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Die FDP mutiert zur Gay Party: Der Liberalismus verkommt im Guido-Mobil zum Kasperltheater

Wenn die Engländer zur Zeit des Oscar Wilde ganz unbefangen von einer gay party sprachen, so war das eine heitere, eine fröhliche Zusammenkunft. Erst im Laufe der Zeit hat sich der Begriff zu einer Bezeichnung eines homosexuellen Lebensstils gewandelt. Und an einer heiteren Liberalität in allen Dingen des Lebens kann ich sehr viel Sympathisches finden in einem Land, das für seinen reaktionären Bierernst und seine Bigotterie berüchtigt war.

Jetzt aber lese ich, dass der von WikiLeaks enttarnte Spion Helmut Metzner (41) eine persönliche Website betrieb, in der er sich als „MunterMacherMetzner“ inszenierte und auf Facebook Comicfiguren vom „kleinen Maulwurf“ zur Verharmlosung seiner Agententätigkeit bemüht. Ein Häschenkostüm bot er zum Verleih an, mit dem er selbst schon gelb-blau gefärbte Eier verschenkte und als liberaler Meister Lampe an der Berliner Parade zum Christopher-Street-Day teilnahm. In seiner Internetbiographie klagt der mit einer gelb-blauen Fliege bewehrte Eierfreund, wie er als bekennender und verheirateter Schwuler unter den Verhältnissen in der fränkischen CSU gelitten habe und wie herrlich es nun in der Westerwelle-FDP sei.

Mir vergeht der Humor; aber nicht, ich schwöre, weil ich auch nur im kleinsten Winkel meines Herzens was gegen Schwule hätte. Meine Laune wird nicht bei Klaus Wowereit getrübt und nicht bei Ole von Beust, jedenfalls nicht, weil sie gleichgeschlechtliche Partner haben. Aber hier fährt sich der Liberalismus in die ewige Lächerlichkeit eines Komödienstadels; das Kasperltheater dieser heiteren Herren schmerzt, nicht, dass sie Bachelor sind.

Ich war schon bei den Spaß-Wahlkämpfen von Guido Westerwelle irritiert, weil sie von den Albernheiten eines Milieus getränkt waren, das der Wähler in seiner Mehrheit nicht mehr versteht. In der Politik ist man aber für das Maß seiner Missverstehbarkeit verantwortlich. Wenn ein heterosexueller Mann ein Wohnmobil am Straßenrand stehen sieht, dann denkt er eben nicht an Theodor Heuss oder Graf Lambsdorff. Die Zahl 18 auf der Schuhsohle, das Guido-Mobil, die Kultivierung gelb-blauer Eier, das entstammt einem soziolektischen Esprit. Das alles sind milieutypische Scherze, die man durchaus teilen kann, aber sie verweisen im Sinne politischer Symbolik eben nicht auf den intellektuellen Kern des Liberalismus. Nun also im Büro des Außenministers Herr MunterMacherMetzner, der Spion, der aus dem Warmen kam.

Das ist so bitter, dass man schon Angst vor der eigenen Ironie entwickelt. Was noch? Man muss den Humor auch verlieren, weil es um Fragen des nationalen Interesses geht. Der Mann war Büroleiter des FDP-Vorsitzenden Westerwelle, des amtierenden Bundesaußenministers. Er hat WikiLeaks zufolge eine ausländische Macht über Meinungsunterschiede zwischen den Koalitionsparteien in Fragen der Abrüstung informiert; unzweifelhaft Fragen von nationalem Interesse, auch wenn für die Bündnis- und Schutzmacht spioniert wird.

Ein Desaster für die Amerikaner, allemal für den amerikanischen Botschafter, und für die deutsche Außenpolitik. Denn wie immer bei solchen Watergate-Skandalen, das wirkliche Problem entsteht erst im zweiten Schritt,  hier in der Behandlung der Spionage durch die FDP-Führung. Genau vor einer Woche hat das Kabinettsmitglied Dirk Niebel (FDP), ehedem Generalsekretär der Liberalen, mir und der Nation ins Gesicht gelogen. Er wusste bei Anne Will mit Inbrunst zu bekennen, dass es in der FDP gar keinen Spion gebe.

Dem aufmerksamen Beobachter entging nicht:  Seine Händen zitterten und unter dem lichten Haupthaar zeigte sich Angstschweiß, aber es wurde stramm geleugnet. Auch auf meine Vorhaltung, dies sei eine Tatsachenbehauptung wider besseres Wissen, blieb Niebel stur: „Ich bestreite, dass es einen Informanten gibt.“ Die Woche war noch nicht um, da musste der nunmehr enttarnte und geständige Muntermacher-Agent bei der FDP umgesetzt werden.

Aber der Unwillen geht über das Krisenmanagement von Westerwelle und seinem Ausputzer Niebel hinaus. Erinnern wir uns, die FDP, das war für das bürgerliche Lager mal das feinste Tuch, das die Republik zu bieten hatte. Der Liberalismus hatte eine gediegene Attraktivität bis weit in die Sozialdemokratie hinein. Das ist der Fluch des Jürgen Möllemann: Er hat sich selbst gerichtet, aber das Halbseidene ist geblieben.

Die FDP ist eine Partei mit Hautgout. Auch ihre Freunde schämen sich ihrer. Die seriöse Frankfurter Allgemeine zitiert Stimmen aus der FDP, die sich gegen ein Regime sogenannter „Mickey-Mouse-Bubis“ wehren. Der Begriff von den schwulen Seilschaften fällt. Genau an dieser Stelle muss man staatspolitisch energisch werden. Die Frage ist nicht, welcher sexuellen Orientierung die handelnden Politiker folgen. Das hat nicht zu interessieren; und es interessiert auch nicht. Nach diesen privaten und persönlichen Dingen hat der Wähler nicht gefragt.

Er ist dank einem unterentwickelten ordnungspolitischen Anstand mit solchen Lebensstilfragen belästigt worden. Es war nicht die Idee des Souveräns, erst die Mehrwertsteuer für Hoteliers zu senken und dann als Bundesaußenminister auf einer Hoteleinweihung zu reden, die der Lebenspartner gegen Honorar organisiert hatte. Solche Strategien staatsbürgerlichen Verhaltens entstehen im Guido-Mobil. Man inszeniere sich jetzt also nicht in der gay party als diskriminierte Minderheit. Es geht um den erst geleugneten, dann schamvoll versteckten MunterMacherMaulwurf.

Die Frage ist, wie ernst man den Liberalismus noch nehmen kann, wenn Denunziantentum oder gar Landesverrat in der Attitüde heiterer Party-Jokes zur Regel werden. Wir wollen anständig regiert werden, von integren Persönlichkeiten.

Und wir respektieren Politikerpersönlichkeiten, für die die Pflicht mehr als Party ist. Konkret: Wer den Bundesfinanzminister gegenüber einer ausländischen Macht als zornigen alten Mann, gar als Neurotiker oder Mann unter Drogen (alles FDP-Jargon) diffamiert, verwirkt unser Vertrauen. Schluss damit. Die Party ist aus.

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8 Gedanken zu “Die FDP mutiert zur Gay Party: Der Liberalismus verkommt im Guido-Mobil zum Kasperltheater;”

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    Schon seltsam: Wenn ein heterosexueller Politiker etwas falsch macht, dann lässt sich Herr Kocks nicht seitenlang über seine Heterosexualität aus, um dann natürlich zu betonen, daß die sexuelle Orientierung in diesem Zusammenhang eigentlich nicht interessiert.

    Warum lässt sich Herr Kocks aber über Homosexualität in der FDP aus. Das riecht mir sehr stark nach Homophobie!

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    Die FDP reduziert sich nicht auf Westerwelle & Gay Tea Party. Machen Sie sich ruhig lustig, wir können dies als Liberalen ertragen.

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    Lieber Herr Kocks, “Wir wollen anständig regiert werden,von integren Persönlichkeiten”.
    Ich lese diesen Satz und lese diesen Satz………..und kommen immer mehr zu dem Urteil, daß Sie die letzten Jahrzehnte nicht in Europa verbracht haben können.
    Wahrnehmungsstörungen sind behandelbar, es gibt da gute Therapien.
    Fragen Sie doch Herrn Geißler. Der sagte schon vor Jahren”kein anständiger Mensch wählt SPD”, womit er, in der Retrospektive, sogar recht hatte. Jetzt gehen uns aber die”anständigen” Alternativen aus.

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    EJ: Herzlichen Dank für den Hinweis!!!!!!
    Ich wollte nicht schon wieder mein altmodisches Gedächtnis bemühen und so eklig retrospektieren.

    Was mich allerdings sehr stört, daß die Kritik an besagtem Herrn sich nur an seiner sexuellen Präferenz hochzieht, sozusagen an seiner Unterwäsche. Genau diese Herren in Nadelstreifen wurden uns vor der letzten Wahl angepriesen, wie Sauerbier, mit immer dem Hinweis auf die Würde des Menschen, wenn um die “Unterhosen” von Banani ging.
    Hier wird sich sicher auch einer erinnern, wie wir im Schriftverkehr über eine Regierungsbeteiligung der Liberalen nicht unbegeistert waren.
    Also, bitte Butter bei die Fisch,wenn möglich ohne die Unterhosenperspektive.

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    Das Problem :

    die Party ist aus,
    aber es ist niemand da um das Licht auszumachen.

    Verstehe das, wer’s kann.

    In einem blog wurde Herrn Westerwelle bereits ein Fallschirm angeboten, was dieser aber bereits empört abgelehnt haben soll, sowas passe doch nicht zu seiner Kravatte. (hoffentlich nur ein Gerücht!)

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    der von WikiLeaks enttarnte Spion Helmut Metzner (41)

    Na, wollen wir mal die Kirche im Dorf lassen. Es ist noch nicht lange her, da gehörten Leute wie Metzler zur Avantgarde. Die hatte (im Gegensatz zu unsereinem) old europe überwunden und waren bereits Teil des Westens. Dem amerikanischen Botschafter auf dem Schoß zu sitzen, George Bush als Neuen Messias und Condoleezza Rice – sie nannte Bush allerdings versehentlich mal “meinen Mann” – als seine jungfräuliche Mutter zu verehren, war identisch mit dem Bekenntnis zur Universalität der westlichen Werte.

    Metzler ist kein enttarnter Spion. Für einen FDP-Mann ist vielleicht etwas langsam. Er hat noch nicht gemerkt, dass der Wind längst gedreht hat. Vor allem aber ist er das Opfer unseres opportunistischen Gedächtnisses.

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    Nach einem Interview mit Westerwelle kurz vor der Bundestagswahl nahm mich besagter Muntermacher beiseite und zeigte mir eine gerade erschienene Anzeige für Bruno-Banani-Unterwäsche:

    http://www.stylicon.de/671-bruno-banani-steckt-politiker-fuer-abwrackpraemie-in-unterwaesche/

    Was ihn ärgerte, war die Tatsache, dass die Eier des Großen Vorsitzenden die gelbe Unterhose nicht so deutlich ausbeulten wie jene des CSU-Chefs neben ihm die blaue. Ob ich dahinter eine Absicht vermutete? Eine politische Kampagne gar? Ich sagte, davon müsse man unbedingt ausgehen.

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