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Appeasement: Versuch einer Ehrenrettung

75 Jahre nach dem Beginn des Zweiten Weltkriegs ist es vielleicht angebracht, sich zu fragen, ob wir die richtigen Lehren aus dessen Vorgeschichte ziehen. Bekanntlich bin ich skeptisch, was das Lernen aus der Geschichte angeht; hauptsÀchlich, weil sich die Geschichte nicht wiederholt. Heute gilt es zum Beispiel als ausgemacht, dass die Beschwichtigungspolitik gegen Adolf Hitler nicht nur gescheitert ist, sondern verbrecherisch war.

Ein Beispiel fĂŒr diese Lesart der Geschichte – verbunden mit der Aufforderung, daraus zu lernen und keine Beschwichtigung gegenĂŒber Wladimir Putin zu betreiben – findet sich in diesem Aufruf polnischer Intellektueller.

Meines Erachtens ist es aber möglich, die von den polnischen Intellektuellen geforderten Konsequenzen aus Putins Aggression gegen die Ukraine – Stopp französischer Waffenlieferungen, Vorantreiben der deutschen Energiewende, um die AbhĂ€ngigkeit von russischem Gas zu verringern, materielle UnterstĂŒtzung der ukrainischen Regierung bei der BewĂ€ltigung der Folgen des Kriegs in der Ostukraine , Offenhalten der Möglichkeit einer ukrainischen Mitgliedschaft in der EuropĂ€ischen Union – gutzuheißen, ohne die Parallele zum Zweiten Weltkrieg zu ziehen, und ohne die Beschwichtigungspolitik in Bausch und Bogen zu verdammen.
Ja, befĂ€nden wir uns in einer Situation wie im Sommer 1939, wĂ€ren alle diese Maßnahmen entschieden zu wenig. Die Lage ist jedoch kaum vergleichbar.
Treten wir jedoch einen Schritt zurĂŒck und fragen wir uns zunĂ€chst, weshalb die Appeasement-Politik einen so schlechten Ruf hat. Nun, weil sie am Ende gescheitert ist; weil das ĂŒberragende Ziel Neville Chamberlains, einen erneuten europĂ€ischen Krieg zu vermeiden, nicht erreicht wurde. Wir sind ja im RĂŒckblick klĂŒger, so meinen wir. Hitler, so wissen wir jetzt, wollte gar keinen Frieden. Er war nicht zu beschwichtigen, weil seine Ziele ĂŒber alles hinausgingen, was sich europĂ€ische StaatsmĂ€nner vorstellen konnten.
Chamberlain konnte das jedoch nicht wissen. Das wussten selbst viele der engsten Mitarbeiter Hitlers nicht. Man hielt Hitler allgemein fĂŒr einen zweiten Mussolini. Und wenn dem so war, so sprach einiges dafĂŒr, ihm entgegenzukommen. NĂ€mlich
1. Der Versailler Friede war tatsĂ€chlich ungerecht. Nicht in erster Linie die aufgrund der Alleinschuldthese dem Deutschen Reich aufgebĂŒrdeten Reparationen, die man dank Inflation und diversen Verhandlungen mit den GlĂ€ubigern schon vor Hitlers Machtantritt entschĂ€rft hatte; sondern vor allem die Abtretung von Gebieten, in denen mehrheitlich Deutsche lebten, an die neuen Nationen Polen und Tschechoslowakei und das Verbot der Vereinigung Rest-Österreichs mit Deutschland , was alles kaum mit dem in Versailles verkĂŒndeten nationalen Selbstbestimmungsrecht der Völker vereinbar war. Man hatte also – in Frankreich weniger, dafĂŒr umso mehr in Großbritannien – ein schlechtes Gewissen.
Eine Revision von Versailles hielt man fĂŒr unumgĂ€nglich. Wenn es hier Lehren zu ziehen gibt, dann vielleicht die: Erstens, FriedensschlĂŒsse sollten keine moralischen Urteile enthalten, keine allgemeinen Prinzipien, vor allem, wenn man sich nicht selbst daran zu halten gedenkt. Zweitens, das nationale Selbstbestimmungsrecht der Völker ist Unsinn. Völker sind keine Rechtssubjekte. Wenn man einmal anfĂ€ngt, jedem „Volk“ einen Staat zuzubilligen, stehen sĂ€mtliche Staatsgrenzen zur Disposition. Manchmal mĂŒssen Menschen es aushalten, ethnische Minderheiten in einem anderen Staat zu sein; es ist nicht das furchtbarste Schicksal der Welt, siehe die SĂŒdtiroler, die nordirischen Katholiken, die deutsche Minderheit in Belgien, die dĂ€nische in Deutschland, die arabische in Israel usw. usf. Und drittens: Man hĂ€tte auf John Maynard Keynes hören sollen, der meinte, ohne GrĂŒndung einer EuropĂ€ischen Wirtschaftsunion wĂŒrde Versailles zu einem neuen Krieg fĂŒhren.
2. Das britische Volk – und erst recht das französische – war kriegsunwillig. Man vergisst es heute gern, aber Chamberlain wurde, als er mit seinem Regenschirm, einem Wisch Papier und dem Spruch „Peace in our time!“ aus MĂŒnchen zurĂŒckkehrte, in London ekstatisch gefeiert. Auch US-PrĂ€sident Franklin D. Roosevelt schickte ihm ein Telegramm mit zwei Worten: „Good man!“ In Amerika war die pazifistische Stimmung noch stĂ€rker als in Großbritannien. Und demokratische Politiker sind nun einmal gehalten, den Willen der WĂ€hler zu exekutieren, Nun kann man sagen, dass es aber auch Aufgabe von StaatsmĂ€nnern (und –frauen) ist, das Volk zu fĂŒhren und zu erziehen. Schon. Die Frage ist, wie das geschieht. Fraglos war das britische Volk am 3. September 1939 auch deshalb bereit, erneut in den Krieg zu ziehen, obwohl er, wie der König in seiner ErklĂ€rung sagte, „nicht auf das Schlachtfeld zu beschrĂ€nken sein“ wĂŒrde, weil es gesehen hatte, wie alle BemĂŒhungen, Hitler zu beschwichtigen und dadurch den Frieden zu retten, gescheitert waren. Roosevelt hatte diesen Mechanismus bereits im Ersten Weltkrieg studieren können, als Woodrow Wilson trotz wiederholter deutscher Provokationen den Kriegseintritt der USA möglichst hinauszögerte, weil er – wie er seinem Marineminister Roosevelt sagte – um sein Bild in den GeschichtsbĂŒchern besorgt war. Er wollte Amerika nicht in den Krieg fĂŒhren, sondern dem Land in den Krieg folgen.
Lehre: Die Bellizisten behielten am Ende Recht, aber ohne das Scheitern der Pazifisten hĂ€tten sie keinen politischen RĂŒckhalt gehabt.
3. In dem Zusammenhang ist auch erwĂ€hnenswert, dass Großbritannien (und auch Frankreich, und erst recht die USA) Zeit brauchte, um wieder aufzurĂŒsten – was nach MĂŒnchen begann und in dem von den polnischen Intellektuellen kritisierten „Sitzkrieg“ zwischen der Invasion Polens und dem Angriff auf Frankreich auch geschah. Insbesondere die britische Luftwaffe wurde ausgebaut, was am Ende dazu fĂŒhrte, dass Hitler die Luftschlacht ĂŒber England verlor, die Invasion Großbritanniens abblasen und einen Zweifrontenkrieg fĂŒhren musste. Die Vorstellung, Großbritannien und Frankreich hĂ€tten 1936 oder 1938 oder 1939 einfach so Truppen ins Rheinland, in die Tschechoslowakei oder nach Polen schicken und dadurch Hitler stoppen können, ist extrem naiv.
Lehre: Vermeide militÀrisches Maulheldentum, wenn deine militÀrische SchwÀche jedermann klar ist.
4. Die Kritik an der Appeasement-Politik, obwohl heute eher ein Topos rechter Publizistik, war ursprĂŒnglich eine linke Haltung. Man warf Chamberlain vor, er habe darauf spekuliert, Hitler und Stalin aufeinander zu hetzen, um auf diese Weise möglichst beide Diktatoren los zu werden. Das mag sein, auch wenn der Pazifismus die ĂŒberragende Motivation Chamberlains war; und wenn er so gedacht hat, so war das nicht verwerflich. Was tatsĂ€chlich verwerflich war, das war der Pakt zwischen Stalin und Hitler, die prompt gemeinsam in Polen einfielen und sich das Land teilten. Stalin riss sich außerdem die baltischen Staaten unter den Nagel; aus Dankbarkeit hat er fortan Hitler mit Öl und anderen kriegswichtigen Rohstoffen versorgt, mit deren Hilfe Deutschland den Westfeldzug fĂŒhren konnte. Die russlandfreundliche linke Kritik an der Appeasement-Politik sollte ja von der Tatsache ablenken, dass Großbritannien und Frankreich zwar Hitler nachgegeben, die Sowjetunion sich jedoch mit Hitler verbĂŒndet hat.
(Nur sozusagen in Parenthese merke ich an, dass einer der Hauptideologen der Antideutschen, Stephan Grigat, noch 2006 klagte, der „Sozialimperialismus“ der Sowjetunion sei „leider völlig in Verruf geraten“; schließlich habe es sich darum gehandelt, „mittels Zivilisationsexport (sic!) EinflusssphĂ€ren abzustecken“, wodurch es „sehr viel mehr Anzeichen fĂŒr eine Dialektik von nationaler und sozialer Befreiung gab als heute“.
Grigat und seine Antideutschen, die mit ihrem pro-zionistisch verhĂŒlltem Linksradikalismus mittlerweile auch die seriösen Medien unterwandern, unterschlagen schlicht und einfach, dass die „leider völlig in Verruf geratene“ Sowjetunion mit Hitler verbĂŒndet war, als dessen Einsatzgruppen in Polen ihre Mordarbeit gegen die Juden begannen.)
Lehre: Wer den Westen kritisiert, den Osten aber ausblendet, tut das in ideologischer Absicht.

Wie gesagt, ich bin durchaus dafĂŒr, Putin mit Festigkeit zu begegnen. Er hat schon Truppen in Armenien, das seinerseits Teile von Aserbaidschan besetzt, er hat Georgien und Moldau zerstĂŒckelt, die Krim mit fadenscheinigen BegrĂŒndungen annektiert, unterstĂŒtzt Europas letzten Diktator in Weißrussland, hat das korrupte Regime in der Ukraine gestĂŒtzt und fordert nun nach der Verjagung seines Statthalters die Aufteilung der Ukraine. Außerdem hat er Tschetschenien verwĂŒstet, Assad und das iranische Mullah-Regime unterstĂŒtzt und fördert reaktionĂ€re KrĂ€fte in ganz Europa. Wer homophob oder xenophob ist, antikapitalistisch und antiliberal, europa- und amerikakritisch, kann mit Putins UnterstĂŒtzung rechnen. Unsere Antwort sollte sein, alle demokratischen, pro-westlichen und liberalen KrĂ€fte zu unterstĂŒtzen, innerhalb und außerhalb Russlands, die sich ihm entgegenstellen.

Mit historischen Parallelen sollten wir jedoch – das sage ich durchaus selbstkritisch – so vorsichtig sein wie mit historischen Urteilen und Lehren aus der Geschichte. Es geht nicht darum, Hitler nachtrĂ€glich zu stoppen, sondern Putin jetzt.

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104 Gedanken zu “Appeasement: Versuch einer Ehrenrettung;”

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    @Jean-Luc Levasydas

    Gerade Kujath sagt sehr interessante Sachen. Ich bestreite auch nicht, dass Fehler gemacht worden. Einen BĂŒrgerkrieg mit Milizen entfesseln ist aber was gĂ€nzlich anderes. Der Kreml hatte viele Optionen, die Bewaffnung der Separatisten war aber ein Verbrechen. Es gab großen Raum innerhalb der Ukraine, fĂŒr Autonomie oder SelbststĂ€ndigkeit zu arbeiten. Die Brutalisierung der politischen Auseinandersetzung passt zu der völkisch/machohaften Neuausrichtung der russischen Gesellschaft. Es ist ja nicht so, dass sich die Macht nur außenpolitisch konsolidiert, da rutsch eine Gesellschaft in den völkischen Wahn ab. Die Vorzeichen Ă€ndern sich, aber was mit den Russen gemacht wird, liegt bei vielen im toten Winkel. Machen sie einen Test. Wenn sie damit anfangen, landen sie nach dem zweiten Satz in Vietnam. Mit der Warnung, dass Putin Russland kaputt macht, dringt man nicht durch. Russland existiert da nur als Imperium, als Land mit Menschen ist es weitestgehend uninteressant.

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    @Walter Schmid

    No comment deswegen, weil sie, wenn ich den Satz richtig verstehe, auch davon ausgehen, dass es selbstverstĂ€ndlich und natĂŒrlich ist, dass kleine Völker und Staaten in Europa sich der Großmacht beugen, wenn diese knurrt. Was in Osteuropa geschehen ist, nehmen sie ĂŒberhaupt nicht als Befreiung oder Emanzipation wahr, sondern lediglich als Schah der GroßmĂ€chte, bei dem es, natĂŒrlich im höchsten Interesse des Friedens, jeder in seiner HĂ€lfte bleiben soll. Wer in der falschen HĂ€lfte ist, hat halt Pech gehabt. Nicht das östliche Imperium ist ein Konstruktionsfehler, die UnabhĂ€ngigkeit der Kleinen ist der Betriebsunfall. Aus der Sicht hat sich die NATO natĂŒrlich herangeschlichen und dann ist es auch egal, ob die LĂ€nder eingesackt wurden oder sich emanzipiert haben. Ich bin der Meinung, dass der Zusammenbruch des Warschauer Paktes keine Unhöflichkeit gegenĂŒber Russland war, sondern die Befreiung von sowjetischer Vorherrschaft.

    Wenn sie meinen Namen richtig verkĂŒrzen wollen, dann wĂ€re es Stevi oder besser Stevo. Stepi ist die AbkĂŒrzung von Stepanovic, was aber nicht mein Name ist. Wir können gerne hart streiten und auch polemisch sein, anscheinend bewegen uns dieselben Themen. Lassen sie uns aber nicht persönlich werden, dafĂŒr gibt es keinen Grund. Wir können uns aber gerne an den Positionen abarbeiten. Das wĂŒrde mich freuen, dafĂŒr schreiben wir hier. Danke.

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    @Stefanovic

    Ich habe nicht von einer Tolerierung gesprochen!

    Fuer mich ist eher das Beunruhigende (Worte von Alan Posener) dass e.g. wieder von einer “ Bedrohung der Nato “ gesprochen wird.

    Und wenn ich mir die Kommentare des deutschen Generals Kujath lese:

    http://www.stuttgarter-zeitung.....2d469.html

    April 2014 !!!

    und auch hier:

    http://www.deutschlandradiokul....._id=296491

    und auch hier:

    http://www.deutschlandfunk.de/....._id=296560

    dann habe ich den Eindruck dass es doch noch Realisten gibt.

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    @Jean-Luc Levasydas

    Ich unterstelle ihnen, dass sie ĂŒber dieses Gebaren nie glĂŒcklich waren. Ich auch nicht. Warum sollte das, was uns am Westen abstĂ¶ĂŸt, im Falle Russlands tolerierbar sein?
    Der Kreml ist zur Zeit in einer mentalen Verfassung und propagiert ein Weltbild, dass sie und mich im Westen auf die Straße treiben wĂŒrde.

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    @Stefanovic

    „FĂŒr mich ist es sehr verstörend, in welcher SelbstverstĂ€ndlichkeit von InteressensphĂ€ren gesprochen wird. InteressensphĂ€ren, die Völker, Menschen und Staaten umfassen. Es wird sich viel der Kopf ĂŒber das SicherheitsbedĂŒrfnis einer Atommacht zerbrochen, gegenĂŒber dem SicherheitsbedĂŒrfnis der kleinen osteuropĂ€ischen Staaten herrscht blankes UnverstĂ€ndnis.“

    wenn sie ein wenig in den Geschichtsbuerchern meines Heimatlandes blaettern, werden sie feststellen, dass wir auch Interessenspaeren haben ..

    Grenada, Iran, die Philippinen nicht zu vergessen unsere Dominotheorie und Vietnam…

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    JLL: @blonder Hans

    Es geht um ihre persönliche Geschmacklosigkeit!!

    
 nein, darum geht es, Ihnen, nie. Es geht nur darum – wie/wo Sie – ‚Geschmacklosigkeit‘ bei anderen sehen (wollen). Sehr albern, lĂ€chersam. Übrigens.

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    @blonder Hans

    Es geht nicht darum wer mehr gesehen hat.

    Es geht um ihre persönliche Geschmacklosigkeit!!

    Aber dass ist leider keine Ausnahme.

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    @lucas

    „Stevanovic, da sie sich mit dem Thema auszukennen scheinen:“
    Wikipedia

    „Ich wĂŒrde nach SĂŒdamerika fliehen? Sie?“

    Witzisch
es gibt keine russische Bedrohung, die mit dem militÀrischen Potential der 70/80er vergleichbar wÀre. Selbst die UdSSR in dieser Phase war keine Bedrohung im Sinne von EroberungsplÀnen. Russland wird und will nicht bis zum Atlantik. Das ist klar. Nur, wenn Unrecht geschieht, werde ich es nicht Recht nennen. Genauso verhÀlt es sich mit China.

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    zu: Fatih Ersoy sagt:
    5. September 2014 um 13:56

    1. ich habe keineswegs Al-Nusrah und ISIS mit der „Muslimbruderschaft“ gleichgesetzt.
    2. „Al-Nusrah“ und andere namentlich weniger prominente islamistische Gruppen unterscheiden sich von ISIS (heute IS) in Hinblick auf Strategie und Taktik zur Erreichung ihres Ziels. Das Ziel, eine vermeintlich islamische Diktatur ĂŒber alle, die nicht so denken wie sie, ist gleich.
    3. Das Assad-Regime hat natĂŒrlich gerne zugeschaut, wie sich die verschiedenen Feinde untereinander bekĂ€mpfen. Damit ist es aber nicht zu einem Ziehvater des einen oder anderen geworden.
    4. Wie kommen die KĂ€mpfer der Jihadisten Gruppen nach Syrien? Alle Nachbarstaaten bis auf den Irak, der von einem vom Iran und den USA unterstĂŒtzten Regime (mehr schlecht als recht) regiert wird, sind mit westlichen Staaten, die (einst) Assad los werden wollten, verbĂŒndet. Die Jihadisten kommen oder kamen zumindest bis vor kurzem großenteils ĂŒber die tĂŒrkische Grenze.
    5. F.Ersoy meint, dass die Tatsache, dass ISIS ĂŒber Monate hinweg andere Rebellengruppen aufgerieben habe, dagegen spreche, dass sie vom „Westen“ unterstĂŒtzt werde bzw. – wie ich gesagt habe – worden sei (da dieser ja eben jene Gruppen unterstĂŒtzt habe). Das ist ein sich anbietendes Argument, aber ich habe eine alternative ErklĂ€rung. Der Westen hat schon relativ bald nach Beginn des syrischen BĂŒrgerkriegs festgestellt, dass „seine Leute“ in Syrien unfĂ€hig sein wĂŒrden, das Regime zu stĂŒrzen und ein ihm handlicheres zu installieren. Deshalb war er mit der Lieferung wirkungsvollerer militĂ€rischer Hardware an diese KrĂ€fte Ă  la FSA eher zurĂŒckhaltend. Die Tatsache, dass die jihadistischen Gruppen immer stĂ€rker wurden, hat die SchwĂ€che der FSA unterstrichen und es geboten erscheinen lassen, diese KrĂ€fte mittels TĂŒrkei und Golfmonarchien in Syrien gewĂ€hren zu lassen. Erst jetzt hat die IS den Rubikon ĂŒberschritten und wichtige westliche VerbĂŒndete wie die KDP-Iraq (und auch die nach dem Überfall auf den Irak Saddam Husseins hinterlassene Regierung in Baghdad) direkt bedroht. Sogar die wahhabitischen Golfmonarchien haben nun Grund, sich vor der IS zu fĂŒrchten, nachdem diese sich durch ihren Vormarsch im Irak eine zunehmende finanzielle und militĂ€rische UnabhĂ€ngigkeit von ihren frĂŒheren UnterstĂŒtzern erkĂ€mpft hat.

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    Russland ist nicht real eingekreist. Russland fĂŒhlt sich eingekreist.

    Wo sind die Truppen? Wo sind die Panzer, die Moskau erreichen können. In Estland? In Polen? Kann mir irgendjemand auch nur einen Truppenverband nennen, der Russland bedrohen könnte? Eine vereinsamte Airbase in Kasachstan? Die NATO hat auf der Landkarte viele FĂ€hnchen stecken, aber nicht einen gegen Russland einsatzbereiten Verband. Augstein lacht ĂŒber die UnfĂ€higkeit NATO-Mitglieder zu schĂŒtzen, schreibt aber, Russland hĂ€tte Recht, die NATO wĂŒrde sie einkreisen.
    Wie viele Panzer der Amerikaner und Franzosen stehen in Tallinn? An der polnischen Grenze? In Kasachstan? Was fĂŒr eine Einkreisung soll das sein? Virtuell? Mit unsichtbaren Feen und Kobolden? Die Sims 3?
    Es gibt Interkontinentalraketen, weitreichende Bomber und U-Boote. Seit ungefĂ€hr 50Jahren. War nie ein Grund NachbarlĂ€nder zu besetzen. Was macht die Angst des Kremls gerade jetzt nun so unertrĂ€glich? Es ist die Angst, Macht ĂŒber seine Nachbarn zu verlieren. Nicht mehr per Befehl, sondern per Einigung miteinander leben zu mĂŒssen. Nicht mehr und nicht weniger. Das Argument von der militĂ€rischen NATO-Einkreisung ist Blödsinn.
    Das grĂ¶ĂŸte Verbrechen des Westens war, den OsteuropĂ€ern eine bessere Zukunft zu versprechen. Die Bedrohung Russlands, die war es nicht.

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    Ich habe viele Sympathien fĂŒr die Autonomiebewegung in der Ostukraine. Die Westukraine als die „wahre“ Ukraine zu verkaufen, ist lĂ€cherlich. Sie haben jedes Recht dazu, sich zu organisieren, zu informieren, zu demonstrieren und auch fĂŒr einen Anschluss an Russland zu sein. Sie können Referenden fordern und auf allen Ebenen fĂŒr eine UnabhĂ€ngigkeit arbeiten. Niemand muss fĂŒr einen Staat sein, der einen als Unfall der Geschichte beschreibt. Die Ukraine hat jedoch einen Rahmen geboten, in dem das möglich war. Wir wissen von den Problemen der Krim, weil es im auslandsjournal lief – gut organisierte Pro-Russland Vereine, die ihre politische Arbeit machen. Konnte man schon seit Jahren sehen und es war zu sehen. Keine Repressionen von Seiten der Ukraine. In einem Weltspiegel-Bericht bauten sich die Jungs in kompletter Kosaken-Montur auf, es hat niemanden gejuckt, von dem Polizisten bis zu den Passanten.
    Könnt ihr euch die Konferenz erinnern, die UNO Resolutionen zum Schutz der russischen Bevölkerung? WĂ€re nur ein Ukrainer mit einem so formulierten Asylantrag anerkannt worden? War das ganze ĂŒberhaupt ein Thema zwischen den beiden Staaten, oder ging es da um Gaspreise und Transitstrecken? Nichts dergleichen weit und breit. Die Ethno-Karte war ein Trumpf, der im richtigen Moment gespielt wurde.

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    Es gibt zwei populÀre Argumentationslinien:

    Der Kreml hat rote Linie, die er nach Belieben setzen kann. Bei deren Übertretung hat der Kreml jedes Recht Amok zu laufen. Und nur der Kreml, alle anderen sind Statisten. Das Gebiet innerhalb dieser Linie ist das, was der Kreml als seine InteressensphĂ€re betrachten darf, vollkommen gleichgĂŒltig, was innerhalb dieser SphĂ€re so gesagt wird.

    Der Kreml hat das Recht, bei innenpolitischen Problemen der NachbarlĂ€nder, diese Einseitig nach Belieben zu zerstĂŒckeln. Voraussetzung ist das Bilden von bewaffneten Gruppen, die per SelbstermĂ€chtigung fĂŒr alle Rußen dort sprechen. Das ist die Argumentation „Rote Linie de luxe“. Gut fĂŒr das Gewissen, wenn zu imperialer Politik noch etwas „human touch“ dazukommt. Sie könnten ja doch Recht haben. Auf die Frage, warum Katalanen, Schotten, selbst verbal hitzigen Norditaliener keine bewaffneten Banden bilden, gibt es danach nur eine logische Antwort: Weil sie blöd sind.

    Nein, ich bin weiß Gott nicht fĂŒr einen Krieg mit Russland. Die Ukraine können wir nicht verteidigen, dieses GerĂŒmpel von Armee mit noch mehr Waffen ausrĂŒsten wird nicht helfen. Eine Demonstration ukrainischer Opferbereitschaft braucht diese Welt nicht. Am dem Tag, als Putin Truppen in Bewegung setzte, war unser Spielraum ausgeschöpft. Die Ukraine ist kein NATO-Mitglied und damit auch nicht unsere rote Linie. Putin darf sich bedienen, weil er es kann. Wir knirschen die ZĂ€hne, weil wir nix können und beten, dass er nicht mehr will – das ist Appeasement.

    So lange Karussellfahren, bis man zum Schluss kommt, dass der Kreml Recht hat, weil man sonst ja doof dastehen wĂŒrde, sich selbst einreden, dass der Rock zu kurz war und sie es irgendwie ja auch provoziert hat – nein danke. Ja, wir haben verloren. Wir haben uns von der Nummer „oh mein Gott, wir haben solche Angst“ einlullen lassen. Die Ukraine ist zerfallen. Wir können nichts daran Ă€ndern. Aber was Unrecht ist, muss Unrecht bleiben.Das kann ich mir nicht schönreden.

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    http://www.spiegel.de/politik/.....89771.html

    Die entscheidende Frage in diesem Artikel lautet: Mourir pour Tallinn?
    Augstein weiß, dass die NATO das Baltikum nicht verteidigen kann, weil es dort eben keine „NATO“ im Sinne amerikanischer Truppen, französischer Panzer oder Ă€hnlichem gibt. Die Geschichte mit der NATO an der russischen Grenze ist ein gerne und oft wiederholtes MĂ€rchen. Er bringt es auf den Punkt: zurzeit könnte die NATO höchstens Nuklear antworten. Es ist kein Zufall, dass er sich dann nicht fragt, wie wir unseren VerbĂŒndeten helfen könnten, sondern blasiert die Frage stellt: Mourir pour Tallinn? Und die Antwort ist nicht falsch zu verstehen: Nein, wĂŒrden wir nicht. Tallinn ist Pufferzone. Kein VerbĂŒndeter.
    Wohlgemerkt: In diesem Artikel geht es nicht um die Ukraine. Es geht um das Baltikum.

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    @Jean-Luc Levasydas

    Mag sein, dass mein verbaler Motor etwas ĂŒberdreht. Der Begriff Drecksvölker trieft schon vor bitterem Sarkasmus. Den Orden des Couch-warrior hĂ€nge ich mir in dem Fall gerne an.
    FĂŒr mich ist es sehr verstörend, in welcher SelbstverstĂ€ndlichkeit von InteressensphĂ€ren gesprochen wird. InteressensphĂ€ren, die Völker, Menschen und Staaten umfassen. Es wird sich viel der Kopf ĂŒber das SicherheitsbedĂŒrfnis einer Atommacht zerbrochen, gegenĂŒber dem SicherheitsbedĂŒrfnis der kleinen osteuropĂ€ischen Staaten herrscht blankes UnverstĂ€ndnis.
    Estland besteht zu fast einem Drittel aus Russischsprachigen. Wenn gewaltsame AufstĂ€nde im Namen der Philosophie „wo Russen, da Russland“ legitim sind und in großen Teilen der deutschen Publizistik scheint das wohl im Ergebnis nicht besonders strittig zu sein, dann verstehe ich die GĂ€nsehaut der Esten. Ich habe nicht den Eindruck, dass die Lobby fĂŒr diese Völker besonders groß ist.
    Beispiel Krim-Abstimmung: 90% Zustimmung. Ich bin gerne bereit, Dinge zu akzeptieren, die so sind, wie sie nun mal sind. Ich bin aber nicht bereit, offensichtlich fingierte und unter Druck und FĂ€lschung zustande gekommene Charaden als eine Wahl zu bezeichnen. Die Krim gehört jetzt in erster und einziger Linie zu Russland, weil Russland dazu die Macht hatte. Mag sein, dass es eine Mehrheit fĂŒr einen Anschluss gegeben hĂ€tte, nur werden wir das nun nie erfahren. Spielt irgendwie auch keine Rolle mehr, es gibt einen formalen Akt, hinter dem man sich verstecken kann.
    Sehr gut kann ich mich an die Teilung in „altes“ und „neues“ Europa durch die Bush-Regierung erinnern. Genau das findet gerade statt. Osteuropa ist fĂŒr viele in Deutschland ein ScheiblettenkĂ€se, von dem man zwei/drei Scheiben dem russischen BĂ€ren hin und wieder zuwerfen kann. Was darf es denn als nĂ€chstes sein? Das Baltikum vielleicht? Denn machen wir uns nichts vor, was hier als besonnen dargestellt wird, als Appeasement sogar zu Philosophie stilisiert wird, ist im Grunde die herzhafte Einsicht, dass deutsche Interessen erst an der Oder beginnen und bis zur östlichen Stadtgrenze von Frankfurt/Oder eigentlich alles Verhandlungsmasse sein kann.

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    @ Alan Posener
    „Ich habe die Arbeit an meinem Europa-Buch beendet, das jetzt in Druck gehen kann. Und doch: die Stele und die RĂ€der wĂŒrde ich zurĂŒckgeben, das Buch ungeschrieben machen, wenn ich dafĂŒr nur einmal morgens beim ZĂ€hneputzen am Badezimmerfenster das Klopfen hören könnte, das mir signalisiert, Shira ist da und will jetzt – sofort, nicht spĂ€ter – hereingelassen werden und ihren Fressnapf gefĂŒllt bekommen. Auf dem Weg die Treppe herunter in die KĂŒche wird sie mir wortreich von ihren nĂ€chtlichen Erlebnissen erzĂ€hlen, sich aber dann dem wirklich Wichtigen zuwenden und mich keines weiteren Blickes wĂŒrdigen. Vollkommenes GlĂŒck.“

    Wir haben endlich mal die Polster des Sofas bezogen und einen neuen Sessel gekauft, und als sie letzte Woche geliefert wurden, dachte ich: „Ich brauch‘ das alles nicht, wieso haben wir das gekauft?“ Viel lieber wĂ€re mir gewesen, freundlich zu fargen: „Möchtet ihr Hufus (Hundefutter) haben?“, dann von dem Verfresseneren das laute begeisterte Schnuff zu hören, zu sehen, wie er mir den Weg zum Schrank zeigt, den ich vergessen haben könnte und dann spĂ€ter nach zwei Stunden, mich darĂŒber aufzuregen, dass er nicht etwa einen Ast anschleppt beim Spaziergang, sondern einen halben Baum. Vollkommenes GlĂŒck.
    Und weiter oben steht „lange“. Ja. dauert lange. Im Prinzip bleiben sie da.
    Das ist ein wunderbares StĂŒck ĂŒber Ihre Katze Shira. Er hieß Shimon. Zuerst hieß er anders, wurde aber langsam zu Shimon, wuchs in den Namen ‚rein.
    Man braucht dann nicht, bedeutet ja: Das letzte Hemd (auch das eines anderen) hat keine Taschen. Die Liebe wohnt außerhalb der Taschen.
    Heute morgen kam der song, der es dann ist: Yesterday, all my troubles seemed so far away.
    Ich hĂ€tte sonst eine bessere Stimme, meinte mein schnöder Sohn. „Neue Moll-Tonart“, konstatierte ich. „Ähem, wieso hast du deine Klavierlehrerin noch nicht kontaktiert?“. Nun ja, yesterday kann er auch so.

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    @Marseillais: …um noch mehr zu punkten: wir wohnen im 4. Stock, und das Runtertragen ist immer (vom Ende abgeshen) auch mit einem Rauftragen verbunden. Ich glaube er wog abgemagerte 18 Kilo. Eine Mischung aus Berner Sennhund + SchĂ€ferhund + Collie.

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    JLL: @blonder hans
    Haben sie einmal ein abgeschossenes Bein eines Soldaten gesehen?
    Dann wĂŒrden sie hier nicht einen youtube trailer veroeffentlichen!!

    
 wollen wir hier einen ‚Streit‘ anfangen, wer mehr gesehen oder mehr erlebt hat? 
 werter JLL, beschweren Sie sich bei denen, die Verantwortung tragen, diese aber leugnen.

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    @ Alan Posener
    Nachdem ich hier so breiten Raum fĂŒr ein OT, eine Art Elegie auf einen liebenswerten Zeitgenossen bekam (vielen Dank dafĂŒr), möchte ich Sie noch auf ein Buch aufmerksam machen, dass Sie interessieren mag: Wendy Lower, Hitlers Furies. Es geht um 500 000! Frauen, die den mörderischen Wahnsinn mitgemacht haben. Das Buch hat aktuellen Wert. Ohne Not. Kein H-Wort im letzten Satz. Man wird allmĂ€hlich. Man braucht wenige FĂ€higkeiten, um mit blogs und Journalisten etwas mithalten zu können: a) Zynismus, b) die FĂ€higkeit, etwas zu verschweigen, c) die FĂ€higkeit, zu lĂŒgen, ohne mit der Wimper zu zucken. Muss ein interessanter Beruf sein, so Ă€hnlich wie Arzt.
    Von dem Absturz hat mich nur eine Meldung aufhorchen lassen: Es sei eine Art Versehen gewesen. Ja, das könnte ich mir vorstellen. Mit den anderen 90 Prozent von Meldungen kann mancher seinen Kamin anheizen.

    @ Stevanovic
    Ihr weit ausholender informierter Zynismus gefÀllt mir auch recht gut.
    @ Ziegler
    Aber ĂŒbrigens nett, dass Sie drauf eingegangen sind. Und thumbs up, dass Sie den die Treppe ‚runtergetragen haben, der war groß, oder. Liebe GrĂŒĂŸe an Ihre Desmoiselles Töchter. Vielleicht lassen Sie sie das lesen, das von unserem. Die Rasse, sagt wiki, wird im Schnitt achteinhalb. Wir ĂŒberlegten kurz, ob wir auf Setter umsteigen. Da einer mehr fĂŒr Gordon war, die naĂ€chste fĂŒr Irish und ich eindeutig und unbeugsam fĂŒr English (die Schotten haben ein Rad ab), werden wir die gleiche Rasse wieder nehmen und hoffentlich mal die Statistik verbessern.

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    @blonder hans

    Haben sie einmal ein abgeschossenes Bein eines Soldaten gesehen?

    Dann wĂŒrden sie hier nicht einen youtube trailer veroeffentlichen!!

  20. avatar

    @ RZ
    Wollte nur sagen, dass wir alle einen siebenten Sinn haben, der manchmal durchbricht. Der Gute hat mir im Traum mitgeteilt, nehme ich an, dass er krank ist, bzw. mein siebenter Sinn sagte mir das. Das wĂ€re eine schöne Sache fĂŒr C.G. Jung. Seine Geschichte von dem SkarabĂ€us hat mich immer beeindruckt. Außerdem hinkte der Hund einmal fĂŒr kurze Zeit. Der nĂ€chste geht bei jedem Hinken zum Vet und kriegt eine Krankenversicherung.
    Ich ĂŒberlasse Sie der Politik.

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    @ Roland Ziegler
    Ja. Aber dieses ist ganz anders. Ich sollte meine TrĂ€ume etwas ernster nehmen. Ich trĂ€ume extrem selten, aber wenn, ist etwas von Belang darin enthalten. Ich hatte schon mal einen Hund in Volendam und trĂ€umte, dass er dort ertrinkt. Das passierte zwar nicht, aber letztes Jahr, bevor wir umzogen, trĂ€umte ich, dass dieser Hund tot in der KĂŒche liegt. Jetzt sage ich mir, ich hĂ€tte den Vertrag nicht unterschreiben sollen. Wir hatten noch ein anderes Haus zur Auswahl. Wir hĂ€tten andere TierĂ€rzte gehabt, und wer weiß, vielleicht wĂ€re alles anders gekommen. Sie sagen jetzt natĂŒrlich, das sei Nonsense, und meine Familie hĂ€tte damals das Gleiche gesagt. Ich sage nur, dass wir in solchen FĂ€llen einfach zu dumm sind.
    Das zweite ist, dass das ein Wiederholungstrauma ist. Das ist der Hund meiner Tochter und meiner. Der Vorige lag mit neun Jahren morgens tot im Flur. Ich redete sofort von einem neuen Hund, die einzige Therapie. „Nein“, schrie sie außer sich, „der erste wird nur neun, der zweite sechs und der dritte dann drei.“ Das ist ein grĂ¶ĂŸeres Trauma als der Tod von einem 15jĂ€hrigen Hund. Sie können es sich vielleicht nicht vorstellen, aber ich habe jetzt um diesen Hund mehr geweint als um meine Mutter, die 85 war, Krebs hatte und erlöst wurde. Und ehrlich gesagt, ĂŒberkommt mich das GefĂŒhl, dass dieser Hund uns mehr liebte als meine Mutter mich, was nicht selten ist. Außerdem verstand er mehr als andere Hunde. Das ist anders, ganz anders. Das ist ein Weltuntergang. Wir haben uns aber
    vorgenommen, hollĂ€ndisch zu lernen und jedes Jahr nach Holland zu fahren, Waterland und Seeland, wo wir mit ihm waren. Das ist sein Erbe: Holland. Ein ganz tolles Land. Großartige Menschen. Max Liebermann mochte es auch sehr. Ich kenne dort jemanden, der jemanden kennt, der mit MH 17 abgestĂŒrzt ist. Kleines Land, jeder kennt dort jemanden, der jemanden kennt, der damit abgestĂŒrzt ist.
    Apropos: Putins Maschine war an demselben Tag auf dem RĂŒckflug von Lateinamerika. Wenn Sie Putin’s plane googeln, können Sie einen Tag lang grĂŒbeln.

  22. avatar

    Wie ich ja gestern sagte: Humor. Wenn man trotzdem noch lacht:
    Wir können auch nicht ausschließen, dass die Kurden die Schwerter zu Pflugscharen umschmieden, um damit ihre Haschisch-Felder zu pflĂŒgen. Oder dass sie die Waffen an ein Kriegskundemuseum in der Mongolei verkaufen und aus dem Erlös GummibĂ€rchen kaufen.
    http://www.achgut.com/dadgdx/i.....schwertern

    1. avatar

      Ja, Marseillais. Wobei ich den straight guy in diesem Komiker-Duo gebe. Sagen wir es so: Nicht, weil mir keine witzigen Antworten einfallen wĂŒrden.

  23. avatar

    @Parisien: Unserer ist auch gestorben, vor gut einem Monat. Es ist 15 Jahre alt geworden, fĂŒr einen Hund dieser GrĂ¶ĂŸe ein biblisches Alter. Er konnte seit Wochen nur noch von mir die Treppen heruntergetragen werden, und schließlich konnte er nicht mehr aufstehen.
    FĂŒr die Kinder war das die erste Begegnung mit dem Tod, und fĂŒr uns Eltern ebenfalls schmerzhaft.
    Vielleicht denken Sie an E.T.A. Hoffmann und seinen Kater Murr: Wer ihn kannte, „mißt meinen Schemrz und ehrt ihn durch Schweigen.“

  24. avatar

    @Alan Posener
    seltsam, was stört sie an meinem Kommentar?:

    „lucas sagt:
    Dein Kommentar wartet auf Freischaltung.
    5. September 2014 um 14:43
    Stevanovic, da sie sich mit dem Thema auszukennen scheinen: Gibt es ĂŒberhaupt einen Trumpf gegen jedes Jahr 25 Millionen neue Wehrpflichtige in China?

    Ich wĂŒrde nach SĂŒdamerika fliehen? Sie?

    […]“

    Vielleicht stört sie ja der Teil mit der Roten Armee und den Deutschen, weshalb ich ihn jetzt weggelassen habe.

    1. avatar

      Mich stört an vielen Kommentaren viel, lucas. Aber darum geht es nicht. Ich hatte Besuch von meiner Enkelin, und da gehe ich nicht an den Computer.

  25. avatar

    @ Alan Posener
    Da sehen Sie mal. Wenn man GesprĂ€che mit einem gegangenen Hund und sich selbst fĂŒhrt, schreibt man sich selbst an.
    Was mir jetzt gerade auffĂ€llt, und was nie erwĂ€hnt wird, wenn ĂŒber den Westen gesprochen wird, ist unsere Bereitschaft, zu trauern. Diese Bereitschaft ist schon erkennbar in Ovids Metamorphosen, aber sie ist noch Ă€lter, denn schon König David trauerte sehr um seinen verstorbenen Sohn und schrieb den Psalter, einen Gesang voller GefĂŒhl. Alle unsere guten Schriftsteller und Dichter wussten und wissen, dass man am besten schreibt in Trauer oder in platonischer Liebe, also auch einer Art Trauer, einer Leere, siehe Goethes Gedichte zu Zeiten Charlotte von Steins.
    Da las ich kĂŒrzlich irgendwo in unseren Tageszeitungen ĂŒber eine zwanzigjĂ€hrige Mutter aus dem Gazastreifen, die ein oder mehrere Kinder verloren hatte und dazu lapidar sagte, sie werde neue JihadkĂ€mpfer gebĂ€ren.
    Ein solcher Mangel an Trauer ist dafĂŒr mit verantwortlich, dass wir heute solche BrutalitĂ€t sehen wie bei ISIL. Das geht jetzt schon zu lange, die Freude in Gaza damals ĂŒber Nineeleven, der Jubel, die Erziehung von Kindern zu kĂŒnftigen JihadkĂ€mpfern, das Verstecken von Bomben in zivilen Zielen und der Mangel an FĂ€higkeit zu trauern und zu reflektieren, sind dafĂŒr vermutlich mehr mit verantwortlich als mangelnde mathematische FĂ€higkeiten, ĂŒber die wir oft reden, und nebenbei bemerkt, nicht Wenige von diesen kaltherzigen Mördern können Chemie. Man findet immer wieder Computer dort voll mit Chemie-Wissen.
    Der Westen ist nicht sĂŒndenfrei. Er ist aber auch ein GefĂŒhlsding, fĂ€hig zu Reflexion, Analyse, Vergebung und KreativitĂ€t. Der Westen ist auch als besseres Gebilde erkennbar an seiner Tierliebe. Wenn ich diese kaltherzigen Mörder da unten sehe, sehe ich manchmal schwarz. Angefangen hat das alles hier:
    http://en.wikipedia.org/wiki/Daniel_Pearl
    Aber eigentlich fing es 1976 in Entebbe an oder erneut an mit der Selektion, denn Daniel Pearl starb vermutlich nur, weil er Jude und Amerikaner war.
    Solange uns der Glauben nicht ganz verlĂ€sst, sehen wir die drei da oben irgenwo auf einem Asteroiden oder in einem Garten Eden. Sie haben wieder ihre Gesichter ĂŒber den Schultern, brauchen keine Jungfrauen, weil Sex ein irdisches Ding ist und wollen nur, dass wir sie nicht vergessen. Es fing in Entebbe an und geht schon fast vierzig Jahre.

  26. avatar

    @ Marseillais
    Er war so sĂŒĂŸ, und er war erst sechs. Im Sommer das schönste Bild von ihm auf Marken in zwei riesigen Holzschuhen mit Holztulpen daneben. Auf dem Schiff nach Volendam blutete plötzlich sein Fuß. Sie waren so nett. Sie haben uns unten sitzen lassen und StĂŒhle geholt. Wir fuhren mit dem blutenden Hund ĂŒber die Zuidersee, und es knirscht in meinem Innern, wenn ich daran denke. Es war FrĂŒhsommer und warm und eine Stimmung wie in der lagune von Venedig. In Volendam saßen alle draußen und aßen. Wir gingen zur Apotheke, kauften einen Verband und fuhren wieder zurĂŒck mit demselben Schiff. Eine Woche spĂ€ter nahm der Vet den Zeh vorsichtshalber ab: Subunguales Plattenepithelkarzinom. Wir fuhren zurĂŒck zu denselben Leuten in Holland. Ich fiel ihrer molligen Warmherzigkeit in die Arme und heulte weiter die ganze Nacht. Am nĂ€chsten Tag war ihre schwarze Angestellte da. Ich wusste ihren Namen noch. Das ist vielleicht eines der wenigen Dinge, die mich abheben. Ich merke mir die Namen von Angestellten und fange ein GesprĂ€ch mit ihnen an. Meinetwegen ist noch niemand Islamist geworden, ich habe noch niemanden je gedemĂŒtigt, der unter mir stand.
    Vorletzte Woche ist er vermutlich vor unseren Augen jeden Tag ein bisschen mehr erstickt. Entweder er hatte etwas aspiriert – ich warte auf den Befund – oder aber er hatte Lungenmetastasen. Wir haben noch einen (eine). Völlig depressiv, alte HĂŒndin, desolat. Sie waren wie ein gutes eingespieltes Ehepaar.
    Ich nehme das einzige Buch, das immer griffbereit liegt, Psalm 23. Hilft nicht. „Du bist ein regelrechtes beschissenes Arschloch“, sage ich zu Gott, der das gewohnt ist in schwierigen FĂ€llen. Aber das half:
    http://www.achgut.com/dadgdx/i.....ames_foley
    Und jetzt muss ich ihn ziehen lassen. Ich schicke ihn zu Jim und Steven in die Ewigen JagdgrĂŒnde.

  27. avatar

    @Stepi
    Ob eingesackt oder keinen Bock mehr ist nicht entscheidend. Fakt ist, dass sich die Nato bis an die Grenzen Russlands herangeschlichen und Putin nun entgĂŒltig die Rote Karte gezogen hat. Er wird m.E auch nicht zulassen, dass sich die Ukraine der Nato anschließt. Um in der Sprache bei Ihnen zu bleiben“ kein Bock mehr“, so denkt auch Putin vermutlich.
    @ Dr.A. Holberg
    Es ist auch ein Genuss, Ihren Artikel als Gegenposition zu dem des Herrn Poseners ( auch Super) zu verarbeiten. Danke fĂŒr Ihre Fleißarbeit!

  28. avatar

    @ Alan Posener
    Nachdem ich mich ĂŒberall ausgekotzt hatte ĂŒber das Problem und nebenbei nach Ihnen ausgeholt hatte, vielleicht in einer Unterlegenheits-Melodramatik oder einem Versuch, das Problem mit einem Wutanfall zu beseitigen, stellte ich fest, dass es unlösbar ist und bekam Angst vor dem Winter, denn es macht mich heimatlos und erinnert mich an Rilkes „Wer jetzt kein Haus hat, baut sich keines mehr, wer jetzt allein ist, wird es lange bleiben und wird in den Alleen hin- und her unruhig wandern, wenn die BlĂ€tter treiben.“ Ja, das werden wir tun. Wir werden auf den Wegen unruhig wandern, wenn die BlĂ€tter treiben und im Sturm an die KĂŒste gehen und hoffentlich vorsichtig sein, aber einsam, denn in der Tat, unser „Sommer war sehr groß.“ Wir werden die einzige Waffe nehmen, die wir haben, zwei von uns, und das ist die Feder und versuchen, uns eine Erinnerung zu erarbeiten und Rosen um ein Loch zu pflanzen, das sich leider mit jedem Tag mehr auftut.
    Daher vielleicht eine Pause von mir, vielleicht auch nicht.
    Einer der GrĂŒnde ĂŒbrigens, dass ich Muslime fĂŒr Verirrte halte (der GrĂŒnde gibt es Gewichtigere), ist, dass sie Hunde nicht mögen, das Salz der Erde.

  29. avatar

    @ Alan Posener
    Entschuldigung, ich habe Sie weiter oben gewiss zu hart angegangen und war ungerecht. Es hatte persönliche GrĂŒnde, die meine eigenen sind (unverschuldete, aber bittere), die Sie aber hundertprozentig verstehen wĂŒrden. WĂŒnsche Ihnen ein gutes Wochenende und Margret Heckel auch.

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    Wer finanzierte Hitler und die NSDAP?

    ‚Zu Recht kommentiert das Ministerium des Äußeren im Jahre 1923 ĂŒber die Nazis: „Wie zum Krieg, so gehört zur Revolution erstens Geld, zweitens Geld, drittens Geld. Ohne Geld keine Revolution.“ ‚
    

    ‚Als die Nazis 1933 an die Macht kamen, fanden sie heraus, dass schon seit 1918 Schritte unternommen worden waren, um Deutschland in ökonomischer und industrieller Hinsicht auf einen Krieg vorzubereiten.“ Zu diesem eindeutigen Fazit kamen die Aussagen verschiedener Regierungsbeamter vor dem amerikanischen Kilgore Committee nach dem Zweiten Weltkrieg.
    Diese Kriegsvorbereitungen vor und nach der Machtergreifung der Nationalsozialisten im Jahre 1933 gingen zum großen Teil auf die finanzielle UnterstĂŒtzung der Wall Street zurĂŒck, welche in den Zwanziger Jahren mithalf, das deutsche Kartellsystem zu formieren. Zudem stellten bekannte amerikanische Firmen spĂ€ter technisches Know-How zur VerfĂŒgung, um die Deutsche Wehrmacht aufzubauen.
    Der dies behauptet, ist kein dubioser Verschwörungshysteriker, sondern ein amerikanischer Professor, Geschichtsforscher und Autor zahlreicher BĂŒcher, der sich auf erstklassiges PrimĂ€rquellenmaterial stĂŒtzt: „Wall Street and the Rise of Hitler“ ist eines der vielbeachtetsten BĂŒcher des gebĂŒrtigen EnglĂ€nders Antony C. Sutton (1925-2002). Die finanzielle und technische UnterstĂŒtzung Deutschlands durch die Wall Street sei weder zufĂ€llig noch kurzsichtig geschehen, hebt Sutton hervor.‘

    
 und nun die Frage: Wer finanzierte den ‚Maidan‘?

    Daher!

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    Ich habe hier schon bei Diskussionen mehrere Autoren der Achse bei Bedarf verteidigt, u.a. Lengsfeld, Maxeiner, Broder. Das hat einen Grund: Die Treue zum Humor. Ich las The Free West von Leon de Winter, einem Mann mit einem unschlagbaren Humor, der in seinen BĂŒchern als Situationskomik auftritt, in seinen politischen Schriften als Zynismus. Eines Tages verlinkte er aus dem „Spiegel“ „Gebt den Juden Schleswig-Holstein“, und ich lag unter dem Tisch. Zu jenem Zeitpunkt lernte ich auch die Achse kennen. Hier ein anderes LehrstĂŒck des Humors von einem, der gar nicht mehr dabei ist, Hannes Stein:
    http://www.achgut.com/dadgdx/i.....int/007624
    Schließe meinen kleinen bescheidenen GlĂŒckwusch an. Nicht zu ĂŒbermĂŒtig werden!
    http://www.achgut.com/dadgdx/i....._des_guten

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    „…Die ganze Armenien-Chose ist fĂŒr meine Argumentation völlig unerheblich. Die Feuerpause, so Sie mir eine gönnen, werde ich nutzen, um die Fakten zu checken. OK?…“

    Damit werden Sie kein GlĂŒck haben. Wie Ihr „Faktencheck“ endet, hĂ€ngt von derart filigranen Fallstricken ab, dass es einem den Atem verschlĂ€gt – bishin zu linguistischen und orthographischen Details und NebensĂ€chlichkeiten. So werden Sie allein in AbhĂ€ngigkeit zu der Frage, ob Sie bei einer google-Suche als Suchbegriff „Khocali“ oder „Hocali“ eingeben zu diametral entgegengesetzten Ergebnissen kommen. Ansonsten ist diese Thematik – wie die gesamte tĂŒrkisch-armenische Geschichte – derart politisch-propagandistisch ĂŒberfrachtet, dass die damit zusammenhĂ€ngenden Topoi unter historiographischen Gesichtspunkten m.E. ein einziges schwarzes Loch sind.

    Wenn man sich bspw. den Wikipedia-Artikel zu (K)Hocali zu GemĂŒte fĂŒhrt, verrĂ€t alleine schon der fragmentierte gedankliche Aufbau und der durchschimmernde antiaserbaidschanische Belastungseifer der Autoren, dass es da weniger um Vermittlung sachlichen Hintergrundwissens, als vielmehr um die Verbreitung politischer Narrative einer Konfliktpartei geht.

    In einem hat (mein offenkundig unter dem Pseudonym) „Uwe Wimmer“ (schreibender armenischer „Nachbar“) allerdings recht: das ganze ist weniger ein christlich-muslimischer Konflikt, als vielmehr eine weitere Facette des seit den 1870-er Jahren fortdauernden Antagonismusses armenisch-tĂŒrkischer Nationalismen, in der Religion nur eine der Determinanten ist.

    Das ganze wird einem so richtig gewahr, wenn man sich vor Augen fĂŒhrt, dass sich (neben Russland) insbesondere der Iran maßgeblich auf armenischer Seite in diesem Konflikt positioniert hat. Das VerhĂ€ltnis der sich im völkischen Sinne als „arische BrĂŒdervölker“ begreifenden Iraner und Armenier ist sowohl außen- als auch innenpolitisch hervorragend, wĂ€hrend es auch einen stillschweigenden Konsens im Feindbild der „barbarischen tĂŒrk-mongolischen Eindringlinge“ gibt. Es gehört zu den kaum bekannten KuriositĂ€ten der „Islamischen Republik Iran“, dass die christlichen Armenier im Lande eine ausgesprochen privilegierte Stellung genießen, wĂ€hrend die an die zehn Millionen zĂ€hlende aserbaidschanische Minderheit von jeher ein geduldetes Schattendasein fristet. In Anbetracht dieser Konstellation ist es auch nicht wirklich verwunderlich, dass sogar ein „Lautsprecher“ wie Ahmedinejad, der selbst den meisten Iranern peinlich war, vom armenischen Parlament fĂŒr Verdienste im Sinne der armenisch-iranischen Freundschaft und VölkerverstĂ€ndigung geehrt wurde.

  33. avatar

    Der Willy Wimmer,
    die NĂ€he zum Herrgott,
    die Schmeissfliegen und

    der Zweck des BĂŒndnisses:

    „“Die USA in Europa, die Russen aus Europa heraus und die Deutschen unten zu halten.““

    


    „Nach Angaben des Stockholmer Instituts fĂŒr Internationale Friedensforschung (SIPRI) gab Russland im Vorjahr 88 Milliarden Dollar fĂŒr die AusrĂŒstung und Modernisierung seiner StreitkrĂ€fte aus – die Ausgaben Frankreichs, Deutschlands und Großbritanniens kumulierten sich auf 168 Milliarden Dollar, allein die USA gaben 640 Milliarden Dollar aus – alles in allem das Achtfache der russischen Aufwendungen. Wer hat ein neues WettrĂŒsten begonnen?“

    Schließlich soll im walisischen Newport die Aufnahme neuer Mitglieder diskutiert werden. In Betracht kommen Schweden, Finnland, Mazedonien, Montenegro und Georgien, um noch nĂ€her an Russlands Grenzen zu rĂŒcken und einen russlandfeindlichen GĂŒrtel quer ĂŒber den ganzen europĂ€ischen Kontinent zu spannen. Wozu die NATO nicht alles taugt, seitdem sie vom Verteidigungsauftrag losgelöst und einer Out-of-Area-Strategie – beschlossen auf dem Washington-Gipfel im Jahr 1999 – unterworfen ist.“
    Das sagt das CDU Mitglied Willy Wimmer.

    http://www.heise.de/tp/artikel/42/42701/1.html

  34. avatar

    Stevanovic meint: „“…die OsteuropĂ€er, nach 50 Jahren zivilisatorischer Erfahrung mit dem Kreml, lieber durchs Stahlgewitter gehen werden, als sich zu beugen.““

    komisch, da sind die Bewohner der Halbinsel Krim dann bei der letzten Abstimmung alle unter dem Einfluß ihrer hochprozentigen Hausmarke gestanden, zumindest die ĂŒ90% !?

    +

    „“Haben sie Dugin gelesen?““

    Jadochja, ich kenne aber auch Diesen hier:

    http://www.hintergrund.de/2008.....inski.html

    So sieht halt jeder Seine Welt, die er gerne sehen will.

    +

    der US-PrÀsident im Baltikum:

    „Wenn sich die Menschen in Estland oder den anderen baltischen Staaten heute fragten: „Wer wird uns zu Hilfe kommen?“, sei die Antwort eindeutig: „Die Nato-Truppen und die Soldaten der Vereinigten Staaten. Hier und jetzt. Wir werden da sein fĂŒr Estland. Wir werden da sein fĂŒr Lettland. Wir werden da sein fĂŒr Litauen. Ihr habt eure UnabhĂ€ngigkeit schon einmal an Russland verloren. Mit der Nato im RĂŒcken werdet ihr sie nie wieder verlieren.“

    Man sollte nie „NIE“ sagen Mr. President!

    
 vom Regen… zur Sonne, zur Freiheit, zum Lichte empor und – zurĂŒck -, wer sind die Guten und wer die Bösen? nb:… die Menschen werden hoffentlich rechtzeitig merken, daß sie ihre UnabhĂ€ngigkeit mit „der Nato im RĂŒcken“ schon aufgegeben haben
?

    +

    Man provoziert eine riesige Katastrophe im Namen irgendwelcher schönen Werte und Ideale und erzĂ€hlt Leuten, die noch halbwegs bei Verstand sind und einfach keine Katastrophen möchten, dass sie doch” rĂŒber” gehen sollen, wenn sie unserer Werte nicht teilen.

    Die Fragen bleiben unbeantwortet: „Wer zieht die Strippen?“ Wer profitiert von angekĂŒndigten, drohenden Katastrophen?

    Die Berichterstattung kommt ab und an, ĂŒber das Niveau eines Komödienstadels nicht hinaus:
    Ein Bild mit Papp-Kameraden, sagt dazu mehr, als tausend Dreschmaschinen..

    http://cdn1.spiegel.de/images/.....9-kvfg.jpg

  35. avatar

    Ja, ist auf hohem Niveau. Und in der Tat ist es ein Fehler, Russland einkreisen zu wollen, zunĂ€chst ĂŒber eine Marionettenregierung in Georgien, dann ĂŒber eine Übergangs-Marionettenregierung in der Ukraine. Und es sollte doch nicht vergessen werden, dass der derzeitige Chef wieder ein Oligarch ist mit assets im Osten des Landes, die ihm bei einer UnabhĂ€ngigkeit vielleicht teilweise flöten gingen.
    Dass Putin sich ĂŒber Homosexuelle wirklich aufregt, glaube ich weniger, aber er empfindet ihre (westlichen) Demos dort als Provokation. Das hat mit Geschlecht weniger zu tun, denn mit poltischer HomosexualitĂ€t, Schwule als Apostel der Linken, GrĂŒnen und vor allem der Gegner christlicher Kirchen. Den Pussy Riot-Gören hĂ€tte man eine Ohrfeige geben sollen, GefĂ€ngnis war ĂŒberzogen.
    Dass der sog. Westen sich auch ĂŒberaus schlecht darstellt, falls er sich in ISIL einen ausrastenden Zauberlehrling geschaffen hat, ist auch vollkommen klar. Und jetzt rotiert der Westen gedanklich darĂŒber, wie er die Besen wieder anhalten kann.
    Und dass der Westen mit Qatar und SA mauschelt, steht ihm auch gar nicht. Wenn man dort mit Bibel einreist, kommt man in den Knast. Warum nicht mal ’ne Homosexuellen-Demo in SA versuchen? Nö, lieber nicht, oder? Vergewaltigung dort anzeigen ist auch diffizil fĂŒr die Opfer. Dann kenne ich einen, der lange in Dubai war. Genaue Regeln sagt der. Bei Verkehrsunfall zwischen Araber und EuropĂ€er ist automatisch der EuropĂ€er schuld. Bei Beteiligung von EuropĂ€er und Inder kriegt der Inder die Schuld. In deren Kastensystem stehen wir also ĂŒber dem Inder. Aber wir reden stĂ€ndig von Menschenrechten, wollen aber die WM dahin bringen. Das ist mindestens heuchlerisch. Im Grunde ist es nicht weniger korrupt als manches in Russland.

  36. avatar

    Stefanovic

    Und:

    Kommen sie nicht auch aus einem dieser “ Drecksvölker “

    „Vielleicht sind die historischen Vergleiche ja alle etwas schief, ungenau und polemisch. Sicher aber ist eines: Sowenig sich Chamberlain auf die öffentliche Meinung stĂŒtzen konnte, fĂŒr die GerĂŒmpelstaaten und Drecksvölker im Osten eine Mehrheit fĂŒr deren Verteidigung zu finden, so unwillig ist die deutsche Öffentlichkeit heute.“

    Ich bin ein wenig ueberrascht, dass ihre “ Sprache “ hier nicht kritisiert wird.

    Dies ist auch die Sprache des http://de.wikipedia.org/wiki/Der_St%C3%BCrmer

    gewesen.

    Resist the beginning or

    Desperate diseases need desperate remedies

  37. avatar

    @Stevanovic

    Wenn ich Ihre Satze lese, dann frage ich mich schon, ob sie eigentlich wissen was Krieg bedeutet:

    „Leider stehen der Ukraine keine westlichen Truppen zur VerfĂŒgung, die sich auf der Suche nach dem McDrive mit schwerem GerĂ€t um hunderte Kilometer verfahren.“

    Fragen sie doch einmal die veterans aus edem Iraq war oder auch die aus Vietnam!!

    Aber vielleicht sollten sie sich den Separatisten in der Ukraine anschliessen um blood, sweat and tears in realiter zu erleben!!!

    Vielleicht sollten sie auch einmal das interview des deuschen Generals Kujat anhoeren:

    http://www.deutschlandradiokul....._id=296491

    Wenn ich ihre Texte lese faellt mir nur der Begriff ein :

    Stefanovics der couch-warrior 🙂

  38. avatar

    @Stevanovic: „814.000“ – das sind sehr viele Menschen, wenn man bedenkt, dass der Krieg in manchen Berichten als von eingedrungenen Russen gegen den Willen der ansĂ€ssigen Bevölkerung angezettelt dargestellt wird. Wenn Russland der Feind dieser Menschen ist, dann ist es doch seltsam, wenn man sich in solchen Massen ausgerechnet zum Feind flĂŒchtet? Vor wem flĂŒchtet man da? Vor einem Freund, der einen durch polizeiliche Maßnahmen vor den Terroristen beschĂŒtzen will? Oder sind diese FlĂŒchtlinge der russischehn Propaganda auf den Leim gegangen und Ă€rgern sich inzwischen, dass sie sich nicht in Richtung Westen abgesetzt haben, wie immerhin 260 000 andere? So schwer kann das also nicht sein, sich in Richtung Westen abzusetzen. Vemutlich wurden sie nicht durch im Hilfskonvoi versteckte russische Soldaten in die weißen Lastwagen gezwungen und nach Russland zwangsverfrachtet. Möglicherweise haben sie sich also freiwillig dazu entschieden, nach Osten zu fliehen, aus Angst vor den Kampfhandlungen im Allgemeinen und vor den ukrainischen Antiterrorpolizisten im Besonderen, und vielleicht auch, wie Sie vermuten, weil sie sich in Russland besser versorgt fĂŒhlen. Das spricht aber ebenfalls nicht, gelinde gesagt, fĂŒr das ukrainische Vorgehen und den Ruf, den die ukrainsche Regierung bei diesen Leuten genießt.

    „Schriftliche Garantien“: Es ist verstĂ€ndlich, dass die ehemaligen OstblocklĂ€nder vor Russland Angst haben. Mich interessieren hier aber die Bedingungen der GĂŒltigkeit bedingungsloser VertrĂ€ge. Wenn man nur mĂŒndliche Zusagen hat, gelten die nicht, haben wir erfahren. Wie ist es mit schriftlichen Zusagen? Wie lange gelten die? Wann darf man die brechen? Wenn jemand Angst bekommt? Auch die NATO basiert auf schriftlichen Garantien. Gelten die auch nur so lange, bis jemand, z.B. ein vertraglich zum Beistand verpflichtetes Land, Angst bekommt?

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    Stevanovic, da sie sich mit dem Thema auszukennen scheinen: Gibt es ĂŒberhaupt einen Trumpf gegen jedes Jahr 25 Millionen neue Wehrpflichtige in China?

    Ich wĂŒrde nach SĂŒdamerika fliehen? Sie?

    Meine Oma wurde von der Roten Armee freundlich und zivilisiert behandelt. Besser als von den Deutschen (ok, das ist nicht schwierig), die Menschen an der Flucht hinderten und diejenigen erschossen, die keinen Bock auf Volkssturm hatten.

    Uropa starb in Kriegsgefangenschaft, Opa kam aus der Kriegsgefangenschaft zurĂŒck, schlechte (Tod, obwohl das in Kriegsgefangenschaft nicht unĂŒblich ist, was es andererseits nicht besser macht) oder nicht gute Behandlung wurde mit noch schlechterer Lage der russischen Bevölkerung erklĂ€rt, anderer Opa war zu jung.

    Die meisten Kriegstoten gab es nicht im Deutschen Reich oder bei den westlichen Alliierten, sondern in der Sowjetunion und China/Asien.
    http://de.wikipedia.org/wiki/Z.....pferzahlen

  40. avatar

    „…3. Armenien hat die Gebiete, in denen Armenier seit 3000 Jahren leben und wo die ersten christlichen Kirchen gebaut wurden, befreit und hĂ€lt sie nicht besetzt….“

    Aber selbstredend ist Armenien völkerrechtlich Besatzungsmacht in einem Gebiet, das ungefĂ€hr 20% des aserbaidschanischen Territoriums ausmacht. Sie legen sich hier ja mĂ€chtig fĂŒr die armenische Propaganda ins Zeug. Woran liegts? Glaubens- oder rassisch bedingt? ErfahrungsgemĂ€ĂŸ sind Deutsche, die so auftreten wie Sie, entweder von einem (zumeist protestantisch-) christlichen/ islamophoben Ungeist getrieben oder aber von der SolidaritĂ€t mit einem „arischen Brudervolk“. Meist ist es eine unappetitliche Suppe aus beidem.

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