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Die List der Geschichte

Natürlich ist die Große Koalition eine Enttäuschung. Schon vor dem Abschluss der Verhandlungen habe ich im „Guardian“ die Umrisse einer Fundamentalkritik skizziert:

http://www.theguardian.com/commentisfree/2013/nov/25/germany-strength-illusion-merkel-coalition

Davon nehme ich nichts zurück – außer der Erwartung, die Koalition werde sich nicht trauen, die doppelte Staatsbürgerschaft anzugehen. Und die Tatsache, dass ich in diesem Punkt Unrecht hatte, ist mir Anlass, an dieser Stelle nicht weiter von den Dingen zu reden, die Merkels alt-neue Koalition nicht anpackt oder falsch anpackt; reden wir lieber von ihren Leistungen. Und hier möchte ich – gewiss doch, wenig originell – drei hervorheben:

1.     Den Mindestlohn.

2.     Die doppelte Staatsbürgerschaft.

3.      Die Frauenquote in Vorständen.

Beginnen wir mit dem Mindestlohn. Einigkeit scheint unter den meisten Ökonomen darüber zu herrschen, dass er ein Jobkiller sei. Aber das ist zunächst nur eine Behauptung. Tatsache hingegen ist, dass wer heute voll arbeitet und dennoch nicht seine Familie ernähren kann, mit Mitteln aus den Steuereinnahmen und den Sozialkassen – via „Hartz IV“ also – aufstocken kann. Bereits etwa ein Viertel aller Alg-II-Empfänger sind Aufstocker; das sind fast anderthalb Millionen Menschen. Wenn alle sich melden würden, die einen Anspruch auf Zuschüsse haben, es aber nicht wissen, wären es noch mehr.

Anders gesagt: Wer als Arbeitnehmer oder Selbständiger in die Arbeitslosenversicherung einzahlt oder Steuern zahlt, subventioniert damit über die Hartz-IV-Leistungen der Jobcenter und Kommunen diejenigen Arbeitgeber, die mit Billiglöhnen Profit machen.  Das geht nicht. Es geht aus moralischen Gründen nicht. Es geht aus systematischen Gründen nicht, denn Subventionen widersprechen dem Geist der Marktwirtschaft. Es geht aber auch aus ökonomischen Gründen nicht.

Denn die Schaffung eines subventionierten Billiglohnsektors ist kurzsichtig. Das mag kurz- und mittelfristig Arbeitsplätze erhalten; langfristig hilft das, Arbeitsplätze zu zerstören, weil es den Innovationsdruck vermindert. Deutschland leidet unter einem Investitionsrückstand; die Produktivitätsgewinne gehören zu den niedrigsten in Europa. Das hat mit billigen Löhnen und einer im Vergleich zu unserer industriellen Stärke viel zu billigen Währung zu tun. Die Währungsfrage wird die nächste Legislaturperiode beherrschen, wie sie die letzte beherrscht hat. Reden wir aber hier weiter von Löhnen und Arbeitsplätzen.

Es wird zwar immer auf das Beispiel der Friseurin in Ostdeutschland verwiesen, die arbeitslos werde, wenn ihre Arbeitgeberin 8,50 Euro zahlen muss. Aber warten wir das einmal ab. Dienstleistungen kann man ja nicht ins Ausland verlagern. Die Leute gehen weiterhin ins Fitnessstudio, in die Sauna, ins Schwimmbad, obwohl alles teurer geworden ist; sie werden auch weiterhin zum Friseur gehen. Sollte es aber glaubhafte Hinweise darauf geben, dass Unternehmen Arbeitskräfte wegen des Mindestlohns entlassen, kann man über steuerliche Anreize zur Gegensteuerung nachdenken. Steuersenkungen für personalintensive Betriebe – man denke an das völlig richtige FDP-Gesetz für Hoteliers – sind immer noch besser als die Subventionierung von Billiglöhnen.

Über die doppelte Staatsbürgerschaft für hier geborene Kinder von Menschen mit nichtdeutschem Pass brauchen wir hier hoffentlich nicht viele Worte zu verlieren. Sie ist eine längst fällige Anpassung des deutschen Staatsbürgerschaftsrechts vom Abstammungs- (oder „Bluts“-Prinzips) an das etwa in den USA geltende Territorialprinzip. Sie macht Zuwanderern, insbesondere – aber nicht nur – aus der Türkei, ein Integrationsangebot und räumt endgültig mit der Lebenslüge auf, Deutschland sei kein Einwanderungsland.

Was schließlich die Frauenquote angeht, so muss sie – wie jede Regelung – deshalb kommen, weil die „freie“ Wirtschaft nicht in der Lage war, selbst für eine halbwegs vertretbare Zahl von Frauen in den Chefetagen zu sorgen. Schauen wir uns andere europäische Länder an: in Norwegen sind es fast 40 Prozent, in Schweden fast 30, in Frankreich, Großbritannien und den Niederlanden mehr als 20, in Deutschland etwas mehr als 10 Prozent. Unter den großen europäischen Volkswirtschaften hat nur Italien einen geringeren Prozentsatz von Frauen in Führungspositionen.

Wie die doppelte Staatsbürgerschaft bedeutet die Frauenquote eine nachgeholte Modernisierung der deutschen Gesellschaft, und es ist gut, dass dies nun nicht, wie noch vor Jahren beim Kampf von Roland Koch gegen das Rot-Grüne Staatsbürgerschaftsgesetz, in einen Lagerwahlkampf gerät, sondern im Konsens verabschiedet wird. Eine knappe Mehrheit der Deutschen unterstützt mittlerweile beide Maßnahmen, und das ist gut so.

Es war, glaube ich, Hegel, der von der List der Geschichte sprach, die für ihn zugleich die Verwirklichung der Vernunft war. Die List der Geschichte sorgt dafür, dass seit 2005 die CDU/CSU – mit wechselnden Partnern – die behutsame Modernisierung Deutschlands durchsetzt und dadurch dafür sorgt, dass die Akzeptanz für die Ausweitung des Familienbegriffs, für arbeitende Mütter und betreuende Väter, für die Abschaffung der Wehrpflicht und der Hauptschule, für die Inklusion Behinderter ins gesellschaftliche Leben und des Islamunterrichts in die Schule, für den ökologischen Umbau des Energiesektors nun für Doppelpässe und Mehrfachidentitäten und für das Leitbild Karrierefrau wächst. Merkels Bilanz kann sich sehen lassen.

Natürlich geht es einigen auf der Linken nicht schnell genug, und einigen auf der Rechten zu schnell. Die Union, heißt es dort, verrate ihren „Markenkern“. Aber die Union, und insbesondere die CDU, war nie eine rein konservative Partei, nie eine Einheitspartei der Bremser. Als Partei der Westbindung hat sie unter Konrad Adenauer die Voraussetzungen für die Modernisierung Deutschlands geschaffen, für die Abkehr vom Sonderweg, für den lange Zeit die SPD Kurt Schumachers stand. Unter Helmut Kohl hat sie eine gemäßigte Form des Thatcherismus  betrieben, man denke an die Einführung des Privatfernsehens und die Privatisierung ehemaliger Staatsbetriebe wie Post, Telekom, Lufthansa usw.; außerdem hat Kohl mit dem Euro das Mittel geschaffen, diese Wirtschaftsform in ganz Europa durchzusetzen. Unter Merkel ist aus der Union die Partei eines fröhlichen Pragmatismus geworden; nicht, weil die Kanzlerin eine Naturwissenschaftlerin ist, sondern weil sie als frühere DDR-Bürgerin die ideologischen Kämpfe der 1970er West-Gesellschaft nicht mitgemacht hat. Weil ihre Identität, anders als die inzwischen abgefertigten Männer des „Anden-Pakts“ etwa, nicht geprägt wurde durch Mitgliedschaft in der „Jungen Union“, eingeschlossen des Flirts mit nationalistischem Gedankengut, und durch Kämpfe gegen die – ihrerseits mit dem Marxismus flirtenden – örtlichen Jusos.

Im „Guardian“ habe ich geschrieben, und ich stehe dazu, dass diese Koalition eine Verschwörung der Grauhaarigen gegen die Jungen sei; dass sie insbesondere mit ihren Rentenbeschlüssen und mit ihrer Weigerung, die „Bildungsrepublik Deutschland“ und andere Zukunftsprojekte in Angriff zu nehmen, vor allem die Interessen der alternden Generation der Babyboomer gegen die kommenden Generationen verteidigt. Der „Economist“ titelte seinen Artikel über das Koalitionsprogramm „Die große Stagnation“.

Andererseits holt Merkels dritte Regierungskoalition einiges nach, was an unerledigten Geschäften dieser Generation übrig geblieben war. Das ist vielleicht – nein, sicher – nicht genug. Aber es ist auch nicht wenig. 

 


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47 Gedanken zu “Die List der Geschichte;”

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      Ich stehe grundsätzlich zu meiner Meinung. Allerdings wird glaubhaft behauptet, Hartz IV werde nicht flächendeckend zur Aufstockung unzureichender Löhne verwendet.

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    …das liegt übrigens daran, dass sich die meisten am Mittelmäßigen orientieren und das Gute für schlecht halten und es manchmal sogar jahrzehntelang wegsperren.

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    @Parisien: ja ist denn heute schon Weihnachten? Im Zweifelsfall auch von mir: frohes Fest!
    Mit dem Mittelmäßigen der Quote haben Sie übrigens recht. Allerdings: um das Schlechte zu verbessern, ist das Mittelmäßige meist besser als das Beste. 🙂

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    Lieber Parisien,

    da Sie Mandela erwähnen hier drei Zitate von ihm:

    Wer feststellen will, ob er sich verändert hat, der sollte zu einem Ort zurückkehren, der unverändert geblieben ist.

    Wenn man einen hohen Berg bestiegen hat, stellt man fest, dass es noch viele andere Berge zu besteigen gibt.

    Die Güte des Menschen ist eine Flamme, die zwar versteckt, aber nicht ausgelöscht werden kann.

    http://www.youtube.com/watch?v=MFW7845XO3g

    Ein schönes Weihnachtsfest auch an Sie und Ihre Familie

    Moritz Berger

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    Was ist mit ihm? Hatte er eine Quote? Oder hatte er vielmehr Mut, Durchhaltevermögen und darüber hinaus die Fähigkeit, sich mit seinen ehemaligen Feinden zu arrangieren? War er mittelmäßig? Nein, er hatte, was selten geworden ist: Eine Persönlichkeit. Die Quote ist mittelmäßig und die Bügelwäsche (der glatte Koalitionsvertrag) auch.
    -Reinders, whose eyes filled with tears as he recalled that story some time later, told me that during the five years he had served at Mandela’s side, travelling far and wide with him, he had received nothing but courtesy and kindness. Mandela treated him with the same respect, he said, as he showed the president of the United States, the pope or Britain’s Queen, who, incidentally, adored him. Mandela must have been the only person in the world, with the possible exception of the Duke of Edinburgh, who always called her “Elizabeth” – or at least who was able to do so without drawing even a shadow of a rebuke. (A friend of mine who was having dinner with him once at his home in Johannesburg recalled how a servant came in with a portable phone. It was the Queen on the line. Smiling broadly, Mandela put the phone to his ear and exclaimed: “Ah, Elizabeth! How are you? How are the children?”)
    http://www.theguardian.com/world/2013/dec/07/nelson-mandela-freedom-fighter-john-carlin

    Stichwort mutig vs. mittelmäßig: Dieses Jahr der Guardian, damals der Observer (denn auch Teile der Medien sind in diese Mittelmäßigkeit abgerutscht):

    While making the film we met Winnie Mandela, who spoke of the Observer, and David, with passion and warmth. She was explicit about the impact of the Observer’s reporting.

    “Had it not been for the coverage of the Observer,” she said, “those men would have faced the death penalty. We knew that, and they knew that too: it was the Observer that saved the leadership of the ANC.”
    http://www.theguardian.com/world/2013/dec/08/without-observer-mandela-would-have-hanged

    Drei gewaltige Stürme hintereinander, und beim dritten stirbt Mandela, Tata Madiba genannt. Ich finde, das hat etwas Biblisches. Er wird auf einem Hügel am Kap beerdigt und schaut auf die Landschaft. Das hat etwas Friedliches, Weihnachtliches. Am besten nicht mehr dieses klein-klein bis Neujahr. Frohe Advents- und Weihnachtszeit an alle!

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    Aufgespießt:

    Die meisten Mädchen sind eher sprachbegabt und kulturell interessiert, die meisten Männer wollen was schrauben und/oder mit Aktien spekulieren.

    Zitat von KJN

    Hier ein paar Fakten:

    http://www.studieren-im-netz.org/vor-dem-studium/orientieren/beliebte-studiengaenge

    http://www.bmfsfj.de/doku/Publikationen/genderreport/1-Bildung-ausbildung-und-weiterbildung/1-2-bildung-im-europaeischen-vergleich.html

    Und was den Bereich Kultur ” betrifft:

    Da ist doch ommer noch eine Dominanz der Männer festzustellen, siehe bildende Künste, Musik oder täusche ich mich?

    Lieber KJN,

    vielleicht sollten Sie einmal in eine BWL Vorlesung gehen (selbst wenn Sie Vorurteile gegen Buchhalter haben 🙂

    Ich persönlich stelle fest, dass dort die Frauen überwiegen (allerdings noch nocht bei den Professoren)

    Und was generell die Gender Debatte betrifft, vielleicht sollten wir Männer uns dafür einsetzen, dass unsere Kinder nicht ein fast ausschlielich weibliches Bild von der Kita bis zur Grundschule erhalten, da es hier am männlichen ” Gegengewicht ” fehlt.

    Ich wünsche Ihnen und Ihrer Familie eine schönes Weihnachtszeit, in der Hoffnung auch 2014 wieder mit Ihnen ausgiebig diskutieren zu können.

    Ihr Moritz Berger

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    Aber vielleicht ist Diskriminierung ja Teil des menschlichen Wesens und also bewahrenswert? Dann fragt sich nicht mehr, ob diskriminiert wird, sondern nur noch, wer. Und hier täte doch etwas Abwechslung gut? Auch aus Gründen der Ausgeglichenheit. Immer nur Frauen, Schwule, Schwarze, Juden – das ist auf Dauer langweilig. Wie wärs mal – nur zur Abwechslung – mit katholischen Männern mit Wohnort Eifel?

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    @KJN: “Bewahrung des menschlichen Wesens” – ich würde sagen: des “männlichen” Wesens. Denn den entscheidenden Gedanken der Quote haben Sie ganz beiläufig umschifft: die x-mal belegte Tatsache, dass Frauen bei der Besetzung von lukrativen Posten diskriminiert werden. Liegt das Ihrer Ansicht nach an den kulturellen Interessen der Frauen? Oder an den ökonomisch grundierten Machtinteressen der Männer, die gerne “schrauben”?

    Diese entscheidende Frage zu unterlaufen scheint mir typisch zu sein für den Konservativismus der unideologischen Art. Der reden oft und gerne von den Unterschieden der Geschlechter, aber wenn es dann mal an die realen Unterschiede geht, die z.B. bei der Jobbesetzung existieren, wird ganz schnell über etwas anderes geredet, z.B. über die völlig nebensächliche Frage, ob denn “die Wirtschaft” von der Quote/der weibl. Sicht profitieren wird oder nicht.

    Solches Denken behauptet gern Abwegiges, ohne eine Begründung zu gegen. Und die Leute sagen: “Mensch – SO habe ich das ja noch nie gesehen, was für ein unideologischer Gedanke!” – Es ist allerdings kein Wunder, dass man das so noch nicht gesehen hat, weil es oft nur Quatsch ist. Und den gibt es im Gegensatz zu Vernunft in unübersehbar vielen Varianten, von denen man kaum den kleinsten Teil je gesehen hat, aber jederzeit neue Varianten mühelos produzieren kann.

    Aber wie dem auch sei, ich wünsche Ihnen auch sehr schöne Feiertage!

  9. avatar

    Nachtrag: Mit der Quote greift der Staat mal wieder in Wirtschafts-Strukturen ein – schon wieder eine Vermischung. Statt im ureigensten Bereich zu “gestalten”: Im Öffentlichen Dienst bei hoheitlichen Aufgaben. Wieso gibt es keine 50% Quote bei Richtern???

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    @Quote u.v.A.
    Die Quote soll – so wie ich das verstanden habe, verstehen kann – weibliche Sichtweisen, Denkmuster und Interessen in die (Wirtschafts-)Welt bringen helfen. Das ist m.E. durchaus ein gutes Ansinnen. (Wie so vieles, was derzeit Politik offensichtlich leisten, entscheiden und bewirken soll.) Und hier denke ich, daß felix Germania (bzw. dieser Teil davon) in alte idealistische Denkmuster verfällt. Die Quote ist vor allem ein Eliteprojekt einer avancierten, abgekoppelten auf hohem materiellen Niveau philosophieren könnenden Schicht, die meint, mit ihren pädagogischen Vorgaben die Welt bewegen zu können. Letztlich etablierte Althippies. Ich empfinde das allerdings als überheblich. Dieses Eliteprojekt hilft weder den (mittlerweile vergessenen) „Schlecker-Frauen“, noch bezieht es sich auf zukünftige – überdeutlich – abzusehende Teilung der Gesellschaften. (Der Vatikan, z.B., reagiert darauf.. – Franziskus ist ein Held..) Es ist (ja ich meine das wirklich so) der Versuch Männer und Frauen miteinander am Arbeitsmarkt in Konkurrenz zu bringen – auf einer Ebene, die die derzeitige Elite (wohlabgestimmt) bestimmen will – eine Elite, die noch möglichst viel aus einem absterbenden Wirtschaftssystem für sich herauspressen will. Verschwörungstheorie? Nein – wirtschaftlich sinnvolles Verhalten – aus Sicht der Wirtschaftseliten. Man sollte es nur wissen. Folgerungen? Z.B. Aktien von Firmen, die solche Manager haben, abstoßen. Sich nicht auf Arbeitsmarktprognosen und Bildungsversprechen verlassen. Aber was erzählt man seinen Kindern? Womit macht man ihnen Mut – z.B. wenn sie nicht Maschinenbau-Manager in China oder Altenpfleger werden wollen?
    Was bei solchen Politik-Projekten stört, ist nicht das Ansinnen selbst, sondern das Ignorieren der tatsächlichen Verhältnisse, die falsche Prioritätensetzung. Die Regierung Merkel inkludiert alle möglichen Gesellschaftsströmungen – klingt an sich gut, aber wer formuliert diese Ansinnen? Es sind nach wie vor die „Gestalter“: Besserwisserische Idealisten die am menschlichen Wesen herumdoktern wollen. Gender-Ideologen, die mit „Girls-Days“ Frauen in MINT-Studiengänge bringen wollen. Ja – es gibt Ausnahme-Physikerinnen, die ich bewundere und weltbekannte Modedesigner, die ich noch mehr bewundere. Aber die Mehrheit orientiert sich klassisch – normalverteilt: Die meisten Mädchen sind eher sprachbegabt und kulturell interessiert, die meisten Männer wollen was schrauben und/oder mit Aktien spekulieren. Ich meine: jeder so, wie er kann, aber das darf ja nicht sein, dann müsste man überkommene Vorstellungen der Industriegesellschaft („produktiv – unproduktiv“, „Leistung, messbar“) infrage stellen. Darum geht’s: Um die Bewahrung des menschlichen Wesens vor den Psychotechnikern. Ein Freiheits-Parameter.

    Ich werde versuchen, mich mal einige Zeit auszuklinken, allen wünsche ich aber schöne Feiertage zu haben oder gehabt zu haben, eine besinnliche und erholsame Zeit und bedanke mich für’s Lesen meiner Beiträge und ausdrücklich auch für die eine oder andere Kritik von regelmäßigen und unregelmäßigen Kommentatoren, die ich einstecken musste, auf die ich nicht immer eingegangen bin, die aber stets ernst genommen und bedacht habe.

  11. avatar

    Lieber Herr Posener,

    ich frage woher Sie diese Aussage zur Volkswirtschaft der USA ableiten:

    “Ich würde gern Gleiches mit Gleichem vergelten; geht aber nicht, denn tatsächlich sind die USA nach wie vor die dynamischste Volkswirtschaft der Erde”

    United States GDP Growth Rate
    The Gross Domestic Product (GDP) in the United States expanded at an annual rate of 2.80 percent in the third quarter of 2013 over the previous quarter. GDP Growth Rate in the United States is reported by the U.S. Bureau of Economic Analysis. From 1947 until 2013, the United States GDP Growth Rate averaged 3.2 Percent reaching an all time high of 17.2 Percent in March of 1950 and a record low of -10.4 Percent in March of 1958. The United States has one of the most diversified and most technologically advanced economies in the world. Finance, insurance, real estate, rental, leasing, health care, social assistance, professional, business and educational services account for more than 40 percent of GDP. Retail and wholesale trade creates another 12 percent of the wealth. The government related services fuel 13 percent of GDP. Utilities, transportation and warehousing and information account for 10 percent of the GDP. Manufacturing, mining, and construction constitute 17 percent of the output. Agriculture accounts for only 1.5 percent of the GDP, yet due to use of advance technologies, the United States is a net exporter of food. This page contains – United States GDP Growth Rate – actual values, historical data, forecast, chart, statistics, economic calendar and news. 2013-12-04

    aus:

    http://www.tradingeconomics.com/united-states/gdp-growth

  12. avatar

    Lieber Alan Posener,

    ich würde Ihnen gerne wieder recht geben, aber ob die USA wirklich die dynamischste Volkswirtschaft der Welt ist weiß ich einfach nicht.

    Wa sich aber weiß ist, daß nicht nur die Automobilwirtschaft, sondern viele einst führende Technologieunternehmen aus den USA mit ihren Produkten auf dem Weltmarkt nicht mehr konkurrenzfähig sind.

    Juristen, Kaufleute etc. können etwas vorhandenes mehr oder weniger gut verwalten, aber bestimmt nicht auf grundlegende Änderungen reagieren oder gar etwas neues schaffen.

    Ein führendee Roll haben die USA gerade in den Bereichen, in denen technische Visionäre sich betätigen konnten.

    Steven Jobs zum Beispiel war nicht gerade bekannt für seine Menschenführung, er soll sogar ein eher unangenehmer Zeitgenosse gewesen sein.
    Er war allerdings ein technischer Visonär der es geschafft hat seine Visionen zu verwirklichen.

    Frauen die ähnliches geschaffen haben sind leider viel zu selten, aber eine Quote wird daran auch nichts ändern.

    Diese Äußerung hat mich etwas erstaunt:

    “Die Gegner des Doppelpasses und der Frauenquote sind halt arische Männer, die um ihren privilegierten Status bangen und ernsthaft behaupten, dieser Status sei erarbeitet, stehe ihnen also aufgrund des Leistungsprinzips zu. Sie irren. Engstirnigkeit ist keine Tugend.”

    Erstaunt deswegen, weil so ein plumper Stuß eigentlich weit unter Ihrem üblichem Niveau liegt.

    Verlangen Sie in Zukunft einen Nichtarier-Nachweis wenn man offenkundigen Unsinn kritisieren will ?

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    @KJN

    … in einer Welt ohne Ideologie wird es wohl auch keine Staatsbürger mehr geben. Das entspricht meinem Glauben an die Kirche Christie.

    Aber solange alle 3 oder 5 Minuten ein Christ von Mohammedanern erschlagen, ermordet, vergewaltigt wird, erwarte ich vom Staat für meine Kinder, meine Familie, Schutz.

    Wie auch immer und ohne wenn und aber.

    (Quellenangaben von mir, hoffentlich gelesen, hier im Blog zu Hauf. Oder einfach selber recherchieren.)

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    .. ach und was die USA betrifft, verweise ich mal auf deren recht erfolgreiche Fachleute, Nobelpreiträger in Physik, Chemie, sowie Bill Gates und Steve Jobs. Das waren weder BWler, noch Personaler. Und deren Unternehmenserfolg und Charisma beruhte auf deren technischem Vorstellungsvermögen.

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    APo: Die Gegner des Doppelpasse sund der Frauenquote sind halt arische Männer, die um ihren privilegierten Status bangen und ernsthaft behaupten, dieser Status sei erarbeitet, stehe ihnen also aufgrund des Leistungsprinzips zu.

    … *rofl* … arisch? Man könnte meinen, Sie leiden an Dextrophobie. Ich habe gar nix dagegen, wenn die Frau/das Weib, gelegentlich oben auf ist und die Sache in die Hand nimmt.

    Übrigens, in der Küche bin ich Chefe. (Seit dem habe ich auch kein Sodbrennen mehr.)

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    @Alan Posener
    “Ein Vorstand braucht wenig von Technik zu verstehen; dafür gibt es Fachleute. Es geht vor allem um Menschenführung.”
    Sehr gewagte Aussage – und der gravierende Fehler der 90er. Nein bei “Fachleuten” kommen Sie nicht mit Psychotechnik und Pädagogik an, sondern mit fundiertem Fachwissen.

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    @hans
    “..habe Friedrich von seinem Amtskollegen keine konkreten Zusagen erhalten, sagte sein Sprecher Jens Teschke der Nachrichtenagentur dpa in Istanbul.”
    Wieso konnte dieser 19-Jährige – mit oder ohne türkischem oder deutschem Pass, oder beidem – in die Türkei flüchten. Sie wollen (in sozialistischer Manier übrigens) Fehler von Institutionen (Justiz), die (ganz neoliberal) effektiv und kostengünstig arbeiten soll und z.B. die Praxis des “Deals”, nun ja, kultiviert, durch Politik und Stigmatisierung (Rassismus) lösen.
    Ein Staat, dessen Justiz zur Dienstleistungsunternehmen verkommt, das nur da arbeitet, wo es sich lohnt, muss sich über solche, wie von Ihnen geschilderte Vorfälle nicht wundern. Trennung von Wirtschaft und Staat: Meine Rede, seit ich “hier” bin. das ist keine Frage der Politik, sondern der Moral.

    @DonGeraldo
    “Allerdings gibt es schon jetzt viel zuviele Juristen, BWLler,Kaufleute, Volkswirte etc. in deutschen Chefetagen. Wenn Frauen weiterhin technische Studiengänge meiden werden sich die Quotenfrauen natürlich ebenfalls weitestgehend aus technikfernen Bereichen rekrutieren.
    Wohin das früher oder später führt kann man an der amerikanischen Automobilindustrie gut sehen.”

    Genau so.

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    Lieber DonGeraldo, dass Sie es über sich bringen zu sagen, “damit haben Sie natürlich Recht”, das spricht sehr für Sie. Ich würde gern Gleiches mit Gleichem vergelten; geht aber nicht, denn tatsächlich sind die USA nach wie vor die dynamischste Volkswirtschaft der Erde. Ein Vorstand braucht wenig von Technik zu verstehen; dafür gibt es Facvhleute. Es geht vor allem um Menschenführung. Und da ist nachweislich eine Frauenquote hilfreich.
    Die Gegner des Doppelpasse sund der Frauenquote sind halt arische Männer, die um ihren privilegierten Status bangen und ernsthaft behaupten, dieser Status sei erarbeitet, stehe ihnen also aufgrund des Leistungsprinzips zu. Sie irren. Engstirnigkeit ist keine Tugend.

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    Frauen: Gleichberechtigung ist dann, wenn inkompetente Frauen die gleichen Jobs machen, wie inkompetente Männer. Guten Frauen eine Chance geben ist nicht Gleichberechtigung, es ist im besten Fall Gutsherrenart.

    Doppelstaatsbürger: Es kann nicht sein, dass eine Gesellschaft mit 80Millionen Menschen ihre Zukunft erst dann positiv gestaltet, wenn der letzte Intensivtäter die Loreley im Kanon furzen kann. Millionen von Menschen werden in Sippenhaft genommen, weil das deutsche Gerichtswesen seine Arbeit nicht macht. Wer ein Problem mit Intensivtätern hat, sollte Beschwerdebriefe an die schreiben, die verantwortlich sind und nicht unbescholtene Menschen drangsalieren. Der Rechtsstaat krankt nicht an den Migranten, sondern am Staat. Außer Migration und Migranten an sich sind schon verdächtig – nennt sich (glaube ich) Xenophobie und ist therapierbar. Man kann gegen Einwanderung sein, es gibt gute Gründe. Migranten als eine anatolische Horde Halbstarker karikieren ist ziemlich Arschloch.

    Mindestlohn: Der Mindestlohn ist ein Versuch, der nicht das 1000 Jähriges Reich der Gerechtigkeit bringen soll. Wenn es mit 8.50 nicht klappt, wird man es ändern. Es ist ein Instrument, das wirkt oder nicht. Thema gegessen.

    Irgendwie gehen die geäußerten Bedenken alle am Thema vorbei.

  20. avatar

    @ Alan Posener

    “Und was Ihre anderen Beispiele angeht, so sind auch die männlichen Vorstände großer Automobil- oder Energiekonzerne selten Leute, die aus der Arbeiterschaft stammen.”

    Damit haben Sie natürlich recht. Allerdings gibt es schon jetzt viel zuviele Juristen, BWLler,Kaufleute, Volkswirte etc. in deutschen Chefetagen. Wenn Frauen weiterhin technische Studiengänge meiden werden sich die Quotenfrauen natürlich ebenfalls weitestgehend aus technikfernen Bereichen rekrutieren.
    Wohin das früher oder später führt kann man an der amerikanischen Automobilindustrie gut sehen.

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    APo: … Neid. Wieso kriegen die Türken zwei Staatsbürgerschaften, und ich hab nur eine? Nun, brechen Sie auf, wandern Sie aus. Sie werden dann sehen, wie sehr man – auch in den Folgegenerationen – an den Bindungen zur alten Heimat festhält, einschließlich des Rechts auf Rückkehr, das ja der Pass garantiert.

    KJN: Doppelpass.. was spricht dagegen? Wer sich nicht benimmt, unterliegt sowieso dem Strafgesetzbuch

    … Neid? … ich glaub’ mein Hamster bohnert.

    ‘Bundesinnenminister Hans-Peter Friedrich (CSU) hat sich erneut gegen die Möglichkeit doppelter Staatsbürgerschaften ausgesprochen. Der Fall des in die Türkei geflüchteten mutmaßlichen Haupttäters der tödlichen Prügel-Attacke vom Berliner Alexanderplatz bestärke ihn in seiner Haltung, sagte Friedrich am Donnerstag ….

    Ein 20-Jähriger war Mitte Oktober in der Nähe des Alexanderplatzes von vermutlich sechs jungen Männern zu Tode geprügelt worden, ein 19-Jähriger war danach in die Türkei geflüchtet. Da die Tat auf Ebene der Justizministerien behandelt werde, habe Friedrich von seinem Amtskollegen keine konkreten Zusagen erhalten, sagte sein Sprecher Jens Teschke der Nachrichtenagentur dpa in Istanbul.’

    Daher!

  22. avatar

    Lieber Herr Posener,

    ein Bewunderer von Keynes sind Sie bereits.

    Wann stürzen Sie endlich Thatcher und Reagan von dem noeoliberalen Thron.

    Wennn Straubhaar sich schon als Ökonom wandelt, dann dürfte es für Sie doch als Anglist auch ein leichtes sein etwas kritischer an den Neoliberalismus heranzugehen.

    Aber da Sie bald in Rente gehen wewrden, besteht ja immer noch die Hoffnung, dass Sie vielleicht bei Straubhaar in eine Privatvorlesung gehen:-)

    http://www.welt.de/wirtschaft/article122478776/Die-globalen-Finanzmaerkte-sind-viel-zu-ineffizient.html

  23. avatar

    @ Alle

    Türken machen zwar die größte Gruppe, aber nur 20% der Migranten. Fair bleiben: Bitte die (heilbare) Türkenphobie nicht an den 80% austoben. Von 80Millionen Menschen, haben ca 3Million türkische Wurzeln. Fraglich, ob die Fixierung berechtigt ist.

  24. avatar

    @Passamt

    Alles nicht falsch, im Grunde und in der Praxis sehe und halte ich es auch so. Nur laden sie die Passfrage nicht mit Themen auf, auf die eine Broschüre keinen Einfluss hat? Sie reden von einer kulturellen/emotionalen Leistung, da sehe ich keinen Zusammenhang mit dem Pass. Der Pass ist keine Belohnung für ein bestimmtes Leben, Gesetzestreue ist eine Selbstverständlichkeit. Ich stimme ihnen zu: die beste Integration ist die Assimilation. Nur die hat nichts mit Pässen zu tun. Sie Diskutieren das Thema an der falschen Stelle.

  25. avatar

    Mindestlohn.. Unternehmen, die sich nur mit Dumping-Löhnen rentieren, gehören nicht auf Kosten der Ärmsten geschützt – gut so .. Doppelpass.. was spricht dagegen? Wer sich nicht benimmt, unterliegt sowieso dem Strafgesetzbuch .. Quote, interessiert mich nun gar nicht: Symbolpolitik mit der Hoffnung auf Kulturwandel mit Inklusion weiblicher Weltsicht in 50 Jahren, da bin ich tot und der Nachwuchs hoffentlich reich & frei.
    Die Qualität einer Regierung aber anhand der Zahl umgesetzter Maßnamen zu messen, halte ich für problematisch: Belohnung von Aktionismus (Blindleistung – wie aufgestockte Dumpinglöhne). Es fehlt bei dieser “alternativlosen” Regierung die Analyse, Fragestellungen wie: Womit verdient man hier sein Geld, wenn Fabriken in China stehen. Automobile (wer zahlt bei dieser Industrie eigentlich die Steuern??), Qualitätswerkzeuge und Maschinen werden nicht reichen, denn das wird immer weniger. Und mit Konzepten verdient man auf Dauer kein Geld.

  26. avatar

    … und mich drängt es doch, bezüglich “Freude des türkischen Nachbars” noch etwas zu sagen. Migranten sollten das eigene Entwurzeltsein nicht mehr als nötig ihren bereits hier geborenen Kindern aufdrücken. Man sollte den Kindern ein eingegliedertes – ja, assimiliertes Leben ermöglichen, genau dort, wo man sie in die Welt gesetzt hat. Die Freude des türkischen Nachbars ist nichts anderes als Projektion des eigenen Schicksals/Werdegangs/Empfindens auf die Nachkommenschaft. Welche Auswüchse das haben kann, kann man ja täglich erleben, fördern muss man es staatlicherseits nicht unbedingt.

  27. avatar

    … nur mal als Vergleich, zu den Forderungen türkischer Verbände in D., wer die türkische Staatsbürgerschaft will:

    – muss volljährig sein (nach Geltungsrecht des Ursprungslandes) und muss mindestens seit fünf Jahren in der Türkei wohnen (mit einer Unterbrechung von höchstens sechs Monaten).

    -oder mit einem türkischen Staatsbürger verheiratet oder als Ausländer in der Türkei geboren sein, dann reduziert sich diese Zeitspanne auf drei Jahre.

    -zudem muss ein einwandfreier gesundheitlichen Zustand und ein sauberes Strafregister vorgewiesen werden.
    -schließlich muss belegt werden, dass man sich finanziell selbst versorgen kann. Solange ein Job ausgeübt wird, trifft das zu.
    -ansonsten müssen der Nachweise durch vorhandene finanzielle Rücklagen oder Rentenbescheide erbracht werden.

    Die Aussichten auf eine türkische Staatsbürgerschaft steigen, wenn nachweisen wird, dass der Antragsteller einen erheblichen Beitrag zur türkischen Gesellschaft und Kultur leistet.

    Tja, der letzte Satz hat ‘s. Oder?

    Anders, für D muss gelten … ,dass der Antragsteller einen erheblichen Beitrag zur deutschen Gesellschaft und Kultur leistet.

    O.K. … die nehmen wir. Mehr nicht. Meine ich.

  28. avatar

    Loyalitätskonflikt war mein Lieblingswort in den 90ern. Als serbischer Staatsbürger bin ich zum Militärdienst wegen akuter Gefahr auf mir unbekannte Menschen zu schießen nicht angetreten, als ich die Staatsbürgerschaft los war und die Deutsche bekam, war meine Bereitschaft in Polen einzumarschieren immer noch nicht messbar. Mir ist noch keine Loyalitätsfrage untergekommen, für die ich meinen Pass zu Rate ziehen würde.

  29. avatar

    Neid? Was für ein Argument …

    @”Nun, brechen Sie auf, wandern Sie aus.”
    Das habe es getan vor vielen Jahren. Aus diesem Grund habe ich einen deutschen Pass, und nur einen deutschen Pass – obwohl mir die erneute Aufnahme der Staatsangehörigkeit meines Geburtslandes inzwischen geradezu nachgeschmissen wird, so dass ich mühelos in den Genuss einer doppelten Staatsangehörigkeit kommen könnte, wenn es mir erstrebenswert erscheinen würde. Das tut es aber nicht. So viel zu Neid 😉 – das ist absurd, Herr P.

    Auch muss die Lösung der Freizügigkeit (“Wanderungsbewegungen”) nicht doppelt-dreifache Staatsangehörigkeit sein – pragmatische Vorteile geben noch lange keine Basis für Grundsatzentscheidungen ab.

    Was die Freude des türkischen Nachbars angeht: Die Wahl, in Deutschland zu leben, haben die Nachbarn selbst getroffen. Eine solche Wahl hat Konsequenzen – nämlich unter anderem die, dass die Kinder in Deutschland geboren werden sowie auch, dass diese Kinder selbstredend die Staatsangehörigkeit desjenigen Landes haben sollten, in dem sie geboren sind – stimmiger, gleichgestellter und rationaler geht es nicht. Es ist nämlich keine staatliche Aufgabe, die familiären Wurzeln und Traditionen zu pflegen, indem man eine künstliche Ungleichheit herstellt, anstatt die zu erstrebende (und wünschenswerte) Gleichheit zu fördern.

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    @ DonGeralso: “Diese Bevorzugung von Einwanderern gegenüber Ureinwohnern ist es, die mich die doppelte Staatsbürgerschaft ablehnen läßt.” Auch bei Ihnen also: der reine Neid. “Ureinwohner” ist übrigens eine lustige Formulierung. Seit wann sind denn Ihre Vorfahren hier? Und wenn sie seit Generationen hier sind: Was ist daran so toll, dass sie nie die Initiative zeigten, sich mal etwas in der Welt umzugucken? Was sagt das über Ihre Gene aus?
    OK, Sie mögen sagen, dafür haben Ihre Vorfahren meinen aus Polen eingewanderten Vorfahren die Möglichkeit gegeben, Frankreich, England und die USA, Auzstralien und Israel (und Riga, aber Schwamm drüber) kennen zu lernen. Stimmt. Und eine der Lehren dieser verschiedenen Odysseen war: Man kann nie zu viele Pässe haben. Weil es immer wieder Idioten gibt.

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    @ DonGeraldo: “In Bergbauunternehmen sind eher wenige Frauen im Schacht unterwegs.” Im Schacht, lieber DG, sind inzwischen auch wenige Männer “unterwegs”. Und was Ihre anderen Beispiele angeht, so sind auch die männlichen Vorstände großer Automobil- oder Energiekonzerne selten Leute, die aus der Arbeiterschaft stammen.
    @ Passamt: Aus Ihnen spricht ein gewisser Neid. Wieso kriegen die Türken zwei Staatsbürgerschaften, und ich hab nur eine? Nun, brechen Sie auf, wandern Sie aus. Sie werden dann sehen, wie sehr man – auch in den Folgegenerationen – an den Bindungen zur alten Heimat festhält, einschließlich des Rechts auf Rückkehr, das ja der Pass garantiert. In einer Welt der Wanderungsbewegungen dürfte der Doppel- und Dreifachpass die Norm werden. Weder Briten noch Amerikaner stoßen sich daran, dass man weitere Pässe hat. Der Nutzen mag gering sein – ich benutze meinen britischen Pass hauptsächlich zur Einreise in die alte Heimat und beim Besuch arabischer Länder, wo die israelischen Einreisestempel in meinem deutschen Pass zur Zurückweisung führen würden. Der Schaden ist nichtexistent. Außer beim Fußballländerspiel existiert kein Konflikt zwischen meiner deutschen und meiner britischen Staatsangehörigkeit; Ähnliches gilt für die vielen Israelis, die sich inzwischedn einen deutschen Pass als Lebensversicherung besorgt haben – eine tragikomische Wende der Geschichte.
    Nochmal also: wenn Sie neidisch sind, besorgen Sie sich einen zweiten Pass; wenn sie aber kein Bedürfnis danach spüren, lassen Sie doch unsereinem – und Ihremn türkischen Nachbarn – seine Freude.

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    Wobei der Artikel ja schon im Detail lustig ist: As I said, in other countries you get more or less the government you voted for. Not here.

    Niemand hat ein goverment gevotet, sondern den Bundestag, das Parlament, gewählt. Die Fraktionen von SPD, Grünen und Linkskasper haben zusammen eine Mehrheit im deutschen Bundestag. Die CDU/CSU stellt die größte Fraktion, was nicht bedeutet, dass Wahlen „gewonnen“ wurden. Genau genommen, hat die Koalition, die Merkel gewählt hat, diese Wahl verloren, weil sie die Mehrheit der parlamentarischen Sitze verloren hat. Und deswegen muss Merkel nun verhandeln. Sie als Person stand und steht nicht für eine Kanzlerschaft zur Volks-Wahl.

    In einer parlamentarischen Demokratie vom Willen des Wählers zu sprechen ist ein Fall für den Bullshit-Knopf. Wieder so eine Sache die Frust schafft. Die CDU hat nur die größte Fraktion und der Wille des Wählers kann man aus einer rot/rot/grünen Mehrheit der Sitze nicht ableiten. Niemand wird gewählt um zu koalieren, schon gar nicht mit bestimmten Konstellationen, die das Publikum gerne hätte. Es werden Abgeordnete vom Wähler in das Parlament entsandt. Also lassen wir die Verwunderung- und Frust- Rhetorik. So funktioniert unser Parlament. In other countries ist das nicht viel anders, außer eben in USAlbion. Aber für die war der Artikel ja auch.

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    Falsch gedrückt, hier fehlt was:

    Daß die früheren Unterschriftensammler gegen die doppelte Staatsbürgerschaft von der CDU hier das SPD-Programm ohne Abstriche übernommen haben verwundert mich allerdings nicht. Diese Partei – genauso wie ihre Vorsitzende – kann keine Grundsätze verraten, denn sie har keine.

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    Werter Herr Posener,

    ich weiß zwar nicht wie Sie an Ihre zwei Staatsbürgerschaften gekommen sind, aber mit dem Ius sanguinis haben Sie sich möglicherweise noch nicht richtig befaßt.

    Hier eine kleine Hilfestellung:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Abstammungsprinzip

    Auch die von Ihnen als Beispiel für das ach so tolle Ius soli genannte USA verzichtet bei außerhalb der USA geborene Kinder von amerikanischen Staatsbürgern nicht auf die Anwenung des Abstammungsprinzips.

    Sie und alle anderen Freunde der doppelten Staatsbürgerschaft sind ja gerade nicht für die Einführung des Ius soli statt des bisherigen Ius sanguinis. Bei einem Einwanderer kann man noch streiten, ob man von ihm verlangen kann oder soll, daß er für eine neue seine bisherige Staatsbürgerschaft aufgeben soll.
    Die USA verlangen meines Wissens von Einwanderern diese Entscheidung.

    Vollkommen absurd wird es, wenn man Kindern von Einwanderern mit Verweis auf das Ius soli die deutsche Staatsbürgerschaft zugestehen will, während sie gleichzeitig zusätzlich aufgrund ihrer Abstammung auch noch die Staatsbürgerschaft eines fremden Landes bekommen sollen.

    Diese Bevorzugung von Einwanderern gegenüber Ureinwohnern ist es, die mich die doppelte Staatsbürgerschaft ablehnen läßt. Zur angeblichen Lebenslüge, Deutschland sei kein Einwanderungsland nur soviel: Auch hier ist die USA wieder ein gutes Beispiel dafür, daß Einwanderung den Ureinwohnern noch nie gut bekommen ist.

    Daß die früheren Unterschriftensammler gegen die doppelte Staatsbürgerschaft von der CDU

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    Erstens, zu: “Wurzeln zu Heimat kappen”: Sie vermischen Emotionales mit Rationalem. Die Wurzeln zur Heimat (die sowieso keine eigenen sondern nur vererbte sind für Hansens in der Fremde gezeugten Sohn) setzen keine Staatsangehörigkeit voraus. Außerdem, wenn Jung-Hans eine vom Papa geerbte deutsche Staatsangehörigkeit in Obamaland behalten kann, wäre das ja das Blutsprinzip, wogegen Sie ja eigentlich sind, wie Sie schreiben? — Zweitens, Doppelpass für hier geborene Kinder: Bei den Eltern, die nicht hier geboren sind, würde mir die doppelte Staatsangehörigkeit einleuchten, nicht aber bei ihren Kindern. Die Betonung von Wurzeln, die keine eigenen mehr sind, findet (mehr als es den Kindern gut tut) in den Familien statt, der Staat hat auf diesem Gebiet nicht mitzureden.

    Kein Blutsprinzip für die eine, aber Blutsprinzip für die andere, die “geerbte” Staatsangehörigkeit (der Eltern)? Liest sich für mich nicht stimmig.

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    Bei der Frauenquote hab ich bisher wohl was falsch verstanden, ich dachte die gesetzliche Verpflichtung gilt erst mal nur für Aufsichtsräte.

    Und warum man dafür eine Quote braucht erschließt sich mir nicht. Die Arbeitnehmerseite – also die Gewerkschaften – ist auch ohne gesetzliche Verpflichtung gut beraten wenn sie eine repräsentative Vertretung entsendet.
    Eine repräsentative Vertretung schließt eine starre Quote aus, denn in Bergbauunternehmen sind eher wenige Frauen im Schacht unterwegs.

    Bei der Kapitalseite ist es noch einfacher: Ob ein Milliardär seine Aufsichtsratsitz selbst einnimmt oder seine Frau schickt ist doch Wursch. Gerade unter den Superreichen kommen Frauen doch meistens als Töchter oder Witwen vor, auch Ihre oberste Chefin Herr Posener hat ja nicht viel zum Aufbau des Springer-Konzerns beigetragen; trotzdem kontrolliert sie ihn, ganz ohne Quote.

    Bei den Vorständen ist eine starre Quote auch Unsinn. In den Medien, den Banken und dem Handel mag das angehen, dort arbeiten viele Frauen auf allen Ebenen. Aber wo soll ein Maschinenbauunternehmen oder ein Autokonzern qualifizierte weibliche Vorstände finden, wenn sich kaum Frauen in technische Berufe verirren ?

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    Klasse beschrieben – so kann man es sehen. Die Erkenntnis setz sich langsam durch: Es ist so ein diffuses Gefühl, dass wir überhaupt nicht in der Lage sind, eigene Wege zu gehen (nehmen wir mal an, wir wüssten wohin), letztlich geht es um die Umsetzung der Ideen eines Weltgeistes oder der Megatrends. So sind Sonderwege für einen Kriegsverlierer zwischen zwei Supermächten schon immer etwas seltsam gewesen, Privatfernsehen ist schlichtweg technisch möglich geworden und zum Einwanderungsland macht uns die Demographie, die auch ein Ergebnis des Weltgeistes ist. Es geht nicht um Ideen, es geht um geschickte Anpassung. Von den USA über EU bis China. Da liegt tatsächlich Merkels Vorteil: den erbitterten Kampf der Ideen, den hat sie nicht mitbekommen. Letztlich hat Merkel, vielleicht schon Adenauer, die Ideenvielfalt des 19 Jahrhunderts zu Grabe getragen, der letzte Seufzer waren die Debatten zwischen JU und Jusos in den 70ern. Das Ringen der Weltanschauungen haben Ikea und Appel gewonnen. Zugegeben: Nachdem Weltanschauungen halb Europa umbrachten. Wenn man davon ausgeht, sind nicht nur die Parteien mit ihren geistigen Wurzeln des 18/19 Jahrhunderts ein Anachronismus, vielleicht ist es auch der gesamte Parlamentarismus, der auch ein Produkt des 18/19 Jahrhunderts ist. Vielleicht kommt die Politikverdrossenheit ja auch daher – wir haben den Anspruch der Paulskirche 48, werden aber von ganz anderen Dingen geprägt.
    Das ist wie mit Migranten: Wenn der Lehrer die Aufgabe stellt, dass die Kinder ihr Essen von zu Hause mitbringen, bringen Migrantenkinder Spezialitäten ihrer Heimatländer in die Schule, obwohl sie 5 mal die Woche bei McDonalds essen. Anspruch und Wirklichkeit gehen nicht zusammen und das schafft Frust.

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    Anmerkung zum Artikel (zu Hans möchte ich mich nicht äußern, habe ein selektives Tourettesyndrom und muss mich schonen): Angie hat genau die Koalition bekommen, die sie selbst gewählt hat. Sie hat in ihrem Wahlkreis Erststimme CDU und Zweitstimme SPD abgegeben. Doch, das weiß ich 🙂

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    Nein, ich möchte nicht, dass der blöde Hans die deutsche Staatsbürgerschaft behält, wenn er endlich in die USA auswandert. Dort kann er ja weiter deutschtümeln und vielleicht mit seinem Sohn an einer Steuben-Parade teilnehmen (in Lederhosen für den Preußen). Einen Pass braucht er für das Teutsch-Gefühl nicht – ist nur ein Wisch, völlig überbewertet 😉

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    Nehmen wir an, blöder Hans, Ihr schlimmster Traum würde Wirklichkeit, und Sie müssten aus der politisch korrekten Ökodiktatur Deutschland fliehen. Sie wählen die USA zu Ihrem Lebensmittelpunkt und nehmen die US-Staatsbürgerschaft an. Schließlich zahlen Sie dort Steurn und wollen mitbestimmen, was damit geschieht, das Land soll nicht den Obama-Bolschewisten in die Hände fallen. Sollen Sie deshalb Ihre deutsche Staatsbürgerschaft verlieren? Sollen die Leute, die Sie aus Deutschland vertrieben, auch noch die Genugtuung bekommen, dass Sie die wenigen Ihnen verbliebenen Rechte als Staatsbürger verlieren? Ja, man wird vielleicht sagen, der Mann ist ein unverbesserlicher Nazi, Ausländerhasser und Querulant. Aber heißt das, man habe das Recht, ihm seine Identität abzusprechen? Und soll der Sohn, den Hans in der Fremde zeugt, entweder seine Wurzeln zur Heimat kappen oder seiner Bürgerrechte in den USA verlustig gehen? Was wäre das für ein Recht? Das, blöder Hans, ist EIN Grund. Es gibt weitere, versichert Ihnen der fröhliche Doppelpassbesitzer (D, UK) Alan Posener.

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