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Bekenntnisse eines ehemaligen Neocon

Der typische Neokonservative, sagte Irving Kristol einmal, ist ein Linker, den die Realität hinterrücks überfallen hat. Was aber wird aus einem Neocon, den die Realität abermals überfallen hat?

Kristols Bemerkung war durchaus treffend. Die Neocons waren – zumindest in der Gründergeneration – größtenteils ehemalige Linke, insbesondere Trotzkisten. Also Renegaten. Und wie viele Renegaten – man denke etwa an das Personal der „Achse des Guten“ – wurden sie nach ihrer unangenehmen Begegnung mit der Realität nicht einfach stinknormale Konservative, sondern oft besonders penetrante Reaktionäre.

Ein solcher Neocon war ich nicht, obwohl auch ich Renegat bin. Die soziale Agenda der Neocons fand und finde ich größtenteils unvereinbar mit meinen liberalen Überzeugungen. Mich hat freilich ihre außenpolitische Agenda stark angezogen. Sie hat ihre ideologischen Wurzeln in der Politik Woodrow Wilsons, Franklin D. Roosevelts und in der Rhetorik John F. Kennedys; sie ist, wie viele Konservative anmerkten, überhaupt nicht konservativ, sondern im Kern revolutionär. Als „liberaler Falke“ – ein Liberaler in der Innenpolitik, aber ein Falke in der Außenpolitik – zog und zieht mich die Vorstellung an, die USA oder der „Westen“ – die USA mit der Anglosphäre und der Europäischen Union – könnten und müssten sich im wohlverstandenen Eigeninteresse überall auf die Seite derjenigen stellen, die für die Demokratie und gegen die Tyrannei kämpften; davon ausgehend, jenseits aller moralischen Erwägungen, dass Kants „ewiger Friede“ den weltweiten Sieg der Demokratie als Staatsform voraussetzt.

Freilich täuschten sich die Neocons, wenn sie glaubten, ihre außenpolitischen Vorstellungen seien Produkt eines „Überfalls durch die Realität“. Im Grunde haftete ihnen – worauf die echten Konservativen, die sich in den USA „Realisten“ nennen, immer hinwiesen – etwas von der trotzkistischen Vorstellung einer „permanenten Revolution“ an, wobei das Endziel – das „Ende der Geschichte“ – eben nicht mehr der Kommunismus, sondern Kants „Weltbund demokratischer Staaten“ wäre. Anstelle des Hegelianers Karl Marx trat der Hegelianer Francis Fukuyama, der theoretisch einen – wenn auch schwachen – geschichtlichen Determinismus ausmachte, der in diese gewünschte Richtung floss. Die Versuchung lag nahe, diesem Determinismus nachzuhelfen; und so wurde in Afghanistan und dem Irak aus der Not eine Tugend gemacht: Man ging rein, um Al Qaida beziehungsweise Massenvernichtungswaffen zu finden, man blieb, um die Demokratie aufzubauen. Die Ergebnisse sind ernüchternd.

Ich selbst entwickelte aus den Dilemmata der neokonservativen Außenpolitik die Vorstellung eines progressiven Imperialismus, als dessen Hauptkraft ich nicht die USA, sondern die EU ausmachte. Die USA, so argumentiere ich in meinem Buch „Imperium der Zukunft“, sind strukturell, habituell und politisch nicht in der Lage, jene nachhaltige Strategie zu entwickeln, die nötig ist, um die Demokratie erfolgreich zu exportieren, wie es die EU vor dem Fall des Eisernen Vorhangs in den ehedem faschistischen Ländern Spanien, Portugal und Griechenland und nach 1989 in den ehemals kommunistischen Ländern des Ostblocks vorgemacht hat. Mittels der Nachbarschafts- und Erweiterungspolitik sei die EU, so meine Argumentation, in der Lage, Druck in Richtung auf die Entwicklung einer liberalen Demokratie und einer funktionierenden Marktwirtschaft auszuüben. Die nächsten Kandidaten seien der westliche Balkan, die Türkei und die Ukraine. Doch auch im Mittelmeer habe die EU eine mission civilatrice – die Aufgabe, auf Reformen in den Anrainerstaaten zu drängen.

Nun, im Augenblick sieht es damit nicht gut aus. Die Ukraine wird von der russischen Aggression zermürbt, deren Nahziel darin besteht, die Mitgliedschaft der Ukraine in der EU zu verunmöglichen, und deren mittelfristiges Ziel die Spaltung Europas ist, so dass die EU außenpolitisch handlungsunfähig wird. Die Türkei hat unter Recep Tayyip Erdogan nach einer anfänglichen Phase der Hinwendung zur EU und der Demokratisierung eine neo-osmanische Politik verfolgt, die mit einem Abbau der Demokratie einhergeht. Der „arabische Frühling“, der 2011 die Träume der Neocons zu bestätigen schien, ist in allen Ländern außer Tunesien gescheitert. Westliche Intervention zugunsten der Opposition hat in Libyen einen failed state hinterlassen; westliche Nichtintervention hat dem von Russland gestützten Diktator Assad ermöglicht, sein Land in ein Totenhaus zu verwandeln. Wir Neocons – oder Sympathisanten der Neocons – sind von der Realität überfallen worden und müssen, wenn wir überhaupt etwas von unserer Glaubwürdigkeit behalten wollen, uns fragen, welche Lehren wir daraus ziehen.

Die erste und wichtigste Lehre scheint mir zu sein, dass die Staatlichkeit ein hohes Gut ist. Ein autoritärer Staat ist besser als gar kein Staat; undemokratische Strukturen sind besser als das Chaos; eine Armee ist besser als die Herrschaft von Milizen. Die Demokratie, wie immer man sie definiert, ist eine Funktionsweise des Staates und setzt einen funktionierenden Staat voraus. Es war vergleichsweise einfach, den Staat Francos oder Honeckers zu demokratisieren; es ist fast unmöglich, in Libyen eine Demokratie zu errichten, weil es dort fast keinen Staat gibt. Einer der großen Fehler der USA im Irak war die Auflösung der Armee, des wichtigsten Ordnungsfaktors im Land. Kurz und gut: Law and Order sind wichtiger als Freiheit und Demokratie.

Zweitens, und das hängt mit der ersten Lehre zusammen, ist Demokratie ohne Liberalismus nichts wert. Das heißt, wird die Demokratie missverstanden als die absolute Herrschaft der Mehrheit oder als die Legitimierung illiberaler Herrschaft durch Wahlen, ist sie nicht besser als die Despotie. So kam die Hamas durch demokratische Wahlen in Gaza an die Macht, denkt aber nicht daran, diese Macht mit irgendjemandem zu teilen; so glaubte Mohammed Mursi, durch seine demokratische Wahl zum Staatspräsidenten ein Mandat erhalten zu haben, Ägypten in einen Gottesstaat zu verwandeln. Liberalismus bedeutet erstens die Herrschaft des Rechts, also den Rechtsstaat. Liberalismus bedeutet zweitens den Schutz von Minderheiten und die Wertschätzung der Opposition. Liberalismus bedeutet drittens die Existenz einer staatsfernen oder besser regierungsunabhängigen Zivilgesellschaft, insbesondere von Gewerkschaften und Verbänden, Kirchen und anderen religiösen Institutionen, sowie eines vor Willkür geschützten Beamten- und Behördenapparats und einer freien Presse. Man könnte sogar sagen, dass ein Staat, in dem wenigsten ein Teil dieser Bedingungen gegeben ist – wie etwa China – besser ist als ein Staat, in dem es demokratische Wahlen gibt, wo aber die Justiz von der Politik abhängig, die Beamtenschaft korrupt, die Zivilgesellschaft schwach und die Presse gegängelt wird, wie zurzeit – und seit langem – in Ägypten.

Das sind keine neuen, schon gar nicht sind es originelle Gedanken; auch die Neocons waren und sind nicht so naiv, dass ihnen diese Überlegungen völlig fremd wären. Aber als ich jetzt in Ägypten war, kamen sie mir noch einmal mit der Wucht jenes Überfalls durch die Realität in den Sinn.

Man stelle sich ein Land vor, das seit Menschengedenken (die Hälfte der Bevölkerung ist 15 Jahre alt oder darunter) von einer ausufernden Bürokratie regiert und gegängelt wird: „Al Hakouma“ – die Regierung – ist das generische Wort, das Polizei und Behörden, Gerichte und überhaupt die da oben umfasst. Die Korruption ist endemisch; auch das Selbstverständliche wird nur erledigt, wenn Geld von Hand zu Hand geht. Und doch – oder deshalb – scheint es das höchste Ziel der meisten Menschen zu sein, einen Posten bei Al Hakouma zu ergattern, der lebenslange Sicherheit bei wenig Arbeit garantiert, und einem die Möglichkeit gibt, nebenbei etwas hinzuzuverdienen (wenn man seinen Chef schmiert).

Man stelle sich ein Land vor, in dem man zwar der Regierung nicht traut, dem Markt aber noch weniger. Adam Smith meinte, man solle sich nicht auf die Moral des Bäckers verlassen, wohl aber auf sein Eigeninteresse; denn kein Bäcker werde auf dem freien Markt lange bestehen, wenn er nicht zuverlässig und in zuverlässiger Qualität Brot liefere. In Ägypten scheint man der Ansicht zu sein, jeder Händler wolle einen betrügen, wenn es nur möglich ist. Kauft man nicht in bestimmten – oft staatlichen – Läden ein, müsse man damit rechnen, dass bei importierten Autos, Waschmaschinen oder Handys wertvolle Teile ausgebaut und durch billige Imitate ersetz worden seien. Bei heimischen Produkten müsse man ohnehin annehmen, dass im Shampoo Wasser und im Hemd unreine Baumwolle verwendet wurde. Ich kenne Ägypter, Bürger eines Baumwolle produzierenden Landes, die nach Deutschland fahren, um bei H&M Textilwaren einzukaufen und sich bei Lidl mit Seifenprodukten eindecken, obwohl der Umtauschkurs für das ägyptische Pfund nicht günstig ist.

Man stelle sich ein Land vor, in dem es selbstverständlich ist, dass die Presse von Parteien kontrolliert und von der Regierung zensiert wird – und die dennoch eifrig gelesen wird, jedenfalls von denen, die lesen können, denn 30 Prozent der Bevölkerung sind Analphabeten.

Man stelle sich ein Land vor, in dem Brot und Benzin dauersubventioniert werden, obwohl die Straßen verstopft sind und allgemein bekannt ist, dass manche Menschen ihre Brotrationen horten und an das Vieh verfuttern.

Man stelle sich ein Land vor, in dem den Menschen die Eigeninitiative systematisch abtrainiert worden ist, vom Hotelangestellten, der untätig herumsteht, bis ihn irgendjemand anschnauzt, bis zum Presseattaché der Botschaft in Berlin, der ohne grünes Licht seiner Vorgesetzten in Kairo nicht in der Lage war, mir seinerseits eine Empfehlung für ein Journalistenvisum auszustellen. (Dies ist kein bloßes ägyptisches Phänomen. Ich erinnere mich an die europäische Managerin eines Hotels in Jordanien, die mir sagte, sie stelle ungern einen Araber in leitender Position ein, weil er sich sofort in sein Büro einschließe und nur herauskomme, um sie zu bitten, eine weitere Stelle für seinen Cousin zu finden.)

Man stelle sich ein Land vor, in dem es immer noch wie unter den Pharaonen und Kalifen heißt, dieses oder jenes Gebäude sei „von Nasser“ oder „von Mubarak“ erbaut worden: Wie etwa der Assuan-Staudamm, jenes monströse Bauwerk, das zwar die Nilfluten regelt, aber den natürlichen Reichtum des Nils, den Schlamm, zurückhält, so dass die Felder im Niltal mit Kunstdünger bearbeitet werden müssen, was erstens teuer ist und zweitens den Fluss vergiftet. Man stelle sich ein Land vor, das größtenteils aus Wüste besteht, aber kaum angefangen hat, die Sonnenenergie auszubeuten; in dem ein Drittel der Bevölkerung in der Landwirtschaft arbeitet, die aber nur 14 Prozent des BIP erwirtschaftet… Ein Land mithin, dem die Probleme wie die Bevölkerung über den Kopf wachsen. Dagegen ist Griechenland ein Musterstaat.

Ob nun „arabischer Sozialismus“ unter Nasser oder arabischer Kapitalismus unter Mubarak: geändert hat sich herzlich wenig. Selbst wenn man unterstellt, dass ein Mubarak oder jetzt ein as-Sisi nur das Beste für ihr Land wollen – wo fängt man an? Natürlich müsste man die Justiz reformieren, korrupte Richter entlassen und mit ihnen die Hälfte der Beamtenschaft, die Subventionen einstellen, den Mittelstand und das unternehmerische Denken fördern, dabei aber gleichzeitig Kartelle und Betrüger verfolgen, die Schulpflicht durchsetzen und die Ausbildungsstandards anheben, schließlich die Kontrolle und Subventionierung der Presse und der Medien unterbinden – um nur die wichtigsten Maßnahmen zu nennen. Aber jede dieser Maßnahmen wird den Widerstand der Betroffenen Institutionen und Individuen hervorrufen. Man sagt, dass Mursi faktisch machtlos war, weil sich die Bürokratie, die Polizei und die Armee weigerten, ihm zu gehorchen. So ginge es jedem, der es wagte, ihre Privilegien anzurühren; und in einem durch und durch korrumpierten Land hat fast jeder ein Privileg zu verlieren.

Unter diesen Bedingungen ist es nachvollziehbar, dass einige Leute auf die Idee kommen könnten, nur eine moralische Revolution könne das Land retten. Würden islamische Werte – Ehrlichkeit, Gerechtigkeit, Arbeit und Almosen – die Gesellschaft durchdringen, könne sie vielleicht die Kraft finden, die zerstörten Institutionen in neuem Geist aufzubauen. Nicht zufällig stehen nicht nur die Landbevölkerung, sondern auch viele Händler hinter den Muslimbrüdern. Ähnlich war es ja bei der Reformation, die ja religiös gesehen eine fundamentalistische Wende rückwärts war, moralisch und gesellschaftlich jedoch, wie Max Weber nachwies, den Weg zur modernen Leistungsgesellschaft bahnte. Die Forderung nach einer „islamischen Reformation“ ist also Unsinn; sie ist ja da, und die Muslimbrüder sind ihre Vertreter.

Um es gleich zu sagen: Weder wünsche ich einen Sieg dieser Reformation (die europäische war blutig genug), noch halte ich einen solchen Sieg für möglich. Dort, wo solche Regimes an die Macht kamen, ob in Teheran oder Gaza, verfielen sie sehr bald ihrerseits der Korruption und konzentrierten sich hauptsächlich auf den Ausbau ihrer Tugenddiktatur und die Machtprojektion nach außen. Ich sage nur, dass ich den Gedanken nachvollziehen kann, anders als durch eine völlige Veränderung des Bewusstseins der Menschen wäre das Sein nicht zu ändern.

Heißt das also, dass diejenigen Recht hatten, die – wie etwa Peter Scholl-Latour – aus dem Scheitern des westlichen Kolonialismus und des aufgeklärten Neokolonialismus den Schluss gezogen haben, kulturell sei die Demokratie schlicht und einfach unvereinbar mit der Wirklichkeit außerhalb Europas? Heißt das also, dass die Realisten wie Helmut Schmidt Recht haben, die vor „Nation-building“ und ähnlichen gutgemeinten Projekten warnen, die Frage der demokratischen Legitimierung anderer Regierungen für unwesentlich erklären und dem Westen raten, eine Außenpolitik zu betreiben die strikt vom Eigeninteresse – Stabilität, Sicherheit, Handel – geprägt ist?

Ich glaube nicht. Die Demonstrationen vom Tahrir-Platz haben gezeigt, dass sich ein nicht unwesentlicher Teil der jungen Ägypter nach Freiheit sehnen, auch wenn sie nur unvollkommene Vorstellungen davon haben, was Demokratie bedeutet. Ähnlich war es vor einigem Jahren in Teheran. Und übrigens Istanbul. Und in Moskau, von Kiew ganz zu schweigen. Es liegt in unserem Eigeninteresse, diese Bewegungen zu fördern, und es liegt auch in unserem Eigeninteresse, wenn sich ein Land auf einen Reformweg begibt. Revolutionäre Ungeduld aber, so verständlich sie sein mag, wird wenig erreichen. Wer auch immer Ägypten nach vorne bringen will – und Länder wie Ägypten, von denen es sehr viele gibt: Er oder sie ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Und verdient unsere Unterstützung.

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89 Gedanken zu “Bekenntnisse eines ehemaligen Neocon;”

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    Die ordentlichste Ordnung erwächst aus dem kreativen Chaos, chaotischer Markt und chaotische Demokratie sind die ordentlichere Ordnung.
    Autoritäre Staat führen ins Chaos.

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    Ich bitte Sie mich für das Reinlesen mit meiner Antiobamaritis zu entschuldigen.
    Die Prognosen im Artikel Das Ende des progressiven Imperialismus blieben – leider – erstaunlich richtig. Die Auswirkungen der Niederlage von historischen Dimensionen der Linken sind wohl heute auch innenpolitisch zu merken. Trotzdem bleiben die ernüchternden Ergebnisse maßgeblich an Obama und nicht den Neocons hängen. Oder Amerika (wie Europa) kann es alleine einfach nicht.

    Was schmeckt besser, Weltstaat oder Chaos?

    huch, Neocons in oder gegen Griechenland?

    Mir gefallen Verbindungen zwischen Wirtschaft und Politik, und Trennung von Staat und Kirche à la Riesenreich Westen (France, Les États-Unis, etc.) 🙂
    Umgekehrt wärs nicht gegangen, siehe China, mit wirtschaftlichen Freiheiten kommen langsam andere. Die wirtschaftlich hochentwickelten Verhältnisse sind Voraussetzung. Und auch hier hats mehrere Centennien gedauert und dauert immer noch oder soll das schon das Ende der Fahnenstange gewesen sein?

    „good/evil terms
    low tolerance for diplomacy
    readiness to use military force
    emphasis on US unilateral action
    disdain for multilateral organisations
    focus on the Middle East“

    PR
    kann sein
    ja
    ja
    ja, angesichts der seltsamen UN-Zusammensetzung
    ja, angesichts der seltsamen Nah-Ost-Zusammensetzung

    Ist dem amerikanisch-kapitalistische Konservativismus der Weltbeglückungsimpuls wirklich fremd? Siehe Marx und Engels über den amerikanischen Bürgerkrieg und http://www.fr-online.de/litera.....80318.html

    Chinas pöse Öl-Lobby steht voll auf Afghanistan und den Irak.

    Die potentesten Staaten, also China, der Westen, Indien und auch Russland haben ein Interesse den Islamismus gemeinsam zu bekämpfen.

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    Dear Apo,

    zur Vervollstaendigung ihres Zitates von Irving Kristol:
    <Der typische Neokonservative, sagte Irving Kristol einmal, ist ein Linker, den die Realität hinterrücks überfallen hat.<

    “A neoconservative is a liberal who's been mugged by reality. A neoliberal is a liberal who's been mugged by reality but has refused to press charges.”

    Und ist ein liberal immer ein Linker ??

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      Im amerikanischen Diskurs, lieber Jean-Luc, bedeutet „liberal“ spätestens seit F.D. Rossevelt in etwa das, was bei uns „Linker“ bedeutet.

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    Posener: „“die Regel ist hier: Man versucht, ad rem zu schreiben.““

    Ach so, ja, vergaß ich ganz Ihren gelernten Beruf. Beim Schullehrer, ist die Person sakrosankt. Erlauben Sie mir dennoch, daß ich Ihr Pamphlet im gesamten ablehne, ….und weil Sie darum betteln, sage ich Ihnen auch warum:
    allein Ihr Satz: „Ein autoritärer Staat ist besser als gar kein Staat“ führt bei mir zu dem Schluß, dass SIE zu wissen glauben, was mir (und den vielen Anderen) ´gut zu tun` scheint.

    und da sind wir bei meiner Allergie:

    weil, – ich kenne einen ganzen Haufen Leute, die glauben, ´die Welt retten zu müssen` und sagen zu müssen,´ was für Die das Beste ist`, allerdings:

    die bringen es nicht fertig, ihre eigene Garage aufzuräumen…

    Was sagen Sie dazu?

    Ganz egal, – sind Sie mir nicht-, Herr Posener, aber ich lasse Sie wieder alleine mit dem Retten der Welt und was dazu gehört,… mit Ihren Adaptierten und wende mich nach Familien, Zitronen und Vögeln meinem Therapeuten zu, das ist: ein Pferd.

    jedenfalls weiss ich ganz sicher, dass Menschen mit Vernunft, die sie der Reihe nach gebrauchen, mir eher liegen, als die Hochintelligenten mit Tunnelblick.

    http://www.rolandtichy.de/feui.....-john-nada

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      Ja, Konstantin Opel, das ist das Problem mit Leuten wie mir, die eine Meinung haben: Sie halten sie für richtig. Bis sie widerlegt wird. Eine Garage besitze ich nicht, aber wenn ich eine hätte, wäre sie vermutlich schlecht aufgeräumt, wie mein Keller. Was das mit der Frage zu tun hat, ob die Leute in Libyen oder Syrien oder dem Irak besser dran sind, wenn es keine Staatsgewalt gibt und das Vakuum von Warlords gefüllt wird, bleibt Ihr Geheimnis.

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      Nee, BvG, das halte ich für eine progressive Position. Gesetz statt Willkür, Ordnung statt Chaos. Oder sind Willkür und Chaos Dinge, die der Linken gefallen?

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    @ Alan Posener
    Ja gut, vielen Dank, mit dem älteren Stück ist es klarer, was Sie meinen. Und wenn Sie Christopher Hitchens als Neocon bezeichnen, sehen Sie also das Neocon-Konzept als positive Grundidee, die nicht funktioniert. Dann schreiben Sie aber hier:

    „Revolutionäre Ungeduld aber, so verständlich sie sein mag, wird wenig erreichen. Wer auch immer Ägypten nach vorne bringen will – und Länder wie Ägypten, von denen es sehr viele gibt: Er oder sie ist um seine Aufgabe nicht zu beneiden. Und verdient unsere Unterstützung.“

    Das bedeutet ja wiederum Einmischung. Wie soll denn diese Einmischung aussehen?
    Ich selbst bin ja für die uralte Einmischung der Nachkriegsdekaden: Bevölkerungspolitik und Bildung, um Länder überhaupt erst von innen heraus regierungsfähig zu machen. Und zurück zu dem Begriff Freiheit: Wirkliche Freiheit kann m.E. nur entstehen, wenn Bildung geliebt wird, wenn also der entsprechende Schüler und auch Erwachsene das Lesen eines Buches als ein hohes Gut betrachtet, an dem er am meisten wächst, also als Freiheit.
    So gesehen müssen wir uns aber mehr einmischen, nicht weniger, soll heißen, dass Hemmschuhe wie bildungsferne Sekten (mit dem Ausdruck können übrigens moderate Muslime besser leben) wie zum Beispiel Boko Haram vernichtet werden, und zwar, wie President Obama gerade IS ankündigte, total. Daher bin ich eher der Meinung, dass uns diese Gangart erhalten bleibt. Es wäre allerdings wünschenswert, wenn man das nicht nur für Wirtschaft macht, sondern für freie Entfaltung, wenn also insistiert würde, dass Handel erst nach den humanitären Dingen kommt. Es sind also für mich weniger die Kriege, so bedauerlich sie sind, die zum kompletten fail führen, sondern die „dünne Personaldecke“, so dass jegliche Nachkriegspolitik scheitern muss, während in Nachkriegsdeutschland auf humanistisch Gebildete zurückgegriffen werden konnte wie z.B. Richard von Weizsäcker, der gerade auf seine nächste Reise gegangen ist.
    Was soll man also Ihres Erachtens machen mit durch und durch mafiösen Ländern? Wie soll man sie zu einer sinnvollen Bevölkerungspolitik und Bildung bringen. Und: Haben sie daran evtl. kein Interesse, weil sie sich erstens damit interne Konkurrenz schaffen, zweitens ihre mafiösen Strukturen damit gefährdet sind mit Cousin etc., wie oben beschrieben, und weil sie sich drittens gern „Kanonenfutter“ halten, in reeller Angst vor dem Nachbarn erstarrt, in Ägypten z.B. vor Libyen?

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    @parisien
    Sie hinterfragen (m.A. zurecht) den (unseren) westlichen Freiheitsbegriff. Tatsächlich haben sehr viele das Gefühl (Gefühle hat man nicht zurecht oder zu unrecht), ihre Freiheit zu verlieren, z.B. in dem wir uns immer weiter mit Gesetzen, Verordnungen, Richtlinien, political correctness usw. zukleistern. Da wächst die Gefahr von Kurzschlusshandlungen oder – ich nenne sie mal so – ‚Kurzschlussansichten‘. PEGIDA ist, glaube ich, ein Sammelbecken dafür. Unsere westliche Gesellschaft krankt am Positivismus oder genauer Machbarkeitsglauben bzw. an der Fixiertheit auf schnelle Lösungen (‚gestaltende Politik‘). Ein sparsamer Umgang damit wäre an dem Punkt, wo wir uns befinden anzuraten, wird aber nicht belohnt, bzw. damit kann sich niemand profilieren. Ich selber plädiere sowieso seit längerem für einen unbedingten Minimalismus – eigentlich in (fast) allen Lebensbereichen. Wahrscheinlich tut die fehlende Zielgerichtetheit im Denken (‚Selbstbezogenheit‘) infolge der Säkularisierung, also einem Mangel an religiösem teleologischen Denken ihr Übriges dazu. Ich selber habe zwar immer noch den Eindruck, daß diese Säkularisierung, sagen wir in den letzten 100 Jahren, netto zu einem Zuwachs an persönlicher Freiheit geführt hat, aber wir kommen wohl an den Punkt, wo wir unseren neuen Freiheiten in kleingeistigem Machbarkeits- und Sicherheitsdenken verspielen und uns zuviel mit Versicherungen, unnützen technischen Lösungen, Ausdifferenzierungen und sonstigem Info-Müll beschäftigen, statt uns auf das zu besinnen, was wir tatsächlich schützen wollen, bzw. was schützenswert ist. Wenn – ein Beispiel – ein Blogger in Saudi Arabien in grausamster Weise bestraft wird, finden ‚wir‘ (ich nicht!!) 1000 Gründe für appeasement.

    Neocon enthielt (oder enthält) für mich eine Hoffnung nach Minimalismus.

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    @ Alan Posener

    Das ist jetzt wieder so eine sinnlose Diskussion um Definitionen, die Sie sonst immer kritisieren, aber bei denen Sie sich am hartleibigsten zeigen.

    In der Sache bestätigt Ihr Link meine Analyse, dass die von Hybris und Menschenverachtung, strotzende Theorie des „Creative Chaos“ oder wie es in der Öffentlichkeit meist vornehmer ausgedrückt wurde, dem demokratischen Dominoeffekt gescheitert ist.

    Das war genauso krude wie die der Glaube an den dialektischen Materialismus marxscher Prägung.

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      Lieber Jean-Luc, ich bin ein großer Anhänger von Occam (Engländer!) und seinem Rasiermesser. Schon deshalb ist Jonathan Clarkes „Definition“ abzulehnen: zu lang! Sie bezieht sich außerdem nur auf formale Aspekte, ohne die Theorie dahinter zu erwähnen. Ich versuche eine kürzere: „Neokonservative glauben an eine Geschichtsteleologie, an deren Endpunkt der weltweite Sieg des Kapitalismus und der liberalen Demokratie stehen. Sie meinen, Amerika müsste diese Entwicklung nach Kräften befördern und sich nicht mit einer Außenpolitik zufrieden geben, die allein vom nationalen Interesse getrieben ist.“

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    Dear Apo,

    Habe ich geschrieben, dass Rumsfeld ein Neocon ist?

    So falsch wie sie den wiki article einschaetze ist meiner Meinung nach nicht.

    Daher wo bleibt ihr Gegenbeweis?

    Eine Definition was ein Neocon ist haben sie leider auch nicht hier gegeben oder habe ich etwas ueberlesen?

    Hier ein Definition aus dem Miriam Webster:

    http://www.merriam-webster.com.....nservative

    Und wie waere es mit dieser Definition:

    http://www.urbandictionary.com.....erm=Neocon

    🙂

    Was Dick Cheney betrifft, sie werden nicht bestreiten, dass Dick zu den Gruendern des PNAC gehoert hat:

    http://en.wikipedia.org/wiki/P.....an_Century

    Und war das PNAC nicht ein think tank der neocons?

    Aber vielleicht haben sie als Quelle:

    http://news.bbc.co.uk/2/hi/americas/7825039.stm

    Hier steht, dass Dick Cheney zwar nicht direkt ein Neocon war aber:

    „The neo-cons did, however, find a crucial ally in Vice-President Dick Cheney. “

    Und wenn sie sagen dass der wiki article falsch ist, wie ist es mit diesen Artikeln:

    http://www.conservapedia.com/Neoconservatism

    http://www.conservapedia.com/Dick_Cheney

    Vielleicht schauen sie auch einmal in nymag:

    http://nymag.com/daily/intelli.....k-out.html

    Zum Abschluss hier noch eine Definition von Jonathan Clarke was unter neoconservatism zu verstehen ist:

    The main characteristics of neo-conservatism are:

    a tendency to see the world in binary

    good/evil terms
    low tolerance for diplomacy
    readiness to use military force
    emphasis on US unilateral action
    disdain for multilateral organisations
    focus on the Middle East

    Soviel zu Definitionen, Einschaetzungen und der Qualitaet von Wikipedia articles

    Und nur zur Wiederholung:

    Ihr Artikel wie auch EJ schrieb:

    Posener at his best!

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    @ Alan Posener
    Das Problem ist das Folgende:
    „Mittels der Nachbarschafts- und Erweiterungspolitik sei die EU, so meine Argumentation, in der Lage, Druck in Richtung auf die Entwicklung einer liberalen Demokratie und einer funktionierenden Marktwirtschaft auszuüben. Die nächsten Kandidaten seien der westliche Balkan, die Türkei und die Ukraine. Doch auch im Mittelmeer habe die EU eine mission civilatrice – die Aufgabe, auf Reformen in den Anrainerstaaten zu drängen.“

    Das halte ich nicht für NeoCon, sondern für eine von Brüssel und von Deutschland beeinflusste Manie, Größenwahn. Sie waren in meinen Augen nie ein NeoCon. Ihre immer durchscheinende Liberalität war gelegentlich verstellt von europäischem Imperialismus. Deswegen habe ich das nicht verstanden. Übrigens ist Griechenland ein kleines Problem. Wenn die Franzosen Deutschland die Stirn zeigen, haben wir erst ein richtiges Problem, und es kommt der Tag.

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    @ KJN
    Vielleicht bin ich auch so skeptisch mit dem Begriff Freiheit geworden, weil wir versucht haben (wir hier als westliches System gemeint), diesen zu exportieren, z.B. nach Nahost. Und wo man hinspuckt heute, Afrika, Nahost, mancher lateinamerikanische Staat, ist scheinbar weniger Freiheit als noch vor zwanzig Jahren.
    Unter Umständen nervt mich der Begriff, weil wir, der Westen, mit ihm inflationär umgegangen sind und so getan haben, als wollten andere den so gern haben. Darüber hinaus wurde er wirtschaftlich definiert. Freiheit bedeutete zuerst freien Handel und dann erst Entwicklung von humanitären Freiheiten. Umgekehrt wäre aber richtiger gewesen.
    Und deshalb glaube ich nicht, dass wir ausgerechnet jemanden wie Putin von den großen Vorzügen dieses Begriffs überzeugen können. Mit dieser von anderen Staaten eingeforderten abstrakten Substanz wirken wir wie ein aufgeplustertes Huhn, und dabei haben wir uns von Brüssel einige Freiheiten einschränken lassen.
    Und in Wirklichkeit sind ohnehin nur Vögel und Fische relativ frei und zwar nur, weil wir aufgeplusterten Hühner nicht in der Luft oder im Wasser leben, sondern gackernd und aufeinander pickend am Boden hausen.
    Daher sollte man vorsichtiger damit umgehen, sonst werden Menschen enttäuscht, Ostdeutsche zum Beispiel, eingewanderte Muslime auch.
    Und Fakt ist, andere Staaten kaufen uns die Idee nicht als attraktiv ab. Wenn man etwas vermarktet, muss man es erstmal selbst testen. Das sehe ich nicht so.

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    @ KJN
    Diesmal verstehe ich Sie gar nicht: “Unser jämmerliches Bedürfnis nach Freiheit und Demokratie, das scheitert an Demographie und Korruption.”
    Was ist am Bedürfnis nach Freiheit “jämmerlich”??

    Sagen wir mal so: Freiheit sollte vielleicht so sein wie der Himmel, etwas, nach dem man strebt, das man nicht aus dem Auge verliert und außerdem etwas, das lebenslange persönliche, also individuelle, Arbeit erfordert.
    Es ist aber doch irre zu meinen, dass erstens Freiheit von oben verordnet werden könnte, zweitens man die Basisarbeit außer acht lassen dürfte. Auch ziemlich abwegig, zu denken, dass Freiheit durch das Pampern ganzer Schichten gefördert würde.
    Vielleicht finde ich den Freiheitsbegriff so jämmerlich, weil er bezüglich z.B. Musliminnen nicht konsequent verfolgt wurde, auf diesem Sektor Einschränkungen durch Religion nicht rechtzeitig formuliert wurden, gegen Unterdrückung (letzte Woche gelesen: 19Jährige, noch eine, pakistanischer Herkunft wegen „falschen Freundes“ von – mutmaßlich – Vater in Darmstadt getötet) nicht vorgegangen wurde. Vielleicht finde ich den Freiheitsbegriff auch komplett lächerlich, weil man Panzer an ein vollkommen unfreies Land liefert. Auch abartig, wenn C. Roth sich in Teheran verschleiert. Auch bescheiden, wenn man keine wirklich freie Wirtschaft hat und auch keine freie Politik, sondern eine Schwingtür zwischen beiden und eine Vernetzung. Vielleicht empfinde ich ihn inzwischen in Deutschland als hohl, weil nicht konsequent dafür gearbeitet wird, vor allem nicht im Meinungsbereich. Dann ist es möglich, dass ich die dazu gehörige Einbildung, man wäre so toll frei, die man auf ein Riesenreich wie Russland übertragen will, albern finde. Dann noch empfinde ich, dass das Christentum frei macht, ein wenig mehr zumindest und empfinde Einmischungen in die orthodoxe Kirche als kaputten Weg von Beginn an und somit die Verteidigung von ein paar Mädchen, die sich eindeutig satanistisch betätigt haben, womit alles los ging, als absurd.
    Im Arbeits- und Schulbereich ist auch keine echte Freiheit vorhanden. Man kann meistens nicht entscheiden, nur sechs Stunden pro Tag statt acht zu arbeiten. Wenn man länger schlafen will und kein Freiberufler ist, bleibt Sozialhilfe. Die 50 Prozent Spätaufsteher sind nicht in der Lage, meistens, ihren Arbeitstag um 10 Uhr zu beginnen, der Schulbeginn wird nicht auf neun Uhr verlegt, obwohl satt bekannt ist, dass ganze Klassen die erste Stunde verpennen. Ich könnte das weiterführen. Ich lache darüber. Wir sind nicht frei. Niemand. Wir könnten danach streben, müssten aber ehrlicherweise in Nahost (außer Israel) damit anfangen.
    Poseners Zusammenhang verstehe ich immer noch nicht. Ist er sauer, weil die Bauern keinen Nilschlamm mehr auf den Feldern hatten? Vergisst er, dass sie dafür vermutlich elektrische Anschlüsse bekamen? Ich verstehe es nicht. Oder haben ihn die Neocons Pharaonen derartig abgestoßen?

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    Meines Erachtens sind die Beiträge von Herrn Posener zu langatmig. Das zeigt sich daran, dass m.E nur eine Handvoll User sich hier beteiligen. Und die gegenseitige Beweihräucherung gefällt mir auch nicht. Sich einfach mal Gedanken machen und nicht gleich mit der Keule kommen oder zensieren! Spannender finde ich es, wenn sich Herr Posener in den Antworten ( zu große Dominanz) etwas zurücknimmt. Man muss nicht auf( fast ) jeden Beitrag antworten!

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    Ich glaube der Erfolg der ‚reeducation‘ in D hat mehr mit Glenn Miller, Bill Hayley, Beatles & Stones zu tun, als mit allem anderen, um es mal platt zu sagen. Bestimmt aber nicht mit einer philosophischen Idee à la Fukayama. Will sagen, sie war attraktiv. In Griechenland ist sie derweil nicht mehr attraktiv und woanders auch nicht. Weil sie Vitalität abtötet. Darüber wäre m.E. zu reden.

    Wenn ’neocon‘ zu Freiheit, Wohlstand und Selbstverwirklichung führt, ist er mir recht. Wenn, wie in Griechenland, nur zu Armut und Suizid und der Bedienung deutscher Großindustrie-Schuldner, dann nicht. Ich hätte dort auch Tsipras gewählt.

    @parisien
    Diesmal verstehe ich sie gar nicht: „Unser jämmerliches Bedürfnis nach Freiheit und Demokratie, das scheitert an Demographie und Korruption.“
    Was ist am Bedürfnis nach Freiheit „jämmerlich“??

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    @Stefanovic

    Sie schreiben:
    Das Personal, dass diese Maßnahme umsetzte, rekrutierte sich mit Rummsfeld und Cheney mit Managern aus der Wirtschaft, die nunmal eine eigene Herangehensweise an eine Projektumsetzung haben und deren Kultur die des Durchsetzens ist, was sie zu kompletten Fehlbesetzungen jenseits der Corporate-Welt macht

    Wir haben schon immer Manager aus der Wirtschaft in der Regierung gehabt. Im Gegensatz zu Deutschland!

    Und:

    Cheney war nur 5 Jahre CEO bei Halliburton!!

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    Sear Apo

    ein sehr guter Beitrag!!

    Was den Begriff Neocon betrifft, hier etwas mehr:

    Neoconservatism is a political movement born in the United States during the 1960s. Many of its adherents rose to political fame during the Republican presidential administrations of the 1970s, 1980s, 1990s and 2000s. Neoconservatives peaked in influence during the presidency of George W. Bush, when they played a major role in promoting and planning the invasion of Iraq.[1] Prominent neoconservatives in the Bush administration included Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz, John Bolton, Elliott Abrams, Richard Perle, and Paul Bremer.

    http://en.wikipedia.org/wiki/Neoconservatism

    Waren dass tatsaechlich so viele Linke??

    Was George Bush betrifft….

    da trennen uns beide immer noch Welten. Ich erinnere nur an die Debates im Apo Blog.

    Aber wie heisst es in Deutschland:

    Die Hoffnung stirbt zu letzt…. dass auch sie etwas kritischer zu George Bush stehen 🙂

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    @ Alan Posener
    „Lieber Parisien, Ihre Suada geht völlig an meinem Artikel vorbei. Nirgends habe ich geschrieben, dass Obama eine bessere Außenpolitik verfolge als Bush. Weder McCain noch Cheney waren oder sind Neocons. Nirgends habe ich dem Pazifismus das Wort geredet. Den amerikanischen Abzug aus dem Irak undAfghanistan habe ich ausdrücklich bedauert. Was soll das also? Bitte lesen Sie, was ich geschrieben habe, und kommentieren das – nicht das, was Sie hineinlesen wollen.“

    John McCain ist nicht erwähnt, war aber Vice President:
    Neoconservatism is a political movement born in the United States during the 1960s. Many of its adherents rose to political fame during the Republican presidential administrations of the 1970s, 1980s, 1990s and 2000s. Neoconservatives peaked in influence during the presidency of George W. Bush, when they played a major role in promoting and planning the invasion of Iraq. Prominent neoconservatives in the Bush administration included Dick Cheney, Donald Rumsfeld, Paul Wolfowitz, John Bolton, Elliott Abrams, Richard Perle and John Bremer.
    http://en.wikipedia.org/wiki/Neoconservatism

    Wen meinen Sie denn dann, und von wem meinen Sie, sich distanziert zu haben?

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    Weltweite Tyrannis statt globales Chaos?

    „Man ging rein, um Al Qaida beziehungsweise Massenvernichtungswaffen zu finden, man blieb, um die Demokratie aufzubauen. Die Ergebnisse sind ernüchternd.“ Wer ist man? Genau, Soldaten zur Zeit der Neocon-Regierung. Wer hat den Abzug zu verantworten? Wer ist also für die ernüchternden Ergebnisse verantwortlich? Sagen sie nicht.
    Sie haben immer wieder gezeigt, dass sie Obamaritis haben. Vielleicht lese ich da mit meiner über die Zeit erworbenen Antiobamaritis aber auch nur etwas rein. 😀

    PS: Cheney und McCain.

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    nun denn, Herr Posener, Blödsinn, ja – wie: „Ein autoritärer Staat ist besser als gar kein Staat“.. eine Zitrone ist besser, als ein fauler Apfel, allerdings:

    Ein einfacher Zweig ist dem Vogel lieber, als ein goldener Käfig… Sie haben wohl nie das Fliegen gelernt..?

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      Lieber Herr Opel, die Regel ist hier: Man versucht, ad rem zu schreiben. Wenn Sie dazu nichts zu sagen haben, lassen Sie es doch einfach. Über Familien, Zitronen und Vögel können Sie sich woanders auslassen.

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    Posener „“wichtigste Lehre scheint mir zu sein, dass die Staatlichkeit ein hohes Gut ist. Ein autoritärer Staat ist besser als gar kein Staat; undemokratische Strukturen sind besser als das Chaos; eine Armee ist besser als die Herrschaft von Milizen.““

    ► Aus diesen Aussagen des Autoren ist der Schluss abzuleiten, daß die Erkenntnisse in „geschlossenen Erziehungseinrichtungen“ Internat etc. eher entstehen, als in familiären Umgebung – es ist zu vermuten, daß der Glaube an die „Institution“ stärker gewachsen ist, als das Vertrauen in die eigenen „Selbsthilfekräfte“. kurz: mangelndes Selbstvertrauen.

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    Und nun zu diesem:
    „Kristols Bemerkung war durchaus treffend. Die Neocons waren – zumindest in der Gründergeneration – größtenteils ehemalige Linke, insbesondere Trotzkisten. Also Renegaten. Und wie viele Renegaten – man denke etwa an das Personal der „Achse des Guten“ – wurden sie nach ihrer unangenehmen Begegnung mit der Realität nicht einfach stinknormale Konservative, sondern oft besonders penetrante Reaktionäre.“

    Bescheuert. Reaktionäre dürfen Sie getrost bei Grün verorten.
    Hier ein Stück von einem fröhlichen,lebenslustigen, humorvollen und intelligenten „Reaktionär“:

    „Da inzwischen jeder dritte Deutsche der Ansicht ist, die Israelis würden den Palästinensern das antun, was die Nazis den Juden angetan haben, wäre es wohl sinnvoller, wenn jede Schulklasse Israel besuchen würde – aber eben nicht die Gedenkstätte Yad Vashem, sondern Tel Aviv mit seiner wunderbaren Strandpromenade, den vielen Bars, Cafes und Diskos. Natürlich auch Bethlehem und Ramallah. Hier wie dort würden sie einige Verrückte treffen, aber auch Menschen, für die Leben das höchste aller Güter ist. Und vielleicht begreifen, worin der Unterschied zwischen Juden und Israelis liegt. Die einen sind dankbar, dass sie geschützt werden, die anderen finden es besser, selber für ihre Sicherheit zu sorgen.“
    http://www.welt.de/kultur/arti.....blick.html
    http://www.achgut.com/dadgdx/i.....r_birkenau

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      Parisien, mir müssen Sie nicht glauben. Ich bin bekanntlich Partei. Lesen Sie, was Michael Miersch geschrieben hat.

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    @ Alan Posener
    Was Sie vergessen: Die Neocons sind stringent proisraelisch, Obama nicht. Die Neocons haben Fehler gemacht, aber Fehler machen alle und entstehen in jedem System. Wären Sie jemals auf den Gedanken gekommen, maoistisch zu sein, wenn Sie damals gewusst hätten, in welchem Umfang Mao Menschen in den Tod getrieben hat? Obwohl man das kaum Fehler nennen kann, denn es war systematisch. Aber Abu Ghraib kann man Fehler nennen, denn Abu Ghraib war nicht überall und sehr schlechtem, gewissenlosen Personal zu „verdanken“, das später vor Gericht stand.
    Obamas non-Neocon-Präsidentschaft hat bewirkt, dass mehr Menschen auf der Welt Angst haben. Mehr Konflikte sind hervorgebrochen wie Geysire aus einer nur scheinbar ruhigen Oberfläche, mehr Menschen haben ihre Häuser und Angehörige verloren, sichtbar an Asylantenzahlen. Nein, die Welt ist nicht besser geworden ohne amerikanische Neocons am Regierungsruder. Sie war unter President Bush sicherer, viel sicherer sogar. Heute dagegen fühlt man sich von Dilettanten regiert, auch in Deutschland.
    Politischer Dilettantismus vom Feinsten: Der Besuch von Claudia Roth in Teheran am 27. Januar 1945+70. Verschleiert, während Michelle Obama unverschleiert in Saudi-Arabien war – immerhin etwas. Aber Michelle Obama hat auch bedeutend schönere Haare. Und unter den Haaren ein Gehirn.
    Spricht es gegen mich, dass ich lieber mit John McCain („wenn ich in Putins Augen sehe, sehe ich nur drei Dinge: KGB, KGB, KGB“, in etwa, altes Zitat) oder Cheney essen gehen würde als mit Volker Beck oder Claudia Roth? Bei Ersteren hätte ich etwas Spaß und kämme klüger wieder ‚raus, bei Letzteren hätte ich danach keine Stimme mehr.
    Nein, Sie liegen falsch. Der bequeme Pseudofrieden führt, wie man sieht, zu gewaltsamen Auseinandersetzungen. Der frühzeitige Truppenabzug aus dem Irak gefährdet dort Menschenleben und Minderheiten. Die Bellizisten sind realistischer. Assange hatte Unrecht, Einzelfälle zu zeigen. Er wollte nur berühmt werden. Snowden hatte Unrecht mit seiner Defektion. Ohne Snowden vielleicht kein IS, aber das weiß man nicht. Sorry. Aber Sie haben Bush selbst verteidigt und da Sie so ungefähr der Einzige waren,lagen Sie wohl richtig. Die Masse liegt immer falsch.
    Die Geschichte wird Bush später höher halten und Obama kritisch betrachten. Ich vergesse nicht, dass er die Churchill-Büste nach Amtsantritt nach GB zurückgeschickt hat. Und insgesamt hat er mehr mit Chamberlain gemeinsam als mit Churchill. Wie gut ist das denn?

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      Lieber Parisien, Ihre Suada geht völlig an meinem Artikel vorbei. Nirgends habe ich geschrieben, dass Obama eine bessere Außenpolitik verfolge als Bush. Weder McCain noch Cheney waren oder sind Neocons. Nirgends habe ich dem Pazifismus das Wort geredet. Den amerikanischen Abzug aus dem Irak undAfghanistan habe ich ausdrücklich bedauert. Was soll das also? Bitte lesen Sie, was ich geschrieben habe, und kommentieren das – nicht das, was Sie hineinlesen wollen.

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    Vom „Historischen und dialektischen Materialismus“ blieb die Herangehensweise, real, strategisch und methodisch. „Darum vorwärts, vorwärts Wolfowitz“ schrieb ich im Jahre 2003 – und es war so gemeint, wie ich es lernte. Daran ist nichts zu revidieren.

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    @EJ Nachtrag

    … nur die Ideologie kann Täter sein, niemals die Ethnie. Wer anderes behauptet, ist nicht aus der Wahrheit und will böses.

    Daher

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    Stevanovic, ja, leider, die sollten es besser sein, so wie Ägypten. Auf ewige Corporate Wars am Ende der Geschichte auf dem kugeligen Affenfelsen! 😀

    Parisien, Bevölkerungspolitik mit Bildung und Internet für alle (yay, Kulturschock und 68er die xte) statt – mano, wir wären uns sonst so schön einig gewesen – Malthus!

    Zur Pille und den Trilliarden: die ist schon besser als Kondom, aber Frauen sollen sich nach dem Absetzen immer wieder entlieben. Ich würde mit den Trilliarden etwas weniger persönlichkeitsveränderndes entwickeln, die ganzen juristischen Konflikte (Heirat, Pille absetzen, schnell Kinder kriegen, merken dass der gar nicht richtig war) die das evtl. verhindern könnte …

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    @ Alan Posener
    Ich verstehe den Zusammenhang, ehrlich gesagt, nicht, wenn Sie z.B. schreiben:
    „Um es gleich zu sagen: Weder wünsche ich einen Sieg dieser Reformation (die europäische war blutig genug), noch halte ich einen solchen Sieg für möglich. Dort, wo solche Regimes an die Macht kamen, ob in Teheran oder Gaza, verfielen sie sehr bald ihrerseits der Korruption und konzentrierten sich hauptsächlich auf den Ausbau ihrer Tugenddiktatur und die Machtprojektion nach außen.“
    Es haben doch gerade die Neocons gewusst, dass „Reformationen“ in diesen Ländern nicht zu trauen ist. Das jetzige Desaster hat Obama, kein Neocon, mit zu verantworten, und er sieht es wohl seit Benghazi. Der bei Linken beliebte Truppenabzug aus dem Irak hat zur Ausbreitung von IS geführt, also Obamas vorläufiger Rückzug (never say never again). Aus Guantánamo Entlassene waren schon in neue Terrorplanungen verwickelt.
    Die Freiheit, sowohl wirtschaftliche als gedankliche, ist nur mit viel Mühe insular zu retten an Stellen in Europa und den USA, Kanada und Australien, NS. Insular soll heißen, nicht im 19. und 20. Arrondissement. In Birmingham oder Rotherham nach Jahren des Wegsehens nur mit juristischem Druck. In Duisburg hat sie nie existiert.
    Die kleine, gut gebildete Versammlung auf dem Tahrir-Platz repräsentiert nicht den analphabetischen kinderreichen Fellachen ohne Brot. Bevölkerungspolitik wäre das Gebot der Stunde, die hier auf fünf vor zwölf steht. Wenn China den Laden übernehmen würde, wäre der in 20 Jahren auf Vordermann gebracht, die Pyramiden würden noch stehen, die Wirtschaft würde fluppen. Mit zu vielen Armen und Ungebildeten können Sie doch die Freiheit, die Platz und Job und Basisbildung braucht, vergessen. Wenn sie dort mal dreißig Jahre blutige Kriege gehabt haben und ihren Korrekturfaktor dadurch angebracht haben werden, wird das anders aussehen. Vielleicht würde dann über Freiheit mehr geredet. Die kleine Truppe auf dem Tahrir-Platz ist möglicherweise längst ausgewandert. Die ganze Gegend ist sowieso Zustand nach brain-drain.
    Was würde ich machen, wenn ich Trilliarden an Geld hätte?: Ich würde einen Handel mit den Bauern machen: Hilfen, Bewässerung, Know-How gegen Bildungszwang und die Pille. Aber Sie wissen, dass man mich daran hindern würde, oder.
    Putin sieht das: Unser jämmerliches Bedürfnis nach Freiheit und Demokratie, das scheitert an Demographie und Korruption. Das dürfte der Grund sein, dass er keinen Pfifferling auf diese Dinge gibt, denn sie können Anarchie erzeugen, und jeder Russe weiß ganz genau, was das ist. Daher wird er diesen Unsinn, mit dem die Massen nicht umgehen können, so wenig wie möglich in sein Land lassen und die NATO auf Distanz halten, wo möglich. Wir sind ein wenig lächerlich. Wir wollen Freiheit exportieren und machen die Basisarbeit nicht: Die wäre gewesen: Waffen und Handel nur gegen Bildung, auch Frauenbildung, Menschenrechte und die Pille. Und alle sind daran schuld, nicht nur Neocons. Die haben das alles nur illusionslos betrachtet und vielleicht, wie Ziegler sagt, etwas spöttisch. Wie einen lost case. Obamas Ideologie hat daraus einen lost case gesteigert gemacht. Übrigens kann man mit solcher Ideologie bessere Wetten abschließen, schätze ich, deswegen haben die Investmentbanker ihn lieb gewonnen. Du setzt einfach auf fail.

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    Jede Situation ist anders, jede Nation tickt anders und es gibt keine Patentrezepte. Der Fehler der Neocons war, dass sie an Patentrezepte glaubten, d.h. so lange Parallelen zu Appeasement in München 38 zogen, bis sie glaubten, die Situation sei mit Deutschland 45 vergleichbar. Das war natürlich Stuss und hatte seine Ursache eher in einer Dynamik amerikanischer Innenpolitik, was die ganze Planung natürlich schlampig und fahrlässig Ignorant machte. Das Personal, dass diese Maßnahme umsetzte, rekrutierte sich mit Rummsfeld und Cheney mit Managern aus der Wirtschaft, die nunmal eine eigene Herangehensweise an eine Projektumsetzung haben und deren Kultur die des Durchsetzens ist, was sie zu kompletten Fehlbesetzungen jenseits der Corporate-Welt macht. Rummsfeld war ein schlechter Verteidigungsminister, da sind sich Militärs einig. Weder die Army noch der Irak sind eine Corporation.

    Die Frage ist also nicht, ob die Neocon-Idee schlecht war, sondern wer sie umsetzte. Die Beispiele sprechen für sich:
    Lybien mit einem 70jährigen Gadaffi, der Irak mit einem 70jährigen Saddam, Ägypten mit einem Mubarak, mehr Mumie als Pharao – die Idee, vor den unweigerlich folgenden Diadochen-Kriegen die Region zu ordnen und eine Entwicklung in westlicher Richtung zu initiieren, war nicht abwegig. Sie war richtig. Jugoslawien durfte sich frei entwickeln und das Resultat waren mehr Tote als im Irak. Syrien ist ein sunitisch/shiitisches Projekt und auch da mehr Tote.
    Vielleicht hat mich die Realität nicht hart genug überfahren, aber mit dem altkonservativen „Affen bleiben Affen“ und das menschenfreundliche „es spielt keine Rolle wieviele sterben, solange ich meine in Unschuld waschen kann“… damit kann ich nichts anfangen.
    Der Einmarsch im Irak, bei aller Dummheit in der Umsetzung, war richtig, noch mehr als Afghanistan. Aber eins ist wahr, bevor der Westen es nochmal so schlecht macht, sollte er es lassen. Denn am Ende zählen Ergebnisse und die sind erbärmlich.

    Übrigens lese ich hier Posener nicht als Geläuterten, sondern als lernfähigen Pragmatiker, der ein liberal hawk bleibt, nur eben etwas cleverer als vorher.

  27. avatar

    Egal wie man die amerikanische Umerziehung bewertet:

    Es war etwas da, das umerzogen werden konnte.
    Selbst das heute so verpönte wilhelminische Kaiserreich hatte schon staatliche, zivilgesellschaftliche, ja sogar demokratische Strukturen. In der Weimarer Republik haben diese nicht immer so funktioniert wie es hätte sein können, aber sie waren da.
    Die zwölf NS-Jahre waren zu kurz, um alle Strukturen zu beseitigen, daher gab es im Prinzip keine Stunde Null, zumindest in Westdeutschland. In der DDR dauerte die Diktatur unter nur leicht geänderten Vorzeichen immerhin 44 Jahre länger, das erklärt vielleicht manches.
    Das ehemalige russische Reich ging von der Romanowdiktatur nahtlos in die Sowietdiktatur über;
    auch wenn ich jetzt als Putin-Versteher dastehe, dafür sind die Verhältnisse in Rußland gar nicht mal so schlimm.
    Den Staaten in Afrika und Asien die nicht unseren Vorstellungen von Staatlichkeit und Demokratie entsprechen kann man von außen nicht helfen.
    Es allerdings vielleicht schon etwas bringen, wenn sich der Westen raushalten würde und diesen Ländern nicht mit Interventionen, Handelkriegen und Unterstützung von Verbrechern an der Staatsspitze schaden würde.

  28. avatar

    Konservativ und revolutionär sind kein Widerspruch.

    Wer blieb denn nicht im Irak um die Demokratie aufzubauen? Hat vielleicht Obamas verantwortungsloser Abzug mit dem Zerfall des Iraks zu tun?

    Die von Parteien kontrollierte Presse klingt nach Deutschland.
    Die fehlende Eigeninitiative klingt nach Homo sovieticus.
    Die geringe Ausbeutung der Sonnenenergie klingt nach Griechenland.

    Die Sanktionen gegen die Schurkenstaaten wurde doch vom Neocon Bush fortgeführt.

    Vielleicht sollte genau das Gegenteil getestet werden, durch Handel die Nuss knacken und binden. Bei China hat es funktioniert.
    Wenigstens Handel mit Ideen. 🙂

    Jeb Bush wünsche ich viel Erfolg!

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    Lieber Herr Posener, sehr interessanter Artikel! Es ist wirklich ein Genuss Ihren Artikeln zu folgen. Sie haben die Fähigkeit nicht nur zu berichten, sondern auch noch eine öffentliche Verständigung darüber anzustoßen, ob die Ideen, mit denen man die Welt betrachtet und in Maßen verbessern will, stimmig sind, was fehlt, wo man sich geirrt hat. Klasse.

    In diesem Artikel gibt es vor allem ein ungelöstes Problem, die Spannung zwischen „Staat“ und einer Demokratie, die Zivilgesellschaft, Minderheitenrechte, Pressefreiheit, Gewaltenteilung u. a. m. respektiert und ermuntert.

    Ich glaube dass da immer noch die von den westlichen Alliierten betriebene „Reeducation“ nach dem Nationalsozialismus zu wenig als Lehrbeispiel herangezogen wird. Damals nannte man das, soweit ich weiß, noch nicht „nation building“, aber faktisch war es das. Man könnte die Reeducation etwa so kennzeichnen: erst kamen die Institutionen und später dann entwickelte sich die Zivilgesellschaft, der öffentliche Diskurs, die Minderheitenrechte und viele Dinge mehr.
    Die Institutionen wirkten gewissermaßen als Lehrmeister der Gesellschaft. (Siehe hierzu: M. Rainer Lepsius: Demokratie in Deutschland).

    Reeducation bedeutete allerdings auch, dass die Alliierten diesen Prozeß sehr intensiv und auf vielfältige Weise, begleiteten. Von alleine funktionierte das nicht. Das glaube ich ist viel mehr das Problem derjenigen, die, meiner Meinung nach ganz zu Recht, USA, GB, Australien, Kanada, Europa die Aufgabe zuweisen, demokratische Strukturen und Ideen auf dem Globus zu verbreiten. Lernen von der Reeducation heißt meiner Meinung nach: es braucht viel Zeit, Geld und viele Menschen, die einen solchen Prozeß nach der Niederwerfung eines diktatorischen bzw. genozidalen Regimes begleiten. Es ist damit auch ziemlich teuer.

    Es entzieht sich meiner Kenntnis, ob nach dem „arabischen Frühling“ überhaupt von westlicher Seite der Versuch gemacht wurde, eine solche intensive Begleitung für die institutionelle Konstitution einer liberalen Demokratie und dass ihr folgende Wachstum zu organisieren. Meinem Eindruck nach, wäre da noch eine Menge zu tun.
    Theoretisch denke ich, ist auch der Gedanke hilfreich, den Hannah Arendt in ihrem Buch über die USA entwickelt: Demokratien müssen sich immer wieder neu gründen, besser gesagt auch korrigieren. (H. Arendt: Über die Revolution)

    Ihr Artikel hat mich ins längliche Plaudern gebracht. Sie sehen daran wie anregend er ist. Herzlichen Dank!

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      Lieber Martin Jander, danke für Ihre Plauderei. Ich stimme Ihnen zu: die „Re-education“ war beispielhaft (auch wenn – oder gerade wenn – die Neue Rechte das anders sieht). In der Tat haben sich Neocons und liberale Falken etwas Vergleichbares für den Irak und Afghanistan erhofft. Jedoch fehlt den USA dazu nicht erst seit Obama der lange Atem; dazu hat Niall Ferguson in seinem Buch „Das verleugnete Imperium“ geschrieben, dazu habe auch ich im meinem Europa-Buch etwas geschrieben. Dieser lange Atem hätte ihnen auch in Westdeutschland gefehlt, hätten die Sowjets nicht Osteuropa und Ostdeutschland besetzt, so dass wir, die wir die Gnade der späten und der westlichen Geburt genossen, Stalin auf perverse Weise zu Dank verpflichtet sind.

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    Neocons sind die rechten Sozialeromantiker mit gefährlichem Frustrationsbonus (siehe PeGiDa und Co.!).
    Was haben die nicht alles als erledigt bezeichnet (von der Gleichstellung bis zu den angeblich höhereertigen Menschenrechten exzessiv folternden Westen). Und was ist davon Realität?

    Freiheit, Sicherheit und Demokratie statt rechte Ideologie!

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      Rapunzel, Sie wissen offensichtlich nicht, was „Neocons“ sind. Erkundigen Sie sich bitte. Zum Beispiel, indem Sie meinen Artikel lesen.

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    @ Alan Posener

    Besser so ein Erkenntnisansatz kommt spät, als nie.

    Wieso SIe dafür erst nach Ägypten fahren mussten, verstehe ich eigentlich nicht, da selbst in Ihrer Zeitung ab und an die desaströsen Folgen des Irak- und Afghanistankrieges beschrieben worden sind. Auch der Jugoslawienkrieg hätte wohl verhindert werden können, wenn nicht eine ganze Reihe der westlichen Staaten gegenüber der Bundesrepublik Jugoslawien nicht eine Teilungs- sondern eine europäische Integrationspolitik verfolgt hätten.

    Leider ziehen Sie aus meiner Sicht daher die falschen Konsequenzen.

    Es ist aus meiner Sicht falsch, Oppositionsbewegungen durch geheimdienstliche oder „halbstaatliche“ Institutionen, wie die KA, FES, HBS oder SS (funny acronym) zu pushen, wenn dies das Ziel haben soll, einen gewaltsamen Umsturz herbeizuführen, wie es in den meisten nordafrikanischen Staaten und der Ukraine der Fall war.

    Wichtiger wäre es, die demokratischen Kräfte in den Staaten offen zu unterstützen und jede Art von menschenrechtsverletzender Zusammenarbeit mit den Staaten zu unterlassen und sich selbst an die Menschenrechtskonvention zu halten, dem Internationalen Strafgerichtshof beizutreten und die Vereinten Nationen zu stärken und zu reformieren.

    D.h. kein Folter-Joint-Venture mit Assad und Co., kein riot funding, kein Guantanamo, kein Abu Ghraib, keine Totalüberwachung durch die NSA, keine Überfälle auf souveräne Staaten, die grundsätzliche Akzeptanz der Gleichwertigkeit aller Staaten auch in Atomfragen, das Nachdenken über die Schaffung eines Internationalen Systems zur gerechten Verteilung aller endlichen Ressourcen etc. pp.

    Wenn daran gearbeitet wird, kann durch die alte Formel „Wandel durch Annäherung“ viel Leid vermieden werden.

    Eine solche Änderung der aussenpolitischen Doktrin, die vor allem durch die derzeitige – so nach eigenem Selbstverständnis – „world leading power“ erfolgen müsste, sehe ich jedoch nicht.

    Was ich sehe und was Sie wohl in Ihrem Artikel andeuten wollen, ist die realistische Bilanz der USA- und NATO-Politik der letzen 25 Jahre. Das Erahnen des Scheitern, die Erkenntnis, dass das Konzept des „creative chaos“ á la Condi Rice nicht nur menschenverachtend war sondern auch gescheitert ist.

    Der Glaube, gleichwohl überall heimlich zu Zündeln und sich militärisch zurückzuhalten, wird aber nicht aufgehen wenn man ansonsten keine grundlegenden Reformen im Westen hin zu einer wieder freieren, demokratischen Gesellschaft wagt.

  32. avatar

    So vieles richtig.
    Wir wären wohl einiges weiter, wenn wir selbst in unserem Umgang mit Despoten und korrupten System unsere westlichen/europäischen Werte beherzigten.

    Plastischer: In Putins Arsch wird man die Fackel der Freiheit kaum sehen können.
    Gilt auch für Andere.

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      „Putins Arsch“, lieber Andreas Scheuermann, ist sprachlich etwas grenzwertig. Aber ich weiß, was Sie meinen.

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    »Die erste und wichtigste Lehre scheint mir zu sein, dass die Staatlichkeit ein hohes Gut ist. Ein autoritärer Staat ist besser als gar kein Staat; undemokratische Strukturen sind besser als das Chaos; eine Armee ist besser als die Herrschaft von Milizen.«

    Wenn denn dann die Basis-Werte intakt, der Mensch nicht allzu hungrig, die Gerechtigkeit ein grundsätzlich zu bewahrendes Gut – und die Presse halbwegs »frei« – als Vierte Gewalt und Korrektiv. Ansonsten ist die Staatlichkeit eine Farce, wie in den meisten korrupten Ländern, die ein System aus Herren und Sklaven anstreben. Der Mensch bleibt der Mensch, bleibt das menschliche Tier. So schreibt eine Frau, die auf Grund der nicht zu leugnenden Dankbarkeit für die Frauen-Freiräume in unserem Europa an der Denk-Gestaltung teilhaben darf. Man muss sich das als neocon (oder ehemaliger neocon) einmal vergegenwärtigen: Wir sind in Europa weit gekommen. Und wenn, dann schaffen wir hier die nächste Hürde auf dem Weg zu einer echten Demokratie. Nur die zunehmende Korruption müssen wir in den Griff bekommen – gemeinsam mit der Presse. Danke für den guten Morgen-Artikel. Nicole Joens

  34. avatar

    Ein interessanter Artikel. Nur ganz kurz: Mein Hauptproblem mit diesen Neocons ist ihre maßlose Selbstüberschätzung. Die Neocons glauben nicht nur, ihre eigenen Ideen seien denen der anderen haushoch überlegen – das glauben auch die anderen -, sondern dass diese ideele Schlagkraft im Verbund mit der vermeintlich ebenfalls haushoch überlegenen militärischen Schlagkraft alles Unerwünschte so niederbügeln und alles Erwünschte hochziehen könnte, so wie man sich das am Schreibtisch vorstellt. (Vermeintlich überlegen ist diese militärische Schlagkraft deshalb, weil sie nicht im Vollsinn siegreich sein, sondern nur bewirken kann, dass die Gegner in den Untergrund abtauchen, was sich zunehmend zu unserem Hauptproblem entwickelt.)

    Als Allererstes sollte man deshalb sämtliche altertümlichen Interventionspläne aus dem letzten Jahrhundert einstampfen und sich militärisch auf reine Selbstverteidigung beschränken. Wenn man dann über Handelsbeziehungen und -einschränkungen (ein für Neocons unbeliebtes Programm) andere Staaten beeinflussen wollen würde, wäre schon viel gewonnen. Denn wir als Westen können grundsätzlich sagen, dass wir uns unsere Handelspartner nach Belieben ausssuchen und mit bestimmten Staaten keinen Handel treiben, solange die sich nicht wandeln, und diesen Handel unseren Staatsbürger sogar verbieten. Hierzu sind wir frei. Dazu bedarf es nur den entsprechenden politischen Willen, der mit Sicherheit nicht im liberalen Lager angesiedelt ist.

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