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Jacques Brel: Notizen zu einer gescheiterten Annäherung

Bild von ChatGTP nach Angaben von AP erstellt.

Also, ich hab’s versucht. Ulf Kubanke hatte mich mit seinem Text über Jacques Brel ein wenig beschämt. Denn ich konnte noch nie mit französischen Chansonniers etwas anfangen, und vielleicht lag das an musikalischer und sprachlicher Faulheit meinerseits. Also habe ich, weil Ulf das empfahl, mir das Live-Album „Olympia 61“ angetan. Es war, das muss ich zugeben, eher Arbeit als Vergnügen, und um mich zu erholen, musste ich mir anschließend das Live-Konzert von Judy Garland im Manhattan Center (1962) anhören.

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Eine Schriftstellerin als Hotelchefin: Das Literaturhotel in Berlin-Friedenau

Clemens Meyer, Volker Braun, Christa Wolf, Hans Christoph Buch, Peter Schneider, Judith Hermann, Christoph Meckel. Diese Schriftsteller haben aus ihren Büchern gelesen im Uwe Johnson-Salon. So heißt der Frühstücksraum des Literaturhotels in Berlin Friedenau. Dem beschaulichen Kiez, in dem Literatur einen ausgezeichneten Nährboden fand. Erich Kästner, Uwe Johnson und Günter Grass wohnten in der Niedstraße, Max Frisch in der Sarrazinstraße, Herta Müller in der Menzelstraße und Hans-Magnus Enzensberger in der Fregestraße. Fregestraße 68, das ist auch die Adresse des Literaturhotels.

Fotos: Cornelia Echte-Zimmer, ausser Grönemeyer: Literaturhotel Berlin

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Die größten Kritiker des Rezensenten waren früher selber Enten.

Ach, was wäre das Leben des Musik-Kritikers ohne seine schärfsten Kritiker, die Leser. Die immer wieder ihre hochgeschätzte Meinung kundtun, weil der böse Rezensent das Werk ihrer geliebten Kapelle falsch verstanden hat. Selbst dann, wenn er eigentlich gar nichts Grundsätzliches an den gebotenen Ton-Reihungen auszusetzen hatte. Jede Kritik liest der Fan grundsätzlich als Verriss, und dann greift er zur Feder und produziert Stilblüte um Stilblüte.

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There are places I’ll remember… (4): Hotel California

Illustration: Von Perplexity KI-generiert nach Anweisungen von Alan Posener

Ein Klassiker. Und wenn Jeff Bridges als der Dude in „The Big Lebowski“ sagt: „I hate the goddam fucking Eagles, man!“ – und daraufhin vom schwarzen Taxifahrer rausgeschmissen wird –, so läuft im selben Film in der großartigen Bowling-Szene mit John Turturro „Hotel California“. Allerdings in der Fassung der Gypsy Kings. Die ihrerseits nur beweisen, dass eigentlich nur die Eagles den Song spielen und singen können.

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Die Sechziger: Panorama eines Jahrzehnts wie kein anderes (3/3)

Kein Jahrzehnt gleicht dem anderen – geschenkt. Doch die 1960er Jahre markieren mehr als nur eine weitere Etappe der Nachkriegsgeschichte. In dieser kurzen Epoche ballten sich politische Umbrüche, gesellschaftliche Aufbrüche und technologische Neuerungen in einem Ausmaß, gegen das spätere Dekaden fast verblassen.

Einige der damaligen Geschehnisse habe ich aus der Erinnerung wiederbelebt, nachrecherchiert und auf ihren Kern verdichtet. Die Schilderungen stammen aus der Perspektive eines in Bonn lebenden Westdeutschen; für diese Einseitigkeit bitte ich Ostdeutsche um Nachsicht. Nun denn – ein Jahrzehnt wird besichtigt, stilistisch inspiriert durch Florian Illies, der dieses Genre erdacht hat. Hier nun Teil 3, 1967 – 1969. Weiterlesen

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Als ich Zwerg mal lange Schatten warf …

… oder: Warum gibt es immer wieder „Die Neuen“ unter den Parteien?

Natürlich kennen Sie den Ausspruch:

„Wenn die Sonne tief steht, werfen sogar die Zwerge lange Schatten.“

Zum ersten mal erlebte ich dies am 9. Februar des Jahres 1990. „Wir“, also die CDU des Kreisverbandes Tübingen in Baden-Württemberg eröffneten den Wahlkampf zur Volkskammerwahl am 18. März 1990 in Oschatz in Sachsen.

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Hotel California – Der Flur, der nie endet

Foto: IMAGO / Depositphotos

Ulf Kubanke zum keimenden Frühling diesmal mit einem immergrünen Übersong der Eagles: Vorhang auf für „Hotel California“ (1976):

Als der „Dude“ in The Big Lebowski bekennt, er hasse die „goddamn fucking Eagles“, ist das mehr als ein Running Gag. Es ist eine Haltung. Gegen Perfektion. Gegen kalifornische Glätte. Gegen jene Sorte Musik, die so makellos klingt, dass man misstrauisch wird.

Und doch steht da dieses Stück aus dem Jahr 1976: „Hotel California“ von den Eagles. Ein Lied, das sich jedem sonstigen Spott entzieht.

Es geht los:

Es beginnt nicht mit Angst.

Es beginnt mit Müdigkeit.

Warme Luft. Dämmerung. Keine Uhrzeit. ein Zustand Weiterlesen

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Aus meinem Songbuch (7): Marathon Man

Bild: KI-generiert von A.P. mit Perplexity

Diesen Song gibt es, so weit ich sehe, nur in Gestalt eines Videos in ziemlich schlechter Qualität auf Klaus Kluges YouTube-Kanal. Schade eigentlich, denn er ist alles in allem nicht schlecht.

Als Klaus seine Song-Idee (den ganzen Text findet man unten) 1985 zu mir brachte, wusste er nur eins: der Refrain sollte „Running, running running …“ lauten. Ich weiß nicht mehr, warum. Daraus machte ich dann den „Marathon Man“. Den Film mit Dustin Hoffman und Laurence Olivier habe ich immer gemocht. Und da ist tatsächlich ein wenig von mir in den ersten beiden Zeilen, die ich immer noch gelungen finde:

Take a look at the marathon man, that’s me / Running away from every problem you can see

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Drohung ohne Konsequenzen?  – Ein Monsterball des eliminatorischen, israelbezogenen Judenhasses auf der Berliner Weltbühne 

Transparenzhinweis: Der Urheber dieser Zeilen ist Aktivist, kein Journalist. „Aktionspoet und Kommunikationsartist“ nannte ihn, aufgrund seines unvergleichlichen Tanzstils, ein damals führender Kulturchef. Der ist heute rechts. Ich bin es nicht. Ich bin auf der Suche nach den Zusammenhängen und ich ringe um Verständnis für alles mögliche und Mögliche…

Auf offener Bühne, das teuerste Filmfestival der Welt verabschiedet sich bis ins kommende Jahr, droht ein Filmregisseur allen, oder „nur“ den Anwesenden? An jeden erinnern will er sich im Pluralis Majestatis: Diejenigen, die auf seiner Seite stehen und diejenigen auf der anderen.

Das folkloristische Geschirrtuch, aka. Palituch das er an diesem Abend nicht als einziger trägt, liegt so sorgfältig im Dreieck auf seiner rechten Schulter, dass es die Silhouette seiner Heimat suggeriert: Ein Land, eines nicht zwei, in dem es kein Israel mehr gibt – from the river to the sea..!

Über diesen Mann muss gesprochen werden: Abdallah Alkhatib Weiterlesen

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Die Sechziger: Panorama eines Jahrzehnts wie kein anderes (2/3)

Kein Jahrzehnt gleicht dem anderen – geschenkt. Doch die Sechziger markieren mehr als nur eine weitere Etappe der Nachkriegsgeschichte. In dieser – gemessen an einem Menschenleben – kurzen Epoche ballen sich politische Umbrüche, gesellschaftliche Aufbrüche und technologische Neuerungen in einem Ausmaß, gegen das spätere Dekaden fast verblassen. Einige dieser damaligen Geschehnisse habe ich aus der Erinnerung wiederbelebt, aktuell nachrecherchiert und auf ihren Kern verdichtet. Die Schilderungen stammen aus der Perspektive eines in Bonn lebenden Westdeutschen; für diese Einseitigkeit bitte ich Ostdeutsche um Nachsicht. Nun denn – ein Jahrzehnt wird besichtigt, stilistisch inspiriert durch Florian Illies, der dieses Genre erdacht hat.

≡≡≡ 1963 ≡≡≡

Hunderttausende sind in Deutschland Ende Juni auf den Beinen, um einen Mann zu sehen: den amerikanischen Präsidenten John F. Kennedy auf Deutschland-Visite. Das Land befindet sich in einer Art Ausnahmezustand. Fernsehen und Radio berichten tagelang live von Kennedys Besuch. Überall ist Kennedy das Thema Nummer eins. Der Höhepunkt seines Besuchs ist zweifellos die Rede vor dem Schöneberger Rathaus in Berlin. Rund 400.000 Berliner versammeln sich am 26. Juni 1963, um Kennedy zu sehen und – wichtiger noch – um ihn zu hören. Dabei kann er den Berlinern nur eines bieten: das Versprechen, dass die USA fest zu West-Berlin stehen. Seine Zusicherung besiegelt er mit einem Vergleich aus der Antike. So wie vor zweitausend Jahren der Satz „Ich bin ein Bürger Roms“ überall im Römischen Reich die Bürgerrechte garantierte, so gelte in der freien Welt sinngemäß nun der Satz: „Ich bin ein Berliner“. Der Jubel der Berliner nimmt keine Grenzen. Nie wieder erlebt ein Staatsgast in Deutschland eine derart überwältigende Zuneigung seines Gastlandes.

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Immer noch herrscht 1963 in den USA zum Teil strikte Rassentrennung. Weiterlesen

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Berlin braucht viel, aber keinen Aktionstag gegen sogenannte „Islamophobie“!

Foto: Offizielles Foto zum Demoaufruf von Frauenheldinnen e.V.

Ein offener Brief von Eva Quistorp, MdEP a.D.,Theologin, Germanistin, Politologin, Beraterin des Weltzukunftsrates, Preisträgerin des Blauen Bären von Berlin, an Kai Wegner, den Regierenden Bürgermeister von Berlin.

Vorab: 

Der unten stehende offene Brief erscheint angesichts der Aufstände gegen das Mullahregime im Iran und die Exildebatten hier dazu und nun auch insbesondere angesichts des Militärschlags Israels und der USA gegen das islamofaschistische Mullahregime. Auch ergeht er angesichts der Überdosis BDS und Gazadebatten und offenen Briefe der Kultur- und Berlinale-Szene, die kein Wort zu den Massakern, zum Hunger von MiIlionen und zu den Steinigungen im Sudan sagt.

Ich habe diesen Brief bereits am 18. Dezember verfasst, als ich an den islamistischen Terroranschlag gegen den Weihnachtsmarkt und die Gedächtniskirche mit 120 Opfern und deren Angehörige erinnern wollte. Und weil ich mich deshalb besonders über den geplanten „Aktionstag in Berlin“ Gegen islamfeindlichkeit geärgert habe.

Dieser wird auf der Google-KI wie folgt beschrieben:

„Der Berliner Senat plant für den 15. März 2026 erstmals einen offiziellen Aktionstag gegen Islamfeindlichkeit, um auf Übergriffe gegen Muslime aufmerksam zu machen. Der Tag erinnert an das Attentat in Christchurch 2019. Dies ist umstritten, da Kritiker eine Täter-Opfer-Umkehr angesichts anderer Sicherheitslagen befürchten.“

Ja, das ist zu Recht umstritten, ganz besonders in einer Zeit, in der der islamistische Terror im Iran und Afghanistan und auch in Frankreich, Algerien und im Sudan weiterhin tobt.

Zu viel wohlgemeinte religiöse Toleranz gegenüber dem Islamismus durch die Politik und NGOs Weiterlesen

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