avatar 26. August 2014 - 14:06
Von: Alan Posener

Die Rationalität des IS und die Irrationalität des Westens

Berthold Kohler, Mitherausgeber der FAZ, hat die Bewaffnung der kurdischen Peschmerga-Kämpfer mit dem Argument unterstützt, da der Einsatz von Bodentruppen für Amerikaner und Europäer im Irak „nach den gemachten Erfahrungen nicht in Frage“ komme, seien die Kurden „die Infanterie des Westens“.

Hier ist der ganze Artikel:

http://www.faz.net/aktuell/politik/ausland/naher-osten/berlin-will-kurden-aufruesten-waffen-fuer-die-infanterie-des-westens-13108327.html

Nun wird in diesen Tagen überall ziemlich viel Unsinn verbreitet. Warum greife ich mir ausgerechnet Herrn Kohler heraus?

Nun, Kohler ist ein einflussreicher Publizist. Und in seinem Kommentar werden gleich mehrere westliche Missverständnisse geradezu exemplarisch deutlich – das Ganze überdies im Duktus des Besserwissers: „Offenbar müssen … deutsche Innenpolitiker noch lernen, dass die mörderischen Auseinandersetzungen in der arabischen Welt nicht allein dadurch einzudämmen sind, dass die Friedrich-Ebert-Stiftung dort Konfliktbewältigungsseminare abhält.“ Höhöhö.

Was die Peschmerga als „Infanterie des Westens“ angeht, so muss man sich nur fragen, ob sich die kurdischen Kämpfer selbst so betrachten, um die neokoloniale Überheblichkeit zu verstehen, die diesem Missverständnis zugrunde liegt. Für die Peschmerga ist der Westen eher der Quartiermeister der kurdischen Unabhängigkeit.

Man kann für oder gegen die Unabhängigkeit Kurdistans sein. Zu glauben aber, die Kurden würden heute als unsere Infanteristen kämpfen, morgen dafür aber nichts einfordern, wäre extrem naiv. Blut gegen Unabhängigkeit: dies war der Deal, der schon – ausgesprochen oder unausgesprochen – dem Einsatz kolonialer oder halbkolonialer Truppen in den Kriegen der Europäer 1914 – 1918 und 1939 – 1945 zugrunde lag. Damals waren die Europäer und Amerikaner stark genug, ihre Versprechen nach den Kriegen wieder zu kassieren – man denke, apropos „arabische Welt“, an die den Arabern für ihren Einsatz als „Infanterie des Westens“ gegen die Türken im Ersten Weltkrieg versprochene Unabhängigkeit, oder an die Wiederaufrichtung der kolonialen Herrschaft der Holländer und Briten nach dem zweiten Weltkrieg in Südostasien.

Heute sind wir, da wir „nach den gemachten Erfahrungen“ nicht bereit sind, im Nahen und Mittleren Osten selbst mit Bodentruppen als Ordnungsmacht einzugreifen, auch nicht in der Lage, diese Region zu ordnen. Man mag das bedauern oder nicht: Es ist eine Tatsache. Niemand agiert dort auf unser Geheiß; und unsere Fähigkeit, den Ausgang der „mörderischen Auseinandersetzungen in der arabischen Welt einzudämmen“, geht gegen Null, ob mit Waffen oder Konfliktbewältigungsseminaren. Einstmals waren Araber, Kurden, Perser und Afghanen Bauern im „Great Game“, das Russland, Großbritannien und einige andere Mächte in der Region spielten. Heute sind wir die Schachfiguren, und das Spiel wird von anderen Akteuren gespielt.

Kohlers beschränktes Verständnis internationaler Politik wird auch in folgendem Zitat deutlich: „Die westlichen Demokratien müssen diesem Zivilisationsbruch und der Ausdehnung dieses totalitären Horrorregimes nicht nur deshalb entgegentreten, weil das ihre Werteordnung und ihr Selbstverständnis von ihnen verlangt. Der ‚Islamische Staat’ stellt eine akute Bedrohung für die ohnehin schon instabile Lage im Nahen Osten sowie eine langfristige Gefahr für die innere Sicherheit Europas und der Vereinigten Staaten dar.“

Warum die Brutalität des IS einen „Zivilisationsbruch“ darstellen soll, der einen Einsatz des Westens zwingend erfordert, allerdings ohne dass wir auch nur ein Soldatenleben aufs Spiel setzen, bleibt Kohlers Geheimnis. In Ruanda geschah Schlimmeres, ohne dass wir uns genötigt sahen, einzugreifen. In Darfur waren bis 2008 – neuere Zahlen habe ich nicht – 300.000 Menschen allein wegen ihrer Hautfarbe umgebracht worden, und im Kongo haben fast sechs Millionen Menschen ihr Leben verloren, für den, wenn man der „Welt“ glauben soll, „vor allem die USA und Europa verantwortlich“ sind:

http://www.welt.de/kultur/literarischewelt/article106655846/Unsere-Handys-fuehren-im-Kongo-zum-Buergerkrieg.html

Wollen wir in der Region bleiben, so wäre darauf hinzuweisen, dass der Bürgerkrieg in Syrien bislang vermutlich über 200.000 Todesopfer gefordert hat. ISIS/IS dürfte nur für einen Bruchteil dieser Toten verantwortlich sein; Hauptverantwortlicher ist das Assad-Regime, das Giftgas gegen die eigene Bevölkerung eingesetzt hat – eine „rote Linie“, auf deren Verletzung die Bundesregierung in vorauseilendem Gehorsam gegen unseren mit Assad verbündeten Hauptgaslieferanten mit dem Hinweis reagiert hat, man werde such auf keinen Fall an militärischen Aktionen gegen Assad beteiligen. Die Invasion des Irak durch die USA und Großbritannien 2003 forderte allein im ersten Jahr 10.000 zivile Tote; seitdem sind an die 140.000 Zivilisten im Irak getötet worden. In Afghanistan sind es seit unserem Eingreifen dort 40.000.

Oder nehmen wir ein Beispiel aus unserer eigenen Geschichte (nein, nicht das Naheliegende): Im November 1942 sagte der Chef der britischen Bomberflotte voraus, innerhalb der nächsten 18 Monate werde man 900.000 Deutsche töten, eine weitere Million verletzen und 25 Millionen Deutsche „enthausen“ (so Richard Overy in seinem neuen Werk über den Bombenkrieg in Europa 1939 bis 1945). Es handelte sich ausschließlich um Zivilisten, und das explizite Ziel war das Brechen der deutsdchen Moral. Wie bei der – erheblich geringeren – Brutalität der IS-Terroristen. Angesprochen auf das gezielte Töten von Zivilisten im Luftkrieg antworteten die Erzbischöfe von Canterbury und York 1940, die mit dem Sieg der Alliierten verbundene moralische Frage sei „wichtiger als die harte Tatsache des Kampfes mit Mitteln, die man bedauern mag.“ (So viel übrigens zur Forderung an Muslime, sie sollten sich bitte von jedem Terrorakt, der im Namen des Islam oder von Muslimen begangen wird, bitteschön distanzieren.)

Mir geht es nicht darum, die Mörder des IS zu rechtfertigen. Mir geht es schon darum, die Verbrechen des IS zu relativieren und das publizistische Hyperventilieren – „Zivilisationsbruch“ – zu kritisieren. Irrationalität ist keine gute Grundlage für das Eingreifen in die Weltpolitik.

Will man intelligent gegen den IS vorgehen, so muss man die Rationalität des IS begreifen. Er ist nicht aus dem Nichts entstanden, und er wird nicht wieder ins Nichts verschwinden. Er ist ein Produkt des Ringens zwischen Schiiten und Sunniten um die Vorherrschaft in der Region. Der IS konnte nur so stark werden, weil

–       in Syrien die mit dem schiitischen Regime in Teheran verbündete Assad-Diktatur so brutal gegen die sunnitische Opposition vorging; weil die „gemäßigten“ Oppositionskräfte so schwach waren; weil Russland Assad stützt; und weil der Westen faktisch mit Assad zusammenarbeitet bei der Liquidierung seiner Chemiewaffen. Und weil

–       im Irak die mit Teheran verbündete Regierung Al-Malikis konsequent Sunniten aus allen Ämtern verdrängt und politisch marginalisiert hat. Und weil

–       im arabischen Raum finanzstarke Kräfte – man denke an Qatar – die Kriegskoffer des IS auffüllen.

Bedrängte Sunniten in Syrien und im Irak mögen die Brutalität des IS verabscheuen; sie sind dennoch nicht bereit, gegen den IS zu kämpfen, weil sie die Angst der Schiiten in Teheran, Bagdad und Damaskus sehen und darauf zählen, als Preis für ihren Einsatz als „Infanterie der Schiiten“ politische Konzessionen zu erringen. Ob der Westen gut daran tut, den Schiiten in dieser Situation – und ohne selbst Konzessionen errungen zu haben – beizuspringen, darf man immerhin fragen.

Wir haben mit Saddam Hussein den wichtigsten regionalen Gegner des Teheraner Regimes beseitigt und den Irak zu einem faktischen Satellitenstaat des Iran gemacht. Wir haben die sunnitischen Extremisten in Afghanistan zwölf Jahre lang beschäftigt und dadurch dem Teheraner Regime vom Leib gehalten. Wir haben zugelassen, dass der mit Teheran verbündete Assad sein eigenes Land zerstört. Wir haben – entgegen dem Auftrag der Vereinten Nationen – zugelassen, dass Süd-Libanon wieder in die Hände der mit Teheran und Damaskus verbündeten Hisbollah fällt, und dass die Hisbollah wieder aufrüstet. Und was haben wir dafür bekommen? Nichts. Teheran rüstet weiter nuklear auf, unterstützt weiter Assad, die Hisbollah, die irakischen Schiiten und die Hamas.

Die Kurden sind die Infanteristen des Westens? Wer’s glaubt. Möglicherweise sind wir im Westen aus Teheraner Sicht die nützlichen Idioten der schiitischen Erweckung.

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62 Kommentare zu „Die Rationalität des IS und die Irrationalität des Westens“

  1. avatar lucas sagt:

    Sorry, mich hat das so verwirrt, dass der Michi G. aus Deutschland kommt, ich mein natürlich Europa.

  2. avatar lucas sagt:

    @Alan Posener
    Warum so hoffnungslos?

  3. avatar lucas sagt:

    uuups, Munition vergessen ;)

    btw ist 3D drucken schon schneller als Spritzguss:
    http://3dprint.com/5723/3d-printing-speed-barrier/

  4. avatar Walter Schmid sagt:

    Klar, solange es die Waffenindustrie gibt, solange wird es immer Kriege geben, egal zu welchem Erkenntnisgewinn man kommt. Allerdings könnten die Menschen zum Erkenntnisgewinn kommen, die Waffen zu verweigern. Somit erübrigt sich alles! Fazit: Der Mensch ist das Problem, lieber Herr Posener.

  5. avatar Marseillais sagt:

    @ Alan Posener

    Die Begründung:
    Uli Hoeneß stellt keine Gefahr für die Allgemeinheit dar.
    Die Strafe mag zur Abschreckung dienen, ein Phänomen, das vor Jahren in Zusammenhang mit der Todesstrafe diskutiert und von den meisten Experten für wirkungslos erachtet wurde, wie ja auch Morde und Amokläufe in den USA belegen. Man kann zudem nicht beweisen, dass drastische Strafen Abschreckung zur Folge haben.
    Die Strafe wirkt auf mich und möglicherweise viele Fans des FC Bayern und des Fußballs generell demütigend. Da niemand von uns Fußballfans Hoeneß demütigen möchte, haben wir Mitleid mit ihm, ein Gefühl, das wir vielleicht nicht hätten, wenn die Strafe lediglich aus der Geldstrafe und dem Rücktritt bestanden hätte.
    Die Strafe erscheint also unverhältnismäßig und wirkt dadurch nebenbei lächerlich.
    Unverhältnismäßig erscheint auch, dass ein Hoeneß, der keine Gefahr für Leib und Leben darstellt, sitzt, während mancher Kindesmörder frei herumläuft.
    Genauso bescheuert erscheint die hohe Gefängsnisstrafe für Bernie Madoff (ca. 127 Jahre).
    Die Strafen sehen aus wie Racheakte von Staaten, die im Fall Hoeneß einiges an Dank schulden, z.B. für das florierende Wirtschaftsunternehmen FC Bayern, mit allem, was daran hängt inklusive Fanartikelbusiness, einige Championsleague-Titel und nicht zuletzt den Gewinn der WM, an der Teile des Kaders beteiligt waren, den Hoeneß aufgebaut hat.
    Es wirkt absurd, wie Hoeneß eingelocht wird, aber dann der Titel überschwänglich, als hätte die gesamte Beamtenkaste ihn vorbereitet, in Empfang genommen wird.
    Den Hauptteil hat Jogi Löw vorbereitet, aber Hoeneß’ Mannschaft, Teile davon, waren wesentlich beteiligt, wie man auch am weit vorgerückten Holland sieht (van Gaal, Robben). Undankbar. Abartig.

  6. avatar lucas sagt:

    @Marseillais
    Ich habe noch mal nachgedacht, und auch wenn ich nicht denke, dass Obama darauf anspielte, sonst hätte er das denke ich anders gesagt, statt nur von “Krebsgeschwüren” zu reden, so steckt darin eventuell doch etwas richtiges.
    Ich glaube sie, Marseillais hatten das hier sehr früh auch schon mal angedacht:
    Weil die Organisationsform ISIS’ vermutlich wirklich Eigenschaften hat, die auch biologische Prozesse haben, Stichwort exponentielles Wachstum, Exponential Organizations, ISIS als Startup.
    IS gibt es schon länger, aber groß geworden ist er erst vor kurzem. Es gibt Unterstützung in der lokalen Bevölkerung und weltweites ausgefeiltes Marketing, was zwar nicht unbedingt von IS-Führern gewollt, aber geduldet wird. Trotzdem führt “Krebsgeschwür” meiner Meinung nach zu irrationalen Assoziationen, die einer rationalen Analyse im Weg stehen können.

    Meinte er das vielleicht doch so oder ähnlich? Wie haben sie das verstanden?

  7. avatar Fatih Ersoy sagt:

    @Stevanovic

    “…Die PKK hat nie westliches Kriegsgerät im Westen eingekauft….”

    Ob gekauft, weiß ich zwar nicht, auf westliche Waffen hatten die sehr wohl Zugriff. Unser NATO-Partner Griechenland hat denen in den Neunzigern so einiges zur Verfügung gestellt. Boden-Luft-Raketen bspw., mit denen auch der eine oder andere türkische Hubschrauber runtergeholt wurde, kamen aus solchen Beständen.

  8. avatar Marseillais sagt:

    “ISIL has no ideology of any value to human beings,” the president said, using an alternative abbreviation for the group. “Their ideology is bankrupt. They may claim out of expediency that they are at war with the United States or the West, but the fact is they terrorize their neighbors and offer them nothing but an endless slavery to their empty vision and the collapse of any definition of civilized behavior.” BHO

    Verstehe nicht, was daran unverständlich sein soll. Sehe hier wenig Erklärungs-, sondern mehr Handlungsbedarf.

  9. avatar lucas sagt:

    okidoki, aber wie ist ‘cancer’, ‘Krebsgeschwür’ zu verstehen?
    http://www.theguardian.com/wor.....ht-jihadis
    Dass sich IS(IS) wie ein biologischer Prozess exponentiell verbreitet?

    Ist vielleicht auch egal, Handlungs- sehe ich, aber neben Analysebedarf, auch.

    Hat schon mal jemand darüber nachgedacht, dass die Islamisten Aufmerksamkeit haben wollen? Vielleicht wäre es also richtig, nicht mehr über irgendwelche Einzelgeschichten (übertrieben: “Terrorist Peter aus Gladbach (hier zum Portrait) hat schon 36 Jungfrauen mit seinem Maschinengewehr erlegt”), ihre Terrortaten, etc. zu berichten?
    Keine Ahnung ob das funktionierte oder ob es sogar falsch wäre (Einschränkung der Pressefreiheit, etc.)

    Wie wollen sie handeln? Obama weiß nicht wie (wobei ich eigentlich ganz gut finde, dass er so selbstkritisch ist, mich aber andererseits frage, ob das für weitere Strategien taktisch klug ist…). Pazifismus wird jedenfalls nichts weiterhelfen.

    Und sich von IS(IS)-Terrorakten verunsichern lassen auch nicht, ich kann es verstehen, mir geht es auch so, trotzdem soll der Terror vermutlich gerade dazu führen, zur Immobilisierung der Gegner. Also psychologische Kriegsführung. Jedenfalls führt er bei manchen dazu.

  10. avatar Marseillais sagt:

    tumor=tumour=Tumor=Geschwulst, kann gut- oder bösartig sein.
    Bösartiger Tumor+Metastasen=Krebs=Cancer=cancer
    Hieraus ergibt sich, dass die Kombination aus beiden Ausdrücken unsinnig ist und vermutlich bewusst verwendet, um eine ganz andere Gedankenkette zu triggern, die von einem bekannten Holocaustleugner.

  11. avatar Dr. A. Holberg sagt:

    Hier ist A.Posener weitestgehend zuzustimmen. Ausnahme sind seine Sicherheiten bezüglich des – zweifellos sozial-reaktionären – iranischen Regimes. Für dessen Streben nach Atomwaffen gibt es keinen Beweis. In Afghanisten hat es mit den USA – im eigenen Interesse – gegen die Taliban kooperiert und tut das heute gegen die einst von den USA und Verbündeten sunnitischen Jihadisten. Auch was Syrien anbelangt: dass die Verantwortung für den Giftgaseinsatz gegen syrische Zivilisten beim Regime liegt, ist keineswegs bewiesen (was natürlich nicht bedeutet, dass das Regime davor aus “moralischen” Erwägungen zurückschrecken würde, aber damit befindet es sich ja in “guter” Gesellschaft nicht zuletzt auch mit herausragenden staatlichen Vertretern der westlichen Wertegemeinschaft. Zwei Punkte seien noch anzumerken: 1. wer den Kurden (und anderen Völkern) das Recht auf nationale Selbstbestimmung verwehrt, verlässt den Boden der Demokratie. Die Anerkennung dieses Rechtes ist im übrigen auch eine Voraussetzung für das Recht, gegen einen eigenen kurdischen etc. Staat zu argumentieren. 2. ISIS udgl. Kräfte sind nicht nur das Produkt sunnitisch-schiitischer Konkurrenz, sondern auch des ökonomischen, sozialen und damit moralischen Zerfalls weiter Teile der Region und darüberhinaus der bestehenden (kapitalistischen) Weltordnung. In diesem Zusammenhang ein kleines Zitat, das nur scheinbar eine Situation weit entfernt von der kapitalistischen Peripherie betrifft. Betreffs eines Aktes von Selbstjustiz in Südbaden, bei dem ein 17jähriger den vermutlichen Vergewaltiger seiner Schwester umgebracht hat, sagte der Bundesvorsitzende der Deutschen Polizeigewerkschaft, Rainer Wendt: “In dem Maß, in dem der Staat sich aus der öffentlichen Daseinsvorsorge zurückzieht, schwindet das Vertrauen und wächst die Bereitschaft, Dinge selbst in die Hand zu nehmen”. Zu diesen Dingen gehört nicht nur die Unterzeichnung einer privaten Versicherung und die Gründung eines Bauchladens, sondern eben auch die Selbstjustiz und das Streben “kaputt zu mache, was einen kaputtmacht”.

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