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Taxikrieg am BER

Landung am Flughafen Berlin-Brandenburg (BER): Kaum sind wir durch die Sperre, werden wir angesprochen: „Brauchen Sie ein Berliner Taxi?“ Klar. Nichts gegen die örtlichen Taxifahrer aus dem Landkreis Dahme-Spree (LDS), aber sie kennen sich in Berlin doch nicht so aus, erstens, und zweitens erzählen sie nicht so interessante Geschichten.

Unser Taxifahrer zum Beispiel ist ein Unternehmer-Typ mit türkischem Hintergrund. Kommt aus der Gastronomie, hat sich mit Taxifahren das Eigenheim bei Potsdam finanziert und will demnächst in einer mittelgroßen Brandenburger Stadt einen Gemüse-Kebab-Imbiss eröffnen. Natürlich kennt er unsere Straße. Da in die Nähe sind seine Eltern gezogen, raus aus Neukölln, wo er „mit 23 anderen türkischen Kindern“ in der Klasse saß. Beim Spielplatz um die Ecke verkauft er nachmittags oft Eis, wenn die Privatschule aus ist.

Als Unternehmer-Typ hat unser Fahrer etwas gegen die Planwirtschaft am BER.

Früher, als Berlin noch zwei Flughäfen hatte, einen städtischen in Tegel und einen draußen vor der Tür in Schönefeld, durften nur Berliner Taxen in Tegel, nur LDS-Taxen in Schönefeld Passagiere aufnehmen. Was Unsinn war, denn wenn ein LDS-Taxifahrer Passagiere aus Potsdam nach Tegel gebracht hatte, musste er leer zurückfahren, und so ging es Berliner Fahrern in Schönefeld. Ökonomischer und ökologischer Quatsch, aber so hatten es die Taxi-Innungen vereinbart.

Jetzt, da es nur einen Flughafen gibt, haben die Innungen unter sich ausgemacht, dass jeweils 300 Taxis aus LDS und Berlin den BER anfahren dürfen. Und das, obwohl 90 Prozent der ankommenden Fluggäste nach Berlin wollen, wo die LDS Fahrer aber keinen Fahrgast aufnehmen dürfen, und umgekehrt sehr viel mehr Fluggäste aus Berlin kommen als aus dem Umland. Durch die Quotierung aber dürfen die meisten Berliner Taxifahrer, die Fluggäste zum Flughafen gebracht haben, keine Passagiere zurück in die Stadt fahren. Absurd.

Und weil es absurd ist, helfen sich die Berliner selbst. Sie stellen ihre Taxen auf dem Kurzzeitparkplatz ab und holen sich die Passagiere direkt vom Terminal. Unser Unternehmertyp hat etwas zu lang auf dem Kurzzeitparkplatz warten müssen. Um trotzdem ohne Bezahlen herauszukommen, hängt er sich an einen Kollegen: Stoßstange an Stoßstange passieren beide Autos die Schranke. Man hilft sich gegenseitig.

Natürlich sind die LDS-Fahrer sauer. BER ist ihre einzige verlässliche Einnahmequelle. Neulich, erzählt unser Fahrer, sei es auf dem Kurzeitparkplatz zu Handgreiflichkeiten zwischen Berliner und Brandenburger Fahrern gekommen. Eigentlich ist es verwunderlich, dass solche Zwischenfälle nicht häufiger vorkommen.

Dass zwei mächtige regionale Innungen ein Monopol über den Zugang zu einem internationalen Flughafen haben, und dass sie das Angebot streng quotieren, wirkt wie ein Überbleibsel feudaler Zustände. Das Nachsehen haben die Fahrer, die Fahrgäste und das Klima. Es wird Zeit, dass auch am BER die Marktwirtschaft eingeführt wird.

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10 Gedanken zu “Taxikrieg am BER;”

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    Der Tag Silvester ist benannt nach dem katholischen Tagesheiligen, Papst Silvester I. Er verstarb am 31.12.335 in Rom. Zum Gedenken wurde der letzte Tag im Jahr nach dem Sterbetag benannt.

    Der Wunsch ‚Guten Rutsch‘ geht auf den aus dem Jiddischen stammenden Begriff ‚Rosch‘ – was übersetzt ‚Anfang‘ bedeutet – zurück. Ein ‚Guter Rutsch‘ ist ein ‚Guter Anfang‘!

    … na denn – ‚Guten Rutsch‘ ins Jahr 2022!

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    Joh 1.5 Und das Licht leuchtete in der Finsternis / und die Finsternis hat es nicht erfasst.

    Freunde – ich wünsche allen eine gesegnete Weihnacht.

    hans

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    … Taxikrieg am BER, das liest sich schon fast nostalgisch … tja, besser Sie stellen sich für die Zukunft am ‚Drängelberts BER‘ schon mal auf Lastenfahrräder ein. R2G in ihrem Lauf, halten weder Ochs‘ noch Esel auf.

    ‚Bedenke wohl, worum du bittest, denn es wird dir gewährt werden …‘ 😉

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    Ja, das ist die endlose Geschichte dort. Aber dass früher die Berliner Taxis nicht in Schönefeld bereitstehen durften, ist falsch. Im Gegenzug hatten auch einige LDS Taxis ne Lizenz in Tegel zu stehen, die Anzahl war aber gedeckelt.

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