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Ausreden, Lügen, Relativierung, Schuldabwehr, schlampige Recherche, sprachliche Tricks: Es reicht

Noch einmal Erwin Wickert? Warum eigentlich? Warum ist es überhaupt wichtig, ob und wie sich Menschen, die dem Naziregime in jungen Jahren zu Diensten waren, in späteren Jahren mit jenem Regime auseinandersetzten? Das ist doch mittlerweile Geschichte. Richtig. Und weil Wickerts Unaufrichtigkeit – Lügen? Selbsttäuschung? Beides? – einigermaßen typisch ist für die Generation, die nach 1945 das Sagen hatte, ist Wickert denn doch wichtig.

Und Ulli Kulkes stilistisch unbeholfene Zusammenfassung und Paraphrase der Erinnerungen Erwin Wickerts, die sich als Biografie ausgibt, ist deshalb von Bedeutung: Weil Kulke, Autor der „Achse des Guten“, den Oberflächlichkeiten, Ausrede und, Lügen Wickerts auf den Leim geht und dadurch beweist, dass auch er sich unzureichend mit dem Nationalsozialismus und den Lehren aus jenem kollektiven Zivilisationsversagen auseinandergesetzt hat.

Wickert mit Goebbels contra Streicher

Beginnen wir mit einem Artikel, den Wickert 1935 für die Zeitschrift des Nationalsozialistischen Studentenbundes schrieb, mit charakteristischer Verschlagenheit aber lieber unter dem Namen des Chefredakteurs Heinz Schmoll veröffentlichen ließ. Es handelte sich um einen Angriff gegen Julius Streichers Hetzschrift „Der Stürmer“.  Im Artikel heißt es: „Der Kampf gegen das Judentum geht nicht allein um die Reinheit des deutschen Blutes, sondern ebenso um die Sauberkeit des deutschen Geistes.“ Durch die Darstellung „jüdischer Perversitäten“ im „Stürmer“ laufe vor allem die Jugend Gefahr, „geistig verletzt zu werden. (…) Die erbittertste Kolportage einer Schweinerei bleibt doch im Thema die Wiedergabe einer Schweinerei.“

Kulke gibt das unkommentiert wieder, zitiert Wickert aber mit der Bemerkung: „Wir kamen uns unglaublich mutig vor.“ Ein Urteil, das Kulke zu übernehmen scheint, denn es geht ihm durchweg darum, die angebliche Distanz Wickerts zum Regime, dem er als NSDAP-Mitglied und Diplomat diente, zu betonen. Riskierten Wickert und Schmoll, „Hauptamtsleiter für Presse und Propaganda“ des NS-Studentenbundes, wirklich irgendwelche Repressalien? Kaum. Denn zur gleichen Zeit hielt Joseph Goebbels, Reichsminister für Volksaufklärung und Propaganda, in seinem Tagebuch folgende Charakterisierung Streichers fest:

„Die ganze Welt weiß, dass er die schmutzigste und widerwärtigste Erscheinung des Nationalsozialismus ist; ein Erpresser, ein Pervertierter, ein sadistischer Pornograph, dessen Politik nichts als die Summe seiner verbrecherischen Neigungen ist.“

Wickert und Schmoll waren also keine mutigen Kämpfer gegen den Antisemitismus, sondern allenfalls Befürworter eines klügeren Antisemitismus und Partei in einem Kampf innerhalb der NSDAP, bei dem sich Nazigrößen wie Goebbels und Hermann Göring gegen Streicher stellten, der dann auch – trotz der Protektion durch Adolf Hitler – 1940 aller Parteiämter enthoben wurde.

Kluge Nazi-Propaganda gegen Holzhammermethoden

Wickert, der während seiner ganzen Zeit im Auswärtigen Amt (AA) – 1939 bis 1945 – als Rundfunkattaché Teil des Propagandaapparats war, blieb Befürworter einer klügeren oder weniger kruden Werbung für die Ziele des Regimes. Solche Konflikte kennt man aus allen totalitären Staaten; sie machen aber aus dem Mann, der die Holzhammermethode ablehnt, ja damit auch zuweilen aneckt, noch lange keinen Gegner des Totalitarismus.

So setzte Wickert 1940 als Rundfunkattaché in Schanghai durch, dass der dortige deutsche Sender zwischen den eigentlichen Propagandasendungen weniger Märsche und deutsche Volksmusik und mehr Swing und Jazz sendete, was den Chef der örtlichen NSDAP-Ortsgruppe zu einer Beschwerde nach Berlin veranlasste: „Es ist beim besten Willen nicht einzusehen, weshalb ein deutscher Sender Musik überträgt, die als entartete Kunst zu bewerten ist und in Deutschland zum größten Teil verboten wurde.“ Es sei falsch, „Musik als Köder zu benutzen.“

Genau darum aber ging es Wickert; und genau darum ging es auch Goebbels, der sogar den Wehrmachtssendern im Ausland erlaubte, Jazzmusik für die Soldaten zu spielen und eine eigene Jazz-Kapelle für die Propaganda nach England unterhielt. Weit davon entfernt, sich zu exponieren, war Wickert voll auf Linie, oder wie Kulke es formuliert: „Er wollte für die Reputation des Reiches (sic!) insgesamt streiten.“

Das tat Wickert denn auch bis zum Ende des Krieges, den er in Japan erlebte.

Was wusste Wickert vom Holocaust?

Wusste Wickert aber nicht, dass jenes Reich, für deren „Reputation“ er stritt, ein völkermörderisches Unternehmen war, dass dabei war, die Juden vom Gesicht der Erde zu tilgen? Wickert behauptet, erst „Ende Juli 1944“ in Tokio aus abgehörten Sendungen der BBC von der Befreiung des Vernichtungslagers Majdanek durch die Rote Armee und damit von der Vernichtung der Juden gehört zu haben. In Majdanek, so die BBC, seien „Millionen von Juden vergast“ worden. „Ich steckte sie in meine Mappe ‚Gräuel und Wunderwaffen‘“, so Wickert in seinen Memoiren von 1991. Er sei „enttäuscht“ gewesen, „dass die so gescheiten englischen und amerikanischen Profis zu den diskreditierten Tricks aus dem Ersten Weltkrieg zurückkehrten. Morgen würden sie dann mit den Fabriken kommen, in denen die Hunnen Seife aus dem Fett ermordeter Judenkinder machten.“

Ist es wichtig, wann wer welche Einzelheiten über den Holocaust erfuhr? Schließlich wusste jeder Deutsche, oder konnte wissen, was Hitler in seiner Rede zum sechsten Jahrestag der „Machtergreifung“ im Reichstag angekündigt hatte: „Wenn es dem internationalen Finanzjudentum in und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa.“ Jeder Deutsche wusste, oder konnte wissen, was Hitler am 8. November 1942 vor den „alten Kämpfern“ im Löwenbräukeller gesagt hatte: „Sie werden sich noch erinnern an die Reichstagssitzung, in der ich erklärte, wenn das Judentum sich etwa einbildet, einen internationalen Weltkrieg zur Ausrottung der europäischen Rassen herbeiführen zu können, dann wird das Ergebnis nicht die Ausrottung der europäischen Rassen, sondern die Ausrottung des Judentums in Europa sein (starker Beifall). Sie haben mich immer als Prophet ausgelacht, von denen, die damals lachten, lachen unzählige nicht mehr (Lachen). Die jetzt noch lachen, werden in einiger Zeit nicht mehr lachen.“ Und Wickert, der von 1939 bis 1945 mit nichts anderem beschäftigt war als der Auslandspropaganda des Dritten Reichs, wozu ja die Verbreitung der Reden des „Führers“ mit an erster Stelle gehörte, kannte diese Reden auf jeden Fall.

Wenn also Kulke entschuldigend meint, erst mit den Meldungen über Majdanek habe „das Ungeheuerliche in seinen Dimensionen endgültig im Raum“ gestanden, dann übernimmt er kritiklos die Notlüge seines Sujets und der unzähligen Deutschen, die nachher nichts gesehen, gehört und schon gar nichts gegen die Juden gesagt haben wollten. Was meint aber Wickert mit dem Hinweis: „Morgen würden sie dann mit den Fabriken kommen, in denen die Hunnen Seife aus dem Fett ermordeter Judenkinder machten“? Kannte er 1944 also doch die Gerüchte über das „fabrikmäßige“ Morden der Juden, ja über die Verwendung von Menschenfett zur Seifenherstellung? Woher?

Hat der Jüdische Weltkongress „weggeschaut“?

Um Wickerts Aussage zu untermauern, er habe erst im Sommer 1944 von der „Endlösung“ der auch von ihm als „soziales Problem“ erachteten „Judenfrage“ erfahren, greift Kulke nun zum ganz großen Geschütz. Unter Bezugnahme auf ein Buch Walter Laqueurs von 1984 schreibt er: „Zusammengefasst lautet seine unfassbare Aussage. Man hat weggeschaut. Letztlich auch der Jüdische Weltkongress.“

Nun ist es eine Sache, wenn ein jüdischer Historiker wie Laqueur beklagt, die Alliierten und auch der Jüdische Weltkongress hätten zu wenig getan, um die Vernichtung der Juden zu verhindern oder wenigstens bekannt zu machen. Eine andere ist es, wenn ein ehemaliger Nazi-Propagandist wie Wickert behauptet, Laqueur habe „seine eigenen Erfahrungen aus den Kriegsjahren bestätigt und wissenschaftlich untermauert“; und wenn Wickerts neurechter Biograf in apologetischer Hinsicht hinzufügt, letztlich habe auch der Jüdische Weltkongress „weggeschaut“.

Was die Alliierten wussten …

Ein wenig genauer darf man denn doch hinschauen, wenn man mehr will als die Schuld auf möglichst viele – möglichst auch jüdische – Schultern verteilen. Es stimmt zwar, dass die Briten schon wenige Wochen nach dem Überfall der Nazis auf die Sowjetunion am 22. Juni 1941 durch das Abhören des deutschen Funkverkehrs von der Tätigkeit der Einsatzgruppen wussten: „Es dürfte hinlänglich bekannt sein, dass die Polizei jeden Juden tötet, der ihr in die Hände fällt“, heißt es in einem Briefing des Auslandsgeheimdiensts an Churchill vom September des Jahres. Warum also haben die Briten dieses „namenlose Verbrechen“, wie es Churchill am 24. August in einer von der BBC ausgestrahlten Rede genannt hatte, nicht näher benannt? Churchill sagte damals: „Hunderttausende – ja, Hunderttausende – werden hingerichtet. Deutsche Polizeitruppen ermorden kaltblütig russische Patrioten …“. Warum sprach er nicht von Juden?

Es gibt eine Reihe von Gründen, darunter übrigens die Überlegung, dass man den Briten unterstellen würde, „zu den diskreditierten Tricks aus dem Ersten Weltkrieg zurückzukehren“, wie es Wickert später formulierte. Schließlich wäre der Beweis für den massenhaften Mord an den Juden nur zu führen, indem die Briten das sorgfältig gehütete und kriegswichtige Geheimnis preisgaben, dass sie die deutschen Codes geknackt und ihre Funkmeldungen entziffern konnten.

Hinzu kam eine Überlegung, die einen noch heute schaudern lässt, weil sie möglicherweise stimmte: „Mitunter wurde befürchtet, die offizielle Bestätigung des Massakers an den Juden würde dem Kampf gegen Deutschland . . . schaden,“ so der amerikanische Historiker Richard Breitman, der die britischen Quellen ausgewertet hat. „Schließlich müsse man dem in Europa weitverbreiteten Antisemitismus und der Feindseligkeit der Araber gegen die Juden Rechnung tragen.“ Mit einem Wort: Wüssten die Europäer und Araber vom Holocaust – wer weiß, ob sie ihn nicht gutheißen würden?

„Wegschauen“ jedenfalls sieht anders aus. Am 25. Juni 1942 veröffentlichte der „Daily Telegraph“ einen Bericht über die Ermordung von „700.000 Juden in Polen“. Dabei seien „mobile Gaskammern“ zum Einsatz gekommen. Am 8. August 1942 – sieben Monate nach der Wannseekonferenz, auf der die Organisierung der „Endlösung“ in ganz Europa – übrigens unter aktiver Beteiligung des Auswärtigen Amts – besprochen wurde, erhielten die Alliierten mit dem „Riegner-Telegramm“ die erste durch einen glaubhaften deutschen Informanten bestätigte Mitteilung über den Mordplan und dessen Umsetzung, und am 18. Dezember 1942 – einen Monat nach Hitlers Auftritt im Löwenbräukeller – wurde die „Interalliierte Erklärung zur Vernichtung der Juden“ veröffentlicht.

… und was sie sagten

Dort wird festgestellt, „dass sich die deutschen Behörden in allen Gebieten, auf die sich ihr barbarisches Regime erstreckt, nicht nur auf die Entziehung der elementarsten Menschenrechte von Personen jüdischer Abstammung begrenzen, sondern die von Hitler mehrfach ausgedrückte Absicht verwirklichen, das jüdische Volk in Europa auszutilgen. (…) „Aus allen besetzten Ländern werden Juden unter den grässlichsten und brutalsten Bedingungen nach Osteuropa transportiert … Die Kräftigeren werden in Arbeitslagern langsam durch Arbeit vernichtet. Die Schwachen lässt man sterben, durch Hunger umkommen oder sie werden in Massenhinrichtungen planmäßig niedergemetzelt. Die Zahl der Opfer dieser blutigen Grausamkeiten geht in viele Hunderttausende völlig unschuldiger Männer, Frauen und Kinder.“

Es ist völlig ausgeschlossen, dass Wickert, zu dessen Aufgaben seit 1939, in Berlin, Schanghai und Tokio das Abhören der „Feindsender“ gehörte, diese Erklärung nicht kannte.

Und was das „Wegschauen“ des Jüdischen Weltkongresses angeht: Gerhart Riegner, Repräsentant des Weltkongresses in Genf, war Autor des „Riegner-Telegramms“, das Rabbi Stephen Wise, der den Weltkongress 1920 gegründet hatte, am 24. November 1942 der Weltöffentlichkeit vorstellte, verbunden mit einem Appell an Präsident Franklin D. Roosevelt, den deutschen Mordplan zu stoppen.

Warum will Kulke auch nachträglich nichts wissen?

Wie kann da im Jahre 2021 ein deutscher Journalist behaupten, zwar sei schon vor der Befreiung des KZ Majdanek in den Radiosendungen der Alliierten von „Massenvernichtungen, die in die Hunderttausende gingen“, die Rede gewesen, jedoch „nur punktuell, vom Hörensagen“? Von der planmäßigen Verwirklichung einer mehrfach von Hitler verkündeten Absicht ist da die Rede; und wenn „nur“ von Hunderttausenden die Rede ist, so wird klar gesagt, dass „das jüdische Volk in Europa ausgetilgt“ werden soll.

Dass Wickert sein Mit-Wissen verbergen wollte, kann man verstehen, wenn auch nicht billigen. Dass Kulke nicht wissen will, was man damals wissen konnte, wissen musste, dass er auch noch den Jüdischen Weltkongress des „Wegschauens“ bezichtigt, nur um Wickert glaubhaft erscheinen zu lassen, das ist – zumal bei einem Autor der betont philosemitischen und prozionistischen „Achse des Guten“ – schlicht skandalös.

Von Selbsthass getrieben

Was aber treibt Kulke um? Was will er mit einer Hagiografie erreichen, die unserem Wissen über Wickert nichts hinzufügt, dafür aber das, was man über den Nationalsozialismus wissen kann, wissen muss, verunklart?

Ist es ein von seiner linken Inkarnation ungebrochen (und trotz der Arbeit bei Springer) in seine rechte Verpuppung hinübergeretteter Antiamerikanismus? So schreibt Kulke über Wickerts Studienaufenthalt in den USA 1935: „Man vergleicht beim Professor im Wohnzimmer die USA mit Hitler-Deutschland in ihrem jeweiligen Antisemitismus und Rassismus, fragt sich beiderseits, ob die Amerikaner sich nicht Heuchelei vorwerfen lassen müssten … Ist man in Deutschland nur ehrlicher?“ Nein. Amerikas Rassismus widerspricht seinen Idealen und ist also heilbar; in Nazideutschland war der Rassismus das Ideal. Diesen Wesensunterschied scheinen Wickert und Kulke nicht zu sehen.

Ist es eine von seiner linken Verpuppung in seine rechte Inkarnation (trotz der Arbeit bei Springer) hinübergerettete Skepsis gegenüber dem Individualismus westlich-liberaler Prägung? Als Botschafter in Peking zeigte Wickert großes Verständnis für den Kollektivismus und vor allem für die Kunst des Verdrängens und Vergessens, wenn es etwa um die Auswüchse der Kulturrevolution ging: „Buße tun, auf den Knien liegen oder sich kasteien“ – so paraphrasiert Kulke Wickerts Ansichten über die Chinesen – „helfe in ihren Augen gar nichts.“ In den ausweichenden bis abweisenden Reaktionen chinesischer Akademiker auf Fragen des „Zeit“-Redakteurs Theo Sommer nach der Verantwortung für die Kulturrevolution sieht Kulke nicht die Angst vor der Kommunistischen Partei und ein bis heute herrschender, gewaltiger Konformitätsdruck; nein, darin „spiegelten sich daoistische Anschauungen wider“, so Kulke, „die Suche nach dem Dao, dem Weg zur inneren Ausgeglichenheit. (…) Wu wei, eine große Kunst.“ Theo Sommer hingegen „verstand die chinesische Kultur nicht.“ Abgesehen davon, dass die KP Chinas die Kunst der Selbstkritik und Selbstbezichtigung auf eine nie gekannte Höhe getrieben hatte: So leicht kann man sich Fragen nach Verantwortung und Schuld, Reue und Buße machen. Alles relativ, alles eine Frage der Kultur.

Oder ist es schlicht und einfach ein Hass auf sein früheres linkes und grünes Selbst, der Kulke derart umtreibt, dass er jedes Maß verliert? Ein Beispiel: Nachdem die Bundesregierung das Chruschtschow-Memorandum von 1961 zurückgewiesen hatte, in dem der Kreml-Chef kurz nach dem Mauerbau Erleichterungen im innerdeutschen Verkehr für den Fall einer Lockerung der Westbindung der Bundesrepublik in Aussicht gestellt hatte, erging sich die Presse der DDR, wie Kulke richtig schreibt, „in altbekannten Nazi-Vergleichen“. Das Neue Deutschland schimpfte: „Adenauer und Schröder reden genauso wie Hitler und Goebbels. Die alten Nazi-Diplomaten im Bonner Außenministerium haben das Memorandum in Hitlers Sprache abgefasst: ein Dokument des Kalten Krieges.“

Besonders jener letzte Satz, kommentiert Kulke, „nimmt dabei eine Stoßrichtung vorweg, die sich fünfzig Jahre später jene von Außenminister Fischer sogenannte ‚Historikerkommission‘ zu eigen machen sollte …“

Echt jetzt? Prof. Dr. Eckart Conze, Prof. Dr. Norbert Frei, Prof. Dr. Peter Hayes, Prof. Dr. Klaus Hildebrand, Prof. Dr. Moshe Zimmerman: Will Kulke diesen Historikern vorwerfen, sie würden die „Stoßrichtung“ der DDR-Propaganda aufnehmen, weil die Kommission angeblich „die damalige Belegschaft des Auswärtigen Amtes über weite Strecken in eine personell-politische Kontinuität mit dem Auswärtigen Amt Ribbentrops stellte.“? Wobei sich Kulke, wie so oft, eines sprachlichen Tricks bedient: Von personeller Kontinuität ist allerdings im Bericht der Kommission die Rede; von einer politischen Kontinuität der Politik Ribbentrops durch die Bundesrepublik mitnichten.

Ich weiß nicht, was man mehr bedauern soll: die Maßlosigkeit einer solchen Kritik oder die Dummheit der rhetorischen Finte, mit der diese Kritik glaubhaft gemacht werden soll.

Es reicht

Genug. Es reicht. Genug von Wickert. Genug von Kulke. Genug von Ausreden und Lügen, Relativierung und Schuldabwehr, genug vom penetranten Geruch des schrecklich guten Gewissens, genug von schlampiger Recherche und sprachlicher Schluderei. Genug. Es reicht.

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37 Gedanken zu “Ausreden, Lügen, Relativierung, Schuldabwehr, schlampige Recherche, sprachliche Tricks: Es reicht;”

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    Als Ergänzung sind vielleicht folgende Punkte interessant:
    1. Es gibt eine Erwin-Wickert-Stiftung, deren Vorsitzender Erwin Wickerts Sohn Wolfram ist. Sie macht seit längerer Zeit Front gegen die Historikerkommission und deren Arbeit „Das Amt und die Vergangenheit“. Die Wickert-Stiftung hat Kulkes Buch in Auftrag gegeben und bekommen. Dabei dient das Buch ausdrücklich als Gegengewicht zur Veröffentlichung der Kommission, deren Unabhängigkeit beständig in Frage gestellt wird. Siehe http://www.wickertstiftung.eu/aktuelles.html, dort vor allem der Absatz „Vor diesem Hintergrund möchte die Stiftung prüfen, auf welcher wissenschaftlichen Grundlage die Historikerkommission zu den Aussagen über Erwin Wickert kam. Von Interesse für die Stiftung ist dabei auch, ob die Bezeichnung „Unabhängige Historikerkommission“ bewusst gewählt wurde, um wissenschaftliche Seriosität zu suggerieren. Die Stiftung ist zudem überzeugt, dass die Auftragsarbeit der Historikerkommission nicht mit Steuergeldern (insgesamt 1,4 Millionen Euro) hätte gefördert werden dürfen.“ – Der Vorwurf, die Arbeit der Historikerkommssion sei eine Auftragsarbeit, deren Ergebnis bereits im Vorhinein feststand, trifft offensichtlich umso mehr auf Kulkes Buch zu.
    2. In der Frage, ob und wenn ja wieviel Erwin Wickert von der systematischen Ermordung der Juden in Europa von Ostasien aus mitbekommen hat, hilft eventuell ein Blick auf einen seiner „Kollegen“: Wenige Wochen, bevor Wickert Juni 1941 nach Tokio versetzt wurde, traf dort Josef Meisinger als Sonderbeauftragter des SD ein. Dieser hatte sich nach 1939 in Polen den Ruf als „Schlächter von Warschau“ erworben und verbrachte im März 1941 einige Wochen im Reichssicherheitshauptamt (also genau zu dem Zeitpunkt, zu dem die Pläne für die Einsatzgruppen für den Überfall auf die Sowjetunion vorbereitet wurden), ehe er von Heydrich nach Tokio geschickt wurde, um ihn sprichwörtlich aus der Schusslinie zu nehmen (Himmler wollte ihn standrechtlich erschießen lassen). Meisinger sorgte schon kurz nach seinem Antritt in Tokio für einen Eklat, an dessen Ende Ribbentrop dafür sorgen konnte, dass auch die Sonderbeauftragten des RSHA dem Auswärtigen Amt unterstellt wurden. Während seiner Zeit in Tokio vesuchte Meisinger, die japanische Regierung ebenfalls von der Judenverfolgung zu überzeugen, wie Heinz Eberhard Maul in seiner Dissertation (https://bonndoc.ulb.uni-bonn.de/xmlui/bitstream/handle/20.500.11811/1667/0225.pdf) die Juden arlegt. Wickert dürfte dies alles nicht entgangen sein, genauso wenig der Ruf Meisingers, den er in seinen Erinnerungen erwähnt und den er entsprechend charakterisiert: „Brutalität und Rücksichtlosigkeit, gepaart mit plumper Bauernschläue und listiger Vorsicht.“ (zitert nach Maul, S. 224) Es ist angesichts dessen unwahrscheinlich, dass die Gründe für Meisingers Versetzung nach Japan und dementsprechend dessen Rolle in Warschau, insbesondere die Massaker an jüdischen Zivilisten, nicht Gesprächsthema in der Botschaft waren.

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      Uli Wickert war letztens in 2 Talkshows, da hat er sich sehr mainstreamig linksgrün geäußert. Er leidet wohl auch am Richard von Weizsäcker-Syndrom – das Volk verunglimpfen und die oberen Zehntausend reinwaschen. Und natürlich wie die Made im Speck leben. Weizsäcker war der reichste Student im armen Nachkriegsdeutschland, dank Stipendium aus Südafrika aus Nazi-Papis Verbindungen. Für die Wickerts gilt wohl dasselbe.

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        Gerd Weller, Bolschewist: „…das Volk verunglimpfen und die oberen Zehntausend reinwaschen.“

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        Mag sein.
        Ich hab gestern Ihren Auftritt auf Phönix gesehen, Sie und Klaus v.D. haben kluge Dinge geäußert. Aber die „linke Frauen Quote“ war mal wieder die Hölle, insbesondere da die sinnlos plappernden Damen auch noch die doppelte Redezeit hatten als Sie. Diese Quote macht jede Talkshow zur Tortur, nicht wahr. Wie sehen Sie das?

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        Danke für die Blumen. Agnieszka Brunner hat, glaube ich, sehr wichtige Sachen gesagt. Wenn man bedenkt, dass sie eigentlich zur linken Fraktion der Grünen gehört, finde ich es bemerkenswert, dass ausgerechnet von ihr der radikalste Vorschlag kam, nämlich das Abkommen von 1997 in die Tonne zu treten und Nato-Verbände permanent östlich der Oder zu stationieren.

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        Apropos Ukraine:
        Deutsche Politiker finden es toll und gerecht, dass Ostdeutschland jetzt zu Polen gehört, aber sie flippen aus, wenn die ferne Ostukraine zu Russland gehören soll?
        Seltsame Genossen, diese deutschen Poltiker.
        Wie haben unsere Kommunisten geblökt:
        Oder-Neiße-Friedensgrenze. Dnjepr-Friedensgrenze.

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        Lieber Herr Weller, ich kenne keine deutschen Politiker (außer vielleicht in der Linkspartei), die „es toll und gerecht finden, dass Ostdeutschland jetzt zu Polen gehört“. Deutschland hat sich mit dem Einigungsvertrag – also nach 45 Jahren – in das Unabänderliche geschickt, das nicht die heutige oder die vorige deutsche Politikergeneration zu verantworten hat, sondern Hitler, Stalin und Churchill. Ostdeutschland wurde, wie Sie wissen, Polen zugeschlagen, weil die Sowjetunion ihre Grenze auf Kosten Vorkriegspolens westwärts geschoben hat, und weil Churchill im Interesse des lieben Friedens mit Stalin beschloss, Ostdeutschland ethnisch reinigen zu lassen und den Polen zu überlassen. Die Situation hat also mit der Situation im Osten der Ukraine nichts zu tun, und ich finde es erstaunlich, dass jemand wie Sie, der sich auf seine Geschichtskenntnisse etwas einbildet, einen so absurden Vergleich heranzieht. Hass auf alle und jene ist ganz schön und gut, aber das Beispiel Putins zeigt, dass er auch blind macht.

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        Zur Ukraine fällt mir nur die alte serbische Weisheit ein: koprive se tudjem kurcem mlate. Brennnesseln mäht man mit dem Schwanz eines anderen.
        Varus redete sich nicht raus, Arminius sei ein irrer Barbar ohne Moral, er stürzte sich in sein Schwert, weil es seine Verantwortung war, die Situation einzuschätzen. Heute waschen Krokodilstränen jede Verantwortung ab. Wenn man da nichts machen konnte, weil Putin irre ist, warum schicken wir nicht das nächste mal einfach Schimpansen? Irak in Trümmern, Georgien in Trümmern, nun brennt die Ukraine und nie, wirklich nie, wird irgendjemand im Westen zur Verantwortung gezogen, keine Karriere stockt. Also, was vergeigen wir als nächstes? Es kostet ja nichts.

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        Die Serben sind merkwürdige Leute. Brennnesseln mäht man überhaupt nicht mit dem Schwanz. Vielleicht wäre einiges gewonnen, wenn man darüber nachdenkt.

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        … ich stimme dem 45. Präsidenten der US, Donald Trump, zu; mit ihm gäbe es diesen Konflikt – Rußland/Ukraine – nicht … und ich bin kein ‚Putin-Versteher‘. Eine Abhängigkeit vom russischen Gas ist genauso dummgefährlich für Deutschland, wie eine ‚linksdebile‘ USA mit ‚Let’s Go Brandon‘ an der Spitze.

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        Ich wüsste auch keinen Grund, warum jemand im Westen zur Verantwortung gezogen werden sollte, wenn Putin ein vergangenes Zarenreich bestehend aus Russland, Belarus und Ukraine gegen den Willen seiner Bewohner wiederherbomben will.

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        Ob Serben merkwürdig sind oder Putin ein skrupelloser Diktator ist, sind die wenigen Fragen, deren Antworten vom Atlantik bis nach Wladiwostok jedem bekannt sind und gegen die weder Fans Putins noch Serben selbst den geringsten Zweifel hegen. Das Durchkauen sattsam bewiesener, unstrittiger Tatsachen ersetzt nicht das Nachdenken, was damit zu tun ist. Zumindest erscheint es so Zuschauern, die nicht in der höheren Komplexität westlichen Denkens eingeweiht worden sind.

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        Georgien ist nicht, wie Sie behaupten, „in Trümmern“. Ich war da. Und an den Zerstörungen ist Putin schuld. Wie am genozidalen Krieg in der Ukraine. Übrigens stützte Russland auch den mörderischen Diktator Saddam Hussein, wie es jetzt die iranischen Mullahs stützt.
        Manchmal, lieber Stevanovic, ist die Frage, wer die Guten und wer die Bösen, ganz einfach, sofern man nicht bemüht ist, seinen Schwanz als Sense einzusetzen.

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        … ‚mal so vom Völkerrecht her; anstatt sich in die inneren Konflikte anderer Staaten einzumischen, sollte Deutschland das Interesse der Deutschen im Auge behalten. Worin liegt bitte das nationale Interesse Deutschlands am Schutz korrupter Regime und sonstigen ’shitholes‘?

        Nach wie vor kann Bismarck, ‚aktualisiert‘, zitiert werden, dass die Ukraine und andere – Bismarck meinte den Balkan – ’nicht die Knochen eines einzigen pommerschen Grenadiers wert‘ sind und die deutsche Regierung ’nicht eines Richteramtes zu walten, sondern deutsche Politik zu treiben‘ habe … aber dazu braucht es eben eine wahrhaftige Vertretung des deutschen Souveräns und keine Figuren die mit Deutschland nix anfangen können und Vaterlandsliebe zum Kotzen finden … ähm? … wer wählt so was?

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        Molotov cocktails are being prepared by Ukrainian women and children to defend their cities from invasion
        The move comes after calls from Ukraine’s President Zelensky for civilians to engage Russian troops.

        … no comment.

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        Mit etwas Übung ist das gar nicht so schwer. Zumindest macht es nicht so viel Mühe, als dass man auch an fordernden Arbeitstagen übersehen könnte, wie Putin die Welt Stück für Stück anzündet. Ich würde den leckersten Brennesseltee verwetten, dass die meisten Ressourcen in die klügsten Köpfe des Westens gesteckt wurden, um herauszufinden, wie böse das ist. Es ist sehr böse. Als Biden Wochen vor dem Angriff klarstellte, dass der Westen Kiew auf keinen Fall verteidigen wird, mag ihm das durch den Kopf gegangen sein. Vielleicht hätten die Ukrainer die Folgen dieser komplexen Erkenntnis etwas früher wissen sollen, um die Stärke ihrer Position besser berechnen zu können. Wenn sich der Staub gelegt hat und die Ukrainer es überlebt haben sollten, wird sich bestimmt der eine oder andere bei der nächsten Ernte darüber Gedanken machen.

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        @Alan Posener
        „Übrigens stützte Russland auch den mörderischen Diktator Saddam Hussein, wie es jetzt die iranischen Mullahs stützt.“ Was „der Westen“ Russland und Putin nur vorwerfen kann, wenn er die Zerstörung des Glashauses, in dem er sitzt, in Kauf nimmt.
        Den ersten völkerrechtswidrigen Krieg nach dem Ende des Kalten Krieges führte die NATO unter Mithilfe von Rotgrün in Deutschland gegen Serbien, was im derzeitigen (berechtigten) Furor auch gerne vergessen wird.
        Und nein, ich relativiere nichts; als „Putinversteher“ nehme ich diesem Herrn seinen verbrecherischen und im Übrigen völlig idiotischen Angriff auf die Ukraine persönlich übel.
        Es leiden, wie immer, die üblichen Verdächtigen: Die Zivilisten und Soldaten auf beiden Seiten.

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        Ich denke die „höhere Komplexität westlichen Denkens“ ist durch die bequeme Erwartung bedingt, davon auszugehen dass ukrainische Soldaten die deutsche Energiewende retten. Damit klärt sich „ganz einfach“ die Frage „wer die Guten und wer die Bösen“..: It‘s the economy stupid.

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        Keine Flugverbotszone, ausgeschlossen. Anscheinend hat jemand bei der NATO gegoogelt, das Russland Atomwaffen hat und nun traut man sich nicht, zum Testen und Grenzen ziehen mal eine Suchoi abzuschießen. Es gibt Spekulationen, der Westen plane Ed Sheeran wie weiland Lord Byron zu schicken, aber das konnte nicht bestätigt werden. Zumindest scheint die entwichene Luft, die sich vor dem Krieg in den dicken Backen der Unterstützer einer uneingeschränkten Souveränität der Ukraine befand, nicht signifikant den Treibhauseffekt zu beeinflussen. Und das ist heute die einzige gute Nachricht. Die schlechte ist, dass Putin weder die schwersten noch die modernsten Waffen überhaupt eingesetzt hat. Wir stehen hinter der Ukraine! Weit, weit dahinter. Ich könnte heulen.

      18. avatar

        Schade, dass die SM scheintot sind. Hatte die letzten Tage immer mal wieder geschaut, ob es einen Artikel zum Krieg gibt. Habe dann gerade hier den Thread gefunden. Schön zu sehen, dass wenigsten ein paar der alten Bekannten noch dabei sind.
        Bleiben Sie alle gesund und sagen Ihren Söhnen und Enkeln und befreundeten Familien bitte, dass auch bei ausgesetzter Wehrpflicht die Möglichkeit besteht, einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung zu stellen. Wenn erst einmal der Spannungsfall festgestellt ist, kann es schon zu spät sein, da dann die Anträge keine aufschiebende Wirkung entfalten und der Bescheid. möglicherweise. erst nach dem Sarg Ihres Sohnes, Enkrls etc. eintrifft.

        Beste Grüße

        68er

      19. avatar

        Selenski bringt Neutralität und einen Modus für die Volksrepubliken ins Spiel. Keine Flugverbotszone, keine Flugzeuge, selektive Sanktionen, Hüsteln bei der Frage nach EU und NATO Beitritt vor dem Sankt Nimmerleinstag – ich kann mir vorstellen, dass es das serbische Sprichwort auch auf ukrainischer Sprache geben wird. Es rührt mich zu sehen, dass man den Ukrainern wünscht durchzuhalten…bis Hilfe kommt? Aber es kommt doch keine Hilfe. Ist das so ein westliches Sprichwort, dass ich nicht verstehe?

      20. avatar

        @68er

        „Hatte die letzten Tage immer mal wieder geschaut, ob es einen Artikel zum Krieg gibt. Habe dann gerade hier den Thread gefunden. Schön zu sehen, dass wenigsten ein paar der alten Bekannten noch dabei sind.“

        Schön, dass Sie auch noch da sind … Und: Die Betreiber eines Blogs können sich schon selbst aussuchen, zu welchen Themen sie wann etwas schreiben. Der Blog ist deshalb nicht „scheintot“. Relevanz ist kein Absolutum. Im Gegenteil, auch wenn in den Kommentaren auf das Thema „Ukraine“ Bezug genommen wird (Wen wundert’s?), scheint die Abstinez von Artikeln zum Thema angesichts des medialen Meinungsdauerfeuers von „Russland-Experten“ und „Kreml-Psychologinnen“ auch mal recht wohltuend.

      21. avatar

        @68er
        „Bleiben Sie alle gesund und sagen Ihren Söhnen und Enkeln und befreundeten Familien bitte, dass auch bei ausgesetzter Wehrpflicht die Möglichkeit besteht, einen Antrag auf Kriegsdienstverweigerung zu stellen. Wenn erst einmal der Spannungsfall festgestellt ist, kann es schon zu spät sein, da dann die Anträge keine aufschiebende Wirkung entfalten und der Bescheid. möglicherweise. erst nach dem Sarg Ihres Sohnes, Enkrls etc. eintrifft.“

        Guter und wichtiger Hinweis!
        Grüße zurück
        KJN

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        @’derblondehans‘

        … ich korrigiere mich. Sicher, Fr. Lambrecht ist die unfähigste Verteidigungsministerin, die ein Land sich wünschen könnte … aaaber angesichts des Kriegsgeschrei und Kriegstreiberei in den ‚BRD‘-Wahrheitsmedien – enttäuschender weise auch von TE und anderen ‚Oppositionsstimmen‘, sehr interessant übrigens wer sich da alles outet – genau richtig auf diesen Posten. Lambrecht ‚verschleppt/verhindert‘, hoffentlich für immer, einen Weltkrieg. Wunderbar.

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    Ich bin Ihnen sehr dankbar, dass Sie die Anstrengung der detaillierten Lektüre und Kritik auf sich nehmen. Das ist sicher kein reines Vergnügen. Herzlichen Dank gerade deshalb. Mit den besten Grüssen

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      Nein, das war kein Vergnügen. Ich habe dabei viel mit dem Autor kommuniziert, um sicherzugehen, dass ich nichts übersehen oder falsch verstanden habe, und der Mailwechsel war eine Tortur. Die Lektüre selbst ist empörend, und ich habe, kurz und gut, ziemlich an der Sache gelitten. Aber es musste sein.

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    Hier ein aufschlussreiches Interview mit Wickert aus dem „Focus“ (12/2001) unter der Überschrift „Keine Bagatelle“. Passt sehr gut zum letzten Absatz Ihres Beitrages.

    „Botschafter a. D. Erwin Wickert vermisst einen „Aufstand der Anständigen“ im Außenamt

    FOCUS: Schadet die Tätigkeit des Ex-Extremisten Schmierer im Auswärtigen Amt dem deutschen Ansehen?

    Wickert: Das ist zu befürchten. Stellen wir uns vor, Außenminister Fischer hält in Paris einen Vortrag über seine Ideen für Europas Zukunft. Bei der Analyse wird Frankreichs Außenministerium unter anderem fragen, wer an dem Vortragstext mitgearbeitet hat, und womöglich feststellen: ein früherer Stalinist, dem der Sowjetkommunismus der 70er-Jahre viel zu zahm war, der sich heute jedoch als Europa-Experte ausweist. Da dürfte Unbehagen entstehen.

    FOCUS: Fischer hat Schmierer 1999 engagiert. Kommt Ihre Kritik nicht zu spät?

    Wickert: Ich hätte eigentlich erwartet, dass diese Ernennung im Auswärtigen Amt einen Aufstand der Anständigen auslösen würde. Es gab auch zu meiner Dienstzeit Einzelne, die sich dem Zeitgeist oder Wünschen des Ministers schnell und unkritisch anpassten – anders als etwa im britischen Foreign Office. Ich konnte mir aber kaum vorstellen, dass die Mehrheit meiner Kollegen heute einen Mann wie Herrn Schmierer willkommen heißen würde. In meinem Brief bat ich daher Herrn Minister Fischer, meine Bedenken doch einmal im Kreis der Staatssekretäre und Abteilungsleiter zur Debatte zu stellen. Unter früheren Ministern galt dies bei delikaten Personalfragen als selbstverständlich.

    FOCUS: Sie halten es für möglich, dass Fischer sich darauf einlässt?

    Wickert: In seinem Antwortschreiben geht er darauf nicht ein. Vielmehr glaubt er, er müsse mir einen gewissen Mangel an Souveränität attestieren, als regte ich mich über eine Bagatelle auf.

    FOCUS: Akzeptiert der Botschafter a. D. die Zurechtweisung durch den Minister?

    Wickert: Für mich geht es nicht um eine Bagatelle. Das Auswärtige Amt hat immer einen Ehrenkodex der Anständigkeit, Wahrhaftigkeit und Offenheit gepflegt. Und der Zuverlässigkeit. Ich glaube, dies hat Schaden genommen.

    FOCUS: Vermuten Sie beim deutschen Diplomatenkorps eher Beifall oder Ablehnung für Ihren Vorstoß?

    Wickert: Von alten Kollegen erfahre ich durchweg große Zustimmung und auch einige Verwunderung, dass die Aktiven im Dienst offensichtlich wenig oder nichts gegen einen Mann unternommen haben, der nicht ins Auswärtige Amt der Bundesregierung gehört. Soll ihn doch der Herr Minister seiner Partei andienen – wenn die ihn denn haben möchte.

    FOCUS: Erstreckt die Zustimmung sich auch auf aktive Dienstkollegen?

    Wickert: Darüber kann ich nicht berichten. Ich werde mich hüten, beim Dienstherrn Zweifel an der Loyalität der abhängigen Mitarbeiter zu säen.

    PROFIL – KRITISCHER GEIST

    Erwin Wickert hat sich als Ostasien-Kenner einen Namen gemacht.

    Der Brandenburger, 86, diente dem AA 1939 – 45 und 1955 – 80.

    Stationen: Schanghai, Tokio, Paris, London, Bukarest – zuletzt Botschafter in Peking. In Tokio wurde 1942 Sohn Ulrich geboren, heute ARD-Moderator.“

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      Ja, irre. „Das Auswärtige Amt hat immer einen Ehrenkodex der Anständigkeit, Wahrhaftigkeit und Offenheit gepflegt.“ Das als ehemaliger Nazi zu sagen, ohne rot zu werden: Dazu gehört schon einiges.

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        Ein Mann, dessen Einstellung in das Auißenamt nicht im „Kreis der Staatssekretäre und Abteilungsleiter“ erörtert werden musste, seine Personalie mithin nicht als „delikat“ eingestuft worden war, fühlte sich in seinem Biotop offenbar so unangreifbar und aufgehoben, dass er meinte, den Minister und die Öffentlichkeit in Personalfragen belehren und einen „Aufstand der Anständigen“, der bei seiner eigenen Einstellung mangels Masse ausgeblieben war, fordern zu können.

        Kulke übrigens raunt in seinem Werbetext auf der „Achse des Guten“, das Ergebnis der Historikerkommission zum Außenamt in der NS-Zeit sei Gegenstand kontroverser Diskussionen im Feuilleton und bei Historikern gewesen. Dabei wurde das Ergebnis dieser grundsoliden Expertise ganz überwiegend zustimmend zur Kenntnis genommen.

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        Na, es gab erhebliche Kritik an den Ergebnissen. Ich erwähne nur meinen Freund Michael Wolffsohn und den Historiker Daniel Koerfer. Aber das ist kein Grund, Wickert derart weißzuwaschen oder mit unlauteren Mitteln (siehe meinen ersten Text, „Eine Frage des Charakters“) die Urheberin der Untersuchung zu diffamieren.

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    Vor einiger Zeit schrieb ich hier sinngemäß, dass sich manche Deutsche den Zionismus angeeignet haben, weil ihr eigner Nationalismus diskreditiert ist und sich unter dem Deckmantel des jüdischen Nationalismus die gleichen Bilder verbergen, die schon Opa im Kopf hatte. Links/grün versifft…etc.
    Vielleicht stellt sich das bei einer genaueren Analyse, die ich nicht machen werde, diese Aussage als falsch heraus. Meinetwegen. Dass da etwas bei einigen betont philosemitischen oder betont zionistisch gebenden deutschen Autoren ins Rutschen geraten ist, ist mehr so ein Gefühl meinerseits. Nachdem die links/grün Versifften als eigentliche Wiedergänger der Nazis identifiziert worden sind und das in der Szene unüberlegt nachplappert wird (immer und immer wieder – Googel), habe ich schon geahnt, dass man einige Dinge nun im neuen (d.h. altem) Licht sehen würde. Wie gesagt, ist nur so mein Eindruck, kann auch falsch sein, wird die Zeit zeigen.

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      Nun ist Kulke weder philosemitisch (er hat vom Judentum keine Ahnung, wie ich aus dem persönlichen Verkehr mit ihm weiß) noch prozionistisch (im Grunde genommen versteht er auch nichts vom Zionismus, und in Bezug auf Israel steht er bestimmt weit links von mir, wie ich ebenfalls aus privaten Unterhaltungen weiß). Insofern geht Ihre Vermutung hier völlig in die Irre. Es ist allerdings eine Binse, dass sowohl die Identifikation mit der Sache der Palästinenser wie auch mit Israel einigen Deutschen erlaubt, Blut-und-Boden-Ideologie und völkische Emotionen auszuleben, ja auch den Antisemitismus zu pflegen (auf der Linken gegen den jüdischen Staat, auf der Rechten gegen jüdische Linke). Aber darum geht es hier nicht, und es wäre mir recht, wenn wir diese Diskussion hier nicht führten.
      https://www.belltower.news/die-merkwuerdige-liebe-der-rechten-zu-israel-80085/

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