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Der Fall Nemi El-Hassan

Der Fall Nemi El-Hassan

Zwei Bilder: auf dem einen sieht man eine junge Frau mit Kopftuch. Auf dem anderen eine junge Frau mit offenen Haaren und moderner Kleidung. Welche ist die wahre Nemi El-Hassan?

Die Frage ist nicht unwichtig, weil El-Hassan die Wissenschaftssendung „Quarks“ beim WDR moderieren soll.

Die Frage ist auch nicht neu. Vor etwa 100 Jahren schrieb ein junger Politiker: „Als ich einmal so durch die innere Stadt strich, stieß ich plötzlich auf eine Erscheinung in langem Kaftan mit schwarzen Locken. Ist dies auch ein Jude? war mein erster Gedanke. So sahen sie freilich in Linz nicht aus. Ich beobachtete den Mann verstohlen und vorsichtig, allein je länger ich in dieses fremde Gesicht starrte und forschend Zug um Zug prüfte, umso mehr verdrehten sich in meinem Gehirn die erste Frage zu einer anderen Fassung: Ist dies auch ein Deutscher? (…) Seit ich mich mit dieser Frage zu beschäftigen begonnen hatte, auf den Juden erst einmal aufmerksam wurde, erschien mir Wien in einem anderen Lichte als vorher. Wo immer ich ging, sah ich nun Juden und je mehr ich sah, umso schärfer sonderten sie sich für das Auge von den anderen Menschen ab.“ So Adolf Hitler in „Mein Kampf“.

Ich weiß, ich weiß, ich weiß: Nazi-Vergleiche sind immer problematisch. Und: die Kritiker Nemi El-Hassans werfen ihr nicht vor, als Araberin oder Palästinenserin keine Deutsche sein zu können, wesensverschieden zu sein von „den anderen Menschen“. Sie werfen ihr eine ideologische Haltung vor, also etwas, das man durchaus wie das Kopftuch ablegen kann: nämlich eine radikalislamistische und antizionistische, ja antisemitische Einstellung. Sie ist gut dokumentiert: Teilnahme an der Al-Quds-Demonstration vor sieben Jahren, Texte, Tweets und „Likes“ in den sozialen Medien bis in die jüngste Vergangenheit.

Und: dass die Kleidung letztlich keinen zuverlässigen Aufschluss über die Einstellungen gibt, sieht man an den Muslimbrüdern, die in Europa mit Anzug und Krawatte auftreten, den Kontakt zu jüdischen und christlichen Organisationen suchen, den Radikalismus und die Gewalt verurteilen, und dennoch mit Beharrlichkeit ihr Ziel verfolgen, in allem Ländern, über denen einst die grüne Fahne des Propheten wehte – also bis in die Vororte Wiens hinein, wo einige von ihnen besonders aktiv waren – einen islamischen Staat wieder zu errichten. Ihre Frauen freilich würden nie das Kopftuch ablegen. Sie weit geht die Verstellung nicht.

Nemi El-Hassan hat sich entschieden von dem radikalislamischen und israelfeindlichen Umfeld ihrer Kindheit und Jugend distanziert. Sie beteuert, dass sie Israel nicht hasse. Trotzdem scheint sie, wie ihr Journalisten-Kollege und wortstarker Verteidiger Malcolm Ohanwe, dessen Mutter palästinensische Wurzeln hat, der Ansicht zu sein, alle Palästinenser sollten das Recht auf Rückkehr haben und die israelische Staatsbürgerschaft beziehungsweise die Staatsbürgerschaft eines multiethnischen Staates Palästina bekommen, was faktisch auf die Auslöschung des jüdischen Staats hinausläuft.

Sagen wir es so: Als Leiterin eines Jüdischen Museums oder eines Zentrums für Antisemitismusforschung wäre El-Hassan – abgesehen von der fehlenden fachlichen Qualifikation: sie hat Medizin studiert – nicht geeignet. Auch in der Bildungsarbeit gegen Antisemitismus, in der sie sich engagiert hat, finde ich sie fehl am Platz. Wer den Antisemitismus bekämpfen will, sollte begreifen, dass eine seiner virulentesten heutigen Formen der Antizionismus ist.

Aber sie will nicht Leiterin des Jüdischen Museums oder des Zentrums für Antisemitismusforschung werden. Sie soll eine Wissenschaftssendung beim WDR moderieren. Abgesehen davon, dass ich es angesichts der teilweise extrem wissenschaftsfeindlichen Einstellung einiger fundamentalistischer Muslime grundsätzlich gut finde, wenn eine Muslima eine solche Sendung moderiert (mit Kopftuch wäre vielleicht im Sinne der Street Credibility noch besser!), ist es leider nun einmal so, dass es in weiten Teilen der linken Öffentlichkeit durchaus üblich ist, antizionistisch zu sein und der Illusion anzuhängen, ein „multi-ethnisches und multikulturelles Palästina“ sei die Lösung der vertrackten Situation im Unheiligen Land. Es finden sich sogar einige Juden (wenn auch sehr wenige Israelis), die dieser Illusion Nahrung geben, etwa der Philosophielehrer Omri Boehm.

Niemand, der mich kennt, wird glauben, dass ich dieser Position die geringste Sympathie entgegenbringe. Ich halte sie im Gegenteil für objektiv antisemitisch. Objektiv antisemitisch in dem Sinne, dass sie mit Leidenschaft vertreten werden kann von Leuten, die sich subjektiv mitnichten als Antisemiten empfinden. Wer den jüdischen Staat auslöschen will, ob mit Atombomben wie der Iran oder durch die Veränderung seiner ethnischen Zusammensetzung zuungunsten der Juden wie  Boehm, Ohanwe und – ich unterstelle das – El-Hassan, handelt objektiv antisemitisch.

Niemand, der mich kennt, wird annehmen, dass ich der so genannten Solidaritätsbewegung für Emi El-Hassan auch nur abnehme, dass es den Initiatoren in erster Linie um Solidarität geht. Sie sind größtenteils bekannt aus der Auseinandersetzung um den BDS-Beschluss des Bundestags, die Kritik an Achille Mbembes geplanten Auftritt bei der Ruhrtriennale, die maßlosen Angriffe des Dirk Moses gegen die deutsche Erinnerungskultur usw.; ihnen geht es darum, nachzuweisen, dass es in Deutschland ein Verbot der Israelkritik gebe – und dass die Kritiker des WDR und Nemi El-Hassans überdies Rassisten seien. Kurzum: El-Hassan wird instrumentalisiert, um einen antisemitischen Diskurs – den Antizionismus – zu legitimieren und die Kritiker dieses Diskurses zu diskreditieren.

Ob Nemi El-Hassan das durchblickt oder nicht, weiß ich nicht. Aber die Motive ihrer Verteidiger sind auch gleichgültig. Ich weiß auch nicht, ob El-Hassan durchblickt, weshalb ihr Antizionismus objektiv antisemitisch ist. Aber das tun ja eben jene Verteidiger zum Teil auch nicht. Ich finde es nicht gut, dass im Umfeld vor allem der öffentlich-rechtlichen Medien die „Israelkritik“ salonfähig geworden ist und hier und da zum guten Ton gehört.

Ich bin allerdings eher bereit, einer jungen Frau mit palästinensischen Wurzeln zuzugestehen, dass sie emotional nachvollziehbare Gründe für einen unreflektierten Israelhass haben kann, und dass es für sie schwerer sein dürfte, diese familiäre Prägung zu überwinden als für den gewöhnlichen linken „Israelkritiker“, dessen Motive mir erheblich suspekter sind. Emi El-Hassan hat in kurzer Zeit einen langen Weg zurückgelegt. Ich traue ihr zu, diesen Weg weiterzugehen, auch wenn man zugeben muss, dass die Kampagne gegen sie möglicherweise eine Verhärtung bewirkt.

Ich kann mich irren. Hinter der modernen Frau steckt vielleicht doch nur eine irregeleitete Linke. Der Verdacht ist aber nicht aus dem Raum, dass bei Muslimen möglicherweise bei den öffentlich-rechtlichen Sendern wie bei den Kritikern El-Hassans vor allem dahinter das Kopftuch gesehen wird; dass bei den Öffentlich-Rechtlichen eben deshalb weniger genau, dafür bei manchen Kämpfern gegen den Antisemitismus eben deshalb genauer hingeschaut wird als bei anderen; aber paternalistischer ist nicht wirklich besser als offener Rassismus.

Ich denke, dass Nemi El-Hassan als Moderatorin das Verbreitungsmodell von Viren gut erklären kann. Darauf kommt es an. Sie muss keine Expertin sein für das Virus des Antisemitismus, mit dem sie sich selbst noch auseinandersetzt.

Ich kann mich auch irren. Aber ich irre lieber auf der Seite der Liberalität als auf der Seite politischer Korrektheit, egal welcher Provenienz.

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83 Gedanken zu “Der Fall Nemi El-Hassan;”

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    @M.S.

    .לעיתים רחוקות קרא כזה קווארק

    … werter Michael, als ‚linker Aktivist‘ – Ihre Selbstauskunft – hätten Sie es in der ‚DDR‘ bestimmt bis in die SED-Kreisleistung von Leipzig geschafft.

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    Ob der Fall nun ein Fall ist im kriminalistischen Sinne oder doch eher eine Aufregung im aufgeregten Social-Media-Paralleluniversum, möchte ich nicht beurteilen müssen, dafür rauscht das Ganze denn doch zu weit an mir, der zum ersten Mal von der Existenz einer Sendung namens „Quarks“ gehört hat, vorbei. Wenn Frau El-Hassan sich wirklich fortdauernd antisemisch geäußert hat, sollte sie, allein schon aus erzieherischen Gründen, keinen Job mit öffentlicher Wirkung wahrnehmen. Die Frage ist allerdings, warum das nicht auch für einen wie Jakob Augstein gilt, dem lange Zeit eine politische Plattform bei „phoenix“ geboten wurde. Es liegt also der Verdacht nicht ganz fern, dass das Misstrauen gegen Frau El-Hassan mit der Herkunft ihrer Eltern zu tun hat und auch mit den Versuchen, den Antisemitismus in Deutschland zu einem „importierten“ zu machen, der sich, würde man nur all die el-Hassans wieder los, kinderleicht exportieren ließe, wodurch Deutschland – oder genauer: die sich als besser geworden begreifenden Nachkommen der Nazis – noch strahlender geläutert dastünde, als es sich eh schon wähnt.

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      „… Alan Posener, un défenseur forcené de l’état d’Israël …“ merci beaucoup pour ce compliment. Mais „inquisition“? Est-ce que Nemi devient condamnée à mort? Non. Elle ne va pas moderer un programme. C’est dommage, mai ce n’est pas le mort. „Inquisition“ n’est pas le mot juste.

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    Zu Ihrer Frage: „Warum stellen Sie die Forderung nicht an Polen? Das geht Sie als Deutscher an.“ – Ich stelle überhaupt keine Forderungen, schon gar nicht als Deutscher. Ich bin mir nicht einmal darüber im klaren, ob ich als Mensch ein Rückzugsrecht für Flüchtlinge im generellen Sinne unterstütze. Eher nicht. Wenn, müsste der Flüchtling ein solches Recht in Anspruch nehmen (und nicht sein Enkel oder gar Urenkel).
    Hier geht es aber um eine Frau palästinensischer Herkunft, die „scheinbar“ ein solches Rückzugsrecht unterstützt. So steht es in Ihrem Artikel. Sie würde es (anders als mich) angehen.

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      Nein, El-Hassan ist in Bad Saarow geboren. Ihre Eltern kamen aus dem Libanon nach Deutschland. Sie wurden – eher als Kinder zusammen mit ihren Eltern, El-Hassans Großeltern – aus Nablus vertrieben; es ist nicht klar, von wem, denn Nablus gehörte nie zu Israel und war 1948 von jordanischen Truppen besetzt. Ihre Eltern sind also nicht als Flüchtlinge in Deutschland. Sie könnten sich aber auch selbst informieren, bevor Sie schreiben, das würde mir viele Erklärungen ersparen. Erklärungen, die Sie dann nicht einmal lesen.

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        El-Hassans Abstammung: Ja, das hätte ich selber herausfinden können. Dann geht sie die Flüchtlingproblematik und das Rückzugsrecht in der Tat genau viel oder wenig an wie mich. Das heißt: die israelisch-palästinensische Flüchtlingsproblematik im Besonderen geht sie und mich nichts an, die Flüchtlingsproblematik im Allgemeinen aber schon. Die geht alle an.

        „Erklärungen die Sie nicht lesen“/antisemitische Äußerungen -> Antisemit: Klar lese ich Ihre Erklärungen. Ich vermute Sie meinen damit den induktiven Schluss von antisemitischen Forderungen auf Antisemiten, der weiter unten steht. Da ich von vorn nach hinten kommentiere und leider mit mehreren Strängen zu tun habe (mein Fehler bei der Bedienung der Kommentarfunktion), bin ich auf diese Erklärung zu spät gestoßen. Ich habe jetzt verstanden, dass Sie meinen, dass man aus antisemitischen Forderungen nicht folgern könne, dass jemand Antisemit sei. Mich wundert das, induktive Folgerungen sind eigentlich empirisch und gängig. Aber gut, dann streiche ich das einfach und belasse es bei der Frage, ob die Forderung nach Rückzugsrecht antisemitisch ist oder nicht. Die Sie positiv beantworten.

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        Lieber RZ, die Feststellung, dass der Antisemit Juden hasst, dass der Antisemitismus als kulturelle Tatsache etwas vom Judenhass Verschiedenes ist: die ist zentral.
        Gilt übrigens auch für den Rassismus. Ich selbst muss mich mit folgendem Widerspruch herumschlagen: ich betrachte mich – auch aufgrund meiner Kindheit in Kuala Lumpur – als jemanden, dem der Rassismus nicht nur fremd, sondern zuwider ist. Und doch habe ich wiederholt den britischen Imperialismus als zivilisatorische Leistung verteidigt. Beruht das nicht auf der Annahme, ohne weiße Hilfe (in Gestalt von Sklavenhandel, Landraub, Christianisierung, Entmündigung und, ja, auch Bau von Schulen und Straßen, Aufbau eines Justizsystems und Gesundheitswesens „für die Eingeborenen“) hätten die „minderen Rassen“, wie sie Kipling nennt, „halb Wilder und halb Kind“ keine gute Entwicklung genommen? Die Frage ist weitgehend akademisch, weil man das Großexperiment der Welteroberung nicht rückgängig machen kann, aber ich verstehe schon, dass man mir vorwerfen kann, rassistische Positionen zu vertreten. Vermutlich ist Ihnen das wiederum völlig klar.

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        APo: ‚… denn Nablus gehörte nie zu Israel … ‚

        … ahem, werter APo, in Nablus, eigentlich Sichem, befindet sich, u.a., mit dem ‚Josefsgrab‘, eine der heiligsten Stätten im Judentum. Selbstverständlich gehört Nablus zu Israel. Zu wem sonst?

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        Nicht zum 1948 gegründeten Staat Israel. Israel erhebt auch keinen Anspruch auf die Stadt.

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        Nein, mir ist nicht klar, dass man Ihnen rassistische Positionen vorwerfen kann. Es ist sicher auch so, dass eine rassistische Position nicht zum Rassisten qualifiziert. Aber wenn jemand regelmäßig rassistische Positionen äußert, dann liegt schon die Vermutung nahe, dass es sich um einen Rassisten handelt. Und wie würden Sie jemanden bezeichnen, der, sagen wir, den lieben Tag nichts anders von sich gibt als eine rassistische Position nach der anderern? Ich würde den jedenfalls einen Rassisten nennen.

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        Klar, lieber RZ. Aber es ist nun einmal so, dass man im Kopf gegen den Rassismus sein und trotzdem rassistische Vorstellungen hegen kann. Das werden Sie nicht leugnen wollen. Und es ist zugleich ärgerlich und notwendig, darauf hingewiesen zu werden.

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        Lieber Roland Ziegler, die Existenz Israels ist prekär und muss deswegen immer wieder verteidigt werden. Deswegen ist das keine rein akademische Frage, ob man ein generelles Rückkehrrecht von Flüchtlingen befürworten oder ablehnen sollte. Es existieren nun mal (nicht nur vom Iran, sondern auch auch vom Westen gehätschelte) hochmafiöse Organisationen, wie Hamas oder Hisbollah, die Israel von der Landkarte verschwinden lassen möchten. Nun ist Israel der einzige westlich-liberale, aber eben auch gleichzeitig jüdische Staat in der Levante und während man andere westlich-liberalen Gesellschaft mit z.B. Queer und Gendersensibilität für unbedingt verteidigenswert hält, ist man bei Israel bemerkenswert gelassen und abgeklärt und wer ein wenig mit dem Thema ‚belastet‘ ist, bemerkt nun mal diese Schieflage in der Wahrnehmung. Und diese Schieflage in der Wahrnehmung hat nun mal einen Grund. Ich hatte bereits geschrieben, dass man Frau El-Hassan ihre früheren antisemitisches Bekenntnis zum ‚Al Quds‘-Sympathisantenkreis nachsehen sollte, aber antisemitisch bleibt antisemitisch und muss auch so benannt werden dürfen. Auch wenn das in Deutschland in gewissen Kreisen einem gesellschaftlichen Totalstigma gleichkommt. Aber das ist das Problem dieser gesellschaftlichen Kreise und kann nicht auf Kosten der Wahrheit relativiert werden, weil es ein solches Reputationsproblem in gewissen politisch überkorrekten Milieus ist.

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        Gut, KJN. Zu Ihrem Statement habe ich keine Einwände. Ich kann zwar nicht sehen, an welcher Stelle das mit meinen Überlegungen in Konflikt gerät, aber sei’s drum – darauf können wir uns einigen.

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        @Alan Posener: Ja, das leugne ich nicht. Das gibt immer Selbstwidersprüchlichkeiten und Unklarheiten. Außerdem kann man den „Imperialismus als zivilisatorische Leistung“ würdigen, ohne damit eine rassistische Äußerung zu machen. Obwohl der Imperialismus rassistische Züge hat. Er ist eben nicht nur rassistisch. Die Dinge sind kompliziert.

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        @Roland Ziegler
        „Ich kann zwar nicht sehen, an welcher Stelle das mit meinen Überlegungen in Konflikt gerät“

        Ich hatte Sie so verstanden, dass Sie die Kritik an Frau El-Hassan deswegen unzulässig/überzogen.. was auch immer.. fanden, weil sie das Rückkehrrecht thematisieren würde. Mit ihrer Teilnahme an der Al Quds -Demo macht sie aber einen erkennbaren Unterschied zwischen der Vertreibung der Sudetendeutschen und dem Umgang damit und dem Umgang mit der Vertreibung von Palestinensern. Warum? Betrifft sie das mehr, als Sie das betrifft? Warum sind wir geneigt, ihr das durchgehen zu lassen, aber einer Erika Steinbach nicht? Das ist Doppelmoral.

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        Wieso sind wir geneigt, einer Erika Steinbach die Forderung nach einem Rückzugsrecht „nicht durchgehen“ zu lassen? Wer ist „wir“? Und was bedeutet „nicht durchgehen lassen“?

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        Alöso, KJN, ich habe mal Ihre Anregung aufgenommen und geguckt, was Frau Steinbach alles so gefordert hat, was „wir“ ihr nicht „durchgehen lassen“. Da kommt einiges zusammen, zum Beispiel: „Steinbach stimmte 1991 im Bundestag gegen die Anerkennung der Oder-Neiße-Grenze.[…]“. Das ist allerdings ein Verhalten, was man nur als anti-polnisch bezeichnen kann. Und wenn ich es recht verstanden habe, führte es nicht dazu, das Frau Steinbach irgendwie aus ihren Ämtern herausgeflogen wäre. Genauso wier die mit ihr stimmenden CDU-Abgeordneten. D.h. wir haben es ihr durchaus durchgehen lassen.

        Ich habe aber nicht die geringste Lust, mich jetzt auch noch mit Frau Steinbach zu beschäftigen, zu der ich in meinem ganzen Leben noch nie etwas geäußert habe. Daher gehöre ich mit Sicherheit nicht zu Ihrem „wir“.
        Belassen wir es doch einfach dabei.

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        Und ich verstehe umgekehrt auch nicht, wieso „wir geneigt“ seien sollen, Frau El-Hassan etwas durchgehen zu lassen – sie wurde doch gerade von ihrer Moderatorenstelle entfernt? Und zwar „von uns“, nämlich durch ein öffentlich-rechtliches Gremium? Frau Steinbach aber, die im Bundestag gegen die deutsch-polnische Grenze gestimmt hatte (was als Handlung wesentlich schwerwiegender einzustufen ist als die Teilnahme an einer Demo oder das Liken zweier facebook-Posts), die war es doch, bei der wir das durchgehen ließen? – Die Dinge verhalten sich in Sachen Doppelmoral also genau andersherum.

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        Ach so, Frau Steinbach ist „anti polnisch“ wenn sie die Vertreibung aus den deutschen Ostgebieten nicht akzeptieren und legitimiert haben will will und deswegen gegen die Grenzziehung an der Oder-Neiße-Linie stimmt, was ihr gutes Recht ist oder war, aber Frau El-Hassan ist nicht anti-israelisch, wenn sie die Anti-Israel-Mafia auf der Al-Quds-Demo unterstützt.. (weil sie ja nicht Politikerin, sondern ‚nur‘ Moderatorin ist). Lieber Roland Ziegler, das Koordinatensystem, in dem Sie argumentieren hat keine Bezugspunkte, an dem ich noch irgendwas argumentativ festmachen könnte. Wie Sie sich darin orientieren, bleibt so Ihr Geheimnis.

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        Koordinaten: Wenn man eine bestehende Staatsgrenze eines Staates nicht akzeptiert, dann richtet sich das gegen den betreffenden Staat. Eine einfache Koordinate. Sehr einfach auch zu verstehen. Viel direkter und klarer als bei der Forderung eines Rückzugsrechts. Und im Fall Israel akzeptieren Sie diese Koordinate doch auch, nehme ich an. Und es ist das eine, gegen eine Staatsgrenze zu demonstrieren, und etwas anderes, als Abgeordneter gegen eine anerkennung zu stimmen. Müsste man eigentlich auch verstehen können. Natürlich nur, sofern man es verstehen will.

        Aber dies ist gar nicht der Hauptpunkt. Sondern, dass „wir“ sowas Frau Steinbach – Ihre Worte: durchgehen lassen. Und Frau El-Hassan nicht. Und Sie kontrafaktisch das Gegenteil behaupten.

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        Und ich wäre Ihnen sehr verbunden, wenn Sie diese Aussage irgendwie rechtfertigen würden: „Frau El-Hassan ist nicht anti-israelisch, wenn sie die Anti-Israel-Mafia auf der Al-Quds-Demo unterstützt“ Damit beziehen Sie sich doch auf meinen Standpunkt, oder? Also: nur zu. Damit das nicht als Bullshit (im Sinne H. Frankfurts) aufgefasst wird.

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        Sofern Frau El-Hassan die „Anti-Isael-Mafia“ unterstützt, ist das antizionistisch und auch antisemitisch. Natürlich. Das hat kein Mensch hier bestritten. Können Sie das Gegenteil irgendwie nachweisen?

        Die Frage ist, ob sie diese Mafia unterstützt. Frau El-Hassan sagt, sie unterstütze sie nicht. Sie scheinen jetzt zu sagen: Das ist egal, sie war vor Jahren auf der besagten Demo, also unterstützt sie diese Mafia.

        Wirklich? Dies ist Ihr Entscheidungskriterium? Dann ist Herr Posener noch heute ein Maoist.

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        Sorry, aber dieses Zitat hier möchte ich Ihnen nicht vorenthalten: „Wenn sie [Frau El-Hassan] sich distanziert hat, sollte das für den anvisierten Job ausreichen,“
        Reichte es aber nicht. Bei Frau Steinbach reichte es.

        Das haben Sie selber hier geschrieben. Aber jetzt schreiben Sie sinngemäß, Frau El-Hassan sei antiisraelisch, weil sie die anti-Israel-Mafia unterstützt. Oder verstehe ich das falsch. Gilt hier vielleicht: „Was interessiert mich mein Geschwätz von gestern“?

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        Also ich mache jetzt in dieser Diskussion hier wirklich Schluss (auch weil die Herbstferien vor der Tür stehen). In meinem Koordinatensystem hat sich die Beurteilung, wie sinnvoll man ein Nahostproblem diskutieren kann, leider nicht zum Positiven verschoben. Man wird sofort in eine Schublade gepackt und für Aussagen und Standpunkte haftbar gemacht, die man gar nicht getroffen hat. Und nein, dies ist nicht wechselseitig – ich halte mich immer an die konkreten Aussagen, die gemacht werden. Ich kann nicht garantieren, dass ich diese Aussagen richtig verstehe, aber ich bemühe mich, nicht plötzlich irgendein Kaninchen aus dem Hut zu ziehen, wenn es grad nicht mehr weitergeht (die Erwähnung von Frau Steinbach zum Beispiel war ein solches Kaninchen). In dieser Form macht mir das Diskutieren keinen Spaß. Weil vorhin erwähnt, zum Abschluss noch eine Literaturempfehlung: „On Bullshit“ von Harry Frankfurt. Schauen Sie mal rein.

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        Sie machen nicht klar, gegen wen sich Ihre Äußerungen richten, lieber RZ. Hier fällt von Ihrer Seite „Bullshit“, „Posener ist noch Maoist“, und nun machen Sie sehr allgemeine Äußerungen über „ein Nahostproblem“ … Mich lassen Ihre Kommentare etwas ratlos zurück.

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        Das mit dem Maoisten bezog sich auf die Teilnahme auf einer Maoisten-Demo, Herr Posener. Ich bin davon ausgegangen, dass Sie vor Jahren – oder besser Jahrzehnten -, als Sie noch anders dachten, sicherlich mal auf einer solchen mitgegangen sind. So wie Frau El-Hassan eben auf einer Anti-Israel-Demo teilgenommen hat, was KJN hier als Entscheidungskriterium aufgerufen hat, obwohl sie sich davon distanziert hat und obwohl auch KJN diese distanzierung ja akzeptiert hat. Entweder habe ich hier was falsch verstanden oder es ergibt sich ein Widerspruch. Der scheint schwierig zu entdecken zu sein aber er ist eindeutig da.
        Und bei der Schwierigkeit, ein Nahostproblem zu disklutieren, ging es mir um das Rückzugsrecht, das man ja auch diskutieren könnte, ohne weitere oder gar alle Umstände des Staates Israel mitzudiskutieren.

        Tut mir leid, dass ich mich so nebulös ausgedrückt habe. Ich war hier auch an mehreren Themen beteiligt (und habe parallel immer auch anderes am Computer zu tun).
        Ich nehme an @KJN, dass Sie die anderen Stränge zum Rückzugsrecht usw., nicht mit verfolgt haben.
        Nehmen Sie es mir nicht allzu übel, wenn ich Sie in mit einer wahrscheinlich provokanten Buchempfehlung zum Thema Bullshitting belästige. Ich habe mich aus mehreren Gründen daran erinnert gefühlt, die ich jetzt hier nicht mehr aufrolle. Vielleicht hätte ich das besser lassen sollen. Tatsächlich aber halte ich das dort beschriebene Problem des Bullshitting (ein wahrheitstheoretischer Zwischenbereich, weder Wahrheit noch Lüge, bei dem das Streben nach der Wahrheit und das sich Einigen auf Kriterien, Fakten usw. suspendiert wird) für die Diskussionskultur und die politische Kultur für bedeutsam. (Ich fahre mit der F amilie morgen nach England und habe mich im Zusammenhang mit Boris Johnson mit diesem Phänomen des Bullshitting beschäftigt.)
        Also: nichts für ungut.

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        Lieber RZ, ich habe nicht nur „an maoistischen Demonstrationen teilgenommen“; ich war maoistischer Parteifunktionär und habe hier auf SM ausführlich darüber geschrieben:
        https://starke-meinungen.de/blog/2013/06/25/was-ich-der-kpd-verdanke-1/

        Auch Harry Frankfurters Buch habe ich gelesen und habe auf dem Begriff „Bullshit“ eine wöchentliches Video-Blog aufgebaut, „Alan Poseners Blattkritik“. Hier ist eine Folge, die es den Rechten besonders angetan hat:

        https://www.youtube.com/watch?v=3HpuyAUvApc

        Und darum geht es mir, lieber RZ: Informieren Sie sich, über was und über wen Sie reden, bevor Sie sich ereifern. Dann reden Sie auch nicht beständig vom „Rückzugsrecht“, obwohl es „Recht auf Rückkehr“ heißt.

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        Bei dem Problem der Diskussion eines Nahostproblems meinte ich folgendes: Bei Israel wird zurecht Wert darauf gelegt, keine „doppelten Standards“ anzulegen. Man soll Israel so bewerten, wie man jeden anderen Staat auch bewertet. Natürlich muss die besondere Bedrohungslage/Fast-Kriegszustand berücksichtigt werden. –
        So weit so gut. Wenn man jetzt also vor der Frage steht, wie die Forderung nach einem Rückzugsrecht zu bewerten ist, dann ziehe ich den Schluss aus der besagten Prämisse, zunächst mir zu überlegen, wo und wie das im Allgemeinen aussieht. Und dann komme ich darauf, dass die Rückzugsrechtsproblematik bedeutet: Jemand wurde vertrieben und will irgendwann später wieder zurück (meist sind es seine Kinder oder Enkel), aber dort ist inzwischen jemand anderes. Er kann also nicht zurück. Dieses Problem gibt es überall auf der Welt. Nun gibt es zwei Möglichkeiten, entweder man sagt: Schade, aber das ist der Lauf der Dinge, oder man sagt: Im Prinzip hast du einen Anspruch auf Kompensation, andernfalls ist es ein Unrecht, weil du ja vertrieben worden bist. Im weiteren Verlauf der Überlegungen kommt man dann zu dem Punkt, an dem man sagt: Du kannst dort leider nicht wieder zurückziehen, aus den-und-den Gründen. (Befürchtungen, dass der Staat kaputtgeht.) Dann gibt es eben keinen Rückzug. Aber vielleicht eine Kompensation.

        Wie gesagt: Ich bin unterm Strich gegen ein generelles – und damit auch: gegen ein konkretes – Rückzugsrecht und gegen Kompensationszahlungen. Ich selber brauche und beanspruche „als Deutscher“ dementsprechend auch keine. Klingt wieder furchtbar kompliziert.

        Aber hier – und generell bei Nahost-Dislkussionen kommt man immer zu dem Punkt, an dem man auf die die „Anti-Israel-Mafia“ angesprochen wird, die es zurückzudrängen gelte. Und die Frage, ob diese Mafia irgendjemand unterstützt oder nicht. Nach dem Motto: Frau El-Hassam ist doch eine heimliche Unterstützerin? Oder ich, der das Rückzugsrecht nicht antisemitisch finde und den Rauswurf von Frau El-Hassam kritisiere – bin ich denn wirklich gegen diese Mafia? Oder doch nicht heimlicher Befürrworter? – Dies alles nervt mich. Als müsste man immer als Disclaimer „Ich unterstütze Israel!“ und als zweiten: „Ja wirklich!“ an allen Überlegungen anbringen.

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        Ich hatte das gestern schon geschrieben, wollte aber erstmal Ihre Klarstellung abwarten, lieber Roland Ziegler: Ich hatte gesagt/ gemeint, dass die viel kritisierte Erika Steinbach wie selbstverständlich als ‚rechtsaußen‘ einsortiert wird (überwiegend kritisiert in den meisten Medien, von Leuten, die sich links verorten, auch von mir.. früher), deswegen schrieb ich „wir“, also von ‚uns Linken‘, wo ich immer noch bisweilen geneigt bin, mich dazu zu zählen. Und dass heutzutage viele Leute, die sich ebenfalls selber ‚links‘ sehen (also nicht von AfD-Anhängern) die Teilnahme an der Al Quds -Demo, auf der bisweilen „Hamas, Hamas.. Juden ins Gas“ skandiert wird, als ’nicht per se judenfeindlich‘ relativiert wird. Sie, RZ, setzen ein legitimes Abstimmungsverhalten (..Demokratie, der Abgeordnete, die Abgeordnete ist nur seinem/ihrem Gewissen verpflichtet!) gleich mit einer Teilnahme an einer von einer antisemitischen Mafia organisierten und unterstützten Demo (ja, Mafia, sie zahlen Eltern 20000 € für den Selbstmordattentäter, was ist das sonst? – und gucken Sie einfach, wer da in nicht zu vernachlässigender Anzahl auf der Kundgebung mitläuft) und Frau El-Hassan distanziert sich erst von dieser Sympathisantenschaft, ihren Tweets usw., wenn es um ihre Karriere in den ö.-r. Anstalten geht. Ich würde ihr das ja durchgehen lassen, aber die Dinge müssen schon klar benannt werden und da der ö.-r.-Rundfunk seine mehr oder weniger prominenten oder prominent zu machenden Moderatorinnen offensichtlich als ‚Haltungsbotschafter‘ in allen politisch relevanten Fragen sieht (..was aus meiner Sicht das eigentlich kritisierenswerte wäre), ist sie natürlich nicht mehr tragbar. Das ist ja das eigentliche Thema hier.
        Der ö.r. Rundfunk stolpert also gerade über seinen eigenen Haltungsanspruch und rutscht seinem eigenen politisch korrekten Parkett aus (‚Diversity‘ vs. Antisemitismus) und das ist eigentlich eine gute Entwicklung, die irgendwann zum Realismus (..beurteile die Menschen nach dem, was sie tun und nicht, was sie ’sind‘, also ob sie genügend ‚divers‘ sind) führt, nur das kann noch dauern. Damit es schneller ginge, müsste offensichtlich erstmal der ganze ö.-r.-Apparat auf das wirklich Notwendige zusammengestrichen werden.

        Zum Rückzugsrecht, also Recht auf Rückkehr hatte ich nichts damit gesagt, kann dazu aber folgendes beitragen: Ich habe in den 60ern, Anfang 70ern als Kind in Köln viele Nachbarn gehabt, die Vertriebene aus den Ostgebieten waren, ein älteres Ehepaar waren meine Ersatzgroßeltern. Andere nette nachbarn hatten in Ostpreußen ein ganzes Gut veloren, nur die Karte davon hing noch an einer Wand. Dennoch meinte mein Vater, die damaligen Alliierten hätten aufgrund der Vorfälle bei der Vertreibung, also der Gewalt, der Morde, Vergewaltigungen usw. die Leute gar nicht zurückkehren lassen können, weil einige davon „den nachzieghende Polen das Kind in der Wiege ermorden“ würden. Nun, vielleicht sprach da der damals schon erfahrene Polizist und genau das ist doch der Punkt. Als Frau Steinbach darüber ihre Stimme abgab, ging es um etwas anderes, nämlich auch um die Anerkennung des deutschen Leids und der Anerkennung der Ungerechtigkeiten an den deutschen Flüchtlingen. Das ist nicht „anti-polnisch“, sondern notwendiger Teil des Aussöhnungsprozesses, der nur oberhalb der Niederungen von (rechtem) Revisionismus und (linkem) Anti-Revisionismus stattfinden kann. Das, was ich hier kurz skizziert habe, kann ich bei Palestinenser-Aktivisten und Aktivistinnen an keiner Stelle erkennen, weswegen ich Sie an dem Punkt überhaupt nicht nachvollziehen kann. Aber helfen Sie mir weiter, gerne auch nach nach Ihrem Urlaub in Großbritannien. Ich werde den Diskussionsstrang wiederfinden.

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        ..und, lieber Roland Ziegler, ein Rückkehrrecht zu fordern ist natürlich nicht per se antisemitisch, die Parolen auf der Al Quds Demo, die Frau El-Hassan früher toll fand und jetzt plötzlich nicht mehr so
        „Hamas, Hamas, Juden ins Gas“,
        „Israel = Apartheidsstaat“
        „Die Juden graben den Palestinenser das Wasser ab“
        usw. allerdings schon.
        Nicht, weil es gegen Israel geht, sondern weil es gegen Juden geht. Das ist nun mal der entscheidende Unterschied. Frau El-Hassan wird da vermutlich das Zeug aus ihrer Blase nachgeplappert haben.. wer wirft den ersten Stein – aber das Thema „Rückkehrrecht“ das Sie hier aufgemacht haben, hat mit dem Thema hier daher nicht allzu viel zu tun.

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        ..und Roland Ziegler, an dem Punkt
        „ .. bin ich denn wirklich gegen diese Mafia? Oder doch nicht heimlicher Befürrworter? – Dies alles nervt mich. Als müsste man immer als Disclaimer „Ich unterstütze Israel!“ und als zweiten: „Ja wirklich!“ an allen Überlegungen anbringen.“
        ..da kann ich Sie verstehen: Die Schärfe der Diskussion hat bisweilen etwas Inquisitorisches und sowas nervt tatsächlich. Das liegt aber auch daran, dass man empfindlich wird, wenn man das Gefühl hat, es würde ständig etwas verharmlost. Als wäre z.B. die PLO oder eben Hisbollah oder die Hamas ein gleichwertiger Verhandlungspartner (Arafat hatte sogar den Friedensnobelpreis bekommen..). Das ist absurd. Ich meine da nun mal ein unerträgliches linkes ‚framing‘ erkennen zu können, dem die Judenfeindlichkeit eigentlich völlig Wurscht ist. Und ja, da schleicht sich dann Übereifer ein..

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        Lieber KJN, nun bin ich wieder zurück, habe Ihre Erklärungen gelesen und kann sie nachvollziehen. Wieder glaube ich, dass sie nur scheinbar, d.h. nicht wirklich zu meinen real getroffenen Äußerungen im Widerspruchsverhältnis stehen. Vielleicht abgesehen von der Frage, was als anti-polnisch einzustufen ist – hier meine ich, dass man die Staatsgrenze schon zu akzeptieren hat, wenn – und nur wenn (denn es herrscht ansonsten Meinungsfreiheit) – man nicht anti-polnisch genannt werden will. Es wäre schon seltsam, wenn man sagt, man sei ein großer Freund des polnischen Staates, aber jene Grenze sollte korrigiert und jene Gebiete an Deutschland abgetreten werden. Die Gründe für eine solche Ansicht spielen in diesder Frage übegrigens keinerlei Rolle – es ist reine Formsache. So sehe ich es jedenfalls.
        Mir war Frau Steinbach ansonsten kein Begriff, aber ich bin auch früher schon nicht bei den Linken mitmarschiert, wo sie anscheinend einer ist. (Muss ich mal bei Gelegenheit bei Freunden erfragen, die politischer sind als ich.) Aber lassen wir es doch einfach so stehen, wir müssen ja nicht alles klären.

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      Also dann. Jetzt habe ich keine Zeit mehr für umständliche Erläuterungen – wer jetzt noch ratlos oder sauer ist, wird es lange bleiben. (Wird wachen, lesen, lange Kommentare schreiben…) Wir fahren jetzt jedenfalls nach London & Bath (falls es wegen diesem blöden Brexit mit dem Reisepass noch klappt).

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      …und natürlich mit den haarsträubenden Corona-Einreiseregeln und den PCR-Testanforderungen Großbritanniens. Gegen diesen Bullshit ist die EU und Deutschland ja ein Hort der Rationalität.

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    Man stelle sich vor, ein heute 28jähriger Mann hätte mit 21 Jahren an einer Kundgebung der NPD oder einer noch weiter rechts stehenden Gruppierung teilgenommen, unabhängig davon .
    Hätte dieser Mann auch nur den Hauch einer Chance, beim ÖR-Rundfunk eine Anstellung zu bekommen ?
    Egal wie glaubwürdig eine Distanzierung rüberkommen würde, niemand würde das als Jugendsünde abtun, und eine Karriere beim ÖR wäre für alle Zeiten unmöglich.
    Warum also findet diese Dame so viele Verteidiger und Unterstützer ?

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      Lieber Don Geraldo: Ihr Beispiel ist im Konjunktiv geschrieben und darum unwiderlegbar. Nehmen wir aber an, Sie hätten einen wirklichen Fall geschildert: Wären Sie auch dafür, dem Ex-Nazi keine Chance zu geben? Ich nicht. Hätte man 1945ff so verfahren, man hätte die BRD einpacken können. Wieso sind Sie der Meinung, das von Ihnen vermutete – nicht belegte – falsche Verhalten der ÖR-Medien im Fall eines Ex-Nazis sollte als Maßstab für die Beurteilung des Falls El-Hassan dienen? Die Logik erschließt sich mir nicht.

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    Alles richtig, Herr Posener. Aber nichts davon hat mit meinem Einwand zu tun. Und bitte missverstehen Sie diesen Einwand nicht als eine Unterstützung des Rechts auf Rückkehr meinerseits. Ich habe dieses Recht nicht unterstützt. Ich sage nur: Wer ein generelles Rückkehrrecht unterstützt, stellt keine antisemitische Forderung auf. Ein Rückkehrrecht mag in der Praxis zu Verwerfungen führen, sofern das Recht auf Rückkehr dann wirklich zu Rückkehr führt. Man könnte dieses Recht aber auch wie gesagt mit Entschädigungszahlungen kompensieren, dann wären diese Verwerfungen kein Argument mehr. Am Anfang würde eine generelle Anerkennung eines Rechts für Vertriebene stehen.

    Aber wie gesagt: Ich wollte das Rückkehrrecht nicht diskutieren. Ich habe darauf hingewiesen, dass das Eintreten für ein Rückkehrrecht – solange das nicht auf Israel beschränkt bleibt (Flüchtlingsproblematiken gibt es überall auf der Welt) – keine antisemitische Forderung ist. Und ein „anscheinendes“ Eintreten für ein Rückkehrrecht erst recht nicht.

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      …vielleicht nochmal etwas konkreter zu Ihrer Replik: Wenn die Hamas zurückkehrende Leute als „Waffe“ einsetzen will, ist das nur die eine Seite. Die andere ist, wie sich die Rückkehrer dann tatsächlich verhalten würden. Hier gibt es viele Möglichkeiten. Man könnte darauf bestehen, dass die Rückkehrer sich mit dem israelischen Staat identifizieren müssen, und wenn dann begründete Zweifel bestehen, könnte kann ihnen die Rückkehr mit Bezug auf die Gefahren verweigern – trotz Rückkehrrecht. Usw. Hier muss man nicht so starr-schematisch denken, sondern sich was Neues einfallen lassen. Auch die Türken in Deutschland sind mehrheitlich nicht eine „Kolonne des türkischen Staates“, so wie das Erdogan und andere sich vielleicht wünschen/gewünscht haben. Sondern sie wählen wie jeder andere die CDU und andere Parteien und leben hier. Wenn eine normale palästinensische Familie nach Israel zurückkehren will, dann wird sie nicht die Revolution anzetteln, sondern eine Perspektive für sich gewinnen. Die wollen gut leben, sonst nichts, und wissen, dass das in Israel besser geht als in jedem anderen Land in Nahhost. Deshalb wollen sie ja zurück.

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        Lieber RZ, wenn die Türken in Deutschland nicht drei von 80 Millionen, sondern 50 von 80 Millionen wären, also eine Mehrheit, dann möchte ich sehen, ob Sie dann so abgeklärt darüber reden würden. Da traue ich keinem Deutschen, da ich sehe, dass schon jetzt zehn Prozent die AfD wählen.

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        Dann lässt man eben z.B. nicht alle auf einmal zurückkehren, sondern erstmal nur eine bestimmte Anzahl Familien pro Jahr. Und guckt, was passiert. Das ist alles konkrete Politik. Wie auch immer: Ein Rückkehrrecht für Flüchtlinge, universell gefasst (!), ist nicht antisemitisch. Das ist der Punkt.

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        Stimmt, Herr Posener, 10 % Prozent wählen die AfD, und ich kann es auch nicht fassen. Und das mit den Mehrheiten der Migranten haben wir ja jetzt schon in vielen Stadtteilen, Schulen und Alterskohorten. Tendenz steigend.
        Die Nemi soll ja jetzt hinter die Kamera, aber Kohle gibts vom WDR bzw. dem Zwangsgebührenzahler trotzdem reichlich.

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      Lieber RZ, wer eine Forderung unterstützt, in deren Folge absehbar die vier Millionen Juden in Israel erstens und mit Sicherheit ihren eigenen Staat verlieren und zweitens mit hoher Wahrscheinlichkeit ihren Besitz, wo nicht ihr Leben, und die Juden weltweit (und nicht nur die Juden, sondern auch Nichtjuden wie ich, die aber den Nazis als verfolgungswürdig galten) jenen sicheren Hafen der leider vor 1948 nicht da war … wer das unterstützt, unterstützt objektiv eine antisemitische Politik. Es ist nicht zu viel verlangt, sich das klar zu machen – und nicht zu erwidern, man hasse ja keine Juden.
      Übrigens war es kein Geringerer als Adolf Hitler, der erklärte, der Judenhass für sich genommen reiche nicht aus. In dem ersten Dokument, das von ihm überliefert ist, kritisierte er 1919 den „Antisemitismus aus rein gefühlsmäßigen Gründen“ und forderte einen „Antisemitismus der Vernunft“:
      https://www.welt.de/kultur/gallery13419912/Hitlers-Brief-an-Adolf-Gemlich-von-1919.html

      Sie lieben die vernunftmäßige Ableitung Ihrer Positionen von Begriffen, wir haben uns oft darüber unterhalten. Sie kann aber – „alle Flüchtlinge haben ein Recht auf Rückkehr, also haben das auch die palästinensischen Flüchtlingen“ – zu objektiv antisemitischen Schlussfolgerungen führen. Übrigens hat Donald Trump in seinem Friedensplan die großzügige Kompensation der Flüchtlinge vorgeschlagen: die palästinensische Führung hat das empört zurückgewiesen.

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        Was Sie „Ableiten“ nennen (und ablehnen), würde ich als Versuch rechtfertigen, doppelte Standards zu vermeiden. Hier muss man schon auf das Allgemeine Bezug nehmen. Anders geht es nicht.

        Wenn die paläsinensische Führung eine großzügige Kompension empört zurückweist, so gilt das wohl kaum für die palästinensiche Familie X oder Y, die konkrekt einen Antrag auf Rückkehr stellt und dann großzügig kompensiert würde. Und so müsste es laufen, konkret an die Antragsteller, nicht über pauschale Zahlungen an eine palästinensische Organisation, in deren Tiefen die Gelder versickern.

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        Und: „Sie kann aber – „alle Flüchtlinge haben ein Recht auf Rückkehr, also haben das auch die palästinensischen Flüchtlingen“ – zu objektiv antisemitischen Schlussfolgerungen führen.“

        Ja. Kann. Muss aber nicht. Die Forderung wäre antisemitisch, wenn sie gleichbedeutend wäre zu fordern, alle Flüchtlinge sofort und bedingungslos ins Land zu lassen ,egal wer da kommt und welche Folgen das hat. Das könnte dann selbstmörderisch für den Staat sein. Von einer solchen Forderung kann aber sinnvollerweise keine Rede sein. Natürlich muss jeder Staat, der ein Recht auf Rückkehr grundsätzlich akzeptieren und daher Flüchtlingen die Rückkehr ermöglichen will, darauf achten, als Vorbedingung dieses – nach wie vor fragliche – Recht ohne Selbstaufgabe gewährleisten zu können. Alles andere wäre geradezu widersinnig: Man kann nur in ein Land einwandern, das nach der Einwandeurng weiter existiert.
        Sogar die Kompensatinszahlungen können selbstverständlich nur dann gezahlt werden, sofern das den Staat nicht an die Grenze seiner Leistungsfähigkeit führt. Auch hier wäre es geradezu widersinnig, wenn der Staat in Vollzug des Rückkehrrechts pleite ginge.

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        Warum stellen Sie die Forderung nicht an Polen? Das geht Sie als Deutscher an. Warum arbeiten Sie nicht für die Rückkehr der hier anwesenden syrischen und afghanischen Flüchtlinge in ihre Heimat? Das geht Sie als Deutscher an. Warum müssen Sie eine rein abstrakte Forderung, die noch nie konkret angewendet wurde (denken Sie an die Griechen, die aus der Türkei, an die Polen, die aus der heutigen Ukraine, an die Serben, die aus Kroatien vertrieben wurden usw. usf.) ausgerechnet gegenüber dem winzigen Staat Israel (6 Mio. Einwohner, davon 2 Mio. Araber) durchexerzieren? Ich verstehe das nicht.

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        Ich erkläre es Ihnen gerne. Man ist nicht antisemit, wenn man für ein generelles Rückzugsrecht eintritt, man kann aus dem Rückkehrrecht sogar umgekehrt eine zionistische Folgerung ableiten, indem man – ähnlich wie Sie – sagt: Ein solches Rückkehrrecht richtet sich nicht nur an Palästinenser, sondern selbstverständlich auch „an Griechen, die aus der Türkei, an die Polen, die aus der heutigen Ukraine, an die Serben, die aus Kroatien“ usw. vertrieben wurden. Natürlich muss Israel nicht den Anfang machen mit der Institutionalisierung eines solchen Rechts. Israel kann warten, bis ein anderes Land beginnt. Es könnte sagen: Wir sind im Prinzip FÜR ein Rückkehrrecht! Aber wir müssen – aus bestimmten Gründen – nicht beginnen, weil wir befürchten, dass die Probleme, die dadurch entstehen, bei uns am größten sind. Wenn andere Länder, bei denen es weniger problematisch ist, dann Erfahrungen gesammelt haben, ziehen wir nach.“ – So ungefähr könnte man, ausgehend von einem Rückkehrrecht, gegen einen Zuzug nach Israel argumentieren. Es gibt Möglichkeiten, ein Rückzugsrecht für Flüchtlinge zu akzeptieren und trotzdem den israelischen Staat zu schützen. Man könnte auch sagen: Rückzugsrecht ja, solange die Quote der Flüchtlinge nicht irgendeine Zahl – 20 % de rBevölkerung – übersteigt. Oder so etwas.

        Alldies ist ja vorstellbar und verhandelbar. Ich kann das nicht weiterführen, wiel ich zum einen nicht gut informiert bin und es mich zum anderen auch nichts angeht. Das haben Sie ja zutreffend dargelegt. (Wobei ich immerhin der Sohn eines Flüchtlings bin.) Trotzdem komme ich nicht umhin, mich angesichts der publizistischen Beiträge in Deutschland mit diesem Thema zu beschäftigen. Diese Beiträge werden ja für Leute wie mich geschrieben. Und da springt auch einem Ungeübtem wie mir geradezu ins Auge, wie betoniert, wie unbeweglich und wie letztlich hoffnungslos doch die gegensätlzichen Standpunkte sind. Und dieses hier mit dem Rückzugsrecht ist ein Beispiel dafür.

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        „Man ist nicht Antisemit, wenn man …“: Sagen Sie, LESEN Sie überhaupt, was ich Ihnen schreibe?

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        Noch ein Versuch. Ein Rückzugsrecht – wenn man es denn akzeptieren würde – stünde ja natürlich nicht mutterseelenallein in der Gegend, sondern müsste sich mit vielen anderen Rechten im Rechtssystem sozusagen messen und austarieren. Es müsste eine Balance gefunden werden. Eines dieser anderen Rechte ist das Völkerrecht auf einen eigenen Staat. Wenn die Gefahr besteht, dass der Staat durch das Rückzugsrecht ausgehebelt wird und kaputtgeht, muss das Rückzugsrecht zurücktreten. Nur muss man diese Gefahr auch belegen können. So etwas Ähnliches sagen ja auch die AfDler: Die Flüchtlinge, die zu uns kommen, machen uns und unseren Staat kaputt, behaupten sie. Wenn das stimmen würde, hätte die AfD ja recht, dann müssten wir die Flüchtlinge alle abweisen. Auch das Asylrecht würde nicht ziehen – wenn die Gefahr besteht, dass der Staat zusammenbrechen würde.

        Und wenn man glaubt, dass die rückkehrenden Flüchtlinge den israelischen Staat kaputtmachen würden, dann muss man nicht das Rücktrittsrecht als solches als antisemitisch bekämpfen, sondern lediglich sagen: Unter den gegebenen Umständen muss das Rückzugsrecht zugunsten des Staatsrechts zurückstehen – der Staat und seine Funktionen sind wichtiger. Den Flüchtlingen könnte trotzdem ein wenig geholfen werden, man könnte ihnen Geld zahlen oder wenigstens ihnen sagen, dass sie aus übergeordneten Gründen nicht zu ihrem Recht kommen können. Statt das Recht schlechterdings abzustreiten.

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        Sie bringen alles durcheinander. Die Flüchtlinge, die hierherkommen, sind zu 90% „Wirtschaftsflüchtlinge“. Die anderen fliehen aktuell vor Verfolgung und Gewalt. Das hat mit der Situation der nachkommen der 1948 Geflohenen nicht das Geringste zu tun.

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        Übrigens ist die Frage, ob es ein Rückzugsrecht gibt oder nicht, falsch gestellt. Wenn wir Menschen wollen, dass es eines geben soll, dann gibt es eines. Wenn nicht, dann nicht. Die Frage ist, ob dieses Recht einen moralischen Fortschritt (sowas gibt es auch) bedeuten würde.

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        Problematisch an einem Rückzugsrecht ist etwas anderes: Wenn der Enkel ein Rückzugsrecht beansprucht, weil der Opa einst vertrieben wurde, dann stimmt etwas nicht. (Das hat aber nichts mit dieser Diskussion zu tun.)

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        Der Themenkomplex Flucht/Migration/Rückzugsrecht/Asylrecht/Armut/unbewohnbare Gebiete/Terrorbekämpfung usw. werden uns noch sehr lange beschäftigen. In diesen Komplex lässt sich auch das palästinensische Flüchtlingsproblem eingliedern. Ich weiß, dass Sie das nicht mögen, vom Allgemeinen her die Dinge zu betrachten. Aber es ist nicht exklusiv für den Nahostkonflikt, dass unter Flüchtlingen – egal ob „Rückzügler“ oder Wirtschaftsimmigranten – Terroristen sind. Oder dass die Masse an kulturfremden Flüchtlingen den Staat unterminieren könnten. Das sind alles Dinge, die hier ebenfalls relevant sind – in Form von unbegründeten Ängsten oder auch rationalen Hochrechnungen. Es ist hier bei weitem nicht so dringlich wie dort, das ist natürlich klar. Die Zahlenverhältnisse unterscheiden sich. Aber die Argumente sind dieselben.
        Und auch die Motive der Zuziehenden sind ähnlich. Die meisten suchen ein gutes Leben und wollen den Staat, in den sie einwandern wollen, NICHT kaputtmachen. Sondern sie versuchen, dorthin einzuwandern, wo sie sich ein gutes Leben vorstellen können. Das ist das Gegenteil von Revolution. Sollte das im Fall der palästinensischen Flüchtlinge anders sein und sollten die wirklich den Staat zerstören wollen – dann lässt man sie eben nicht hinein. Die Forderung nach einem Rückzugsrecht ist nicht identisch mit der Forderung nach blindem, unkontrolliertem Rückzug ohne Rücksicht auf die Folgen für den Staat. So aber verstehen Sie es.

        Und schließlich: Ich hoffe, dass auch Sie zur Kenntnis nehmen , dass ich ein Rückzugsrecht NICHT fordere und an keiner Stelle unserer Diskussion hier (die Sie doch ziemlich verärgert hat) gefordert habe – lesen Sie’s nach, wenn Sie es nicht glauben.

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      Und im übrigen: Der Ton macht die Musik, wie Sie wissen. Man kann sagen: „Ein Rückkehrrecht für Vertriebene mag ja im Allgemeinen eine moralisch integre, diskutable Forderung sein, aber in diesem Fall lässt sich das leider nicht umsetzen, ohne den Staat Israel existenzieller Gefahren auszusetzen.“ – Oder man sagt: „Ein Rückkehrrecht ist antisemitisch und die, die es fordern, objektive Antisemiten.“ Das sind zwei sehr unterschiedliche Äußerungen. Damit will ichs bewenden lassen.

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        Ich sage das Erste. Aus dem das Zweite folgt. Und wer in Kenntnis des Zweiten nach wie vor das Erste fordert, handelt antisemitisch.
        Nie habe ich gesagt: „Die, die es fordern, sind objektive Antisemiten“, wie Sie (apropos Ton und Musik) behaupten. Das Gegenteil habe ich immer wieder gesagt und geschrieben. Auch Leute, die keineswegs Antisemiten sind, können eine Forderung erheben, eine Meinung äußern, die objektiv antisemitisch ist.
        Ich verstehe nicht, warum ich mir hier und anderswo seit Jahrzehnten den Mund fusselig rede, um zu erklären, dass man zwischen Antisemitismus und Antisemiten unterscheiden muss, zwischen Kultur und Individuum, zwischen Mem und Gefühl, wenn Sie das uralte Vorurteil wieder aufbringen, man werde, wenn man das Rückkehrrecht fordert, als Antisemiten bezeichnet.
        Steht nirgends. Wird nirgends gemacht.

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        Entschuldigung Herr Posener, aber es stimmt einfach nicht, dass aus dem Ersten das Zweite folgt. Dies versuche ich hier erfolglos klarzumachen. Aber es folgt aus antisemitischen Äußerungen die Zuschreibung, Antisemit zu sein (jemand, der sich regelmäßig antisemitisch äußert, ist ein Antisemit).

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    APo: Welche ist die wahre Nemi El-Hassan?

    … El-Hassans ‚wahrer‘ Vorname ist ‚Naame‘ … unbedingt sollte sie, jedenfalls solange sie dem Mohammedanismus anhängt, mit einem Niqab ‚al-den-Quark‘ im ÖR oder was immer sie und die Genossen vom WDR wollen, moderieren. Die Völker der Welt sollten sich das anschauen!

    (… dass ich für ‚al-den-Quark‘ bezahlen muss – ist allerdings kein Quark. Das ist Willkür – Dhimmi-Kultür.)

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        APo: ‚Sie sind vermutlich auch der Meinung, dass Juden sich durch Schläfenlocken und Kippa sichtbar machen sollten.‘

        … abgesehen davon, dass ich eine Ideologie, die mich als ein Mensch 2.er Klasse einteilt, gar zum Feind erklärt, ich diese Ideologie somit gern vor mir und nicht in meinem Rücken wissen möchte, merken Sie aber schon, dass ich im Konjunktiv geschrieben habe. Oder? … aaaber egal was ich auch schreibe, Sie werter APo, insistieren wiederholt auf ein Whataboutism. Nie habe ich über ‚die Juden‘ geschrieben. Wenn Sie mich aaaber fragen, ja, es gibt auch unter Juden Bekloppte.

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      Ich hatte tatsächlich ein paar Sätze zu dem Vorgang hier aufgeschrieben und nicht bei mir lokal gesichert. In etwa so: Dieses Sezieren und Interpretieren der Kleidungs-Accessoires ist nicht so meine Sache, ebensowenig, wie jetzt unbedingt wissen zu wollen, was in Frau El-Hassan vorgeht. Wenn sie sich distanziert hat, sollte das für den anvisierten Job ausreichen, sie ist als WDR-Angestellte keine Beamtin, weswegen ich die Aussage des verlinkten WELT-Artikels nicht nachvollziehen kann, dass der WDR richtig entschieden hätte, sie nicht die Sendung ‚Quarks‘ moderieren zu lassen. Darüber hinaus wird derartige politische Rücksichtnahme sowieso das Gegenteil bewirken und in den einschägigen Kreisen (..und das sind eben vorwiegend nicht mehr die ‚rechtsnationalen‘) die übliche Verschwörngstheorie abrufen, so etwa nach dem Motto „gegen die Juden und Israel läuft in D sowieso nichts..“. Statt diese Sache mal auszuhalten und gleichzeitig aber realistisch in den ‚Info‘-Sendungen die Situation Israels als gefährdetem Staat darzustellen. Der ö.r.-Rundfunk macht sich wieder mal zum Resonanzboden für Hysterie auf allen Seiten, sei es die ‚WDR-beschäftigt-Islamistin‘-Seite oder die ‚Muslimin-darf-nicht-in-D-moderieren‘-Seite. Wer es (durch political correctness) allen recht machen will, überlässt den Eiferern und Polarisierern das Wort, statt sachlich zu berichten, rational einzuordnen und damit zu versachlichen, was eine schöne Aufgabe auch und gerade für öffentlich-rechtlichen Journalismus wäre. Unabhängig von privaten ‚Gesinnungen‘..

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    Ich verstehe diese Diskussion nicht. „Nemi El-Hassan hat sich entschieden von dem radikalislamischen und israelfeindlichen Umfeld ihrer Kindheit und Jugend distanziert. Sie beteuert, dass sie Israel nicht hasse.“ Damit ist doch der Fall erledigt? Es sei denn, das sind Lippenbekenntnisse, aber dann muss man dafür den Beweis antreten. Sonst ist es ein Gerücht. Zu sagen, es würde „scheinen“, sie würde ein Rückzugsrecht für palästinensische Vertriebene vertreten, reicht auf gar keinen Fall. Zumal dieses „scheinbare“ Vertreten (wie hat man sich ein scheinbares Vertreten überhaupt vorzustellen? Entweder man vertritt etwas oder nicht) eines Rückkehrrecht nicht im Widerspruch zur behaupteten Abkehr vom „radikalislamischen Umfeld “ usw. stünde. Gesetzt, der Schein würde nicht trügen.

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      Manche Kleinigkeiten können eine aus der Ferne nicht zu ahnende Wirkung entfalten. So leuchtet es ein, die Flüchtlinge, die ihr Hab und Gut nach der Gründung Israels verloren haben, zu entschädigen, man hat da gerne Begriffe wie Startkapital und Aufbauhilfe im Kopf. Wobei es eher den Nachfahren als den damals Geflüchteten zugutekommen würde. Den finanziellen Schub könnten die neuen Heimatländer wie Jordanien oder der Libanon ja auch gut gebrauchen. Diese Lösung, die auch von einigen BDSlern suggeriert wird, würde die Anerkennung eines Anspruchs durch die verhandelnden bewirken. Klingt nicht schlimm, Investitionen gegen Aufgabe des Rückkehrrechts, alle zufrieden? Das Problem entsteht dann, wenn diese Entschädigung nicht angenommen wird, die arabischen Palästinenser haben ja nicht nur ein Angebot abgelehnt. Dann hat man (zB Israel in Verhandlungen) ein Recht anerkannt, dass bei seiner tatsächlichen Ausübung das Ende Israels wie wir es kennen bedeuten würde. Kommt, verständlich, für Israel nicht in Farge. Das Rückkehrrecht ist unter anderem deswegen Stuss und kein ernstzunehmender Beitrag. Aber es wird dann erst recht kompliziert. Wenn Antisemitismus mit Antizionismus gleichgesetzt wird, ist die Forderung eines Rückkehrrechts (aus welchen Motiven auch immer) die gleiche Sportart wie Hitlers Fähigkeit, Juden zu riechen. Das macht eine junge arabische Palästinenserin, die sich, auch verständlich, nicht die Positionen des jüdischen Nationalismus aneignen will, zur Antisemitin, wie zum Beispiel Polen, die auf Judenpuppen einschlagen. D.h. das Problem hier ist nicht die Nähe zu Islamisten, auch nicht die Behauptung, Juden seien anders als die anderen, das sind alles Dinge, die man ohne Überlegung zum Antisemitismus zählen würde. Es ist eine Position, die dem jüdischen Nationalismus zuwiderläuft. Die Position „Juden sind unser Unglück und ich kann sie riechen“ und „Alle Menschen sollten gleichberechtigt in einer Welt ohne Grenzen leben“ sind beides (in der Logik der Gleichsetzung) antisemitische Positionen. Leuchtet mir nicht ein, aber ich bin auch kein Nationalist, ich lebe nur mit ihnen. Was mich zur Frage bringt, für was die junge Frau eigentlich als Vorbild dienen sollte? Sie ist das Paradebeispiel, warum sich vererbte nationale Identitäten, nimmt man sie tatsächlich ernst, mit einer neuen Umgebung nicht vertragen. Es gibt gute Gründe, warum die Forderung des Rückkehrrechts einer jungen Palästinenserin nicht das gleiche ist, wie die brennende Sorge einer jungen Deutschen wegen des jüdischen Nationalismus. Verschiedene Nationalisten unter einem Dach führen nicht zur Integration, sondern zur Segregation – et voila. Als Xherdan Shaqiri im Schweizer Trikot das albanische Hühnchen nach dem Tor gegen Serbien machte, fragten sich die Schweizer zu Recht, für wen er da eigentlich gespielt hat. Und der Begriff albanisches Hühnchen lässt Sie hoffentlich zweifeln, ob ich eher als Serbe denn als Deutscher geschrieben habe. Die Frage ist so lange lächerlich, bis nicht mehr gelacht wird. Und Frau El-Hassan ist das Lachen mittlerweile vergangen.

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        Nein, Stevanovic, die Forderung nach einem Rückkehrrecht für alle vertriebenen oder geflüchteten Araber ist nicht „die gleiche Sportart wie Hitlers Fähigkeit, Juden zu riechen“, und „eine junge arabische Palästinenserin, die sich nicht die Positionen des jüdischen Nationalismus aneignen will“, ist keine Antisemitin, „wie zum Beispiel Polen, die auf Judenpuppen einschlagen“. Das behauptet keiner, so hoffe ich jedenfalls.
        Der Unterschied ist, Hitler und Co. und die von Ihnen genannten Polen waren und sind subjektive Antisemiten. Wobei es auch da Unterschiede gibt, aber das muss ich nicht betonen. Die Forderung nach Auflösung des jüdischen Staates aber – oder Forderungen, die darauf hinauslaufen – ist objektiv antisemitisch und kann von Leuten vertreten werden, wie Nemi El-Hassan, die sich subjektiv nicht für Antisemiten halten.

        Es hilft auch nicht weiter, wenn Sie ständig vom „jüdischen Nationalismus“ reden. Als ich das letzte mal in die Charta der Vereinten Nationen (!) schaute, galt da noch das Recht der Völker auf nationale Selbstbestimmung. Dieses Recht haben sich die Juden erkämpft – ideologisch, organisatorisch, diplomatisch und zuletzt auch kriegerisch; so wie die Griechen, Albaner, Serben und andere europäische Völker sich dieses Recht erkämpft haben, von den früher kolonisierten Völkern ganz zu schweigen. Dieses Recht wird aber einzig den Juden verwehrt. Man mag sich eine Welt ohne Nationalismus wünschen. Aber um es ganz klar zu sagen: da sollen mal die anderen vorangehen, die Völker, die größer sind und mehr Land haben, dafür weniger Feinde. Einstweilen kämpft Israel um die einfache Anerkennung seiner Existenz.

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        Also ist jetzt die Frage, ob das Eintreten für das Rückkehrrecht von Flüchtlingen eine „objektiv antisemitische“ Forderung ist. Herr Posener meint, sie sei objektiv antisemitisch, wenn ich es richtig verstanden habe, während der Juden riechende Hitler subjektiv antisemitisch sei.

        Das überzeugt mich nun gar nicht. Objektiv antisemitischer als Hitler geht es nicht. Die Forderung nach Auflösung von Israel ist nicht gleichbedeutend mit der nach einem Rückkehrrecht von Flüchtlingen, zumindest solange man ein soclhes Rückkehrrecht allgemein fasst, d.h. bezogen auf alle Flüchtlinge rundum den Globus

        Ich verstehe schon die Logik, die zu dieser Auffassung führt: Kommen die vertriebenen Palästinenser zurück, könnte es in der Folge irgendwann mal mehr Palästinenser als Juden geben. Dann ändert sich irgendwann mal die Bevölkungszusammensetzung von Israel, woraus dann folgt oder folgen könnte, dass der Staat als solches sich ändert – z.B. wegen der Wahlergebnisse, die dann eintreten – und ganz am Ende geradezu abgeschafft bzw. ersetzt wird, weil die fiktive Bevölkerungsmehrheit der Zukunft das so wollen könnte. Daher – wegen dieser ganzen theoretischen Möglichkeiten – ist die nach dem Rückkehrrecht eine antizionistische Forderung und in einem zweiten Schritt also antisemitisch.
        Hier endet eine ganze Gedankenkette, und an jedem Punkt dieser Kette sind Zweifel angebracht. Wieso wird Israel abgeschafft, wenn sich Israels Bevölkerung ändert? Was wäre, wenn all die Rückkehrer gar nicht so verheerend wählen wie imaginiert? Wieso führt ein rückkehrrecht automatisch zur Veränderung de Bevölkerungsmehrheit – man könnte dieses Recht ja auch z.B. durch Entschädigungen statt physischer Rückkehr kompensieren. Undsoweiter.

        Ich denke, man ist kein Judenhasser – egal ob subjektiv oder objektiv – , nur weil am Ende einer moralisch begründeten Forderung, zusammen mit einer ganzen Reihe von zusätzlichen Annahmen, ein Problem für den Staat Israel auftauchen könnte.

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        Lieber Roland Ziegler, die Deutschen haben es eigentlich sehr früh begriffen: darauf zu bestehen, dass die Vertriebenen in ihre Heimat zurückkehren dürfen, hätte geheißen, die dort lebenden Polen zu verdrängen und den Bestand des polnischen Staates (vom Weltfrieden einmal abgesehen) zu gefährden. Deshalb haben beide Staaten alles daran gesetzt, die Vertriebenen zu integrieren; die Vertriebenen selbst haben klar erklärt, dass sie ihr „Recht auf Heimat“ niemals mit Gewalt durchsetzen würden – ein „Recht“, das schon für die zweite und gar die dritte Generation so abstrakt war, da sie in der Bundesrepublik oder der DDR beheimatet waren, dass es Polen niemals gefährdete.
        Trotzdem sahen die Polen eine Erika Steinbach als gefährlich an, karikierten sie als neuen Hitler, bekämpften das Berliner Zentrum gegen Vertreibungen usw.
        Nun vergleichen Sie die Behandlung der palästinensischen Flüchtlinge im Libanon, in Jordanien, in Gaza. In Lagern gehalten, Staatsbürgerschaft verweigert, Integration hintertrieben: Sie sollten und sollen als Waffe gegen Israel dienen. Und das erklärte Ziel etwa der Hamas ist ja die Auslöschung nicht nur des jüdischen Staates, sondern der Juden:
        In Artikel 7 der Hamas-Charta wird ein Hadith zitiert: „Die Stunde wird kommen, da die Muslime gegen die Juden solange kämpfen und sie töten, bis sich die Juden hinter Steinen und Bäumen verstecken. Doch die Bäume und Steine werden sprechen: „Oh Muslim, oh Diener Allahs, hier ist ein Jude, der sich hinter mir versteckt. Komm und töte ihn!“ Nur der Gharkad-Baum wird dies nicht tun, denn er ist ein Baum der Juden.“
        Was wäre in Deutschland bei den Linken los, wenn die wichtigste Vertriebenenorganisation, die überdies, wie die Hamas, eine politisch regierende Partei wäre, solche Forderungen in Bezug auf die früheren Ostgebiete und die „Slawen“ erheben würde? Und nicht nur bei den Linken: in ganz Europa! Aber BDS und andere Organisationen, die Israel zwingen wollen, die Forderung nach „Rückkehrrecht“ der Flüchtlinge, ihrer Kinder und Kindeskinder, die zurzeit mehrheitlich die Hamas unterstützen – BDS soll nicht antisemitisch sein? Ich bitte Sie.

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        Antisemitismus ist der Hass auf Juden. Wenn Antisemitismus und Antizionismus dasselbe sind, dann hasst jemand wie Frau El-Hassan objektiv Juden, weil sie sich die Interessen des jüdischen Nationalismus nicht zu eigen macht, sondern die ihres eigenen Volkes vertritt. Die stehen im Gegensatz zum jüdischen Nationalismus. Nationalismus ist ein Nullsummenspiel, einer muss verlieren. Und genau so argumentieren ja auch Nationalisten weltweit. Wer gegen den türkischen Nationalismus ist, hasst objektiv Türken. Wer gegen griechischen Nationalismus ist, hasst objektiv Griechen etc…und in der Logik des Nationalismus ist der Satz, dass Antisemitismus das gleiche wie Antizionismus sei, ja folgerichtig. Nationalisten wollen ja immer nur das, was ihrem Volk zusteht. Das Mittelmeer, den Balkan oder die Krim.
        Ich habe nichts dagegen, das Nationalisten den kürzeren ziehen, ich habe mit dem von Frau Antisemitismus ist der Hass auf Juden. Wenn Antisemitismus und Antizionismus dasselbe sind, dann hasst jemand wie Frau El-Hassan objektiv Juden, weil sie sich die Interessen des jüdischen Nationalismus nicht zu eigen macht, sondern die ihres eigenen Volkes vertritt. Die stehen im Gegensatz zum jüdischen Nationalismus. Nationalismus ist ein Nullsummenspiel, einer muss verlieren. Und genau so argumentieren ja auch Nationalisten weltweit. Wer gegen den türkischen Nationalismus ist, hasst objektiv Türken. Wer gegen griechischen Nationalismus ist, hasst objektiv Griechen etc…und in der Logik des Nationalismus ist der Satz, dass Antisemitismus das gleiche wie Antizionismus sei, ja folgerichtig. Nationalisten wollen ja immer nur das, was ihrem Volk zusteht. Das Mittelmeer, den Balkan oder die Krim. Wer es ihnen nicht geben will, muss sie hassen.
        Das ist für Leute die nicht Nationalisten sind, manchmal schwer nachzuvollziehen. Ich versuche es. Kann auch falsch liegen.

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        Lieber Stevanovic, Ihr Fehler besteht darin, dass Sie psychologisieren. Es gibt für Sie gute Leute, die hassen keine anderen Menschen, und es gibt böse, die hassen andere Menschen. Der Antisemitismus ist aber nicht der Hass auf die Juden, also eine psychologische Tatsache, er ist eine kulturelle Tatsache.
        Kurz gesagt, bedeutet er: Was die Juden tun, ist immer falsch. Wenn sie sich im Ghetto absondern, ist es falsch. Wenn sie sich integrieren, ist es falsch. Wenn sie als Talmudjuden im Elend leben, ist es eklig, wenn sie Erfolg haben und Bankiers werden, ist es noch ekliger. Wenn sie überall eine Minderheit sind und also dem Trend zur Absonderung in ethnisch homogene Nationen im Weg sind, sind sie wurzellose Kosmopoliten und Feinde aller Völker, und wenn sie sich dem Trend anschließen und sich zur Nation konstituieren, sind sie jüdische Nationalisten und Feinde des palästinensischen Volkes und damit aller unterdrückten Völker. Für Weiße sind sie eine andere Rasse, für „People of Colour“ sind sie Weiße.
        Wir reden immer über die „Singularität“ des Holocaust, aber sie ist nur eine Folge der Singularität des „Gerüchts über die Juden“, wie Adorno die kulturelle Beständigkeit des Antisemitismus nannte.
        Für die Christen waren die Juden Gottesmörder, für die Muslime Prophetenmörder, für die Aufklärer Anhänger einer rückständigen Gesetzesreligion, für die Romantiker buchgläubige Rationalisten, für die Rationalisten buchgläubige Dunkelmänner, für die Konservativen Ferment der Dekomposition und Propagandisten der internationalen Moderne, für die Nazis Weltverschwörer und Völkerverknechter, für die Stalinisten unsichere Kantonisten, später zionistische Agenten des US-Imperialismus, was sie auch für die arabischen Nationalisten waren, für die Islamisten Vorposten der Kreuzfahrer, für Orbán und Co. Wegbereiter der islamischen Eroberung Europas, für Feministen Erfinder des Patriarchats, für Anhänger des fröhlichen Vielgötterwesens – vom Griechenfreund Platen bis zum Ägypterfreund Assmann – Erfinder des grausamen Monotheismus und damit der Intoleranz, für Postkoloniale privilegierte Opfer, die der Anerkennung kolonialen Leids im Wege stehen usw. usf.
        Wer die Macht dieses kulturellen Mems nicht begreift, sondern nur auf die psychologische Seite abzielt, wie es etwa Jean-Paul Sartre in seinem ansonsten durchaus lesbaren Aufsatz tat; wer unter „Antisemitismus“ nur den Antisemitismus der Nazis assoziiert, der begreift, ehrlich gesagt nichts.
        Und ich fürchte, Sie haben ausnahmsweise nichts begriffen.

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        Lieber Stevanovic, ja, Antizionismus und Antisemitismus sind dasselbe. Im Ergebnis – und nur darauf kommt es an – soll Juden ein Staat verwehrt bleiben, in dem sie sicher leben können. Das geht nach ausnahmslos allen historischen Erfahrungen nur in einem jüdischen Staat, in jedem anderen sind Juden immer mehr oder weniger gefährdet. Und die Juden sind das einzige Volk weltweit, auf das diese historisch hundertfach bestätigte Gefährdung zutrifft.

        Deshalb ist die Forderung nach einer Rückkehr der dritten und vierten Generation der geflüchteten Palästinenser automatisch und in sich judenfeindlich. Es gibt für Juden (leider) keinen sicheren Staat, in dem sie nur eine Minderheit stellen. Traurig, aber so ist die Lage.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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        @Stevanovic: Antizionismus bedeutet, dass man den Staat Israel ablehnt. Wenn man in den Staat Israel einwandern will, lehnt man ihn – sofern man nicht ein „U-Boot“ der Hamas ist – ja gerade nicht ab. Sonst bliebe man weg. Das Rückkehrrecht bezieht sich auf Leute, die zurückkehren wollen, was gleichbedeutend ist mit: die in den Staat Israel einwandern wollen. Das sind nicht alles per se Antizionisten, sonst würden sie dort nicht leben wollen. Es gibt sicher Antizionisten darunter, dier im Auftrag der Hamas. Usw. Aber das sind nicht alle und bedeutet geradezu eine Pervertierung des Wunsches, in einen bestimmen Staat einzuwandern/zurückzukehren. Flüchtlinge, die in ein Land hineinwollen, wollen normalerweise von den Vorteilen profitieren – und nicht die Vorteile abschaffen.

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        Absurd. Sie kennen sich nicht aus. Die Leute sind 1948 geflüchtet, weil sie den jüdischen Staat ablehnen. Sie wollen nicht in einen jüdischen Staat zurückkehren, dann hätten sie nicht fliehen müssen, sie wollen durch ihre Rückkehr den jüdischen Staat abschaffen.

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        Die Leute, die 1948 geflüchtet sind, sind heute 93 Jahre alt. Ich glaube nicht, das es um diese Leute geht. Es geht um die Enkel dieser Leute.

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        Eben. Um Leute wie Sie und Ihre Kinder. Beanspruchen Sie ein Rückkehrrecht nach Polen (oder dem Sudetenland oder Siebenbürgen)? Wenn nicht, warum sollen es andere zugesprochen bekommen? Werden Sie endlich konkret.

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        Diese Frage sollte sich eigentlich erledigt haben, nach meinem Kommentar von eben. Also konkret: Nein, niemand sollte ein Rückzugsrecht erhalten, schon gar nicht pauschal und ungeprüft. Wenn aber ein Vertriebener in Deutschland ein Rückzugsrecht nach Polen zu seinen vormaligen Besitztümern fordert, dann ist das nicht anti-polnisch. Es richtet sich auch nicht gegen Ostdeutschland, wenn DDR-Vertriebene auf ihre alten Besitztümer zurückkehren wollen. Jetzt sdagen Sie: Das ist alles total anders und inkompatibel. Warum denn: Es gibt Leute, die sind vertrieben worden und wollen wieder zurück, aber da sitzen inzwischen andere. Hier ist bei weitem noch nicht alles endgültig geklärt, rechtlich nicht und auch politisch nicht.

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