avatar

Die Naivität der AfD-Kritikerin Melanie Amann

Melanie Amann kennt „Die Wahrheit über die AfD“. So heißt es jedenfalls auf dem Umschlag ihres Buchs über diese Partei der Neuen Rechten. Leider sind Amanns Kenntnisse in anderen Bereichen eher schwach. Und deshalb weiß sie am Ende zu wenig auch über die AfD; schon gar nicht die „Wahrheit“.

Ich will nicht sagen, dass man aus Melanie Amanns Buch „Angst für Deutschland“ nichts lernen könne. Wer seit vier Jahren beim „Spiegel“ für die AfD zuständig war, kommt nicht umhin, etwas über die Partei zu erfahren. In diesen vier Jahren freilich hat Amann, wie sie freimütig schreibt, „mehrmals versagt“. Sie habe „immer wieder die Entwicklung der Partei falsch eingeschätzt“.

Solche freimütigen Bekenntnisse scheinen Standard zu sein bei AfD-Watchern. Amanns Kollege bei der FAZ Justus Bender hat sein Buch „Was will die AfD?“ nicht etwa als Vermarktung seiner im Auftrag der FAZ gewonnenen Sachkenntnis (und Zweitverwertung vieler dort erschienen Artikel) beworben, sondern als eine Art tätige Selbstkritik beschrieben: „Ich bin daran“ – am Aufstieg der AfD nämlich – „nicht unschuldig“ … „ich lebe in einer unfreiwilligen Symbiose mit der AfD“ … und dennoch (oder deshalb?):  „Eine ganze Reihe von Erklärungsversuchen sehe ich im Rückblick kritisch.“ Tja.  Die AfDler haben es uns ja immer gesagt. Zwei Leitmedien, zwei Leitjournalisten, die immer wieder falsch lagen. Weshalb man glauben soll, sie lägen jetzt richtig, bleibt ihr Geheimnis.

Flüchtlinge statt Fairtrade?

Bei Amann könnten die Fehleinschätzungen daran liegen, dass sie auf anderen Gebieten, deren Beherrschung Voraussetzung für das Verständnis des Populismus wäre, auch „immer wieder“ die Dinge „falsch einschätzt“. So, wenn sie etwa in ihrem Buch Folgendes zur Ökonomie der Flüchtlingsbewegung schreibt (S.107): „Es ist brandgefährlich, dass kein Politiker (den) Wählern (…) erklären kann, warum Deutschland seinen Wohlstand mit Fremdenteilt. Dass ein kleiner Teil gefahrlos an Flüchtlinge abgegeben werden kann – zumal Deutschland einen großen Teil dieses Wohlstands der Armut anderswo auf der Welt verdankt.“

Hallo? Seit wann verdankt Deutschland seinen Wohlstand zu einem großen Teil der Armut anderswo in der Welt? Seit wann ist die Weltwirtschaft ein Nullsummenspiel? Seit wann kaufen Hungernde in Somalia oder Gambia deutsche Maschinen oder Luxusautos? Solche Sätze machen sich vielleicht gut auf Kirchentagen oder in der „Spiegel“-Redaktion, wenn Jan Fleischhauer gerade nicht da ist, auch Donald Trump mag zuweilen damit bei arbeitslosen amerikanischen Automobilarbeitern punkten; aber es wäre in der Tat „brandgefährlich“, wenn es in Deutschland Regierungspolitik wäre, wahrheitswidrig zu behaupten, wir schuldeten unseren Wohlstand der Armut der anderen und seien deshalb moralisch verpflichtet, einen Teil zurückzugeben. Amann: „Der typische AfD-Nationalist will spenden, aber nicht teilen“. Dann bin ich auch ein „typischer AfD-Nationalist“, außer dass ich auch ungern spende.

Kampagne gegen Anetta Kahane

Amann ist sich auch nicht zu schade, in die Kampagne der Populisten gegen Anetta Kahane von der Antonio-Amadeu-Stiftung einzustimmen: Justizminister Heiko Maas, schreibt Amann, „manövriert sich selbst in die Rolle, die rechte Angreifer ihm zuschreiben: Als Bündnispartner für seine Anti-Hass-Taskforce“ – die rassistische Hass-Attacken und Antisemitismus im Internet aufspüren und abstellen soll, was von populistischen Medien als „Zensur“ gegeißelt wird – „wählte er ausgerechnet eine Stiftung, deren Vorsitzende in jungen Jahren Stasi-Informantin war. So wurde das Bild des Spitzel-Ministers erst richtig rund.“

Nur, wenn man den stets antisemitisch unterfutterten Angriffen gegen Kahane und die von ihr gegründete Stiftung nachgibt. Kahanes Stiftung hat den Rechtsradikalismus und Rassismus in der früheren DDR bekämpft, als hierzulande niemand davon wissen wollte. Was den Populisten von rechts nicht passt. Sie hat in einer bemerkenswerten Ausstellung erstmals die Ausmaße des staatlich geförderten Antisemitismus in der DDR offengelegt. Was den Populisten von links nicht passt. Sie hat aus ihrer Tätigkeit für die Stasi nie einen Hehl gemacht, anders als so mancher, der bei den Rechts- und Linkspopulisten Karriere gemacht hat. Sie weiß, was Bespitzelung ist und was nicht, weil sie als Täterin und Opfer dabei war; so wie Arthur Koestler nicht etwa wegen seiner früheren stalinistischen Tätigkeit unglaubwürdig war, als er „Sonnenfinsternis“ schrieb, sondern gerade deshalb glaubwürdig. Hier den miesen Charakterattentätern von „Tichys Einblick“ und Co. auch nur den kleinen Finge zu reichen, wie es Amann tut, ist schofel.

Wer keine Schädel vermisst …

Aber Amann hat, gerade wenn es um den Antisemitismus geht, bedenkliche blinde Flecken. Sie übernimmt bedenkenlos (S. 110) das Märchen, bei der Rostocker Schülerin Reem handele es sich um ein „palästinensisches Flüchtlingsmädchen“. Sie schreibt über die „identitäre Bewegung“ Merkwürdiges (S.96): „In jeden Land solle die heimische Ethnie die dominierende sein, zu viel Vermischung sei zu vermeiden – zum Wohl der nationalen Identität. Man muss sich nur anstelle von ‚Ethnie‘ die ‚jüdische Rasse‘ denken, und es wird ungemütlich.“ Denken wir uns das also: „In jedem Land soll die ‚jüdische Rasse‘ die dominierende sein …“ Stimmt, ungemütlich. Oder meint sie: „In jedem Land soll die heimische Ethnie die dominierende sein, in Israel also die ‚jüdische Rasse‘…“ Nicht so ungemütlich, ehrlich gesagt, aber vielleicht für Amann. Was meint sie eigentlich? Was hat die „jüdische Rasse“ überhaupt in diesem Kontext zu suchen?

Amann meint: „Die ‚Neue Rechte‘, wie sie (Götz) Kubitschek verkörpert, interessiert sich nicht für Rassenlehre, will keine Schädel oder Nasen vermessen, Völker unterwerfen oder dem Weltjudentum den Kampf ansagen.“  Wer also nicht gleich Schädel vermisst, ist nicht Rassist? Wer Deutschland von der Geld- und Politikelite der amerikanischen „Ostküste“ befreien will, wer den „Globalismus“ bekämpft und dessen angebliche „Ideologie der Rassenvermischung“, meint nicht etwa das „Weltjudentum“? So naiv darf man nicht sein, wenn man auf die AfD angesetzt ist. Freilich: so naiv ist man beim „Spiegel“.

… ist kein Antisemit: Amann schaut in Höckes Herz

„Brandgefährlich“ wird diese Naivität, wenn es um Björn Höcke geht, dem selbst der AfD-Vorstand eine „allzugroße Nähe“ zur Gedankenwelt Adolf Hitlers bescheinigt. Für Amann ist Höcke dennoch kein Antisemit, obwohl er das „teils antisemitische“ (Amann) Pamphlet des AfD-Landtagsabgeordneten Wolfgang Gedeon zur Lektüre empfiehlt. (Wie kenn ein Pamphlet „teils antisemitisch“ sein? Ist „Mein Kampf“ nur „teils antisemitisch“, weil es nicht auf jeder Seite gegen die Juden geht?) Höcke zitiert das Wort des Begründers des „wissenschaftlichen“ Antisemitismus, Wilhelm Marr, von der „Finis Germaniae“, dem Ende Deutschlands, wenn es im Rassenkampf unterliege, er nennt Christentum und Judentum – entgegen der christlichen Lehre von den Juden als den „älteren Brüdern“ – „Antagonisten“: aber hey, das macht ihn doch nicht zum Antisemiten! Schließlich lobt Höcke „die Juden (ähnlich wie Sarrazin) für ihre ‚übergroße Intelligenz und Kreativität‘.“

Ja, dann…

O heilige Einfalt! Wie kann man Journalistin in Deutschland sein, angeblich Expertin für den Rechtspopulismus – und nicht wissen, dass die Mär von der „übergroßen (!) Intelligenz“ der Juden geradezu das Fundament des Antisemitismus darstellt. Wir Arier, tumb wie wir sind, einfältig und gutmütig, geborene Gutmenschen eigentlich, lassen uns immer wieder von den cleveren Juden aufs Kreuz legen, die eine unendliche Kreativität an den Tag legen, wenn es darum geht, die Völker in ihrem Widerstand gegen den Globalismus, also die Herrschaft der Juden, zu schwächen – etwa indem sie die Völkervermischung im Namen der Menschlichkeit oder des Christentums propagieren, während sie selber natürlich nur untereinander heiraten, christliche Werte ablehnen und sich von den doofen Gojim abgesondert halten.

Einwanderung, die zu Völkervermischung führt, nennt Höcke einen „Völkermord“ an den Deutschen, aber bei Frau Amann klingelt nichts. „Björn Höcke hegt keinen Hass oder gar Vernichtungsfantasien gegen Juden“, so Amann, wobei man schon staunt, dass sie Höckes Gedanken offenbar lesen und in sein Herz schauen kann. Unabhängig davon, ob Höcke „Vernichtungsfantasien“ gegen Juden hegt, ist die Frage, ob er „Juden hasst“, unwesentlich. Bekanntlich waren Hitler und seine Schergen stolz darauf, nicht aus Hass, sondern „kaltblütig“ zum „Wohl des deutschen Volkes“ die „Endlösung der Judenfrage“ zu betreiben und die „übergroße Intelligenz“ der Juden auszulöschen, auf das die Welt beherrscht werde von blonden Bestien. „Er ist kein ‚Nazi‘ im historischen Sinne, kein Antisemit oder Hitler-Fan“. Doch. Er ist Hitler-Fan. Und Antisemit. Und „Landolf Ladig“ (tarä!), nach Meinung mancher Experten Höckes Pseudonym, wenn er für die NPD schreibt, wäre gern Nazi im historischen Sinne, wie ihm die eigenen Parteifreunde nachweisen. Nur beim „Spiegel“ begreift man das nicht. Vielleicht sollte Frau Amann eine andere Verantwortlichkeit übernehmen. Mir scheint, die „übergroße Nähe“ zur AfD tut auf Dauer niemandem gut.

37 thoughts on “Die Naivität der AfD-Kritikerin Melanie Amann

  1. avatar

    Hohe Intelligenz und Bildung der Juden sind nicht nur Teil des antisemitischen, sondern auch des philosemitischen Diskurses. Es lassen sich auch Fakten anführen (Zahl der Nobelpreisträger, IQ-Tests), die dies belegen.
    Mir sind IQ-Tests bekannt, die eine höhere Durchschnitts-Intelligenz der Juden als andere Vergleichsgruppen zeigen. ZB generell Weiße und Chinesen.
    Nur ob die Ursachen biologisch oder kulturell sind, ist umstritten. (http://www.taz.de/!409565/)

    1. avatar

      Nicht umstritten, Münsteraner. Denn wie Sie wissen gibt es erhebliche Differenzen bei den Leistungen zwischen Juden aus verschiedenen Kulturkreisen. Und wenn Sie das nicht wissen, dann sind Sie eben Rassist, weil Sie sich mit einer unsinnigen Äußerung – „Hohe Intelligenz und Bildung der Juden“ – hier hervortun. Und sie wissen, was man über die Philosemiten sagt: Es gibt nur eine Sache, die schlimmer ist als der Antisemitismus, und das ist der Philosemitismus.

  2. avatar

    Die leider recht stupende, mit Ahnungslosigkeit und Arroganz verbundene Dummheit der jungen SPIEGEL-Journalisten hat mich kürzlich auch bewogen, den SPIEGEL zu deabonnieren. DIE WELT habe ich allerdings jetzt auch deabonniert. Jetzt wird crossmedial im Internet umsonst gelesen.

  3. avatar

    Na gut, naiv ist sie, jung und dumm. Aber das mit „jüdischen Rasse“ meint sie wohl eher in Bezug auf die Juden als ethnische Minderheit in Deutschland. Das Buch ist aber recht spannend geschrieben.

  4. avatar

    Danke, Alan Posener! Leider scheint es Journalisten und Medien zu geben, denen es vorrangig darum geht, mit möglichst vielen AfD-Artikeln Auflage und Klicks und damit Geld zu machen. Und leider sind das nicht „nur“ Leute wie Ammann und Bender, sondern das scheint ziemlich verbreitet zu sein und erklärt die Wahlerfolge der AfD im Jahr 2016 ganz wie auch die sinkenden Werte im ersten Quartal 2017 (Verdrängung aus den Schlagzeilen durch Schulz etc.) und das schlechte Abschneiden bei der Saarlandwahl. Geld verdienen ist natürlich legitim, auch als Journalist. Aber darüber darf die gesellschaftliche Verantwortung oder grundlegendes Handwerkszeugs nicht flöten gehen, insbesondere wenn dies – gewollt oder ungewollt – zur Werbung und Verharmlosung rechtsextremer Personen, Positionen und Parteien führt.

  5. avatar

    Frohe Ostern allerseits Ihnen auch 🙂

    Ja, aber der Antifa-Mythos der Kommunisten dürfte sich in der Wissenschaft mittlerweile als das herausgestellt haben, was er ist: ein Mythos…

  6. avatar

    In Höcke habe ich mich getäuscht. Seit der Dresdner Rede ist klar: Er ist altrechts, und nicht neurechts. Es ist schon bitter, wenn man nur wählen kann zwischen Völkermord-am-deutschen-Volk-Parteien oder einer neonazististisch unterwanderten AfD.

    1. avatar

      Wer meint, CDU, SPD, Grüne, FDP und Linke würden „Völkermord am deutschen Volk“ praktizieren, wäre doch bei einer „neonazistisch unterwanderten“ AfD genau richtig, lieber Andreas.

      1. avatar

        Entweder totale Auslöschung des Eigenen oder totale Reinhaltung bzw. „Aufartung“? Beides ekelhaft, künstlich und unnatürlich.

      2. avatar

        „Totale Auslöschung“ hat nur ein Volk in Deutschland je gewärtigen müssen. Dass es eine psychische Entlastung bedeutet, sich nun als Arier nun in eine Opferrolle hinein zu halluzinieren, bei der auch noch Semiten eine wesentliche Täterrolle spielen, das kann ich nachvollziehen, Andreas. Es bleibt eine Halluzination.

      3. avatar

        Es gibt keine Kollektiv- und keine Erbschuld.

        Und zu ihrer Information: Ich bin kein „Arier“, sondern halb-deutsch, halb-ägyptisch. Trotzdem liebe ich Deutschland und will, dass meine Kinder hier eine sichere Zukunft haben.

  7. avatar

    Auch auf die Gefahr hin von Ihnen als kleinkariert bezeichnet zu werden, es heißt nicht „AfDler“. Die korrekte Bezeichnung für Mitglieder der AfD ist AfD-Mann.

    Es heißt ja auch nicht SPDler, sondern Genossen; Bundeswehrler, sondern Kameraden und auch nicht Bergwerkler, sondern Kumpel.

    Frohe Ostern

      1. avatar

        Dann heiß es natürlich auch AfD-Frau, oder geschlechtsneutral AfD-Mitglied.

    1. avatar

      Die Stiftung wird nicht „angeblich“ gescholten, liebe Monika Frommel, sondern – ich habe die Stelle zitiert – wirklich. Ob Maas nun ein sinnvolles Konzept zur Eindämmung von Hass im Internet vorgelegt hat, vermag ich nicht zu beurteilen. Darum geht es aber hier nicht.

  8. avatar

    @APo: „Seit wann verdankt Deutschland seinen Wohlstand zu einem großen Teil der Armut anderswo in der Welt? “ – Streng genommen seit dem Erwerb der ersten Kolonien in der Ära Bismarck. Wie jede andere Kolonialmacht auch. Kolonialismus hatte schließlich zum Ziel, preisgünstig an die Rohstoffe anderer Gegenden zu kommen, anstatt sie teuer vom rivalisierenden Nachbarn einzukaufen (falls es sie dort überhaupt gab).
    Aber selbst wenn die uns auf die Nachkriegeszeit und die Bundesrepublik konzentrieren, läßt sich ein Zeitpunkt bestimmen: der Eintritt der BRD in das System von Bretton Woods. Die westdeutsche Wirtschaft war deutlich effizienter als die vieler anderer Länder, mit denen Handel getrieben wurde und deren Währung mit einem festen Wechselkurs versehen war. Nach außen war die D-Mark bis zum Kollaps der festen Wechselkurse um etwa 1970 dauerhaft latent unterbewertet; die Bundesrepublik bekam also deutlich mehr D-Mark an Einnahmen, als sie bei marktgerechter Bewertung bekommen hätte. Das Nachsehen hatten diejenigen Länder, die später sukzessive abwerten mußten.
    Die gleiche Situation haben wir heute. Das System fester Wechselkurse heißt heute Euro, und die EZB hat, da die Bankenkrise zu einer Staatsschuldenkrise umfunktioniert wurde (die Regierung in Berlin hat faktisch darauf bestanden, da sie Eurobonds blockiert hat) die Leitzinsen auf Null gesenkt. Der deutsche Finanzminister kann sich nun freuen, Bundesanleihen auszugeben, bei denen Anleger Geld dafür bezahlen, ihr Guthaben in Deutschland anzulegen, und hat erkennbar kein Interesse daran, daß sich dies so rasch ändert, weil auch die Zinslast für Staatsschulden entsprechend zurückgeht. Gleichzeitig kommt es in Südeuropa zu einem gewaltigen Brain-Drain in Richtung Norden, vom den Deutschland ebenfalls einer der Nutznießer ist.

    1. avatar

      Ja, Opa Krempel, das können Sie auch in diversen Beiträgen von mir nachlesen: Deutschland hat zu verschiedenen Zeiten von einer unterbewerteten Währung profitiert. Zu anderen Zeiten freilich auch von einer überbewerteten, denn das waren die Zeiten, in denen Deutschlands Unternehmer gezwungen waren, auf technische Innovation und Qualität zu setzen. Aber all das sind Spielchen zwischen hoch entwickelten Ländern und haben nichts damit zu tun, dass Deutschlands Wohlstand angeblich der Armut anderswo geschuldet wäre.
      Das heißt nicht, dass Konsumenten nicht von billig genähten T-Shirts aus Thailand oder billig zusammengelöteten iPhones aus China profitieren würden, oder dass die Arbeitsbedingungen in südafrikanischen Bergwerken nicht entsetzlich wären. Allein, die Bedingungen dort können verbessert werden, ohne dass es unserem Wohlstand schaden würde, weil wir dann mehr Waren dort verkaufen könnten. (Auch deshalb sind Freihandelsabkommen mit entsprechenden Standards so wichtig.) Es ist immer die Frage einzelner Produzenten und Profiteure. Und mit der Flüchtlingswelle hat das gar nichts zu tun. Wo es Arbeit gibt, selbst schlecht bezahlte zu schlechten Bedingungen, bleiben die Leute lieber, als dass sie eine Reise mit unsicherem Ausgang auf sich nehmen. NAFTA hat Arbeitsplätze in Mexiko geschaffen, so dass seit Jahren die Einwanderungsbilanz für die USA negativ ist, weshalb Trump eine Mauer brauchen wird, wenn er NAFTA auf den Müll wirft. Ich bitte also um genaue Argumentation, weil zwar alles mit allem zusammenhängt, aber nicht so, wie es Frau Amann unterstellt.

  9. avatar

    APo: ‚Kahanes Stiftung hat den Rechtsradikalismus und Rassismus in der früheren DDR bekämpft, als hierzulande niemand davon wissen wollte … Sie hat aus ihrer Tätigkeit für die Stasi nie einen Hehl gemacht, anders als so mancher, der bei den Rechts- und Linkspopulisten Karriere gemacht hat. Sie weiß, was Bespitzelung ist und was nicht, weil sie als Täterin und Opfer dabei war; …

    …ooops? … wie hieß denn die Stiftung, die in der früheren ‚DDR‘ Rechtsradikalismus bekämpft hat? Ich hab‘ von so einer Stiftung noch nie gehört. Oder meinen Sie jetze das MfS? Die SED? Die Volkspolizei oder die Abteilung für Inneres oder die Gewerkschaft oder die Blockparteien der ehemaligen ‚DDR‘, die ja nun alle im Deutschen Bundestag sitzen?

    … dass Kahane aus ihrer Tätigkeit für die Stasi nie einen Hehl gemacht haben soll, hier nun, werter APo, klappte meinem Hamster der Unterkiefer herunter. Wirklich. Zu lesen war, bisher jedenfalls, A.K. hat ihre Stasitätigkeit, in der sie Bekannte und Freunde – von denen der eine Selbstmord begangen, der andere an Herzinfarkt verstorben ist – für das MfS ausspioniert hat, nicht selber offenbart, sondern erst dann, als Beweise sie erdrückten.

    Die ‚Welt‘ schreibt 2007 dazu: ‚Für ihr verdienstvolles Wirken wurde Kahane im Sommer 2002 mit dem Moses-Mendelssohn-Preis ausgezeichnet. Zum Zeitpunkt der Ehrung war ihre Stasi-Tätigkeit noch nicht publik. Erst als die PDS kurz darauf die heute 53-Jährige für den Posten des Ausländerbeauftragten des Berliner Senats vorschlug, wurde diese Verstrickung im Zuge der obligatorischen Überprüfung öffentlich.

    Fast 800 Seiten umfasst die IM-Akte „Victoria“, von denen die Birthler-Behörde gut 400 Seiten freigegeben hat. Enthalten sind mehr als 70 Informationen, die ausweislich der Akte von der Stasi-Zuträgerin stammen. IM „Victoria“ berichtete ihrem Führungsoffizier über Bekannte, die sie im privaten Rahmen aushorchte – während einer Faschingsfeier, einer Hochzeit, eines Konzerts oder eines Stadtbummels.‘

    DAHER! ist Bettina Röhls Frage, bei Tychis Einblick, wie viel Hass braucht ein Mensch um Stasi zu werden? … doch verständlich. Oder? … aber lirum-larum-Löffelstiel, hier stimme ich Bettina Röhl zu: ‚Nicht Kahane ist das wirkliche Politikum. Das wirkliche Politikum ist diese Bundesregierung, die sich einer Kahane bedient. Die unheimlich aufgeblasene Stiftung wäre ohne jede Bedeutung, wenn die Bundesregierung sie nicht werkeln ließe.

    1. avatar

      Mit der „früheren DDR“ meine ich den Osten unserer Republik, lieber Blonderhans. Nicht „früher in der DDR“. Bettina Röhl sollte lieber nicht über Hass schreiben. Ich verstehe, dass sie geschädigt ist, aber es war nicht Frau Kahane, die ihr die wunden schlug, sondern die eigene Mutter. Zu Kahanes Stasi-Tätigkeit lesen Sie hier:
      https://www.amadeu-antonio-stiftung.de/w/files/pdfs/gutachten-anetta-kahane.pdf
      Ich verweise insbesondere auf den Satz, niemand sei durch Kahanes Tätigkeit geschädigt worden.
      Ich denke, mit 19 kann man Fehler machen. Kahane hat sich zu diesem Fehler bekannt und hat vor allem durch tätige Reue gezeigt, dass sie diese Phase ihres Lebens überwunden hat. Wer ohne Schuld ist, wie Sie, nicht wahr, Sie Unerbittlicher, möge da Steine werfen.

      1. avatar

        „Ich verweise insbesondere auf den Satz, niemand sei durch Kahanes Tätigkeit geschädigt worden.“
        Na klar, kein Stasi-Spitzel hat je irgendjemanden geschädigt.
        Das haben dann die Hauptamtlichen Kollegen erledigt.

        PS: Wenn Sie Beweise haben für Höckes angebliche Pseudonyme, Frau Petry ist für jeden Hinweis dankbar.

      2. avatar

        Lieber Don Geraldo, ich empfehle Ihnen die Lektüre des Gutachtens in Gänze. Und auch meines Hinweises auf Koestler, Orwell und andere Renegaten, meine bescheidene Wenigkeit eingeschlossen. Es gibt natürlich Leute wie Sie, die immer auf der richtigen Seite waren, nie in Versuchung kamen und sich nichts vorzuwerfen haben, und die werfen natürlich völlig zu Recht mit Steinen. Das versteht sich von selbst. Zum Glück waren Sie damals nicht dabei, sonst wäre es um jene Ehebrecherin geschehen.

      1. avatar

        … *rofl*, werter Alan Posener. Kürzlich erst machten Sie mein Nick zum ‚Blondi‘ von A.H., nun zum Zuhälter ‚Blonder Hans‘ im Hamburger Kiez, ts, ts, ts, … hassu was gegessen mit scharf?

        Noch einmal ganz langsam ‚derblondehans‘ – klein und in einem Wort geschrieben.

        Im Übrigen ist das Gutachten nicht das Papier wert auf dem es geschrieben steht. Die Bewertung Müller-Enbergs, zu A.K.s Stasitätigkeit, können Sie, egal ob Sie die komplette Akte oder nur Teile daraus, wie bei Kahane, auf alle IM der Stasi anwenden. Die IM waren nicht intelligenter als die Stasi selber. Solchen Figuren brauchen Sie nur eine rote Binde, mit oder ohne Hakenkreuz, um den Arm wickeln, dann dünken die sich über alles.

        Ob jemand mit 19 Jahren ein Fehler macht, das zu beurteilen, steht mir nicht zu, habe ich auch gar nicht getan. (Das macht ein anderer.)

        Selbst wenn A.K. – nun für die ‚BRD‘ – ‚Staatsfeinde‘ aufspürt, ginge mir keiner ab, so sie diese ‚Tätigkeit‘ aus eigener Schatulle finanziert und nicht, wie gehabt, vom Steuergeld der Bürger.

      2. avatar

        Ja sehnse, blonderhans, das kommt davon, wenn man zu feige ist, seinen wirklichen Namen zu verwenden und anonym gegen Leute hetzt. Niemand kann nachprüfen, was Sie aufm Kerbholz haben. Sehr bequem für Sie. Und für „Landolf Ladig“ und wie die namenlosen Helden alle heißen. Ihre Unterstellung, Arbeit für die „BRD“ und für die DDR sei gleichwertig, ist so dummdreist, dass ich mich gar nicht erst dazu herablasse, dagegen zu argumentieren. Ihre Kritik an Anetta Kahane entlarvt sich da von selbst. Pfui.

      3. avatar

        @Apo

        … ich habe Anetta Kahane gar nicht kritisiert. Ich schreibe Tatsachen. Über A.K.s Rassismus, zum Beispiel, hatte ich hier schon geschrieben.

        Und zur Anonymität wiederhole ich Bassam Tibi, ich weigere mich, zu schweigen ‚… Mails mit Dank aus der Bevölkerung dafür, dass ich als nicht- europäischer Ausländer meine Meinung offen äussere, wie es normale deutsche Menschen nicht tun können. Aus den Mails wähle ich eine, die ich anonymisiert zitiere.‘

        «… mit grosser Freude las ich Ihre Interviews in der Welt und in der Basler Zeitung. Bedauerlicherweise ist es uns Deutschen, ohne Gefahr zu laufen, Repressalien zu erleiden, nicht oder kaum möglich, so deutliche Worte zur derzeitigen Lage unseres Landes zu äussern. Die Mittel, die dabei angewendet werden, erinnern mich und viele andere Menschen aus meinem Bekanntenkreis an düstere Zeiten dieses und vieler anderer Länder der Welt. So erfolgen Drohungen und Angriffe … Schlägertrupps, Aufstachelungen gegen Andersdenkende, die in Mordversuchen an politischen oder Meinungsgegnern münden, berufliche Kündigungen, gesellschaftliche Ausgrenzung sowie Bespitzelung und Beleidigung der Bürger, wie man es sonst nur aus totalitären Staaten kennt…»

      4. avatar

        Lieber Blonderhans, das mag es geben, aber was Henryk Broder aushält, können Sie auch aushalten.

      5. avatar

        @APo

        … werter Alan Posener, ‚meine Zeit‘ wird kommen, Sie aber, schaffen nicht mal ein Link zu Matthias Matussek, den Sie hier moderieren, zensieren. Ich meinte er wäre Ihr Freund?

      6. avatar

        Weil ich diesem Artikel einen ganzen Essay widme und die Diskussion dort konzentrieren will, lieber blonderhans. Denken Sie doch nicht immer das Schlechteste von den Menschen, sondern eifern Sie dem Mann aus Nazareth nach.

    2. avatar

      „wie hieß denn die Stiftung, die in der früheren ‚DDR‘ Rechtsradikalismus bekämpft hat? “

      Stasi. Noch Fragen, Hans?

      Frohe Ostern

      1. avatar

        Eben nicht, pp. Eben nicht. Aber basteln Sie weiter am Antifa-Mythos der Kommunisten.

      2. avatar

        @PP

        … falsch, PP, die Stasi hatte zwei Aufgaben: Die eines Geheimdienstes und die einer Geheimpolizei. Geheimdienste gibt es in vielen Staaten. Sie haben die Aufgabe, Gefahren für das eigene Land im Ausland aufzuspüren. Eine Geheimpolizei gibt es fast ausschließlich in Diktaturen. Sie hat die Aufgabe, die eigenen Bürger zu kontrollieren und Gefahren für das herrschende Regime auszumachen. Dabei ist sie nur den Machthabern Rechenschaft schuldig und umgeht Gesetze, an die sich die normale Polizei halten muss.

        Guckst du!

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.

Scroll To Top