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Kaftanjuden und Meme

1. Kaftanjuden
In „Mein Kampf“ erzählt Adolf Hitler, wie er Antisemit geworden sei. Sein Vater habe den Antisemitismus als rückschrittlich abgelehnt; auf der Realschule sei der einzige jüdische Mitschüler stets rücksichtsvoll behandelt worden; und er selbst habe, als er das erste Mal Diskussionen beiwohnte, in denen antisemitisch argumentiert wurde, leicht geniert auf diese „konfessionellen Stänkereien“ reagiert.
Schließlich habe er die Juden in Linz als unauffällige Bürger unter Bürgern gekannt. Erst als ihm in Wien „eine Erscheinung in langem Kaftan mit schwarzen Locken“ erschienen sei, habe er sich gefragt, ob sich ihm in der Gestalt des ganz und gar fremden Kaftanjuden nicht das Wesen des Juden an sich, das Wesensfremde des Judentums, erschienen sei. Von da an habe er in Wien „überall Juden“ gesehen.
Wir wissen zwar längst, dass „Mein Kampf“ keine zuverlässige biografische Quelle ist, um es vorsichtig auszudrücken:
Das gilt auch für die Begegnung mit dem Kaftanjuden. Und doch enthält die Fiktion etwas Wahres: Der Kern des Antisemitismus ist das Gefühl der Wesensfremdheit „des Juden“.
Für viele ganz und gar liberale, keineswegs antisemitische, ja – wie sie bis vor kurzem dachten – philosemitische Deutsche bildete in den letzten Wochen das Kölner Urteil zur Beschneidung und die Reaktion der jüdischen Gemeinden darauf ihr „Kaftanjuden-Moment“. Hinter dem netten, Anzug und Schlips tragenden, akademisch gebildeten, Goethe zitierenden, kurz: vollständig assimilierten Mitteilhaber an der jüdisch-christlichen Leitkultur entdeckten sie den Mann mit dem Schläfenlocken und dem Kaftan, der das blutige Messer schwingt, den Bruder im Geist des integrationsunwilligen Moslems.
Ein ähnlicher Schock wie 1967 für viele Linke, als der nette israelische Kibbuznik zum Fallschirmjäger mutierte.
2. Meme
Die Reaktion auf das Kölner Urteil bildet ein interessantes Studienobjekt für das kulturelle Phänomen, das Richard Dawkins analog dem Gen das „Mem“ genannt hat. Der Begriff ist noch unbestimmter als der Begriff des Gens (vergleiche die Idee eines „jüdischen Gens“ bei Thilo Sarrazin, was ja wiederum ein Mem ist); am besten betrachtet man das Mem als Baustein einer Weltanschauung; als „Idee“, „Topos“ usw.
Mit der Idee des Mems, dessen Mutationen die kulturelle Evolution vorantreiben, so wie die Mutationen des Gens die biologische, will Dawkins, dass wir uns einen Perspektivwechsel gestatten. Erscheint das einzelne Tier in seinem Buch „Das egoistische Gen“ lediglich als Träger und Weitergeber einer Ansammlung von Replikatoren – „Genen“ – , so erscheint das Individuum in der Mem-Theorie lediglich als Träger und Weitergeber eines Sets kultureller Replikatoren – einer Anzahl von Memen.
Es ist, glaube ich, richtig zu sagen, dass das Konzept der Meme keine wissenschaftliche Theorie ist analog der Genetik, der Evolutionstheorie und der darauf aufbauenden Disziplinen der evolutionären Verhaltensforschung, Psychologie usw. Es ist nicht einmal eine Hypothese.
Dementsprechend unbestimmt ist die Vorstellung, wie Meme wirken, Daniel Dennett zum Beispiel vergleicht die Religion in einem berühmt gewordenen Bild nicht mit einem Gen, sondern mit einem Parasiten, der ein Wirtstier überfällt und dessen Verhalten gemäß seinem eigenen Reproduktionsinteresse steuert. Mir scheint auch das Bild des Virus ein ganz gutes Analogon abzugeben. Das erkennt auch die Werbeindustrie an, die von „Viralmarketing“ spricht.
60 Jahre lang war die Beschneidung in Deutschland kein Thema. Ausnahmen wie Necla Kelek bestätigen die Regel: es war kein Massenthema, es bewegte wenige Menschen außerhalb der betroffenen Gemeinden. Selbst die möglichen Schmerzen eines Tiers beim Schächten waren wichtiger als die Schmerzen eines acht Tage alten Juden oder eines zwölfjährigen Moslems.
Kaum aber hatte das Kölner Gericht das „Grundrecht auf körperliche Unversehrtheit“ in Anschlag gebracht, verbreitete sich die Beschneidungskritik wie eine Grippewelle. Das perfekte Beispiel von Viralmarketing.
Die Frage aber ist folgende, und damit schließen wir an die Überlegungen zum Kaftanjuden an: Warum versagt bei manchen – bei so vielen – das  Immunsystem?
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151 Gedanken zu “Kaftanjuden und Meme;”

  1. avatar

    @ Moritz Berger

    Jetzt machen Sie mal halblang und gebärden sich hier nicht als plümeranter Anstandswauwau. Sie haben es nötig, wenn Sie hier auf Pornoseiten verlinken.

    Im übrigen haben Sie den Stein ins Rollen gebracht, als Sie mich hier

    https://starke-meinungen.de/blog/2012/08/28/artikel-6-gg-darf-nicht-beschnitten-werden/comment-page-3/#comment-15944

    mit einem malaiischen Zaubertrank und Testeronzufuhr pimpen wollten. Dadurch erst bin ich anfällig geworden für die Anstachelung des deutschen Leitmediums BILD, durch Power GRAU auf dem Markt emotional und sexuell unbefriedigter Frauen zu reüssieren.

    Ich schreib´s Ihnen nochmal: eigentlich bin ich damit zufrieden, dass ich weniger Druck durch meinen Testoronspiegel habe; in den letzten Jahren habe ich lieber Tierfilme als Pornos angeschaut habe.

    Wollen Sie mich beleidigen, wenn Sie mich hier als “Lyoner Knackwurst” ansprechen?

    @ Kerstin

    Ist Ihnen denn nicht aufgegangen, dass es hier eher um ein Männer- als um ein Frauenbild ging? Soll ich für Sie in Zukunft ein Ironie-Smiley anbringen?

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