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150 Jahre „Das Kapital I.“ – 199 Jahre Karl Marx (3)

Im zweiten Teil waren wir bis zum Geld gekommen, ohne dieses zu konkretisieren. Im folgenden wird aus verschiedenen Stufen der Ausarbeitung der Darstellung zitiert, sofern es um gleiche Auffassungen handelt. Vorab ein Überblick über die Entwicklung des Kapitel über das Geld.

Marx hatte beim Überarbeiten seiner Kritik der Politischen Ökonomie einen regen Briefwechsel, wobei Engels ihn – nachträglich kann man sagen leider – zu Popularisierungen für nicht-dialektische Leser verleitete. Es geht um das Geldrätsel. Gerade dieses Kapitel unterscheidet sich in ihren unterschiedlichen (fünf) Entwicklungsstufen bzw. Umarbeitungen des Werks:

a) Das Kapitel vom Geld in den „Grundrissen zur Kritik der Politischen Ökonomie“[Grundrisse 1953 oder MEW 42] (Okt.1857-58)

b) Urtext „Zur Kritik der Politischen Ökonomie“ (Aug.-Nov 1858)

c) „Zur Kritik der Politischen Ökonomie (erschienen bei Dunker 1859)

d) Das Kapital 1. Auflage (1867)

e) Das Kapital 2. Auflage [MEW 23] (Dezember 1871- April 1873)

Engels schrieb an Marx 16. Juni 1867 anläßlich der Veränderung von d zu e:

„Diesen Teil hättest Du behandeln sollen in der Art, wie die Hegelsche Enzyklopädie, mit kurzen Paragraphen, jeden dialektischen Übergang durch besondre Überschrift hervorgehoben und womöglich alle Exkurse und bloßen Illustrationen mit besondrer Schrift gedruckt. Das Ding würde etwas schulmeisterlich ausgesehen haben, das Verständnis für eine sehr große Klasse Leser aber wesentlich erleichtert worden sein. Der populus, selbst der gelehrte, ist eben an diese Art zu denken gar nicht mehr gewöhnt, und man muß ihnen da jede mögliche Erleichterung zukommen lassen.“

Marx an Engels 22. Juni 1867

„Was die Entwicklung der Wertform betrifft, so habe ich Deinen Rat befolgt und nicht befolgt, um mich auch in dieser Hinsicht dialektisch zu verhalten. D.h., ich habe 1.einen Anhang geschrieben, worin ich dieselbe Sache so einfach als möglich und so schulmeisterlich als möglich darstelle, und 2. nach Deinem Rat jeden Fortschrittssatz in §§etc., mit eignen Überschriften eingeteilt. In der Vorrede sage ich dann dem „nichtdialektischen“ Leser, daß er Seite x-y überschlagen und statt dessen den Anhang lesen soll. Es handelt sich hier nicht nur um Philister, sondern um die wissenslustige Jugend usw. Außerdem ist die Sache zu entscheidend für das ganze Buch.“

Und dann kommt eine Bemerkung zum Geldrätsel, um das wir uns jetzt kümmern wollen.

„Die Herrn Ökonomen haben bisher das höchst Einfache übersehn, daß die Form: 20 Ellen Leinwand = 1 Rock nur die unentwickelte Basis von 20 Ellen Leinwand = 2 Pfd. St., daß also die einfachste Warenform, worin ihr Wert noch nicht als Verhältnis zu allen andern Waren, sondern nur als Unterschiednes von ihrer eignen Naturalform ausgedrückt ist, das ganze Geheimnis der Geldform und damit, in nuce, aller bürgerlichen Formen des Arbeitsprodukts enthält. Die Schwierigkeit der Entwicklung habe ich in der ersten Darstellung (Duncker) dadurch vermieden, daß ich die eigentliche Analyse des Wertausdrucks erst gebe, sobald er entwickelt, als Geldausdruck, erscheint.“

Der Geldausdruck entspricht – unter bestimmten Bedingungen – der allgemeinen Äquivalentform. Die anfängliche Entwicklung des Geldes als Maß, eine logische Genesis oder Entwicklung haben wir im zweiten Teil bereits abgehandelt. Der Wert der Ware(n), die in der relativen Wertform steht/en, wird als relativer Wert dargestellt, der sich ausdrückt oder symbolisiert, repräsentiert wird in der Äquivalentform. Marx verwendet hier die Reflexionsbestimmung des dialektischen Widerspruchs:

„Relative Wertform und Äquivalentform sind zueinander gehörige, sich wechselseitig bedingende, unzertrennliche Momente, aber zugleich einander ausschließende oder entgegengesetzte Extreme, d.h. Pole desselben Wertausdrucks; sie verteilen sich stets auf die verschiedenen Waren, die der Wertausdruck aufeinander bezieht.“(MEW 23, 63)

Jeder relativer Wert einerWare ist demnach durchaus etwas gegenüber anderen Waren in Äquivalentform Eigenständiges: als Extreme, die sich ausschließen, sind beide allerdings nur existent, sofern die Unabhängigkeit voneinander ebenso existiert. Widerspruch ist Identität von Identität und Nichtidentität. Die relative Wertform ist das aktive Moment, weil der Wert, der in ihr steht, sich auf die andere Ware als Äquivalentform bezieht, während die andere das passive Moment darstellt, weil der Wert sich in ihr ausgedrückt, symbolisiert wird. Sie gilt als Träger des Werts der anderen Ware. Marx hat durch die Umkehrbarkeit des Äquivalenz Beziehung die allgemeine Äquivalenzform entwickelt, in der sich alle Waren des Warenkosmos darstellen können. Wird diese sozusagen zum Privileg eines bestimmten Materials, wie das Metall, so wird die allgemeine Äquivalentform zur Geldform:

„Dem Entwicklungsgrad der relativen Wertform entspricht der Entwicklungsgrad der Äquivalentform. Aber, und dies ist wohl zu merken, die Entwicklung der Äquivalentform ist nur Ausdruck und Resultat der Entwicklung der relativen Wertform.

Die einfache oder vereinzelte relative Wertform einer Ware macht eine andre Ware zum einzelnen Äquivalent. Die entfaltete Form des relativen Werts, dieser Ausdruck des Werts einer Ware in allen andren Waren, prägt ihnen die Form verschiedenartiger besonderer Äquivalente auf. Endlich erhält eine besondre Warenart die allgemeine Äquivalentform, weil alle andren Waren sie zum Material ihrer einheitlichen, allgemeinen Wertform machen.“(…)

„Die allgemeine Äquivalentform ist eine Form des Werts überhaupt. Sie kann also jeder Ware zukommen. Andrerseits befindet sich eine Ware nur in allgemeiner Äquivalentform (Form III), weil und sofern sie durch alle andren Waren als Äquivalent ausgeschlossen wird. Und erst vom Augenblick, wo diese Ausschließung sich endgültig auf eine spezifische Warenart beschränkt, hat die einheitliche relative Wertform der Waren weit objektive Festigkeit und allgemein gesellschaftliche Gültigkeit gewonnen.

Die spezifische Warenart nun, mit deren Naturalform die Äquivalentform gesellschaftlich verwächst, wird zur Geldware oder funktioniert als Geld. Es wird ihre spezifisch gesellschaftliche Funktion, und daher ihr gesellschaftliches Monopol, innerhalb der Warenwelt die Rolle des allgemeinen Äquivalents zu spielen.“(MEW 23, 81ff)

Da spielt nun ein historisches Moment eine Rolle, logisch können nur die Bedingungen angegeben werden, die ideal sind für den Geldausdruck. Dies waren Metalle wie Gold oder Silber, weil man sie beliebig teilen kann und mit der Waage ermitteln kann, wieviel sie wiegen. Geldnamen wie Pfund in Groß Britannien tragen das ja selbst im Namen.

Wie alle Waren hat das Gold einen Wert, der der durchschnittlichen Zeit zu ihrer Herstellung entspricht. Ist das Material z.B. einfacher zu reproduzieren, etwa wegen Goldfunde oder Entwicklung der Technologie, ändern sich auch die Austauschverhältnisse. Die Ware oder das Geld in Äquivalentform repräsentiert die Gesellschaftlichkeit, ideellen Wert, bleibt aber hier noch ein realer Wert. Dieser kann aber selber repräsentiert werden, etwa als Zeichengeld, wie noch die Grundrisse das ausdrückten. Geld ist aber dadurch nicht Symbol, wie die nominalistische Theorie meint, wie Marx es später explizit verwirft (MEW 13, S. 34). Es geht darum, daß Geld nicht in einem Urteil definiert werden kann, sondern durch eine Menge von Funktionen, die Marx übernommen hat von sich ausschließenden Theorien seiner Zeit. Die Konventionstheorien von Thomas von Aquin, Oresme und Buridan, können so auch bezogen werden auf den Metallismus und anderen Warentheorien des Geldes und späteren nominalistischen Theorien.

Der Tauschwert wird selber zu einer besonderen Ware:

„Daraus, daß die Ware zum allgemeinen Tauschwert (wird), geht hervor, daß der Tauschwert zu einer besondren Ware wird: Er kann dies nur, indem eine besondre Ware allen andren gegenüber das Privilegium erhält, ihren Tauschwert zu repräsentieren, zu symbolisieren; d. h. Geld zu werden. Daß der Geldeigenschaft aller Waren eine besondre Ware als Geldsubjekt erscheint — geht aus dem Wesen des Tauschwerts selbst hervor. Im Fortgang der Entwicklung kann der Tauschwert des Geldes wieder eine von seiner Materie, seiner Substanz, getrennte Existenz erhalten, wie im Papiergeld, ohne indes das Privilegium dieser besondren Ware aufzuheben, indem die besonderte Existenz ihre Denomination von der besondren Ware zu erhalten fortfahren muß.“(Grundrisse 1953, 84 = MEW 42, 100)

Das Kapitel vom Geld gliedert sich in drei Funktionsbestimmungen

  1. Geld als Maß

  2. Geld als Zirkulationsmittel

  3. Geld als Geld

Die Gliederung ergibt sich daraus, daß die Aspekte der Qualität und Quantität nicht gleichbedeutend sind, ad 1 Qualität wichtig, Existenz und Quantität unwesentlich, ad 2 Quantität wichtig, Qualität gleichgültig, ad 3 Qualität und Quantität gleich wesentlich. Wir geben hier also erst einmal einen Überblick nach Maßgabe der expliziten Formulierungen, in der Marx die Methode noch nicht didaktisch zum Verschwinden gebracht hat. Fetischcharakter und Austauschprozeß kommt erst das nächste Mal dran, nachdem die Logik des Geldes im Kapitalismus dargelegt ist. Hierbei werden auch Bestimmungen, für die Marx noch kein empirisches Korrelat kennen konnte, wie die Loslösung des Weltgeldes vom Metall. Dies können zwar wirklich begriffen werden erst, wenn noch weitere Kategorien, die vorausgesetzt sind und deren entsprechende Praxis, etwa Zins, Bankkapital, dargestellt sind, aber in letzter Instanz wäre das Begreifen des Kapitals ein weltweiter kollektiver Akt, der das Kapital aufhebt, d.h. weder ein Staat (als politisches Verhältnis des Kapitals) noch Warenform, Geldform noch Kapitalform wären nötig. Das impliziert auch, daß die bewußtlose Praxis globaler Art, durch eine bewußte ersetzt wird. Eine in der Vorstellung einfache Sache, die aber schwer zu machen ist, so schwer, daß man davon ausgehen kann, daß sie bislang nirgendwo ausgearbeitet wurde, gar praktiziert wurde, wodurch auch der reale Schein entstand eines „Kapitalismus for ever“. Das Messen und die Allokation der Güter ist aber im Kapitalismus nichts, was bewußt geplant wird, sondern sich hinter dem Rücken der individuell planenden Wirtschaftsakteure geschieht. Wer (oder Was) dieses Messen und Verteilen organisiert, ist kein Mensch, gar Diktator, auch kein demokratischer Staat, sondern es ist das Geld, allerdings auf scheinhafte Weise, fetischistisch, d.h. es werden Dingen Eigenschaften übertragen, die sie unmöglich haben können, wodurch Gesetzmäßigkeiten entstehen, die niemand kontrolliert und wie der Zusammenbruch der staatskapitalistischen Gemeinwesen im Osten beweist, auch nicht kontrollieren könnten. Selbst, die sich Kommunisten nannten oder nennen, konnten im Grunde Marx nicht lesen und selbst dies ist letztlich aus der Verdinglichung der Verhältnisse herleitbar. Wo es historisch möglich wird, fehlt allerdings global der Wille und entsprechendes daraus gebildetes Wissen, um eine globale Änderung. Die Kommunisten waren ja so eine Art Trump, der ja auch alles für leicht machbar hält, den Willen hat, alles gut zu machen und nicht so leicht aufgibt, aber eben an den in globaler Kollektivität relativ scheitert.

1. Geld als Maß

Der „Begriff des Preises“, so Marx, „vor dem der Zirkulation zu entwickeln“, weil die Zirkulation die Realisation der Preise ist. Die Funktion des Maßes ist daher auch vor dem der Zirkulation zu entwickeln. Wir haben es erst einmal mit der ideellen Verwandlung der Ware in Geld zu tun.

„Geld oder in der Setzung der Waren als Preise die Quantität des reell vorhandnen Geldes durchaus gleichgültig ist in doppelter Beziehung: Erstens: Die ideelle Verwandlung der Waren in Geld ist prima facie6 unabhängig von und unbeschränkt durch die Masse des reellen Geldes. Kein einziges Geldstück ist zu diesem Prozeß nötig, sowenig wie ein Längenmaß (sage Elle) reell angewandt zu werden braucht, um etwa den Erdäquator in Ellen auszudrücken.“(Grundrisse 1953, 106, MEW 42, 122)

„Als Maß betrachtet, ist die materielle Substanz des Geldes wesentlich, obgleich sein Vorhandensein und näher Quantität, die Anzahl, worin die Portion Gold oder Silber, die als Einheit dient, durchaus gleichgültig für es in dieser Bestimmung ist und es überhaupt nur als vorgestellte, nicht existierende Einheit gebraucht wird. Als was es vorhanden sein muß in dieser Bestimmung, ist als Einheit und nicht als Anzahl.“(Grundrisse 1953, 117, MEW 42, 133)

Die Maßeinheit ist hier also qualitativ bestimmtes Quantum, Geld als Maß ist Einheit von Qualität und Quantität, wobei die Qualität des wesentliche, die Quantität das unwesentliche, verschwindende ist.

Geld als Maß ist, wie wir schon sehen, auch Maßstab der Preise. Daher können wir hier schon einmal den Unterschied von Wert und Preis herleiten. Wenn wir im Supermarkt einkaufen, wissen wir, wieviel wir zu zahlen haben, indem wir die Preisschilder im Regal oder der Ware ablesen, ohne darüber nachzudenken, was einen Preis vom Wert unterscheidet. Der Preis repräsentiert ideelle Gesellschaftlichkeit. Was so alles in die Bildung der Preise eingeht, die der Unternehmer kalkuliert, ist eine Vielfalt von Momenten, die vorausgesetzt sind, aber nicht bewußt sind: z.B. durch Beobachtung der Preise der Konkurrenten, Lesen des Wirtschaftsteils der Zeitungen, lange Erfahrung; oder es drohte bereits der Konkurs, weil die Preise falsch kalkuliert wurden, weil es so etwas wie vollständige Information über Markt und Konsumenten niemals gegeben ist einerseits, andererseits weil die Nachfrage begrenzt ist durch das Einkommen aus den unterschiedlichen Einkommensklassen (die im Kampf stehen, was dann auch erklärt, warum das mal Klassenkampf hieß oder noch heißt). Letzteres erklärt auch, wie wir noch sehen werden, die Krisen, die eintreten, wenn das Angebot an Waren: Lebensmittel und dann Produktionsmittel höher ist, als die Konsumenten zahlungsfähig nachfragen können. Wir werden das gleich in Kurzform lesen, wo der Keim von krisenhaften Situationen liegt. Auch komplizierte Phänomene wie Inflation verdanken sich z.B. der Unterscheidung von Wert und Preis, die sich aus der Notwendigkeit ökonomischer Praxis ergibt. Wir werden sehen, wenn wir den Fetischismus der Ware behandeln, daß es um ein „wir wissen es nicht, aber wir tun es“ sich handelt.

„Der Unterschied zwischen Preis und Wert, zwischen der Ware, gemessen durch die Arbeitszeit, deren Produkt sie ist, und dem Produkt der Arbeitszeit, gegen die [sie] sich austauscht, dieser Unterschied erheischt eine dritte Ware als Maß, worin sich der wirkliche Tauschwert der Ware ausdrückt. Weil der Preis nicht gleich dem Wert ist, kann das wertbestimmende Element – die Arbeitszeit – nicht das Element sein, worin die Preise ausgedrückt werden, weil die Arbeitszeit sich zugleich als das bestimmende und das nichtbestimmende, als das gleiche und ungleiche ihrer selbst auszudrücken hätte. Weil die Arbeitszeit als Wertmaß nur ideal existiert, kann sie nicht als Materie der Vergleichung der Preise dienen. (Hier zugleich geht Licht auf , wie und warum das Wertverhältnis im Geld eine materielle und besonderte Existenz erhält…) Der Unterschied von Preis und Wert erheischt, daß die Werte als Preise an einem andren Maßstab als ihrem eignen gemessen werden. Preis im Unterschied vom Wert ist notwendig Geldpreis. Hier erscheint, daß der nominelle Unterschied zwischen Preis und Wert durch ihren realen bedingt ist.“(Grundrisse 1953 S. 58f, MEW 42 S. 75)

Wenn das Gold durch andere Bestimmungen als das Gewicht und Herstellung bestimmt ist, so haben wir es mit der „Trennung des Geldnamens der Metallgewichte“ zu tun, die einerseits konventionell ist, aber allgemeiner Gültigkeit bedarf, daher wird hier der Staat wichtig, indem er das gesetzlich reguliert (MEW 23, 115). Hierbei ändert sich dann der Name, der der Sache äußerlich ist. Ob wir es Mark oder Euro nennen, die ja ohnehin eine feste Umtauschregel haben, ist Wurst.

Daß die Abweichung von Wert und Preis notwendig ist, es auch keine Möglichkeit gibt, eine Transformationsregel aufzustellen, was manche als Problem der Mathematik behandelten, liegt an der Preisform selbst. Zwar drückt die Wertgröße ein „notwendiges, ihrem Bildungsprozeß immanentes Verhältnis aus“, aber das sieht man den Waren gerade nicht an. Die abstrakten Zeitbestimmungen, von abgeschrieben Produktionsmittel, Arbeitsmaterial und Arbeit, treten ja nicht als Erscheinung an einer einzelnen Ware auf, die sie verkörpert.

„Die Wertgröße der·Ware drückt (…) ein notwendiges, ihrem Bildungsprozeß immanentes Verhältnis zur gesellschaftlichen Arbeitszeit aus. Mit der Verwandlung der Wertgröße in Preis erscheint dies notwendige Verhältnis als Austauschverhältnis einer Ware mit der außer ihr existierenden Geldware. In diesem Verhältnis. kann sich aber ebensowohl die Wertgröße der Ware ausdrücken, als das Mehr oder Minder, worin sie unter gegebnen Umständen veräußerlich ist. Die Möglichkeit quantitativer Inkongruenz zwischen Preis und Wertgröße, oder der Abweichung des Preises von der Wertgröße, liegt also in der Preisform selbst. Es ist dies kein Mangel dieser Form, sondern macht sie umgekehrt zur adäquaten Fo;rm einer Produktions weise, worin sich die Regel nur als blindwirkendes Durchschnittsgesetz der Regellosigkeit durchsetzen kann.“(MEW 23, 117)

Gold kann als Maß der Werte nur dienen, weil es selbst Arbeitsprodukt ist, also Wert hat, eine Banknote hat es nicht, ginge man in ein Land, wo niemand den Gebrauch dieses bunten Papiers kennt, würde jeder lachen, wenn man dafür etwas eintauschen will. Als Maß ist es nur vorgestelltes Gold. Das wird wichtig werden, wenn über Staatsgrenzen hinaus getauscht wird. Wenn die Währungsrelationen umstritten werden, weil der Goldfaden, der den Globus finanziell zusammenhält, gerissen ist, wird die Währung zum Objekt von Politik und deren Fortsetzung im Krieg.

„Um also praktisch die Wirkung eines Tauschwerts auszuüben, muß die Ware ihren natürlichen Leib abstreifen, sich aus nur vorgestelltem Gold in wirkliches Gold verwandeln“. „Im unsichtbaren Maß der Werte lauert das harte Geld.“(MEW 23, 117f)

Und hier finden wir bereits Hinweise, wie das heute aussieht. Marx setzte sich mit der Birminghamer Schule (z.B. Thomas Attwood) auseinander, die sich in ideale Maßstäbe verflüchtigten. [Solche und ähnliche Auseinandersetzungen wie die Curreny-Banking-Kontroverse finden wir schon bei Marx Kapital III V. Abschnitt (Currency-Theoretiker wollten vollständige Golddeckung, Banking-Theoretiker Konvertierbarkeit ohne Beschränkung der Notenausgabe. Wie ein Wechsel oder Scheck stellt für sie Geld ein Kreditmittel dar, was für die Anfangszeit des Geldes historisch etwas für sich hat Vgl. Ch. Türkce Mehr!. Philosophie des Geldes 23ff.)] Das wird aber bei Marx auch schon im Kapitel über das Geld als Maß in „Zur Kritik..“ antizipiert:

„Wenn Papier seine Denomination von Gold oder Silber erhält, bleibt die Konvertibilität der Note, d.h. ihre Umtauschbarkeit in Gold oder Silber, ökonomisches Gesetz, was immer das juristische Gesetz sagen mag. So wäre ein preußischer Papiertaler, obgleich gesetzlich inkonvertibel, sofort depreziiert, wenn er im gewöhnlichen Verkehr weniger als ein Silbertaler gälte, also nicht praktisch konvertibel wäre.“(MEW 13, 65f)

Gleichgültig, was der Staat tut, es setzt sich eine Gesetzmäßigkeit durch, die nicht durch Rechtsgesetz bestimmt ist und Politiker geben da ihre üblichen leeren Versprechungen ab, die ggf. dann zur Abwahl durch Wähler oder dem Herrscher führt. Die Geschichte der Zeit nach 1945 bezeugt es, man nahm so etwas wie die Banking-Position für den Dollar an, d.h. der Goldfaden war gerissen und man fand einen Kompromiß in Bretton Woods, Konvertierbarkeit des Dollars des Dollars. Am 15.8.1971 war allerdings dieses System (Bretton Woods) zusammengebrochen, faktisch war alledings der Dollar nicht in Gold konvertibel gewesen,nun auch de jure nicht mehr. Die Diskrepanz zwischen offiziellen Dollarpreis des Goldes und dem Preis auf dem freien Goldmarkt ist Ausdruck diesen Sachverhalts. Marx spricht hier aber nicht von Goldpreis, wenn Gold als (hier) Weltgeld fungiert, sondern von Denomination des Papiergeldes durch die Geldware.

Hier haben wir aber erst mal nur das Ansich des Geldes, Geld „dynamei on“, der realen Möglichkeit nach, das Geld muß sich ja noch in der Zirkulation, Im Gesamtsystem des gesellschaftlichen Produktionsprozeß manifestieren:

2. Geld als Zirkulationsmittel

„Nachdem die Ware im Prozeß der Preisgebung ihre zirkulationsfähige Form und das Gold seinen Geldcharakter erhalten hat, wird die Zirkulation die Widersprüche, die der Austauschprozeß der Waren einschloß, zugleich darstellen und lösen. Der wirkliche Austausch der Waren, d.h. der gesellschaftliche Stoffwechsel, geht vor in einem Formwechsel, worin sich die Doppelnatur der Ware als Gebrauchswert und Tauschwert entfaltet, ihr eigener Formwechsel sich aber zugleich in bestimmten Formen des Geldes kristallisiert. Die Darstellung dieses Formwechsels ist die Darstellung der Zirkulation. Wie wir sahen, daß die Ware nur entwickelter Tauschwert ist, wenn eine·Welt von Waren und damit tatsächlich entwickelte Teilung der Arbeit vorausgesetzt wird, so setzt die Zirkulation allseitige Austauschakte und den beständigen Fluß ihrer Erneuerung voraus.“(MEW 13, 69)

2.1 Die Austauschakte oder Metamorphosen der Waren

Die Formel „W-G“ symbolisiert die erste Metamorphose, den Verkauf: der Verkäufer gibt eine Ware und erhält Geld. „G-W“ drückt den Kauf aus, durch den die Ware das Ökonomische verläßt, als Ware endet und in den Verbrauch geht.

Es gibt nun zwei Möglichkeiten, „W-G-W“ (einfache Warenzirkulation, wo wir uns befinden) und G-W-G (Schatzbildung, Horten von Geld, „verrückter Kapitalismus“). Wir behandeln hier das erste.

„Die Gesamtmetamorphose einer Ware unterstellt, in ihrer einfachsten Form, vier Extreme und drei personae dramatis. Erst tritt der Ware das Geld als ihre Wert-Gestalt gegenüber, die jenseits, in fremder Tasche, sachlich harte Realität besitzt. So tritt dem Warenbesitzer ein Geldbesitzer gegenüber. Sobald die Ware nun in Geld verwandelt,·wird letztres zu ihrer verschwindenden Äquivalentform, deren Gebrauchswert oder Inhalt diesseits in andren Warenkörpern existiert. Als Endpunkt der ersten Warenwandlung ist das Geld zugleich Ausgangspunkt der zweiten. So wird der Verkäufer des ersten Akts Käufer im zweiten, wo ihm ein dritter Warenbesitzer als Verkäufer gegenübertritt.“(MEW 23, 125)

Die bloß ideelle Verwandlung einer Ware in Geld – der Preis – macht noch keine Ware zirkulieren, verwirklicht wird der Preis erst im Austausch gegen wirkliches Geld. Hier wird es wesentlich, daß der Käufer auch Geld in der richtigen Menge hat, gleichgültig, welche Qualität (Gold, Paierzettel usw) sie hat. Hier haben wir drei Faktoren:

„Die Gesamtsumme dieser Preise ist aber bestimmt erstens: durch diese der einzelnen Waren; zweitens: durch die Masse, die von Waren zu bestimmten Preisen in Zirkulation kömmt. (…) Also (ist alles) abhängend von der Höhe oder Niedrigkeit der Warenpreise und den Quanta der Waren von fixiertem Preis.

Drittens aber hängt die Quantität des zur Zirkulation erheischten Geldes nicht nur von der Gesamtsumme der zu realisierenden Preise ab, sondern von der Geschwindigkeit, mit der das Geld umläuft, das Geschäft dieser Realisation vollbringt. (…) Die Geschwindigkeit ist das negative Moment; sie ersetzt Quantität; durch sie vervielfacht sich ein Geldstück.“(Grundrisse S. 109, MEW 42, 125)

2.2 Umlauf des Geldes

Hier haben wir neben des Umlaufs von Waren, den des Geldes, die man um es anschaulicher zu machen, bevor wir den Text dazu in gekürzter Form präsentieren, in einer Gleichung fassen können.

Preissumme der Waren / Umlaufgeschwindigkeit = Geldmenge.

Die Fishersche Quantitätsgleichung hat eine gewisse Ähnlichkeit damit, drückt aber keine Kausalität aus, sondern ist eine reine Identitätslgleicht.

Handelsvolumen X Preisindex = /Umlaufgeschwindigkeit ) =Geldmenge

Den Unterschied zu diskutieren, müssen noch andre Voraussetzungen entwickelt werden. Dazu später, wenn Platz dafür ist.

Der Formwechsel, worin sich der Stoffwechselprozeß vollzieht „W-G-W“, ist Kreislauf nur in der Hinsicht, daß derselbe Wert der Ausgangspunkt ist, auch am Endpunkt auftaucht. Der Kreislauf des Geldes ist hierbei ausgeschlossen.

„Der Umlauf des Geldes zeigt beständige, eintönige·Wiederholung desselben Prozesses. Die Ware steht stets auf Seite des Verkäufers, das Geld stets auf Seite des Käufers, als Kauf mittel. Es funktioniert als·Kaufmittel,: indem es den Preis der Ware realisiert. Indem es ihn realisiert, überträgt es die Ware aus der Hand des Verkäufers in die Hand des Käufers, während es sich gleichzeitig aus. der Hand des Käufers in die des Verkäufers entfernt, um denselben Prozeß mit einer andren Ware zu wiederholen. Daß diese einseitige Form der Geldbewegung aus der doppelseitigen Formbewegung der Ware entspringt, ist verhüllt. Die Natur der Warenzirkulation selbst erzeugt den entgegengesetzten Schein. Die erste Metamorphose der Ware ist nicht nur als Bewegung des Geldes, sondern als ihre eigne Bewegung sichtbar, aber ihre zweite Metamorphose ist nur als Bewegung des Geldes sichtbar. In ihrer ersten Zirkulationshälfte wechselt die Ware den Platz mit dem Geld. Damit fällt zugleich ihre Gebrauchsgestalt. aus der Zirkulation heraus in·die Konsumtion. Ihre Wertgestalt oder Geldlarve tritt an ihre Stelle. Die zweite Zirkulationshälfte durchläuft sie nicht mehr in ihrer eignen Naturalhaut, sondern in ihrer Goldhaut.“(MEW 23, 129)

Waren und Geldzirkulation verbergen sich also gegenseitig und erzeugt jeweils den gegensätzlichen Schein, so daß beides auch zugleich betrachtet werden kann. Hier kann man die dialektische Verfahrensweise erkennen, alles in seiner Totalität zu betrachten:

Das Geld „entfernt die Waren beständig aus der Zirkulationssphäre, indem es beständig an ihre Zirkulationsstelle tritt und sich damit von seinem eignen Ausgangspunkt entfernt. Obgleich daher die Geldbewegung nur Ausdruck der Warenzirkulation, erscheint umgekehrt die Warenzirkulation nur als Resultat der Geldbewegung.“(MEW 23, 130)

Die Waren – so sie verkauft werden, was in den ersten Bänden des Kapitals erst einmal so gesetzt wird – fallen aus der Zirkulation heraus, wenn sie den Käufer erreicht haben:

„Jede Ware, bei ihrem ersten Schritt in die Zirkulation, bei ihrem ersten Formwechsel, fällt aus der Zirkulation heraus, in welche stets neue Ware eintritt. Das Geld dagegen als Zirkulationsmittel haust beständig in der Zirkulationssphäre und treibt sich beständig in ihr um. Es entsteht also die Frage, wieviel Geld diese Sphäre beständig absorbiert.“(MEW 23, 131)

Hier betrachtet Marx, was bei gleichbleibenden Werten mit den Preisen geschehen kann, weil ja die Quantität des Geldes das Wesentliche ist beim Geld als Zirkulationsmittel. (Das ist die Bedingung der Möglichkeit der Ersetzbarkeit durch Banknoten, Münzen usw.)

„Wir wissen jedoch, daß bei gleichbleibenden Werten der Waren ihre Preise mit dem Werte des Goldes (des Geldmaterials) selbst wechseln, verhältnismäßig steigen, wenn er fällt, und fallen, wenn er steigt. Ob die Preissumme der Waren so steige oder falle, die Masse des zirkulierenden Geldes muß gleichmäßig steigen oder fallen. Der Wechsel in der Masse der Zirkulationsmittel entspringt hier allerdings aus dem Geld selbst, aber nicht aus seiner Funktion als Zirkulationsmittel, sondern aus seiner Funktion als Wertmaß. Der Preis der Waren wechselt erst umgekehrt wie der Wert des Geldes, und dann wechselt die Masse der Zirkulationsmittel direkt wie der Preis der Waren.“(MEW 23, 131)

Setzen wir die Menge der Waren als gegeben voraus, so können wir die Preisbewegung betrachten:

„Die Warenmasse als gegeben vorausgesetzt, flutet die Masse des zirkulierenden Geldes auf und ab mit den Preisschwankungen der Waren. Sie steigt und fällt, weil die Preissumme der Waren infolge ihres Preiswechsels zu- oder abnimmt. Dazu ist keineswegs nötig, daß die Preise aller Waren gleichzeitig steigen oder fallen. Die Preissteigerung einer gewissen Anzahl leitender Artikel in dem einen oder ihre Preissenkung in dem andren Fall reicht hin, um die zu realisierende Preissumme aller zirkulierenden Waren zu erhöhn oder zu senken, also auch mehr oder weniger Geld in Zirkulation zu setzen. Ob der Preiswechsel der Waren wirkliche Wertwechsel widerspiegelt oder bloße Schwankungen der Marktpreise, die Wirkung auf die Masse der Zirkulationsmittel bleibt. dieselbe.“(MEW 23, 132)

Wenn jemand Marx mit den Quantitätstheoretikern vergleichen will, die das allerdings losgelöst betrachten, kann das hier tun. Wir zitieren das hier nur und gehen zur letzten Bestimmung des Geldes als Zirkulationsmittel über, der Münze.

„Die drei Faktoren: die Preisbewegung, die zirkulierende Warenmasse und endlich die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes, können aber in verschiedner Richtung und verschiednen Verhältnissen wechseln, die zu realisierende Preissumme, daher die durch sie bedingte Masse der Zirkulationsmittel, also sehr zahlreiche Kombinationen durchmachen.“(MEW 23, 135)

Marx bringt anschließend drei Beispiele aus der Geschichte, über die nachgedacht werden kann:

„Bei gleichbleibenden Warenpreisen kann die Masse der Zirkulationsmittel wachsen, weil die Masse der zirkulierenden Waren zunimmt oder die Umlaufgeschwindigkeit des Geldes abnimmt oder beides zusammenwirkt. Die Masse derZirkulationsmittel kann umgekehrt abnehmen mit abnehmender Warenmasse oder zunehmender Zirkulationsgeschwindigkeit.

Bei allgemein steigenden Warenpreisen kann die Masse der Zirkulationsmittel gleichbleiben, wenn die Masse der zirkulierenden Waren in demselben Verhältnis abnimmt, worin ihr Preis zunimmt, oder die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes ebenso rasch zunimmt als die Preiserhöhung, während·die zirkulierende Warenmasse konstant bleibt. Die Masse der Zirkulationsmittel kann fallen, weil die Warenmasse rascher ab- oder die Umlaufsgeschwindigkeit rascher zunimmt als die Preise.

Bei allgemein fallenden Warenpreisen kann die Masse der Zirkulationsmittel gleichbleiben, wenn die Warenmasse in demselben Verhältnis wächst, worin ihr Preis fällt, oder die Umlaufsgeschwindigkeit des Geldes irt demselben Verhältnis abnimmt wie die Preise. Sie kann wachsen, wenn die Warenmasse rascher wächst oder die Zirkulationsgeschwindigkeit rascher abnimmt, als die Warenpreise fallen.“(MEW 23, 135f)

Wir sehen jedenfalls hier schon mal, daß Marx weder Warengeld-Theoretiker oder Metallist ist noch Quantitätstheoretiker, sondern den Wahrheitsgehalt beider Theorien zusammenführt.

Das dritte Moment vereint also beides und soll das Problem lösen, wie die Ökonomie das Problem, das im Mittelalter ja nicht unbekannt war, daß Metallmünzen verschleissen, wenn sie ständig die Hände wechseln oder das Geld verschlechtert wird.

Wenn aber ein falsches £ St. für ein echtes zirkulierte, täte es absolut im Ganzen der Zirkulation denselben Dienst, als ob es echt wäre. Wenn eine Ware A zum Preis von 1 £ gegen 1 falsches Pfund ausgetauscht und dies falsche Pfund wieder ausgetauscht wird gegen Ware B von 1 £St., so hat das falsche Pfund absolut denselben Dienst getan, als ob es ein echtes wäre. Das wirkliche Pfund ist daher in diesem Prozeß in der Tat nur ein Zeichen, soweit nicht das Moment betrachtet wird, wonach es die Preise realisiert, sondern das Ganze des Prozesses, worin es nur als Zirkulationsmittel dient und worin die Realisierung der Preise nur ein Schein, verschwindende Vermittlung ist.“

und vorher schon:

„Gold und Silber als bloßes Zirkulationsmittel, oder das Zirkulationsmittel als Gold und Silber ist daher gleichgültig gegen seine Beschaffenheit als eine besondre natürliche Ware.“(Grundrisse 1953, 123f, MEW 42, 139f)

Und das ist auch der produktive Grund dafür, daß Gold durch Wertzeichen ersetzt wird, weil es an sich selber so funktionierte. Damit haben wir einen dialektischen Übergang vom Metallismus in die Quantitätstheorie, die beides in sich vereinigt. Wir werden noch sehen, ob das nicht auch auf dem Weltmarkt beim Weltgeld funktioniert.

„Die Goldmünze erzeugte indes nur ihre erst metallnen, dann papiernen Stellvertreter, weil sie trotz ihres Metallverlustes fortfuhr, als Münze zu funktionieren. Sie zirkulierte nicht, weil sie verschliß, sondern verschliß zum Symbol, weil sie fortzirkulierte. Nur soweit innerhalb des Prozesses das Goldgeld selbst bloßes Zeichen seines eigenen Werts wird, können bloße Wertzeichen es ersetzen.“(MEW 13, 94)

Das gilt natürlich auch für Banknoten, Papiergeld, hier gilt auch das Repräsentationsverhältnis zum Gold. Wird das überschritten, d.h. das Papier überschreitet das Maß, ist das Papiergeld diskreditiert. Ähnliches passiert ja auch in den Inflationen, das Geld ist diskreditiert und man hätte am liebsten Warengeld, Gold oder andre Gegenstände, die keinen Verlust des Werts erleiden.

„Die einmal in Zirkulation befindlichen Zettel ist es unmöglich herauszuwerfen, da sowohl die Grenzpfähle des Landes ihren Lauf hemmen, als sie allen Wert, Gebrauchswert wie Tauschwert, außerhalb der Zirkulation verlieren. Von ihrem funktionellen Dasein getrennt, verwandeln sie sich in nichtswürdige Papierlappen. Indes ist diese Macht des Staats bloßer Schein. Er mag beliebige Quantität Papierzettel mit beliebigen Münznamen in die Zirkulation hineinschleudern, aber mit diesem mechanischen Akt hört seine Kontrolle auf. Von der Zirkulation ergriffen, fällt das Wertzeichen oder Papiergeld ihren immanenten Gesetzen anheim.“(MEW 13, 98)

Es sollte nun begriffen sein, warum die Quantität über die Qualität dominiert, aber doch nicht losgelöst davon betrachtet werden darf, was dann ja auch überleitet zum Geld als Geld. Die Welt des Maßes steht sozusagen auf dem Kopf, das Geld muß immer wieder in die Zirkulation geworfen werden, damit es funktioniert, aber wehe es kommen dann Stockungen.

„In der Zirkulation der Wertzeichen erscheinen alle Gesetze der wirklichen Geldzirkulation umgekehrt und auf den Kopf gestellt. Während das Gold zirkuliert, weil es Wert hat, hat das Papier Wert, weil es zirkuliert. Während bei gegebenem Tauschwert der Waren die Quantität des zirkulierenden Goldes von seinem eigenen Wert abhängt, hängt der Wert des Papiers von seiner zirkulierenden Quantität ab. Während die Quantität des zirkulierenden Goldes steigt oder fällt mit dem Steigen oder Fallen der Warenpreise, scheinen die Warenpreise zu steigen oder zu fallen mit dem Wechsel in der Quantität des zirkulierenden Papiers. Während die Warenzirkulation nur bestimmte Quantität Goldmünze absorbieren kann, daher abwechselnde Kontraktion und Expansion des zirkulierenden Geldes sich als notwendiges Gesetz darstellt, scheint das Papiergeld in jeder beliebigen Ausdehnung in die Zirkulation einzugehen. Während der Staat die Gold- und Silbermünze verfälscht und daher ihre Funktion als Zirkulationsmittel stört, dieser selbst in Gold geschätzt oder als Preis dargestellt ist, scheint das Wertzeichen den Wert der Ware unmittelbar zu repräsentieren. Es leuchtet daher ein, warum Beobachter, die die Phänomene der Geldzirkulation einseitig an der Zirkulation von Papiergeld mit Zwangskurs studierten, alle immanenten Gesetze der Geldzirkulation verkennen mußten.“(MEW 13, 100f)

Wie wichtig der Rückgang in die Geschichte ist, um auch das heutige zu verstehen sehen wir hier. Staatskrisen oder Finanzkrisen kommen zustande eben dadurch, daß die Staatshandlungen oder der Banken diesen immanenten Gesetzen nicht adäquat sind.

3. Geld als Geld

Beim Geld als solchen haben wir es mit der Verselbständigung des allgemeinen Tauschmittels zu tun, hier ist es weder bloß ideell noch repräsentationsfähig wie das Zirkulationsmittel. Die suspendierte Münze ist der Übergang zum Geld als Geld im Sinne des Schatzes. Das Geld als Geld ist die Einheit von Maß und Zirkulationsmittel, in der Qualität und Quantität gleichwesentlich sind. Hier kommt das Geld zu sich. Man kann das, wenn man will auch Synthese von Synthese und Antithese nennen, sofern es ja auch Theorien gibt, die das einseitig entwickeln. Hier haben wir also eine bestimmte Negation, die das Negierte in einer negativen Einheit aufbewahrt.

„Das Geld, wie wir gesehn haben, als selbständig aus der Zirkulation heraus- und ihr gegenübertretend, ist die Negation (negative Einheit) seiner Bestimmung als Zirkulationsmittel und Maß.“( Grundrisse 1953, 139, MEW 42, 154)

Beim Abbruch der Warenmetamorphose kann ein Abbruch bei „W-G“ stattfinden, eine reale Möglichkeit, die dann ja auch eintritt und hierbei haben wir aber den folgenden Effekt:

„Es stellt mehr oder weniger des allgemeinen Reichtums dar, je nachdem es nun als bestimmtes Quantum desselben in größrer oder geringrer Anzahl besessen wird. Wenn es der allgemeine Reichtum ist, so ist einer um so reicher, je mehr er davon besitzt, und der einzige wichtige Prozeß ist das Anhäufen desselben, sowohl für das einzelne Individuum als für Nationen. Seiner Bestimmung nach trat es hier als aus der Zirkulation heraustretend auf.“(Grundrisse 1953, S. 141, MEW 42, S. 156)

Diese Form nennt Marx Schatzbildung und schildert ihn als ziemlich verrückt. Plötzlich spielt das Geld als scheinhafter Reichtum eine größere Rolle als der Warenkosmos, das ist eine Verkehrung von Realem und Ideellen. In protokapitalistischen Zeiten wollten ja Alchimisten Gold machen, das ist so wie das Fälschen von Banknoten, dessen Verbot ja schon auf dem Schein aufgedruckt ist.

„Unser Schatzbildner erscheint als Märtyrer des Tauschwerts, heiliger Asket auf dem Gipfel der Metallsäule. Es ist ihm nur um den Reichtum in seiner gesellschaftlichen Form zu tun, und darum. vergräbt er ihn vor der Gesellschaft. Er verlangt die Ware in ihrer stets zirkulationsfähigen Form, und darum entzieht er sie der Zirkulation. Er schwärmt für den Tauschwert, und darum tauscht er nicht aus. Die flüssige Form des Reichtums und sein Petrefakt, Elixier des Lebens und Stein der Weisen, spuken alchimistisch toll durcheinander. In seiner eingebildeten schrankenlosen Genußsucht entsagt er allem Genusse. Weil er alle gesellschaftlichen Bedürfnisse befriedigen will, befriedigt er kaum die natürliche Notdurft. Indem er den Reichtum in seiner metallischen Leiblichkeit festhält, verdunstet er ihn zum bloßen Hirngespinst. In der Tat aber ist das Aufhäufen des Geldes um. des Geldes willen die barbarische Form der Produktion um der Produktion willen, d.h. Entwicklung der Produktivkräfte der gesellschaftlichen Arbeit hinaus über die Schranken herkömmlicher Bedürfnisse.“(MEW 13, 11)

Die Form ist demnach „G-W-G“. Wir werden beim Geld als Kapital sehen, daß das eigentlich verrückt ist, darum hortert ja der Schatzbildner, was soll er das Geld weggeben, wenn es doch als allgemeiner Reichtum erscheint. Aber Geld muß ja auch vorhanden sein, um Zahlungen leisten zu können, darum ist es ja auch als Geld in einer anderen Funktion wichtig, in der es ja – temporär – aus der Zirkulation herausfällt:

3.1 Geld als Zahlungsmittel

Das Geld, das wir horten, kann also auch eine andere Funktion haben, nämlich als Zahlungsmittel. Zwischen der Leistung oder Liefererung und der Gegenleistung kann ja ein Zeitdifferenz bestehen.

„Mit der Entwicklung der Warenzirkulation entwickeln sich jedoch Verhältnisse, wodurch die Veräußerung der Ware von der Realisierung ihres Preises zeitlich getrennt wird. Es genügt, die einfachsten dieser Verhältnisse hier anzudeuten. Die eine Warenart erheischt längere, die andere kürzere Zeitdauer zu ihrer Produktion. Die Produktion verschiedner Waren ist an verschiedne Jahreszeiten geknüpft. Die eine Ware wird auf ihrem Marktplatz geboren, die andre muß zu entferntem Markt reisen. Der eine Warenbesitzer kann daher als Verkäufer auftreten, bevor der andre als Käufer. Bei steter Wiederkehr derselben Transaktionen unter denselben Personen regeln sich die Verkaufsbedingungen der Waren nach ihren Produktionsbedingungen. Andrerseits wird die Benutzung gewisser Warenarten, z.B. eines Hauses, für einen bestimmten Zeitraum verkauft. Erst nach Ablauf des Termins hat der Käufer den Gebrauchswert der Ware wirklich erhalten. Er kauft sie daher, bevor er sie zahlt. Der eine Warenbesitzer verkauft vorhandne Ware, der andre kauft als bloßer Repräsentant von Geld oder als Repräsentant von künftigem Gelde. Der Verkäufer wird Gläubiger, der Käufer Schuldner. Da die Metamorphose der Ware oder die Entwicklung ihrer Wertform sich hier verändert, erhält auch das Geld eine andre Funktion. Es wird Zahlungsmittel.“(MEW 23, 141)

Aber das Zahlungsmittel enthält einen immanenten Widerspruch, der es sogleich wieder auf die Schatzform bringt:

„Die Funktion des Geldes als Zahlungsmittel schließt einen unvermittelten Widerspruch ein. Soweit sich die Zahlungen ausgleichen, funktioniert es nur ideell als Rechengeld oder Maß der Werte. Soweit wirkliche Zahlung zu verrichten, tritt es nicht als Zirkulationsmittel auf, als nur verschwindende und vermittelnde Form des Stoffwechsels, sondern als individuelle Inkarnation der gesellschaftlichen Arbeit, selbständiges Dasein des Tauschwerts, absolute Ware. Dieser Widerspruch eklatiert in dem Moment der Produktions- und Handelskrisen, der Geldkrise heißt. Sie ereignet sich nur, wo die prozessierende Kette der Zahlungen und ein künstliches System ihrer Ausgleichung völlig entwickelt sind. Mit allgemeineren Störungen dieses Mechanismus, woher sie immer entspringen mögen, schlägt das Geld plötzlich und unvermittelt um aus der nur ideellen Gestalt des Rechengeldes in hartes Geld. Es wird unersetzlich durch profane Waren. Der Gebrauchswert der Ware wird wertlos, und ihr Wert verschwindet vor seiner eignen Wertform. Eben noch erklärte der Bürger in prosperitätstrunknem Aufklärungsdünkel das Geld für leeren Wahn. Nur die Ware ist Geld. Nur das Geld ist Ware! gellt’s jetzt über den Weltmarkt. Wie der Hirsch schreit nach frischem Wasser, so schreit seine Seele nach Geld, dem einzigen Reichtum. In der Krise wird der Gegensatz zwischen der Ware und ihrer Wertgestalt, dem Geld, bis zum absoluten Widerspruch gesteigert. Die Erscheinungsform des Geldes ist hier daher auch gleich gültig. Die Geldhungersnot bleibt dieselbe, ob in Gold oder Kreditgeld, Banknoten etwa, zu zahlen ist.“(MEW 23, 151f)

3.3 Geld als Weltgeld

Das wird nun aber auch wichtig für die globale Zirkulation, nicht nur für die innere Zirkulationssphäre. Für die Zahlungstermine müssen immer Zahlungsmittel vorhanden sein, damit wird die Schatzbildung aufgehoben und wandelt sich zum Reservefond der Zahlungsmittel. Hier ist Marx übrigens, trotz seiner Einsichten an Metalle als Weltgeld orientiert, obwohl er, wie wir schon gesehen haben, die Ersetzbarkeit der Geldware durch Zeichengeld bereits gelöst hat. Dies konnte er aber noch nicht anschaulich vor Augen haben, weil dies erst später eintritt. Aber wir können das dann in Analogie denken, genauso auch die Rückbindung an die Waren. Wir dürfen es auch nicht als historische Darstellung begreifen. Die Geschichte des Geldes wird eher bei M. Keynes, G.Heinsohn oder Christoph Türckc Thema. Wenn es manchmal so klingt, als ob Marx die Geschichte thematisiert, darf man das nicht buchstäblich nehmen, es geht um Gesellschaft, in der kapitalistische Produktionsweise herrscht und etwa auch die Arbeitskraft zu Ware wird. Etwas was heute zwar als Vorurteil gilt, aber nicht immer so war. Daß von Anfang an auch der globale Markt – es ist kein Zufall, daß Marx auch auf die Goldfunde bei der Entdeckung der Neuen Welt hinweist – eine Rolle spielt, wird in diesem Kapitel über das Geld als Weltgeld deutlich.

„Mit dem Austritt aus der innern Zirkulationssphäre streift das Geld die dort aufschießenden Lokalformen von Maßstab der Preise, Münze, Scheidemünze und Wertzeichen, wieder ab und fällt in die ursprüngliche Barrenform der edlen Metalle zurück. Im Welthandel entfalten die Waren ihren Wert universell. Ihre selbständige Wertgestalt tritt ihnen daher hier auch gegenüber als Weltgeld. Erst auf dem Weltmarkt funktioniert das Geld in vollem Umfang als die Ware, deren Naturalform zugleich unmittelbar gesellschaftliche Verwirklichungsform der menschlichen Arbeit in abstracto ist. Seine Daseinsweise wird seinem Begriff adäquat.“(MEW 23, 156)

Auf dem Weltmarkt, so Marx herrschen Gold und Silber als Wertmaß. Er glaubte ja nicht daran, daß es auch eine Ablösung des Weltgeldes vom Metall, vor allem in Barrenform gebe, obwohl er das von der Logik her schon in der inneren Zirkulation durchdacht hat. Wie schon angedeutet, bedeutet das ja auch für die Währungen in der ganzen Welt prekäre Verhältnisse. Wenn jemand an der japanischen Börse hustet und in Europa das gehört wird, gerät auch die amerikanische Börse in helle Erregung.

Nun auf dem Weltmarkt geht es ja darum, die Ex- und Importe jeweils zu zahlen. Eine Theorie, die das konventional erklären wollte, kann aber nicht erklären, wie denn unterschiedliche Konventionen der einzelnen Staaten kompatibel werden sollen. Das ist so wie mit der liberalistischen Erklärung für Krisen, daß staatliche Eingriffe daran schuld seien oder die Gewerkschaften – im schlimmsten Falle gibt man den Judun die Schuld – das würde ja bedeuten, wenn wir die Wirtschaftsgeschichte betrachten, die Krisen zyklisch entdeckt, die Wirtschaftsführer verblöden zyklisch. Und weder gibt es einen Weltsouverän noch kann es einen geben (weswegen von der UNO auch nichts zu erwarten ist, nicht nur, weil die Mehrheit aus Drittwelts-Diktatoren und Antisemiten besteht). Die Einsicht von Thomas Hobbes und Hegel muß Rechnugn getragen werden. Die Einstimmung der Staaten müßte vorausgesetzt werden, aber diese können allenfalls auf moralischen, religiösen oder irgendwelchen zufälligen Gründen beruhen und /oder durch Krieg entschieden werden (Hegel, Rechtsphilosophie §§ 331ff. Der Zwang zum globalen Tausch allerdings ist zumindestens eine fördernde Bedingung. Die sog. Gipfel, die Politik und Wirtschaft initiieren, sind immer von Protesten begleitet. Am richtigen Ort vielleicht, aber mit falschen Inhalten, die die Politik notorisch überschätzen, gar die Juden für alles schuldig halten. Da wird von Rothschild und Rockefeller schwadroniert, so daß schon Witze über „alternative Fakten“ und Fake-News gerissen werden.

Aber wir sind bei etwas, was tatsächlich die Welt zusammenhält, einen globalen Konnex herstellt, hier zwar nur auf abstrakter Stufe der Erörterung, aber schon hier zeigt sich das. Es ist vom Weltgeld die Rede, das Marx für die Wahrheit des Geldes hält, da Geld wird seinem Begriff entsprechend, wie wir gleich sehen.

Das Weltgeld fungiert vor allem als Zahlungsmittel, wie wir ja schon angedeutet haben.

„Das Weltgeld funktioniert als allgemeines Zahlungsmittel, allgemeines Kaufmittel und absolut gesellschaftliche Materiatur des Reichtums überhaupt (universal wealth). Die Funktion als Zahlungsmittel, zur Ausgleichung internationaler Bilanzen, herrscht vor. Daher das Losungswort des Merkantilsystems – Handelsbilanz! Zum internationalen Kaufmittel dienen Gold und Silber wesentlich, sooft das herkömmliche Gleichgewicht des Stoffwechsels zwischen verschiednen Nationen plötzlich gestört wird. Endlich als absolut gesellschaftliche Materiatur des Reichtums, wo es sich weder um Kauf noch Zahlung handelt, sondern um Übertragung des Reichtums von einem Land zum andren, und wo diese Übertragung in Warenform entweder durch die Konjunkturen des Warenmarkts oder den zu erfüllenden Zweck selbst ausgeschlossen wird.

Wie für seine innere Zirkulation, braucht jedes Land für die Weltmarktszirkulation einen Reservefonds.“(MEW 23, 157f)

Da beruft sich Marx auf er James Steuart, der diese Auffassung bereits vertreten hatte.

So weit geht das Kapitel über das Geld. Aber es wir dann ja noch Geld als Kapital geben. Wie aus „G-W-G“ „G-W-G+m“ wird, wird im fünften Teil kommen. Im vierten wird folgen der Fetischismus der Ware, den wir erst einmal weggelassen haben, um erst einmal inhaltlich etwas aufzubreiten, damit wir dann diese Erkenntnistheorie des Gelds und andere Fetischism mit mehr Vorstellungen, wie das aussieht diskutieren können. Da dies Kapitel eines ist, wo – wie ich auf Flohmärkten bemerkt – in der Regel die Anstreichungen in den Büchern aufhören oder Kapital-Gruppen sich auflösen, weil sie nicht weiterkommen, habe ich es erst einmal verschoben, um es leichter darzustellen.

17 thoughts on “150 Jahre „Das Kapital I.“ – 199 Jahre Karl Marx (3)

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    Ich habe bei weitem nicht alles verstanden, falls ich überhaupt was verstanden habe. Trotzdem möchte ich sagen, dass mich die offenbar zentrale Vorstellung von Marx, im Wert würde die Arbeitszeit irgendwie enthalten sein, stört. Nichts ist in irgendwas enthalten (abgesehen z.B. vom Glas voll Wasser). Dasselbe Problem hatte, glaube ich, auch Her Posener, wenn ich ihn richtig vertanden habe. Bei ihm führte das dazu, dass er den Wert gleich ganz abschaffen und nur noch von Preisen sprechen will. Das halte ich für noch unpassender.

    Im Grunde ist es eine essentialistische (=metaphysische) Vorstellung, wenn man „Wert“ auf etwas wie Arbeitszeit zurückführt. Ähnlich ist es auch beim Gold, das bei Marx angebl. irgendeine Arbeitszeit mit sich führen würde, Wenn ich Goldnuggets finde und aufhebe, kann von Arbeitszeit kaum die Rede sein. Gold im Gegensatz zu Papiergeld, das man im Handumdrehen herstellen könnte (was ja die Geldfälscher trotz erheblichen Arbeitszeit-Investments relativ erfolglos probieren).

    Hier stehen essentialistische gegen konvenstionalistische Vorstellungen. Beide sind nicht total falsch, aber passen nicht. Beispiel Immobilienwert (aus früherer Diskussion): Der Lärm der Autobahn, die am zu verkaufendem Haus vorbeiführt, hat mit Arbeitskraft nichts zu tun. Er ist aber auch keine kontingente Wertminderung. Der Wert ist nicht der durchschnittliche Preis.

    In diesem Zusammenhang muss man beachten, dass der Warenwert sich einerseits wie der Preis in einer Währung ausdrückt („das Ding ist soundsoviel wert“), andererseits aber auch währungsunabhängig taxiert wird (amazon-Kundenberwertungen, Morning-Star-Ranking, Stiftung Warentest usw.) Diese Aspekte müsste eine Theorie vernünftig zusammenführen. Der Preisdurchschnitt würde da sicher eine Rolle spielen, wäre aber nicht alles.

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      Anders als die Versuche Geldtheorien aufzustellen, die es heute gibt, aber auch in der Klassik gab, befaßt sich Marx mit dem Wesen das Geldes. Diese anderen Theoretiker erheben partikulare Funktionen oder eine davon ausgewälte zum Intension, d.h. Begriffsinhalt des Geldes und leiten dann die übrigen Geldfunkionen von der zur Hauptfunktion erklärten Funktion ab. Die Funktion wird dann zur Substanz des Begriffs. Marx unterscheidet das Wesen oder Begriff des Geldes von den Diensten, die zu leisten imstande ist. Der Preis setzt einen Maßstab voraus, mit dem er gemessen wird, dazu bedarf es des Geldes als Maß. Wenn es als Zirkulationsmittel fungiert, wird die Quantität des Geldes gleichgültig. Heute interessieren sich die Vulgärökonomen, wie Marx sie nannte, im Gegensatz zu den Klassikern, für Fragen der Geld-, Finanz- und Wirtschaftspolitik und nicht für die prinzipiellen Fragen, wie das Marx und die Klassiker noch taten. Vereinseitigte Theorien, die Marx meist schon kannte, gibt es grob drei Hauptrichtungen
      1) Konventions- oder nominalistische Theorien
      2) Funktionstheorien, wie gerade schon erwähnt
      3) Warengeldtheorien
      Bei 1) dominieren Vorstellungen bei denen der Staat die Funktion als Tauschmittel garantiert (Münzprivileg usw.) und als Zahlungsmittel (etwa Rechtsnormen zur Sanktion und Schuldeneintreibung). Bei 2) sind es vor allem die Funktion als Tauschmittel und bei 3) als Wertaufbewahrungsmittel oder als Wertmesser.
      Marx kritisiert die vereinseitigenden Theorie. An der konventionalistischen oder nominalistischen Theorie kritisiert er, durchaus mit Argumenten, die aus der Aneingung der metallisch orientierten Theorie stammen. er kritisiert die Anschauung, daß es sich rein konventionell oder rein als Zeichen begreifen lasse, aber eben, indem er den Nachweis führt, der die Basis des Irrtumms mit aufweist, nämlich indem er den Umstand aufklärt warum Geld in bestimmten Funktionen durch bloße Zeichen ersetzt werden kann. Und er anerkennt auch, daß die Vertragsauffassung oder Konventionalismus durchaus ahnt, daß die Geldform des Dinges ihm selbst äußerlich ist und Erscheinungsform oder Ausdruck dahinter versteckter menschlicher Verhältnisse. Was ja auch heißt, daß er gesellschaftstheoretisch und nicht ökonomisch oder ökonomistische das Geld erklärt. Daß das Geld bestimmte Funktionen nur als Ware erfüllen kann und zwar als historisch spezifisches Metall, hat Marx auch erkannt, auch daß Formbestimmungen als Zirkulations- und Zahlungsmittel aus der Repräsentanz im Wertzeichen (bis hin zur Kreditkarte heute ließe sich das erweitern) in die Wertform der Ware nicht auszuschließen ist. Wir kennen ja aus Erzählungen der vorherigen Generation noch das Zigarettengeld nach dem 2.Weltkrieg z.B. Daß der Wert einer Ware seine Austauschverhältnisse grundsätzlich aus der Arbeitszeit, die durchschnittlich zu seiner Reproduktion notwendig ist, sich bestimmt, wird bei Marx nicht positiv bestimmt, weswegen das dann auch übersehen wird. Es ist eine apagogische Argumentation, ähnlich wie die Auflösung der Antinomien in der transzendentalen Dialektik in Kants Kritik der reinen Vernunft, wird die Annahme des Gegenteils (bei Gültigkeit des tertium non datur) ad absurdum geführt.
      Paradigmatisch kann man das an zwei Waren exemplifizieren. Ware a benötigt zu seiner Reproduktion 1 Stunde, Ware b 2 Stunden. Dann wäre, wenn unmittelbar gilt, daß die aufgewendeten Arbeitszeiten bestimmen sind, das Austauschverhältnis a: b = 2:1. Aber nehmen wir an, die Nachfrage nach Ware b sei sehr gering, dann würde keiner ein b für zwei a geben. Die Produzenten blieben also auf der Ware sitzen (Ladenhüter). Nehmen wir an, das änderte sich erst, wenn das Austauschverhältnis 1:1 wäre. Wir hätten also aufgrund der Angebots- und Nachfrageverhältnisse (Knappheit, nicht Mangel) ein Austauschverhältnis, das dem Arbeitsaufwand widerspricht. APo würde nun gleich in Sachen Wertkritik von Marx in Sack hauen und die Theorie aufgeben. Aber die Konsequenz, wenn die Marxsche Annahme nicht stimmt, wird dabei nicht bedacht. Was würde denn passieren, wenn ständig Waren, deren Aufwand an Zeit größer ist gegen Waren, deren Zeit geringer ist ausgetauscht werden, haben wir Produzenten, die überarbeitet sind bzw. die dann ruiniert sind. Selbst moralische Theorien oder staatliche Stützung helfen nicht so. Zwar würden die b-Produzenten froh sein, daß ihr Arbeitsaufwand befriedigt, aber woher kommen dann die Leistungen? Wir kennen das ja von der EU: Subventionspolitik z.B. in der Agrarwirtschaft oder den Butterberg. Wir hätten eine maßlose gesellschaftliche Verschwendung. Diejenigen, die allerdings so argumentieren unterstellen Marx etwas, was er weder behauptet noch intendiert, einen gerechten Maßstab zu finden mit der Wertkritik. Und wollen das Ganze durch am Markt gebildete Knappheitspreise ersetzen.
      Wir hätten also ein Preisverhältnis von 1:1 bei Arbeitszeiten von a und 2xa. Das hieße ja, daß die b-Produktion immer doppelte Arbeitszeit aufwendet. Die b-er sind auch nicht blöd und würden eine Lösung suchen und z.B. lieber a produzieren, weil es da ja mehr für gibt. Allerdings würde dann der Preis von a wegen Anstieg des Angebots sinken. Der Preis von a sinkt ein wenig, der von b steigt bis sich das Verhältnis dann auf 2:1 einpegelte. Dann muß keiner der Produzenten die Produktion umstellen. Es könnte allerdings noch weiter gehen und geschieht ja realiter auch und das Verhältnis könnte sogar 3:1 werden Für 3 Stunden gäbe es das Ergebnis von 2 Stunden Arbeitszeit. Die Konsequenz wäre dann aber eine Bewegung in die andere Richtung, die Preise pendeln dann um ein bestimmtes Niveau, das durch die Arbeitszeiten bestimmt ist. Je größer die Abweichung der Preise von dem Niveau der durch die Arbeitszeit bestimmten Wert, desto größer die Spannung, der Aufwand, dem entgegenzuwirken. Vom Niveau, um das die Preise pendeln, kriegen die sozialen Akteure nichts mit. Marx hat das ja auch, ich zitierte das ja auch, dargelegt:
      „Die Möglichkeit quantitativer Inkongruenz zwischen Preis und Wertgröße, oder der Abweichung des Preises von der Wertgröße, liegt also in der Preisform selbst. Es ist dies kein Mangel dieser Form, sondern macht sie umgekehrt zur adäquaten
      Form einer Produktionsweise, worin sich die Regel nur als blindwirkendes Durchschnittsgesetz der Regellosigkeit durchsetzen kann.“ MEW 23, 117
      Was mit solchem paradigmatischen Beispiel gemacht wird, wird von Marx auch ansatzweise theoretisch entwickelt, von Engels dann zusammengestellt, so daß man das MEW 25, 182ff bzw. 236ff nachlesen kann. Die Vulgärökonomen machen sich mit mathematischen Aufwand an die erklärung von Einzelpreisen, ohne das Ganze zu bedenken. Das wäre so wie wenn Marx Ebbe und Flut darstellt und jene kümmern sich um einzelne Tropfen. Das ist dann wie die Monaden-Theorie von Leibniz, nach der wir kein Meeresrauschen hören, weil es das Ganze nicht gibt, sondern nur die Teile, wir hören nur die Tropfen, aber unterhalb der Bewußtseinsschwelle, in der Summe rauscht dann das Meer. Es gibt dann auch keine Vieherde, sondern nur die Summe der Viehcher.
      Das Beispiel mit zwei Waren ist natürlich abstrakt, zeigt aber das, worum es geht, um den Gesichtspunkt der Totalität.
      Natürlich weiß auch Marx, daß es nicht hergestellte Dinge gibt (das Grundrenten-Kapitel arbeitet das heraus, wie so etwas die ökonomischen Dinge modifiziert). D.h. alle Einwände, die man ihm später macht, teilweise heute noch, hat er sich den advocatus diaboli spielend schon selber gemacht. Und wenn auf empirisches angespielt wird, dann ist das immer exemplarisch, beispielhaft, dem Spiel beiherspielend. Es geht nicht darum unmittelbare Empirie abzubilden, sondern die zugrundeliegende Logik oder Gesetzmäßigkeit zu finden. So ist dann auch das Folgende zu verstehen.
      „Ein Ding kann Gebrauchswert sein, ohne Wert zu sein. Es ist dies der Fall, wenn sein Nutzen für den Menschen nicht durch Arbeit vermittelt ist. So Luft, jungfräulicher Boden, natürliche Wiesen, wildwachsendes Holz usw. Ein Ding kann nützlich und Produkt menschlicher Arbeit sein, ohne Ware zu sein. Wer durch sein Produkt sein eigenes Bedürfnis befriedigt, schafft
      zwar Gebrauchswert, aber nicht Ware. Um Ware zu produzieren, muß er nicht nur Gebrauchswert produzieren, sondern Gebrauchswert für andre, gesellschaftlichen Gebrauchswert. {Und nicht nur für andre schlecht.­ hin. Der mittelalterliche Bauer produzierte das·Zinskorn für den·Feudalherrn, das Zehntkorn für den Pfaffen. Aber weder Zinskorn noch Zehntkorn wurden dadurch Ware, daß sie für andre produziert waren. Um Ware zu werden, muß das Produkt dem andern, dem es als Gebrauchswert
      dient, durch den Austausch übertragen werden.“
      Hinzukommt noch bei der Darstellung muß man abstrahieren, um die einzelnen begrifflichen Bestimmungen in reiner Form zu erhalten. Schon beim Beispiel sind ja implizit Voraussetzungen gemacht, d.h. kontrafaktische Bedingungen, die in der Wirklichkeit nur tendenziell realisieren und realisieren müssen bei Strafe des Untergangs der jeweiligen Akteure. Etwa die Preise der gleichen Waren sind überall dieselben (heute gibt es ja schon Suchmaschinen und Foren, wo man sich die billigsten Preise heraussuchen kann oder, wenn nicht gerade Pause zwischen den Werbeeinheiten ist bekommt man die Preise unterschiedlicher Anbieter eingebläut), alle Produzeten kennen die Preise aller Waren, deren Produktionsbedingungen usw., es ist leicht von der Produktion einer Ware in die anderer umzusteigen, also vollkommene Mobilität, Flexibilität der Produktionsmittel, freier Marktzugang, um die Mobilität zu nutzen usw. In den Nachrichten und Wirtschaftsteilen von Zeitungen hören/lesen wir von solchen Dingen täglich, etwa Hemmnisse, Strafen für die Lügen etwa von Facebook hinsichtlich der Möglichkeit Daten von Whatsapp und FB zu verbinden. Im Laufe der Darstellung werden wir das schon sehen, wie sich dann in immer größerer Annäherung an die Wirklichkeit das Wertgesetz, nach dem die Durchschnittsarbeitszeit zur Reproduktion einer Ware die Austauschverhältnisse bestimmt – eben im Mittel, nicht im Einzelnen läßt sich das fassen – und wie das sich dann in den Preisen niederschlägt. Das kann man also nicht durch Definition leisten, sondern muß es nach und nach entwickeln.
      Die Beispiele – die werden übrigens bei Marx im Grundrentenkapitel behandelt – Autobahnlärm als modifizierender Faktor von Grundstückspreisen oder Wohnungsmieten. Dann muß man Rahmenbedingungen und Randbedingungen unterscheiden oder modifizierende Bestimmungen. Das geht aber erst, wenn man die abstrakten Bestimmung hat, kann man die Verkompliierungen diskutieren. Es kommt noch so einiges, Preis ist nicht Preis, Produktionspreise und Marktpreise unterscheiden sich und dann gibt es ja auch noch Monopolpreise, die man auch erklären kann. Manches, was unmittelbar nichts miteinander zu tun hat, hat es in äußerst vermittelter Weise doch. Gentrifizierung, daß Arme aus Gegenden mit Hohen Preisen verdrängt werden und dann eine Wohnung mit guter Verkehrsanbindung bekommen, wie es in der Wohnungsanzeige heißt, d.h. sie wohnen dann an der Autobahn, wäre so ein Problem, daß dann doch etwas damit zu tun hat, wie der Wert durch Zeit bestimmt wird. Wobei die Zeit sieht man der Ware höchsten an, wenn sie schludrig, übeilt hergestellt wurde, so wie man die Arbeit auch nicht mehr sieht, außer wenn sie fehlerhaft ist. Jagen und Sammeln (und wenn es Goldstaub ist), extraktive Industrie und dergl. dazu kommen wir bald.
      Ach ja und eine Behältertheorie ist das bei Marx auch nicht, der Wert steckt ja so wenig wie die abstrakte Arbeit nicht in der Naturalform einer Ware. So wenig wie Das Tier in Hunden, Katzen, Rindern und Schweinen steckt. Daß es so scheint, als ob das Tier als apartes Wesen neben dem Hund steht, wenn das Geld in Existenz tritt, das kommt im nächsten Teil, wenn 1. und 2. Auflage Fetischismuskapitel noch mal rekapituliert wird, um dann im Folgenden den Übergang zum Kapital zu thematisieren.

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        Also glaubt Marx, dass im Wert sich die Arbeitszeit darstelle, weil das Gegenteil zu Problemen führt? Wenn Nicht-A falsch ist, muss a nicht richtig sein.

        „Was würde denn passieren, wenn ständig Waren, deren Aufwand an Zeit größer ist gegen Waren, deren Zeit geringer ist ausgetauscht werden“ Genau das passiert doch ständig. Die digitale Winkekatze, die im Chinaladen für 99 Cent vertickt wird, hat ganze Generationen Arbeitszeit verbraucht. (Auch der Chip, der dort arbeitet, muss mit einbezogen werden.) Einfach eine andere Ware „a“ zu produzieren geht nicht – das kann man nicht, weiß nicht, wie es geht, kennt den Produktionsprozess nicht, hat auch keine Lust dazu und bleibt also wie der Schuster bei seinen Leisten. Solange der Schuh sich überhaupt noch verkauft, gibt es keinen Grund, etwas anderes als „b“ zu produzieren. Und wenn er sich dann gar nicht mehr verkauft, steht man auf der Leitung und weiß nicht, wie es weitergehen soll.

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        In letzter Instanz löst sich alle Ökonomie in Zeitprobleme auf, das liegt an der Irreversibilität der Zeit. Wenn ich von 11-12 a tue, kann ich b,c, d usw. nicht tun (selbst Multitasking besteht aus einen schnellen Nacheinander und Nebeneinander). Da hat Marx schon einiges vorweggenommen, was moderne Systemtheorie heute neu formuliert. Beim tertium non datur haben wir keine Kontrarität. Man darf gerade bei Marx sich nicht so an Beispielen hochangeln, sondern muß das Prinzip erkennen. Knappheit hat ja etwas mit Zeit zu tun, mehr als 24 Std. am Tag kann niemand arbeiten, weil der Tag nicht länger ist und der Arbeitstag ist auch noch kürzer, wegen der Notwendigkeit der Reproduktion der Ware Arbeitskraft. Klar, daß ein Beispiel kommt, der modifizierende Wirkungen des Wertgesetzes auf dem Weltmarkt voraussetzen, etwa in bestimmten Perioden der Entwicklung der „komparative Kostenvorteile“(Ricardo z.B.) billiger Arbeitskraft. Um komplexere Zusammenhänge erkennen zu erkennen, muß man erst einmal die simpleren begriffen haben und dazu bedarf es der Abstraktion.
        Warum wird die Produktivkraft der Arbeit versucht zu steigern? Diese bedeutet, daß in weniger Zeit dieselbe Menge Güter produziert werden können. Wir kommen noch dahin, wenn wir den relativen Mehrwert diskutieren werden, also einen solchen, der nicht durch Extensivierung oder Intensivierung der Arbeit entsteht, sondern durch bessere Arbeitsmittel (die übrigens auch produziert werden, weswegen die Parole der Gesellschaft gehe die Arbeit aus, nicht ganz richtig ist). Es ist im Übrigen auch in anderen wissenschaftlichen Theorien üblich bestimmte Zusammenhänge unter Annahme eines ceteribus paribus* darzustellen und dann erst andere Parameter einzuführen. Jeder Techniker weiß, wie schwierig es ist, wenn ein Gerät zwei oder mehrere Fehler zugleich bekommt und muß jeden isolieren. Warum soll Marx das anders machen? So setzt man dann Wert=Preis, um die Zusammenhänge zu prüfen und dann erst diskutiert man wie das in der Wirklichkeit auseinanderdriften muß.- Es ist halt mehr als 2000 Seiten dichter Text, den ich hier kurz darlegen muß, damit der Überblick nicht gleich verloren wird. Da muß nicht gleich platzen die Hose der Geduld.

        * das Übrige bleibt gleich

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        Also bei mir ist die Hose der Geduld keineswegs geplatzt, nicht mal der Papierkragen. Allerdings ist meine Arbeitszeit gerade selber sehr verdichtet (ich muss in etwas mehr Zeit deutlich mehr Güter produzieren), so dass ich nur gelegentlich aufschauen und hier etwas herumpicken kann. Unter solchen Umständen hat man von 2000 Seiten dichtem Text und dem noch viel dichterem Expose nicht viel. Trotzdem sehe ichs gern.

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        Martin Blumentritt: „In letzter Instanz löst sich alle Ökonomie in Zeitprobleme auf, das liegt an der Irreversibilität der Zeit.“
        Ja, das deckt sich mit der physikalischen Sichtweise. Andere sagen: ‚Zeit ist Geld‘. Technik ist oder verspricht Zeitersparnis und wird deswegen gekauft (und wg. Spieltrieb, aber auch der existiert nur, um neue Wege für technische Lösungen zu erkunden). Geld ist also dazu da um Technik oder Dienstleistungen auszutauschen. (Technik und Dienstleistung können ökonomisch gleichgesetzt werden, besonderes in Zeiten der Spezialisierung). Es könnte nur abgeschafft werden, wenn alle über die gleichen Produktionsmittel (Technik & Spezialisten) verfügen, aufgrund der stets fortschreitenden Entwicklung also nie. Man bemerkt, daß das Geld bzw. dessen Wert nicht am Materiellen hängt, sondern an Wissen/Fähigkeiten, die materiell übertragen (Technik) oder in Anspruch genommen (Spezialisten) werden. In einfachen Gesellschaften kann noch die materielle Ware (Lebensmittel, Möbel – von Spezialisten produziert) das Wertvollste sein, in entwickelten nicht mehr. (Beispiel: Autofirmen verkaufen keine Autos mehr, sondern Mobilitätsgarantien). Letzten Endes ist also Geld der Gegenwert für (verwertbare) Information. Ausnahme: Soziale Berufe (?)

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        Die Revolutionierung der Produktionsmittel ist eine hinter dem Rücken geschehene Entwicklung, die allen bei Strafe des Untergangs aufgenötigt wird, wie Marx zeigte. Wenn in der Tat das Eigentum aller hergestellt wäre und nicht die meinsten eigentumslos wären, insbesondere was die Produktionsmittel angeht: Natur, angeignete Natur (Rohmaterial, Arbeitsgegenstan, Resourcen allgemein), Arbeitsinstrumente wie Maschinen, Fabriken, dann wäre Geld sicher überflüssig. Was Wert angeht, nicht Gebrauchswert mit Tauschwert verwechseln. In der Entwicklung haben ja alle mehr Gebrauchswerte, verarmen aber hinsichtlich des abstrakten Werts. Worauf Marx sich erst einmal beschränkt sind ja die einfachsten Bestimmungen der Ökonomie, hinterher erst werden solche Dinge wie Dienstleistungen oder das Gewissen eines Politikers, das gekauft wird diskutiert. Aber das basiert ja auf den grundlegenden Bestimmungen, die quantitativ zurücktreten, weil schließlich alles zur Ware WIRD, nicht gleich als Ware produziert wird.

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      Ein Nachtrag habe ich noch, da ich den fünften Abschnitt des Dritten Bandes des Kapitals, wo die Currency-Banking-Kontroverse behandelt wurde, erwähnte. Marx ist ja noch lange nicht fertig mit dem Geld, sondern behandelt es noch im Rahmen dies Kreditkapitels. Und: Es gibt eine Sammlung von Texten, hrg. von k.Diehl / P.Mompert, Vom Gelde Berlin / Wien (Ullstein) wo auch einige behandelte Texte in Auszug drin sind, ein Reprint von 1912. Vom Merkantilismus bis zum Monetarismus ist da alles erwähnt, insbesondere in den Vorworten. Wer sich schnell informieren will, kann das da tun. Die heutige Antinomie wäre zwischen ganz weg vom Gold, Geld als Kredit, was MArx im V. des Band III K abhandelt, und Zurück zum Gold. Um diese Antinomie zu begreifen oder zu lösen (wenn das überhaupt geht) müßte man allerdings die Verfahrensweise, die Marx durch Hegelkritik lernte, auf die heutige Ökonomie anwenden.

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    ja lieber Kollege Blumentritt,
    so ist das.
    Was halten sie von Aaron Sehr, Das Versprechen des Geldes, 2017. Geld sei zum Kredit geworden, er sprich von einer paarökonomischen Struktur im Kapitalismus.

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      DIese Fragestellung war auch schon Marx bekannt, aber der dritte Band liegt ja nur als Fragment vor und der Bearbeitung durch Engels. Insbesondere der Abschmitt V., der vor allen auf Parlamentsberichte und den geldtheoretischen Streit anläßlich das 2. Peelschen Bankgesetzes und bezieht sich auf die Krisen 1848 und 1857, wo der Peelsche Bankakt suspendiert wurde. Ich war nur sporadisch darauf eingegangen. Die Bank of England besaß für den Londoner Raum Notenausgabeprivileg, außerhalb Londons gab es auch andere Banknoten. 1790 gab es mehr ca. 350 Notenbanken. Da war es allerdings so, daß die Deckung durch Gold, bzw. die Noten in Gold ausgezahlt zu bekommen nur für die Bank of England (BoE) galt. Die außerhalb Londos emittierten Noten konnten in Gold oder Noten der BoE eingelöst werden. Peel galt als Vertreter der (Ricardo war der Ahnherr) Corrency-Theorie, dem nun eine andere, die Banking-Schule korrespondierte. Dies ist der historische Hintergrund, der nun auf Theorien wie die von Aaron Sahr – ich glaube ihn aus Kassel zu kennen – zu beziehen wäre, die sich ja auf eine Zeit bezieht wo die Golddeckung zunächst faktisch, dann auch de jure (Zusammenbruch von Bretton Woods), nicht mehr existiert. Im Grunde haben wir auf erhöhter Stufenleiter der Abstraktion so eine Art Remake der Mitte des 19.Jh. zu datierenden Bankin-Currency-Kontroverse. Die Currency-THeoretiker – stark von Ricarde abhängig – waren Lord Overstone alias Samuel Jones Loyd, Robert Torrens, George W. Norman, John McCulloch, Thomas Joplin und eben der Sir Robert Peel.
      Die Banking-Schule hatte Leute wie Thomas Took und John Fullarton, aber auch William Newmarch, James Wilson. Im weitesten Sinne, aber nicht ganz triftig wird auch John Stuart Mill dazugerechnet.
      Beide Positionen hatten eine liberalistische Gemeinsamkeit, die Gegnerschaft einer starken monetären Lenkung und Kontrolle des Geld- und Bankwesens und sie vertrauten auf die Deckung durch Goldstandard (was eine Differenz ausmacht zu heutigen Positionen wie die Sahrs) Die Curreny-Theoretiker wollten (fast) vollständige Deckung durch Gold, also umlaufende Noten nahezu gleich mit dem Metallvorrat der BoE. Banking reichte die Konvertierbarkeit der Noten in Gold aus Sie hielten keine Beschränkung der Notenausgabe für nötig. Die Currency-Position hatte aber keine Idee, wie die Notenausgabe konkret erfolgen sollte.
      Den Streit genau darzustellen und auf die heutige Situation beziehen, wäre sicher interessant. Der dritte Band sollte ja sich Schritt für Schritt der empirischen Wirklichkeit nähern. Dazu gehört ja auch die Zuspitzung des Fetischismus beim Kredit-Geld, wo ja der Bezug des Geldhimmels zur Realität gekappt wird. Das gerade erschienen Buch von Sahr kenne ich noch nicht, aber es dürfte die postmoderne Auffassung vertreten werden, daß die Banken neues Geld aus dem Nichts schaffen würden, wie die monotheistische creatio ex nihilo. (Die 2. Funktion des Geldes als Zirkulationsmittel bei Marx, wenn man von der Genesis aus der 1. Geld als Maß abstrahiert, gerät man in die Nebelbildungen der Ökonomie hinein) Da vorab von den ökonomischen Bedingungen – die in der Currency-Banking-Kontroverse, wie sie MArx diskutiert, noch im Blick waren – abstrahiert wird. Was Marx theologische Mucken nannte, taucht wieder auf. Ich würde darauf wetten, daß Kategorien aus dem Glauben (kein Zufall Kredit leitet sich von credere glauben ab) dann eine Rolle spielen, etwa Glauben im Sinne der Gewißheit des Vertrauens auf ein (Zahlungs-)Versprechen und das ganze Verschwörungsdenken wieder auftaucht, Strukturen von Schattenbanken, dann Instituionen, die durch Forschung Vertrauen erzeugen sollen (Ratingagenturen oder dergl.), mathematische Theorien mit Kalkülen, wo das Risiko berechnet werden soll und und. Die theorielose Spontivariante wäre dann die Montags-Wahnmachen und Verschwörungstheorien, die alles Rothschild und Rockfeller zuschreiben.
      Was von solchen Arbeiten zu lernen ist für Marx, ist für die 2.Bestimmung Geld als Zirkulationsmittel weitere Konkretisierung zu bekommen, wenn auch die Verbindungen zur Realökonomie erst gekappt werden und dann keine Abhängigkeiten mehr gesehen werden, hat man Anhaltspunkte, welche aus den Blick genommenen Bezüge (die ja nur noch historisch begreifbar sind, weil sie auf der Oberfläche nicht mehr auftauchen, außer in einer akuten Krise) zu suchen sind, um den nächsten Crash gedanklich zu antizipieren. Wenn Banken Geld vermehren, das nicht gedeckt ist, kann man das schon kriminelle Energie nennen, was da von nöten ist. Geld aus Nichts schaffen, darf rechtlich ja nicht in die Beliebigkeit fallen, was Sahr wohl schwerlich behaupten wird. Eine Soziologie des Geldes – ähnlich vielleicht auch die Philosophie des Geldes von Simmel oder neuerdings TÜrcke – hat vereinseitigungen schon eingebaut. Warum Marx seine Theorie mittels einer Hegelkritik gewonnen hat und nicht nur die historische oder Handlungsperspektive in den Blick nimmt, sondern auch die immanente, dialektische Sachlogik, die nicht ohne weiters empirisch zu gewinnen ist, merkt man dann doch, zumindestens aus der Leseprobe, die ich mir inzwischen geholt habe.
      Zyklisch nun schon bald – überrascht z.B. von der Finanzkrise – wird wieder das Kapital von Marx gelesen, selbst von Neoliberalen wie Sinn, der sogar noch das Gesetz vom Fall der Profitrate rehabilitiert, aber anders erklären will oder wie seit Hayek einfach zur Glaubenssache macht. Andere lassen sich das nehmen und denken statt an Begriffsbestimmungen vom Gelde, an Mauerschützen und Gulak, die im Kapital so wenig vorkommen wie Indianer.
      P.S. Payback-Punkte, Flugmeilen fungieren nach Sahr als Geld im Sinne des Zahlungsmittels, aber man kann sie nicht in der Zentralbank umtauschen wie er sagt, wohl wg der Doddschen These der Desintregation des Geldes.

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    Ein Lektürehinweis: „Aus Politik und Zeitgeschichte“

    Liebe APuZ-Leserinnen und -Leser,

    Karl Marx selbst bezeichnete sein Hauptwerk als »Saubuch«, weil sich der Schreibprozess immer länger hinzog. Über die Gründe der Nichtvollendung wird bis heute spekuliert: Waren es Marx‘ gesundheitliche Probleme oder seine bisweilen unsystematische Arbeitsweise, die ihn vom Schreiben am »Kapital« abhielten? Oder stand er schlichtweg vor theoretischen Widersprüchen, die er nicht auflösen konnte? Nachdem Marx mit dem Ende der Sowjetunion 1991 »in der Praxis« widerlegt zu sein schien, erlebte sein Werk mit dem Beginn der globalen Finanzkrise eine Renaissance: So war »Das Kapital« in der Hochphase der Krise im Oktober 2008 zeitweise vergriffen und musste nachgedruckt werden. Warum leben Marx und sein Werk durch die Jahrhunderte fort?

    Die APuZ „Das Kapital“ erscheint mit folgenden Beiträgen:

    Michael Quante, A Traveller’s Guide. Karl Marx‘ Programm einer Kritik der politischen Ökonomie

    »Das Kapital« bietet einen nahezu unerschöpflichen Reichtum philosophischer Einsichten. Jeder Reiseführer muss eine Auswahl treffen. Anhand systematisch zentraler Aussagen wird die kritische Sozialphilosophie von Karl Marx im Grundriss kenntlich gemacht.

    http://www.bpb.de/247629

    Werner Plumpe, „Dies ewig unfertige Ding“. „Das Kapital“ und seine Entstehungsgeschichte

    „Das Kapital“ hat Marx persönlich nie vollendet. Selbst den ersten Band hat er wohl nur unter starkem Druck aus der Hand gegeben. Dafür sprechen die vielen Korrekturen, die Marx an der zweiten deutschen Auflage und an der französischen Übersetzung dieses Buches vornahm.

    http://www.bpb.de/247631

    Ulrike Herrmann, „Das Kapital“ und seine Bedeutung

    Karl Marx hat als erster Ökonom erkannt, dass der Kapitalismus zur Konzentration neigt. Der permanente Einsatz von Technik sorgt dafür, dass am Ende nur noch Großkonzerne übrig bleiben. Ausgerechnet der Wettbewerb hat zur Folge, dass kein Wettbewerb übrig bleibt.

    http://www.bpb.de/247633

    Hans-Werner Sinn, Was uns Marx heute noch zu Sagen hat – Essay

    Ist Marx obsolet? Mitnichten, denn obwohl Marx die sozialistische Revolution prognostiziert und gefordert hat, hat er nur wenig über den Sozialismus geschrieben, sondern sich mit der Funktionsweise der kapitalistischen Marktwirtschaft beschäftigt.

    http://www.bpb.de/247635

    Dietmar Dath, Hinschauen statt glauben. Ein Erfahrungsbericht aus der Langstrecken-Marxlektüre – Essay

    „Das Kapital“ kann jahrelange Lektürezeit in Anspruch nehmen. Wenn man dabei die wirkliche Welt nicht aus den Augen verliert, kann eigene Weltbeobachtung die Orientierung im Buch erleichtern, wie das Buch umgekehrt dabei hilft, die Welt zu verstehen.

    http://www.bpb.de/247637

    Beatrix Bouvier, Karl Marx: Bildnis und Ikone

    Fast immer haben wir ein bestimmtes Bild vor Augen und im Kopf, wenn von Karl Marx die Rede ist. Wie wurde es zur Verkörperung der Ikone Karl Marx? Welchen Weg nahm das Bild vom 19. ins 20. Jahrhundert und welche Bedeutung hat es heute noch?

    http://www.bpb.de/247639

    Niko Paech, Postwachstumsökonomik. Wachstumskritische Alternativen zu Karl Marx

    Marx wird regelmäßig zugutegehalten, er habe bereits früh naturzerstörerische Wirkungen kritisiert. Doch das Dogma seiner Arbeitswertlehre, wonach allein Arbeit Wert erzeugen kann, blendet den Beitrag ökologischer Plünderung zur Wertschöpfung aus.

    http://www.bpb.de/247641

    Das komplette Heft können Sie unter http://www.bpb.de/247643 bestellen und als PDF oder EPUB für E-Reader herunterladen.

    Mit freundlichen Grüßen

    Ihre APuZ-Redaktion

    Bundeszentrale für politische Bildung

    Redaktion „Aus Politik und Zeitgeschichte“

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      „Das Kapital“ und seine Bedeutung
      5.5.2017
      Irrtum I: Die Arbeiter sind nicht verelendet

      Zitat Ulrike Herrmann
      Marx hielt eine kommunistische Revolution für zwingend, weil er sich nicht vorstellen konnte, dass auch die Arbeiter vom Kapitalismus profitieren würden. So heißt es im „Kapital“ gen Schluss: Es „wächst die Masse des Elends, des Drucks, der Knechtschaft, der Entartung, der Ausbeutung“ (S. 790).

      Für Kritiker ist es bis heute ein Spaß, dass Marx die totale Verarmung prognostizierte. So höhnte der Nobelpreisträger Paul Samuelson: „Man sehe sich die Arbeiter mit ihren Autos und Mikrowellenherden doch an – besonders verelendet sehen sie nicht aus.“
      Zitat Ende
      ……………………………………………………………………………………
      Allein dies eine einzige Albernheit. Fakt ist, dass der Wohlstand des Westens d.h. einer globalen Minderheit, ein Wohlstand der selbst im Westen nicht für Alle, sondern für immer weniger gilt und der seit Jahr und Tag für die große Mehrheit der Lohnabhängigen beständig schrumpft, existiert nur, weil er für 80% der Weltbevölkerung eben nicht existiert. Die angebliche Wohlfahrtsteigerung der Marktwirtschaft von der Frau Herrmann und Herr Samuelson halluzinieren, ist ein Mythos d.h. rein interessengesteuerte Propaganda, wie es der Wirtschaftshistoriker und Publizist Robert Kurz in seinem „ Schwarzbuch Kapitalismus „ überzeugend nachgewiesen hat. Kurz kommt dann auch zu dem Schluss Marktwirtschaft macht arm.
      http://www.exit-online.org/pdf/schwarzbuch.pdf
      ……………………………………………………………………………………………………………………….
      Zitat Ulrike Herrmann
      Denn natürlich kostete es Arbeitszeit, die Edelmetalle zu fördern, zu transportieren und zu prägen. Doch schon zu Marx’ Lebzeiten kamen Banknoten auf, die ebenfalls Wert hatten, obwohl ihre Produktion fast gar nichts kostete. Marx stand vor dem Rätsel, warum auch die Geldscheine wertvoll waren.

      Zitat Ende
      …………………………………………………………………………………………………………………….
      Die nächste Albernheit von Frau Herrmann . Geldscheine hatten im Gegensatz zu Edelmetallen noch nie, und haben auch bis heute keinen dem Geldschein inhärenten eigenen Wert. Einen solchen Unfug hat Marx auch nie behauptet. Der….. scheinbare….Wert des Papiergeldes ergibt sich aus der Zirkulation desselben. Dies allerdings auch nur, wenn volkswirtschaftliche Geldmenge und volkswirtschaftliche Warenmenge an objektiven d.h. realen Gebrauchtwerten ( die Tauschwert haben ) sich in einem wenigstens ungefähren Gleichgewicht befinden. Wird dieses Gleichgewicht gestört, ergeben sich Inflation oder Deflation, je nachdem.
      Wäre es so, wie dies die Frau Herrmann behauptet, dann könnte sich Papiergeld nicht inflationieren. Spätestens seit 1923 sollte bekannt sein, dass Papiergeld sich durchaus inflationieren d.h. entwerten kann. Was nichts anderes heißt, als dass Papiergeld ohne Wert ist. Im Gegensatz dazu ist bei Edelmetalle Inflation ausgeschlossen, da diese einen eigenen den Edelmetallen inhärenten Wert haben.
      Wir können dies gerade heute am lebenden Objekt wunderbar beobachten. Während Super-Mario-Draghi Monat für Monat 60 Milliarden Euro Staatsanleihen, mit Papiergeld aus der Druckerpresse kauft, wird den Griechen und Anderen eine ruinöse Sparmaßnehme nach der anderen aufgenötigt. Der Grund für diesen Widerspruch ist einfach und logisch. Papiergeld hat keinen eigenen Wert würde Draghi die 60 Milliarden alle 4 Wochen über Griechenland aus dem Hubschrauber werfen, würde das Papier-Geld auf sich selbst d.h. auf NULL zurück fallen. Das heißt dann aus die Maus – Hyperinflation. Aber die kommt ohnehin, das ist nur eine Frage der Zeit.

      Während das Gold zirkuliert, weil es Wert hat, hat das Papier Wert, weil es zirkuliert.
      K. Marx, Kapital I, MEW 23, 141.
      …………………………………………………………………………………………………………………………………………………….
      Nächste Katastrophe Hans Werner UNSINN
      Zitat;
      Die Behauptung, dass sich die relativen Güterpreise in der Marktwirtschaft grundsätzlich nach der in den Waren steckenden Arbeitszeit richten, ist schlichtweg falsch, denn erstens sind die Löhne nur eine von vielen Kostenkomponenten einer Firma und zweitens sind Preise grundsätzlich Knappheitspreise, die ihren Wert auch von den Präferenzen und der gegenseitigen Konkurrenz der Nachfrager herleiten. Was hat beispielsweise der Preis eines Gemäldes von Rembrandt mit dem Lohn des Meisters zu tun? Was hat der Preis des Erdöls mit dem Lohn der Arbeiter am Bohrloch zu tun? Nichts, oder so gut wie nichts.
      Zitat Ende
      Ganz davon abgesehen, dass Marx jenes was Herr SINN hier behauptet, so nie geschrieben hat, verwechselt der Herr Herr SINN Preise mit Werten.
      Es kommt allerdings noch besser. Denn des Weiteren verwechselt Herr SINN Betriebswirtschaft mit Volkswirtschaft, d.h. er verwechselt die Erscheinungen der Marktwirtschaft z.B. Kostenkomponenten einer einzelnen Firma, mit dem Wesen der Marktwirtschaft. Die Marxsche Arbeitswertlehre gilt nur im volkswirtschaftlichen Durchschnitt nicht in der einzelnen betriebswirtschaftlichen Kostenrechnung, da in diesem Fall ( den Marx ausdrücklich ausschließt ) tatsächlich der Wert eine Ware steigen würde, je mehr Arbeit sich darin vergegenständlich ist. Aber gerade dies ( was der Herr Unsinn hier behauptet ) hat Marx eben nicht behauptet, sondern ausdrücklich ausgeschlossen.
      …..….
      Der wirkliche Wert einer Ware ist aber nicht ihr individueller, sondern ihr gesellschaftlicher Wert, d. h. er wird nicht durch die Arbeitszeit gemessen, die sie im einzelnen Fall dem Produzenten tatsächlich kostet, sondern durch die gesellschaftlich zu ihrer Produktion nötige Arbeitszeit.“ K. Marx, Kapital I, MEW 23, 336.
      Es könnte scheinen, dass, wenn der Wert einer Ware durch das während ihrer Produktion verausgabte Arbeitsquantum bestimmt ist, je fauler oder ungeschickter ein Mann, desto wertvoller seine Ware, weil er desto mehr Zeit zu ihrer Verfertigung braucht. Die Arbeit jedoch, welche die Substanz der Werte bildet, ist gleiche menschliche Arbeit, Verausgabung derselben menschlichen Arbeitskraft. Die gesamte Arbeitskraft der Gesellschaft, die sich in den Werten der Warenwelt darstellt, gilt hier als eine und dieselbe menschliche Arbeitskraft, obgleich sie aus zahllosen individuellen Arbeitskräften besteht. Jede dieser individuellen Arbeitskräfte ist dieselbe menschliche Arbeitskraft wie die andere, soweit sie den Charakter einer gesellschaftlichen Durchschnitts-Arbeitskraft besitzt und als solche gesellschaftliche Durchschnitts-Arbeitskraft wirkt, also in der Produktion einer Ware auch nur die im Durchschnitt notwendige oder gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit braucht. Gesellschaftlich notwendige Arbeitszeit ist Arbeitszeit, erheischt, um irgendeinen Gebrauchswert mit den vorhandenen gesellschaftlich-normalen Produktionsbedingungen und dem gesellschaftlichen Durchschnittsgrad von Geschick und Intensität der Arbeit darzustellen. Nach der Einführung des Dampfwebstuhls in England z.B. genügte vielleicht halb so viel Arbeit als vorher, um ein gegebenes Quantum Garn in Gewebe zu verwandeln. Der englische Handweber brauchte zu dieser Verwandlung in der Tat nach wie vor dieselbe Arbeitszeit, aber das Produkt seiner individuellen Arbeitsstunde stellte jetzt nur noch eine halbe gesellschaftliche Arbeitsstunde dar und fiel daher auf die Hälfte seines früheren Werts.
      Karl Marx – Friedrich Engels – Werke, Band 23, „Das Kapital“, Bd. I, Erster Abschnitt, S. 49 – 98 Dietz Verlag, Berlin/DDR 1968
      …………………………………………………………………………………………
      Abschlussbemerkung;
      Marxens Kritik der politischen Ökonomie bezieht sich auf das gesellschaftliche Wesen der kapitalistischen Produktionsweise, nicht bzw. nur teilweise auf deren individuelle betriebswirtschaftliche Erscheinungen. Letzteres nur dort, wo dies Marx zum Verständnis des Wesens unabdingbar erschien..
      An dieser simplen Tatsache scheitern bürgerliche Ökonomen immer wieder. Eines der größten Missverständnisse in Marxens Arbeitswertlehre, die nach wie vor nicht wiederlegt ist, ist die permanente Verwechslung von Wesen und Erscheinung, die permanente Verwechslung von individuellen und gesellschaftlichen Wert, modern ausgedrückt Betriebs und Volkswirtschaft. Es ist möglich sich betriebswirtschaftlich Wert anzueignen, ohne dass deshalb volkswirtschaftlich Wert entstanden sein muss. Die Arbeitswertlehre ist also alles andere als wiederlegt, dies auch gilt dann, wenn sich so mancher einbildet, es wäre Ihm gelungen.
      Fazit: Die Bundeszentrale für politische Verblödung ist kaum geeignet ein Verständnis über die Marschen Theorien zu entwickeln. Der Sinn dieses Papiers ist also lediglich ( um es mit Marx zu sagen ) eine bloße Apologie des Bestehenden, in den Nachweis, dass unter den existierenden Bedingungen die jetzigen Verhältnisse der Menschen zueinander die vorteilhaftesten und gemeinnützlichsten seien. Frau Herrmann und Herr Sinn, abstrahieren von allen wirklichen Verhältnissen und beschränken sich auf die bloße Illusion Marx wiederlegt zu haben. Den Rest dieses Papiers zu lesen, fehlt mir das Interesse.

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        Zu Reiner Lenz:
        Ich bekam just gestern die Paperausgabe, die man kostenlos ordern kann, von der BPB. Ich finde das Heft gut, nicht weil das, was da drin steht, richtig ist – abgesehen von Michael Quantes „Reiseführer“, den ich weitgehend richtig finde -, sondern weil es gesellschaftlich bedingte Rezeptionsfehler sind, die eine gewisse Notwendigkeit haben, die weniger im Text von Marx liegen als in den „theologischen Mucken“(Marx) der negativen Vergesellschaftung durch das Kapital. Ich nehme mal den ersten Punkt (Irrtum1). Die Seiten MEW 23, 790-91 enthalten tatsächlich Problematisches bei Marx, leider wird nur ein aus dem Kontext gerissenes Zitat verwendet, das suggeriert, Marx hätte im Kapital eine „Verelendungstheorie“ vertreten. Eine solche Theorie gibt es bei Marx des Kapitals aber gar nicht, die Behauptung der Notwendigkeit von Verelendung hat Marx nach 1848 gar nicht mehr vertreten. Dies würde voraussetzen eine Theorie des „physiologischen Existenzminimums“ etwa wie das „eherne Lohngesetz“ Lasselles. Ohne eine solche oder ähnliche Theorie, läßt sich aber die These (Theorie ist das ja nicht) der „absoluten Verelendung“ gar nicht vertreten. So was findet sich im Kommunistischen Manifest (MEW 4, 473, 476) die Lehre vom Minimum des Arbeitslohns. Im Kapital werden vor allem einige Textstellen regelmäßig aus dem Zusammenhang gerissen, MEW 23, 675 ähnlich die schon erwähten 790f.
        Es sind Textstellen, die etwas voraussetzungsvoller sind als die von mir mit Ware-Geld-Wertkritik bislang dargestellt werden, die übriges auch von Hermann nicht korrekt rezipiert wurden, sondern es wurde ein Pol der von Marx als Antinomie dargestellten Damaligen Streit der Ökonomen genommen und als „Warengeld“ bezeichnet, was bei Marx aber gar nicht vertreten wird, sondern er versucht die Bewegungsformen aufzuweisen, die aus der Antinomie folgen, daß die in neuere Antinomien heute führen, daß sowohl Zurück zum Gold gefodert wird als „ganz weg mit dem Metall“.
        Aber nun die vermeintliche Verelendungstheorie bei Marx, die schon deswegen nicht überholt sein kann, weil er sie nicht vertreten hat. 1968 kam Roman Rosdolsky, Zur Entstehungsgeschichte des Kapitals heraus S. 351- 366 findet sich eine Widerlegung der These, Marx würde ein Vereledungstheorem vertreten und auch eine Zugesätndnis relatives Rechts von Verelendungstheorie (360f), man müsse aber wissen, was die Verelendung angeht, „wo sie zu suchen ist“.

        „Wir sahen im vierten Abschnitt bei Analyse der Produktion des relativen
        Mehrwerts: innerhalb des kapitalistischen Systems vollziehn sich alle Me­ thoden zur Steigerung der gesellschaftlichen Produktivkraft der Arbeit auf Kosten des individuellen Arbeiters; alle Mittel zur Entwicklung der Pro­ duktion schlagen um in Beherrschungs- und Exploitationsmittel des Pro­duzenten, verstümmeln den Arbeiter in einen Teilmenschen, entwürdigen ihn zum Anhängsel der Maschine, vernichten mit der Qual seiner Arbeit ihren Inhalt, entfremden ihm die geistigen Potenzen des Arbeitsprozesses im selben Maße, worin letzterem die Wissenschaft als selbständige Potenz einverleibt wird; sie verunstalten die Bedingungen, innerhalb deren er arbeitet, unterwerfen ihn während des Arbeitsprozesses der kleinlichst gehässigen Despotie, verwandeln seine Lebenszeit in Arbeitszeit, schleudern sein Weib und Kind unter das Juggernaut-Rad [S5J des Kapitals. Aber alle Methoden zur Produktion des Mehrwerts sind zugleich Methoden der Akkumulation, und jede Ausdehnung der Akkumulation wird umgekehrt Mittel zur Entwicklung jener Methoden. Es folgt daher, daß im Maße wie Kapital akkumuliert, die Lage des Arbeiters, welches immer seine Zahlung, hoch oder niedrig, sich verschlechtern muß.“
        Der letzte Satz müßte allerdings stutzig machen, wenn man behaupten will, das sei eine Verelendungstheorie: „Zahlung hoch oder niedrig“, mit Elend wird auch das bezeichnet, was heute immer noch kapitalistischer Alltag ist. Bessere Bezahlung ändert am Elend demnach nichts, die Lage verändert sich nicht durch Lösung von Verteilungsproblemen.
        Aber dann das Zitat, mit der u.a. Arbeitslosigkeit bezeichnet ist, wir wissen, daß damit der kriminelle Herr Hartz Vier durchaus immer noch getroffen wird.
        „Das Gesetz endlich, welches die relative Übervölkerung oder industrielle Reservearmee stets mit Umfang und Energie der Akkumulation in Gleichgewicht hält, schmiedet den Ar­ beiter fester an das Kapital als den Prometheus die Keile des Hephästos an den Feisen. Es bedingt eine der Akkumulation von Kapital entsprechende Akkumulation von Elend. Die Akkumulation vom Reichtum auf dem einen Pol ist also zugleich Akkumulation von Elend, Arbeitsqual, Sklaverei, Un­wissenheit, Brutalisierung und moraiischer Degradation auf dem Gegenpol, d.h. auf Seite der Klasse, die ihr eignes Produkt als Kapital produziert.“675f
        Das Gesetze immer reale Möglichkeiten darstellen, kein Abbild der Realität, muß man wissen, sonst unterstellt man bei Marx einen überdeterminierten Wirklichkeitsbegriff, der Notwendigkeit der Wirklichkeit unmittelbar zuschreibt. Wegen solcher Tendenz der Verelendung, die tatsächlich hätte eintreten müssen, gibt es aber gerade „Widerstand gegen die Übergriffe des Kapitals“(Marx, Lohn, Preis, Profit 151) Sonst würde tatsächlich die Arbeiterklasse „zu einer unterschiedslosen Masse zusammengebrochener Hungerleider herabgedrückt werden.“(cit bei Rosdolsky S. 354f Fn50, Ende des Jahres wird Rosdolsky im Ca Ira Verlag wieder aufgelegt)
        Man findet bei Marx also auch neben dem einen Gesetz, entgegenlaufende Kausalitäten. Die erklären auch, warum er nicht den Ratschlag gab, nicht für höhere Löhne zu kämpfen, damit aus dem Elend die Revolution erwächst.
        MEW 23 791 finden sich allerdings bei Marx Formulerierungen die idealistisch sind und auch mit anderen nicht vereinbar:
        „Die aus der kapitalistischen Produktionsweise hervorgehende kapitalistische Aneignungsweise, daher das kapitalistische Privateigentum, ist die erste Negation des
        individuellen, auf eigne Arbeit gegründeten Privateigentums. Aber die kapitalistische Produktion erzeugt mit der Notwendigkeit eines Naturprozesses ihre eigne Negation. Es ist Negation der Negation.“
        Lenin und Lukacs, Lenins Parteitheorie folgend, hatten dann aber in Kritik dieser Illusion der Arbeiterklasse selber kein empirisches Klassenbewußtsein mehr zuschreiben können, sondern haben ein transzendentales Klassenbewußtsein, repräsentiert in der Partei und dem Proletariat nur „zugeschrieben“. Diese bei Marx nur tendenziell überwundene idealistisches Geschichtsphilosophie als Revolutionstheorie wurde in den 70er Jahren als „Krise der Revolutionstheorie“(Buchtitel Stefan Breuer) diskutiert. Dies allerdings mit Argumenten von Marx.
        Im Übrigen wird ja auch in der Diskussion von Verelendung gezeigt, diese mache nicht revolutionär, sondern eher reaktionär. Und Radikalisierung findet nach einer Phase der Verbesserung des Lohnarbeiterdaseins statt, wenn diese sich nicht fortsetzt.
        Kurzens Versuch Revolutionstheorie zu erneuern griff zu kurz, das hatte ich mal in der Zeitschrift für Kritische Theorie in einer Rezension dargelegt. Und es gab mal eine Kritik, dessen Titel treffend ist Der „Theoretiker ist der Wert“, man könnte auch sagen, das Wertgesetz gerät unter der Hand zu dem Heideggerschen „Sein“ oder dem „Ereignis“, rein aus der Logik des Werts läßt sich keine Revolution herleiten, das hätte den Status eins ontologischen Gottesbeweises, daß aus dem Begriff die Realität herleitet. Aber das möchte ich erst an den Stellen dann aufweisen, wo Marx schon die Begriffe dazu entwickelt hat.
        Daß Hermann das mit dem Gold nicht verstanden hat, folgt ja schon aus meiner Darlegung im Hauptartikel. Wenn man vom Geld (alle Sorten) als Zirkulationsmittel absieht, konstruiert man eine Warengeldtheorie, die billig zu widerlegen ist, ohne deren Wahrheitsgehalt zu bewahren (Abstrakte Negation). Jenseits von Zirkulation hat auch Gold keinen Wert, so wenig wie jede Ware ohne, daß sie auf Zirkulation bezogen ist, wenn sie außerhalb sich befindet, gar keine Ware wäre.

        Hegels Wissenschaft der Logik (Bd.2) hat mal das mit dem Widerlegen gut erklärt.
        „Der Nerv des äußerlichen Widerlegens beruht dann allein darauf, die entgegengesetzten Formen jener Annahmen, z. B. das absolute Selbstbestehen des denkenden Individuums gegen die Form des Denkens, wie es in der absoluten Substanz mit der Ausdehnung identisch gesetzt wird, seinerseits steif und fest zu halten. Die wahrhafte Widerlegung muß in die Kraft des Gegners eingehen und sich in den Umkreis seiner Stärke stellen; ihn außerhalb seiner selbst anzugreifen und da Recht zu behalten, wo er nicht ist, fördert die Sache nicht.“
        DIe meisten Autoren wollen – und können – nicht Marx widerlegen (warum auch, der ist schon gestorben) , sondern ihr eigenes Ding an die Stelle setzen und konstruieren sich einen Marx, der ihnen dabei hilft. Hans-Werner Sinn teilt paradoxer Weise die Gründe nicht, die zu dem führen, was er anerkennt, den tendenziellen Fall der Profitrate.
        Ansonstens macht Sinn das, was schon Popper machte, Marx als ökonomische Wissenschaft lesen, das war sie nicht, sie war Kritik mittels der Politischen Ökonomie und der heutigen Ökonomie (vom Typus her), die er Vulgärökonomie nannte.
        Mit der Wertheorie (Smith, Ricardo) können die meisten nichts anfangen, darum merken sie auch nicht, daß Marx sie kritisiert. Die meisten gucken auf die Ware und denken beim Wert Marx hätte behauptet, da sei Wert in der Größe der Arbeitszeit drin, die sich dann im Preis zeigt und behaupteten empiristisch, das stimme nicht, obwohl gerade Marx zeigt, daß Wert und Preis nicht zusammenfallen und daß das gar nicht die Schwäche des Kapitalismus ist, sondern die Stärke, weil die Widersprüche ihre Bewegungsform finden. Gänzlich verzweifelt sind sie dann, wenn sie vernehmen, daß Marx Lobeshymen auf dei zivilisatorische Funktion des Kapitals fast schon singt, weil das Kapital den Reichtum zwar nicht schafft, aber doch die Menschen zu immer mehr Reichtum verhilft, der auf der anderen Seite gerade allen Menschen vorenthalten wird. Und die traditionalen Relikte werden nach Marx ja auch „verdampft“ durch die zivilisatorische Tendenz. Auf die Idee, die Gruppierungen, die die realen Möglichkeiten des Kapitalismus zerstören wollen, zu unterstützen, wäre Marx gar nicht gekommen. Her hätte nur Häme für Judith Butler oder feminstischen Djihadismsus, die terroristische Bewegungen für fortschrittliche Bewegungen halten.

      2. avatar

        Sehr geehrter Herr Blumentritt,

        Ich muss neidlos anerkennen, dass Sie mir meilenweit voraus sind, hierfür meinen Respekt. Wie ich gestehen muss, habe ich von Marx nur relativ wenig gelesen ,jedenfalls in vergleich zu Ihnen. Es reicht aber offenbar allemal die Versuche bürgerlicher Ökonomen Marx zu wiederlegen, zumindest zu kritisieren und auch z.T. zu widerlegen.

        Gegen eine Marx Kritik spricht im Grunde auch nichts, aber wenn schon bitte qualifiziert. Wäre Marx so einfach zu widerlegen wie Alan Posener, Ulrike Herrmann und Hans Werner Sinn, es gern hätten, dann würde diese Debatte hier gar nicht statt finden weil Marx längst auf den theoretischen Scheiterhaufen verbrannt worden wäre. Allein diese Debatte zeigt, dass der alte Besserwisser offenbar höchst lebendig ist.

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        Totgesagte leben länger. Karl Marx wurde als kritischer und wirkmächtiger Theoretiker schon mehr als einmal totgesagt, und jedesmal ist er dem historischen und theoretischen Tod von der Schippe gesprungen. Das hat einen einfachen Grund: Die Marxsche Theorie kann in Frieden nur sterben zusammen mit ihrem Gegenstand, der kapitalistischen Produktionsweise. Dieses gesellschaftliche System ist „objektiv“ zynisch, strotzt geradezu von derart unverschämten Verhaltenszumutungen an die Menschen, erzeugt zusammen mit einem obszönen und geschmacklosen Reichtum derartige Massenarmut und ist in seiner blindwütigen Dynamik von solch unerhörten Katastrophenpotenzen gezeichnet, daß seine schiere Weiterexistenz unvermeidlich stets von neuem Motive und Gedanken radikaler Kritik hervortreiben muß. Und das A und O dieser Kritik ist nun einmal die kritische Theorie jenes Karl Marx, der schon vor fast 150 Jahren die destruktive Logik des kapitalistischen Akkumulationsprozesses in ihren Grundzügen unübertroffen analysiert hat. Aber wie für jedes theoretische Denken, das über das Verfallsdatum eines bestimmten Zeitgeistes hinausreicht, gilt auch für das Marxsche Werk: es bedarf immer einer jeweils neuen Annäherung, die neue Seiten entdeckt und alte Interpretationen verwirft. Und nicht nur Interpretationen, sondern auch bestimmte zeitgebundene Elemente dieser Theorie selbst. Jeder Theoretiker hat mehr gedacht, als er selber wußte, und eine widerspruchsfreie Theorie wäre nicht ernsthaft eine Theorie zu nennen. So haben nicht nur einzelne Bücher ihre Schicksale, sondern auch große Theorien. Es entwickelt sich immer ein Spannungsverhältnis zwischen einer Theorie und ihren Rezipienten, Anhängern wie Gegnern, in dem sich der innere Widerspruch der Theorie entfaltet und damit erst Erkenntnis befördert.

        Robert Kurz

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    Eine schöne historische Exegese, die zeigt, daß es keinen Marxismus/Leninismus geben kann: Marx ist Linkshegelianer, Lenin ein reiner Taktiker und Ideologe der Diktatur, der seine Makro-Verbrechen als geschichtsnotwendige Folge verkauft hat. Danach kam nichts Neues, aber viel tote Sprüche. Die Zahl der Verhungerten, Ermordeten ist bemerkenswert. Alles im falschen Namen des ML.

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      ML hätte es wohl nicht heißen dürfen, sondern EL, Engelsismus-Leninismus. Denn etwa die Abbildtheorie von Engels kam einer instrumentellen Praxis mehr entgegen, als die Konstitutionstheorie Marxens, die sich allerdings auch erst Schritt für Schritt durch Überwindung seiner Linkshegelianischen Phase und Überwindung des Proudhonismus entwickelte. Was später dann westlicher Marxismus genannt wurde, hatte auch ein gleichzeitig kantisches Erbe, das sie auch finden konnten im nachjunghegelianischen Marx, nicht aber bei Engels. Die Geschichtsphilosophie auf Basis der verdinglichenden Trennung von Histomat und Diamat ist schlichter Althegelianismus minus Hegels Absolutes, das dem Verfaulungsprozeß des absoluten Geistes geopfert wurde. Es ist ja auch kein Zufall, daß die Kritik hauptsächlich sich an Verblödungsformen des Marxismus, schwerlich an Marx abarbeitete. Meist war ja nicht einmal Lukacs Leninismus der Parteitheorie kritisiert worden. Für solche Praxis, in der dann Tote herumliegen, gilt wohl immer noch die schroffe Formulierung von Marx: sonst ginge die „alte Scheiße“ wieder los:
      „…und andrerseits ist diese Entwicklung der Produktivkräfte {womit zugleich schon die in weltgeschichtlichem, statt der in lokalem Dasein der Menschen vorhandne empirische Existenz gegeben ist) auch deswegen eine absolut notwendige praktische Voraussetzung, weil ohne sie nur der Mangel verallgemeinert, also mit der Notdurft auch der Streit um das Notwendige wieder beginnen und die ganze alte Scheiße sich herstellen müßte, weil ferner nur mit dieser universellen Entwicklung der Produktivkräfte ein universeller Verkehr der Menschen gesetzt ist, daher einerseits das Phänomen der·„Eigentumslosen“ Masse in Allen Völkern gleichzeitig erzeugt(allgemeine Konkurrenz), jedes derselben von den Umwälzungen der andern abhängig macht, und endlich weltgeschichtliche, empirisch universelle Individuen an die Stelle der lokalen gesetzt hat.“(MEW 3, 34f)
      Die ML-Herausgeber haben gleich in der Fußnote verschmät – wegen der Blamage der eigenen Theorie und Praxis – dann das eingeschränkt, das sei „nur richtig für die Periode des vormonopolistischen Kapitalismus“. Sie wußten wohl, daß der ganze Marx damit verraten ward. So hat der wohl wirkungsmächtigste Denker des 19. Jh. gar keine Praxis.

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