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Der Fall Bröckers

Man tritt dem Kollegen Mathias Bröckers, denke ich, nicht zu nahe, wenn man sagt, er gebe die Paranoia als investigativen Journalismus aus und hebe die Verdächtigung und die üble Nachrede in den Rang eines Kunsthandwerks . Dafür ist er, wie ich nun erfahren durfte, ziemlich empfindlich, wenn es ums Einstecken geht.


In meinem Buch „Die empörte Republik“ habe ich auch Verschwörungstheoretiker von rinks und lechts wie Mathias Bröckers und Udo Ulfkotte aufs Korn genommen.
Über Bröckers schrieb ich (und ich muss aus juristischen Gründen, die sogleich offenbar werden, darauf hinweisen, dass ich diese Stelle zwar dokumentiere, jedoch nur um zu betonen, dass ich sie nicht als Wahrheitsbehauptung wiederhole):
Es versteht sich beinahe von selbst, dass sich der rechte Panikmacher Ulfkotte und der linke Panikmacher Bröckers in Bezug auf einen Schattenfeind einig sind. Es ist der übliche Verdächtige. Bröckers sieht Israel als Drahtzieher der Anschläge vom 9. September 2001: „Die Indizien für eine Beteiligung israelischer Staats- und Doppelbürger mit mindestens Mitwisserschaft und Duldung, wenn nicht sogar aktiver Ermutigung durch ihre Regierung, steht als wesentliche Größe im Raum“, schreibt er auf seiner Homepage. „Ein Bruch mit der bisherigen Handhabung der noch unaufgeklärten Wahrheiten zu 9/11 verlangt auch einen offenen Bruch mit der bisherigen Lehrmeinung über das Verhältnis zu Israel.“

Vor einiger Zeit bekam ich einen Brief von der Anwaltskanzlei Bezzenberger, die mich im Auftrag des Kollegen Bröckers zur Abgabe einer Unterlassungserklärung aufforderte. Es heißt im Schreiben: „Zum einen sieht unser Mandant Israel nicht als ‚Drahtzieher‘ und damit als Hauptschuldigen der Anschläge vom 11. September 2001. Zum anderen stammt das zum Beleg für diese falsche Darstellung herangezogene Zitat nicht von unserem Mandanten. So hat sich unser Mandant weder auf seiner Homepage noch woanders entsprechend geäußert.“ Das Zitat stamme vielmehr von einem Leser namens „Markus Weber“. Es sei von Bröckers „unmittelbar nach Kenntniserlangung gelöscht“ worden.

Mit anderen Worten: Bröckers hat die Spuren verwischt. Da blieb mir nichts Anderes übrig als die Unterlassungserklärung abzugeben, da ich es meinerseits unterlassen hatte, Screenshots anzufertigen und nicht beweisen konnte, dass die Äußerungen von ihm stammten. Das behaupte ich jetzt auch ausdrücklich nicht, ihr lieben Rechtsanwälte, klar?
Zum Glück hat Bröckers woanders Spuren hinterlassen, die er nicht so leicht verwischen kann. Zum Beispiel hier.

Und so lautet die entsprechende Passage im E-Buch jetzt neu:
Es versteht sich beinahe von selbst, dass sich der rechte Panikmacher Ulfkotte und der linke Panikmacher Bröckers in Bezug auf einen Schattenfeind einig sind. Es ist der übliche Verdächtige. Über die Anschläge vom 11. September schrieb Bröckers unter der Überschrift „Die Kosher Conspiracy“ im Online-Magazin „Telepolis“ am 2. März 2002: “Cui bono?” – bezieht man knapp ein halbes Jahr nach den Anschlägen diese Frage auf die Länder und Regierungen, denen sie genützt haben, bleiben nur zwei: USA und George Bush sowie Israel und Ariel Sharon.“ Zwar wäre es, so Bröckers, „wahrlich ein zu kurzer Schluss , diesen beiden schon deswegen eine Mittäterschaft zu unterstellen, weil sie die Hauptprofiteure sind. Bei der Frage nach einem Motiv für die Tat jedoch, die für jeden Kriminalisten bei der Erstellung von Täterprofilen zentral ist, müssten Bush und Sharon auf der Liste der Verdächtigen mittlerweile ziemlich oben stehen.“ Laut Bröckers hatte der israelische Geheimdienst Mossad, „möglicherweise seit Jahren Zugang zu jedem US-Telefon – auch zu dem im Oval Office des Weißen Hauses“. Diese angebliche Tatsache „könnte allerdings nicht nur das Vorauswissen der Anschläge erklären – und hängt möglicherweise auch mit den unaufgeklärt begrabenen Spekulationsgeschäften um den 11.9. zusammen -, er verdeutlicht auch, woher Sharon die Chuzpe für seine Aggressivität nimmt. Er verfügt offenbar tatsächlich über geeignete Daumenschrauben, den großen Bruder USA jederzeit beizubiegen.“
Bröckers ist ein Meister der Verwendung des Konjunktivs – „könnte“, müssten“ – und einschränkender Adverbien wie „möglicherweise“ und „offenbar tatsächlich“. Möglicherweise also hat Israel im Voraus von den Anschlägen gewusst; könnte sein, dass der israelische Premier dank der Abhöraktionen des Mossad im Oval Office Dinge weiß, die ihm erlauben, dem Präsidenten der USA „Daumenschrauben“ anzulegen; und schließlich „müssten“, ginge es kriminalistisch mit rechten Dingen zu, Bush und Sharon sogar selbst, da sie ja die „Hauptprofiteure“ seien, zumindest als „Verdächtige“ gelten.

Auf Anraten eines juristisch versierten Menschen habe ich einen Halbsatz herausgenommen, den ich hier aber wiederhole, weil er Bröckers Gesinnung zur Geltung bringt: „Vielleicht haben Juden dabei ‚Spekulationsgeschäfte‘ gemacht.“
Vielleicht ist Bröckers Antisemit. Könnte sein, dass es Anwälte gibt, die gegen Geld bereit sind, dabei zu helfen, Autoren einen Maulkorb zu verpassen, egal wie die Sachlage ist. Offenbar haben wir es tatsächlichhier möglicherweise mit Leuten zu tun, die es mit der Wahrheit nicht so genau nehmen.

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27 thoughts on “Der Fall Bröckers

  1. avatar

    Lieber Herr Posener,

    ich bin gerade unterwegs und kann nur punktuell antworten. Den Einfluss Israels auf die US-Aussenpolitik wird überschätzt. Das kleine Land ist durch seine Lage im Zentrum des wohl größten und schwierigsten Kriesengebiets dieser Erde zwar von besonderer geostrategischer Bedeutung, im Endeffekt aber wohl Eher Objekt als Akteur im großen Weltenspiel. Es mag sein, dass gewisse israelische Stimmen in Washington mehr Gehör erhalten als sagen wir mal die der Bayern oder Franken, aber das erklärt sich eben durch die besondere geostrategische Lage und auch die gesellschaftlichen, kulturellen und politischen Gemeinsamkeiten. Im islamischen “Machtbereich” haben die Palestinänser ja auch mehr Aufmerksamkeit und Unterstützung erhalten, als es ihrer Größe eigentlich entsprechen würde.

    Ich sehe mir diesen Konfliktherd zunächst mit ähnlich analytischen Blick an wie Kissinger, Breszinski oder die Strategen in Moskau, Paris oder London, danach schaue ich dann auf die Opfer diese Konflikts und versuche die Ursachen, Nutznießer und Akteure zu analysieren. Dass die Fanatiker und Hetzer auf beiden Seiten einen Frieden eher schaden, liegt für mich auf der Hand.

    Gruß

    Ihr 68er

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    Lieber Alan Posener,

    nach Ihren eigenen Maßstäben wäre dann auch Nordkorea als “moderat” zu bezeichnen, denn die Flüchtlingsströme aus der Kim-Familiendiktatur sind ja doch sehr überschaubar und vergleichbar mit denen aus der Saud-Familiendiktatur.

    Ach ja, mit den Potentaten auch Libyen und Irak meinen so wohl die früheren Diktatoren Gaddafi und Hussein. Die waren natürlich auch eher moderat, denn die Flüchtlingsströme begannen erst nach ihrem Ableben. Auch aus Afghanistan flüchten mittlerweile, das Land wird wie der heutige Irak von den USA kontrolliert, mehr Menschen als zu Zeiten der Taliban-Diktatur.
    Paßt alles irgendwie nicht so zusammen.

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      Lieber Don Geraldo, aus Nordkorea fliehen kaum Leute, weil die Grenze noch schärfer kontrolliert wird als früher die zwischen der DDR und der Bundesrepublik. Aus Saudi Arabien kann jeder jederzeit ausreisen. Ich empfehle Ihnen, wenn Sie sich wirklich für Saudi Arabien interessieren, als Einstig meinen Essay in “Blau”. Das Land ist in keiner Weise mit der Kim-Diktatur vergleichbar.

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    @ Alan Posener – Don Geraldo

    “Al-Kaida wurde von der CIA gegründet, ausgebildet und finanziert um die sowjetischen Besatzer in Afghanistan zu bekämpfen.”

    Das ist etwas verkürzt dargestellt. Die CIA unter Carter unterstütze mit Milliarden den Krieg der Mudschaheddin in Afghanistan, insbesondere den Verbrecher und Islamisten Gulbuddin Hekmatyār, der wiederum Osama Bin Laden unterstützte.

    Die Operaton Cyclone war eine der längsten und teuersten CIA Operationen in deren unrühmlichen Geschichte:

    https://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Cyclone

    1. avatar

      Danke, 68er. Das ist in der Tat sehr verkürzt dargestellt. Ein Großteil der Mujaheddin blieb und bleibt loyal. Gulbuddin Hekmatyär ist eine schillernde Gestalt, dem man bestimmt nicht gerecht wird, indem man ihm als “Verbrecher und Islamisten” abtut.
      Zweifellos war nicht die CIA verantwortlich für den Aufstieg des Islamismus in Afghanistan, sondern die UdSSR, die Afghanistan besetzte und ein Terrorregime installierte. Die Niederlage der Sowjets war ein wichtiger Baustein beim Zusammenbruch der UdSSR, der die Deutschen in der DDR ihre Freiheit verdanken. Das sollte man nicht vergessen, gerade in diesen Tagen: Islamistische Guerillas, Saudische Ölscheichs (die den Ölpreis niedrig heilten, wie jetzt), polnische Werftarbeiter und ein erzkonservativer polnischer Papst haben zusammen mit einem Ex-Schauspieler als US-Präsident die Sowjets in die Knie gezwungen. Aber hier redet man nur von Gorbatschow, als ob er vom Himmel gefallen wäre, und von der “friedlichen Revolution” in der DDR, die ohne die Genannten keine Chance gehabt hätte. So viel zu Pegida und den Legenden der Rechten und Linken.

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    Meinung oder Tatsachenbehauptung – Don Geraldo:

    – reine Meinung – Wertung – “widerlich”
    “Saudi-Arabien ist eine der widerlichsten Diktaturen der Welt, dennoch …..”

    – strittig – wohl Tatsachenbehauptung:
    “Saudi-Arabien ist der Ursprung und Hauptfinanzier fast aller islamistischer Umtriebe auf der Welt.”

    – Tatsache – aber nur bezogen auf die Familien, dh die Tatsache besagt nichts in Richtung Bin Laden!
    “Die US-Familie Bush, Mitglieder der Regierung Bush-Junior und die Familie Bin Laden waren vor 9/11 seit Jahrzehnten geschäftlich verbandelt”.

    – unbeweisbare Tatsache, da der CIA Al-Kaida nicht gegründet, sondern gefördert hat,
    “……wurde von der CIA gegründet, ausgebildet und finanziert um die sowjetischen Besatzer in Afghanistan zu bekämpfen”.

    – unbeweisbar:
    Daß die wahrscheinliche zukünftige US-Präsidentin über die Stiftungen ihres Mannes viel Geld aus Saudi-Arabien erhalten hat sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

    Ergebnis: Don Geraldo müsste beweisen, dass Geld geflossen und ein Gründungsakt vorgelegen hat. Das kann er aber nicht, also muss er diese Erklärungen unterlassen (Verleumdung).

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    Das ist Pech, dass sie die Unterlassungserklärung unterschreiben mussten, aber manchmal hat man keine andere Wahl, auch wenn man ganz genau weiß, dass man Recht hat.

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      Ja, Oliver, so ist es. Und am Ende war ich sogar froh über die Intervention, denn dadurch konnte ich – musste ich – den Text ändern und konnte den Telepolis-Aufsatz zitieren, der – “Kosher-Conspoiracy”, hallo? – viel deutlicher ist.

  6. avatar

    68er:
    Aus Bemerkungen zu schließen, jemand sei “Antisemit”, ist eine offensichtliche Wertung, keine Tatsachenbehauptung. Also ist es keine Verleumdung. Nur dort muss der Gegenbeweis erbracht werden. Ob diese negative Wertung eine “Beleidigung” ist, kann strittig sein. Aber die Justiziaren des Rowohlt- Verlages hat vermutlich geblöfft. Sie hatte – vermutlich – nichts in der Hand, aber ich kenne den Vorgang nicht gut genug. Ich weiß nur, dass nach verlangten Unterlassungserklärungen sehr selten tatsächlich etwas folgt – wenn ihnen nicht entsprochen wird. Der Vorwurf des “Antisemitismus”wird sehr weit gefasst. In Grenzfällen werden beide damit leben müssen, dass die Wertung nicht objektivierter ist. Dennoch ist die Meinungsfreiheit weit. Die sog. Ausschwitzt-Lüge ist strafbar, aber Verschwörungstheorien mit antisemitischem Zungenschlag sind “Meinungen”, somit auch die Gegenrede. Das ist doch weder Stammtisch noch irgendwie bedenklich?!

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      Lieber 68er, was die ominöse Stiftung betrifft, so heißt es in dem von Ihnen zitierten Bericht der “Welt”: “Die Stiftung hilft vor allem Kindern und Aids-Kranken in der Dritten Welt.” Schlimm! Mit arabischem Geld auch noch! Die Saudis stifteten (Stand 2008) zweimal so viel wie Michael Schumacher, was ich angesichts ihres Reichtums für eher wenig halte – im Sinne von beschämend. wie es heißt, sind auch die Regierungen von Norwegen und Italien unter den Spendern. Das ist aber, wenn es darum geht, einen Generalverdacht aufzustellen, nicht wesentlich.
      Nun bin ich der Letzte, der die Existenz und den Einfluss der Öl-Lobby leugnen würde. Im Gegenteil, als alle Welt (wie standen SIE dazu?) hierzulande das Lügenmärchen von der beherrschenden Rolle der Israel-Lobby auf die US-Außenpolitik nachplapperte, habe ich darauf hingewiesen, dass Israels Einfluss verschwindend klein sei im Verhältnis zum Einfluss der Saudis.

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    @ Alan Posener

    “Lieber Don Geraldo, jede einzelne Ihrer ‘unwiderlegbaren Tatsachen’ ist falsch.”

    Insbesondere ist die Aussage “Saudi-Arabien ist eine der widerlichsten Diktaturen der Welt”, wie jeder weiß, falsch. Deshalb gibt es nächstes Jahr zur Völkerverständigung auch einen saudisch-israelischen CSD in Riad.

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      Lieber 68er, wie viele Flüchtlinge aus Saudi-Arabien leben in Deutschland? Merkwürdig, dass “eine der widerlichsten Diktaturen der Welt” so gar keine Massenflucht generiert. Selbst aus der DDR waren es mehr. Dies festzustellen, heißt nicht, das Regime rechtfertigen. Aber gemessen am Iran oder an Syrien, an der Hamas-Diktatur in Gaza, von den gestürzten Despoten in Libyen und dem Irak, der Taliban-Diktatur in Afghanistan usw. sind die Saudis noch moderat. Was nicht viel heißt.

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    @ Monika Frommel

    Das ist aber eine heitere Weltsicht. Wer sich dagegen wehrt, als Antisemit betitelt zu werden, muß beweisen, das er keiner ist.

    Und wer ihm dabei hilft, staatliche Hilfe in Anspruch zu nehmen, ist der Verleumder?

    Diese Ausflüsse gesunden Volksempfindens hört man an den deutschen Stammtischen ja recht häufig, von einer promovierten und habilitierten Juristin hätte ich solch grudes Zeugs eigentlich nicht erwartet.

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    Ich habe manchmal das Gefühl, einige “Verschwörungstheorien” wurden nur erfunden, um sie öffentlich widerlegen zu können. Je abstruser, desto besser, aber vielleicht ist das auch nur wieder eine Verschwörungstheorie.

    Durch die vielen Verschwörungstheorien geraten nämlich einige unwiderlegbare Tatsachen gern in den Hintergrund:

    – Saudi-Arabien ist eine der widerlichsten Diktaturen der Welt, dennoch seit Jahrzehnten ein Protege des Westens, insbesondere der USA.

    – Saudi-Arabien ist der Ursprung und Hauptfinanzier fast aller islamistischer Umtriebe auf der Welt.

    – Die US-Familie Bush, Mitglieder der Regierung Bush-Junior und die Familie Bin Laden waren vor 9/11 seit Jahrzehnten geschäftlich verbandelt.

    – Al-Kaida wurde von der CIA gegründet, ausgebildet und finanziert um die sowjetischen Besatzer in Afghanistan zu bekämpfen.

    Daß die wahrscheinliche zukünftige US-Präsidentin über die Stiftungen ihres Mannes viel Geld aus Saudi-Arabien erhalten hat sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt.

    Angesichts dieser Tatsachen ist es nicht verwunderlich, wenn offiziellen Versionen von Vorgängen wie 9/11 Mißtrauen entgegenschlägt.

    Sowas wird dann gerne als “Verschwörungstheorie” diskreditiert.

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    Lieber 68er und Alan Posener,
    Ich gehöre ja zu den Menschen, die Verschwörungstheoretiker und Typen, welche in diese Richtung raunen, stark ablehnen, ob “rinks oder lechts”. Anwälte, die in Abmahn-Kanzleien sitzen und meinen, sie könnten Journalisten Angst machen mit strafbewehrten Unterlassungserklärungen, die kann ich erst recht nicht ab. denn es paaren sich hier zwei erbärmliche Gestalten, die jeweils jede Berufsehre vermissen lassen und sich so gerade noch an der Strafbarkeit (Verleumdung) herum schwindeln. Im übrigen war Poseners Artikel eine Meinungsäußerung und keine Tatsachen Behauptung. Er ist also frei und muss ohnehin nicht beweisen, dass der Verschwörungstheoretiker lügt, sondern nur, dass er so etwas tatsächlich genau so oder zumindest sinngemäß geschrieben hat.

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    Lieber Herr Posener,

    wie Sie “so im Detail” exegieren wollen, ist Ihre Sache. Da Sie meine konkreten Fragen zu Ihrer journalistischen Aufklärung non 9/11 nicht beantworten, scheint es bei Ihnen ja auch nicht so weit her zu sein mit den Detailskenntnissen Sei’s drum. Ihren Hinweis darauf, dass Geheimdienste die Katastrophe dazu genutzt haben, ihre antisemitische Propaganda zu verbreiten, heisst ja nicht, dass andere Geheimdienste aus der Sache raus wären.

    Auch wenn ich den Eindruck habe, das dies hier im Blog außer uns beiden niemanden interessiert, hier ein kurzer Beitrag von ttt über die Arbeit Bröckers zu 9/11:

    http://m.youtube.com/watch?v=OH1NzhQzAMo

    Beste Grüße

    Ihr 68er

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      Lieber 68er, um Ihre Fragen zu beantworten, wenn auch sicher nicht zu Ihrer Zufriedenheit:
      – Nein, ich habe den offiziellen Bericht zu 9/11 nicht hinterfragt. Ich habe ihnjedoch gelesen, und er steht in meinem Regal. Zu Saudi-Arabien steht darin: Man habe keine Beweise dafür gefunden, dass „die saudische Regierung als Institution oder einzelne, hochrangige saudische Beamte“ Al-Qaida finanziert hätten. Nun, offensichtlich waren doch “einzelne, hochrangige Beamte” beteiligt. Nicht jedoch die “Regierung als Institution”.
      – In diesem Zusammenhang muss man Bröckers’ Vorgehen gegen mich sehen. Er hat 15 Jahre lang behauptet, wie in dem Text nachzulesen, es gebe eine “Kosher-Conspiracy”. Glauben Sie, er hat sich vertippt und meinte eigentlich eine “Halal-Conspiracy”? Nur sozusagen hilfsweise hat er die mögliche Rolle der Saudis betont. Seine ganze Argumentation – lesen Sie doch nach! – lief darauf hinaus, Bush und Sharon seien die “Hauptprofiteure” und müssten als Hauptverdächtige gelten. jetzt, da klar wird, dass es tatsächlich Lücken im Untesuchungsbericht gab und eine vorher geleugnete Beteiligung “einzelner hochrangiger Saudis”, will Bröckers seine Spuren verwischen und dastehen als derjenige, der das immer schon gesagt habe. Wie Sie das beurteilen, überlasse ich Ihnen.
      – Was den Irakkrieg betrifft, so habe ich mich wiederholt dazu geäußert, damals und später. Ich glaube nicht, dass es Ihnen in der kurzen Zeit gelungen ist, die 29 Bände des Chilcott-Berichts zu lesen. ich habe ihn jedenfalls noch nicht gelesen. Mir ist daher nicht klar, wie Sie zu einem so klaren Urteil über Tony Blairs Haltung kommen können. Ich vermute, es stand schon vorher fest. Wie dem auch sei: Genausowenig wie Senator Graham behauptet, es habe eine Verschwörung in Sachen 9/11 gegeben, behauptet Chilcott, es sei Blair oder Bush darum gegangen, im Irak ein Imperium aufzurichten oder an das Öl zu gelangen, wie immer wieder behauptet wurde und wird. Vielmehr ist, wenn ich die Berichte in den Medien richtig verstanden habe, von fehlerhaften Geheimdienstberichten, mangelnder Planung und einer Bereitschaft die Rede, den USA auch dann zu folgen, wenn diese in den Krieg zogen, bevor alle anderen Optionen erschöpft waren. Das ist schlimm genug, und ich muss mir den Bericht durchlesen, jedenfalls die Kurzfassung. Für mich kann ich nachträglich sagen, dass ich sicherlich überzeugt sein wollte von fragwürdigen Auftritten wie jenem Powells vor den Vereinten Nationen; dass ich eigene Bedenken zurückstellte und Analysen glaubte, denen zufolge auch der Süden des Irak würde – wie der kurdische Norden – zu einer friedlichen Entwicklung finden, wenn der Diktator beseitigt wäre. Das war offensichtlich nicht der Fall.
      Welche Schlussfoglerungen man allerdings aus dem Irak-Schlamassel zieht, dürfte, wenn man nicht einfach seine Vorurteile pflegen will, nicht ganz so klar sein. Alles laufen, Diktatoren gewähren lassen? Nur handeln, wenn die Russen und Chinesen ihr Plazet geben? Gar auf eine Welt hoffen, in der die USA nicht so mächtig sind? Mir graut es vor einer Weltordnung, die chinesisch geprägt ist, oder islamisch, oder russisch-chinesich-islamisch.
      Wir haben es mit bösen Menschen zu tun, und sie heißen nicht Bush und Blair und Obama und Hollande und Merkel, und wir müssen uns dazu vehalten. Zu denken, es gebe eine Handlungsoption, die moralisch keinerlei Fragen aufwirft, ist naiv.

  12. avatar

    Lieber Herr Posener,

    das kommt aber in dem Text nicht so klar rüber.

    Die von Ihnen zitierten tatsächlichen Äußerungen von Bröckers mögen die “Gesinnung von Bröckers” zur Geltung bringen, der Halbsatz mit den “jüdischen Spekulationsgeschäften” ist Ihre Interpretation des Textes von Bröckers und daher eine Unterstellung.

    Man kann den Text von Bröckers durchaus anders verstehen, nämlich, dass die israelischen Stellen “etwas” wussten, mit dem sie die amerikanische Administration unter Druck setzen konnten. Dieses “Etwas” könnten z. B. auch Informationen sein, die in dem geheimen Teil des 9/11-Berichts aufgelistet sind.

    http://www.welt.de/geschichte/.....isten.html

    Ich habe mich mit 9/11 nicht so im Detail beschäftigt und weiß auch nicht, was es mit diesen Spekulationsgeschäften auf sich hat, aber es wäre ja nicht abwegig, wenn Personen aus Saudi-Arabien in Kenntnis der Anschlagvorbereitungen über die Börse auch einen Gewinn aus dem Anschlag gezogen hätten. Wenn das der Mossad gewusst haben würde, hätte er Bush durchaus in der Hand gehabt.

    Die “jüdischen Spekulationsgeschäfte” sind mithin Ihre Spekulationen.

    Bröckers hat diese Spekulationen nicht angestellt, aber und da gebe ich Ihnen gerne Recht, es ist nicht auszuschließen, dass er es möglicherweise darauf angelegt hat, dass andere diesen Schluß ziehen. Das hätte dann durchaus ein antisemitischen Geschmäckle, wie der Schwabe sagen würde.

    Schön ist das alles nicht, aber ich finde, aktuell dass es wichtiger wäre, den 9/11-Bericht ganz zu veröffentlichen, um die immer noch laufende “Colaboration” der NATO mit Saudi-Arabien zu hinterfragen, als einem Kollegen, der seinem beruflichen Auftrag nachkam und die von der US-Administration sehr schnell verbreitete “offizielle Version” kritisch zur Diskussion stellte, wegen eines 14- Jahre alten Texts in die antisemitische Ecke zu stellen. Und das just zu dem Zeitpunkt, in dem selbst von etablierten Kreisen in den USA diese “offizielle Version” in Frage gestellt wird. Das wirkt dann schon wie die viel zitierte “Antisemitismus-Keule”.

    Es mag sein, dass Herr Bröckers durch seinen Beitrag in die falsche Richtung spekuliert hat, aber wie Sie wissen, hat Bröckers sehr früh schon auch über die Verstrickungen mit saudischen Stellen und Finanziers spekuliert. Hier scheint er derzeit zumindest teilweise bestätigt zu werden.

    Wer die Welt verstehen will, muss sich manchmal Gedanken machen, die äußerst unappetitlich sind. Wer als Journalist die Welt verstehen und vermitteln will, kommt nicht umhin auch Dinge in Frage zu stellen, die, wenn sie als Wahrheiten wegfielen, das eigene Weltbild zerstören würden.

    Bei aller Kritik, die man an Bröckers Arbeit haben kann, ist es mir immer noch lieber, Journalisten tragen ihre Informationen selbständig zusammen, analysieren selbständig und vermitteln Ihre Texte dann auch selbständig, als die vielen Regierungserklärungs- und Kollegenabschreiber.

    Haben Sie sich mal kritisch mit der Entstehungsgeschichte von 9/11 auseinander gesetzt? Gibt es da Texte von Ihnen aus der Zeit zwischen 2001 und sagen wir 2006, in dem Sie die Fakten abgeklärt haben, die Verbindungen und Verdachtsmomente im Zusammenhang mit “saudischen Kreisen” abgeklopft haben?

    Oder, was auch aktuell ist, wie haben Sie die “Verschwörungstheoretiker” in Ihren Texten behandelt, die vor dem Irak-Krieg Zweifel an den saddamschen Massenvernichtungswaffen hatten? Oder waren Sie gegen den Einmarsch im Irak?

    Sie brauchen darauf nicht zu antworten, ich habe mir gestern die weinerliche PK von Tony Blair angeschaut und kann mir vorstellen, dass Sie wahrscheinlich auch nichts falsch gemacht haben. Das würde die Leute ja auch nicht wieder lebendig machen.

    In diesem Sinne, schlafen Sie ruhig!

    Ihr 68er

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      Entschuldigung, 68er. Ich weiß, Dass Bröckers bei der taz und auch sonst in linken Kreisen einen guten Ruf genießt und dass man schlicht und einfach nicht glauben will, dass er Antisemit ist. Betreiben wir hier jedoch genaue Textanalyse. Sie schreiben: “Ich habe mich mit 9/11 nicht so im Detail beschäftigt und weiß auch nicht, was es mit diesen Spekulationsgeschäften auf sich hat, aber es wäre ja nicht abwegig, wenn Personen aus Saudi-Arabien in Kenntnis der Anschlagvorbereitungen über die Börse auch einen Gewinn aus dem Anschlag gezogen hätten. Wenn das der Mossad gewusst haben würde, hätte er Bush durchaus in der Hand gehabt.”
      Vielelicht sollte man sich aber “im Detail beschäftigen”, wenn man sich dazu äußert. Es stimmt zwar, dass von Verschwörungstheoretikern auch Mitgliedern der Regierung Bush Insiderhandel vorgeworfen wurde (siehe Wikipedia-Artikel zu Verschwörungstheorien rund um 9/11), aber schauen Sie mal her: http://www.t-online.de/nachric.....warnt.html

  13. avatar

    Sehr gut, Herr Posener. Sätze wie “möglicherweise ist X” oder “könnte sein,dass…” sind unangenehm, neblig, ja verleumderisch und entziehen sich wie Aale einer Überprüfung. Möglicherweise ist alles nur eine Illusion, dann müssen wir uns nicht mehr den Kopf zerbrechen. In der Urteilsbegründung bzw. Entscheidungsfindung geht es um etwas anderes. Und da heißt es ja: im Zweifel FÜR den Angeklagten.

  14. avatar

    Lieber Herr Posener,

    in Ihrem Artikel wird nicht ganz klar, wer der Autor dieses ominösen Halbsatzes ist.

    Es wäre der Wahrheitsfindung dienlich, wenn Sie klarstellen würden, ob der Halbsatz von Bröckers stammt oder aus Ihrer Feder.

    Sagt das Bröckers oder glaubt Posener, dass Bröckers das eigentlich sagen will?

    Gruß

    Ihr 68er

    1. avatar

      Lieber 68er, ich behaupte, dass Bröckers das im zitierten Telepolis-Text unterstellt, und zwar hier: (Der israelische Geheimdienst Mossad hatte) „möglicherweise seit Jahren Zugang zu jedem US-Telefon – auch zu dem im Oval Office des Weißen Hauses“. Dies „könnte allerdings nicht nur das Vorauswissen der Anschläge erklären – und hängt möglicherweise auch mit den unaufgeklärt begrabenen Spekulationsgeschäften um den 11.9. zusammen …”

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