschreiben galt bisher als rechts, aber ich habe mich gerne eines besseren belehren lassen.

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      Lieber Don Geraldo, Sie irren, und Sie wissen das. Höcke geht es um „das Volk“, nicht um den Menschen. Das ist ein Unterschied. Im übrigen ist – und das wissen Sie auch – mit „dem deutschen Hang …“ weder eine genetische noch auch eine kulturelle Eigenschaft gemeint, sondern „der Hang des deutschen Akademikers, zumal im 19. Jahrhundert…“. Ich hätte Ihnen etwas mehr zugetraut in Sachen Textanalyse.

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    Aber dieser kategorische Imperativ, „alle Verhältnisse umzuwerfen, in denen der Mensch ein erniedrigtes, ein geknechtetes, ein verlassenes, ein verächtliches Wesen ist“ – wodurch unterscheiden sich hierbei die Linken von den Rechten? Der Imperativ erzeugt in jedem Fall Inbrunst, man sieht sich als Kämpfer mit hochgereckter Faust an der Front des Guten. Auch die Rechten sehen sich genauso als Frontkämpfer, auch wenn sie auf die „Gutmenschen“ schimpfen. Nur kämpfen sie nicht für alle, sondern nur für „die ihrigen“, wer immer das auch sein mag. Vulgo Volk. Inzwischen erkennen sie auch anderen Gruppen – Völkern – dieses Recht zu. M.a.W.: der Unterschied zwischen Linken und Rechten hinsichtlich jenes Imperativs besteht darin, dass die Linken keine Grenze akzeptieren zwischen „den Fremden“ und „den Eigenen“, die Rechten aber schon, sie fordern sie sogar. Diese Abgrenzung (zwischen Eigenem und Fremden) ist das, was beide Weltanschauungen voneinander unterscheidet; nicht der Imperativ.

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      ..wobei man vielleicht korrigieren sollte, dass auch die Linken eine Grenzziehung vornehmen, aber wie es eben heißt: nicht zwischen Völkern, sondern zwischen oben und unten. Vielleicht sind es die Liberalen, die gar keine Grenzziehungen vornehmen. Alles jeweils nur dem Prinzip nach natürlich (ein Prinzip bricht man gern mal).

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        Nein, lieber Roland Ziegler, Marx sagt: „der Mensch“. Nicht „der Arbeiter“ und schon gar nicht „das Volk XY“.

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        Das sag ich ja: links ist grenzenlos. Alle Menschen sind gemeint, überall. Die Rechten sagen dasselbe, aber bezogen auf bestimmte (auserlesene) Leute, unter Ausgrenzung anderer. Die Volksgemeinschaft in ihren natürlichen Grenzen. Rechte akzeptieren oft keine allgemeingültigen Menschenrechte. Linken sage: „alle Menschen werden Brüder“, Rechte: „Wir Volksgenossen werden Brüder, aber die anderen bleiben draußen“. Das Draußenlassen oder: Zurück-nach-draußen-Schaffen ist DAS Topos schlechthin in der rechten Ideologie. M.E. ist das ganze Zeug einfach auf Existenzangst aufgebaut.

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        Ja. Nur fürchte ich, dass die Linken, wie Sie sagen, „alle Menschen“ sagen, aber nicht „jeder Mensch“ meinen, wie Marx das formuliert. Und dass bei vielen Linken manche Menschen gleicher sind als andere: Schwarze Frauen sind irgendwie edler als weiße Männer zum Beispiel, arabische Terroristen sind Unabhängigkeitskämpfer, auch wenn sie zuhause ihre Frauen und Töchter versklaven, Schwule ermorden lassen und die Meinungsfreiheit verhindern, jüdische Soldaten sind Unterdrücker. Es werden für meine Begriffe auch (und gerade) auf der Linken zu viele Kollektivurteile gefällt.

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        ..das mit“oben und unten“ habe ich falsch gesagt bzw. gedacht. Diese Grenze wird von Linken nicht selber gezogen, aber sozusagen ins Auge gefasst. sie ist ihnen besonders wichtig. Und wenn es darum geht, den Ausbeutern oben auf den Leib zu rücken, dann definiert man sich als „unten“ und im Recht. In linker Perspektive ist oben das Unrecht und unten das Recht. Zumindest ist es wohl so, dass es – aus linker Sicht – eine Grenze zwischen oben und unten gibt, die eingerissen oder wenigstens durchlässig gemacht werden soll. Damit man wenigstens von unten aufsteigen und von oben absteigen kann. Wenn man schon nicht klassenlos leben kann.

        Den Rechten sind auch solche (vertikalen) Grenzen lieb und teuer, genauso wie die (horizontalen) zwischen den Völkern. Sie sind die Grenzliebhaber. Grenzen überschreiten mögen sie nicht.

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        Lieber Roland Ziegler, die Vorstellung, jemand sei ein besserer Mensch, nur weil er (oder sie) „unten“ ist, gehört zu den Irrungen der Linken, die früher als „Proletkult“ bezeichnet wurden, heute als „Critical Whiteness“ oder in Varianten der Gendertheorie zum Ausdruck kommen. Wunderbar zerstört wird der Proletkult in Bertolt Brechts „Heilige Johanna der Schlachthöfe“.

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        Das Ungleichgewicht von schwarzen Frauen und weißen Männern (um dieses Beispiel zu nehmen) ist immerhin leicht erklärlich: Man will die vorher Abgewerteten aufwerten und schießt dabei übers Ziel hinaus (Das Ziel ist natürlich die Gleichbewertung). Es gibt sogar die Idee eines „umgekehrten Rassismus“, der dann eine Art Gegengewicht darstellen soll. So dass sich insgesamt eine etwas ausgeglichenere Bilanz ergibt. Das ist allerdings völlig falsch (Unrecht plus Unrecht ergibt nicht Recht, sondern doppeltes Unrecht).

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        Sehr geehrter Herr Ziegler,

        Grenzen schaffen Ordnung. Bitte vergessen Sie das nicht.

        Der Kosmos ist ein ewiger Kampf des Prinzips des Guten, der Ordnung, des Rechten, gegen das böse zerstörerische Prinzip des Chaos, des Linken. Asha gegen Druj (in den Gathas); der Dharma gegen den Adharma (den Aufruhr),
        der u. a. von unethischem Verhalten der Menschen herrührt.

        Einen interessanten Befund liefert auch die Linguistik: in vielen Sprachen ist der Begriff „links“ auch etymologisch negativer belegt als z. B. im Deutschen. Im Lateinischen heißt „sinister“ sowohl „links“ als auch „unheilvoll“; im Italienischen bedeutet „la sinistra“ die Linke, aber „il sinistro (das gleiche Wort, nur im anderen grammatischen Geschlecht)“ der Unglücksfall.

        Also hoffen wir auf eine Zukunft ohne Linke, ohne Migranten und ohne Kriminelle in diesem Land 🙂

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    Wenn zum aufrechten Charakter nun auch noch Toleranz gegenüber 30 Grad Andersdenkenden kommen würde, wäre mein Respekt größer, lieber Herr Posener. Aber da sind Sie noch immer der durch kommunistische Kaderschulung professionalisierte Stalinist. Grüße von Ihrem auf Facebook blockierten Ex-Freund.

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      Ach, KD, ich toleriere andere Meinungen. Fragen Sie den blonden Hans. Nach wie vor bin ich mit Matthias Matussek auf FB (und nicht nur dort) befreundet. Aber jemand, der mich als Stalinisten bezeichnet, muss ich nicht unbedingt in meinem Online-Wohnzimmer willkommen heißen. Und wenn Sie Ihr Urteil über mich selbst ernst nehmen, dann wollen Sie gar nicht mit mir befreundet sein. Was soll also das Gejammere?

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    Lieber Herr Posener, Sie sind einer der ziemlich wenigen Linken, die vor lauter Linkssein Ihren Verstand nicht verloren haben.
    Nebenbei: Was „echtes“ Linkssein bedeutet, bin ich in vieler Hinsicht mit Ihnen einer Meinung. Ungefähr so habe ich das linke Denken, die linke Haltung in meiner Jugend kennen gelernt. (Lange her ist es, bin ich doch eine Hexe aus Urzeiten. Im 87. Lebensjahr).
    lg
    caruso

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    P. S. nachdem der Begriff des Maoismus in Ihrem Artikel genannt wurde: die VR China ist ein gutes Beispiel, wie sich ein linkes System wieder zum alten Konservatismus hin entwickelt – auf den Kongressen der KPCh ist heute kaum noch vom Marxismus in all seinen Spielarten die Rede, aber viel von der großen chinesischen Nation.
    Gut so. Im Reich der Mitte denkt man so rechts, wie dies der ältesten noch bestehenden Hochkultur zukommt. Right is right and left is wrong, wie man in Ihrer Muttersprache sagt 🙂

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    Dieser Beitrag, Herr Posener, hat mir nochmals klar vor Augen geführt, warum ich Ihren Blog so gerne lese.
    Vielen Dank dafür.Zum Schmunzeln: Um zu hellsichtigen Erkenntnissen zu gelangen, musste Marx offenbar erst einmal englischen Boden betreten……

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    Ein guter Artikel: aber die Frage bleibt: ist nicht heute der indigene Deutsche ein geknechtetes Wesen? Ich denke, wohl.

    Und noch was: warum sollte man Menschen nicht züchtigen, die gegen das verstoßen, was immer gilt: der Erstgeborene herrscht über die Nichterstgeburten, der Mann über die Frau, die oberen Kasten über die niedrigen? Aus falscher Sentimentalität? Denken Sie doch bitte einmal rechts, also rein logisch (Logik steht geistig weit höher als Gefühle; auch Tiere haben Gefühle, können aber nicht logisch denken).

    Ist es dann nicht so, daß man sich fragt, ob es nicht natürlich und normal sei, daß die Höherwertigen über die Minderwertigen herrschen, auch zu deren Wohl? 95% aller Menschen kann man als Abschaum betrachten, geistig wie ethisch-moralisch. Ist es da nicht wichtig, die 5% Höherstehenden herrschen zu lassen, in jeder Hinsicht? Konfuzius bietet sich da als Vordenker an.

    In einem linken System hingegen herrscht, wie die Geschichte bewiesen hat, stets die Kakistokratie; es regiert der absolute Bodensatz – das gilt für die Hitlerei ebenso wie für alle sozialistischen Systeme bis hin zum Links“liberalismus“ heutiger Prägung.

    N. B.: Was mich selbst betrifft, so habe ich im Linken zeit meines Lebens nicht einmal einen Artgenossen, sondern einen Feind gesehen, der in Wort und Tat alles besudelt und zerstört, was mir heilig ist, und der mir mein Eigentum rauben und mich (kulturell und physisch) vernichten will. Das ist andererseits auch wieder links: der Linke hat in der Geschichte niemals geschaffen, sondern immer nur zerstört (zum Beispiel meine Nation, aber davon will ich an dieser Stelle nicht wieder anfangen 🙂 )

    Mfg
    Linkenhasser

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      Wenn, lieber Linkenhasser, 95% der Menschen Abschaum sind, wie Sie sagen, gilt das dann wohl auch für die Deutschen. Zumal sie 1933ff die Elite vertrieben und ermordet haben. Und – gut protestantisch gefragt – Sie selbst können doch nicht sicher sein, dass Sie kein Abschaum sind.

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        So? Die Elite wurde vertrieben? Teile davon gewiß, aber Künstler, Journalisten, Schriftsteller usw., also Intellektuelle, sind keine Elite, sondern i. d. R. das krasse Gegenteil.

        Und zur Klarstellung: Deutsche sind – ein Weltspitzenwert – höchstens zu 50% Abschaum (eher weniger), Angehörige gewisser anderer Nationen – ich nenne natürlich keine Namen – hingegen gegen 100%. Und daß ich kein Abschaum bin, davon gehe ich aus – ich bin ja kein Linker 😆 😉

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      Nun denn, die USA werden immer besser. Ihr Präsident ist alles andere als Abschaum: Trump macht nur einen Fehler, meinte ein Schweizer Künstler; er solle die im Bau befindliche Mauer an der Grenze zu Mexiko einfach als Kunst deklarieren 😆

      Ich bin auch für mein Land dafür: alle Migranten weg (ja, auch Sie, Herr Posener 😉 ) und dann eine hohe, durch massig Stacheldraht und Selbstschüsse gesicherte Mauer etc. um Deutschland errichten – auf daß die Außenwelt und ihre Bewohner draußen blieben, ein für allemal – und das Ganze als Kunst deklarieren.

      Der Applaus der Fetthaar-Achselschweiß-Rotweinwanst-Brillenbart-Brigade mit Hirnverdunklungskappe wird tagelang nicht kleiner werden 😆

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        Sie merken aber, Linkenhasser, dass ich Sie nur deshalb hier schreiben lasse, weil ich Ihre Posts als Satire goutiere?

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    Wenn ‚links‘ heißen würde, dafür zu stehen, daß allen die gleichen Ressourcen für ihre Entwicklung zur Verfügung stehen, wäre ich nach wie vor dabei.

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      Nun, Klaus J. Nick, das müsste es wohl auch heißen. Die „gleichen“ Ressourcen, nicht dieselben, das geht auch aus dem Artikel meines Freundes Rainer Werner hervor. Das, was mir als Sohn eines Akademikers an schulischer Hilfe reichte, und das war übrigens ein Minimum, reicht natürlich nicht für die Tochter eines Gemüsehändlers. Jedenfalls in der Regel nicht. Sie braucht mehr als ich, weil sie weniger hat. Vielleicht hätte ich weniger Deutsch- und Geschichtsunterricht gebraucht, weil ich mir das sowieso selbst zuführte, und dafür mehr Musikunterricht und Sport. Und so weiter.

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        Lieber Alan Posener, ich will es kurz machen, weil ich zu dem Thema schon so viel geschrieben habe: Wir müssen dahin kommen, daß die Tochter des Gemüsehändlers soviel Unterstützung bekommt, wie sie braucht, um das zu lernen, was sie lernen will und daß der Sohn des Akademikers eine Handwerkslehre machen kann oder Gemüsehändler werden kann ohne als Versager zu gelten. Das entspricht dann wohl auch dem, was Sie über Marx geschrieben haben. Dabei hielte ich die Frage, ob wir Haupt-, Realschule und Gymnasium brauchen oder nach US-amerikanischem Vorbild generell eine High-School bzw. Gesamtschule als Standard haben dann für zweitrangig, wenn nicht noch die irrsinnige Vorstellung herrschen würde, man könne seine Kinder von der Schule erziehen lassen. Um es noch deutlicher zu machen: Ich wollte als Schüler mit 10, 11 von der Hauptschule weg, weil mir die Mitschüler viel zu laut, zu grob und zu desinteressiert waren.

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