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Intellektuelle Taschenspielertricks: Benedikt vor dem Bundestag

Der den meisten Lesern dieses Blogs bekannte Kommentator EJ hat mir geschrieben: „Bilanz des Papstbesuchs: Benedikt beflügelt APOs Karriere.“ Da ist etwas dran. Dabei möchte ich keinesfalls als berufsmäßiger Papst-Basher Karriere machen.

So interessant ist Josef Ratzinger nun auch nicht, auch wenn die halbe Intelligenzia Deutschlands vor ihm auf den Knien liegt, was aber nur etwas über deren geistige Beschränktheit aussagt. Gerade dieses sacrificium intellectus macht es freilich nötig, die Ansprache des Papstes vor dem Bundestag

http://www.bundestag.de/kulturundgeschichte/geschichte/gastredner/benedict/rede.html

kurz zu kommentieren. Danach würde ich mich gern wieder anderen Themen widmen, wozu ein 14-tägiger Aufenthalt in Israel beginnend nächste Woche sicherlich einige Anregungen liefern dürfte.

Die Rede Benedikts XVI. galt der Verteidigung des „Naturrechts“, aus dem die katholische Kirche ihre Vorstellung dessen ableitet, was Recht und was Unrecht ist. Zum Beispiel die Vorstellung, die Homosexualität sei eine „objektive Störung im Aufbau der menschlichen Existenz“, weil sie der zweigeschlechtlichen „Natur“ des Menschen widerspreche. Der Papst plädierte dafür, dieses Naturrecht – und nicht das von ihm kritisierte „positivistische Rechtsverständnis“ und die Erkenntnisse der Wissenschaft  – wieder zur Grundlage der Gesetzgebung in Deutschland zu machen. Ein Ansinnen, das der säkulare, pluralistische Staat entschieden zurückweisen muss. Aber dazu gleich mehr.

 

Der Papst begann seine Rede typischerweise, indem er seinen Lehrmeister Augustinus zitierte, der Ende des 4. Jahrhunderts fragte: „Nimm das Recht weg – was ist dann ein Staat noch anderes als eine große Räuberbande?“ Benedikt, für den Augustinus nicht eine aus seiner Zeit heraus zu verstehende historische Gestalt, sondern, wie er immer wieder sagt, „ein Zeitgenosse“ ist, hat in seiner Rede diese Aussage des Augustinus in keiner Weise relativiert. Er sagte vielmehr, die Nazidiktatur habe gezeigt, wie wahr die Aussage des Augustinus noch heute sei. Nun ist sicher ein Staat, in dem die Willkür herrscht,  „nichts anderes als eine große Räuberbande“. Aber wer den Nationalsozialismus im Gebäude des deutschen Reichstags anprangert, hätte doch auch sagen müssen, dass die Nazis erstens mit legalen Mitteln – mit den Mitteln des Rechts also – an die Regierung kamen; dass sie mit legalen Mitteln – mittels eines Ermächtigungsgesetzes des Reichstags, zu dem das katholische Zentrum seine Hand hob, und gegen das allein die SPD votierte – eine faktische Diktatur errichtete; und dass erst nach dieser christlich beförderten Selbstabschaffung der Demokratie die Pervertierung des Rechts möglich wurde.

 

Augustinus kannte die Demokratie nicht. Er sprach über das Römische Imperium. Tatsächlich sind Demokratie und Rechtsstaat die sichersten Bollwerke dagegen, dass der Staat zur „Räuberbande“ verkommt. Das Eine ist ohne das Andere wenig wert. Es ist bezeichnend, dass der Papst Rolle der Demokratie bei der Rechtsfindung und Rechtsverteidigung in seiner Rede nicht erwähnte. Denn die Kirche hat aus dem Naturrecht nie die Forderung abgeleitet, dass alle Menschen an der Leitung der Angelegenheiten des Staates – oder gar der Kirche! – beteiligt sein sollten. (Und zwar deshalb, weil es zur „Natur des Menschen“ gehört, dass sie verschiedene Fähigkeiten haben.)  Daran schon erkennt man die Problematik des Naturrechts, das der Papst – ausdrücklich nicht als Oberhaupt des Vatikanstaats, sondern als „Bischof von Rom“ – dem deutschen Parlament als Rechtsgrundlage nahelegte.

 

Woher kommt aber die Demokratie? Benedikt hat die Frage nicht beantwortet, weil er sie erst gar nicht gestellt hat. Er behauptete aber:

 

„Die Kultur Europas ist aus der Begegnung von Jerusalem, Athen und Rom – aus der Begegnung zwischen dem Gottesglauben Israels, der philosophischen Vernunft der Griechen und dem Rechtsdenken Roms entstanden. Diese dreifache Begegnung bildet die innere Identität Europas.“

 

Das ist keine neue Idee, vielmehr wiederholt Joseph Ratzinger diese Behauptung immer wieder. Dabei ist sie so offenkundig unsinnig, dass man sich fragt, warum es nicht wenigstens im Bundestag ein Gemurmel gab, als er sie auch dort vorbrachte. Denn jeder Abiturient weiß, dass die Kultur Europas – Deutschlands zumal – ebenso stark wie von „Jerusalem, Athen und Rom“ von der Stammeskultur der Germanen geprägt wurde. Und jeder Student der Jurisprudenz lernt schon im ersten Semester, dass unser heutiges Recht aus der „Begegnung“ (um mit Ratzinger zu reden) von germanischem und römischem Recht stammt. Man muss kein nationalistischer Romantiker sein, um zu erkennen, dass es gerade die Gewohnheitsrechte der Individuen und Kollektive innerhalb der germanischen „Räuberbanden“ waren, die – in der Renaissance neu formuliert als gott- oder naturgegebene „Freiheitsrechte“ – eine Grundlage der modernen Demokratie bildeten; dass die Vorstellung der Verfassung als eines „Gesellschaftsvertrags“ zwischen Stamm und Fürst, Volk und Regierung, der vonseiten des Volks zu kündigen ist, wenn die Regierung nicht dem Volkswohl dient, ein im germanischen Stammesrecht wurzelnder Gedanke ist, der in der Aufklärung – am prägnantesten in der amerikanischen Unabhängigkeitserklärung – neu formuliert wurde. Ich will das Germanentum nicht zu sehr strapazieren, auch weil es geschichtlich verschiedentlich missbraucht wurde; aber Benedikt missbraucht „Jerusalem, Athen und Rom“, wenn er den germanischen Beitrag zur abendländischen Kultur unterschlägt – und wenn er verschweigt, dass sich die Christen zu Zeiten des Augustinus häuslich im Römischen Reich eingerichtet hatten und dessen Staatsrecht, das eben keine demokratische Kontrolle und kein Gewohnheitsrecht kannte, zur rücksichtlosen Unterdrückung aller anderen Religionen – sprich der Religionen der Mehrheit – benutzten. Diese Unterschlagung und Geschichtsfälschung sollte einem im Hinblick auf Benedikts Absichten zu denken geben.

„Wie erkennt man, was recht ist?“ fragte Benedikt im Bundestag. Dann folgte eine zunächst verblüffende Antwort: „In der Geschichte sind Rechtsordnungen fast durchgehend religiös begründet worden: Vom Blick auf die Gottheit her wird entschieden, was unter Menschen rechtens ist. Im Gegensatz zu anderen großen Religionen“ jedoch „hat das Christentum dem Staat und der Gesellschaft nie ein Offenbarungsrecht, eine Rechtsordnung aus Offenbarung vorgegeben.“

Das ist zwar nicht ganz richtig: wenn man etwa an die Verfolgung von Hexen und Ketzern, an die Sonderregelungen für Juden, Frauen usw. denkt, wird man kaum leugnen können, dass hier ein besonders übler Teil der Rechtsordnung „vom Blick auf die Gottheit her“ gestaltet wurde. Wenn wir aber um der Auseinandersetzung Willen zugestehen, dass es so ist, wie Benedikt behauptet: Warum ist das so? Warum haben die Christen nicht von der Offenbarung her eine Art Scharia verhängt? Weil die Christen  als Minderheit im Römischen Reich gar nicht die Rechtsordnung gestalten konnten. Als das Christentum nach der konstantinischen Wende zur Staatsreligion avancierte, hat es das römische Recht für seine Zwecke in Bewegung gesetzt. Typischerweise erklärt Ratzinger dieses geschichtliche bedingte – also zufällige – Faktum zu etwas Wesentlichem: „(Das Christentum) hat stattdessen auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen verwiesen – auf den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft…“

Das klingt gut und erinnert an die Regensburger Rede, in der Benedikt ebenfalls zu meinen schien, die Religion müsse der Vernunft entsprechen. In Wirklichkeit allerdings meint er, die Vernunft müsse der Religion entsprechen. Denn der Satz von den „wahren Rechtsquellen“ setzt er wie folgt fort: „ den Zusammenklang von objektiver und subjektiver Vernunft, der freilich das Gegründetsein beider Sphären in der schöpferischen Vernunft Gottes voraussetzt.“ Womit intellektuell der Zirkelschluss vollzogen ist, eine für Benedikt geradezu konstitutive Gedankenfigur: Das Christentum leitet das Gesetz nicht aus der Gottheit ab, sondern aus der Vernunft, die sich aber aus der Gottheit ableitet. Taröööh!

„Von dieser vorchristlichen Verbindung von Recht und Philosophie geht der Weg über das christliche Mittelalter in die Rechtsentfaltung der Aufklärungszeit bis hin zur Erklärung der Menschenrechte und bis zu unserem deutschen Grundgesetz, mit dem sich unser Volk 1949 zu den ‚unverletzlichen und unveräußerlichen Menschenrechten als Grundlage jeder menschlichen Gemeinschaft, des Friedens und der Gerechtigkeit in der Welt’ bekannt hat“, erklärte Benedikt. Nun, wie wir gesehen haben, „geht der Weg“ ganz wesentlich in der Spätantike über die Verbindung von römischem und germanischem Recht infolge der germanischen Eroberungen römischen Territoriums; und überhaupt „geht“ da überhaupt kein Weg; sondern kämpfen da Menschen, oft in blutigen Kriegen und Bürgerkriegen, für ihre Freiheitsrechte, fast immer übrigens gegen die mit den Machthabern verbündete katholische Kirche, die bis zum Zweiten Vatikanischen Konzil die Demokratie als „Irrlehre“ verdammte. Auch daran selbstkritisch zu erinnern hätte dem Pontifex Maximus nicht schlecht angestanden; aber da er das nicht tut, müssen wir es im Namen der geschichtlichen Fakten – das Wort „Wahrheit“ hat er endgültig verdorben – für ihn tun.

Nun kommen wir, wie versprochen, zum „Naturrecht“. Es war ja der Anspruch der Kirche, wie Benedikt XVI sagte, dass sie statt auf eine Offenbarung „auf Natur und Vernunft als die wahren Rechtsquellen“ verweise. Das Christentum ist, wie Joseph Ratzinger bei anderer Gelegenheit in der Sorbonne gesagt hat, „eine physikalische Religion“. Das heißt: Es ging aus von der völligen Übereinstimmung zwischen seinen Lehren und den Erkenntnissen etwa eines Aristoteles über die Natur. Damit das so bleibe, durfte sich die Naturwissenschaft freilich nicht anmaßen, Aussagen über die Natur zu machen, die dem widersprechen konnten, was das Christentum behauptete. Noch einmal, und anders formuliert: gerade weil das Christentum „wissenschaftsgläubig“ war (und in Gestalt Benedikts noch ist), musste es die Wissenschaft zensieren. Galileo Galilei wurde ja nicht deshalb von der Inquisition verfolgt, weil er  das kopernikanische System verteidigte; der Vatikan selbst benutzte längst die Tabellen des Kopernikus zur Berechnung der Sternen- und Planetenbahnen usw. Galilei wurde verfolgt, weil er durch Beobachtung der Wirklichkeit beweisen zu können meinte, dass Kopernikus eine Aussage über die objektive Struktur der Natur machte. Seit Galilei ist das kirchliche „Naturrecht“ eben nicht mehr „Naturrecht“, sondern ein Recht, das sich auf die kirchliche Interpretation der Natur stützt. Wenn etwa die Biologie nachweist, dass homosexuelles Verhalten in der ganzen Natur verbreitet ist, also zum Spektrum natürlichen sexuellen Verhaltens gehört, dann erwidert die Kirche, zum „Wesen“ der menschlichen Natur gehöre nach der „schöpferischen göttlichen Vernunft“ aber die Zweigeschlechtlichkeit; niemals könne aus einer bloß „positivistischen“ Beobachtung dessen, was ist, abgeleitet werden, was sein soll. Das Beispiel Homosexualität ist nur ein besonders augenfälliges und absurdes Beispiel für das „Kopf-ich-gewinner-Zahl-du-verlierst“-Theologie Benedikts, die am „Naturrecht“ festhalten, aber die wissenschaftliche Erkenntnisse über die Natur nicht als eine Grundlage des Rechts akzeptiert, wenn sie der Offenbarung der Kirche widersprechen. Wie er vor dem Bundestag sagte:

„Ein positivistischer Naturbegriff, der die Natur rein funktional versteht, so wie die Naturwissenschaft sie erklärt, kann keine Brücke zu Ethos und Recht herstellen, sondern wiederum nur funktionale Antworten hervorrufen. Das gleiche gilt aber auch für die Vernunft in einem positivistischen, weithin als allein wissenschaftlich angesehenen Verständnis. Was nicht verifizierbar oder falsifizierbar ist, gehört danach nicht in den Bereich der Vernunft im strengen Sinn. Deshalb müssen Ethos und Religion dem Raum des Subjektiven zugewiesen werden und fallen aus dem Bereich der Vernunft im strengen Sinn des Wortes heraus. Wo die alleinige Herrschaft der positivistischen Vernunft gilt – und das ist in unserem öffentlichen Bewusstsein weithin der Fall –, da sind die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt. Dies ist eine dramatische Situation, die alle angeht und über die eine öffentliche Diskussion notwendig ist, zu der dringend einzuladen eine wesentliche Absicht dieser Rede ist.“

Und im Sinne dieser Einladung habe ich mich dazu geäußert. Der Papst bringt es fertig, in ein und derselben Rede einerseits zu behaupten, das Christentum betrachte traditionell „Natur und Vernunft“ als Grundlagen des Rechts, andererseits aber zu klagen, wo die Religion dem Bereich des Subjektiven zugeordnet würde und Naturwissenschaft und Vernunft herrschten, seien „die klassischen Erkenntnisquellen für Ethos und Recht außer Kraft gesetzt“. Dass kein Kind zu rufen wagt: Der Papst ist nackt!

Ich will mich nicht einmal mit der Bemerkung aufhalten, in einem Land, in dem eine ausdrücklich christliche Partei die Kanzlerin stellt, wirkt die Behauptung, hierzulande würde nur nach „positivistischer“ Vernunft entschieden, absurd. Wo lebt der Papst eigentlich? (Gut, in Italien. Man würde gern aus seinem Mund ein selbstkritisches Wörtchen zur wirklich „dramatischen Situation“ des Rechts dort erfahren, wo die Kirche – und Benedikt selbst – maßgeblich zur Installierung der Regierung Berlusconi beigetragen haben.) Ich will – frisch ausSchweden zurück – nur auf eine interessante Tatsache verweisen: Dort, wo die Kirchen den geringsten Einfluss haben und der Anteil der Atheisten an der Bevölkerung am höchsten ist, also in den skandinavischen Ländern, sind jene Gesellschaften entstanden, in denen sich nach allen bekannten Parametern des Glücks am besten lebt; in denen der Staat am ehesten jener „civitatis dei“ entspricht, die Augustinus auf Erden für unerreichbar hielt, und am wenigsten jener „Räuberbande“, die er während eines Großteils der Geschichte des christlichen Europa zweifellos war und in vielen Teilen der Welt noch ist. An ihren Früchten sollt ihr sie erkennen.

 

 

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67 thoughts on “Intellektuelle Taschenspielertricks: Benedikt vor dem Bundestag

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    Unzeitgemäße Betrachtungen sind unentschuldbar,aber diesen Nonsens hier kann man auch im November nicht einfach so stehen lassen.
    Meine Empfehlung an alle: wollt ihr Benedikts Rede tasächlich kommentieren, so lest sie noch weitere 10 mal durch.Vielleicht bleibt ja was hängen!

    Nur die größte Ungeheuerlichkeit werde ich hier kurz darstellen:
    Die Kritik an einer rein “Positivistischen Vernunft” impliziert nicht deren Zerstörung, sondern deren Ergänzung durch das Naturrecht, das nach Benedikts und Kelsens Meinung unverzichtbar für ein ethisch verantwortbares Recht sei.
    Der Papst zitierte Kelsen aus:INS HERZ GESCHRIEBEN.DAS NATURRECHT ALS FUNDAMENT EINER MENSCHLICHEN GESELLSCHAFT, Augsburg 2010

    Der Unsinn, den Sie hier gemeinsam zum besten gegeben haben, dürfte allerdings auf mehr hinweisen, als ein rein intellektuelles Missverstehen.
    Ideologisch fundiertes Missverstehen wollen dürfte die Sachlage wohl eher beschreiben! LESEN, LESEN, LESEN!!! Das hilft!

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    @derblondeHans: Jetzt will ich mich doch noch einmal kurz zu Trennung von Staat und Kirche äußern. Mit der Bemerkung: Sie rennen offene Türen ein, haben Sie mir dieses Zitat von Kardinal Ratzinger 1996 eingestellt.

    Kardinal Ratzinger 1996

    ’Die Frage, wie das richtige Verhältnis zwischen Kirche und Staat beschaffen sein muß, muß natürlich immer neu gestellt werden. Solange es einen gesellschaftlichen Konsens darüber gibt, daß die Grundwerte des Christentums auch Vorgabe für die Gesetzgebung sind, kann eine relativ nahe Verflechtung von Staat, Gesellschaft und Kirche durchgehalten werden, gibt Sinn und steht der Freiheit der Religion nicht entgegen. Aber wenn da keine Überzeugungen mehr dahinterstehen, kann natürlich eine zu starke institutionelle Verflechtung zur Gefahr werden. Deswegen bin ich nicht grundsätzlich dagegen, daß man in entsprechenden Situationen auch zu stärkeren Trennungsmodellen schreitet. Es hat insgesamt der Kirche eher gutgetan, daß sie sich nach dem Ersten Weltkrieg aus den staatskirchlichen Systemen lösen mußte. Die zu starken Verbindungen sind ihr immer schlecht bekommen. Insofern, denke ich, müssen die Bischöfe in Deutschland ganz realistisch überlegen, welche Formen der Verbindung von Staat und Kirche wirklich von innen her durch Überzeugungen gedeckt und dadurch fruchtbar sind, und wo wir nur Positionen aufrechterhalten, auf die wir eigentlich kein Recht mehr haben. Eine solche Bestandsaufnahme ist sicher angebracht und nötig.’

    Kardinal Ratzinger ging es sicher nicht um den Staat in Deutschland, sondern um den Charakter seiner katholischen Kirche, deren Oberhaupt er ja ist.

    Was mich befremdet, ist der Umgang unserer Politiker mit dem Vatikan. Gerade in letzter Zeit kann man häufig hören, dass wir uns an christlich, jüdischen Werten orientieren. Wenn ich mir die Rede des Papstes ansehe, frage ich mich einmal mehr: Soll das wirklich so sein?

    Unsere Politiker pflegen nach meiner Meinung einen zu engen Kontakt zum Papst (siehe z. B. Bundesbildungsministerin Schavan http://www.merkur-online.de/na.....29310.html)

    Im Spiegel gab es im August einen Artikel über die Religionsdebatte in der SPD, der ist auch sehr interessant.

    28 Millionen Deutsche ohne religiöse Bindung Quelle: Trennung von Staat und Kirche? Von Christoph Ruf http://www.spiegel.de/politik/.....68,00.html

    Für mich ist Religion Privatsache. Dazu gehören auch eine staatliche Schulaufsicht sowie die Zivilehe.

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    @ Roland Ziegler: Ein Sieb ist keine Schale

    Genau! Und eine Assoziation kein Interpretation.

    @ Kerstin

    Sie sollten sich nicht (wie derblondehans) bis zur Verschwörungstheorie versteigen. Vor den “versteckten Hinweisen”, die es möglicherweise gar nicht gibt, liegen die ganz konventionellen, die in diesem Falle freilich schwer genug auf die Reihe zu kriegen sind.

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    @Kerstin
    Jaja, mit Tucholsky können Sie mich natürlich immer kriegen, obwohl ich die Papstrede für nicht weiter interpretierbar halte.
    Sie haben jetzt wohl eine Fährte aufgenommen und wittern Archetypen: Twin Towers, Positivismus, Juden vs. Offene Fenster, Naturrecht, Stoiker, Katholizismus.
    Ich könnte noch eins drauf setzen: Auch Addi wollte “Licht, Luft und Sonne” – aber daß Benedikt kein Epikuräer ist, wundert nun nicht wirklich.
    Wenn Sie Benedikt eine Verschwörung gegen die freiheitliche Gesellschaft nachweisen wollen, geht das, glaube ich, nicht über diese Rede, denn dafür enthält sie zu wenig, was sich von der bisherigen Lehre absetzt. Eindeutigere Indizien wären die anstehende Rehabilitation der Piusbrüder und Benedikts Stellung zu Opus Dei.
    Aber was hat Benedikt wirklich für eine Macht? Letztlich ist es auch die Ohnmacht unserer Gesellschaften, die sich nicht offensiv z.B. zu den Werten der Aufklärung bekennt – von der auch übrigens die katholische Kirche profitiert, denn den gewalttätigen Fanatismus, den Islamisten heute noch haben, hat sie seitdem überwunden.
    Die Kritik am “Positivismus”, also dem Vertrauen in das Ergebnis logischen Denkens, dialektischer Diskussionen, wissenschaftlicher Forschung und Pluralität ist alt, geht zurück auf die Stoa, auf Platon und ist schon deshalb nicht automatisch “antisemitisch”.
    So ist auch die katholische Kirche und Benedikt sicher nicht antisemitisch (wie das interpretiert wurde ist eine andere Sache), seit Augustinus aber sicher antijudaistisch, aber auch “antihinduistisch”, “antibuddhistisch”, natürlich “antiprotestantisch” etc., weil der katholische Glaube nun mal der “einzig Wahre” (im Rheinland mit seiner einzigartigen Grammatik sogar der “einzigste Wahre”) ist.
    Ich bin übrigens sehr kritisch gegenüber gewissen Gleichsetzungen und Identifikationen, was Positivismus, Juden, Judaismus (oder gar Israel) betrifft. Man sollte es sich, bei allem Engagement, auch hier nicht zu einfach machen.
    Die Frau wird aus dem Mann geschaffen. (1 Mose 2,22)
    Das ist Altes Testament, da kann Benedikt nichts für!
    Oft sind die Folgemodelle ja auch besser..
    Was die Stellung der Damen, Fragen der Ehe etc. betrifft ist der Standpunkt der katholische Kirche sicher nicht “freiheitlich”, aber im Vergleich zu anderen Religionen wohl eher als “moderat” zu bezeichnen, so etwa im oberen Mittelfeld (wie es bei Stiftung Warentest heißen würde).
    Lassen Sie uns nun anderen Themen zuwenden.

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    @Kerstin: Nichtsdestotrotz sind Myriaden kleine, nicht zu öffnende Fenster nicht “keine” Fenster. Ein Sieb ist keine Schale und ein Gefängnis kein Bunker. Wenn man beim Interpretieren die Worte auf die Goldwaage legt, sollte man genau sein. Der Ausdruck ist als zivilisationskritische Metapher ohne direkte Referenz gemeint; er bezieht sich unsere übertechnisierte, dünkelhafte Kultur. So ähnlich wie bei Rousseau.

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    @Roland Ziegler: “Betonbauten ohne Fenster” die Twin Towers gemeint sind? Die Twin Towers hatten 43600 Fenster. (Ihr Zitat)

    Die sich exklusiv gebende positivistische Vernunft, die über das Funktionieren hinaus nichts wahrnehmen kann, gleicht den Betonbauten ohne Fenster, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, beides nicht mehr aus der weiten Welt Gottes beziehen wollen. (Papstrede)

    Die Fenster der Twin Towers in New York ließen sich nicht öffnen. Das Gebäude wurde mit nur 18 Zoll (45 cm) breiten, nicht zu öffnenden Bürofenstern gestaltet. Für frische Luft sorgten Klimaanlagen und für ausreichend Licht gab es Lampen.

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    @Kerstin: Mich erstaunt Ihre Interpretation; ich halte sie nicht nur für übertrieben, sondern für falsch. Wie kommen Sie z.B. darauf, dass mit “Betonbauten ohne Fenster” die Twin Towers gemeint sind? Die Twin Towers hatten 43600 Fenster.

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    @KJN: Kennen Sie die Ratschläge für einen schlechten Redner von Kurt Tucholsky, hier die letzte beiden Sätze:
    „Wenn einer spricht, müssen die andern zuhören – das ist deine Gelegenheit! Missbrauche sie.“

    Also noch mehr Papstrede:

    Er spricht auch über die Rolle der Frau in seinem Verständnis von Recht und Unrecht, indem er die Quellen des Naturrechts benennt.

    Die christlichen Theologen haben sich damit einer philosophischen und juristischen Bewegung angeschlossen, die sich seit dem 2. Jahrhundert v. Chr. gebildet hatte. In der ersten Hälfte des 2. vorchristlichen Jahrhunderts kam es zu einer Begegnung zwischen dem von stoischen Philosophen entwickelten sozialen Naturrecht und verantwortlichen Lehrern des römischen Rechts. (Papstrede)

    Durch die stoische Philosophie fand die Ehezwecklehre ihren Eingang in die christliche Theologie.

    „Die Wurzeln der Auffassung, dass der naturgemäße Zweck der Sexualität in der Zeugung von Kindern besteht, liegen in der stoischen Philosophie, die über die Kirchenväter Eingang gefunden hat in die christliche Theologie. Vor allem nach Augustinus wurde die sexuelle Lust als Folge des Sündenfalls und schließlich selbst als Sünde angesehen. Quelle: Naturrecht und Ehezwecklehre http://www.sonntagsblatt.at/se.....zwecklehre

    Hier haben wir auch wieder Augustinus.

    Und dabei können wir uns doch nicht verbergen, daß wir in dieser selbstgemachten Welt im stillen doch aus den Vorräten Gottes schöpfen, die wir zu unseren Produkten umgestalten. (Papstrede)

    Das Produkt, das er anspricht, ist der Islam. Auch hier gilt das Angebot der Zusammenarbeit an den Islam, er sagte in seiner Rede:

    „Wenn jemand sich bei den Skythen befände, die gottlose Gesetze haben, und gezwungen wäre, bei ihnen zu leben …, dann würde er wohl sehr vernünftig handeln, wenn er im Namen des Gesetzes der Wahrheit, das bei den Skythen ja Gesetzwidrigkeit ist, zusammen mit Gleichgesinnten auch entgegen der bei jenen bestehenden Ordnung Vereinigungen bilden würde …“ (Papstrede)

    Die Rolle der Frau nach seinem Verständnis beschreibt er hier:

    Auch der Mensch hat eine Natur, die er achten muß und die er nicht beliebig manipulieren kann. Der Mensch ist nicht nur sich selbst machende Freiheit. Der Mensch macht sich nicht selbst. Er ist Geist und Wille, aber er ist auch Natur, und sein Wille ist dann recht, wenn er auf die Natur hört, sie achtet und sich annimmt als der, der er ist und der sich nicht selbst gemacht hat. Gerade so und nur so vollzieht sich wahre menschliche Freiheit. (Papstrede)

    Die Frau wird aus dem Mann geschaffen. (1 Mose 2,22)

    Mehr zur Stellung der Frau in der Bibel gibt es hier zu lesen: Die Stellung der Frauen im Christentum von Jörg W. Franke http://www.schulfach-ethik.de/.....tentum.pdf

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    Erratum: “Das alte, aus Minderwertigkeitskomplex geborene Klischeebild wird ja hinreichend in “eher statistischen” Bestsellern bestätigt.” Garnix wird da bestätigt, “bestätigt” wird das, versucht, zu bestätigen; S. macht die alte Rassistenkiste auf, ach ja..

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    @Kerstin
    Sie zitieren Benedikt “..Auftreten der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik..”
    Ich bin mir nicht sicher, ob Sie speziell diesen Teil der Rede nicht doch überinterpretieren, denn die Rückführung der Vernunft unter die Vorgaben eines Naturrechts ist Benedikts Anliegen – das Anliegen der Kirche überhaupt seit der Aufklärung.
    Es geht um die Zerstörung der positivistischen Vernunft, die der Papst in seiner Rede mit dem Juden Hans Kelsen verknüpft, der wiederrum für die Juden steht.”
    Allerdings sehe ich das im Kern genauso, wie Sie: Der Antijudaismus ist seit Augustinus Bestandteil des katholischen Weltbildes, der sich über die Jahrhunderte eher verstärkt hat und – nun in sublimierter Form – in der Kritik an “positivistischer Vernunft” äußert. Welch tragisches Missverständnis: Intelligente, aber Taktik und Machbarkeitswahn erlegene “Juden”, die Vernunft, Menschlichkeit und gottgefälligem Handeln verpflichtete “Christen” dominieren. Das alte, aus Minderwertigkeitskomplex geborene Klischeebild wird ja hinreichend in “eher statistischen” Bestsellern bestätigt. (Auch ich muß aber aufpassen, daß ich nicht langsam monothematisch werde..)
    Mit diesem Papst ist wohl keine tiefergehende Diskussion möglich – andererseits: Wir müssen die katholische Kirche nehmen, wie sie ist: Ich meine, wir brauchen sie noch, da bin ich
    @Benedikt XVI
    ganz demütig.

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    @KJN: Damit bin ich wieder bei der Papstrede und meiner Interpretation.

    „Die sich exklusiv gebende positivistische Vernunft, die über das Funktionieren hinaus nichts wahrnehmen kann, gleicht den Betonbauten ohne Fenster, in denen wir uns Klima und Licht selber geben, beides nicht mehr aus der weiten Welt Gottes beziehen wollen. (Papstrede)

    Die Zwillingstürme, Betonbauten ohne Fenster, als Symbol der positivistischen Vernunft.

    Und dabei können wir uns doch nicht verbergen, daß wir in dieser selbstgemachten Welt im stillen doch aus den Vorräten Gottes schöpfen, die wir zu unseren Produkten umgestalten. (Papstrede)

    Das Produkt, das er anspricht ist der Islam.

    „Ich sage das gerade im Hinblick auf Europa, in dem weite Kreise versuchen, nur den Positivismus als gemeinsame Kultur und als gemeinsame Grundlage für die Rechtsbildung anzuerkennen, alle übrigen Einsichten und Werte unserer Kultur in den Status einer Subkultur verwiesen und damit Europa gegenüber den anderen Kulturen der Welt in einen Status der Kulturlosigkeit gerückt und zugleich extremistische und radikale Strömungen herausgefordert werden. (Papstrede)

    Zerstört wurden die Zwillingstürme durch extremistische und radikale Strömungen, die wir nach seiner Meinung selbst durch unsere Kulturlosigkeit herausgefordert haben. Die 19 Flugzeugentführer gehörten zur islamistischen Terrororganisation al-Qaida.

    Aber wie geht das? Wie finden wir in die Weite, ins Ganze? Wie kann die Vernunft wieder ihre Größe finden, ohne ins Irrationale abzugleiten? Wie kann die Natur wieder in ihrer wahren Tiefe, in ihrem Anspruch und mit ihrer Weisung erscheinen? Ich erinnere an einen Vorgang in der jüngeren politischen Geschichte, in der Hoffnung, nicht allzusehr mißverstanden zu werden und nicht zu viele einseitige Polemiken hervorzurufen. Ich würde sagen, daß das Auftreten der ökologischen Bewegung in der deutschen Politik seit den 70er Jahren zwar wohl nicht Fenster aufgerissen hat, aber ein Schrei nach frischer Luft gewesen ist und bleibt, den man nicht überhören darf und nicht beiseite schieben kann, weil man zu viel Irrationales darin findet. (Papstrede)

    Es geht nicht um die ökologische Bewegung, es gab in den 70-iger Jahren auch die Revolutionären Zellen http://de.wikipedia.org/wiki/R.....schland%29 und ihre Verbindungen und gemeinsamen Operationen mit palästinensischen Terroristen. Dabei gab es eine Operation Entebbe.

    Die Terroristen „selektierten“ die jüdischen Passagiere (80 Israelis sowie 22 Juden französischer Staatsangehörigkeit sowie ein Staatenloser) aus und ließen die anderen Geiseln frei. Diese Aussonderung wurde von dem deutschen Terroristen Wilfried Böse übernommen. Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/Operation_Entebbe

    Es geht um die Zerstörung der positivistischen Vernunft, die der Papst in seiner Rede mit dem Juden Hans Kelsen verknüpft, der wiederrum für die Juden steht.

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    @KJN: Das ich zunächst keine Probleme mit der Nachhaltigkeit hatte, lag sicher auch an meiner DDR-Erziehung. Ich sage nur SERO (Sekundärrohstoffe). Wir haben gesammelt und sortiert. Es schien ja unter den Bedingungen der Abschottung, dem Mangel an Devisen und der Abhängigkeit von der Sowjetunion in Rohstofffragen sinnvoll. Auch die Frage der Unabhängigkeit von fremder Wirtschaft und Rohstoffen ist in der DDR immer oberste Priorität gewesen. Kommt mir also sehr bekannt vor. Dabei scheint es dann auch keine Rolle zu spielen, dass es inzwischen bessere und für den Umweltschutz ausgereiftere Methoden gibt. Da bei jeder Veränderung auch Arbeitsplätze zur Disposition stehen, lassen sich ja dann auch noch die entsprechende Mitarbeiter mobilisieren. Was aber wissenschaftlich nicht haltbar und wirtschaftlich unsinnig ist für die Allgemeinheit, sollte geändert werden.

    Natürlich ist Nachhaltigkeit im Umgang mit der Natur wichtig. Ich habe mal einen Artikel über die Glasherstellung im Böhmischen Wald gelesen in deren Folge ganze Wälder abgeholzt wurden. Es müssen immer mehrere Bedingungen berücksichtigt werde. Wissen Sie, das die Flachglasherstellung die Gebäude wie die zerstörten Zwillingstürme in New York möglich machen, erst in den 50-iger Jahren des 20. Jahrhunderts entwickelt wurde?

    Damit bin ich wieder bei der Papstrede und meiner Interpretation.

    Es gibt noch eine Stelle in seiner Rede: So kann ich nicht denken, das kann ich nicht glauben, das kann ich nicht schreiben.

    Betonbauten ohne Fenster die zerstörten Zwillingstürme in New York als Symbol für die positivistische Vernunft,
    ..den Vorräten Gottes schöpfen, die wir zu unseren Produkten umgestalten der Islam,
    In den 70-iger Jahre nicht die ökologische Bewegung eine andere

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    @ Kerstin
    @ KJN wg. Demut

    “Wieso aber regt sich jetzt nichts in Deutschland?”

    Weil die meisten unserer deutschen Mitbürger dümmer sind als die Polizei erlaubt. Man geht hier zwar nicht mehr in die Kirche, glaubt aber weiter an den Weihnachtsmann. Sicherlich gibt es unter uns Deutschen ein paar Intelligenzbestien, wie z.B. den Professor Lepsius, der auch zu den unangenehmen Kelsen-Verstehern gehört, die einfach nicht in Demut für sich behalten können, dass der Kaiser nackt ist. Die stören einfach unseren Seelenfrieden und scheinen noch Stolz zu sein, das Sand im Getriebe unseres Schöpfergottes zu sein. Da sie aber selbst nur Kreaturen unseres Herrn sind, werden Sie zermalmt werden von der unermesslichen Güte unserer heiligen katholischen Kirche und – zu meiner und aller Genugtuung – bis ans Ende aller Zeiten ihre gerechte Strafe im Fegefeuer erleiden.

    So, jetzt muss ich wieder an die Arbeit und mir von irgendwelchen dahergelaufenen Politikern und Verfassungsrichtern die Füße küssen lassen. Wie ich dass hasse! Ich bin doch so schrecklich kitzelig.

    http://www.rp-online.de/politi.....25324.html

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    @EJ: Was für eine furchtbare Papst-Rede! Die Abgeordneten haben geklatscht. Diese Rede war nicht direkt, sondern voller versteckter Hinweise. Wieso aber regt sich jetzt nichts in Deutschland?

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    @EJ: Doch EJ ich unterstelle dem Papst judenfeindliche oder antisemitische Absichten. Nicht nur das er die von vier Bischöfen der traditionalistischen eingestellten Priesterbruderschaft Pius X. zurückgenommen hat. Einer der Bischöfe, Richard Williamson , ist ein notorischer Holocautleugner. Er hat auch den Text der Karfreitagsfürbitte geändert.

    Der Papst hat den Namen Kelsen noch ein zweites Mal genannt. Kelsen der Jude, der für die Juden steht.
    Er nennt den Namen in folgendem Zusammenhang:

    “Wenn damit bis in die Zeit der Aufklärung, der Menschenrechtserklärung nach dem Zweiten Weltkrieg und in der Gestaltung unseres Grundgesetzes die Frage nach den Grundlagen der Gesetzgebung geklärt schien, so hat sich im letzten halben Jahrhundert eine dramatische Veränderung der Situation zugetragen.“ (Papstrede im Bundestag)

    Er sagte weiter:

    Der Grund dafür ist das inzwischen fast allgemein angenommene positivistische Verständnis von Natur und Vernunft. Wenn man die Natur – mit den Worten von H. Kelsen – als „ein Aggregat von als Ursache und Wirkung miteinander verbundenen Seinstatsachen“ ansieht, dann kann aus ihr in der Tat keine irgendwie geartete ethische Weisung hervorgehen. (Papstrede)

    Die Juden sind Schuld an der heutigen Situation und an der Finanzkrise.

  16. avatar

    @Kerstin
    “Wenn aber jeder Bürger sich an diesen Kontrollsystem
    beteiligt, weil es doch für ihn nur die eine Wahrheit gibt,…”

    Wahrheit, das ist wohl der thematische Bezug hier,
    aber ich muß trotzdem nochmal auf den Müll und Ihr Erlebnis in dem
    Kiewer Laden zu sprechen kommen: Wir technikaffinen männlichen nerds
    (das sind die, die früher ständig mit einem Lötkolben herumfuchtelten
    [1] und heute hinter’m PC beim Programmieren irgendwelcher Algorithmen
    vergammeln und die, nicht zwangsläufig, aber gerne immer wieder mal –
    in Ermangelung einer verstehbaren Alternative – CDU, FDP oder die
    Piraten
    wählen wissen schon lange, daß die Mülltrennung nur 2
    Zwecken dient, von der Sie einen (Glaubensinhalt => Ordnung)
    bereits genannt haben, der zweite (wichtigere) aber der Steuerung des
    Heizwertes in den Müllverbrennungsanlagen dient. Viel Plastik
    beimischen => hoher Heizwert: Damit kann man auch gut den Inhalt
    der grünen Biotonnen, der viel Wasser enthält, einäschern und das
    erleichtert enorm die Nachhaltigkeit, insbesondere
    bei den Überschüssen in den Bilanzen der beteiligten öffentlichen
    Dienstleister. Ja klar, da wird Heizöl gespart und mit den Überschüssen
    kann man ja mal wieder subventionieren und seine öffentlich rechtliche
    Macht ausbauen (ja ich bin jetzt sarkastisch, aber nur leicht). Einige
    würden den Zusammenhang ja verstehen und solches Handeln als sinnvoll
    erkennen, aber da hierzulande die meisten das nicht verstehen würden,
    weil, im Gegensatz zu den USA, Bildungsinhalte, die solche
    Zusammenhänge verstehbar machen würden, als Bildung 3. Klasse gelten,
    verarscht man lieber den Bürger. Da man jetzt zu einer “konzertierten
    Aktion” zusammenrücken muß, um einem Kontinent mit hohen
    Komfortansprüchen (Energiebedarf) klar zu machen, daß alle das Licht
    nicht zu lange brennen lassen sollen und diese giftigen Sparlampen
    kaufen sollen, weil sonst die Abhängigkeiten von den Lieferstaaten der
    Energieträger zu groß werden, muß eine neue Ideologie her:
    Nachhaltigkeit. Wir müssen jetzt alle mal wieder zusammenhalten!
    Da wird natürlich Wissenschaftsgläubigkeit benutzt: Wer sich keine
    eigene Meinung bilden kann, muß halt glauben..
    Ach ja, Glauben – Wahrheit; wo wir wieder beim
    Thema sind: Lesen Sie Poseners
    Artikel
    , dann wird klar, wo Benedikt zu verorten ist –
    nämlich bei den Idealisierern von naturwissenschaftlichen
    Erkenntnissen, sei es, daß sie einen bestimmten Wissensstand als
    Grundlage für ihr “Naturrecht” definieren, oder daß sie ständig neue
    Gesetze beschließen, um entweder die klimatischen Bedingungen zu
    fixieren oder einen Landstrich, wie die Lüneburger Heide auf dem Stand
    des 17. Jh. zu halten. All das ist Willkür, keine Wissenschaft und
    schon gar kein Naturschutz (welche Natur eigentlich, die des 17. Jh.,
    der Römerzeit oder die ohne Menschen bzw. alles Wald in Mitteleuropa?).
    Was mir da fehlt ist so eine urkatholische Tugend, wie Demut
    vor dem Ist, das wir Menschen nur annähernd
    erfassen können.
    Ach, ich vergaß Ihr Kiewer Erlebnis: Trotz allem war ich manchmal
    dankbar, daß mein Nachwuchs aufgrund beherzter Besserwisser in
    Geschäften nicht immer das bekam, was er so begehrte. So sind noch ein
    paar Gehirnzellen übriggeblieben. Ich will sagen: Nicht hinter allem
    steckt organisierte Verschwörung..
    [1] Max Goldt: Ein gutes und ein schlechtes neues Wort für Männer. In:
    Mind boggling – Evening Post, Zürich 1998, S. 84–90

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