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Syrien muss geteilt werden

Als Jugoslawien nach dem Zusammenbruch der kommunistischen Diktatur implodierte und sich Serben, Kroaten, Albaner, Christen und Muslime an die Gurgel gingen, war die Lösung relativ schnell gefunden: Der künstliche Staat wurde in seine Bestandteile zerlegt, jedes Völkchen bekam seinen Mini-Staat. Lediglich Bosnien wurde als multi-ethnisches, multi-religiöses Feigenblatt beibehalten. Heute sind all diese ethnisch weitgehend homogenisierten Zwergstaaten halbwegs funktionierende Demokratien oder doch wenigstens keine failed states.

Slowenien und Kroatien sind bereits Mitglieder der Europäischen Union, die anderen werden früher oder später folgen. Lediglich das multiethnische Bosnien funktioniert bis heute nicht als Staat und wird faktisch vom Hohen Repräsentanten der EU als Protektorat regiert.

Dabei war Jugoslawien im Vergleich zu Syrien ein ganz gut funktionierendes föderales Gebilde. Syrien hingegen ist ein von den britischen und französischen Regierungen aus der Konkursmasse des Osmanischen Reichs zusammengeschustertes Gebilde, das nie als Nation – geschweige denn als Demokratie – funktioniert hat. Im Wesentlichen besteht es aus drei großen Bevölkerungsblöcken: den arabischen Sunniten; den – ebenfalls sunnitischen – Kurden; und den – ebenfalls arabischen – Alawiten.

Ob diese Gruppen anders als durch eine Diktatur zusammenzuhalten gewesen wären, ob eine aufgeklärt-laizistische Föderation jemals eine realistische Option gewesen wäre, ist  nun eine hypothetische Frage. Die Baath-Partei und die Assads regierten dank der Unterstützung Moskaus Syrien mit eiserner Hand, so wie Saddam Hussein den Irak regierte. Nun implodiert das Land, so wie der Irak zu implodieren drohte, als die USA Saddam stürzten.

Die Tatsache, dass sich alle drei Bevölkerungsgruppen in Syrien hassen, obwohl es die beschriebenen ethnischen und religiösen Überschneidungen gibt, von Sprache und Kultur ganz zu schweigen, sollte niemanden verwundern, der sich an die Dynamik der Jugoslawien-Kriege erinnert. Es kann sein, dass der gegenwärtige Bürgerkrieg als Bürgerrechtsbewegung der unterdrückten sunnitischen Mehrheit begann und dass es – wenn Assad nicht vom Iran, von Russland und von China unterstützt worden wäre – in Syrien zu einer Entwicklung wie im Irak hätte kommen können, wo seit der gewaltsamen Pazifierung des Landes durch US-Truppen unter General David Petraeus arabische Schiiten und Sunniten und kurdische Sunniten in einer unruhigen und konfliktreichen, halbwegs demokratischen Föderation zusammen leben.

Doch ist auch im Irak das letzte Wort nicht gesprochen: Der Iran versucht,  mit Hilfe der schiitischen Mehrheit den Irak faktisch in einen Satellitenstaat zu verwandeln; die Kurden haben den Traum eines eigenen Staates nicht aufgegeben, den sie bestimmt zu verwirklichen suchen würden, wenn der schiitisch-iranische Druck zu groß werden sollte; und bis heute versuchen radikale sunnitische Gruppen und Berufs-Dschihadisten aus aller Welt, einen Bürgerkrieg zu entfachen.

Und in Syrien ist der Zug für eine föderale Lösung längst abgefahren. Was als Protestbewegung begann und vor allem durch die Brutalität des Assad-Regimes zu einem blutigen Bürgerkrieg gemacht wurde, ist inzwischen zum Kampf um die Bildung eines arabisch-sunnitschen, eines kurdischen und eines alawitischen Staates ausgeartet. Man mag das bedauern, aber man sollte nicht versuchen, diese Entwicklung aufzuhalten. Das wäre nur möglich durch eine massive Intervention und Besatzung nach dem Modell des Irak. Das aber wäre weder durch die UN zu legitimieren, weil Russland und China einen entsprechenden Vorstoß im Sicherheitsrat mit ihrem Veto blockieren würden; noch hat die Administration Barack Obamas die Absicht, amerikanische Leben – und Milliarden Dollar – zu opfern, um Syrien zusammenzuhalten. Zynisch könnte man sagen: Syrien hat ja auch kein Öl. (Und Amerika produziert inzwischen so viel aus dem Fracking eigener Ölschiefervorkommen, dass es bald das Zeug exportieren kann und weder die Ölfelder des Irak noch jene des Iran braucht.)

Offensichtlich hat sich die US-Regierung insgeheim bereits mit der Teilung Syriens abgefunden. Auf einer Pressekonferenz am 18. Juli sagte Obamas Sprecher Jay Carney: „The fact is Bashar al-Assad will never again rule Syria in the way that he did before“. Sicher. Aber er könnte zum Beispiel einen alawitischen Teilstaat im Westen regieren, von Latakia im Norden bis Damaskus im Süden. Den Sunniten bliebe der mittlere Teil entlang dem Euphrat, von Aleppo bis zur irakischen Grenze. Und die Kurden regieren jetzt schon de facto den Nordosten entlang der türkischen Grenze.

Angeblich hat Assad bereits den israelischen Außenminister Avigdor Liebermann kontaktiert, um dessen Unterstützung für die Errichtung eines alawitischen Staates zu gewinnen; insbesondere will Assad Land auf den von Israel besetzten Golanhöhen bekommen, um die aus dem Rest des Landes vertriebenen Alawiten anzusiedeln.

Aber auch die Sunniten machen Israel Angebote. Würde Israel die „Unterstützung Assads einstellen“, so ein Vertreter der Rebellengruppe „Free Syrian Army“ im Interview mit der Web-Zeitung „Israel Hayom“ schon im März 2012, würde nicht nur Assad fallen und der jüdische Staat seinen Feinden Hisbollah und Iran einen Schlag versetzen: „Das syrische Volk würde das nie vergessen“ und Frieden mit Israel schließen.

Nun  ja. Auf Dankbarkeit sollten Staaten ohnehin nicht setzen, der jüdische Staat schon gar nicht. Weder für den Rückzug aus dem Südlibanon noch für den Rückzug aus Gaza hat Israel je etwas anderes geerntet als Raketenangriffe von Hamas und Hisbollah. Und niemand kann den Israelis garantieren, dass Syrien nach Assad nicht von radikal-islamischen Gruppen beherrscht würde, die mit einer Frontstellung gegen Israel von ihren eigenen Problemen abzulenken versuchen könnten. Andererseits bliebe auch Assad, wenn er Herrscher eines Mini-Staats in Westsyrien würde, weiterhin – ja erst recht – vom Iran und von der Hisbollah abhängig.

Ein kurdischer Staat im Nordosten Syriens wiederum könnte versucht sein, sich als Kern eines künftigen Groß-Kurdistan zu verstehen und die Türkei und den Irak destabilisieren.

Und doch scheint die Teilung des Landes die einzige Möglichkeit zu sein, den Bürgerkrieg zu beenden, dem jetzt schon weit über 100.000 Menschen zum Opfer gefallen sind. Es ist kaum einzusehen, weshalb die Weltgemeinschaft die Teilung des Sudan begrüßt, mit dem der dortige Bürgerkrieg beendet wurde, aber Syrien unbedingt intakt halten will, obwohl ein Sieg der Sunniten mit an Sicherheit grenzender Wahrscheinlichkeit mit einem Pogrom gegen die Alawiten (und die Christen) und möglicherweise mit einem Krieg gegen die kurdischen Autonomiegebiete einhergehen würde.

Die Zerstückelung von Ländern entlang ethnisch-religiöser Bruchlinien, einst das Mittel der Wahl zur Bereinigung solcher Konflikte – man denke an den „Bevölkerungstransfer“ zwischen der Türkei und Griechenland oder zwischen  Indien und Pakistan, oder an die Vertreibung der Deutschen aus den künftig polnischen und tschechoslowakischen Gebieten nach 1945 – ist eine unangenehme Angelegenheit und widerspricht unseren heutigen multikulturellen Vorstellungen. Aber multiethnische und multikulturelle Gebilde funktionieren in der Regel nur im Rahmen liberaler Imperien, wie es die Imperien Großbritanniens, der Osmanen oder der Habsburger waren; oder wie es die EU heute ist, wo die Konflikte zwischen Katholiken und Protestanten in Nordirland, Flamen und Wallonen in Belgien, Deutschstämmigen und Italienern in Südtirol – und bald auch Serben und Albanern im Norden Kosovos – zunehmend irrelevant erscheinen. Im ganzen Nahen Osten gibt es nur eine bedeutende Minderheit, die nicht um Leib und Leben, Recht und Eigentum fürchten muss, und das sind die israelischen Araber, die zur Minderheit im israelischen Staat wurden, nachdem sie den Teilungsplan der UN ablehnten, der ihnen nicht nur die Westbank, sondern auch das heutige Galiläa gegeben hätte. Das ist ein Grund, weshalb mehr und mehr Bewohner des projektierten Staates Palästina sich fragen, ob nicht ein binationaler Staat Israel-Palästina für sie besser wäre. Freilich denken nur wenige Israelis, dass es ihnen in einem solchen Staat lange gut gehen würde. Und sie können auf das Schicksal aller Minderheiten in allen anderen Staaten der Region verweise, zuletzt der zehn Millionen Kopten in Ägypten.

Nein, der Trend im Nahen Osten geht, ob man das mag oder nicht, in Richtung Revidierung der von den Kolonialmächten 1918ff gezogenen Grenzen und der Etablierung von ethnisch-kulturell homogenen Nationalstaaten.

Mag sein, dass in einer ferneren Vergangenheit irgendein quasi-imperiales Gebilde – eine mit der EU assoziierte, von der Türkei geführte „Mittelmeerunion“ etwa – der Region einen ähnlichen Frieden bringt, wie ihn die EU dem Balkan gebracht hat. Aber das ist Zukunftsmusik. Und die gegenwärtigen Aufgaben beginnen mit der Teilung Syriens: immerhin ein Projekt, auf das sich angesichts des Patts im Bürgerkrieg alle interessierten Player – vom Iran über Russland und der Türkei bis hin zu den USA, Israel und der EU – einigen könnten. Je schneller dieser Vorschlag auf den Tisch kommt, desto besser. Mauern zwischen Menschen sind nicht schön. Aber, wie John F. Kennedy am 13. August 1961 sagte: „A wall is better than a war“.

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101 Gedanken zu “Syrien muss geteilt werden;”

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    Korr.
    Lyoner; 4. August 2013 um 09:01

    … werter Lyoner, Sie wissen das Ihr Vergleich Quark ist, dass ich hier oft genug für ein freies Deutschland geschrieben habe auch. … und die Wahl der Waffen – behalte ich mir vor. Wäre ja noch schöner.

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    Lyoner; 4. August 2013 um 09:01

    … werter Lyoner, Sie wissen das Ihr Vergleich Quark ist, auch dass ich hier oft genug für ein freies Deutschland geschrieben habe auch. … und die Wahl der Waffen – behalte ich mir vor. Wäre ja noch schöner.

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    @ Alan Posener

    Wächter mag ein Bedeutungselement sein, Gatekeeper ist jedoch reicher an Gehalt; ich habe mal bei Leo.org nachgeschaut, da ist gatekeeper Bahnwärter, Informationsregulator, Pförtner, Türhüter, Schrankenwärter aufgeführt; dies mögen Euphemismen sein, aber man sollte sie sich zum Shin Bet in den „disputed territories“ dazudenken.

    @ Parisien

    Das, was Sie jetzt durchmachen, sind Fragen der Loyalität, wie stark man einem Menschen oder einem System verpflichtet ist, wieweit man sein Urteil anpassen muss. Hier werden auch, wie Sie sicher merken, Schuldgefühle (Schuldkonten) manipuliert. Wenn ich es mir überlege, war einer der entscheidenden Beweggründe meines Lebens, kein sacrificium intellectus für irgendwen und irgendwas, sei es ein Vater, sei es eine Kirche, sei es Israel, zu begehen; eher bin ich davongelaufen. Ich mag zwar vieles nicht bzw. nur unzureichend verstanden haben, aber etwas „richtig“ zu „verstehen“, wie es, sagen wir mal, Kommissare oder Gehirnwäscher, wollen, das war nicht mein Ding, da war meine Widerständigkeit dagegen. Die harte Bewährung ist mir erspart geblieben; ob ich der Prüfung „friß oder stirb“ widerstanden hätte, weiß ich nicht.

    Den Film können Sie immer noch nicht gesehen haben, sonst hätten Sie nicht einen Satz wie diesen „Sie müssen verstehen, dass das kleine Land sehr realistisch ist. Sie können zwar ein puppet aus Tzipi machen, aber ein misstrauischer Bibi wird sich mehr auf sich verlassen und auf die “Wächter”.“ verzapft. Ich habe extra für Sie nochmals nach dem Film geforscht, er ist ja weitgehend aus dem Verkehr gezogen, aber ich habe ihn doch noch – Potztausend! wo? – ausgerechnet auf den Seiten des Jewish Daily Forward gefunden: http://video.forward.com/video.....zuerst-Der. Schauen Sie ihn an, bevor irgendwelche „Wächter“ ihn auch hier aus dem Verkehr ziehen – mich würde interessieren, warum, die Doku ist doch mit das beste, was in dem Geschrei der öffentlichen Diskussion in den letzten Jahren produziert wurde; vielleicht weiß das Alan Posener.

    Der Kampf gegen den Terrorismus – nach Ansicht der Chefs des Shin Bet ein Alibi für eine fehlende Palästinenser-Politik, die für die meisten israelischen Politiker von Ben-Gurion, Golda Meir, Begin, Barak etc. ein Skotom, ein blinder Fleck war. Wenn einer der Chefs sagt, er könne jeden Satz der Warnungen eines Jeshayahu Leibowitz anno 1968 unterschreiben, der geschrieben hatte, dass eine Besatzungspolitik, eine Politik der jüdischen Faust Israel moralisch korrumpiert, dem kann man hinzufügen, dass dies für die Besetzten moralisch noch verheerender ist, wenn sie bis in ihre Familien hinein gespalten werden, Verräter, Quislinge, Kollaborateure rekrutiert werden, niemand weiß, wie er aus den Verhören des Shin Bet herauskommt. Alle Chefs stimmen überein „Israel wird alle Schlachten gewinnen, aber den Krieg verlieren.“

    Logo, lieber blonderhans, wenn einer kommt, um Sie zu töten, töte zuerst. Und jetzt stellen Sie sich mal vor, da würden welche mit der Waffe in der Hand zu Ihnen kommen, Ihnen eine uralte Besitzurkunde vor die Nase halten, die ein oller Gott unterzeichnet hat, würden sich in Ihrem mecklenburgischen Grundstück einnisten, Ihnen sagen, dass Sie illegitim hier wohnen, Ihnen das Wasser rationieren, aber selbst duschen, Sie kontrollieren, wenn Sie von einem Zimmer in das andere wechseln, Sie für einen Terroristen halten (zurecht, denn jetzt würde es gewaltig in Ihnen brodeln und Sie sinnen Tag für Tag darüber, wie Sie diese „Gäste“ loswerden oder ihnen wenigstens das Leben versauern können), das eine oder andere Kind einsperren und sicherheitsbehandeln, ihnen einbleuen, dass sie nicht böse schauen dürfen, schon gar nicht Steine werfen, zur Warnung dem einen oder anderen die Knochen brechen – also die hätten allen Grund, Sie zu töten, bevor Sie es können. Oder würden Sie sich in Ihr Schicksal fügen? Inschallah!!! Bismallah IrRahman IrRahim!!

    Wenn ich Sie oder Parisien lese, weiß ich, dass der Mensch nicht primär das rationale Tier, sondern das rationalisierende Tier ist.

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    @ Lyoner

    Das Leichteste, wenn es heiß ist, ist eigentlich Internet. Ich habe in letzter Zeit gelegentlich über Ihre Einstellung zu Israel nachgedacht. Nicht erstaunlich. Ich postuliere, dass ich eine ähnliche Beziehung zu den Vereinigten Staaten habe, nah, kenntnisreich, verbunden.
    Ich glaube, solche Filme wie „The Gatekeepers“ oder Autoren wie David Grossman machen es Ihnen leichter, Israel kritisch zu betrachten.
    Ich brauchte im momentanen Schockzustand, dass die USA sich als Wächter, sprich Überwacher aller ihrer Bürger aufspielen und damit auch jedes Einzelnen von uns, der Kontakte in die USA hat, zum Glück keine Filme, die wohl noch kommen werden. Zum Glück arbeiten der Kongress und der Senat an diesen Fragestellungen, und vielleicht ändert sich etwas.
    Sie können doch eigentlich in Israel auch davon ausgehen, dass zum Teil heftig diskutiert wird. Die israelische Politik der letzten Dekaden ist auch oft eine Notlösung. Leider haben die Christen im Nahen Osten keine Wächter.
    Sie gelten nichts im Islam als Jude oder Christ, dieses Faktum und die zugehörige Indoktrination scheinen Sie zu übersehen. Es ist links bzw. mainstream, diese lebensgefährliche Tatsache nicht zu beachten.
    Israel und die USA, die oft in einen Pott geschmissen werden, sind zwei Paar Stiefel. Das eine ist ein kleines, durch extremen, in einem Buch verankerten, Rassismus gefährdetes Land, das andere ist eine Weltmacht, die keine Außenpoltik mehr kann, jedenfalls nicht wirklich. Eine Weltmacht mit einem Präsidenten, der nach Amtsantritt in Kairo predigt, wie lieb, gut und klug doch alle seien, der immer wieder auffällt mit Lücken in geographisch-historischen Kenntnissen, und der mit Putin so eine Art Spaziergang machen wollte. Eine Weltmacht, deren Außenpolitik niemand mehr traut, die selbst die eigene Bevölkerung erschüttert (Benghazi), leider nur die Minderheit der dort noch Denkenden ohne Obamaphones (Geschenk, um wiedergewählt zu werden). Sie müssen verstehen, dass das kleine Land sehr realistisch ist. Sie können zwar ein puppet aus Tzipi machen, aber ein misstrauischer Bibi wird sich mehr auf sich verlassen und auf die „Wächter“. Sie betrachten das Land daher m.E. falsch. So ein Land kann man nicht mit anderen Ländern über einen Kamm scheren. Am Schicksal der Bahai in Iran und der Kopten in Ägypten können Sie letztlich ablesen, wie es den Juden in Israel ginge, wären sie nicht aufmerksam.

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    @ Parisien

    Ich will es kurz machen bei dieser Sahara Hitze. Hamas ist ja immer ein sehr wohlfeiles Argument; da heißt es dann z.B. gegenüber der PA, wir können mit Euch erst verhandeln, wenn Ihr mit der Hamas gebrochen habt, andererseits: wen vertretet Ihr ohne die Hamas. Klassisches Double-Bind. Und die Palis haben wieder eine Chance vermasselt. Schauen Sie doch mal das Video an, in dem der WELT-Experte Michael Stürmer Gaza erklärt (http://www.welt.de/videos/vide.....-Gaza.html); die Hamas verdankt sich einer israelischen „Organisationshilfe“, um sie gegen die Fatah auszuspielen. Zauberlehrlinge? Inzwischen scheint mir die Hamas die beste Ausrede zu sein.

    @ Alan Posener

    Ich stimme Ihnen zu. Gatekeeper ist ein gutes bezeichnendes Wort (die Übersetzung in Türsteher wäre mir nicht genügend). „Töte zuerst“ – die Herrschafte, die die deutschen Titel fabrizieren, haben schon einiges verbrochen. Falls hier ein versteckt antiisraelischer Affekt verhanden ist (nicht auszuschließen), durch meine strenge Denkschule sind sie nicht gegangen.

    Ich würde es sehr begrüßen, wenn die Denkschule der Gatekeepers sich in Israel durchsetzen würde.

    @KJN

    Sie haben den § 1a, ich den §1b formuliert. Was denken Sie über den neuen Paragraphen „Die blutige Ideologie der Differenz“?

    @ Stevanovic

    Viele Köche verderben den Brei. Die Gemengelage ist mir reichlich unübersichtlich. Ich bin auch kein Peter Scholl-Latour. Ich denke jedoch, dass die Kantonisierung sub specie Israel besser ist als eine panarabische Ambition, womit ich nicht sagen will, dass sie die Drahtzieher oder Marionettenspieler sind.

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    @Stevanovic

    Nach welchen Kriterien Sie und Alan Posener die Teilung vollziehen wollen…
    ohne dass es zu weiteren Konflikten kommt…

    siehe die Erdgasvorkommen…..

    Soviel zu Ihren stabilen Lösungsansätzen, da wahrscheinlich doch wieder Konzepte à la Harvard benötigen… (siehe auch Ägypten und Israel (Sinai)

    Und wo bin ich USA fixiert???

    Wegen Harvard 🙂

    Mir ging es lerdi´glich mit meiner Kritik an Ihren und den Vorschlägen von von Alan Posener darum zu hinterfragen:

    Wie kann man solche Konflikte verhindern.

    Wenn Sie es als Axiom annehmen, so etwas wäre nie zu verhindern, dann würden wir z,B, in Europa nicht die EU haben (ob mit Euro oder ihne lasse ich einmal au0en vorweg)

    Dieser europäische Einigungsprozess ist weltweit einmalig.
    Und wenn Sie sich z.B.den Bürgerkrieg in Ruansa anschauen, da hätte es sicherlich auch ein Teilungskonzept gegeben.

    Etwas ähnliche gilt auch für Südafrika.

    Klar nichts ist vergleichbar…

    Dennoch dies sind de facto alternative Lösungsansätze

    Und was Aristoteles betrifft:

    Ein Versuch wäre es sicherlich wert gewesen !!

    Auch nach Ihrer ROI Kalkulation!!

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    Stev.: ‚Was sind die Interessen Quatars?‘

    … falsche Frage, was ist nicht im Interesse Quatars und ‚Freunde‘? … wohl in erster Linie wirtschaftliche Konkurrenz. Wie immer.

    Pipelineistan-Krieg. Daher.

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    @ Lyoner bzw. Posener

    Der Film mag gut sein, die Frage ist, ob er nützlich ist. Der Macher des Films, Dror Moreh, sagt hier:

    „L’idée de ce film m’est venue lors du tournage de mon précédent documentaire, Sharon. En discutant avec le cercle des conseillers du Premier ministre, j’ai appris que les critiques émanant de certains de ces Gatekeepers avaient beaucoup influencé Sharon dans sa décision d’évacuer Gaza.“
    Die Idee sei ihm während des vorigen Drehs, „Sharon“, gekommen. Er habe während Diskussionen mit Beratern des PM gelernt, das bestimmte Akteure aus dem Kreis der Gatekeeper Sharon beeinflusst hätten, den Gazastreifen zu verlassen.
    Nun gibt es ein Vor-Gaza+israelische Präsenz, und ein Nach-Gaza ohne israelische Präsenz. Und der Verlauf dort dürfte den entscheidenden Unterschied ausmachen. Es war quasi ein Experiment. Man kann weder sagen, dass es gut ausging für Israel, noch behaupten, dass die Fatah davon profitiert hätte. Und für die in Gaza Wohnhaften ging es noch schlechter aus.
    Niemand würde sagen, dass palästinensische Frauen oder Kinder dafür verantwortlich sind. Aber männliche Jugendliche und ihre Indoktrination sind schon ein Problem. Außerdem die Tatsache, dass Gaza von Iran bewaffnet wird.
    http://www.arte.tv/fr/dror-mor.....09064.html

    Daher stellt sich für mich die Frage, ob Vergangenheitsbewältigung Einzelner, wie man sie auch in dem ausgezeichneten Thriller „Limassol“ findet, aussagekräftig ist. Wäre Hamas nicht, wäre es wohl einfacher.

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    „Seit Aristoteles erörtert die Rechtsphilosophie das Problem des Tyrannenmordes unter diesem Titel.“

    Das Problem ist nicht die Person Assad.Es geht um gesellschaftlichen Architektur und viele Parteien, innerhalb und ausserhalb Syriens, die sie so nicht wollen. Von der Türkei bis zum Iran.

    Die USA sind ein wichtiger Mitspieler, aber nicht der Motor. Was sie nicht unschuldig macht oder von Mittäterschaft freispricht. Die Lösung liegt aber nicht in Washington. Da sind sie zu USA fixiert.

    Auf das hohe Roß der Demokratisierung bin ich nie gestiegen. Die Ausgangsfrage war, wie sich der Krieg beenden und eine stabile Lösung finden lässt.

    Teilung. Andere Vorschläge?

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    @ Berger

    Bei dem Link ging es um die Themen, die angeführt werden. Die Bewertung der Staatspostile ist nicht spannend.

    Es gibt viele Machtzentren ausserhalb des Westens und alle haben ihre eigene Agenda. Und betreiben ihre eigene Politik.

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    @Stevanovic

    „Sie drücken sich vor der Antwort: Wie wäre dieser Krieg zu verhindern gewesen?“

    eine Lösung:

    Seit Aristoteles erörtert die Rechtsphilosophie das Problem des Tyrannenmordes unter diesem Titel.

    Sie erwähnten doch den CIA !!

    Und meine Gegenfrage:

    Wie wäre dieser Krieg zu verhindern gewesen?“

    Ganz nebenbei:

    Vor dem Ausbruch des Bürgerkriegs in Syrien hat such das Land zu einem attraktiven Standort für Künstler entwickelt.

    Ich persönlich kenne mehrere Maler und Bildhauer die in Damaskus,Homs, Aleppo, etc. sich niedergelassen hatten, bzw. kurz davor waren dorthin umzuziehen.

    Ein “ liberaler Islam “ (bedingt durch die Alawiten) Weltoffenheit und nicht zuletzt ein sehr günstiges Lebensniveau für Westler war wahrscheinlich die Ursache für diese Entwicklung.

    Hat der “ westliche Einfluß “ zu den ersten Initialzündungen mit beigetragen (noch vor dem arabischen Frühling) ??

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    @ Lyoner: „The Gatekeepers“ ist ein großartiger Dokumentarfilm. Typisch, dass er in Deutschland den Titel verpasst bekam, „Töte zuerst!“, obwohl alle ehemaligen Geheimdienstchefs genau das Gegenteil empfehlen.

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    @Berger

    Einen habe ich noch: http://www.faz.net/aktuell/feu.....14314.html

    Das dürfte in ihre Richtung gehen.

    Wenn man diesen Bürgerkrieg als demokratische Revolution sieht, dann hat der Autor und sie recht. Dann macht das alles gar keinen Sinn.

    Wenn man den Krieg als Zerschlagung der schiitischen Achse sieht, geht der Artikel am Thema vorbei.

    „Ich sehe ab von der maßlos schäbigen Politik Saudi-Arabiens, Qatars und der Türkei.“ Schade. Warum wollen die Syrien filetieren? Die Antwort würde uns dem Problem näher bringen als Kantzitate. An der Stelle, an der es spannend wird, hört der Autor auf. Sie übrigens auch.

    Amerikanische Interessen wie Öl und Gas oder die Interessen Israels, erklären diesen Krieg nicht im Geringsten.

    Also: Warum finanziert Quatar Söldner?

    Havard Konzept: konzentrieren Sie sich auf die Interessen der Beteiligten und nicht auf ihre Positionen.

    Was sind die Interessen Quatars?

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    @Stevanovic

    „Hier bekommt man eine Ahnung, was wirklich ist:“

    http://dtj-online.de/news/deta.....offen.html

    Ich weiß nicht in welchem Blatt Sie herumblättern:

    Was zum Beispiel die Berichterstattung über Taksim betrifft,

    http://dtj-online.de/news/deta.....teste.html
    entspricht diese deutsch-türkische Postille eindeutig dem Standard in der Türkei:

    Am besten verschweigen.

    Aufschlußreich ist dieser Artikel

    „Die potenzielle Energie der Generation Y scheint mit der Zeit in kinetische umgewandelt zu werden. Es ist ein physikalisches Gesetz. Bestehendes hat immer das Potenzial, sich zu bewegen. So verwandelt sich die potenzielle Energie des Wassers auf einem ruhigen See in die kinetische, wenn es einen geeigneten Kanal findet. Die kinetische Energie wird dann in elektrische umgeleitet. Aus diesem Grund werden die Wassermengen in Talsperren über die Turbinen freigegeben.

    1 – Allerdings bricht der Damm, wenn die potenzielle Energie der Ablassmenge sich unkontrolliert entfaltet.
    2 – Dieses unkontrolliert freigelassene Wasser verursacht ein Hochwasser
    3 – Wenn Sie vor Wassermassen mit einer hohen Durchflussrate stehen, werden Sie mitgerissen. Ich liebe die Metapher der Energie, die durch den Wandel von potenzieller in kinetische Energie einen Nutzen erzeugt. Es bedarf keiner weitere Erklärung, schätze ich.“

    Eine weitere Erklärung bedarf es tatsächlich nicht mehr!!

    Dasd die Türkei von ausländischen Investitionen abhängig ist (und somit auch von Investitionen aus dem Golfraum) ist bekannt.

    Kapital wird immer von Profiten angezogen

    Und vielleicht schauen Sie hier einmal hinein was Saudi-Arabien und die Türkei betrifft:

    http://german.irib.ir/nachrich.....gsabkommen

    Auch diese :Alternative in .de ist Erdogan ausgerichtet:
    http://www.deutsch-tuerkische-.....a/erdogan/

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    „Im Irak-Krieg scheinen sich die Ökonomen wohl verrechnet haben.

    Und bei Syrien???“

    Herr Berger, das sind nicht mal die gleichen Kriegsparteien.

    Wenn sie davon ausgehen, dass die unbesiegbare CIA und der allwissende NSA dahinterstehen,wie hinter fast allen Kriegen und durchgebrannten Glühbirnen seit 1945, dann brauchen wir keine Konferenz, dann brauchen wir Frodo Beutlin.

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    @Stevanovic
    Ich teile Ihre Befürchtungen nur allzusehr. Und mit Bürgertum und dem Morgenthau-Plan haben Sie wahrscheinlich auch recht – meine Provokation dahingehend entsprang wohl einem diffusen Zynismus, was das angeht, nämlich daß – um die Aktien nach oben zu treiben – in den letzten Jahrzehnten wesentliche Teile der hiesigen Produktion „verlagert“ (=verhökert) wurden, also waren nicht die Amis die die den Morgentau-Plan umgesetzt haben, sondern unsere eigenen Leute. Und was noch hier ist, das schafft die sog. Energiewende auch noch. Aber alles hat sein Gutes: Recycling (in der Technosphäre) ist nicht schlecht, oder neue Materialien. Kann alles Exportschlager werden und wird nur so, unter Energieeffizienz-Druck vorangetrieben (-> Beitrag M.B.). Aber es gibt jetzt schon viele Verlierer, hier z.B:
    http://www.achgut.com/dadgdx/i....._die_armut

    Bisher wird die Wut über das Kippen vieler in die Armut bzw. Marginalisierung durch selber_schuld_2.0 noch ganz gut abgefangen („Vollbeschäftigung“, jedes Jahr weniger Arbeitslose, jedenfalls relativ – irgendwie..).
    Und mit Dobrind haben Sie leider schon wieder recht: Wir feiern hier ’ne Party: Ein paar von euch (GR, P, ES) können hier dabei bedienen kommen (bitte unter 30, wie sieht das denn sonst aus..), der Rest STÖRT, genauso wie die hiesigen Loser. Nehmt euer Harz4 und haltet die Schnauze. Daß das um so kollateralschadenbehafteter kippt, je weiter man das treibt ist klar – bisschen Schwund ist immer. Hope I didn’t spoil your day.. Nochmal zu Ihrem Thema: Die Freihandelszone wird an dieser Lage wenig ändern. Es ist eine Mentalität der Systemerhaltung (Posten, Macht, Büroktatieausbau) um jeden Preis, die sich da breitmacht. Letztlich auch in den USA. Wer nicht dazu gehört – selber schuld. Alles prima, alles gut, toll… Sommer – Sonne – Vollbeschäftigung (bei mir nicht – ich geh‘ jetzt schwimmen).

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    Ach Herr Berger, sie verwechseln die Nachricht mit dem Überbringer. Es ist ja nicht so, dass ich morgens in den Atlas blicke und meine Frau frage, welches Land wir heute teilen könnten.

    Die Beispiele die sie mir nannten, sind alles Beispiele von Kontrahenten, die müde waren. Da war eine Bereitschaft sich auf Gespräche einzulassen. Assad hat mehrere Gelegenheiten verstreichen lassen, weil er Anspruch auf absolute Herrschaft und ganz Syrien erhob. Auch die Aufständischen, Jihadisten und Söldner wirkten ganz zuversichtlich ihn zu besiegen.

    Hätte ich den Eindruck gehabt, ein Blumenkorso des Friedens hätte geholfen, ich hätte bestimmt dran teilgenommen.

    „Warum wird hier nicht die Kosten-Nutzen Analyse angewandt ???“

    Eine der wichtigsten Kriegsparteien, Katar, ist offiziel nicht mal dabei.

    Wichtig ist nicht meine Kosten-Nutzen Analyse, sondern die von Assad und Katar. Und die fiel nicht so aus, wie wir das gewünscht hätten.

    Sie drücken sich vor der Antwort: Wie wäre dieser Krieg zu verhindern gewesen?

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    @Lyoner

    Cui bono?

    Wenn ich in die Syrien Gleichung Israel einsetze, geht sie nicht wirklich auf. Der Nutzen für Israel wäre Kollateralnutzen. Die strategische Verschwörung sehe ich eher auf der Achse USA-Golfmonarchien, wobei der Schwerpunkt in dem Fall auf den Golfmonarchien liegt. Es geht gegen den Feind Nummer 1 dieser Monarchien – den schiitischen Halbmond. Die Monarchen denken auch in Jahrhunderten. Immerhin basteln Iran und, bis vor kurzem, auch Syrien an der Atombombe. Der Konflikt hat viel mehr Potential und auch Wirkung als Israel.

    Hier bekommt man eine Ahnung, was wirklich ist:

    http://dtj-online.de/news/deta.....offen.html

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    @KJN

    Morgenthau ist eine feste Größe im Denken des deutschen Bürgertums. Das bezieht aber sich auf nichts, was sie gesagt haben. Nur der ist halt nicht tot zu kriegen.

    Die Überlegung ist folgende: Seit 5 Jahren schaffen es die Europäer nicht, Länder zu sanieren, das sei aber verziehen, dass kostet Zeit. Sehr wohl hätten wir die Banken restrukturieren können. Ich sehe ein, dass man Zeit kaufen musste. Die wurde nicht genutzt, aber darum geht es mir nicht. Bald müssen wir die gekaufte Zeit bezahlen. Noch bevor ein deutscher € das Land verlassen hat, sind die Bürgerlichen Amok gelaufen. Ich möchte nur an Dobrint und an die Springerpresse erinnern, die Grenze zur Aufklärung ist fließend, nur das war Volksverhetzung. Deutschland von südländischen Parasiten befallen, dabei hat Deutschland wegen der Krise mehr Geld eingenommen, als der Anteil an der Griechenland-Rettung sein wird (Stichwort Bundeshaushalt, Posten Schuldendienst). Die Euro Rettung wird viel teurer, klar. Meine Befürchtung ist, dass der Zahltag mitten in die Strukturreform fallen wird, die zum einen ohnehin permanent läuft, zum anderen durch die Freihandelszone notwendig wird.

    Sehen sie irgendjemanden am Horizont, der in irgendeiner Weise integrierend wirken kann? Der hier eine Massenpanik verhindern könnte, wenn Zahltag und Strukturreform zusammenfallen? Schauen sie, wie das Projekt beginnt: EU-Kommission verhandelt und es klingt wie die Live Übertragung vom Weltkongress der Jubelperser. Wenn Barroso das als Wachstumsprogramm ohne Mehrkosten beschreibt, kann ich mir den Shit Storm in paar Jahren lebhaft vorstellen. Deutschland von faulen Südländern ausgesaugt und vom perfiden Albion über den Tisch gezogen.

    Außer prinzipieller Sympathie für Freihandel, habe ich noch keine feste Meinung. Ich halte aber das Projekt für so schwerwiegend, dass ich eine Moderation dieses Prozesses weder EU noch Bundespolitik zutraue.

    Snowden hat seine Enthüllungen vor einem Monat angekündigt, Dr.jur. Friedrichs schafft es nicht, eine am Rechtsstaat orientierte Argumentationskette aufzubauen – über diese Themen denken Jurastudenten im 3.Semester nach und schreiben Hausarbeiten in vier Wochen. Oppermann fordert Aufklärung und könnte sie doch in jeder Fraktionssitzung von Steinmeier bekommen. Der wieder, auch Dr.jur, kann zwar frei über seine Nierentransplantation erzählen, aber keine Rede zum nationalem Interesse halten, das als Fraktionsvorsitzender der staatstragendsten Partei überhaupt. Nicht mal im Wahlkampf. Ich werde den Ohrwurm aus den 90ern nicht los: How bizarre, how bizarre…

    Mahnend erinnert sei an Verteidigungsminister Jung: 4 Jahre schickt er Soldaten zum Verrecken an den Hindukusch und findet kein passendes Wort dafür. Dann kommt der Clown zu Guttenberg, sagt einen Satz und die deutsche Bourgeoisie liegt ihm zu Füßen. Und da ging es nicht mal ums Geld und das Morgenthau Trauma.

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    @KJN

    Da Meterialeffizienz ein Schwerpunktthema in Deutschland ist, dürfte der von Ihnen erwähnte Aluminumsektor zukünftig in Bezug auf Energie eine geringere Rolle spielen:

    In Deutschland wurden im Jahr 2006 rund 1,3 Millionen Tonnen Aluminium verarbeitet, davon 0,8 Millionen Tonnen als Formguss, der wiederum zu 80 % aus dem Recycling kam.
    Ungefähr 30% des in den USA hergestellten Aluminiums stammt aus der Recyclingroute.[1]
    Weltweit werden für Aluminium Recyclingraten um 40% angegeben.[2]
    http://de.wikipedia.org/wiki/A.....ing#Mengen

    Außerdem gibt es zukünftig auch Alternativen für diesen Rohstoff:

    http://www.plugincars.com/revo.....27866.html

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    @Ste

    „In 30 Jahren wurden von den 1,5 Millionen Einwohnern der Provinz rund 3.600 Menschen getötet. Ich möchte ich nicht die Opfer bagatellisieren, 1100 waren britische Sicherheitskräfte, 500 waren Terroristen beider Seiten. Um die 1800 Zivilisten in 30 Jahren.“

    Es fehlt jetzt nur noch eine Dreisatzrechnung, oder auf Neudeutsch ROI Return on Invest.

    Mit diesem Denkansatz nähern Sie sich sehr meinen Lieblingsneoliberalen und Nobelpreisträger Gary Becker:

    http://www.wiwo.de/politik/kon.....75968.html

    http://www.project-syndicate.o.....punishment

    Aber da Sie wie Alan Posener noch an den Bäcker von Adam Smith und an Ricardo und sein Portugal glauben, übersehe ich hier Ihre „Fehltritte“ Mit think out of the box ist sicherlich schwierig… 🙂

    Was Syrien und das Harvard Konzept betrifft (Im Falle von Israel und Ägypten hat es funktioniert) ein Versuch wäre es sicherlich wert gewesen. Aber wenn man wie Sie auch letztlich bei der Konfliktlösung nur an Waffencontainer denkt, dann schaut man leider nicht über den Tellerrand 🙂

    Nur zur Wiederholung:

    Ich bin immer wieder überrascht, wie innovativ im technologischen Bereich gedacht wird, hin bis zum Astro-Mining, um auch zukünftig ausreichend Rohstoffe für die Menschheit zu sichern.

    Wenn es allerdings um das “ Humankapital “ geht,(allein der Terminus ruft nach “ Verzinsung und Profit)da wird dann , wie bei Ihnen auch von Opfern gesprochen.

    Warum wird hier nicht die Kosten-Nutzen Analyse angewandt ???

    Fand im übrigen bereits bei Robert MacNamara im Vietnamkrieg erste Anwendung:

    http://www.jstor.org/discover/.....2519294377

    Im Irak-Krieg scheinen sich die Ökonomen wohl verrechnet haben 🙂

    Und bei Syrien???

    Aber Sie haben ja wie Alan Posener den pragmatischen Ansatz gewählt.

    Pragmatismus wurde auch schon bei Mao gewählt…..

    „Das Gewehr gebiert die Macht. Man kann die Welt nur mit Hilfe des Gewehrs umgestalten.“

    Und für Herr Posener zu seinem Syrienbeitrag:

    „Kritik soll zur rechten Zeit erfolgen. Man darf sich nicht angewöhnen, erst dann zu kritisieren, wenn etwas passiert ist.“

    Und was meinen Lösungsansatz für Syrien betrifft, greife ich sehr gerne auf dieses Wort des Vorsitzenden Mao zurück:

    We think too small. Like the frog at the bottom of the well. He thinks the sky is only as big as the top of the well. If he surfaced, he would have an entirely different view.

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    @Jean Luc
    Ich weiß, ich weiß – in California gibt’s alles, was gut ist.
    Aber ich wusste nicht, daß Sie Ziegenkäse machen (von wg. Lactosefrei) – wenn Sie soweit sind, posten Sie das doch mal bitte!

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    @Lyoner
    „Ich dachte bisher immer, dass Rassist sei, wer eine essentielle Überlegenheit einer Gruppe über eine glaubt;..“
    Naja, Rassismus ist wohl eher, ständig jemanden nur klischeehaft danach zu beurteilen, was er unabänderlich ist, statt danach, was er tut. Es sind rassistische Kriterien. Nicht immer schlimm, oft nervend, manchmal sicher auch nur lustig.

  24. avatar

    Err.:
    ich “predige” hier schon seit längerem (mit M.B.) Dezentralisierung mit modernen Produktionsmethoden,.. ->
    obwohlich hier schon seit längerem (mit M.B.) Dezentralisierung mit modernen Produktionsmethoden „predige“,..

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    @ Parisien

    Im Gegensatz zu mir sind Sie ein in der Wolle gewaschener „Rassist“. Die Indianer primär „weise“, die Palis fundamental, nicht zu ändern „stumpfsinnig“. Stellen Sie sich diese Autochtonen in einer der trostlosesten osmanischen Provinz vor, dazu noch, dass das Urteil von T.E. Lawrence kommt, ein Mann, in Oxford ausgebildet und ein ästhetischer Schwuler. Außerdem, dass für diese Provinzler, die über eine Dorf- und Clan-Organisation nicht hinausgekommen waren – das haben die Türken verhindert – die, so Lawrence, „deutschen Juden“ der ersten Alijah sowas wie Alien aus einem anderen Stern waren. Und jede weit überlegene Technologie ist, so Asimow (oder war es Clarke?), schiere Magie. Nun, diese jüdischen Siedler hatten Mäzene und Financiers hinter sich; dass die „Fellachen“ mißgünstig und neidisch waren, versteht sich von selbst, gerade auch, wenn sie von oben und als verschiebbare Masse behandelt wurden.

    Gehn Sie mal in sich, lieber Parisien, und schauen Sie doch noch die Doku „The Gatekeeper“.

    Das Netzwerk und die Schulungsschrift beschäftigen mich mehr als ich z.Z. will. „Die blutige Ideologie der Differenz“ will mir nicht aus dem Kopf gehen. Worauf soll das noch hinauslaufen, auf „Die unblutige Trance (Koma) der Indifferenz“? Wir Autochtonen können uns da nur noch unterwerfen? Wer steckt dahinter? Ich werde noch paranoisch.

  26. avatar

    Cher KJN,

    ich sitze gerade bei 23c auf dem Place d´Horloge:

    http://a.abcnews.com/images/In.....613_wg.jpg

    und diskutiere mit meinen copains ueber die Chancen des Kaeseexports in die US.

    Wenn ich allerdings von meinen kalifornischen Freunden erfahre, dass nicht nur der Wein aus dem Napa Valley gut ist sondern es auch gute Kaesesorten gibt:

    http://www.cheesesociety.org/c.....2-winners/

    wie e.j.

    California Crottin & Terra

    Best Farmstead Goat Cheese by the prestigious American Cheese Society, and chosen as the best Crottin in a Wall St. Journal tasting.

    Better than the French originals!

    http://www.redwoodhill.com/art.....ttin-terra

    dann sollte ich doch besser dem Psalm 37 folgen

    Hoffe auf den Herrn und tue Gutes; bleibe im Lande und nähre dich redlich

    Und wieviel Ziegen brauche ich um den Markt in California zu beliefern??

    Soviel zu Morgenthau und die Manufakturen.

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    @Stevanovic
    „Auf die reaktionäre Welle habe ich keine Lust…“
    Mal langsam: Stellt man die Wirtschaft auf dezentral um, passiert gar nix (man muss es nur tun). Und es spricht m.E. auch nichts dagegen, das energieintensive Aluminium u.a. in den USA zu kaufen. Erfahrungsgemäß tendieren die ja zu Außenhandelsdefizit und sind ein großer Markt für deutsche Produkte. Was wir aber keinesfalls machen dürfen, ist hier nichts mehr zu produzieren. Dann könnten Sie recht haben, mit den Pappenheimern und deren Morgenthau-Phantasien (es sind nicht meine, ich „predige“ hier schon seit längerem (mit M.B.) Dezentralisierung mit modernen Produktionsmethoden, wenn Sie so wollen, die deluxe-Version davon. Daher sehe ich eher die (vielen) Chancen – auch für Südeuropa übrigens, das bestimmt nicht mehr im alten Stil reindustrialisiert wird, aber ich weiß es natürlich nicht. Man muss europäisch denken, sonst geht gar nix mehr. Der Euro ist aber ein anderes Thema.

  28. avatar

    @KJN

    „Es wird einigen nützen, anderen schaden.“

    Sollte es der deutschen Industrie ergehen wie den Südländern, habe ich keine Lust auf die Berlin-Moskau Achse Diskussion oder die Phantastereien eines dritten Weges, die hier ausbrechen wird. Ich bilde mir, meine Pappenheimer zu kennen.

    „Morgenthau deluxe..“

    Bei dem Stichwort bekomme ich Gänsehaut. Wenn das ihnen im Vorfeld schon einfällt, was passiert dann, wenn es für Deutschland so läuft, wie Spanien heute? Auf die reaktionäre Welle habe ich keine Lust…

  29. avatar

    Aus dem Welt-link zu Poseners vorletztem Artikel (der neueste ist über Beitz), den Lyoner oben brachte:

    „Die neueste Veröffentlichung des Netzwerks, ein Schulungsheft mit dem Titel „Rassismus erkennen und bekämpfen“, lässt mich allerdings an den guten Absichten des Netzwerks zweifeln. Um es vorwegzunehmen: Das Heft thematisiert nur die Vorurteile gegen Zuwanderer. Die Bösen sind weiß, christlich und rechts; die Guten nicht weiß, islamisch und links.

    Dieses Heft ist Ausdruck eines antieuropäischen Rassismus, bei dem der Rassismus der Zugewanderten – vor allem der seit Jahren von vielen Experten angeprangerte virulente Antisemitismus arabischer und türkischer Zuwanderer – verschwiegen wird.“

    In den USA dasselbe. Die meisten Schwarzen werden von Schwarzen getötet. Aber einer erregt Aufsehen: Der, der von einem Weißen/Latino getötet wurde. Dagegen wurde eine weiße Frau auf offener Straße von zwei Schwarzen angeschossen. Diese töteten gleichzeitig ihr Baby im Kinderwagen. Der Fall wird von den Medien totgeschwiegen. Er passt nicht ins Bild. Die Europäisierung des amerikanischen Präsidenten ist dafür am meisten verantwortlich, das, was er so nennt, denn eigentlich kennt er Europa gar nicht.

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    @Stevanovic
    „Deswegen würde ich gerne eine nüchterne Kosten/Nutzen Rechnung sehen.“
    Kurz (Wetter zu schön): Geht so nicht. Es wird einigen nützen, anderen schaden. Wem es nützt und wem es schadet, hängt davon ab, welche Politik sich hier in EU durchsetzt. Bei den niedrigeren Energiepreisen in USA kann man sich so einiges ausrechnen. Aber Jean- Luc kann seinen leckeren Käse vielleicht dort besser verkaufen. Industrie -> USA, Manufakturen -> EU. Auch nicht schlecht: Morgenthau deluxe..

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    @ Stevanovic

    Die laufen übrigens noch. Man sieht sie immer noch morgens und abends mit Baguettes unter dem Arm. Das beruhigt. Entsprechend haben sie viele Bäckereien, die natürlich im Laufe einer Einhandelszone unterlaufen werden sollen wie auch der französische Metzger, der Marktstand, die fromagerie. Sie werden dann hoffentlich sich ihres songs besinnen: Marchons, marchons, qu’un sang impure abreuve nos sillons.
    Statt sang setzen wir idée ein. Oui, les francais, marchez chez le boulanger. Während die Franzosen das Bollwerk gegen die geistlose Uniformisierung sind, sind wir die größten Erfüllungsgehilfen. Und man kann das daran sehen, dass auch der durchschnittliche Körperumfang sich dem Ideal annähert. Cher ami, wie kann man nur nach Deutschland emigrieren? Ich habe das nie verstanden.
    Zeile aus unserem früheren song: Von der Mars bis an die Memel
    Zeile aus dem französischen song: Hört ihr in den Feldern die grausamen Soldaten wüten?
    Unterschied, oder?

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    Lieber Lyoner, die PI-Leute und andere Knallköppe haben mich lange als „Döner-Posener“ beschimpft, einen Ehrentitel, den ich mir redlich erarbeitet habe, finde ich. Dass mich nun wieder einige Rassisten mögen, weil ich die „richtigen“ Leute kritisiere – damit muss ich wohl leben. Angenehm ist es mir bestimmt nicht.

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    @ Lyoner
    Sehr interessant, die Passagen aus „Lawrence“. Waren Sie jemals in einem Indianerreservat?
    Übrigens haben Sie den Unterschied selbst mit „Lawrence“ beschrieben: „Um sie her saßen ihre Feinde, die finsteren, engstirnigen Palästina-Bauern, stumpfsinniger noch als die Freisassen Nordsyriens, armselig und habgierig wie die ägyptischen Fellachen.“
    Gratuliere.
    Indianer waren nie „stumpfsinnig.“
    „Feuerwasser“ aber, in der Tat, kann sekundär stumpfsinnig machen.

    @ Stevanovic

    Waren Sie jemals in dem Land eines oder zwei meiner Vorfahren und haben dort Croissants – die wirklichen – gegessen?
    Den Grund für die Begeisterung für den Pappkleister habe ich Ihnen nebenbei genannt: Alle sind zu bequem, morgens Brötchen zu holen, und keiner trägt mehr Brötchen aus. An Faulheit geht unsere Welt zugrunde. Bequemlichkeit. Die couch-potato-Idylle.

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    @Lyoner

    Heinsohn! Ich nehme Umschlag b)!

    Danke für den Lawrence – an den habe ich die letzten Tage gar nicht gedacht.

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    @Moritz Berger

    In 30 Jahren wurden von den 1,5 Millionen Einwohnern der Provinz rund 3.600 Menschen getötet. Ich möchte ich nicht die Opfer bagatellisieren, 1100 waren britische Sicherheitskräfte, 500 waren Terroristen beider Seiten. Um die 1800 Zivilisten in 30 Jahren.

    Nicht falsch verstehen: Auf dem Balkan würde das nicht mal als Konflikt durchgehen. Das man sich unter den Bedingungen an einem schönen Sonntag mal an einen Tisch zum Schnacken setzen kann…

  36. avatar

    @ Alan Posener

    Für diesen schönen Artikel
    http://www.welt.de/kultur/arti.....richt.html
    darf ich Sie auch im Namen unserer „Freunde“ von PI zur „Spürnase des Tages“ erklären. Die haben das zwar schon immer gewusst und behauptet, aber das Siegel der Wahrheit durch Alan Posener ist ein anderes Kaliber. Fürchten Sie sich nicht vor dem „richtigen“ Beifall aus der „falschen“ Ecke.

    Sie werden sich später auf die Schulter klopfen können und behaupten, dass Sie einer der ersten waren, die auch auf das Phänomen des „antieuropäischen Rassismus“ hingewiesen haben; vielleicht entdecken Sie noch einen antideutschen Rassismus?

    In dieser Broschüre steht „Blutige Ideologie der Differenz – Rassismus steht für eine Lehre, die an die Existenz menschlicher Rassen glaubt.“

    Ich dachte bisher immer, dass Rassist sei, wer eine essentielle Überlegenheit einer Gruppe über eine glaubt; hier muss ich mich belehren lassen, dass es bereits rassistisch und blutig ist, von Differenzen, unterschiedlichen auszugehen. In der Nacht sind alle Katzen grau. Nun die Farbe ist egal, sagte Deng Xiao Ping, Hauptsache, sie mausen.

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    @Parisien

    Bei ihnen merkt man, dass sie Biodeutscher sind. Ein einfaches: „Nein, macht keinen Sinn.“ hätte gereicht – sie machen eine Weltanschauung daraus 🙂

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    @Moritz Berger

    „wenn die Lösung eine Ethnisierung sein soll….“

    Das ist nicht die Lösung, es ist ein, nicht immer zu dekonstruierendes, Problem. Vorschläge wie: „Nehmt eure Religion nicht so wichtig“ oder „warum seid ihr nicht mal was ganz anderes“ oder „macht euch doch mal locker“, „seht ihr nicht, dass ihr euch selber schadet?“ – kann man getrost in der Pfeife rauchen, wenn erst einmal das Blutvergießen begonnen hat. In Syrien gibt es 100.000 Tote in zwei Jahren. Das wichtigste ist es, den Krieg zu beenden. Pragmatisch.

    Hätte man im Anfangsstadium… aber, um den größten sozialdemokratischen Vordenker unserer Zeit zu zitieren: hätte, hätte, Fahrradkette.

    Ihnen ist auch bestimmt aufgefallen, dass Diktaturen selten im Vorfeld mit Harvard-Konzepten arbeiten. Das machen sie erst, wenn die Option: Ich mach dich platt! nicht mehr so richtig funktioniert. Glauben sie ernsthaft, Assad hätte vor dem Krieg ein Verfahren wie dieses akzeptiert? Hätten die USA und EU Druck gemacht, wäre es eine Einmischung in innere Angelegenheiten – böser, böser Neokolonialismus. Was erlaubee GI-Strunz!!!

    Sie überschätzen die konstruktiven Fähigkeiten des Westens maßlos. Yes, we can: Jeden Punkt auf dieser Welt in Asche verwandeln. Seit Generationen verfeindete Nachbarn versöhnen, ist unendlich viel schwerer. Zumindest das sollten wir aus dem Irak-Desaster gelernt haben.

    Erst wenn beide Seiten einsehen, dass sie nicht den totalen Sieg erringen können, macht ein Harvard-Konzept Sinn. An dem Punkt könnten wir in Syrien sein und win-win wäre ein eigenes Territorium für jede Gruppe.

    Machen wir doch ein Waffencontainer Gedankenexperiment. Sie lassen in einer Stadt einen offenen Waffencontainer und jeder kann sich bedienen. An manchen Orten rufen die Bürger die Polizei, an manchen Orten steigt die Kriminalität und an manchen Orten steigt die Kriminalität, weil die Polizei gerufen wird. Es gibt auch Orte, an denen ein Bürgerkrieg ausbricht. Das sind die Orte, an denen kein Amerikaner, Mossad, Russe, Chinese oder MI6 an einem Konflikt schuld ist. Der ist da, nur war bis dahin eine Seite stärker. Großmächte schaffen keine Konflikte, sie nutzen sie (Ausnahmen bestätigen die Regel). Das ist ein gewaltiger Unterschied. Einen Konflikt schüren, dafür reicht ein Waffencontainer. Den Konflikt lösen ist unendlich viel schwieriger. Das erscheint nur leicht, wenn man die wilden Halbaffen nicht ernst nimmt und glaubt, sie mit Zuckerstückchen von ihren Überzeugungen ablenken zu können. Jakob Augstein und sein Bild der arabischen Welt. Das strotzt vor „Weißer Mann mit Tropenhut“ – komisch, dass es ihm nicht auffällt. Zurück zum Experiment: wie würde das in Syrien aussehen? Hupps, stimmt! Katar, Saudi Arabien, USA, Türkei, Iran, Russen – die haben alle sogar ihren eigenen Waffencontainer mitgebracht. 100.000 Tote. Wenn dieser Konflikt beendet wird, dann sollte optimaler Weise ein Konstrukt entstehen, in dem bei einem Waffencontainer-Test die Polizei gerufen wird. Das Konstrukt Syrien hat versagt, also sollten neue her. Einigen sich alle auf ein Re-launch von Syrien, wird es ein geteiltes Land sein. Und solange Waffencontainer diese Wirkung haben, ist das auch gut so.

  39. avatar

    Lieber Parisien,

    Also, wenn die Indianer so weise sind, wie Karl May sie schilderte – der edle Wilde, also dann bedaure ich es doch sehr, dass es den Muselmanen nicht gestattet ist, Feuerwasser zu trinken, dann nämlich würden die Palis in ihren Reservaten im israelischen Wellness-Empire sich ihre Lage rosa saufen könnten und am Junk-Food verfetten.

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    @ Stevanovic

    Hier sieht man, dass Sie nicht in D geboren sind:

    „“europäischer Weizen in die VR China und zurück als Brötchen zum Aufbacken”
    Wenn es Sinn machen würde – warum nicht?“

    Niemand kann Brötchen – echte,knackige – und Brot (außer Baguette) so backen wie ein deutscher Bäcker. Und die aufgebackenen Croissants kleben Sie am besten im Hotel ans Fenster. Niemand kann Croissants wie die Franzosen (und Baguette). Und jetzt sage ich Ihnen mal was: Das ist mehr als nur blöd, dass Sie für Logistik bezahlen wollen. Es ist auch kulturzerstörend. Basta! Zitat Ihr Kanzler. Und wissen Sie, wer die Pappe fressen muss?: Leute mit wenig Geld. Und soll ich Ihnen sagen, wie man das unterläuft, falls es keinen deutschen Bäcker mehr geben sollte?: Selbst backen. Übrigens ist die Pappe ansonsten gut für sonntags. Ein Siebtel kann man ihr zugestehen. Ich bin mehr dafür, dass wieder mehr Leute Brötchen austragen. Ich lebe in einem Staat, wo Leute lieber Hartz IV nehmen, als morgens Brötchen auszutragen und andere Leute Pappkleister aufbacken müssen. Grauenhaft.

    An alle:
    Lesenswert (OT):
    “Viele behaupten, dass wir Ureinwohner mehr mit den Palästinensern gemeinsam hätten, dass ihr Kampf unser Kampf ist. Aber abgesehen von oberflächlichen Vergleichen, könnte nichts ferner von der Wahrheit sein. Der Vergleich mit den Palästinensern ist absolut untragbar. Er trivialisiert unser Leid.
    …..
    “Die Palästinenser sind nicht wie wir. Ihr Kampf ist nicht unser Kampf. Wir glauben daran, Veränderungen friedlich zu bewirken, und wir weigern uns mit irgendjemandem in Verbindung gebracht zu werden, der Gewalt gegen Zivilisten anwendet. Ich kann dazu nicht schweigen und den Palästinensern gestatten, auf unsere Kosten an Glaubwürdigkeit zu gewinnen, indem sie behaupten, dass sie mit uns Gemeinsamkeiten hätten.
    “Ich kann nicht daneben stehen und zusehen, wie sie unsere Not trivialisieren, indem sie diese mit ihrer verknüpfen wollen, die weitgehend selbstverschuldet ist. Unsere Geschichte in irgendeiner Form mit der Geschichte der Palästinenser zu vergleichen, betrachte ich als äußerst empörend. Die Palästinenser haben Land verloren, von dem sie behaupten, dass es ihr Land gewesen ist. Aber sie hatten mehrfach die Chance, ihren Staat auf diesem Land zu errichten und partnerschaftlich mit den Juden zusammenzuarbeiten — doch sie haben sich unaufhörlich allen Friedensangeboten verweigert und den Krieg gewählt. Wir hatten niemals diese Chancen. Wir haben niemals diese Wahl getroffen.“
    http://tapferimnirgendwo.com/2.....ment-42288

    Anmerkung: Die Indianer sind fast 1:1 so, wie Karl May sie geschildert hat. Weise.

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    T.E. Lawrence, Die Sieben Säulen der Weisheit, Auszüge aus den Kapiteln 58 und 59, die sich mit Syrien und der arabischen Nationalambition befassen.

    „Der Unterschied zwischen Hedschas und Syrien war der Unterschied zwischen Wüste und Kulturland. Das Problem, das vor uns lag, ging den Charakter an – wir mussten wie ein sesshafter Mensch denken lernen. Um die Bewegung am Leben zu halten, mussten wir in kultivierten Gegenden Boden gewinnen, in den Dörfern, wo Dächer oder Felder die Blicke der Menschen eher abwärts und auf das nächstliegende lenken; wir mussten unseren Feldzug beginnen, wie wir denen im Wadi Ajis begonnen hatten: mit dem Studium der Landkarte und der Natur des Landes Syrien, unseres künftigen Kampfplatzes.

    So hatte die Natur das Land in Zonen geteilt. Die Menschen hatten, die Natur noch übertrumpfend, diese Zonen noch vielfach weiter aufgegliedert. Jeder der großen, durch die Nord-Südlinie getrennten Abschnitte war willkürlich in ganz ungleichartige Gemeinschaften geteilt und abgegrenzt. Alle diese mussten wir in unserer Hand zusammenfassen, zu einem aktiven Vorgehen gegen die Türken. Faisals Möglichkeiten, aber auch Schwierigkeiten beruhten auf den politischen und sozialen Verworrenheiten Syriens, über die wir uns zunächst erst einmal klar werden mussten.

    Ein dritter Abschnitt quer durch Syrien, eine weitere Stufe tiefer, begann zwischen Tripoli und Beirut. An der Küste dort lebten die Christen vom Libanon, größtenteils Angehörige der maronitischen oder griechischen Kirche. Es war schwer, die politische Haltung der beiden Kirchen genau zu bestimmen. Oberflächlich betrachtet, hätte man die eine für französisch, die andere für russisch gesinnt halten können; aber ein Teil der Bevölkerung war, um seinen Lebensunterhalt zu verdienen, in den vereinigten Staaten gewesen und hatte dort eine angelsächsische Färbung angenommen, die, wenn auch äußerlich, ihr Wesen stark beeinflusste. Die griechische Kirche rühmte sich alt eingesessener syrischer Abstammung war ängstlich auf ihr Eigenleben bedacht und schloss sich deshalb lieber der Türkei an, als dass sie die endgültige Oberherrschaft einer römisch-katholischen Macht ertragen hätte.

    Die Anhänger beider Religionsrichtungen waren sich aber einig in maßlosen Beschimpfungen der Mohammedaner, wenn sie den Mut dazu fanden. Durch diese in Worten sich äußernde Verachtung fanden sie einen Ausgleich für angeborenes Minderwertigkeitsgefühl. Unter ihnen lebten mohammedanische Familien, die sich in Rasse und Sitte nicht von ihnen unterschieden, nur dass sie einen weniger gezielten Dialekt sprachen und weniger mit ihren Errungenschaften im Ausland punkten.

    Auf den höheren Berg hängen waren Kolonie der Metawala angesiedelt, mohammedanische Schiiten, die vor Generationen aus Persien eingewandert waren sie waren schmutzig, ungebildet, mürrisch und fanatisch und weigerten sich, mit Ungläubigen zu essen und zu trinken; sie hielten die Sunniten für ebenso verworfen wie die Christen und folgten nur ihren eigenen Priestern und vornehmen. Ihr Vorzug lag in ihrer Charakterstärke, eine Seltenheit bei den schwatzhaften Syriern. Auf den Bergen obenlagen Dorf vorchristlicher frei saßen, die mit ihren mohammedanischen Nachbarn in ruhigen Frieden lebten, so, als hätten sie nie etwas von dem Gezänk im Libanon gehört. Östlich von ihnen folgten arabische Halbnomaden; und danach kam die offene Wüste.

    Ein fünfter Abschnitt in der Höhe von Jerusalem begann mit deutschen und deutschen Juden, die deutsch oder jiddisch sprachen, unzugänglicher noch waren als die alten Juden der Römerzeit und jede Berührung mit anderen Rassen vermieden; einige von ihnen waren Farmer, die meisten Händler, der fremdartigste und unduldsamste Bevölkerungsteil von ganz Syrien. Um sie her saßen ihre Feinde, die finsteren, engstirnigen Palästina-Bauern, stumpfsinniger noch als die Freisassen Nordsyriens, armselig und habgierig wie die ägyptischen Fellachen.

    Östlich von ihnen lag die Jordanniederung, bewohnt von abhängigen Landarbeitern, und dazwischen Gruppe auf Gruppe selbstbewusster christlicher Dörfer, die, nächst ihren bäuerlichen Religionsgenossen im Tal des Orontes, noch dem blutigsten Vertreter unseres ursprünglichen Glaubens im Lande waren. Zwischen ihnen und östlich davon lebten 10 tausende von arabischen Halbnomaden, die an den Glauben der Wüste festhielten und von der Furcht und Mildtätigkeit ihrer christlichen Nachbarn lebten. Längst diese strittigen Landes hatte die türkische Regierung eine Reihe tscherkessischer Einwanderer vom russischen Kaukasus angesiedelt. Sie vermochten sich dort nur mit der Waffe in der Hand und dank der Begünstigung durch die Türken zu halten, den sie notwendigerweise ergeben waren.

    Der Hauptschlüssel, der uns den Zugang zu allen diesen Völkern Syriens öffnete, bei ihre gemeinsame arabische Sprache. Die Unterschiede zwischen ihnen waren politischer und religiöser Natur; moralisch unterschieden sich nur durch die allmählichen Abstufungen von neurotischer Empfindsamkeit an der Küste bis zur steifen Zurückhaltung im Binnenland. Sie waren von schneller Auffassungsgabe, waren Verehrer, aber nicht zu kurzer Wahrheit, selbstzufrieden, nicht hilflos gegenüber abstrakten Ideen (wie die Ägypter), aber unpraktisch und geistig zulässig, dass sie meist oberflächlich dachten. Ihr Ideal war Muse, bei der sie sich mit den Angelegenheiten anderer beschäftigen konnten.

    Von Kindesbeinen an waren sie ohne Gesetz aufgewachsen gehorchten ihren Eltern nur aus Furcht vor körperlicher Strafe und der Regierung später aus dem gleichen Grunde; aber es gibt wenig Völker, die vor dem Gewohnheitsrecht so hohe Achtung hatten wie die Hochlandsyrier. Alle wollten sie etwas Neues: denn mit ihrer Oberflächlichkeit und Gesetzlosigkeit ging eine Leidenschaft für Politik einher, eine Kunst, die sie mit verhängnisvoller Leichtigkeit handhabten, die aber zu meistern ihm zu schwierig war. Sie waren stets mit der Regierung, die sie gerade hatten, unzufrieden, und das war ihr geistiger Stolz; aber wenige nur dachten ernstlich über eine brauchbare Änderung nach, und noch weniger waren sie darüber einer Meinung.

    In den sesshaften Teilen Syriens gab es kein größeres bodenständiges politisches Gemeinwesen als ins Dorf, in den patriarchalischen Teilen Syriens kein komplizierteres als den Clan. Diese Gemeinschaften hatten keinen festen Formen, sie beruhten auf dem freien willen ihrer Mitglieder, entbehrten der gesetzlich bindenden Kraft; ihre Oberhäupter worden von den bevorrechtigten Familien gestellt und nur durch den bloßen Kit der öffentlichen Meinung bestätigt. Über diesen Einrichtungen stand das von den Türken eingeführte bürokratische System, das in der Praxis leidlich gut oder sehr schlecht war, je nach der menschlichen Zulänglichkeit seiner Träger (meist waren es Polizisten), die in letzter Instanz seine ausführenden Kräfte waren.

    Die Syrier, auch die bestunterrichteten, zeigten eine merkwürdige Blindheit für die Unrichtigkeit ihres Landes und ebenso einen Verständnismangel für die Selbstsucht der Großmächte, die üblicherweise erst für ihre eigenen Interessen sorgten und dann erst für dieser waffenlosen Völker. Ein Teil der Syrier verlangte offen ein arabisches Königreich, meist waren es Mohammedaner. Im Gegensatz dazu forderten die katholischen Christen eine europäische Schutzherrschaft in einer sie entlastenden Form, die ihn wohl Vorrechte gewährte, aber keine Pflichten auferlegte. Beide Tendenzen war natürlich keineswegs nach dem Sinn der nationalsyrischen Kreise, die ein selbstständiges Syrien forderten und wohl etwas von Autonomie wussten, aber Syrien nicht kannten. Denn im arabischen gab es keine Bezeichnung dafür, doch eine solche für die Gesamtheit des Landes, dass sie meinten. Die sprachliche Unzulänglichkeit ihres von Rom erborgten Namens war ein Symptom für die politische Zusammenhanglosigkeit. Zwischen Stadt und Stadt, Dorf und Dorf, Familie und Familie, Religion und Religion bestanden tiefgreifende Gegensätze, die von den Türken fleißig geschürt wurden.

    Die Zeit schien bewiesen zu haben, dass in solchem Lande Selbständigkeit und Einheit unmöglich war. In der Geschichte war Syrien ein Korridor zwischen der See der Wüste gewesen, der Afrika und Asien, Arabien und Europa miteinander verband. Es war der Söldner und Vasall Anatoliens, Griechenlands, Roms, beglückt uns, Arabiens, Persiens und Mesopotamien gewesen. Wenn es infolge der Schwäche seiner Nachbarn einmal vorübergehend unabhängig geworden war, hatte es sich sofort in einander feindliche nördliche, südliche, westliche und östliche „Königreiche“ aufgelöst. Denn wenn Syrien seinem Wesen nach ein Vasallenland war, so war es andererseits von jeher ein Land unermüdlicher Agitation und ständiger Revolten gewesen.

    Das einzige Band war die gemeinsame Sprache, und sie war auch der Boden, aus dem ihre Vorstellungskraft aufwuchs. Die Mohammedaner, deren Muttersprache Arabisch war, hielten sich aus diesem Grunde für ein auserwähltes Volk. Ihr Erbe, der Koran und die klassische Literatur, hielt die arabisch sprechenden Völker zusammen. Der Patriotismus, der gewöhnlich mit dem Boden oder Terrasse verwurzelt ist, war hier an eine Sprache gebunden.

    Ein zweiter Stützpunkt für eine arabische Staatenbildung war der fadenscheinig gewordene Ruhm der von den Kalifen, deren Andenken das Volk durch die Jahrhunderte türkischer Missherrschaft bewahrt hatte. Der zufällige Umstand, dass diese Traditionen mehr auf die Märchen von 1001 Nacht als auf die historische Wirklichkeit zurückgingen, festigte die Araber in der Überzeugung, dass ihre Vergangenheit glänzender gewesen war, als die Gegenwart des osmanischen Reichs.

    Aber wir wussten, dass dies Träume waren. Aucheine arabisches Regierung in Syrien sich auf die arabischen Traditionen stützte, würde sie für ebenso „aufgezwungen“ gelten wie die türkische Regierung oder ein fremdes Protektorat oder das historische Kalifat. Syrien blieb völkisch und religiös ein buntes Mosaik. Jeder groß angelegte Versuch musste, nachdem die Einheit errungen war, doch wieder einschlägiges, vielfach geteiltes Land zurücklassen und keinen Dank bei einem Volk ernten, das instinktiv immer wieder zu einer Kirchturmpolitik zurückkehrte.

    Unsere Entschuldigung dafür, dass wir uns über unsere eigene Erkenntnis hinwegsetzten, war der Krieg. Syrien, das für spontane örtliche Aufstände reif war, konnte zu einem allgemeinen Aufstand gebracht werden, wenn ein neuer Faktor hinzu kam, der den zentripedalen Nationalismus der Beiruter Enzyklopädisten in die Wirklichkeit umzusetzen versprach und so die Gegensätze der Sekten und Klassen zurückdrängte. Es musste dies ein neuer Faktor sein, der nicht wieder aus sich selbst heraus zwischen Zwietracht stiften konnte, und er durfte nicht vom Ausland her kommen, da dies der Eigendünkel Syriens verbot.

    Der einzige unabhängige Faktor, den wir entdeckt, der genügend Fundament hatte und genügend streitbare Anhänger fand, war ein sunnitischer Fürst wie Faisal, der den Anspruch erhob, den Ruhm der Omaijaden und der Ejjubiden wiederzuerwecken. Er mochte für den Augenblick die Bewohner des Binnenlandes zusammenhalten, bis der Erfolg da war und mit ihm die Notwendigkeit, die hoch getriebene Begeisterung des Landes in den Dienst einer geordneten Regierung zu stellen. Dann würde die Reaktion kommen – aber erst nach dem Sieg; und für den Sieg musste man alle materiellen und moralischen Bedenken zurückstellen.

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    Noch nicht mal im Sommer gibt es ein richtiges Sommerloch. Frage: wer von Ihnen hat bei der Neu-Ordnung der Welt eigentlich noch richtig Lust und sieht eine eigene agency?

    Syrien – gäbe mir Gelegenheit, eines meiner Hausorakel ins Spiel zu bringen, Gunnar Heinsohn. Seine These, dass es um Positionen geht und um zu viele Rivalen. Das Problem kann a) durch Dezimierung in Kriegen und Bruderkriegen, b) durch Schaffung von mehr Positionen in neuen Kantonen, c) durch Vertreibung entschärft werden. Das ist nüchterne Realpolitik. Cui bono?

    Um Israel braucht man in dieser Situation am wenigsten zu weinen. Die Kantonisierung ist bei aller möglichen Unübersichtlichkeit, sofern man nicht Zauberlehrling ist, leichter zu händeln als weiland panarabische bzw. großarabische Ambitionen. Was die mögliche Vorreiterrolle Israels und Palästinas im Nahen Osten angeht, ich wäre der letzte, der sich darüber beklagen würde, wenn die jetzigen „Friedensverhandlungen“ mehr als Show wären.

    Für Mitmenschen, die genügend Muse haben, den Kopf aus der Gegenwart herausstrecken und in den Brunnen der Geschichte steigen wollen, werde ich in einem anschließenden Kommentar einige längere Passagen aus Lawrence von Arabiens „Die sieben Säulen der Weisheit“ zitieren. Das ist dem Umstand geschuldet, dass ich zuweilen mit dem schönen Programm Dragon Dictate übe (kann ich nur empfehlen; bin nach wenigen Übungsstunden schon um ca. 50% schneller als wenn ich schreiben würde) und eine meiner Sommerlektüren Lawrence ist. Er analysiert die ethnischen Situation in „Syrien“, damals der Landstrich im Osmanischen Reich von Alexandrette (Iskenderum) bis Gaza mit Querschnitten. Lawrence schildert klar, dass man gegen das osmanische Reich „arabischen Nationalismus“ mobilisieren mußte, „aber wir wussten, dass dies Träume waren.“ Ich bin gespannt, wieviel Space diese Auszüge aus den Kapiteln 58 und 59 einnehmen werden.

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    Lieber Stevanovic,

    wenn die Lösung eine Ethnetisierung sein soll….

    Und warum sollten die katholischen Iren aus Nordirland nach Irland auswandern??

    Was ich bei Ihnen und Alam Posener bejlage, dass Sue in Ihrer Analyse am Beispiel von Syrien nicht aufzeigen, wie man solche Probleme nicht schon im anfangsstadium lösen kann und welche Kösungsansötze es gäbe.

    Beim thema Freihandelszone verlangen Sie lieber Stevanovic vorab eine Stärken- und Schwächenanalyse

    Warum nicht auch bei sich anbahnenden innerstattlichen Konflikten?

    Gibt es nur technische Innovationen?

    Erste Ansätze für soziale Innovation gindet man z.B. im Bereich des Harvard-Konzepts

    http://de.wikipedia.org/wiki/Harvard-Konzept

    „Ein paar Kilometer weiter wären sie in der Mehrheit gewesen und hätten in einem von ihnen dominierten Staat leben können. man kann Irland viel vorwerfen, aber nicht, dass es kein katholisches Mekka sei.
    Die IRA wurde in Kooperation UK, Irland und USA kastriert, gerade weil die Diskriminierung seit 1916 nicht ein ewiger Hungerwinter war und UK einiges versucht, diese Diskriminierung zu beenden.“

    Was Irland und Nordirland betrifft.

    Ich bin nun kein Befürworter der IRA.

    Aber die Diskrimierung der Briten gegenüber den katholischen Iren hat definitiv erst mit Blair begonnen aufzuhören.

    Die nordirische Polizei bestand bis Anfang der 90iger Jahre zu 99% aus protestantischen Iren.

    Und hier wurde mehr oder weniger auch das Harvard Konzept mit angewandt, um zu einem Einvernehmen zu kommen.

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