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Achtsamkeit und Besonnenheit – Gedanken zum Anschlag in Berlin

Achtsamkeit und Besonnenheit sind die einzig richtigen Haltungen im Lichte des Terrors. Beschönigungen von links und Scharfmacherei von rechts helfen nicht weiter. Im Gegenteil.

Im Herzen Deutschlands ist er nun angekommen, der Terror. Noch weiß man wenig, es steht sogar in Frage, ob der gefasste Mann in Berlin tatsächlich der Täter ist. Der Terroranschlag als solcher ist allerdings ein Faktum. Deutschland erlebt das, was in Paris und Brüssel schon längst passiert ist, und was Madrid, London und – damit fing es an – New York erlebt, nein erlitten haben.

Die Welt ist unsicher geworden, daran besteht kein Zweifel. Und sie wird es bleiben. Hysterie hilft nicht weiter. Beschönigung allerdings auch nicht. Auch wenn man bisher zu Berlin nicht viel weiß:  In Freiburg ist gewiss, dass ein Geflüchteter aus Afghanistan der Mörder von Maria L. war. Mehr denn je ist jetzt Besonnenheit gefordert. Zu nennen was ist und abzulehnen, was daraus in demagogischer Manier gemacht wird. Nicht weiter hilft die linksliberale Selbstberuhigung, dass das alles nichts mit den Flüchtlingen und schon gar nichts mit dem Islam zu tun habe. Denn genau damit hat es sehr wohl zu tun. Und mal angenommen, dass der Täter in Berlin doch nicht in dieses Raster fällt, bleiben das Tötungsdelikt in Freiburg, der Axtschläger im Zug bei Würzburg und der gerade einmal 12jährige, angeblich IS-gesteuerte Jugendliche, der ein Attentat auf den Weihnachtsmarkt im pfälzischen Ludwigshafen plante.

Die Humanität gebietet, Flüchtlinge, die einen asylrechtlich anerkannten Fluchtgrund haben, aufzunehmen. Die Registrierung verläuft derzeit unzureichend. Aber auch wenn das anders wäre, kann man nicht in die Köpfe von Menschen schauen. Flüchtlinge sind Menschen wie wir alle. Es gibt dort denselben Proporz zwischen guten und schlechten Charakteren. Genau jener wird immer ein Unsicherheitsfaktor bleiben. Auch Gesinnungstests – die sich in einem liberalen Rechtsstaat ohnehin verbieten – werden Leute, die töten wollen, nicht stoppen. Die meisten Flüchtlinge, die als solche hierhin kommen, fliehen indes vor genau den Attentaten, die nun Europa erreichen. Und, was Syrien angeht, vor Assads Fassbomben. Viele von ihnen schauen sehr genau hin und melden den Behörden fragwürdige Personen, will sie diese im Zweifel sogar schneller erkennen als deutsche Sicherheitsbehörden. Paradebeispiel ist der syrische Flüchtling, der den international gesuchten Terrorverdächtigen Dschaber al-Bakr in Leipzig meldete

Gewiss gelangen allein durch die schiere Menge der Flüchtlinge auch Menschen mit finsteren Absichten nach Deutschland. Aber was ist daraus zu folgern? Liest man die Tweets diverser AfD.ler, dann heißt Terrorbekämpfung de facto Abschaffung des individuellen Asylrechts. Marcus Pretzell, NRW-Co-Chef der AfD in Nordrhein-Westfalen, nennt die Berliner Opfer „Merkels Tote“. In völliger Verkennung der Tatsache, dass eine pauschale Ablehnung von Flüchtlingen auch zum Vorwurf von „Merkels Toten“ führen würde, denn wer Menschen nicht vor dem sicheren Tod Asyl gewährt, ist für selbigen jedenfalls moralisch verantwortlich. Dennoch muss man bei denen, die in unser Land kommen, genau hinsehen. Vielleicht ist es die ehrlichste Haltung derzeit, zu sagen, dass unklar ist, wie das funktionieren kann. Hier sind die Geheimdienste gefordert und auch Menschen, die einen mit unseren Grundwerten kompatiblen Islam vermitteln, darunter auch jemand wie Lamya Kaddor, die warum auch immer ein Hauptziel rechter Scharfmacher ist.

Verharmlosung wie Aufwiegelung helfen nicht weiter. Marcus Pretzells Twitter-Rage schadet vor allem ihm selbst. Wer die landesweite Trauerbeflaggung mit einem Spruch wie: „Wenn die Regierung nicht endlich handelt, könnt ihr die Masten bald auf halber Höhe absägen“ abqualifiziert, sagt vor allem etwas über sich selbst aus. Nicht weniger gilt dies für seine Lebensgefährtin, die AfD-Co-Bundesvorsitzende Frauke Petry. Einen Tweet, in dem die SPD zur Geduld, Empathie und gegen Hass und Medienschelte aufrief, kommentierte sie wie folgt: „Es ist bezeichnend, was die #SPD zum gestrigen Tag teilt: Selbst heute hält man an der Politischen Korrektheit fest. Traurig. #berlin *. Diese Form der Scharfmacherei ist so degoutant, dass man sie vielleicht am besten nicht weiter beachtet.

Bleibt die Frage, wie man mit dem Anschlag auf den Berliner Weihnachtsmarkt umgeht. Viele sagen jetzt, man hätte diesen durch Betonhindernisse verhindern können. Ein ganz falscher Ansatz. Wenn wir unsere Freiheit durch Beton schützen müssen, sind wir am Ende. Es gab – das soll nicht unterschlagen werden – Warnungen vor Anschlägen auf Weihnachtsmärkte. Aber hätte man wirklich jeden einzelnen Weihnachtsmarkt, der neben einer Straße aufgestellt ist, schützen können? Das Ganze ist doch nicht auf die Hauptstadt Berlin beschränkt. So wurde Anfang 2015 der Braunschweiger Karnevalsumzug abgesagt. Auch in meiner kleinen westfälischen Heimatstadt gibt es einen Weihnachtsmarkt direkt neben einer Straße.

Und man erinnere sich: in Paris wurden Menschen in Cafés beschossen. Betonwände vor jeder Kirmes, jedem Winzerfest, jedem Markt? Niemals. Das ist Kapitulation. Wir müssen und wir werden den Terror anders bekämpfen. Egal, aus welcher Richtung er kommt. Unsere Freiheit wird er nicht zerstören. Wie die Freiheit wirklich wirksam geschützt werden kann, ist derzeit zu erörtern. Gefragt sind Achtsamkeit vor Gefahren und Besonnenheit in der Reaktion. Vereinfachung gleich jeder Stoßrichtung führt nicht weiter. Zeit zum Nachdenken und zu durchdachtem Handeln.

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23 Gedanken zu “Achtsamkeit und Besonnenheit – Gedanken zum Anschlag in Berlin;”

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    Christian Wohldorfer,
    Sie haben ja so recht. Ich frage mich auch immer, woher kommt nur “dieser entsetzliche, oft niederträchtig aggressive Ton in diesen Kommentaren” kommt? Das ist ein unglaublicher Zustand und zerstört die bereitschaft zu einer Diskussion.

    Zwar missfällt mir der auch der Ton der CSU, aber sie haben gelegentlich recht, etwa bei der folgenden Forderung, die nur viel zu spät kommt:
    http://www.faz.net/aktuell/politik/anschlag-in-berlin/anschlag-in-berlin-union-politiker-fordern-verschaerfte-gesetze-14587282.html

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    Woher kommt nur dieser entsetzliche, oft niederträchtig aggressive Ton in diesen Kommentaren? Weil all diese Männer das schriftlich ausleben, was sie mündlich nicht zu vertreten wagen? Ausser unter Gleichgesinnten?

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    Das Problembei diesem Tunesier ist die unzureichende Abschiebepraxis. Zu behutsam! Ein Gefährder aus Tunesien sollte eigentlich in Abschiebehaft,
    das ist hart, aber beim Verdacht der Zugehörigkeit zu kriminellen Netzwerken nötig.

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    Es stellt sich nun eben das ein, wovor wir gefährlichen Bürger immer gewarnt haben: wenn man eine Million überwiegend junger Männer aus der islamischen Welt in das Land lässt, dann wird man bis zu einem gewissen Grad die Zustände aus diesen Ländern importieren. Dass nur ein prozentual kleiner Teil dieser Immigranten tatsächlich bereit zu derartigen Taten ist, hilft uns leider auch nicht weiter, da wir niemandem in den Kopf schauen können, und weil ein kleiner Prozentsatz einer riesigen Menschenmenge leider immer noch ausreicht, um die Sicherheitslage in unserem Land zu destabilisieren. Hinzu kommt noch, dass ein großer Teil der Immigranten zwar keine Terroranschläge begehen würde, aber Auffassungen vertritt, die in keiner Weise mit einer liberalen Gesellschaft vereinbar sind (Frauenbild, negative Einstellungen gegenüber allen anderen Religionen und Homosexuellen, etc. pp.). Es gibt mittlerweile ja so viele Studien zu den Einstellungen von Muslimen, dass das alles bekannt sein dürfte, und wer in der Lage ist, einen geschriebenen Text zu verstehen, der kann sich die entsprechenden religiösen Schriften (einschließlich der Kommentare dazu) zu Gemüte führen, um zu erkennen, woher diese Einstellungen kommen.
    Im Ergebnis dürfen wir jetzt Silvester in Sicherheitszonen (oder besser gleich zu Hause) feiern, auf dem Weihnachtsmarkt damit rechnen, dass wir niedergewalzt werden, und Frauen müssen bei öffentlichen Veranstaltung damit rechnen, von einer Gruppe der “üblichen Verdächtigen” begrapscht und ausgeraubt zu werden (hier lohnt es sich, Polizeiberichte und die Lokalzeitung zu lesen). Selbst ältere Frauen können zu Opfern werden, wie etwa jene Österreicherin, die beim Ausführen ihres Hundes von zwei Afghanen anal vergewaltigt wurde und nun im Sterben liegt (http://www.krone.at/oesterreich/tochter-mama-hat-sich-aufgegeben-und-stirbt-afghane-als-sextaeter-story-538401).
    Natürlich gab es die Gefahr von Terroranschlägen und sexueller Gewalt schon früher, aber es dürfte rational schwer zu leugnen sein, dass sich diese Gefahren drastisch erhöht haben. Wir hatten jetzt in diesem Jahr (schlecht ausgeführte) Attentate in Würzburg und Nürnberg, ein verhindertes Attentat in Leipzig, einen zwölfjährigen “Deutschiraker”, der eine Bombe platzieren wollte, das erfolgreiche Attentat in Berlin und möglicherweise einen weiteren vereitelten Anschlag in Salzburg (den jungen Deutschiraner aus München habe ich nicht mitgezählt, weil er nicht in Verbindung mit Merkels Politik steht). Das ist mehr als in den letzten Jahren zusammen und dürfte die neue Normalität darstellen.
    Viel tun kann man eigentlich nicht, es geht eigentlich nur noch um Schadensbegrenzung.
    Zunächst muss Angela I., die irre Königin, abgesetzt werden, damit sich die CDU in der Opposition wieder erneuern kann. Der Schaden, den diese Frau ihrer Partei, unserem Land und der Europäischen Union zugefügt hat, wird wahrscheinlich Jahre andauern und vielleicht nie verheilen.
    Außerdem muss jeder weitere Zuzug von tatsächlichen oder angeblichen Flüchtlingen verhindert werden – es gibt noch andere Länder außer Deutschland, in denen man Schutz suchen kann. Die nächste Zeitbombe ist der Familiennachzug. Wenn hier nichts geschieht, dann haben wir möglicherweise bald vier bis fünf Millionen Araber und Afghanen im Land, die sich hier nicht zurecht finden und den Sozialstaat und die Polizei an Grenzen führen werden. Sollte es soweit kommen, so ist das für mich der Punkt, an dem ich das Land verlassen werde. Es ist traurig, das so sagen zu müssen, aber Deutschland gleicht leider einem riesigen Irrenhaus.

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    … ja hallo erstmal, werte Fr. L.B., mit ‘m Rotstift unterwegs? Selbst den Link auf eigene Seiten, ‘starke-meinungen’, gecancelt?

    … ich mag Gandhi nicht wirklich, aber wo er recht hat er recht: ‘Zuerst ignorieren sie dich, dann lachen sie über dich, dann bekämpfen sie dich und dann gewinnst du.’

    … so sei es …

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    Sie wollen nachdenken können? Und dann? Wird die Humanität im Gepäck der Freiheit verteidigt? Womit denn?
    Ihre Sprache ist dermaßen realitätsfern, fast hätte ich geschrieben: verlogen! Aber die Lüge ist nicht bekannt, was auch wiederum die Sprache verrät.
    Sie glauben dieses unhistorische Gequatsche tatsächlich, leider.

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    Es sei daran erinnert, dass die Bundestagsvizepräsidentin Roth bei Demos mitmarschiert, auf denen “Deutschland verrecke” skandiert wird. Jetzt sind Deutsche verreckt, also ganz im rot-grünen Sinne.

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      Wer weiß, was die Zukunft bringt: in einem amerikanischen Forum hat neulich ein Forist geschrieben: “Die Kämpfer für soziale Gerechtigkeit haben dem konservativen Amerika den Krieg erklärt – ohne zu berücksichtigen, welche Seite die Feuerwaffen hat” 🙂

      Dem habe ich nichts hinzuzufügen.

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        Damals allerdings mit vertauschten Rollen. Als eine Kultur, die Respekt vor den anderen abrahamitischen (Schrift-)Religionen zeigte und die Kalligraphie zur Kunstform erhob, während die analphabetischen Barbaren, die durch Europa zogen, sich einen ganz anderen Ruf erarbeiteten.

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        … puuuh, Opa, Sie sind Mohammedaner? Als Barbaren galten, zu der Zeit, nomadische Stämme Klein-Asiens. Vielleicht die Seldschuken? Hat sich da was, zu heute, geändert? … bei ‘eine Kultur, die Respekt vor den anderen abrahamitischen (Schrift-)Religionen zeigte entschlüpfte meinem Hamster ein Bäuerchen. Nix für ungut.

        ‘ … Damals hatte Mohammed – inzwischen politisch-religiöser Herrscher über große Teile Arabiens – an alle ihm bekannten Völker einen Brief schreiben lassen, in dem er sie zum Übertritt zum Islam aufforderte. Städte und Stämme, die sich diesem Ansinnen widersetzten, überzog er mit Krieg.

        … stellte die islamischen Staaten in der Kairoer „Erklärung der Menschenrechte im Islam“ von 1990 die Menschenrechte der UNO-Charta unter den Vorbehalt, dass sie nur gälten, insofern sie nicht der Scharia widersprächen. Diese Einschränkung bedeutet praktisch die Aufhebung der Menschenrechte. Das bestätigen die Scharia-Kodifizierungen etwa für Juden und Christen in islamisch beherrschten Staaten: Ihnen wird Duldung gewährt, aber sie haben keinen Rechtsanspruch auf freie Religionsausübung.’

        Damals wie heute, mhmm?

      3. avatar

        Mensch, Opa Krempel,
        besorgen Sie sich mal ein gutes Geschichtsbuch über die nordafrikanischen und levantinischen Provinzen des oströmische Reiches und das persische Sassanidenreich im 5-6 Jahrhundert und die dort herrschende Kultur.
        Wenn sie darüber etwas gelernt haben kommen Sie nicht mehr auf die Idee, der aus Arabien in diese länder einfallende Islam hätte irgendwas mit Kultur zu tun.

      4. avatar

        @Don Geraldo / Opa Krempel
        DG redet vom 5.-6. Jh. – OK meint wahrscheinlich das 12.-13.Jh., das Thema ist aber der Islamismus, ‘IS’ und Anschläge heute. Bittere Erkenntnis ist doch, daß auch die europäische Kultur auf Barbarei aufbaute, genauso, wie die arabische. Wahrscheinlich würde auch nach Jahrhunderten eines ‘IS’ (was ich nun wirklich nicht hoffe, daß sowas passiert), so etwas, wie Kultur entstehen. Dieses ganze Gezänk um die Ursprünge der Kulturen beruht doch wohl auf der Annahme, die Menschen ließen sich auf etwas ‘richtiges’ programmieren. Diese ‘Gläubigkeit’ an die Programmierbarkeit der Menschheit besteht auf rechter Seite (christliches Abendland) gleichermaßen wie auf linker Seite (Genderismus). Bei rechts-Konservativen, wie bei Sozialisten. Beides gleichermaßen so totalitär, wie überheblich. Und Humanismus ist nicht ein ‘Mittelweg’, sondern die Erkenntnis, daß man die Menschheit nicht andauernd versuchen sollte, zu programmieren. Ganz ganz schwierig zu verstehen.. besonders in Deutschland.
        Im privaten frohe Feiertage den Anwesenden und Mitlesern.

      5. avatar

        @ Klaus J. Nick

        Lesen sie doch einfach die Beiträge bevor Sie was posten.

        DerblondeHans merkte an, daß der Krieg des Islam gegen Europa bereits seit 1300 Jahren tobt.
        Opa Krempel meinte dazu, daß die Europäer seinerzeit Barbaren waren und die Moslems eine tolle Kultur, mit Kalligrapie und so, hatten.
        Vor 1300 jahren, das war das 7te Jahrhundert, fielen die Araber in die heute islamischen Gebiete ein.
        Um den Beitrag der Araber und des Islams zur Kultur beurteilen zu können sollte man sich einfach mal ansehen, welche Kultur dort in der präsilamischen Zeit herrschte.

    1. avatar

      Das hätten die Redakteure der Daily Mail aber besser recherchieren können.
      Out-of-Area-Einsätze mit explizitem Kampfbezug gibt es seit der Beteiligung am Kosovokrieg 1999, und zwar:
      1999: Kosovo
      2002 – 2014: Afghanistan
      Dazu kommen Maßnahmen zur Sicherung eines Waffenstillstands (wie etwa im Kosovo), zur Sicherung von Handelswegen (am Horn von Afrika) oder Trainingsmissionen (wie in Kurdistan) oder logistische Unterstützung (etwa der französischen Streitkräfte in Syrien).

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