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Die Zeitungsverleger sollten von Apple lernen

Die Frage, wie man mit Journalismus Geld machen kann, ist für mich als Journalist natürlich von existenziellem Interesse. Aber auch wer sein Geld nicht in diesem Gewerbe verdient, sollte sich diese Frage stellen. Denn wenn das nicht geht, wird es entweder keinen Journalismus geben, oder nur Sensationsjournalismus, der nach wie vor Massenauflagen erzielen kann, oder nur staatlich subventionierten Journalismus.


Die Frage ist zwar nicht neu. Aber sie wird durch das Internet auf eine qualitativ neue Art gestellt. Es handelt sich dabei nicht einmal in erster Linie darum, dass alle Print-Qualitätsmarken durch kostenlose Internet-Angebote eine Erwartungshaltung, eine Umsonst-Mentalität, bei den LeserInnen hervorgerufen haben, die man nun mit eher mäßigem Erfolg durch Paywalls der einen oder anderen Art oder der Unterscheidung in Gratis- und „Premium“-Angebote zu konterkarieren versucht.
Es geht darum, dass es prinzipiell unmöglich scheint, Inhalte hinter Bezahlschranken zu verbannen, wenn sie einmal online erschienen sind. Das fiel mir heute auf, als ich, einem Lektürehinweis nachgehend, den Artikel „Biology’s Next Revolution“ von Nigel Goldenfeld und Carl Woese suchte. Da ich wusste, dass er in „Science“ veröffentlicht worden war, fand ich ihn leicht:

http://www.nature.com/nature/journal/v445/n7126/full/445369a.html

Hmm. 16 Euro für einen Artikel? Alles was recht ist, aber … Nun, eine erweiterte Stichwortsuche bei Google löste das Problem:

http://guava.physics.uiuc.edu/pubs/preprints/Goldenfeld-Woese-Nature-2007.pdf

Nun könnte man sagen, es handele sich um einen älteren Artikel (2007); bei neueren Artikeln sei die Umgehung von Bezahlschranken nicht so leicht. Nehmen wir also einen Beitrag aus dem „Wall Street Journal“, der mir vor einigen Tagen auffiel. Hier geht es nicht um Mikroben, sondern um den „Islamischen Staat“, genauer um den früheren General John Allen, der im Auftrag Barack Obamas die Koalition der Willigen gegen den IS zusammenhalten soll:

http://www.wsj.com/articles/joe-rago-inside-the-war-against-islamic-state-1419636790?tesla=y&mod=djemMER_h&mg=reno64-wsj&url=http://online.wsj.com/article/SB12265722269804043990704580345142530672292.html?mod=djemMER_h

Klingt interessant, aber da ist gleich die Paywall. Hm. Nochmal googeln:

http://fortunascorner.com/2014/12/27/inside-the-war-against-the-islamic-state-wall-street-journal-weekend-interview-with-u-s-special-envoy-in-the-war-against-the-islamic-state-gen-john-allen/

Mit einem Wort: Paywalls und andere Bezahlschranken kann man mit etwas Aufwand in der Regel umgehen. Warum also sollten LeserInnen eine Zeitung, Wochenzeitung oder Zeitschrift, die online erscheint, überhaupt abonnieren? Die Antwort lautet: Aus Bequemlichkeit und aus Vertrauen.
Es ist mit einigem Aufwand verbunden, sich täglich oder wöchentlich die wichtigsten Artikel zum Verständnis des Weltgeschehens zusammenzugoogeln. Die Bequemlichkeit legt es nahe, die Sichtung, Darstellung und Interpretation der Fakten Leuten zu überlassen, die das von Berufs wegen machen. Aber wem vertraue ich diese Aufgabe an – wem vertraue ich überhaupt? Traditionell sind das die großen Zeitungsmarken. Der Studienrat liest „Die Zeit“, die Professorin die „FAZ“, der Banker die „Financial Times“ und so weiter. Die Identifikation einer Leserschicht mit der Marke – „Dahinter steckt immer ein kluger Kopf“ / „Spiegel-Leser wissen mehr“ – ist die Grundlage für das Geschäftsmodell: diese Leser liefert die Marke den Anzeigenkunden.

Die Verlage haben zwar dieses Modell selbst zerstört, indem sie das Produkt mehr oder weniger vollständig umsonst online angeboten haben. Dieser Fehler hat allerdings nur eine Tendenz beschleunigt, die bereits im Gange war: die Ablösung jüngerer Leser von der Marke, der Niedergang der Zeitung als Weltinterpretations- und Selbstdefinitionsportal. Diese Entwicklung verläuft parallel zur Schwächung der Bindung an andere Institutionen, insbesondere die politischen Parteien, aber auch Kirchen und Vereine. Um es kurz zu machen: die Bequemlichkeit allein reicht nicht als Motiv, eine Zeitung zu abonnieren; das Vertrauen aber, die Leserbindung, die Markentreue schwindet.
Unter diesen Bedingungen sind Paywall-Modelle zum Scheitern verurteilt. Die Leserin, die bei der „FAZ“ auf eine Bezahlschranke stößt, switcht zur „Welt“ und umgekehrt.
Heißt das, die Verlage müssten sich damit abfinden, dass über die Leser kein Geld zu holen ist? Ich glaube nicht. Denn die Motive Bequemlichkeit und Vertrauen wirken weiter.
Noch vor einigen Jahren schien es eine ausgemachte Sache zu sein, dass mit Musikaufnahmen kein Geld mehr zu machen sei, die Zukunft schien kostenlosen Tauschbörsen wie Napster zu gehören. Dann kam iTunes. Indem iTunes es möglich machte, statt ganzer Alben einzelne Songs für 99 Cent – unterhalb der Schmerzgrenze der allermeisten Konsumenten – zu kaufen, rettete sie das Geschäft mit der Musik. Es ist für die meisten Konsumenten bequemer, im Apple-Store per Mausclick einzukaufen, als sich auf irgendwelchen illegalen Websites herumzutreiben. Außerdem bürgt Apple mit seinem Namen für Qualität. Man vertraut der Marke.
Mein Vorschlag nun lautet, dass sich alle deutschen Zeitungsverleger und sonstigen Anbieter von Online-Journalismus (z.B. Rundfunk- und TV-Sender) zusammentun, um einen Online-Kiosk zu schaffen, der wie iTunes funktioniert. Die LeserIn kann dort. sofern sie Zahlungsdetails hinterlegt hat, per Click ganze Zeitungen oder gar Abonnements kaufen, oder eben auch nur einzelne Artikel, Videos und dergleichen. Das Entscheidende wäre, dass es außer diesem Kiosk keinen legalen Weg gäbe, an das Online-Material heranzukommen. Sicher würden Dienste wie „Google News“ oder „Perlentaucher“ mit Zitaten an die Grenze des Erlaubten gehen, hier und dort – etwa auf Facebook oder auf individuellen Blogs – würden Artikel ganz oder auszugsweise illegal erscheinen. Aber erstens könnten die im Online-Kiosk zusammengeschlossenen Content-Anbieter sehr viel effektiver gegen Piraterie vorgehen, als es jetzt der Fall ist. Und zweitens könnte man vermutlich auf die Bequemlichkeit der LeserInnen vertrauen. Denkbar wäre auch ein Modell, bei dem der Leser ein Kiosk-Abo kauft, mit dem Recht, alle dort angebotenen Artikel usw. zu lesen; der Erlös wird je nach Clickzahl und Verweildauer unter den Content-Anbietern aufgeteilt.
Man sage nicht, durch dieses Modell würde der Wettbewerb unter den Verlagen aufgehoben. Im Gegenteil. Am herkömmlichen Kiosk findet Tag für Tag der Wettbewerb statt; so wäre es auch bei diesem Online-Kiosk. Ja, man kann sagen, dass erst die Schaffung eines solchen Kiosks einen funktionierenden Markt im Internet herstellt. Möglicherweise müsste er – wegen der großen Bedeutung der Zeitungen für die Meinungsbildung – per Gesetz begründet und der Kontrolle der Bundesnetzagentur oder einer ähnlichen staatlichen Behörde unterstellt werden.
Zweifellos enthält dieser Vorschlag einige Gedankenfehler; ob sie derart gravierend sind, dass man das gesamte Konzept als unsinnig verwerfen sollte, muss die Diskussion ergeben. Jedenfalls halte ich den Versuch, eine solche Einrichtung zu schaffen, für viel sinnvoller als das impotente Jammern über die Übermacht von Google.

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85 Gedanken zu “Die Zeitungsverleger sollten von Apple lernen;”

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    EJ: „privatisierte Nachrichten“
    Veröffentlichen private Medien (Zeit, Süddeutsche, Spiegel, Welt) nur Schrott (Promi-Busen-OPs etc.)?? Sehen wir auf ARD/ZDF etwa nur seriöses, wohlrecherchiertes Referenzprogramm? Was ist mit den Agenturen – sind die alle staatlich? Nein, EJ, mir ist es nicht recht, wenn nur noch Sensationsmeldungen gesendet und geschrieben werden, aber das ‚öffentlich rechtliche‘ ist längst auf dem Niveau der vielgeschmähten ‚Privaten‘. Man kann zurecht ein abgespecktes öffentlich rechtliches Bildungsfernsehen nach Art der BBC wünschen – dann hätten andere Medien auch wieder Raum. Und ich denke, das wird auch so kommen.

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    @ KJN: es sei denn, diese Zwangsfinanzierung würde endlich abgeschafft

    Wenn Sie die Zwangsfinanzierung tatsächlich abschaffen würden, gäbe es nicht nur die Öffentlich-Rechtlichen nicht mehr. Ohne gesetzlichen/ staatlichen Zwang zur (Quer-)Finanzierung gäbe es auch keine RTL-Nachrichten mehr (oder nur noch quotenträchtige über Mord und Totschlag und Busenoperationen und sonstigen Scheiß).

    Ihnen ist das recht. Mir nicht.

    Mein Einwand gegen APOs Vorschlag ist, dass sein Online-Kiosk – über Klickzahlen und Wert der eingeblendeten Werbung – jeden einzelnen Zeitungsartikel in seinem Geldwert berechenbar macht und damit jeden einzelnen Zeitungsartikel – gleich, ob Nachricht, Analyse oder Kommentar – der Marktkonkurrenz aussetzt.

    Wird es in den Zeitungen, die artikelweise über APOs Online-Kiosk abrufbar sind, noch Nachrichten-, Analyse- und Kommentar-Artikel geben, die nicht marktgängig sind und die ihre Erstellungskosten nicht einspielen, die (quer-)finanziert werden müssen und die den Gesamtertrag der Zeitung schmälern?

    Kurz:

    Ist die (politische) Nachricht – (politische) Nachricht im weitesten Sinne – ein öffentliches Gut? Oder ist sie ein – von Markt und Angebot und Nachfrage abhängiges – privates Gut?

    Konstituieren radikal privatisierte, nicht zur (Quer-)Finanzierung verpflichtete und auf Marktgängigkeit hin optimierte Medien die politische Öffentlichkeit, die Voraussetzung für Demokratie ist? – Auf welches politische System laufen (in obigen Sinne) privatisierte Nachrichten hinaus?

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    @KD Artikel v. 30Dez.
    Ein sehr guter Artikel mit vielen treffenden Gedanken. Der „Starjournalistenmarkt“ wird kommen, da bin ich mir 100% sicher. Es gilt schon jetzt, die freien“ Starpublizisten“, die kein Blatt vor dem Mund nehmen, die Missstände aufdecken, die nicht regierungstreu schreiben, die Visionen haben, die Lösungsvorschläge liefern- ob umsetzbar oder nicht, die sich als Bestseller- Autoren hervorgetan haben, vertraglich einzubinden. Wir brauchen im journalistischen Bereich mehr Vordenker, statt Nachplapperer. Diejenigen Verleger, die jetzt schon damit anfangen sind m.E im Wettbewerbsvorteil! Es kann ganz schnell gehen! Ich denke, ich brauche hier keine Namen zu nennen. Für mich sind sie klar! Warum sollen nur Fussballer gutes Geld verdienen?

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    Ich hab‘ hier was auf der Achse der Gütigen gefunden, das mich so angek…. hat, dass ich das mit Ihnen teilen muss. Der Grund: siehe unten
    On May 7, Pizza Express, a British restaurant chain, revealed that halal meat was being used in all of its chicken dishes in all of its 434 restaurants across the UK. Under Islamic law, chicken can only be eaten if the bird’s throat has been slit while it is still alive. A Koranic verse is also recited during the ritual. On May 15, it emerged that at least a dozen top universities, including Oxford University, have been secretly serving halal meat to unsuspecting students. …..
    Also in June, an investigation found that all of the chicken and lamb meat being served at the University of Warwick is halal. A first-year student commented:

    „It’s disgusting that only Islamic meat is provided and no others. How is it acceptable for me to eat blessed meat of another religion that is different to my own? To effectively impose a monopoly on my choice leads me to question whether their religion (Islam) is prioritized over my own.“
    http://www.achgut.com/dadgdx/i....._schlimmer
    http://www.gatestoneinstitute......lamization

    Grund: Schlachtmethode billiger, ein Essen günstiger als zwei verschiedene. Man stößt zwar alle anderen vor den Kopf, Normalos, Tierschützer und noch mehr Sikh und Hindu, aber die laufen auch nicht ‚rum wie Abu Heavy Metal oder so, der am Anfang erwähnt wird. Die Abu Heavy Metals halten alle in Schach. Aber Schuld ist der Zulieferer, das ist sonnenklar, denn Heavy Metal gönnt uns schon unseren eigenen Pampfraß.

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    Warum verdient Springer Geld, aber nzz, faz und Augsteins Hausblatt nicht?
    Vielleicht hat derblondehans gar nicht so unrecht?

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      Wir verdienen Geld, lieber lucas, weil wir so tolle Autoren haben wie Alan Posener zum Beispiel, die sich prima monetisieren lassen. Nee, aber ernsthaft: Axel Springer – seit einigen Tagen genauer: „WeltN24“ – vedient Geld online, weil wir seit Jahren mit einer Redaktion verschiedene Produkte herstellen, Welt, Welt kompakt, Welt online, Welt am Sonntag, Welt am Sonntag kompakt… , wogegen sich andere noch mit Händen und Füßen wehren. Und weil wir seit Jahren eine Strategie des „online first“ verfolgen. Das ist sehr anstrengend, und ohne Fehler geht so etwas nicht ab, aber wir haben die Nase vorn.

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    Warum verdient Springer Geld, aber nzz, faz und Augsteins Hausblatt nicht?

    „Warum bieten, Gruner & Jahr, Zeit, Springer etc. keinen geschützten seriösen Internet-Zugang?“ Warum sollte das jemand kaufen, wenn es freiere Internetzugänge gibt?

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    „Schon das Rad war eine Zumutung“
    ..der war jetzt gut, werde ich mir merken -danke AP!

    (im Link von parisien)

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    Ich zitier mal aus dem Artikel: „Für 56 Prozent der Deutschen ist weiterhin das Fernsehen die wichtigste Nachrichtenquelle.“
    Also eine Plattform, staatlich (zwangs)finanziert mit einer ‚Demokratieabgabe‘ – dennoch (oder deswegen?) sehr erfolgreich. Das ist die ist-Konkurrenz einer privaten Medienplattform, gegen die kaum anzukommen ist, es sei denn, diese Zwangsfinanzierung würde endlich abgeschafft. Nun gucken die jüngeren Leute aber kein Fernsehen mehr, d.h. an die müsste sich eine Internet-Medienplattform richten. Das Geschäftsmodell des Rundfunks ist seit jeher, den technischen Zugang zum Medium mit dem Informations- und Unterhaltungsangebot zu verknüpfen. Genau das versuchen ja auch Telekom, Kabel Deutschland & Co., haben aber nicht den jounalistischen Hintergrund und das seriöse Image. Warum bieten, Gruner & Jahr, Zeit, Springer etc. keinen geschützten seriösen Internet-Zugang? Der ganze vereinfachte App-Computerkram (Smartphones, Tablets usw.) würde doch dazu passen. Das Internet wird derzeit sortiert – wer dabei sein will, muss jetzt was dergleichen tun.

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    @Posener
    Blendle hat zur Zeit 130 000 Nutzer in den Niederlanden. Das ist ja schon was! Jetzt geht es darum, die Blattform hier in DL zu testen. Es darf nicht bei ihr „Blendle “ der Eindruck entstehen, dass sie nur für eine zahlungskräftige Gesellschaft entwickelt wurde. Sie muss für die breite Masse bezahlbar sein. Es müssen Rabatt-und Bezahlsysteme für all diejenigen entwickelt werden, die die Zeitung als Printmedium schon haben( die Zugriffe auf Top Artikel wesentlich günstiger herunterladen können als die anderen). Ich gebe grundsätzlich keine Kontendaten ins Netz ein( Einzugsermächtigung ja, aber keine Daten übers Netz! )Der Missbrauch läßt grüßen! Anmerkung: Von gekündigten Mitarbeitern können auch Daten weitergereicht werden. Das ist zwar Bertrug, aber ich habe dann das Problem ( DL machts ja mit dem CD Ankauf vor). Als Nutzer stehe in der Beweispficht!

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    Lieber Alan Posener,

    Gute Fragen, Walter Schmid. Axel Springer testet bereits in der Praxis, wie so etwas funktionieren könnte:
    https://launch.blendle.nl/

    hier etwas zur Ergänzung:

    http://www.mondaynote.com/2014.....t-blendle/

    http://www.niemanlab.org/2014/.....p-blendle/

    http://www.theguardian.com/med.....h-concrete

    Ob http://www.blendle.nl das Rad neu erfindet6 ???

    Poiano media war bereits da !!
    https://www.pianomedia.com/about-us

    http://tech.eu/features/2401/piano-media-slovakia/

    Und die AS AG kooperiert bereits in Polen mit dem slovakischen Unternehmen:

    http://www.mediadraufblick.de/.....gsverlage/

    http://www.dnv-online.net/medi.....ric=Medien

    Und noch ein Aspekt der in unserer Diskussion vernachlässigt wird:

    Was kostet die Herstellung einer Printausgabe einer Zeitung im Vergleich zur Online-Version???

    Und es können per online auch gezielter Angaben über die Zeitungsleser erhalten werden.

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    Ich stelle auch mal kritische Fragen zum Online Kiosk. Was ist wenn nicht ALLE führenden Verlage mitmachen? Kann man überhaupt sicher stellen, dass Artikel von namhaften Publizisten nicht plötzlich im Netz auftauchen? Wird das deutsprachige Ausland plötzlich stärker nach kostenlosen, auch guten Artikeln nachgefragt? Oder man liest verstärkt englische Artikel! Werden Netzwerke wie Twitter, FB und andere Foren plötzlich attraktiver? Werden durch das Online Kiosk nicht plötzlich Mitwettbewerber geschaffen? Sie könnten ja die besten Publizisten abwerben und gut bezahlen! Ensteht dadurch ein neuer Markt? Sollte ein Veragshaus ausscheren, was ist dann? Es ist nicht alles so einfach! Bringen sie mal alle unter ein Portal. Wo Menschen sind da menschelt es! Sie wissen ja, der Deutsche diskutiert zu viel, am Ende setzen Ausländer die Maßstäbe.

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    @ Alan Posener
    „Wir Menschen sind ja evolutionär nicht für den Fortschritt gemacht.“
    Doch. Wir haben uns z.B. über die Playstation für unsere Kinder gefreut (war ein toller Sitter), sind aber sehr ärgerlich, dass man für die neueren Spiele eine neue kaufen muss, weil die alte der Moderne der Spiele nicht gewachsen ist. Die alte geht aber vorzüglich. Wir werden hier gründlich verarscht, denn wir sollen Geld ausgeben, dass manche Leute entweder nicht haben oder nicht übrig haben wollen. Alan P., ich bitte Sie, das ist kein Fortschritt. Es ist auch kein Fortschritt, wenn wir eine Sitzpritsche im Flieger kriegen und in New York mit Beinvenenthrombose aussteiegen. Und ehrlich, wir brauchen nicht in jedem Kaff schnelle Frequenzen. Und schöner ausgestattete Supermärkte im Austausch für skandalöse Lbm, mit Wasser aufgepumptes Fleisch, brauchen wir auch nicht. Und was ich vor ein paar Tagen bei einem Kind erlebte, braucht niemand: Aschfahl, Blässe, akuter Durchfall. Das Kind war das Einzige, das den Rucola aus dem Supermarkt verspeist hatte. Alle anderen hatten an dem Tag – Sie ahnen es vielleicht -nur gut durchgebratenes Fleisch. V.a. Noro-Virus.
    Wir sind für den Rückschritt nicht gemacht.
    Verkaufen Sie uns doch nicht für dumm!
    http://www.welt.de/kultur/arti.....n-gut.html

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    @ Parisien
    Mich interessiert nicht, dass so mancher grammatisch wohlgeformter Satz falsch ist, sondern dass er einen echten gedanklichen gedanklichen Inhalt ausdrückt, sprich die Idee ernster genommen wird. Sie bringt uns weiter. Durch eine neue Beschreibung von erlebter Erfahrung ist es möglich, einen neuen Grad von Bewusstsein zu erlangen. Heute kommt es auf die Fähigkeit an, komplexe Innovationen für Zukunftsmärkte zu entwickeln und zu Marktreife zu bringen. Erst dann kommt Geld in die Kasse, wovon wir uns ALLE erst Dienstleistung, sprich Print- und Onlinemedien kaufen können.
    @ ALLE
    Ich wünsche mir im neuen Jahr, dass wir nicht so oft vom Thema abweichen! Vielleicht gesellen sich noch ein paar Foristen mehr dazu. Aber fangen wir nicht gleich mit Ach, Herr . . . . . . .an!

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    Aber, lieber Alan Posener, das genau ist doch das Problem. Hölderlin, nicht Daniel Falb, Rilke, nicht Ron Winkler.
    Verstehen Sie mich nicht falsch; ich liebe Hölderlin, aber über den guten Fritz finde ich tonnenweise Sekundärliteratur und mit Sicherheit auch tausende von Zeitungsartikel.
    Stattdessen einen ausführlichen Artikel über einen der oben genannten, oder sonst einen zeitgenössischen Lyriker, eine zeitgenössische Lyrikerin (nicht des Namens Grünbein … Sie wissen, was ich meine): das wäre ein Gewinn.
    Aber, da müssten sich die Feuilletonisten erst mal in die Zeitgenössische Lyrik reinlesen, einen Geschmack ausbilden, Wissen ansammeln. Das macht natürlich Arbeit. (Und es ist mir selbstredend klar, dass Journalisten immer weniger verdienen, schnell arbeiten müssen, um auf ihren Schnitt zu kommen – doch es ist einfach ein Elend, dass zeitgenössische Kunst und Literatur in ihrer avantgardistischen Gestalt in den Feuilletons einfach nicht mehr vorkommen).

    Davon abgesehen würde ich ja ohne Weiteres konstatieren, dass die Literarische WELT mit das Beste ist, was man auf dem deutschen Zeitungsmarkt noch finden kann, wenn auch sicher nicht so gut, wie das Feuilleton in z.B. der ZEIT in den 70er und 80er Jahren.

    Eine Lösung wäre, einfach mal ein paar Leute schreiben zu lassen, die sich mit der genannten Materie auskennen.
    Denn meiner Ansicht nach hat das Feuilleton die Aufgabe seine Leser genau über jene Dinge zu informieren, die der Leser gerade eben noch nicht kennt. – Ein weiterer Artikel über Stephenie Meyers Vampir-Romane, die zwanzigste Ode an den alternden und veralteten Martin Walser ist nicht nötig, glauben Sie mir.

  15. avatar

    ot
    Diesem Artikel stimme ich zu. 🙂
    Aber warum soll ich für soziale Intelligenz bezahlen, wenn, da alles wegrationalisiert wurde, alles kostenlos (siehe Google) zu haben ist? Sich gegen Bezahlung betütern lassen? Wie pervers ist das denn? 😀
    Ich meine, warum bräuchte ich denn noch Manager? Unternehmen verwaltet sich selbst, DAO; Manager die Managern und Fußballtrainern die Arbeit zuteilen?
    Werbung? alles umsonst, für was noch werben? Produkte werben für sich selbst, siehe Googlesuche
    Politiker? Sozialpolitik fällt raus, wer braucht noch Wohnungsbauprogramme und Hartz, wenn Häuser nichts mehr kosten? Verteidigung braucht auch keiner mehr, alles umsonst, Wirtschaft, alles umsonst?
    Schlagersänger? ich sing meinen Freunden ein Ständchen; so wie spezielle Handschuhe Klavierspielen beibringen können, wird es vielleicht ähnliche Dinge geben singen zu lernen; Software die mir sagt wann ich falsch singe?
    Fußballtrainer? ich guck kein Fußball und spiels auch nicht, da alle nicht mehr arbeiten (alles umsonst)
    Ernährungsberater? ich kenne eine, die ist verdammt nett, aber das Essen bei ihr zuhause schmeckt mir nicht; Biotechnologie ermöglicht es mir unendlich viel zu essen?
    Designer? freie Designs, gehört nicht le Couboursiers Arbeit schon allen? spielerisch selbst designen?
    Pflegerin? ich lebe ewig und werde nicht alt
    Lehrerin? in Gruppenarbeit, autodidaktisch oder Software die einen Lehrplan erstellt; wer braucht noch deutsche Ausbildungssysteme, wenn es MOOCs gibt?
    Journalismus? starke-meinungen ist ne schöne Spielwiese 🙂
    Makler? kann jeder werden, sogar mein entfernter Onkel mit wenig Schulbildung und ohne entsprechende Ausbildung; aber das bleibt interessant, schließlich gibt’s jedes Grundstück nur einmal. Obwohl, warum nicht mit Scannern und 3D-Druckern New York kopieren? Mir wärs zu langweilig in New York8673 zu wohnen, aber gut.

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    Ist der große Kiosk nicht das Zwischennetz und meine Kioskdame Google?

    Soll das mit der staatlichen Protektion eigentlich eine Drohung sein? Statt ÖR gibt’s dann bald Verlagsrettung für die heilige Kuh namens Meinungsvielfalt (ich will aber auch Geld für meine Selbstverwirklichungskommentare!) aka Kulturflatrate. Wer nicht zahlt, pech gehabt, dann kommt für die Verlage Papa Staat mit dem Rutenbündel, egal ob du Meinungsvielfalt brauchst oder selbst(verwirklichungskommentare) machst, du böser Nichtzahler.

    Für ernstes will ich ab sofort was vom Kuchen abhaben und mindestens das doppelte, schließlich ist es E und nicht U!

    Interessant, lieber Hans, damit wären bei einem Pfennig die beiden Oberkommis nur mit ihrem wichtigsten Werk Millionäre, Engelchen wars sowieso. 😀

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      Ich meine, lieber Lucas, dass es „Starke Meinungen“ nicht gäbe ohne die Faktenbasis, auf die wir uns (in der Regel) beziehen, und die journalistisch erarbeitet wurde. Korrespondenten, Redakteure, Info-Grafiker, Fotografen und Fotoredakteure – all das kostet sehr viel Geld. Meinungen, ob stark oder schwach, sind dann das Sahnehäubchen obendrauf.

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    Ich lese keine Zeitung mehr. Und das hat Gründe.
    Vor zwanzig, dreißig Jahren habe ich Zeitungen geliebt, hauptsächlich des Feuilletons wegen. Da wurde selbst im Spiegel Adorno interviewt (gut, das ist noch ein bisschen länger her). Man konnte über interessante Filme lesen, über Gedichtbände, über neue philosophische Schulen, über aktuelle Malerei, und zwar auch über die jeweils avangardistische – in der Zeit, in der Welt, in der Faz.

    Was aber lese ich heute dort? Besprechungen der neuesten Fantasy-Romane (nix gegen Fantasy), Hymnen auf 16jährige Maler, die mittelmäßige Street-art machen, Elogen auf Haftbefehl, der zum neuen Lyrikstar gejazzt werden soll (und noch nicht mal passablen Hiphop hinbekommt), Halbdutzend Spalten über „Eines Tages, Baby, werden wir alt sein“.

    Zeitgenössische Kunst kommt nicht vor (es sei denn, sie wird von Leuten wie Martin Eder gepinselt, oder von Jens Bisky … Salonmalerei für das verlorene Bürgertum). Lyrik kommt nicht vor, von den obligaten Rezensionen zu Jan Wagners oder Nora Bossongs neuen Gedichtbänden abgesehen (nichts gegen die Gedichte der Beiden).
    Philosophie schon mal gar nicht, es sei denn man hält Schlotterdeich und Den-mit-der-schönen-Frisur für große Philosophen.
    Soziologie? Geschichte jenseits von des Führers dämonischer Katzenbrut? Nö.

    Wo sind die Berichte zu z.B. Elmar Hess, zu Mario Asef, zu Ulrich Koch, zu Daniel Falb, zum Verlagshaus J. Frank etc pp…

    Ich besuche (und veranstalte) seit Jahren Lesungen und Ausstellungen, und sehe ich dort irgendwen aus dem hiesigen Feuilleton? Nein. Nur warum ist das so?

    Und dieser kurze Einwurf behandelt ja nur des Elend des Feuilletons, über den Politikteil schweige ich ja noch, ebenso über den Wissenschaftsteil, soviel Grauen halte ich nicht an einem Tag aus. Da brauche ich eine Woche, um mich abzugruseln.

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      Lieber Florian Voß, demnächst erscheint in der „Welt“ oder der „WamS“ ein längeres Interview, das ich mit Hans Ulrich Gumbrecht geführt habe, in dem es fast ausschließlich um Hölderlins Lyrik geht.

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    @ Alan Posener: den Wettlauf nach unten stoppt und gerade dadurch den Qualitätsjournalismus vor der Verseichtung schützt

    Ich fürchte, der Zug ist längst abgefahren und nicht mehr zu stoppen. Dabei muss man gar nicht darüber rechten, ob die klassische Presse selbst schlechter geworden ist oder nicht.

    Gut wäre die klassische Presse noch für News im allerengsten Sinne: Sich rasch einen gut gegliederten Überblick verschaffen … Aber leider werden inzwischen gerade auch die News zugeschwafelt und zugefeatured. (Den Nachrichtenüberblick beziehe ich deshalb per Mail von den Öffentlich-Rechtlichen.)

    Mit dem, was das Netz an fundierter Analyse und Meinung bietet, kann die klassische Presse aber keinesfalls mehr mithalten. Und das ist, vermute ich, auf Dauer ihr eigentliches Problem. Oder, wenn Sie so wollen, auch schon die Lösung ihres Problems: Die klassische Presse wird zum Produkt für „Kunden“, die nicht in der Lage oder zu bequem sind, sich im Netz zurecht zu finden.

    Eine gut gepflegte und regelmäßig abgesurfte Liste (Bookmarks, RSS-Feeds, Google-Alerts) deutsch- und vor allem englischsprachiger sites macht jede Zeitungslektüre nicht nur überflüssig, sie ist ihr haushoch überlegen. – Ich habe mir sagen lassen, dass für „Newsletter“ zu bestimmten Themen, die auf der Grundlage solcher Listen/ Netz-Recherchen aufbereitet werden, durchaus gutes Geld gezahlt wird. Offenbar genau das Geld, das für Zeitungsabos nicht mehr ausgegeben wird.

    (Aber klar: Insofern Zeitungen dennoch produziert und gelesen werden, sind sie allerdings noch – noch! – als Politikum, heißt: als in sich mehr oder weniger differenzierter öffentlichkeitswirksamer Wahrnehmungs – und Meinungsblock, zur Kenntnis zu nehmen.)

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    Ich auch, ich auch, Edmund Jestadt, Alan Posener, Falk Herrmann, M. Behrent und Stefan Küchler, vor 1,5 Jahren.

    Wo muss ich mich melden? 😀

    Guten Rutsch!

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    Ein ot noch, dann geht es mit den anderen Teilnehmern hoffentlich eng an Ihrem Thema weiter:
    Ein gutes Stück von Boess, weil dialektisch:
    http://boess.welt.de/2014/12/2.....ntipegida/

    Sagen wir mal, hier flögen die Fetzen und einige Unintegrierbare würden vertrieben? Wo würden sie dann hingehen müssen? In ihre Heimatländer.
    Deswegen kann man das nicht mit Juden ab 1938 vergleichen.
    Wenn die Unintegrierbaren aber die Oberhand gewinnen würden, wohin würden die Juden gehen (siehe Frankreich?)
    Und welches Land würde sich darüber am meisten freuen, wenn es diese alle an einer Stelle hätte und die Zahl von dem, den ich hier nicht nennen soll (reltih) überbieten könnte, wenn es bis dahin…..
    Und welche Politikerin badet familiär sichtlich im Antizionismus?
    Und wenn man die Rückkehrer aus Frankreich anschaut, ab welchem Prozentsatz sind diese Menschen, die die Ursache der Rückkehr sind, nicht mehr regier- und integrierbar? Ca. zehn Prozent. Bei zehn Prozent ist das Fass schon übergelaufen.

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    PS: Diesen allgemeinen Qualitätsverlust können Sie übrigens prima kaschieren, indem Sie möglichst viele Immigranten aus unterentwickelten Staaten ins Land bringen. Diese merken nicht, dass die Schulen und Universitäten mal besser waren, dass Geräte nicht immer so früh kaputt gingen. Die bringen Ihnen, solange das Deutsch noch nicht entwickelt ist, clicks auf Artikeln, die mit einem Halbnacktbildchen angeworben werden oder dem Stichwort mit den drei Buchstaben (die VerBildung der Welt). Die finden unsere Abstürze vertretbar, weil in Afrika bedeutend mehr abstürzt. Straßen mit Schlaglöchern bemerken sie nicht, weil sie oft kein Auto haben und wenn, diese mit „Straßen“ in Afrika vergleichen. Diese merken vor allem nicht die Abnahme von Meinungsvielfalt, weil sie nie welche hatten, ganz besonders, wenn sie aus bestimmten nahöstlichen Ländern kommen.
    Und die Immigranten, die wir wirklich wollten (Inder statt Kinder), kommen nicht, weil sie in freiere Länder gehen und vor allem keinen Bock haben, Deutsch zu lernen. Somit kaschieren diese Immigranten die meisten politischen Fehler, und weder die SPD noch die CDU muss sich für ihre Versäumnisse verantworten. Der alte Traum: Tausch die Bevölkerung aus und sperr die Alten in Altersheime scheint sich hier zu erfüllen wie auch der Satz „Nach mir die Sintflut“.
    Hollande hat vier Kinder, Cameron sind von vier Kindern drei geblieben, Obama zwei, Romney sieben. Damit sieht man möglicherweise die Entwicklung aus einer anderen Perspektive, wie Sarrazin in seinem Buch anmerkte. Vor allem steht manchmal ein Kind zwischen einem selbst und seiner Machtverliebtheit. Ich wette, die Kleine von Obama ist sehr motzig, jedenfalls sieht sie so aus. Das ist oft hilfreich, so wie auch eine Ehefrau wie Michelle sicherlich in menschlichen Dingen von hinten anschieben kann.
    So ist Pegida unserer Ersten beste Feindin, denn mehr davon, und die GroKo muss gehen. Daher die Aussagen und das Gebrüll. Die Immigranten dagegen verdecken jeden ihrer Fehler. Und die Brillanten und Aufmüpfigen sind der Reihe nach gegangen worden.
    Übrigens finde ich es große Klasse, dass Friedrich Gabriel etwas Wesentliches über E. gesteckt hat. Es hat eine noch peinlichere Situation erspart. Das arme Bauernopfer hier. Wegen einer Doktorarbeit! (was ist das schon?) müssen ein guter Verteidigungsminister und eine intelligente Kultusministerin gehen, und wegen eigener Meinung die Familienministerien. Das ist ein armseliges Schmierentheater. Und jetzt sieht man ausschweifende Inkompetenz. Eine Frau Doktor im Verteidigungdministerium? Wer dort in den USA sitzt, war in Westpoint oder General oder in der CIA. Wieso ist diese Frau nicht Gesundheitsministerin? Armselig, und, jetzt endlich offen ertappt, schießen sie aus allen Rohren. Nur ist da nicht mehr viel drin.

  22. avatar

    Lieber Alan Posener,
    ja, klar, die Boeing 707. Das war auch die Maschine, an der Genscher so hing, wenn ich mich recht entsinne. Kürzlich flogen wir mit einer Billig-Airline, die für eine berühmte deutsche Firma fliegt. Die Sitze tauften wir „Sitzpritschen“.
    Ein paar gemeinsame Dinge gibt es bei verschiedenen Unternehmen:
    Eine davon ist der Billigheimer (Geiz ist geil). Der Billigheimer zerstört die Qualität. Daher verstehe ich nicht, wie man z.B. beim Fliegen auf Quantität (neue Landebahnen, neue Flughäfen) setzen kann statt primär auf die Wiederherstellung der Qualität, wozu vielleicht auch der Flugingenieur und die Sicherheit gehören sollten.
    Die andere ist, den übermäßigen Einfluss von Computern wieder zurückzufahren. Wenn Hacker in Firmen und Staaten einbrechen können, dann …. ich will es nicht aussprechen.
    Die unsägliche Bestimmung der Richtung über Clickzahlen führt zu einer Infantilisierung, schon durch die online-Teilnahme von Kindern und jungen Jugendlichen sowie Senilen. Hinzu kommt, dass bots dabei sind, angeblich 50 Prozent.
    M.E. haben wir den Gipfel der Entwicklung vorläufig erreicht, und es wäre wichtiger, die Qualität allüberall zu optimieren: Schulen, Universitäten, Häuser- und Straßenerhalt statt Neubau; Presse, Flugverkehr, im Prinzip alles, restaurative zwanzig oder so Jahre. Wachstum ist das Zauberwort, das heute zuungunsten von Qualität geht. Das andere ist Zeit. Wenn so ein Wetter ist, wie in Südostasien kürzlich, sollte man die Flüge stornieren. Die ersten Analysen brachten u.a., Fliegen sei dennoch sicherer. Das ist Kokolores. Man kann nicht mit dem Auto so viele Meilen fahren. Wenn man das Auto und das Flugzeug vergleichen will, muss man das pro Reise tun. Aus den Verkehrstoten müssen Fußgänger, Radfahrer und Motorradfahrer herausgerechnet werden. Gefühlt ist das Auto bedeutend sicherer. Im Prinzip kann man transkontinental ohnehin nur Schiffe und Flieger vergleichen etc. Nach zwei erlebten unguten Situationen, nahe an near-miss in den letzten fünf Jahren, sage ich: Fliegen ist nicht mehr so sicher.
    Es mangelt also zwecks Profit inzwischen an Qualität und Zeit, die Vorsicht ist baden gegangen.
    Und apropos Schreibfehler: Man muss auch genügend Zeit zum Schreiben und Korrekturlesen geben.
    Die Effizienz, die zu einem höheren Profit führen soll und dabei die Qualität und Sicherheit vernachlässigt, nervt jeden. Wachstum bedeutet nur noch Quantität bei Verdrängung, Qualität ist völlig außen vor.
    Mit Gehältern hatte ich schon immer Probleme. Seit Jahren kritisiere ich heimlich, dass ein schlechter Lehrer/Pastor/Kassierer whatever genauso viel verdient wie ein brillanter. Das betrifft natürlich auch Medien. Sie können das aber eher über Buchverkauf etwas ausgleichen. Ein guter niedergelassener Arzt/Jurist/Handwerker verdient mehr. Diese Tariflöhne, die pseudokommunistisch jeden gleich löhnen, sind ungerecht für die Guten, von denen der eine oder die andere rechtzeitig demotiviert wird.
    Die Qualität ist inzwischen auf Grundeis. Das merkt amn auch an „death date“, Ausdruck wohl von Schirrmacher. Inzwischen nehme ich die Küchengeräte selbst auseinander.

    Bei Ihnen allen kommt eine Kanzlerschaft und evtl Präsidentschaft (my bonnie over the ocean) dazu, die ganz offensichtlich Meinungsvielfalt abwürgt, zumindest kontrolliert und Sprachvorgaben macht.

    So, jetzt Ihnen ein Frohes Neues Jahr (auch MB, EJ, RZ, 68er und Weitere).

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    Das Online Kiosk favorisiere ich. Langfristig muss für Inhalte bezahlt werden, auch für einzelne Artikel, so meine Meinung. Die Bleibedauer schafft innerhalb des Portals Konkurenz. Die regionalen Zeitungen werden nach wie vor abbonniert. Meine Frau will wissen, was um uns herum los ist, für mich nicht so wichtig! Ich habe einfach einen anderen Anspruch (mag in anderen Beziehungen anders sein). Ich lese im Wechsel immer Wochendausgaben u.a Die Welt, das HB, die SZ, die Zeit, die NZZ a.Sonntag. Das ist auch meine Rangordnung bei den Zeitungen. Für mich sind die Publizisten entscheidend, was Sie drauf haben. Ich lese gerne Artikel von Frau Professor Dr. Höhler H. Broder, von Ihnen, H.Tichy ,H. Prantl,H. Müller- Vogg, H. Joffe, H.Augstein H. Spreng usw. Auch hier wiederum die Rangfolge der Besten. Für die Besten bin ich auch bereit, einige Euros pro Artikel hinzublättern. Bei den Magazinen bevorzuge ich den Cicero und den Spiegel,mehr nicht. Ich muss auf einer Blattform, sofern sie kommen sollte sehen, wer welchen Artikel an welchem Tag publiziert. Wähle ich die reine Zeitung, ohne die aufgeführten Stars ( nur m.M), dann wirds halt billiger, mit den Optionen teuerer.Über die Preisgestaltung müssen sich die Online Kiosk-Geschaftsführer noch Gedanken machen. Es wird allgemein zu viel geschrieben und zu wenig Lösungsvorschläge dem Fussvolk präsentiert. Und eine Hofberichterstattung von Merkels Gnaden, lehne ich auch ab. Was zählt ist Qualität , Neutralität und nicht wildes Draufhauen auf Parteien und deren Wähler. Vorverurteilungen lehne ich auch ab. Beispiele gibt es tausendfach!

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    Kiosk,
    Es gab Zeiten, da sah ich Radiojournalisten mi fünf Zeitungen unterm Arm in der Redaktion verschwinden, um das „Echo des Tages“ vorzubereiten.
    Heute?
    Die Breite, des Internet antwortet.
    Content wächst zum Blumenstrauß aus vielen qualifizierten und unmaßgeblichen Meinungen.
    Meinungen rütteln sich zurecht. Eines Tages gibt es den Kiosk mit Steve dem „Über“-Jobs. In Form eines oder mehrerer Auswahl-Algorhytmen.
    Die Zeit läuft schneller, nicht langsamer. Mit ihr die Technik.
    Macht Euch keine Sorgen. Das Gute findet auch ausreichend Geld.

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      Lieber Herr von Gottberg – „Das Gute findet auch ausreichend Geld“ ist keine wirtschaftliche, sondern eine geschichtsteleologische Behauptung. Viele Anhänger der Marktwirtschaft verwechseln die Ebenen. Der Markt ist aber kein Instrument des Guten, sondern ein Mittel, Nachfrage und Angebot zu regeln. Karl Marx traf die nützliche Unterscheidung zwischen Gebrauchswert und Tauschwert. Es ist nun keineswegs so, dass der Gebrauchswert den Tauschwert bestimmt, wie Ihr Satz impliziert.

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    Natürlich kann man Paywalls so bauen, dass Sie nicht umgangen werden können – davon abgesehen, dass natürlich ein Berechtigter den entsprechenden Text unberechtigt immer irgendwo in den Weiten des Netzes abwerfen könnte.

    Natürlich kann man Paywalls so bauen, dass Sie nicht umgangen werden können – schon gar nicht mit dem einfachen Löschen eines Cookies.

    ABER… Es regiert halt das Peter-Prinzip. Nicht nur in Verlagen, aber eben auch dort.

    „Metered paywall“ hört sich in den Ohren der Entscheidungsträger offenbar irgendwie pfiffig an. Klingt doch glatt irgendwie so, als würde man die die potentiellen Leser geradezu magisch ins Angebot ziehen, wenn man denselbigen erst einmal etwas „metered“ kostenlos offeriert. Dass man dabei in der Regel den Schlüssel gleich mit an die Tür baumelt, sagt den Entscheidern natürlich keiner der üblichen Anbieter.

    Natürlich könnte man selbst ein „metered“-paywall-Modell aus technischer Sicht wasserdicht gestalten. Es würde nur eine Anmeldepflicht voraussetzen. Und die Zählung am Server, statt am Client… in einem Cookie.

    Wieder abgesehen vom möglichen „Angriffsvektor“, dass sich jemand natürlich die Mühe machen könnte, immerzu neue Benutzeraccounts mit immerzu neuen Meiladressen einzurichten. Aber mal ehrlich: Es geht auch bei journalistisch Texten online nur um Nullen und Einsen. Zunehmend um Nullen – meiner sehr subjektiven Wahrnehmung zufolge… Wer macht sich also den Aufwand.

    Aber: Schon allein diese simplen Mechaniken Entscheidungsträgern zugänglich zu machen, erfordert wohl mehr Duldsamkeit eines jeden technisch Bewanderten als dieser je aufzubringen in der Lage wäre.

    Natürlich könnte man ein entsprechendes Kioskmodell verlagsübergreifend aufsetzen. Aus technischer Sicht. Aber leider eben auch allein aus dieser.

    Aus technischer Sicht hätten deutsche Verleger auch schon 1996, spätestens 1998, als die Welt der Rubrikenmärkte noch schwer in Ordnung war, alle ihre Anzeigen in einen Topf, aehm: Kiosk, werfen können.

    Es gäbe dann heute wohl keinen einzigen der üblichen Verdächtigen aus der Immobilien-, Auto-, Treffpunkt-, Whatever-Kleinanzeigenwelt, welche die eigentlich „Schuldigen“ an der „Erlöskrise“ der Zeitungslandschaft sind.

    Bekanntlich ist es anders gekommen, obwohl jeder halbwegs Sehende schon am Ende der Neunziger des vergangenen Jahrtausends ohne Kristallkugel voraussagen konnte, dass Wohnungen, Autos, einsame Herzen u.s.w. u.s.f. wohl besser in Datenbanken als auf Zeitungsseiten gehören.

    Natürlich könnte man ein entsprechendes Kioskmodell verlagsübergreifend aufsetzen. Aber: Es wird wohl anders kommen…;)

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    In dieser albernen Winner des Jahres-Liste Ihres Verlages waren nur hohle Unterhaltungskünstler und z.B. apple, wenn ich mich recht erinnere.

    Meine Winner des Jahres sind paradox:

    1. Der Präsident von Russland und nur, weil er dem geballerten Druck standhält.
    2. Der Präsident der USA, der nie ein Bellizist war, weil er sich von dem seelenlosen Unheil da unten hat rühren lassen.
    Beide zusammen mit ihren Außenministern Kerry und Lawrow für die vorläufige Vermeidung ausufernder Kriegstätigkeiten bzw. eines Weltkriegs.
    3. Gott, weil Michael Schumacher überlebt hat. Aber Gott gehört eigentlich an Stelle Eins. Putin und Obama wären beide einverstanden, schätze ich.
    4. Der FC Bayern. Ohne ihn kein WM-Titel.
    5. Friedrich, weil er es wagt, die Göttin der Blätter, u.a. London Times, zu kritisieren, und nur deswegen.

    Wen man alles nicht kritisieren sollte, auch nicht von außen: Erdogan, Merkel, den von Nordkorea, den Islam, alle zugehörigen Staatschefs und Heiligkeiten.
    Wen man von außen problemlos kritisieren kann: Putin (nicht von innen), Obama und Netanyahu. Alle drei hören einfach weg.
    Wem sein Land wichtiger ist als seine eigene Heiligkeit: Putin, Obama, Netanyahu, das war’s. Wenn’s auch nicht zusammen passt.

    In den Blättern fast nur noch Themen, die man am besten unter dem Oberbegriff „Märkte“ beschreibt.

    Mein Hasswort des Jahres: Märkte, noch vor Herr Professorin (Uni Leipzig).

    Wie viele Leute dasselbe denken, wenn sie das Wort „Märkte“ hören, weiß ich nicht: Gfys

    Für so was zahlt man nicht. Wenn Sie damit anfangen, prognostiziere ich Ihnen den Untergang der „Welt“. Die FAZ könnte überleben. Man müsste ja die Artikel unbesehen kaufen. Das würde ich nur bei der FAZ wagen.
    Wichtige Anmerkung hierzu zur Warnung vor Selbstüberschätzung: Auch Sie selbst und Broder würde ich nicht ungelesen kaufen.

    Die meisten Leute, die ich kenne, hat mehr bewegt als eure gottlosen Märkte.

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    1. Piraterie ist oftmals der Ausdruck von Resignation. Es ist für den User einfach zu umständlich und z.T. teuer das, was er will, zu bekommen. This infographic says it all: http://theoatmeal.com/comics/game_of_thrones
    Ein gemeinsamer Kiosk der Verlage würde das Problem nicht lösen.

    2. User haben nie für News bezahlt und das werden sie möglicherweise auch weiterhin nur vereinzelt tun. User zahlen für Benefits – also für Zusatznutzen, der an den Inhalten hängt. Um beim Newsbeispiel zu bleiben: wenn ein Verlag neben der reinen Nachricht auch noch eine optionale Sprachversion anbietet, so erweitert er die Nachricht um Zusatznutzen für alle, die pendeln oder gerade mal keine Lust haben zu lesen. Wenn der Verlag eine verständliche, in der Kaffeeküche in einfachen Worten reproduzierbare Zusammenfassung bietet, schafft er ebenfalls Zusatznutzen. Die Sueddeutsche macht das ansatzweise mit der (online) Kurzzusammenfassung von Artikeln. Wenn der Verlag Inhalte häppchenweise verkauft, bietet er auch einen Nutzen. Ideen für Zusatznutzen fehlen bzw werden nur zögerlich umgesetzt. Wenn Verlage Zusatznutzen einbauen würden, könnten sie aus ihrer eigenen Website heraus verkaufen. Vorausgesetzt es ist einfach für den User und wirtschaftlich sinnvoll für User und Verlag.

    3. Apple verkauft keinen Content Kiosk namens iTunes. Apple verkauft Wertschöpfungsketten und iTunes ist das verbindende Element zwischen ihnen. In der heutigen Zeit etwas wie iTunes nachbauen zu wollen ist meiner Meinung nach unrealistisch – Sie müssten nämlich die Ökosysteme, die mit einem solchen Kiosk interagieren, ebenfalls mitbauen. Ausser sie haben ein paar Milliarden Spielkapital, viel Zeit und einen charismatischen Kopf mit diktatorischen Tendenzen, der alle im Weg stehenden Wände einreisst.
    Meine Empfehlung: a) Zusatznutzen schaffen, b) es dem User einfach machen sie zu günstigen Preisen zu kaufen, c) aus User Sicht heraus denken und die Privatsphäre des Users achten (KEINE 360° Rundum-Monetarisierung des Users versuchen). Dann bauen sie nämlich ihr eigenes iTunes auf der eigenen Seite auf.

    Disclaimer: ich bin von LaterPay. Mit LaterPay können Sie Ihre Website in ein eigenes kleines iTunes wandeln, mit unterschiedlichen Bezahlmodellen, wodurch Sie die Geschäftsmodellhoheit und die Preismodellhoheit behalten. Beides würden Sie im Sinne eines von Ihnen vorgeschlagenen Modells aufgeben.

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    Die Verlage haben mit der PMG schon eine Plattform zu Vermarktung von Clippings. Jeder kann sich schon heute dort abonnieren, auch wenn der Service natürlich primär für Unternehmen und Institutionen gedacht ist. Die Usability der Datenbank lässt noch zu wünschen übrig. Aber wie gesagt, im Prinzip gibt es diesen Kiosk schon.

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    Da liefert wohl ein Blick auf die Entwicklung im Privatfersehen die besten Hinweise für den Verlauf der Reise. Gut, man sollte es mangels ernst zu nehmender Alternativen vielleicht einfach mal stufenweise antesten, aber viel Hoffnung habe ich da nicht. Die Zahl der zahlungswilligen Kioskbesucher wird nicht ausreichen um über Jahre 5, 6, 7, 8 eigenständige und kostenintensive „Leitmedien“-Redaktionen zu finanzieren. Es wird schon nach kurzer Zeit zu redaktioneller Zusammenarbeit, zu Fusionen, zum Contentaustausch – und ähnlich wie beim Profifußball – zu einer Art von Starjournalisten“-Markt kommen. Die Identifikation mit einer „Zeitungsmarke“ wird damit nachhaltig verwässert. Wirtschaftlich mag das ein tragfähiges Konzept ergeben, nur dürfte der Zusammenschluss beim Leser schon bald den Eindruck erwecken, sich ungewollt an eine Art von „Rupert-Murdoch-Mainstream-Imperium“ gebunden zu haben. Viele – möglicherweise zuviele – der heute noch die WELT, ZEIT, FAZ, SZ und NZZ frequentierenden Leser werden sich dann lieber mit low quality Angeboten wie der „Huffington Post“ u.ä. zufrieden geben.

  30. avatar

    @ APO: Auswirkungen auf die Gehälter

    Sicher. An die habe ich auch gedacht. Aber noch mehr habe ich aber an die Inhalte gedacht.

    Der Online-Abonnent ist potentiell ein offenes Buch.

    Heißt: Einzelne Inhalte können messbar sehr unterschiedlichen Geldwert für die Eigner haben, sofern die jeweiligen Inhalts-Abonnenten als unterschiedlich wertvolle Gruppen von Werbeadressaten identifizier- und vermarktbar sind.

    Sie selbst haben schon staatliche Aufsicht in’s Spiel gebracht: Ihr Abo-System müsste von den Methoden Googles und Facebooks usw. sehr, sehr weit entfernt sein, sollte nicht krass „optimierter“ Gefälligkeits- und Pseudo-Journalismus die Folge sein.

    Anders gesagt: Ihr Abo-System müsste strickte Anonymität der Abonnenten gewährleisten. Genau das werden Ihre Verleger, neidisch auf Google und Facebook usw. schielend, aber am allerwenigsten wollen.

    Great minds think alike.

    Mit meinem Hinweis darauf, dass ich bereits vor 8 Jahren einen ziemlich ähnlichen Vorschlag gemacht habe, wollte nicht angeben. Eher wollte ich das Gegenteil. Ich wollte darauf hinweisen, dass der Vorschlag damals in der Schublade geblieben ist. Und nicht zufällig.

  31. avatar

    Wenn ich von mir selber ausgehe, ist das Kiosksystem zum Scheitern verurteilt. Mich interessieren „News & Stories“ zu wenig, als dass ich dafür regelmäßig am virtuellen Kiosk bezahlen würde, zumal mein Geld knapp ist. (Mein hiesiges Engagement täuscht in dieser Beziehung.) Wenn ich an eine Bezahlschranke komme, surfe ich entweder weiter oder wende den im Artikel skizzierten Trick an. Im Zweifelsfall würde ich mich auch mit öffentlich-rechtlichen Gratisangeboten begnügen, zumal ich die Information der Öffentlichkeit für eine öffentliche Angelegenheit halte. Außerdem glaube ich nicht daran, dass sich das Gratisangebot im Internet wirkungsvoll abschneiden ließe. Selbst wenn die Profijournalisten sich tatsächlich freiwillig hinter eine echte Bezahlschranke begeben (und damit ihren Wirkradius=Bedeutung erheblich einschränken) würden, springen eben Hobbyjournalisten ein.

  32. avatar

    Lieber Alan Posener,
    Ich habe einen Einwand: Da die Medien längst ins Gerede gekommen sind wegen wenig Information und viel Manipulation, gibt es nur zwei Alternativen: Keine Werbung, dafür viel Geld vom Leser, für den einwandfreie und tiefgründige Info geboten wird plus Debatte, an der er teilnehmen kann, evtl. weiter finanzierbar durch Verkauf der Daten 😉
    oder weiterhin diese außerordentlich seichte Information, mit der man Zeit mehr oder minder vergeudet, wenn man nichts zu tun hat, und Werbeträger.
    Beides zusammen ist Diener zweier Herren und wird nicht funktionieren.
    Sie sollten wissen, mit welcher Herablassung ich manchen oberflächlichen bullshit lese, außerdem lasse ich Sie gerne wissen, dass mein offspring die „Welt“ nicht mehr richtig gelten lässt, wie ich unten andeutete, nicht wegen Inhalts, sondern wegen der Akkumulation von Grammatikfehlern an jedem einzelnen Tag. Das kann man nun spon weniger vorwerfen, erst recht nicht FAZ und SZ. Der Verlag sollte darauf achten.
    Die Herablassung, die diese Seite nicht betrifft, erklärt sich nach dem Faust: Habe nun ach, dieses Stück gelesen und bin immer noch nicht wach und so dumm als wie zuvor. In dem von Ihnen diskutierten Fall würde ich lieber zwei Bücher mehr kaufen.
    Werbeträger, Klickzahlen, das muss genügen. Plus Leute, die nicht fehlerfrei schreiben können („will was mit Medien machen“),’rauswerfen. Das gleiche Desaster erlebt man inzwischen bei jüngeren Tierärztinnen (I muss hier nicht groß geschrieben werden): „Will was mit Tieren machen“. Die können nicht einmal einen Hund richtig anfassen, geschweige denn eine Katze oder einen Papagei.
    Fazit: Es machen zu viele Leute Abitur, wieso soll ich die Hanseln lesen, und für den Hund meide ich in Zukunft jedes langhaarige „will was mit Tieren machen“-Mütterchen, dass nebenbei mit ein wenig Arbeit in der Praxis was mit Tieren und Fehldiagnosen anstellt.
    Fazit: Wie in den Schulen auch ist das Niveau erschreckend abgesunken.
    Der Sensationsjournalismus tut das Seine dazu mit Jonglieren von Totenzahlen. Dass ein brillanter Pilot gestern eine Maschine von Richard Branson 1a in Gatwick notgelandet hat (übrigens die beste Maschine aller Zeiten, Boeing 747), war weniger Sensation, obgleich das eigentlich jedes Mal sensationell und lehrreich ist. Und der Qualitätsverlust bei Flugzeugen ist auch evident. Der Computerhype hat die Flieger und die Hirne versaut, und da kommen Sie mit Hobbyarzt Apple (die Blutdruckmessung).
    Politiker lasse ich lieber aus. Die twittern auch nur noch wie Sperlinge.
    Schöne hohle Welt.
    Goethe, Shakespeare, wie wär’s mit Auferstehung?

    Bevor Sie also darüber denken, was der Leser zahlen könnte, sollte über Qualität und Meinungsvielfalt nachgedacht werden.

    1. avatar

      „Bevor Sie also darüber denken, was der Leser zahlen könnte, sollte über Qualität und Meinungsvielfalt nachgedacht werden.“ – Parisien.
      Klingt gut. Erstens aber zahlen die Leute – siehe Bezahlfernsehen – oft gerade nicht dafür. Ausnahmen – siehe Erfolg vom „Economist“ – bestätigen leider die Regel. Der FAZ und der NZZ geht es wirtschaftlich nicht gut. Zweitens, und wichtiger: Mir geht es um ein Modell, das den Wettlauf nach unten stoppt und gerade dadurch den Qualitätsjournalismus vor der Verseichtung schützt.
      Was Sie über die sprachliche Verlotterung schreiben, stimmt, leider.
      Ach, und die beste Maschine aller Zeiten ist nicht die Boeing 747. Davor würde ich auf jeden Fall nennen: Douglas DC3 (mit dem ich meinen ersten Flug erlebte, von Kuala Lumpur via Penang nach Bangkok); Super Constellation (mit dem ich einmal von Bangkok via Neu Delhi nach Tel Aviv geflogen bin) und DeHavilland Comet IV (mit dem ich von Kuala Lumpur via Colombo, Kuwait, Athen und Rom nach London flog). Klassiker, wie der Boeing 707, mit dem ich einmal von Frankfurt nach Harare flog: Uraltmachine, früher Lufthansa, dann Zimbabwe Airlines, lag wie ein Brett in der Luft.

  33. avatar

    APo: Ach, Herr Faust, machen Sie sich nicht dümmer, als Sie sind.

    … da ist was d’ran, gemessen an dem, was ich wissen möchte, weiß ich wenig, an dem, was es an Wissen gibt – nix.

    Daher!

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    Ich habe aufgegeben, mit Medienkonzernen Mitleid zu empfinden. Wer die Zeichen der Zeit dauerhaft ignoriert und seine Kräfte in Scheinkämpfen vergeudet (LSR und Co), wird untergehen – das nennt man Marktwirtschaft. Siehe auch Herr Knüwers sehr lesenswerte Analyse unter http://www.indiskretionehrensa.....content-2/. Den Fernsehsendern wird in fünf Jahren total überraschend genau dasselbe bevorstehen wie der Musikbranche, der Bücherbranche, der Videospielbranche, der Zeitungsbranche. Total überraschend halt.

    1. avatar

      Lieber Manuel, es geht nicht um Mitleid. Es geht um die Frage, wo Sie Ihre Nachrichten her beziehen, wenn niemand mehr sich Reporter vor Ort, Rechercheure und Redakteure leisten kann. Wenn nur die „Bild“ und die steuerlich finanzierten Medien übrig bleiben. Das ist dann „Marktwirtschaft“? I don’t think so.

  35. avatar

    Super Idee! Echt!
    Ich finde auch nur einen Gedankenfehler: Es gibt ihn einfach nicht, den „Steve Jobs“, den Bestimmer, der die Platform aufbaut und die Rahmenbedingungen mehr oder weniger diktiert. Wer die Verlage und die Verleger kennt weiß, dass die notwendigen gemeinsamen Entscheidungen – OMG, bei der Entscheidung über die Preisgestaltung wäre ich gerne Mäuschen – für den Aufbau eines solchen Online-Kiosks nicht nachhaltig getroffen oder gar umgesetzt werden. Oder wir bräuchten einen „Steve Jobs“ der deutschen Verlagslandschaft. Mir fällt nur gerade keiner ein…

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    Einige skizzenhafte Einwände in Powerpoint-Manier. Verzeihen Sie bitte den arg thetischen Stil.:

    – Apple war eine vertrauenswürdige Marke. Dieses Vertrauen genießt der Journalismus dieser Tage nicht mehr. Der Vertrauensverlust erstreckt sich nicht nur auf den lunatic fringe. (Ich grenze das Vertrauen jetzt, um das ideologische Moment auszuklammern, einmal auf den Bereich der handwerklichen Qualität ein.)

    – Journalismus war immer durch Werbung querfinanziert. Außer Springer fällt mir kein Verlag ein, der im Internet erfolgreich diesen Rückgang kompensiert. Eine Kiosklösung wäre noch keine Antwort auf dieses Problem. (Alternative: Man liefert Marke Elsevier für viel Geld denen die Informationen, die sie wirklich brauchen und gebrauchen. Der normale Konsument profitiert nicht in dem Sinne von Informationen, dass sich für ihn diese Investition lohnt.)

    – Wie steht es um die Konkurrenz durch die Öffentlich-Rechtlichen bzw. das Ausland? Die Kiosklösung tendiert zum Monopol und zur Beschneidung der Konkurrenz. Den Online-Claim durch Konkurrenzverbote sichern zu wollen, macht diese Lösung nicht sympathischer.

    1. avatar

      Lieber Herr Bademeister, das sind gewichtige Einwände.
      – Vertrauen: Klar, da ist vieles verspielt worden, einerseits, andererseits besteht grundsätzlich wenig Bereitschaft, sich langfristig an Marken zu binden. (Das wird auch Apple eines Tages merken, wie ehedem Nokia, Blackberry, Microsoft…) Das ist ja mein Ausgangspunkt. Deshalb sollte der Kiosk das „Pick’n’Match“ ermöglichen: Reportage aus der SZ, Kommentar von Broder aus der „Welt“, Feuilleton-Artikel aus der FAZ usw.
      – Werbung soll ja bleiben. Wenn alles über ein Portal läuft, das ja auch datensensibel sein kann, können Werbekunden ihre Werbung mittels eines Werkzeugs wie AdSense sogar viel besser platzieren. Mir geht es nur darum, den Gedanken wiederzubeleben, dass man für journalistischen Content bezahlt, auch wenn er im Internet angeboten wird.
      – Der Kiosk, das habe ich geschrieben, schaltet die Konkurrenz nicht aus, sondern belebt sie. Stellt im Grunde genommen erst einen Marktplatz her, auf dem bestimmte Regeln gelten, auch gegen unlauteres Dumping. Die Online-Angebote der Öffentlich-Rechtlichen sind in der Tat ein Problem, ebenso wie die der Agenturen via Google-News.

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    „Niemand hat die Absicht eine Mauer zu erbauen!“ 🙂
    Interessanter Vorschlag: Ein Informationskartellkiosk, das darauf achtet, dass Informationen nicht außerhalb dieses Systems zirkulieren. Realexistierender Informationssozialismus! Mir ist lieber die Anbieter, die nicht nachgefagrt werden gehen pleite und die Welt dreht sich trotzdem weiter…

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      Lieber Frank A., Sie kaufen doch auch Ihre Print-Zeitung am Kiosk, ohne sioch über ein „Informationskartell“ aufzuregen. Die Welt dreht sich gewiss weiter, wenn „Spiegel“, FAZ und NZZ pleite gehen (um nur drei Titel zu nennen, die in der letzten Zeit wegen finanzieller Schwierigkeiten in den Schlagzeilen waren). Aber sie wäre ein ärmerer ort und weniger frei. Ihre Argumentation zeigt, wie der Radikalliberalismus umschlägt in Illiberalismus. Es geht ja um die Erhaltung der Meinungsvielfalt; und deren Voraussetzung ist das Vorhandensein vielfälitgier Informationsquellen. In dieser Hinsicht ist auch „Starke Meinungen“ parasitär.

  38. avatar

    @ APO

    Vor ziemlich genau 8 Jahren habe ich ziemlich genau Ihren Vorschlag jemandem gemacht, der damals „Guru“ war: … Zentral-Abo … : Der Leser hat die Möglichkeit, Abos von verschiedenem Wert (10, 20, 50 Euro) zu erwerben und dafür bei unterschiedlichen Anbietern (ZEIT, FAZ, SZ, WELT usw. usw.) Artikel abzurufen. … kann unter den Anbietern bequem abgerechnet werden.

    Die erste Antwort argumentierte sowohl mit der „bornierten Ahnungslosigkeit“ der Entscheider als auch mit deren Feigheit, sich einem solchen Wettbewerb zu stellen. Beides wird es, denke ich, heute, nach Jahren einschlägiger Diskussion und in zunehmender Not, so nicht mehr geben.

    Im Verlauf der Diskussion stellte sich dann aber noch ein ganz anderes Problem heraus: Mindestens intern könnten bestimmten Autoren nicht nur (wie heute schon) bestimmte Abrufzahlen, sondern in einem ganz unmittelbaren Sinne bestimmte Geldwerte zugeordnet werden, nämlich Abonnenten mit bestimmter Konsumpotenz.

    ‚X bringt mir ein paar hundert Euro im Monat an Abo- und Werbegeldern, Y und Z bringen mir aber tausende.‘ – Wie wird das jeweilige Blatt, wie der jeweilige Autor selbst darauf reagieren? – Ich denke, über die möglichen Folgen solcher „finanziellen Transparenz“ journalistischer Arbeit muss genau nachgedacht werden. Sie sind kaum absehbar. Ober, besser, genau andersherum gesagt: Sie sind nur allzu absehbar.

    1. avatar

      Lieber EJ, die individuellen Klickzahlen sind jetzt schon absehbar – und glauben Sie mir, das hat schon jetzt Auswirkungen auf die Gehälter! Aber schön, dass Sie schon vor acht jahren auf die Idee kamen. Great minds think alike.

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    @Alan Posener

    zur Ergänzung:

    http://www.journalist.de/aktue.....danke.html

    https://www.laterpay.net/

    Was Ihren Satz:

    ..für viel sinnvoller als das impotente Jammern über die Übermacht von Google.<

    betrifft, wir haben dich auch bereits eine Apple Welt 🙂

    Und:
    Wenn ich den Kommentar von Zeitungsverleger höre, dass online-Information sehr viel ,kostengünstiger als Print-Informationen höre, dann überrascht es mich ebenfalls dass hier noch kein run auf Bezahlmodelle wie http://www.laterpay.net vorherrscht, Ausnahme u.a. Die AS AG (wenn ich mich nicht täusche)

    Und was http://www.nature.com betrifft, sind dort nicht alle Artikel kostenlos ab 2015?

    http://www.handelsblatt.com/un.....63968.html

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