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Carolin Emckes selektive Aufklärung

Die Aufregung um die „Judenpassage“ in Carolin Emckes Rede auf dem Grünen-Parteitag hat die viel bedenklichere Seite der Rede überschattet, ja fast verschwinden lassen: Emckes Auffassung von Aufklärung.

Wie ich in einem Kommentar für WELT schrieb: „Natürlich wollte Emcke, das sei vorweggesagt, die Verfolgung der Juden im Dritten Reich nicht mit heutiger Kritik an Klimaforschern und Aktivistinnen gleichsetzen.“ Eine Klarstellung, die nicht verhinderte, dass mein Artikel im Zuge einer Massenempörung über den angeblichen Vorwurf des Antisemitismus an die Adresse Emckes seitens der „Springer-Presse“ umstandslos in die Ecke der „Diffamierung“ geschoben wurde. Dass ich dummerweise aus Zeitgründen die entsprechende Passage nach Anhörung der Rede aus meinen Notizen rekonstruierte, statt sie noch einmal Wort für Wort mitzuschreiben, und mich dadurch dem Vorwurf aussetzte, Emckes Rede zu verfälschen, ärgert mich fast genauso, wie es hoffentlich Emcke ärgert, dass sie nicht noch einmal über ihre Formulierung nachdachte, bevor sie die Rede hielt.

Denn das sagte sie wörtlich: „Es wird sicher wieder von Elite gesprochen werden. Und vermutlich werden es dann nicht die Juden und Kosmopoliten, nicht die Feminist*innen oder die Virolog*innen sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscher*innen.“

Hätte sie statt „dann nicht“ (was ich – schlimme Fälschung! – als „nicht mehr“ wiedergab) „dann nicht nur, sondern auch“ oder „dann nicht allein oder in erster Linie, sondern auch“, hätte wohl keiner wirklich – ich jedenfalls nicht – meckern können, obwohl es auch dann nicht ganz richtig gewesen wäre. Denn früher oder später verbindet sich „die radikale Wissenschaftsfeindlichkeit, die zynische Ausbeutung sozialer Unsicherheit, die populistische Mobilisierung und die Bereitschaft zu Ressentiment und Gewalt“ – um Emcke zu zitieren – immer mit dem „Gerücht über die Juden“, wie es Theodor Adorno nannte.

Zeit für eine neue Aufklärung

Gut, Schwamm drüber. In meinem Artikel schrieb ich einleitend: „Carolin Emcke hat recht. Es ist Zeit für eine „neue Aufklärung“, wie sie bei ihrer Rede auf dem Parteitag der Grünen sagte. Der Journalistin, die bei Jürgen Habermaus studierte, geht es um die Verteidigung der demokratischen Öffentlichkeit als Ort, wo um Richtig und Falsch gerungen wird.“

Ich habe auch verteidigt, dass Emcke gegen die „Pro- und Kontraisierung“ der Öffentlichkeit wetterte, die jeden „Unsinn als ‚streitbar‘ normalisiert“ und einen „moralischen und epistemischen Relativismus“ etabliere. Ich habe lediglich kritisiert, dass Emcke diesen Relativismus nur rechts der Mitte ausmacht. Sie ist seit der Rezeption des französischen Poststrukturalismus und besonders Michel Foucaults geradezu konstitutiv für die akademische Linke.

Inzwischen aber bin ich nicht ganz sicher, ob ich mir selbst in der Verteidigung Emckes folgen kann. Denn es scheint widersprüchlich, für die Aufklärung zu sein, aber die „Pro- und Kontraisierung der Öffentlichkeit“ abzulehnen. Ja, es gibt Fakten. Aber um die wird auch gerungen. Das Problem, wie ich anderswo geschrieben habe, besteht darin, dass Immanuel Kants „sapere aude“ – „habe den Mut, dich des eigenen Verstandes zu bedienen“ – auch von den Vertretern von „Unsinn“ in Anspruch genommen wird. Man mag es für „Unsinn“ halten, wenn etwa Fritz Vahrenholt von der „kalten Sonne“ spricht und glaubt, die Klimakatastrophe werde wegen einer zyklischen Abnahme der Sonneinstrahlung „nicht stattfinden“; aber anders als über eine Pro- und Kontradiskussion wird das in einer liberalen Demokratie nicht geklärt. Die Vorstellung, „Unsinn“ – gemeint ist vor allem wohl: naturwissenschaftlich angeblich oder wirklich unhaltbare Ansichten – gehörten aus der Öffentlichkeit gebannt, grenzt doch stark an die Forderung nach einer Wissenschaftsdiktatur. Wer allerdings entscheidet, was wissenschaftlich ist und was nicht, das verriet Emcke nicht.

In der Begeisterung darüber, in Sachen Klimaschutz auf der wissenschaftlichen Seite zu stehen, vergaßen offensichtlich viele Grüne – und Emcke selbst – , dass sie oft genug eher wissenschaftsskeptisch daherkommen.

Und was ist mit der Homöopathie?

Nehmen wir die Homöopathie. Ich zitiere hier aus der „Deutschen Apotheker-Zeitung vom 21.04.2021:

„Zur Homöopathie und insbesondere zur Erstattung der homöopathischen Medikamente durch die gesetzlichen Krankenkassen gehen in den politischen Parteien die Meinungen durchaus auseinander. Vor allem bei den Grünen entfaltet die Diskussion seit dem Jahr 2019 eine erhebliche Dynamik – die Parteiführung hat seither alle Hände voll zu tun, um zu verhindern, dass das Thema den bevorstehenden Wahlkampf negativ beeinflusst. Eine klare Positionierung, die weder die Homöopathie-Anhänger noch die wissenschaftsorientierten Wähler vor den Kopf stößt, steht nach wie vor aus.

Anders die Linke. Der Parteivorstand hat nun in einem Beschluss vom 11. April eindeutig seine Haltung zur Homöopathie festgelegt. Darin fordert er unter anderem „eine Erstattung aller nötigen Hilfsmittel – neben Rollstühlen etc. schließt das auch Brillen, Kontaktlinsen und Zahnersatz mit ein, die bisher nicht oder nur in geringen Teilen von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen werden“. Im Gegenzug sollen „Mittel und Therapien, deren Wirkung nicht nachgewiesen werden kann, (…) nicht von der Solidargemeinschaft finanziert werden, sondern bei Wunsch privat bezahlt werden“. Das bezieht sich vor allem auf die Homöopathie: Die Linke, heißt es weiter, „erkennt den wissenschaftlichen Konsens, dass Homöopathie nicht über den Placeboeffekt hinaus wirkt, an“.“

Ich vermute mal, der Anteil der auf Homöopathie schwörende Mitglieder ist bei den Grünen größer als in jeder anderen Partei. Was übrigens oft mit Impfskepsis in Sachen Masern, Röteln usw.  einhergeht. Wenn man in bestimmten Kreisen auch nur ein Wörtchen gegen die Homöopathie sagt, erntet man einen Schwall von Beschimpfungen gegen die „Schulmedizin“ und die „Pharmalobby“ usw. Da ist von neuer Aufklärung und Kampf gegen die Wissenschaftsfeindlichkeit wenig zu spüren. Warum griff das Emcke in ihrer Rede nicht auf? Feigheit vor den Freund*innen?

Übrigens habe ich selbst klar gegen die Position der Homöopathie-Gegner Stellung bezogen.

Ich schrieb: „Wie die meisten Menschen lebe ich im Zwiespalt zwischen dem, was ich weiß oder wissen könnte, weil es wissenschaftlich erwiesen ist, und dem, was ich zu wissen meine, weil ich es erlebt habe. Zwischen anekdotischer Evidenz und statistischem Beweis. Darauf hat die Bildung nicht nur keinen Einfluss, sondern – zumindest in Sachen Homöopathie – einen paradoxen: Je gebildeter die Leute sind, desto eher glauben sie an Globuli. Demografisch gibt es große Überschneidungen zwischen der Fridays-for-Future-Anhängerschaft und der Klientel der Homöopathen. Überdurchschnittlich gebildet, eher weiblich und westlich. Follow the science? Nicht, wenn’s um die eigene Gesundheit geht.“ Schlussfolgerte aber: „Aufklärung ist wichtig. Wer beim Klima „follow the science!“ ruft, sollte das erst recht beim eigenen Körper beherzigen. Ärzt*innen und Apotheker*innen sollten sich an Aufklärungskampagnen beteiligen und die Auseinandersetzung mit Anhängern der Homöopathie suchen. Verbote sind aber der falsche Weg.“

Genau. Aufklärung ist wichtig. Und das bedeutet: Diskussion. Pro und Kontra, Frau Emcke.

Und wie ist mit dem Gender-Mainstreaming?

Apropos Emcke: Was würde sie sagen, wenn die Biologie beweisen würde dass Das Geschlecht kein soziales Konstrukt sei, wie sie als Adeptin Judith Butlers behauptet? Das meint der Evolutionsbiologe Axel Meyer ja auch zu wissen: „Viele Aspekte der Gender-Studies erscheinen mir irrational, ja antiwissenschaftlich, besonders wenn sie sich über biologische Erkenntnisse hinwegsetzen. Beim Mainstreaming wird wider besseres Wissen einer politischen Ideologie Macht verliehen. Und das ist genau die Antiwissenschaftlichkeit, die ich anprangere.“

Ich habe mich hier auf “Starke Meinungen” mit seinen Thesen auseinandergesetzt und das Gender-Mainstreaming gegen seinen Angriff verteidigt.

Nicht, weil es „wissenschaftlich“ wäre, sondern weil es beim Gender-Mainstreaming nur darum gehe,  „Männern und Frauen, Mädchen und Jungen nicht von vornherein jene Rolle zuzuweisen, die nur in der Statistik als „typisch männlich“ und „typisch weiblich“ existiert. Eine Rolle, in der sich jeder, der von der statistischen Norm abweicht, und das sind fast alle Männer, jede, die nicht den statistischen Erwartungen und idealen entspricht, und das sind fast alle Frauen, sich unwohl fühlt: Gefangen, nicht im falschen Körper, sondern in der falschen Erwartungshaltung, auch der eigenen.“

Allerdings gehen viele Gender-Mainstreamer doch erheblich weiter. Käme man ihnen mit Axel Meyer, sie würden gegen den „Biologismus“ und „Essenzialismus“ wettern, parallelen zum Rassismus des 19. Jahrhunderts ziehen, kurzum den „wissenschaftlich getarnten Herrschaftsdiskurs“ verwerfen und der heterosexuell bestimmten Biologie das Recht absprechen, sich hier überhaupt einzumischen. Und vorneweg wäre Carolin Emcke.

Kurzum, mir scheint, mit ihrer Rede habe Emcke dazu aufgerufen, in Sachen Klima eine wissenschaftlich legitimierte Orthodoxie auszurufen und die Erörterung oder Infragestellung dieser Orthodoxie als wissenschaftsfeindlich zu stigmatisieren und im Namen der Aufklärung faktisch zu verbieten. Ich bin in Sachen Klima bekanntlich nicht weit von grünen Positionen entfernt; aber eine solche Orthodoxie im Namen der Aufklärung macht mir Angst und sollte den Grünen, wenn sie, wie Robert Habeck sagte, eine Partei der Freiheit sein wollen, auch Angst machen.

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62 Gedanken zu “Carolin Emckes selektive Aufklärung;”

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      … eigentlich wollte ich zu Ihnen, S.T., nix mehr schreiben, aaaber Precht? Und auch noch die Relotius-Journaille kaufen? – das geht zu weit.

      Der deutsche ‘Fernsehphilosoph’, Pipi Langhaar, hat die Haare schön … shalalala, shalalala … himself; ‘… ich hatte das unbändige Bedürfnis, ein Buch zu schreiben, das ich als Student selber gerne gelesen hätte, um den Überblick zu bekommen.’

      Widdewiddewitt
      und Drei macht Neune !!
      Wir machen uns die Welt
      Widdewidde wie sie uns gefällt ….

      … no comment.

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        Danke, Hans, für die profunde Kritik. Passt zu Ihnen als Rechtsradikaler. Nur so ganz ohne Link, schade!
        Aber immerhin, Sie bestätigen Prechts Analyse auf das schönste. Sie passen ins Bild:
        Dummfrech, feige und wehleidig.

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        @S. + T.,

        … ach S.T., ‘rechts’ ist für Sozialisten immer der andere, selbst die eigenen Genossen, bis hin zum Brudermord. Hatten ‘wir’ hier schon oft genug nachgewiesen.

        … aaaber ‘radikal’ – im Sinne von Grund aus erfolgend, ganz und gar; vollständig, gründlich – das gefällt mir.

        Im Übrigen gleicht Ihr geraunter Hinweis auf einen Bezahlartikel in den ‘Wahrheitsmedien’, den Zwangsgebühren des Staatsfunks, der andere Meinungen verfolgen und einkerkern lässt.

        … also nix Neues in der ‘BRD’.

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        Ach und nur um der Wahrheit willen: Niemand sitzt in Deutrschland wegen seiner Meinung im Gefängnis-

        dbhs Link führt zu einem Kleinkriminellen, der eine gesetzlich vorgeschriebene Zahlung verweigert. Das geht bei dbh schon mal durcheinander, passiert bei begrenzter geistiger Kraft.

        Gruss,
        Thorsten haupts

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        @T.H.,

        … si tacuisses, philosophus mansisses – ‘Ein kommunistisches System erkennt man daran, daß es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert.’ – Alexander Issajewitsch Solschenizyn.

        Für die Gegenwart; ‘Den Kulturmarxismus erkennt man daran, dass es die Kriminellen verschont und den politischen Gegner kriminalisiert.’ – ich.

        … und o.t., T.H.; … waren Sie Politoffizier in der NVA? … mhmm?

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        Lieber Thorsten Haupts, ganz so einfach ist es allerdings nicht: WDR & Co sind mit ihrem ‚Beitragsservice‘ längst Staat im Staate. Ich selber könnte Ihnen davon berichten, wie die das tricksen, entgegen einem Urteil des Bundesverfassungsgerichtes auch für eine Zweitwohnung zumindest für einige Monate den ‚Beitrag‘ zu erpressen. Klagen dagegen beginnen auf der Ebene der Verwaltungsgerichte und sind aufgrund der durch den ‚Beitragsservice’ erzeugten Komplexität aussichtslos. Rechtsbeugung durch undurchsichtige Bürokratie. Wenn ich da sagen würde, es ist ein verkommener Laden, könnte ich es belegen.

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        Lieber Klaus Nick,

        in keinem Bereich staatlicher Regeln (Gesetze und Verordnungen) erlauben Unregelmässigkeiten oder Fragwürdigkeiten irgend jemandem (!) bewusst und widerholt – folgenlos – gegen eine Regel zu verstossen. Punkt.

        Was ich persönlich von der Zwangsgebühr für unseren ÖRR halte, ist hier nicht druckfähig. Aber ich halte mich an geltende Regeln. Nicht nur aus Opportunismus, sondern weil das Verwerfen geltender Regeln nach Gutdünken grob fahrlässiger, linker, Egoismus sind und keine Organisation oder Gesellschaft ohne Regeldisziplin funktionsfähig bleibt. Und dafür mache ich keine Ausnahme.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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        Lieber Thorsten Haupts, ich würde Ihnen bis auf einen Punkt unbedingt zustimmen, denn die oft belächelte ‚deutsche‘ Regelkonformität ermöglicht mindestens ein zivilisiertes angenehmes Leben im Alltag.. Ich formuliere es als Frage: Was ist, wenn, gewisse Kreise ‚da oben’ sich nicht an die Regeln halten, bzw. versuchen, sie auszutricksen und zu umgehen? Kommt die Erosion des Vertrauens in die Politik, schlimmer wäre noch, in die Verwaltung durch das „Verwerfen geltender Regeln nach Gutdünken“ durch „Kleinkriminelle“ oder nicht doch eher durch Rechtsbeugung und Machtmissbrauch? Ist der Zahlungsverweigerer „Kleinkrimineller“ oder nicht doch eher ein ‚Michael Kohlhaas‘? https://de.m.wikipedia.org/wiki/Michael_Kohlhaas
        Ich will damit nur sagen: So einfach ist es nicht. Hat übrigens auch mit dem Thema zu tun: Irgendwo las ich „rigorose bürgerliche Moral“..

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        T.H.; … ‘Aber ich halte mich an geltende Regeln. Nicht nur aus Opportunismus, sondern weil das Verwerfen geltender Regeln nach Gutdünken grob fahrlässiger, linker, Egoismus sind und keine Organisation oder Gesellschaft ohne Regeldisziplin funktionsfähig bleibt. Und dafür mache ich keine Ausnahme’.

        … aaaber ja, T.H., Sie sind eine wichtige Stütze antidemokratischer Herrschaftsansprüche. Nur so konnte und kann Selbstermächtigung und Überhöhung ‘deutscher Politik’ über Recht und Verfassung funktionieren. Das aber hat so was von Historie.

        … Stalin; ‘(Die Deutschen) sind ein merkwürdiges Volk, wie Schafe … Ich erinnere mich an die Zeit, als ich vor der Revolution in Deutschland war: Eine Gruppe von deutschen Sozialdemokraten kam zu spät zu einem Kongreß, weil sie warten mußten, bis ihre Eintrittskarten nachgeprüft worden waren oder etwas ähnliches. Wann würde ein Russe jemals so etwas tun? Jemand hat einmal ganz richtig gesagt: In Deutschland kann es keine Revolution geben, weil man den Rasen dazu betreten müßte …’

        … ich war nie ‘stolz’ ein Deutscher zu sein … aaaber Ihre ‘Treue’, T.H., steht mir Oberkannte Unterlippe und ist ‘wahrer’ Grund, sich als Deutscher, Scham eingestehen zu müssen.

        Und werter T.H., Deutschenhass, einschließlich der Deutschenhass der ”BRD’-Politik’ – all’ diese Figuren, kennen Sie ganz genau.

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        Autsch, Herr Haupts! Ich habe beim Lesen tatsächlich die Hacken zusammengeschlagen. Nicht um mich Lustig zu machen, sondern weil sie natürlich Recht haben. Regelverletzungen, auch für das Gute, müssen Folgen haben, sonst sind Regeln nur Kalendersprüche.
        Mit dem Herrn im Knast habe ich Sympathien, ich verfolge den Fall über massengeschmack.tv. Aber es bleibt dabei, es ist eine nicht gezahlte Gebühr und nicht Widerstand gegen einen Genozid. Er mag ein Märtyrer sein, aber das ist er wegen paar Euro Achtzig ganz freiwillig…und er ist nicht links, er kommt aus der libertären Ecke. Das schöne an Gesetzen ist ja, dass sie für alle da sind.

        @KJN
        Ich habe meine Wahlkreiskandidaten deswegen angeschrieben. Sollte jemand fragen, ob ich das System des ÖRR in der heutigen Form will, wollte ich mein “Nein, so nicht” mal kundtun. Auch wenn meine Meinung nur den in China umfallenden Sack Reis abfedert.

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        @Stevanovic
        “Auch wenn meine Meinung nur den in China umfallenden Sack Reis abfedert.”
        Wahrscheinlich, aber mir persönlich (und wahrscheinlich nicht nur mir) haben Sie damit einen Gefallen getan. Ich hatte wegen der Sache oben der Vorsitzenden der Rundfunkkommision, Frau Ministerpräsidentin Dreyer eine Email geschrieben und bekam dann 2 oder 3 Monate später, nach einer Erinnerung meinerseits, einen Anruf aus der Mainzer Staatskanzlei, in dem mir die Rechtfertigung, die der ‘Beitragsservice’ (der ARD-ZDF-Dlf-Inkasso) mir schriftlich später zugeschickt hat, vorab mit “besten Grüßen von Frau Dreyer” vorab mündlich vorgetragen wurde. Fast tat mir die Sekretärin ein bisschen leid, denn natürlich habe ich am Telefon argumentiert – und zwar mit den guten Gründen aus dem Bundesverfassungsgerichtsurteil über die Sache. Natürlich hat es nichts geändert, aber sie wissen es, dass der eine oder andere denkende Massenbürger nicht einverstanden ist. In China kann man auch mosern, aber da kommen sie persönlich vorbei, was der Unterschied ist. Deswegen sollten wir es tun, modern, damit es hier kein China wird. Und: Die Gefahr, dass es hier China wird, liegt nicht bei Ministerpräsidentin Dreyer (oder Jens Spahn, die Frau Dr. Merkel), sondern bei unseren allzu besserwissenden Mitbürgern und Mitbürger*innen, die sofort ‘kreuzigt ihn’, ‘Covidiot’, ‘Rassist’ oder ‘Antisemit’ schreien, letzteres, obwohl sie arisch sind, wie ihr Großvater, von dem sie sich reinwaschen wollen, wenn sie jemand beim Eifern stört. In diesem Misthaufen wollte ich, ehrlich gesagt, auch kein Politiker sein..

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        ..’mosern’.. nicht ‘modern’.. letzteres tun wir sowieso irgendwann..

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    17. Juni 1953 – Volksaufstand

    Die Lösung

    Bertolt Brecht

    Nach dem Aufstand des 17. Juni
    Ließ der Sekretär des Schriftstellerverbands
    In der Stalinallee Flugblätter verteilen
    Auf denen zu lesen war, daß das Volk
    Das Vertrauen der Regierung verscherzt habe
    Und es nur durch verdoppelte Arbeit
    zurückerobern könne. Wäre es da
    Nicht doch einfacher, die Regierung
    Löste das Volk auf und
    Wählte ein anderes?

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    Lieber Alan Posener, das was ich Ihnen “grundsätzlich” über ‘Fakten’ geschrieben habe sollte für jeden Wissenschaftler und jede Wissenschaftlerin mit einem Rest-Berufsethos eine Selbstverständlichkeit sein, egal in welchem Fachgebiet. Dass dies bei jenen, die Wissenschaft mit Aktivismus verwechseln (Ex IPPC-Chef Schellnhuber, Buchtitel: ‘Selbstverbrennung’) offensichtlich hintenan gestellt wird (bei allzuvielen Journalisten, ‘Spiegel’, ‘Stern’, ARD sowieso), lässt Rückschlüsse auf deren eigentliche Motivation (Macht, Einfluss, Geltung durch Anpassung an Leitmeinungen, Ausweitung des Geschäftsbereichs durch Skandalisierung) zu. Ich verurteile das nicht in jedem Fall, aber wenn dadurch ganze Volkswirtschaften gefährdet werden, ist es Zeit, derartigen Alarmismus und Qualitätsverlust wissenschaftlicher Expertise entsprechend einzuordnen. Und wenn Klimaschutzfanatiker grundsätzlich werden (s.o.), dann darf ich das wohl auch – zwecks Abwehr dieses Fanatismus auf dieser absolut unpragmatischen Ebene. Wie sollte ich sonst auf dieser Ebene argumenteren? Es sind deren Zuspitzungen, die aufgrund ihrer Eindimensionalität schon rein logisch zu entkräften sind. Gerade vor dem Hintergrund, dass ja durch den Lockdown nachgewiesen wurde, dass die geplanten Verteuerungen des CO2 und damit Verkomplizierung und Verteuerung des Lebens des größten Teils der Bevölkerung nichts bringt. Ich fordere genau deswegen lediglich einen deutlich weniger ‘buchstäblichen’, ‘gläubigen’ Umgang mit Aussagen von einzelnen Wissenschaftlern und ich bin selber ausgebildeter Wissenschaftler und muss mir an dieser Stelle die Bezeichnung ‘Wissenschaftsskeptiker’ verbitten. Mir geht es eigentlich bei dieser Diskussion mehr um die tatsächlichen Ideale der Aufklärung, also des freien wissenschaftlichen Disputs, als um den Wohlstand, der gerade aufs Spiel gesetzt wird (letzteres folgt aus ersterem). Und ich frage mich gerade, was eine Fraue Emcke, die von alledem offensichtlich gar nichts versteht, überhaupt mit diesem Thema zu tun. Sie ist doch völlig unqualifiziert.
    Als Pragmatiker (Sie hatten mir entsprechende Bücher empfohlen, danke dafür) argumentiere ich natürlich anders – und zwar nachweislich schon lange:
    Selbstverständlich bekomme ich das Verkehrschaos, den Logistik-Wahnsinn und vulgären Destinations-Konsum in der Urlaubszeit mit und was noch alles an Konsum- und Wegwerf-Exzess (Elektroschrott!) stattfindet. Gleichermaßen selbstverständlich finde ich es richtig, auf die ja an vielen Stellen, wenn auch eher regional beobachtbare durchschnittliche Erwärmung der Troposphäre mit Gegenmaßnahmen (Bepflanzung, Sümpfe, Stadtbegrünung, Bauweise, Dämme) zu reagieren. Auch das hatten wir schon. Auch wird das Öl irgendwann, aber absehbar ‘alle’ sein, weswegen wir synthetische Treibstoffe (für Verbrennungsmotoren!) entwickeln sollten. Und Kernkraft.. Wind, Sonne und Gazprom sind mit Sicherheit keine alleinige Dauerlösung für ein entwickeltes Land, sondern ein weltfremdes Ideal, mit dem sich Ökodeutschland isoliert (wahrscheinlich auch Großbritannien, wenn auch geopolitisch mit anderer Kompensation). Nun – und auch China und Indien werden irgendwann den Weg des Hyperwachstums verlassen, aber dass sie dann unserem ‘grünen’ monokausal begründeten Irrsinn folgen, kann ich nicht glauben. Sie?
    Noch zu Frau Emcke, deren Verteidigung Sie mit der von ihr gewählten Sprachlogik begründen: Nein! ‘Juden’ müssen nach wie vor für die eigene Rechtfertigung herhalten, sonst würde auch Frau Emcke sie nicht als Opferbeispiel nennen. Um Befindlichkeiten der Teilnehmer eines Parteitages der ‘Grünen’ zu bedienen, denen anscheinend auch langsam und insgeheim klar wird, dass sie in ihrem Klima-Alarmismus völlig überzogen haben. Erlauben Sie mir an dieser Stelle einen Moment persönliche Offenheit: Ich halte diese Juden-Obsession auf dieser grün-linken Seite mittlerweise für eine massivere psychische Störung: Während die Rechte sich noch hinter Verleugnungs- und Verharmlosungs-Haltung verschanzt (“Fliegenschiss in der deutschen Geschichte”), haben wir doch bei Frau Emcke – wie nennt man/frau/div das im linken Milieu? ‘Kulturelle Aneignung.’ (Holocaust-Opfer liefern das Identitätsmerkmal für Klimaforscher). Entschuldigung, aber das ist doch krank..

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      Also, KJN, weitgehend d’accord, aber nur weitgehend.
      Um mit dem Letzten zu beginnen: Frau Emcke hat nicht von Holocaust-Opfern gesprochen. Das habe ich in meinem Welt-Artikel gleich gesagt, das hat Herr Ziemiak mittlerweile auch zugegeben, und das sollten Sie bitte auch zur Kenntnis nehmen.
      Es liegt mir aber fern, Frau Emcke zu “verteidigen”; ich habe sie kritisiert, und dafür den obligaten Shitstorm auf Twitter / Facebook eingefangen. Nur ist nicht jede Kritik auch richtig; man muss sie gegen falsche Anschuldigungen in Schutz nehmen.
      Ich habe Ihnen nicht allgemeine “Wissenschaftskepsis” vorgeworfen. lesen Sie bitte genauer. Ich habe gesagt, dass Sie selektiv – beim Klimawandel – nicht mit wissenschaftlichen Argumenten gegen den, wie Sie meinen, “‘grünen’ monokausal begründeten Irrsinn” argumentieren, sondern allgemein: Da reden Sie allgemein von der wissenschaftsfremden “Motivation (Macht, Einfluss, Geltung durch Anpassung an Leitmeinungen, Ausweitung des Geschäftsbereichs durch Skandalisierung)…” Ja, Sie beziehen das auf jene Wissenschaftler, die zugleich Aktivisten seien, wie Schellnhuber; aber der Treibhauseffekt ist Fakt, nicht Fiktion, und daraus folgt einiges, wie ja nicht nur Schellnhuber sagt: wir haben ja mittlerweile einen Konsens der Politiker aller wichtigen Emittenten-Länder, siehe Pariser Klimaabkommen. Also, es ist leicht, den Sack zu schlagen (Emcke), wir sollten aber über den Esel reden (Paris).

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        APo; … (Klima) wir haben ja mittlerweile einen Konsens der Politiker aller wichtigen Emittenten-Länder, siehe Pariser Klimaabkommen.

        … Neubauer; ‘es sei bei der Klimakrise noch nie um eine Krise um das Klima gegangen.’

        ‘Diese Leute kennen keine Wahrheit, keine Ehrlicheit, keine Realität, nicht richtig und nicht falsch.’ – hab’ ich bei H.D. abgekupfert. Er hat Recht. Es geht ausschließlich um Macht.

        … und jetzt gehe ich an den Strand, Klima bei 32°C genießen. (Ich seh’ schon (fast) wieder so aus wie Roberto Blanco. Ich bin, so zuschreiben, ein Teilzeit-PoC.)

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        “Frau Emcke hat nicht von Holocaust-Opfern gesprochen.”
        Ok.., aber das hier hat sie ja gesagt:
        ” „Es wird sicher wieder von Elite gesprochen werden. Und vermutlich werden es dann nicht die Juden und Kosmopoliten, nicht die Feminist*innen oder die Virolog*innen sein, vor denen gewarnt wird, sondern die Klimaforscher*innen.“”
        Das ist doch erkennbar die übliche Larmoyanz Alteingesessener die (hier) keinerlei gefährliche Anfeindungen zu erwarten haben und die aus irgendeiner narzistischen Eitelkeit heraus sich mit tatsächlichen Opfern in eine Reihe stellt und im Falle von Frau Emcke noch mit Buchpreisen bedacht wird. Als wären sie irgendwie ‘bedroht’. Juden, Kosmopoliten, Zigeuner, Christen, ‘unwertes Leben’, ‘Volksschädlinge’, Kommunisten, Schwule und Dissidenten saßen neben Kriminellen im KZ und nur letztere wurden nicht ‘sonderbehandelt’ und nicht “Feminist*innen, Virolog*innen.. und Klimaforscherinnen” und auch nicht Leute, wie Frau Emcke.
        Aber Sie haben Recht: Gegenüber dem totalitären Ansinnen, den wissenschaftlichen Diskurs bestimmen zu wollen, ist das, was ich bei Frau Emcke und dem ‘Grünen’ narzisstischen Befindlichkeits-Zeitgeist unsympathisch finde, eine Nebensächlichkeit und ‘Paris’ die Hauptsache:
        – ein zusätzlicher Treibhauseffekt durch das fossile C im CO2 ist sehr wahrscheinlich und sollte quantifizierbar sein (ca. 1 .. 3 %)
        – die thermodynamischen Auswirkungen in der Troposphäre sind genau modellierbar, aber nicht prognostizierbar
        – ein Lockdown-Effekt (7% CO2-Minderaustoß weltweit) hat keinen Effekt auf den CO2-Gehalt in der Atmosphäre, müsste es aber haben, wie die das jahreszeitliche Oszillieren in der Keeling -Kurve zeigt. Ebenso ist ein Klima-Effekt nicht nachweisbar
        – eine Zunahme der Vegetation auf den fossilen CO2-Eintrag ist nachweisbar, eine kompensatorische Wirkung wahrscheinlich
        (..ich weiß, nur am Rande das Thema Ihres Artikels)

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        Sie schreiben: “Ein Lockdown-Effekt (7% CO2-Minderaustoß weltweit) hat keinen Effekt auf den CO2-Gehalt in der Atmosphäre, müsste es aber haben …”
        Das stimmt nicht. Bitte:
        https://www.nature.com/articles/d41586-021-00090-3
        Die entscheidende Passage:
        “The pandemic has provided a unique lens on the challenge that lies ahead for nations committed to fighting climate change. The United Nations Environment Programme estimates that the world would need to cut carbon emissions by 7.6% per year for the next decade to prevent the globe from warming more than 1.5 ºC above pre-industrial levels — a goal set in the 2015 Paris climate agreement. Reductions on this scale would be even larger than 2020’s drop in emissions.”

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        Entschuldigung.. aber was für ein ‚Argument‘..
        7% reichen also nicht, es müssen schon 7,6 sein..
        Als wenn da ein Schwellenwert überschritten überschritten werden müsste, damit man was messen kann..
        Es steht in dem Zitat: 7,6 % für 10 Jahre, um 1,5 Grad zu erreichen! Das ist ein willkürlich gesetztes Ziel und sagt nichts über messbare Effekte aus.
        Mit den 7% müsste man aber was sehen, und zwar an der Keeling-Kurve. Sonst könnten Sie auch fordern 20 Jahre 80%.. o.Ä. Entweder an der Steigung oder an der Amplitude der Sommer-Winter-Oszillationen. Man sieht aber nix. Noch nicht mal an der CO2-Konzentration in der Keeling-Kurve, die sich sehr gut messen lässt, geschweige denn an der Temperatur, deren Bestimmung eher problematisch ist. Derartige ‚Inzidentien’ festzulegen, mündet doch in reiner Willkür..

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        Das Argument ist logisch: Ein Jahr lang 6.4% weniger reicht nicht. Und das hat auch niemand erwartet. Ob nun 7% oder 8% weniger: Erst nach 10 Jahren würde man den Unterschied merken. Was ist dagegen einzuwenden?

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        Gucken Sie:
        https://upload.wikimedia.org/wikipedia/commons/thumb/e/e5/Mauna_Loa_CO2_monthly_mean_concentration_DE.svg/1920px-Mauna_Loa_CO2_monthly_mean_concentration_DE.svg.png
        Die Keeling-Kurve: Die Zacken zeigen den Einfluss der Jahreszeiten. Bzw. die Entnahme und Rückgabe des CO2 durch die Vegetation. Es ist also jede Entnahme und Zugabe (Photosynthese ab Frühjahr und aerober Abbau ab Herbst) sofort messbar. Und die 6-7% durch den Lockdown in 2020 nicht?
        (Die Nordhalbkugel hat mehr Landmasse und Vegetation, als die Südhemisphere.)

      7. avatar

        “Was ist daran falsch?“
        Was soll ich Ihnen schreiben.. schon der zweite Satz offenbart einen gravierenden methodischen Fehler:
        „This estimate uses a two-month average centered on Jan. 1, 2021 compared to the similar average one year earlier.“
        Die Vegetationsperioden, die ganzen Wetterphänomene setzen jedes Jahr bekanntlich zu unterschiedlichen Zeitpunkten im Jahresverlauf ein. Dementsprechend ist der ganze Rest, wo behauptet wird, die 7% CO2-Einsparung im Lockdown würden in den natürlichen Variationen untergehen, eine Fehlinterpretation.
        Wir haben es hier mit einer quasi kontinuierlichen Messwerterfassung zu tun, bei der sich Beschleunigungen (El Nino) und Verzögerungen im CO2-Stoffwechsel (harte Winter in verschiedenen Regionen) der (ganzen) Erde herausmitteln. Dadurch, dass man jetzt willkürlich zwei Wintermonate mit festem Datum bei Beginn und Ende herausgreift und damit verschiedene Jahre vergleicht, erhellt man nichts, sondern versucht den 7%-Effekt, der außerhalb sonstiger ständig vorkommender Einflüsse liegt, hinter letzteren zu verstecken. Januar 2019 ist eben nicht gleich Januar 2020. Und: Durch Wetterphänomene verursachte CO2-Minderungen oder Mobilisierungen (El Nino) verändern an der Gesamtbilanz natürlich gar nichts. Veränderung des Eintrags an fossilem CO2 sollte es laut der Befürworter der Einsparungen aber schon. Tut es aber nicht. Warum nicht, darüber kann ich auch nur spekulieren..
        Hier deutlicher: https://gml.noaa.gov/webdata/ccgg/trends/co2_trend_mlo.png?fbclid=IwAR06_c6pQODpF6DfezKZjoGvBo-9egspALyTAAeIlbMpIEzB_bz84BrF2EI

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        Bin ich es nur, oder sieht man am Ende der auf Hawaii gemessenen Keeling-Kurve (schwarz) einen Knick nach unten? Das wäre dann der messbare Effekt von einem Jahr Lockdown – oder vielmehr “Lockdown”, denn die meisten Kraftwerke, Fabriken usw. haben ja weiter Energie und Produkte geliefert, die Leute fuhren hier in Berlin jedenfalls weiter Auto, heizten ihre Häuser usw.
        Und es lässt sich leicht denken, dass dieser kleine Knick bald wieder wettgemacht wird durch die Erholungseffekte.
        Jedenfalls lässt sich nicht sagen, dass ein Rückgang des CO2-Ausstoßes um etwa 6,5% gar keinen messbaren Effekt gehabt hätte. Er ist durchaus sichtbar.

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        Ja, den Knick sehe ich auch. Aber da sind ja auch in den Jahren vorher schon welche. Es gibt , wie gesagt, Verzögerungs und Aufholeffekte. Dass da auf der schwarzen Linie, die durch ein Mittelungsverfahren (gleitendes Mittel?) erzeugt wird, überhaupt Variationen zu erkennen sind, liegt daran, dass hier nicht durch ein (mathematisches) Regressionsverfahren ermittelt wurde (dann wäre die schwarze Kurve ein ‚Trend‘ und glatt und der Zacken weg). Nur die eigentlichen Messwerte zeigen zeitnah interpretierbare Tendenzen – sie sind die rote Linie und da sehe ich zumindest keinen Effekt. Nach über einem Jahr Lockdown (=> sehr viele Messwerte ohne Tendenz..).
        Es ist gut, wenn wir uns die Keeling-Kurve sehr genau ansehen, sie sagt sehr viel aus und ich streite genau deswegen sehr gerne über deren Interpretation.
        Lassen Sie mich meinen Eindruck anhand eines Vergleichs zusammenfassen: Wäre der Zacken nach unten im Plot eines Aktienkurses, würde ich deswegen allein noch keinesfalls verkaufen.

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        ..und Sie schreiben
        Das wäre dann der messbare Effekt von einem Jahr Lockdown – oder vielmehr “Lockdown”, denn die meisten Kraftwerke, Fabriken usw. haben ja weiter Energie und Produkte geliefert, die Leute fuhren hier in Berlin jedenfalls weiter Auto, heizten ihre Häuser usw.“.
        Also ich hoffe eigentlich schon, angesichts des letzten Winters, den ich vorwiegend in der Eifel verbracht habe, dass das auch so bleiben darf. Man hört ja so einiges..

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    “Apropos Emcke: Was würde sie sagen, wenn die Biologie beweisen würde dass Das Geschlecht kein soziales Konstrukt sei, wie sie als Adeptin Judith Butlers behauptet?”

    Wie naiv ich doch bin.
    Hatte ich doch gedacht, die Biologie hätte schon seit Jahrhunderten bewiesen, daß es biologische und auch in der Anatomie überprüfbare Unterschiede zwischen den Geschlechtern gibt.
    In Anlehnung an Gerhard Schröder halte ich die ganze sogenannte Wissenschaft vom Genderismus für unwissenschaftliches Gedöns.
    Und Leuten, die so einen Unsin glauben und verbreiten, wie besagte Frau Emcke, in echten wissenschaftlichen Bereichen, wie der Klimaforschung, ein Forum zu bieten, ist doch einfach absurd.

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    na ja – Wissenschaftsgläubigkeit lebt davon, dass die Pluralität wissenschaftlicher Annahmen, Theorien und Schlussfolgerungen unterschätzt wird. Selbst Homöopathie kann eine Unterstützung des Placebo-Effekts sein und so gesehen beim Heilungsprozess helfen. Wenn wir aber beim Klima bedenken, dass nur eine Tatsache im wesentlichen unstrittig ist, nämlich die Erderwärmung und damit die Tendenz zu extremen Wetterschwankungen, dann erkennt man, dass das sehr wenig ist. Das Bündel von Gegenmaßnahmen ist eher ein technisches, ökonomisches und politisches (Mehrheiten in der Welt), denn ein unmittelbar wissenschaftliches Problem. Es wäre wünschenswert in diesen fragen besonders viel Kontroversen zuzulassen statt sich volkspädagogisch auf den einen Punkt zu fixieren, die wenigen, welche wie Trumpften schon die die Erderwärmung leugnen oder Scheindebatten anzetteln, ob das menschengemacht sei. Sie sind nicht das Problem. Lösungen zu finden, kontrovers und pluralistisch, das ist die Aufgabe. Der Wunsch nach Orthodoxie ist geradezu töricht.

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      Fr. Prof. M.F.: ‘Selbst Homöopathie kann eine Unterstützung des Placebo-Effekts sein und so gesehen beim Heilungsprozess helfen.’

      … das seh’ ich auch so; die Homöopathie – gleich, gleichartig, ähnlich‘, und Leid, Schmerz, Affekt, Gefühl; wörtlich also ‘ähnliches Leiden’ – ist eine alternativmedizinische Behandlungsmethode.

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      Ich sehe das sehr ähnlich: Ich halte als Chemiker Homöopathie mit seinen ‚Schüttel-Potenzen’ selber für nicht wirksam, kann aber keinen Grund erkennen, warum z.B. Irisdiagnostik nicht funktionieren sollte. Und ein Glaube an die Schulmedizin kann gleichermaßen verbohrt und fanatisch sein..

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        Wobei das Wort “Schulmedizin” für evidenzbasierte Heilmethoden schon ein ideologischer Kampfbegriff ist. Als gäbe es nicht Schulen für die Ausbildung von Homöopathen, Heilpraktikern, Psychoanalytikern Freud’scher und Jung’scher Provenienz usw. usf.

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        “Evidenzbasierten Medizin“
        Das allerdings sehen die Homöopathie-Anhänger und Anhängerinnen wohl genauso. Ich sehe den Unterschied eher darin, dass die (Schul-)Medizin ein tragfähigeres theoretisches Fundament, in dem auch Physik, Chemie und Biologie eine Rolle spielen, hat. Die Medizin kann sich sozusagen ‚in vielem messen lassen‘.

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    Die Grünen sind ja keine Wissenschaftler, sondern eine politische Partei. Und Frau Emcke ist auch nicht “Die Grünen”. In der Politik sollte meiner Meinung nach durchaus gelten, dass man sich an “die Orthodoxie” – die Lehrmeinungen – hält. Nicht an Mindermeinungen, die einem aus ersichtlichen Gründen besser in den Kram passen. “Die kalte Sonne” hat ja den praktischen Nebeneffekt, dass die, die sich davon überzeugen lassen, prima genau so weiter wirtschaften können wie bisher. Wenn ein Meteor auf die Erder zurast, wird es immer Wissenschaftler geben, die berechnen, dass er die Erde verfehlen wird und wir deshalb nichts tun sollten. In dem Moment, wo diese Wissenschaftler innerhalb der Wissenschaft die Position einer Mindermeinung haben, haben “wir” – hat “die Politik” – gute Gründe zu handeln. Selber denken bedeutet nicht, dass man zum Hobby-Meteoritenforscher, -Virologen oder Klimaforscher mutieren soll, sondern dass man den Output der Wissenschaft – den gibt es nie im Konsens! – nimmt und als Grundlage für Posiutionen und Entscheidungen nimmt. Nicht nicht als Maßstab aller Dinge, sondern eben als Grundlage für fundierte Prognosen. Staatskunst ist, den Stand der Wissenschaft mit den anderen Bereichen der Gesellschaft auszubalancieren (d.h. nicht automatisch den Wissenschaftlern zu folgen, aber eben auch nicht zu sagen: “Corona ist eine Grippe und Masken sind lästig und sinnlos”, wie es etwa Herr Bolsonaro tut).
    Keinesfalls sollte man illusionäre Luftblasen aufpusten wie: “Wer weiß! Vielleicht irrt sich ja die Wissenschaft! Die ist sich ja gar nicht einig!” oder: “in 10 Jahren beherrschen wir bestimmt, was wir jetzt noch nicht beherrschen!” Sondern man sollte sich in der Restgesellschaft an die “wissenschafgltiche Orthodoxie”, wie Sie es ausdrücken, halten. Woran denn sonst. Auch diese Orthodoxie ändert sich je nach Beweis- und Erkenntnislage ständig – Einstein hat Newton abgelöst – , aber das geht eben nicht so schnell. Erst wenn die innerwissenschafltichen Sichtungen und Diskussionen stattgefunden haben. Das ist auch gut so.

    Noch eine Bemerkung zu den Grünen: Ihre Vermutung, bei den Grünen würden sich besonders viele Homöopathie-Anhänger befinden, lässt sich zumindest indirekt widerlegen – es gibt Zahlen zu den Impfgegnern, und Sie stellen ja den Zusammenhang selber her. “Laut Politbarometer ist die Bereitschaft zum Impfen bei Wählern der Union (80 Prozent), der Grünen (77) und der SPD (76) am höchsten. Deutlich geringer ist sie bei Anhängern der FDP (58) und der Linken (55), am geringsten bei denen der AfD (32).”
    https://www.tagesspiegel.de/politik/die-afd-liegt-vorn-ist-aber-nicht-allein-wo-die-deutschen-impfgegner-ideologisch-einzuordnen-sind/26821290.html

    Hier scheinen Sie also einem Vorurteil aufgesessen zu sein.

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      Homöopathie-Anhängerinnen lassen sich schon gegen Corona impfen. Ich sprach explizit von kindlichen Impfungen gegen Masern usw. Lesen Sie hier:
      https://www.xn--kinderhomopathie-uwb.ch/angebot/masern/
      Und wohlgemerkt: hier wird “wissenschaftlich”, also evidenzbasiert, argumentiert.
      Damit will ich sagen, wie KJN, Monika Frommel und andere argumentiert haben, dass die Vorstellung, man könne direkt von “der” Wissenschaft auf die Politik oder die Lebenpraxis schließen, irrig ist.
      Dennoch: Weitgehend d’accord.

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        Bei der Homöopathie haben Sie recht, es gibt wohl tatsächlich überproportional viele Anhänger unter den Grünen. Nun muss man sich entscheiden: Wählt man die Grünen nicht, weil sie so viele Esoteriker bedient, oder wählt man sie nicht, weil die Grünen ein autoritäre Wissenschaftskonzept verfolgen. Beides zugleich geht aber nicht, das ergäbe einen Widerspruch.

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        Beides zugleich geht hervorragend und oberflächlich widerspruchsfrei :-).

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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      Also bei den anderen Beiträgen hier wird für mich nur eines klar: Wie sehr doch die demokratische Wahl etwas Emotionales, Gefühlsmäßiges, Irrationales ist. Alle glauben, sie würden verstandesmäßig wählen, aber sie sind meilenweit davon entfernt. Wahrscheinlich war das schon immer so (früher wurde zwischen den Anhängern von SPD und CDU – “die Sozen!” vs. “die Schwarzen!”) mit genauso tief wurzelnder Abneigung agitiert).

      Und auch Sie werden auch dieses Mal wieder genug Gründe finden, trotz erstaunlicher Übereinstimmungen zum Wahlprogramm abermals nicht die Grünen zu wählen. Einen Grund haben Sie ja schon genannt: Sie haben Angst, einer autoritären Wissenschafts-Orthodoxie zum Opfer zu fallen – trotz der Homöopathie und der allgemeinen Schlampigkeit unter Grünen, was dieser Angst ja die Grundlage entziehen müsste.)

      Verstehen Sie mich nicht falsch – weder finde ich das schlecht (es gehört zum Wesen der Demokratie) noch nehme ich mich davon aus. Ich habe noch nie die CDU gewählt (und habe das auch diesmal nicht vor).

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        …z.B. diese ganzseitige Werbeanzeige, die Frau Baerbock als Moses mit Gesetzestafeln zeigt. Gesetze machen ist die originäre Aufgabe der Exekutive. Machen die politischen Gegner der Grünen etwas anderes als Gesetze? Oder weniger Gesetze? Ich habe selten so eine unsinnige Kampagne gesehen. Was soll man dazu sagen: Es ist Wahljahr, die Neuronen spielen verrückt, alle bekommen Angst vor dem grünen Gespenst. Eerst sieht es ganz verlockend aus, vielleicht gibt es ja mal eine Alternative zur Großen Koalition, aber dann sehen die Umfragen zu gut aus, und je näher es rückt, desto ängstlicher werden die Leut.

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        Vermutlich. Mein Misstrauen gegen die Grünen sitzt tief, auch wenn ich in ihren Reihen viele Freunde habe. Ich schwanke noch zwischen CDU (keine Experimente, Stärkung der Mitte gegen die AfD), der FDP (wirtschaftliche Vernunft) und, ja den Grünen (wegen der klaren Haltung zu Russland, und weil Klimapolitik nicht halbherzig betrieben werden sollte).

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        Das Spiel geht so: Zuerst geben Welt und Bild (nicht nur die, aber da hab ich ein Abo und kann alle Artikel lesen) gute Tipps, wie aus den Grünen eine bürgerliche Partei wird. Die Grünen beeilen sich, dem zu entsprechen. Dann fegt einer der übelsten Shit Storms des Jahres über Baerbock, inclusive der INSM (Moses). Man kann getrost davon ausgehen, dass die Pappenheimer sich sehr gut kennen. Nach einer Woche Dauerfeuer dann der Headliner in Bild: So will Putin Baerbock verhindern.

        Etwas ähnlich hat der Spiegel (nicht nur der) mit Steinbrück 2013 gemacht. Über Monate wurde Steinbrück als Kanzlerkandidat der SPD hochgeschrieben. Bloß kein anderer, sonst verliert man die Mitte und ist vielleicht Kommunist. Am Tag nach seiner Nominierung waren sich vom Spiegel bis Welt alle einig, dass er nicht Kanzler kann und Merkel eigentlich alternativlos ist.

        Oder Wolfgang Clement. Zuerst ruft er auf, die SPD in Hessen wegen Ypsilanti nicht zu wählen. Die Presse (es sind immer die gleichen) jubelt, was für ein harter und aufrichtiger Kerl er ist und die SPD wagt kein Parteiausschluss verfahren, was bei Aufrufen andere Parteien zu wählen, eigentlich recht schnell geht. Man will ja nicht die Mitte verlieren. Clement wechselt dann zur FDP und die CDU regiert seit über 20 Jahren in Hessen.

        So emotional kommt mir das gar nicht vor.

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        Mir scheinen Ihre Beispiele zu belegen, dass es in allen von Ihnen genannten Fällen keine Kampagne gab. Ich war lange Chef der Meinungsseiten bei WELT und dann WamS. In dieser ganzen Zeit wurde nie ausgegeben, dass man einen bestimmten Politiker loswerden oder eine bestimmte Sache durchsetzen wolle. Nie. Die politischen Marotten wechselten mit den Chefredakteuren.

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        Karma. Heute in der Welt ein Interview mit Gesamtmetall-Präsident Stefan Wolf. Der Verein hinter der INSM. Er beweint die Abhängigkeit der deutschen Wirtschaft von asiatischen Zulieferern und fordert mehr unternehmerische Freiheit – und erwähnt mit keinem Wort, dass sein Verein über ein Jahrzehnt Kampagnen gefahren hat, sich eben im Namen der unternehmerischen Freiheit von asiatischen Zulieferern abhängig zu machen. Was kümmert das Geschwätz von gestern. Damit steht er ja nicht alleine, und das geht in Ordnung – Dinge ändern sich und damit sollten auch Meinungen sich ändern. Was sich nicht ändert, ist das hier:
        „Ein großer Teil der Grünen ist sozialistisch geprägt. Das Parteiprogramm ist leider Sozialismus pur. Sozialistisch regierte Länder sind wirtschaftlich aber noch nie erfolgreich gewesen. Die Bürger müssen sich zudem fragen, ob sie in einem Land leben wollen, in dem der Staat eine immer größere Rolle beansprucht und das Leben bestimmt wird durch Regelungen und Verbote, die die Freiheit immer weiter einschränken. Das ist die Gretchenfrage, um die es bei dieser Bundestagswahl geht.“
        Die sogenannte Mitte ist nicht weniger radikal oder extremistisch als die politischen Ränder. Es gibt keine „Kompromisse“. Wenn wir follow the science machen, dann würden vielleicht ein paar Untersuchungen zu deren Radikalisierung und Diskursunfähigkeit nicht schaden. Wir können aber auch alles auf Putin schieben. Oder, wie im Fall von Frau Emcke, alles auf Rechte. Die Gefahr für die Demokratie geht nicht von der Antifa oder dem Antaios Verlag aus, sondern von einem wildgewordenen Bürgertum.

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        D’accord, bis auf “nicht …, sondern.” Leider gibt es hier allzu viele Akteure. Übrigens sind Antifa und Antaios auch nur wildgewordene Bürger. Jedenfalls habe ich dort nie einen Dreher, Betriebselektriker, Mechatroniker oder Landwirt angetroffen.

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        “Die sogenannte Mitte ist nicht weniger radikal oder extremistisch als die politischen Ränder.”

        Falsch. Und darüber hinaus gefährlich falsch!

        Üblicherweise will die Mitte nicht, dass jemand wegen eines dummen Spruches entlassen, wegen eines unbelegten Vorwurfes gerichtlich betraft oder wegen einer unpassenden Meinung zusammengeschlagen wird. Und üblicherweise akzeptiert die Mitte die grundlegende Spielregel jeder Demokratie: Wer in freien Wahlen für oder gegen etwas eine (parlamentarische) Mehrheit mobilisieren kann, ist legitimiert, diese Entscheidung durchzusetzen. DAS – und nicht die (Ir)Rationalität ihrer Meinungen – unterscheidet die Mitte von den Rändern.

        Um das konkret zu machen: Meine Gegnerschaft gegen Masseneinwanderung ist nicht weniger radikal als die von Rechtsradikalen. Einziger, aber entscheidender, Unterschied – ich akzeptiere, dass eine klare Mehrheit in Bewvölkerung und Parlamaneten das anders entschieden hat.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

      8. avatar

        Was Sie meinen, lieber T.H., ist wohl, dass Sie radikal sind, aber nicht extremistisch.

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        Habe ich auch gelesen, Stevanovic, und musste schlucken.. Wer hat sich den um den Verstand verdient mit seinem Outsourcing nach Fernost..

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        An Kampagnen im Sinne orchestrierter Aktionen von Seiten der Medien glaube ich auch nicht. Oder andersherum, ich glaube Ihnen. Und noch ein paar anderen. Ich mag das ausgelutschte Wort strukturell nicht, aber wenn Versuchsaufbauten in verschiedenen, voneinander unabhängigen Medien die gleichen Ergebnisse liefern, dann wäre vielleicht Spirale, Teufelskreis oder eine sich verselbstständigende Dynamik bessere Ausdrücke als Kampagne. Wobei, Kampagne hat sich auf Gesamtmetall bezogen, das ist aber auch deren Job als Interessenvertretung. Mich hat befremdet/enttäuscht, dass der Gesprächspartner der WELT ihn nicht darauf angesprochen hat, ob in Zusammenhang mit den Grünen der Begriff Sozialismus (eine gedankenlose Polarisierung für die Pointe) wirklich die passende Wortwahl ist. So war das kein Interview, es war eine Verlautbarung von Gesamtmetall. Wenn der Mob sich in den Kommentarspalten austobt (zB meine Bezeichnung für Johnson als Protofaschisten) ist es das eine. Wenn öffentliche Personen (Gesamtmetall ist nicht irgendwer) in auflagenstarken Zeitungen so unwidersprochen loslegen, dann erodiert etwas, zumindest wird nichts dadurch besser. Insofern war der Interviewer der Welt um keinen Deut besser als die Grünen, die den Gedankenkaskaden von Frau Emcke nicht widersprochen haben. Just my 2 cents.

  6. avatar

    “aber eine solche Orthodoxie im Namen der Aufklärung macht mir Angst und sollte den Grünen, wenn sie, wie Robert Habeck sagte, eine Partei der Freiheit sein wollen, auch Angst machen.”

    So funktioniert das aber nicht :-). Es ist eine Menschheitskonstante, dass diejenigen, die sich in der hegemonialen Stellung entweder glauben oder sie tatsächlich besetzen, versuchen, diese mit Be- und Verhinderung von Kritik zu zementieren. Das gilt für alle politischen Richtungen und Parteien aller Zeitalter und Kontinente, ist völlig unabhängig von der behaupteten Ideologie und ebenso unabhängig von der Existenz oder Nichtexistenz einer kritischen Öffentlichkeit.

    Und das ausgerechnet die GRÜNEN – mit ihrer jahrzehntelangen Technikfeindlichkeit, Genpanik, Medizinesoterik und Landwirtschaftsdemeterei – eine Wissenschaftspartei sei, nun, für die Behauprung braucht man einen Risenhaufen Realitätsverdrängung oder einene ebenso grossen an blankem Machtzynismus.

    Vor dem Hintergrund werden die völlig richtigen Freiheitsargumente zu einer Nischendiskussion in der sehr kleinen Gruppe von Menschen, die um die Mechanismen und Paradoxien menschlichen Wissensfortschrittes wissen … wollen.

    Gruss,
    Thorsten Haupts

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    Ja, das ist in der Tat der beunruhigende, totalitäre Ansatz:
    „Die Vorstellung, „Unsinn“ – gemeint ist vor allem wohl: naturwissenschaftlich angeblich oder wirklich unhaltbare Ansichten – gehörten aus der Öffentlichkeit gebannt, grenzt doch stark an die Forderung nach einer Wissenschaftsdiktatur. Wer allerdings entscheidet, was wissenschaftlich ist und was nicht, das verriet Emcke nicht.“
    Wenn Sie jetzt noch die die historisch belegbare Tatsache hinzu nehmen, dass ‚97% aller Wissenschaftler‘ sich in Ermangelung weiterer Erkenntnisse bereits schon öfter bzw. regelmäßig über ein Thema geirrt haben und eine solche Aussage an sich schon fragwürdig ist, wenn nicht quantifiziert wird, welche Auswirkungen der so prinzipiell für möglich gehaltene ‚menschengemachte’ Klimawandel (also der aus fossilem CO2) wirklich messbar hat, dann wäre ich wirklich völlig einverstanden mit Ihrer Einlassung.
    Die Instrumentalisierung des Holocaust für die eigene Inszenierung als Opfer – ob jetzt mit ‚dann nicht‘ oder als ‚nicht mehr‘ scheint ja biodeutsche Folklore zu werden, was einer tatsächlichen psychologischen Aufarbeitung, die m.E. uns allen helfen würde, entgegensteht, aber diese Chance erscheint mir nicht zuletzt dadurch mehr und mehr für immer vertan zu werden.
    Ansonsten müsste man sich mal über den Begriff ‚Fakten’ um die „gerungen“ wird einig werden und da bin ich zugegebenermaßen ein wenig pingelig, habe aber Gründe dafür:
    Ich vermute, dass unter einem ‚Faktum‘ landläufig so etwas, wie eine wahre Aussage aufgrund von (Mess-)Daten oder Beobachtungen verstanden wird. Mal abgesehen davon, dass Messwerte stets mit Unsicherheiten behaftet sind und Beobachtungen subjektiv selektiv sein können gibt es jedoch ‚wahre‘ und ‚falsche‘ Aussagen nur in der Mathematik und der Religion. Die Physik kommt diesem Bemühen um die ‚wahre’ Aussage mit dem verifizierbaren, reproduzierbaren Experiment, das zuverlässige Prognosen zulässt, schon recht nahe, aber bei der Geologie und der Klimawissenschaft gelten solche Prognosen eigentlich als unwissenschaftlich bzw. haben den Status von Thesen.Vor allem wenn man sich noch nicht mal um tatsächlich ja mögliche Experimente in den sog. Biosphären
    https://de.m.wikipedia.org/wiki/Biosphäre_2
    bemüht und das tatsächliche (Lockdown-)Experiment bewusst fehldeutet (wir hatten das ja hier).
    Der Begriff ‚Aufklärung‘ wird durch die ‚grünen‘ Parteiprogrammatiker natürlich missbraucht, was Sie ja anhand des inkonsequenten Umgangs mit dem Phänomen ‚Homöopathie‘ schlüssig dargestellt haben. Ansonsten wird ‚Die Linke‘ gut daran tun, Sahra Wagenknecht zu folgen und sich von einer links-grünen ‚Lifestyle-Ökologie‘ abwenden, wie sie es schon bei der Homöopathie tut, wie Sie schildern. Spätestens jedoch bei Gerechtigkeitsdebatten um den Benzinpreis und der folgenden Inflation.

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      Wie gesagt, KJN, ich habe Emcke nie “die Instrumentalisierung des Holocaust für die eigene Inszenierung als Opfer” vorgeworfen, und wenn das jemand anders getan hat, so irrt er.
      Ich denke allerdings, Ihre Wissenschaftsskepsis geht zu weit. Das hatten wir immer wieder. Und sie ist auch sehr selektiv. Sie würden mir vermutlich zustimmen, dass die Homöopathie unwissenschaftlich ist. Ich gehe stark davon aus, dass Sie eher auf der Seite der Biologen sind, die einen hohen Anteil angeborener Eigenschaften unterstellen. Vermutlich halten Sie die Gentechnik (der wir die MRNA-Impfstoffe verdanken) für eine sinnvolle Sache und die Atomkraft für beherrschbar. Nur beim Klimawandel werden Sie grundsätzlich. Anstatt nachzuweisen, dass und warum die meisten Klimawissenschaftler mit ihren Modellen und Prognosen falsch liegen, argumentieren Sie allgemein mit der Ungenauigkeit der Wissenschaft. Das finde ich merkwürdig.
      Ich empfehle Toralf Staudts Buch “Deutschland 2050”, in dem nicht Forscher, sondern Praktiker zu Wort kommen und die bereits jetzt sichtbaren Folgen des Klimawandels beschreiben.

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        Also hier vor meiner Haustür haben sie den Wald gerodet, versiegelt, betoniert und riesige Windräder draufgesetzt. Früher war das ein kühler, idyllischer Märchenwald, jetzt ist es dort so heiß und kahl wie in der Wüste Gobi.
        Den Leuten einzureden, das sei gut für die Umwelt, nennt man wohl Gaslighting, also man treibt die Leute in den Wahnsinn.
        Der Sozibürgermeister und seine Freunde von den anderen Blockparteien werden immer wieder gewählt, also der Wahnsinn ist erfolgreich eingetrieben;)

      2. avatar

        Für Leute, die jetzt Naturvernichtung durch Windräder beklagen, aber die gesamte vorherige durch Strassen, Kraftwerke, Fabriken, Flussbegradigungen, Städte und Parkplätze nie bemerkt haben, jahrhundertelang, hab ich ja ne ganz eigene Meinung. Die erspare ich den Foristen wegen Netiquette.

        Gruss,
        Thorsten Haupts

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        Bei mir vor der Haustür gibt es keinen Flüße und Kraftwerke, aber viel Märchenwald. Dieser hat alles überstanden, Napoleon und Weltkriege. Aber den grünen Wahn, den hat er nicht überlebt. Wer das Umweltschutz nennt, der ist wahnsinnig.

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