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Limburg: Der Bischof und die Pharisäer

Wenn dieser Beitrag erscheint, ist der Limburger Bischof Franz-Peter Tebartz-van Elst möglicherweise schon zurückgetreten. Dieser Schritt erscheint auch angesichts der vielen Unregelmäßigkeiten rund um die Finanzierung des Diözesanzentrums unvermeidlich. Und doch offenbart die Kampagne gegen den Bischof – denn von einer Kampagne muss man sprechen – eine Intoleranz, eine Lust am Fertigmachen eines schwachen Menschen, die ganz und gar unchristlich ist. Überdies scheinen manche der Vorwürfe gegen den Bischof kleinlich und von fragwürdiger Stichhaltigkeit. Insgesamt scheint Tebartz Opfer des kirchlichen Opportunismus zu sein: unter Benedikt konnte einer wie er aufsteigen; unter Franziskus wird er gestürzt. „Hosianna!“ und „Kreuziget ihn!“ liegen auch – vielleicht gerade – in der katholischen Kirche nahe beieinander.

Dass Tebartz ein schwacher Mensch ist, ein seiner sexuellen Identität unsicherer Mann, der sich in seiner Haut unwohl fühlt, das ist ihm ins ängstliche Gesicht geschrieben. Dass er sich einerseits an der  Pracht und der Schönheit der Kirche, ihrer Rituale, Gewänder und Gebäude erfreut, andererseits einer besonders konservativen Auslegung der Sexualmoral das Wort redet, entspricht dieser Unsicherheit, die er mit seinem Lehrmeister Joseph Ratzinger teilt, dessen „Kampf gegen den Relativismus“ – sprich Intoleranz – Tebartz mit seiner Kritik an Christian Wulff und dessen Äußerung zum Islam auf seine Weise – und, übrigens, gegen die Intentionen Papst Benedikts, zugespitzt hat. Die Psychopathologie dieser reaktionären Form des Katholizismus, die noch bis gestern den Beifall der Salon-Katholiken vom Schlage eines Martin Mosebach und der Vertreter der „benedittinischen Wende“ erhielt, hat David Berger zutreffend beschrieben. Man wird mir abnehmen, dass ich jeder Sympathie für diese Art des Glaubens unverdächtig bin.

Andererseits scheint mir manche Anklage gegen Tebartz von Neid und Missgunst motiviert. Nehmen wir die Frage seines Flugs nach Indien. Als ihm vorgeworfen wurde, Erster Klasse geflogen zu sein, ging es um die Kosten für die Diözese. Darauf antwortete Tebartz wahrheitsgemäß, er sei „Business Class geflogen“, sprich, er wurde auf Business gebucht und hat Business bezahlt. Dass er einen Upgrade in die Erste Klasse angenommen hat – was ist daran schlimm? Macht sich die Glaubwürdigkeit eines bischöflichen Einsatzes für die Armen dieser Welt daran fest, dass er möglichst unbequem fliegt? Seit dem Amtsantritt von Papst Franziskus ist zur Schau getragene Bescheidenheit – also Pharisäertum – die neue Mode im Vatikan und – da die Kirche eine autoritätsgläubige Einrichtung ist – inzwischen auch in den unteren Gliederungen. Aber gemessen an den wirklich Armen lebt natürlich noch der bescheidenste Papst, Bischof oder Pfarrer bei uns in unvorstellbarem Luxus.

So mancher Backpacker fliegt Holzklasse und last Minute billig von einem Elendsgebiet der Erde zum anderen, geimpft mit dem guten Gewissen des Mitleids und der Gegnerschaft gegen Wall Street und den Westen, gesichert mit Papas Kreditkarte und der Hilfe eines machtbewehrten diplomatischen Dienstes im Notfall. Das freilich ist Doppelmoral pur, gepaart mit Selbstbetrug. Da ist es mir lieber, wenn einer gar nicht erst versucht, den materiellen Graben zu überwinden, der ihn von den Elenden trennt; gar nicht erst tut, als könne eine Geste scheinbarer Bescheidenheit Strukturen ändern, die das Elend zementieren.

Wie hieß doch der Jünger, der  Jesus von Nazareth Vorwürfe machte, als dieser sich von den Frauen mit teuren Ölen einreiben ließ? Man hätte, so der Jünger, die Öle verkaufen und das Geld den Armen geben können. Lass mal, erwiderte Rabbi Jesus: Die Armen habt ihr immer bei euch, mich aber nur noch kurze zeit. Lass mal gut sein, Judas.

In seinen Erklärungen zum angeblichen Skandal seines Upgrades hat sich Tebartz aus Unsicherheit und Angst in Widersprüche verwickelt. Aber muss so etwas den Staatsanwalt beschäftigen? Haben die hiesigen Strafverfolgungsbehörden sonst nichts zu tun als der Frage nachzugehen, ob ein Bischof dem „Spiegel“ die ganze Wahrheit über einen Langstreckenflug erzählt hat? Das erinnert an die Petitessen, die mittlerweile vom Fall Christian Wulff übrig geblieben sind.

Bedeutender, gewiss, ist die Frage der Kosten für den Ausbau des Diözesanzentrums. Wenn ich es recht verstehe, wurden zunächst fünf Millionen angesetzt, aus denen mittlerweile 30 Millionen geworden sind. Nun schieben sich der zuständige Finanzrat, die Architekten und Bauleiter und der Bischof gegenseitig die Schuld zu. Wer sich was zuschulden kommen ließ, ist für Außenseiter kaum noch durchschaubar, ähnlich wie beim Berliner Flughafenprojekt, dessen Kosten von  geschätzten 1,7 Milliarden 2006 auf 4,3 Milliarden 2012 gestiegen sind, Ende auf der nach oben offenen Abzockeskala nicht abzusehen, und der als Neubauruine den Steuerzahler jeden Monat so viel kostet, wie das immerhin fertiggestellte Limburger Diözesanzentrum insgesamt – nur um mal die Proportionen ins rechte Licht zu rücken.

Wie gesagt, die Verhältnisse sind schwierig zu durchschauen, und man hat den Eindruck, dass Tebartz auch hier unglücklich agiert hat. Aber in der Kritik bleibt eigentlich nur der Vorwurf hängen, Tebartz habe sich eine Luxuswohnung bauen lassen; solche teuren Bauprojekte gehörten nicht in die Zeit der Austerität. Als ob die Dome des Mittelalters besser in ihre Zeit gepasst hätten! Sie erhoben sich über dem Gestank, der Armut, dem Unwissen und dem Verbrechen der Städte; sie erhoben sich, während ringsum die Menschen an der Pest verreckten; sie erhoben sich inmitten der Kriege und Kreuzzüge, Pogrome und Hexenjagden jener finsteren Zeiten. Sie waren eine monströse Geldverschwendung, teilweise – wie der Petersdom in Rom – finanziert aus dem Ablasshandel, einer Art privater Pflegeversicherung für das Fegefeuer. Und doch bewundern wir in ihnen heute Zeugnisse des Glaubens und der Schönheit, des menschlichen Willens, dem Elend und der Zeitlichkeit zu entkommen. Nun will ich das Limburger Diözesanzentrum nicht mit dem Limburger Dom vergleichen. Und doch ist es ein architektonisches Kleinod (so mancher Protest scheint sich auch an der modernen Ästhetik des Baus zu entzünden), das über den Tag hinaus Bestand haben und für den Schönheitswillen des unglückseligen Bischofs zeugen wird.

Wie heißt es in Lukas 18,9ff:

„Einigen, die von ihrer eigenen Gerechtigkeit überzeugt waren und die anderen verachteten, erzählte Jesus dieses Beispiel:  Zwei Männer gingen zum Tempel hinauf, um zu beten; der eine war ein Pharisäer, der andere ein Zöllner. Der Pharisäer stellte sich hin und sprach leise dieses Gebet: Gott, ich danke dir, dass ich nicht wie die anderen Menschen bin, die Räuber, Betrüger, Ehebrecher oder auch wie dieser Zöllner dort. Ich faste zweimal in der Woche und gebe dem Tempel den zehnten Teil meines ganzen Einkommens. Der Zöllner aber blieb ganz hinten stehen und wagte nicht einmal, seine Augen zum Himmel zu erheben, sondern schlug sich an die Brust und betete: Gott, sei mir Sünder gnädig!  Ich sage euch: Dieser kehrte als Gerechter nach Hause zurück, der andere nicht. Denn wer sich selbst erhöht, wird erniedrigt, wer sich aber selbst erniedrigt, wird erhöht werden.“

Tebartz-van Elst mag es sonderbar finden, sich als den Zöllner in diesem Gleichnis zu betrachten. Zweifellos hat es ihm in der Vergangenheit nicht an Selbstgerechtigkeit gefehlt. Aber viele seiner Gegner, scheint mir, müssten sich im Pharisäer wieder erkennen.

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117 Gedanken zu “Limburg: Der Bischof und die Pharisäer;”

  1. avatar

    Lieber KJN

    was die bullshit jobs betrifft, die Sie hier beschreiben, noch einmal zur Wiederholung David Graeber:

    http://www.strikemag.org/bullshit-jobs/
    http://www.tagesanzeiger.ch/wirtschaft/karriere/BullshitJobs-auf-dem-Vormarsch/story/27727582

    Was das Asperger Syndrom betrifft:

    Hier pragmatische Lösungsansätze:

    ein start-up aus Berlin:

    http://auticon.de/de/

    Und hier der schon ältere Lösungsansatz aus Dänemark:

    http://specialisterne.com/
    http://de.specialisterne.com/

    Und was die neuen Kategorien betrifft, dass es einen Caritas Geschäftsklimasindex gibt weist doch daraufhin, dass die ” Okonomisierung ” dieses Bereichs wie auch die der Kirchen mittlerweile Standard ist!!

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    R.Z zitiert aus FAS: “Asperger-Syndrom”
    Das ist auch so was: Da werden neue Kategorien geschaffen, hinter denen man dann wahre Motivationen verstecken kann – oder genötigt wird, sie dahinter zu verstecken. Nicht jede schüchterne, introvertierte Person, die gerne “was für sich” macht, hat “Asperger”. Das ist mittlerweile wohl eine ganze Industrie, die damit ihren Schnitt macht und damit meine ich jetzt nicht in erster Linie die Pharmaindustrie, sondern eine ganze Sozialindustrie, die neue Ansatzpunkte findet, zu “beraten”, zu “fördern” und zu “organisieren”. Da komme ich doch zwanglos zum totalitären Laizismus

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    Apropos Scheindemokraten.

    ‘Das gesamte korrupte, grünlinke Moralapostel-Milieu ist eine einzige Ansammlung von steinreichen, geldgeilen, etablierten und snobistischen Sozialkritik-Bonzen, die bei Rotwein und Kaviar über den „Raubtierkapitalismus“ wettern, während sie ihre Kinder in schicke Privatschulen schicken. Claudia Roth ist ein Symbol für diese erbärmliche grünlinke Verlogenheit und Selbstgerechtigkeit. Was sagt dies über die gleichförmigen Medien und schwarzgelben Politiker aus, die diese Frau seit Jahrzehnten hofieren und als irgendwie sympathisch und authentisch weichzeichnen?’

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    @ Roland Ziegler:

    Entschuldigen Sie, dass ich nicht geantwortet habe! Ich war ein paar Tage abroad.

    RZ: stattdessen überreichlich von einem krankhaften und inkompetenten Bischof

    Ja. Und das Phänomen passt genau in die allgemeine Tendenz zur Entpolitisierung, die unsere Kanzlerin symbolisiert. Ich sehe gerade erst, dass
    kath.net schon am 15. 10. Alan Posener mit größtem Einverständnis kommentiert und zitiert: In der Kampagne gehe es darum, einen “schwachen Menschen” fertig zu machen.

    Der Witz ist natürlich, dass gerade die entpolitisierte Betrachtung den “schwachen Menschen” als solchen outet und fertig macht: Opfere den Menschen, aber rühre nicht an den Strukturen!

    Es wird über schwächelnde sexuelle Identität oder sonstigen “menschliche Schwächen” spekuliert, um den Fall nicht als einen politischen, nicht als einen Fall von irrregulären oder – was weit schlimmer wäre – sogar regulärem Amtsgebrauch begreifen zu müssen.

    Ich glaube, wir können es dabei belassen, Roland. In gewisser Weise ist das Fall in mustergültiger Weise herauspräpariert. Und die Karawane ist auch schon längst weitergezogen.

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    Zur miesen Berichterstattung der FAS:

    “Zuvor hatte die FAS berichtet, der Bruder habe Vertrauten angeblich gesagt, der Bischof leide unter dem Asperger-Syndrom, einer Form von Autismus.”

    Dazu der Bruder: “Als Bruder des Bischofs von Limburg und als Arzt kann ich aufgrund meiner Fachkenntnis und meiner Kenntnis der Biografie meines Bruders klar erklären, dass er weder an einem Asperger Syndrom noch an einer anderen Variante von Autismus leidet.”

    http://www.huffingtonpost.de/2013/10/21/tebartz-van-elst-autismus-papst-rom-audienz_n_4134170.html

    Was schreiben diese FAS-Journalisten da eigentlich laufend für einen Haufen Schwachsinn?

  6. avatar

    …ich hab mich soeben missverständlich ausgedrückt; es dürfte aber trotzdem klar geworden sein, was ich meinte: nicht die Forderungen sind das Ablenkungsmanöver, sondern der Skandal.

  7. avatar

    @Moritz Berger/EJ: Die Forderungen, die Sie beide erheben, sind ja richtig. Ich fürchte nur, dass sie leider nicht der “Kern des Skandals” sind, sondern im Gegenteil: in diesem Zusammenhang eine Art Ablenkungsmanöver mit einem Sündenbock. Von Kompensationszahlungen u.ä., die auf den Prüfstand gehörten, habe ich (in der FAS) jedenfalls nichts gelesen; stattdessen überreichlich von einem krankhaften und inkompetenten Bischof. Wenn man die Personalie ändert, ist das Problem erledigt – das ist die Botschaft.

  8. avatar

    15.000 Euro im Monat, Mitarbeiter und ein riesiges Büro

    Ein Vizepräsident wird in den schönsten Büros des Parlaments in Berlin untergebracht. Jeder bekommt etwa 100 Quadratmeter Büroraum, verteilt in der Regel auf drei Amtszimmer. Ihm arbeiten zwei Sekretärinnen und ein persönlicher Referent zu. Sein Gehalt beträgt eineinhalb Diäten – macht rund 12.375 Euro. Hinzu kommt auch eine steuerfreie Kostenpauschale von 4000 Euro, von der jedoch 1000 Euro für den Dienstwagen einbehalten werden.

    … Scheindemokraten – eben …

  9. avatar

    APO: ‘Ich glaube, es ist uns allen klar, dass die Empörung über TvE nicht den Einzelheiten seines Lebenswandels oder der Frage seiner Verantworutng für einen alles in allem gar nicht so teuren Bau gilt. Da macht sich etwas anderes Luft.’

    … nö! … wissen Sie mehr? … was und wer ‘stecken’ dahinter? … sein Sie ‘investigativ’!

  10. avatar

    Lieber Herr Posener.

    “Da macht sich etwas anderes Luft.”

    Die Luft heißt ganz einfach Forderung nach Transparenz.

    Wenn Sie die Kommentare des bekannten Bloggers aus Bayern (kein Rechtsanwalt sondern ein einfacher Bürger aus Bayern, noch Mitglied der katholischen Kirche) zur Kenntnis genommen hätten, dann brauchten Sie nicht das neoliberale Argument von Mißgunst (oder auch Neid) als Totschlagargument auf den Tisch zu packen, sondern hätten schon früh ddas Wort ” Luft ” in die Forderung nach Transparenz umgewandelt.

    Hier zur Erinnerung die Aussagen des bekannten Bloggers:

    “@ Roland Ziegler: wenn der Staat Zuwendungen über die Jahrzehnte in Milliardenhöhe zahlt (anscheinend aus rechtlichen Gründen)

    Sie meinen die vertraglich zugesicherten Kompensationszahlungen für die Säkularisierung/ Enteignung diversen Kircheneigentums – vor mehr als 200 Jahren, nebenbei. Diese Einnahmen würde ich unter kirchen-eigenes Geld rechnen. Ebenso die Kirchensteuern.

    was die Kirche mit ihren Geldern anfängt, muss ihr Bier sein

    Nein. Nicht sofern die Kirche über die oben umschriebenen Leistungen hinaus weitere öffentliche Gelder beansprucht und erhält. Diese weiteren Zuwendungen fordern und legitimieren die Frage: Du willst ständig Geld von uns – was machst du eigentlich mit deiner eigenen Kohle? (Bekanntlich muss jeder Hartz-IVer, jeder BAföG-Empfänger usw. usf. diese Frage unter Androhung von Strafe wahrheitsgemäß beantworten.)

    Dass und wie Tebartz-van Elst diese im Raume stehende Frage beantwortet hat – neben dem moralischen Selbstwiderspruch des Kirchenvertreters ist das der Kern des gegenwärtigen Skandals.”

    Und auch hier:

    Maria Flachsbarth vor einigen Minuten für die CDU/CSU-Fraktion im Bundestag:
    Mehr Transparenz in den Finanzstrukturen der Kirchen nötig. Und sie bezieht sich dabei nicht auf die zugewiesene Staatsknete, sondern ausdrücklich auf das kirchen-eigene(!) Geld.

    Wie gesagt. Und sogar die Union.”

    Ich nwürde auch die kontinuierliche Kompensationszahlem im Rahmen der Säkularisierung transparent machen. Wir hatten dies, in einen anderen Blogartikel, schon früher diskutiert:

    Nur zur Erinnerung:

    O-Ton
    Günther Oettinger:
    (Bürgermeister)
    „Ja, hier haben wir die Ablichtung einer Urkunde aus dem Jahre 1853, das
    sogenannte Kornreichnis, wo wir der katholischen Kirchenstiftung jedes Jahr den
    Gegenwert von 18,5 Hektarliter Roggen überweisen, ca. 130 Euro pro Jahr.

    Kommentar:
    Nach 200 Jahren sei es doch mal an der Zeit, sich wenigstens vom läppischen Kornreichnis freizukaufen, dachte der Bürgermeister. Doch beim Geld kennt die Kirche keine Gnade: Sie forderte als Abfindung für die nächsten 100 Jahre: 32.000 €.
    Grossheubach ist überall. Auch im bayerischen Eichstätt. Viel Pomp, als der neue Bischof Walter Mixa geweiht wird. Alles auf Staatskosten, versteht sich.

    Denn der Eichstätter Hirte und seine sechs bayerischen Amtskollegen beziehen
    ihr komplettes Gehalt vom Steuerzahler. Und das Amtsgefolge auch. So zahlt Bayern in
    diesem Jahr für die Gehälter seiner sieben Bischöfe und Erzbischöfe 655.000,- € , Zulagen für 12 Weihbischöfe 99.000,- €, Gehälter für 14 Dignitäre 737.000,- €, für 60 Kanoniker 3.914.000,- €, für 42 Domvikare usw.
    Endlos die staatlich finanzierte Lohnliste des Kirchenpersonals.
    Selbst Weihrauch wird vom Staat bezahlt.
    Insgesamt kassieren die beiden großen Kirchen in Bayern in diesem Jahr vom Staat aufgrund alter Rechtstitel 85.932.000 €.

    Da stellen sich natürlich Fragen. Doch politisch Verantwortliche, Minister oder
    Staatssekretäre, standen für ein Interview nicht zur Verfügung.
    Der einzige, der sich für zuständig erklärte und der nicht krank war oder aus
    Termingründen leider verhindert, ein Beamter. Und der stellt ganz nüchtern fest,
    dass das, was er da treibt, eigentlich verfassungswidrig ist.

    O-Ton
    Interviewer:
    „Wie lange sollen die Zahlungen an die Kirche noch weiterlaufen. 100 Jahre, 200 Jahre,
    1000 Jahre?

    O-Ton
    Josef Erhart:
    (Ministerialdirektor, bayr. Kultusministerium)
    „Im Grundgesetz ist ein Artikel, in dem drinsteht, dass der Bund die Grundlagen für die
    Ablösung dieser alten Verpflichtungen festlegen muss. Der Bund hat diese Festlegungen bis heute noch nicht getroffen, so dass wir Schwierigkeiten sehen darin, einfach zu sagen, wir stellen diese Zahlungen ein.

    O-Ton
    Norbert Kleyboldt:
    (Generalvikar Bistum Münster)
    „Ich kann nur sagen, hier gibt es Rechtstitel, und diese Rechtstitel gibt man nicht einfach auf, wenn der Staat oder wenn die Kirche der Meinung sind, sie seien obsolet, da muss man darüber reden, dass man fair miteinander redet, zu fairen Regelungen kommt, ist klar, aber ich sehe da überhaupt kein Unrechtsbewusstsein.“

    O-Ton
    Interviewer:
    Ist die Kirche ein hartnäckiger Verhandlungspartner?

    O-Ton
    Josef Erhart:
    (Ministerialdirektor, bayr. Kultusministerium)
    „Die Kirche hat jedenfalls 2000 Jahre Erfahrung in solchen Sachen.“

    Kommentar:
    Und so kassieren die Kirchen in diesem Jahr bundesweit fast 500 Mio Euro vom Staat für alte und uralte Rechtstitel. Manche reichen 500 Jahre zurück, die meisten bis 1803,
    dem Datum der Säkularisation unter Napoleon.
    200 Jahre lang gingen seitdem Staatsformen und Herrscher unter, neue stiegen auf, was stets blieb, waren die Pfründe der Kirche.
    Auch beim Neubeginn der Bundesrepublik. Der erzkatholische Kanzler Adenauer ließ alte Rechte der Kirche neu festschreiben.

    O-Ton
    Carsten Frerk:
    (Politikwissenschaftler)
    „Und es ist für mich ein Unding, dass zusätzlich zu diesen älteren Rechtstiteln, die nach
    der Verfassung abgelöst werden sollen, in der Nachkriegsgeschichte immer mehr Zahlungsverpflichtungen vom Staat eingegangen worden sind, die die Kirche gefordert hat und bekommen hat.“

    http://www.miprox.de/Sonstiges/Milliardensegen_fuer_die_Kirchen.html

    Wenn wir das nächste Mal über Nachhaltigkeit sprechen, sollten wir vielleicht die katholische Kirche als best practise Beispiel nennen 🙂

  11. avatar

    Lieber Herr Posener,

    http://www.welt.de/kultur/article121036225/Ich-bin-Bischof-Herr-hol-mich-hier-raus.html

    Was dem einen sein Porsche, ist dem anderen sein Krummstab

    “Poschardt ist ein Gesamtkunstwerk. Er ist so cool, dass man ihn auf lauen Sommerpartys am liebsten zu den Bieren in die Wanne setzen würde.”

    http://www.spiegelfechter.com/wordpress/520/ulfs-welt

    Wenn solche Artikel in der Welt erscheinen brauchen wir uns nicht zu wundern, warum man nicht bereit ist für den content zu zahlen.

    Da ziehe ich doch Ihre Artikel vor!!!

  12. avatar

    Ich glaube, es ist uns allen klar, dass die Empörung über TvE nicht den Einzelheiten seines Lebenswandels oder der Frage seiner Verantworutng für einen alles in allem gar nicht so teuren Bau gilt. Da macht sich etwas anderes Luft.

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