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Vorsicht Werbung – oder: Interessenkonflikt im Blätterwald

Was würden Sie sagen, wenn ein Buchautor Sie an dieser Stelle darüber informierte, dass Sie demnächst live im Internet ein Gespräch mit ihm und einer bekannten Moderatorin zu seinem neuesten Buch verfolgen könnten? Und wenn er Sie dann auch noch aufforderte, sich schon heute Fragen an ihn auszudenken und in eine dafür vorgesehene Maske einzutragen, damit er sie im Laufe des Gesprächs beantworten kann? Sie würden vermutlich „Bääh“ rufen. Sie würden die Nase rümpfen. „Glasklar Werbung. Unverschämtheit!“

Doch ist diese Einstellung wirklich fair?

Nehmen wir zum Beispiel an, der Autor wäre nicht etwa Freiberufler und lebte von seinen Büchern und Vorträgen – so wie ich – sondern hauptberuflich Redakteur eines großen deutschen Nachrichtenmagazins oder einer großen deutschen Wochenzeitung. Dann läsen Sie vermutlich bereitwillig eine seiner schönen, spannenden Titelgeschichten, die natürlich nicht zufällig zeitgleich mit dem thematisch verwandten neuesten Buch des Autors erscheint. Sie überflögen gegen Ende der Geschichte auch noch zustimmend den Hinweis auf eben dieses Buch und wären womöglich sogar dankbar für den interessanten Lektüretipp. Wenn Sie dann die Woche darauf das derart „beworbene“ Buch auf der Bestsellerliste entdeckten, freuten Sie sich sogar für den Autor. Das ist doch der, der unlängst diese schöne Titelgeschichte geschrieben hatte? Vielleicht sollten Sie sich endlich auch das tolle Buch kaufen?

Bei wissenschaftlichen Publikationen müssen die Forscher längst ihre Interessenkonflikte offen legen, etwa wenn ihre Studie von einem privaten Unternehmen mitfinanziert wurde. Und viele Zeitungen und Magazine lehnen Artikel freier Autoren sogar ab, wenn darin Bezug auf deren neuestes Buch genommen wird. Man mache im redaktionellen Teil keine Werbung. (Dass dann die Thesen des Buches nur zu gerne in Beiträgen anderer Autoren aufgegriffen und die Inhalte verarbeitet werden, natürlich OHNE auf das Buch auch nur irgendwie und irgendwo hinzuweisen (ist ja Werbung!), ist ein anderes, äußerst unerfreuliches Thema, gehört aber nicht hierher.) Nur für die Redakteure selbst scheinen all diese Regeln nicht zu gelten. Und beschweren tut sich darüber natürlich niemand. Immerhin profitieren alle Seiten: Presse, Autoren und Buchverlage. (Zum Glück, das sei hier nur am Rande vermerkt, gibt es auf der anderen Seite sehr wohl einige Zeitungen, die gerne derartige Artikel von freien Autoren annehmen und dafür sogar noch bezahlen.)

Um nicht missverstanden zu werden: Ich nehme den Redakteuren und den Zeitungen ihr Vorgehen keineswegs übel. Und auch ich freue mich natürlich sehr über jeden selbst geschriebenen Beitrag über eines meiner Bücher, den Zeitungen abdrucken. Es hat nunmal nicht jeder die gleichen Chancen. Und ich habe mir das Leben als Freiberufler bewusst ausgesucht, genieße es und möchte niemals mit den festangestellten Kollegen tauschen. Was mich eigentlich nur entsetzlich stört, ist, dass einem freien Autor, der im Internet für alle sichtbar und ganz transparent über sein neuestes Buch berichtet – etwa in einem Blog wie diesem oder in Diskussionsforen und ähnlichem – so oft Unverständnis, ja manchmal sogar Feindschaft und Aggression entgegenschlägt. Wie könne man nur so schamlos Reklame für sich selbst machen? Das sei doch völlig unehrenhaft. Es tut mir Leid, aber ich habe ein anderes Verständnis von Ehre, vom Publizieren und von Werbung. Was ist schon ein Publizist, der nicht über seine Publikationen schreiben darf? Und warum sollte jemand, der drei Jahre oder länger zu einem Thema recherchiert hat, auf diese Kompetenz nicht zur Untermauerung seiner Thesen hinweisen? Es macht schon einen Unterschied, ob man ausgewiesener Experte ist oder einfach nur irgendeine Verschwörungstheorie nachplappert. (Jaja, ich weiß: Nicht jeder Buchautor ist Experte, aber bei jedem Buchautor kann man seine Kompetenz leicht überprüfen. Man muss nur das Buch lesen.)

Nun mache ich an dieser Stelle also schamlos Werbung. (Verheimliche das allerdings auch nicht.) Denken Sie von mir, was Sie wollen. Ich bin überzeugt von meinem neuen Buch, finde sogar, sein Inhalt wäre eine große Titelgeschichte wert. Und ich finde, Sie alle würden etwas verpassen, wenn Sie das Buch nicht läsen. (Die FAZ sieht es übrigens ähnlich und ernannte das Buch zu einem der sechs „wichtigsten Sachbücher der Saison“.)

Worum es in meinem Buch Gesundheit ist kein Zufall. Wie das Leben unsere Gene prägt geht, habe ich in diesem Blog an anderer Stelle bereits geschrieben (Erbe, Umwelt, Vergangenheit: Warum die WHO Gesundheit falsch definiert). Heute möchte ich Sie zu einem Online-Live-Event über das Buch einladen: Der Verlag hat ein Gespräch zwischen mir und der preisgekrönten Kollegin Christina Berndt von der Süddeutschen Zeitung (und Autorin des Bestsellers Resilienz) organisiert. Wir werden uns kommenden Montag, den 8. Mai von 19 bis 20 Uhr über mein neues Buch unterhalten. Dabei werde ich auch Fragen der Zuschauer beantworten, die diese bereits vor und während der Veranstaltung per Chat-Maske im Internet stellen können. Das Video der Live-Sendung kann später unter dem gleichen Link abgerufen und jederzeit betrachtet werden.

Wenn Sie also interessiert sind, und sich nicht von meiner schamlos offenen Reklame abschrecken lassen, dann folgen Sie für weitere Infos diesem Link zu litlounge.tv. Es lohnt sich bestimmt, am Montag einzuschalten. Und wie Eingangs schon erwähnt: Ich freue mich besonders, wenn Sie mir eine Frage stellen. Dazu müssen Sie sich bei litlounge.tv zum „Online-Event“ weiterklicken. Dort wird dann auch das Video angezeigt, pünktlich, am Montag ab 19 Uhr. Ich freue mich auf Sie.

4 thoughts on “Vorsicht Werbung – oder: Interessenkonflikt im Blätterwald

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    Das mit der verpönten Eigenwerbung ist auch eine Sache der Leitkultur. Da schreibe ich gleich was zu bei der alphabetischen Liste.

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    „Nun mache ich an dieser Stelle also schamlos Werbung. “

    Überhaupt nicht. Es ehrt Sie, dass Sie das Publikum ernst nehmen und es offen ansprechen. Verkaufen gehört zur Kunst, sonst macht sie keiner.

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    Sie tun mir ernsthaft leid. Alle reden nur noch über Leitkultur, auch ich.

    Klar dürfen Sie für sich werben bzw. über Ihr Buch sprechen. Andere gehen mit den Verlagen auf Lesungen. Das ist schließlich auch Werbung. Wie sollte ein Buch sonst bekannt werden? Im Feuilleton liest ohnehin nicht jeder.

    Wenn ich die Welt-Artikel anklicke, kriege ich ungefragt eine Werbung vor einem Film eingespielt von einer Creme namens bebe, die ich nicht kaufen werde, logisch. Die Werbung ist ausgesprochen scheußlich, und jedes Mal muss ich die ansehen, will ich den Film sehen. Schrecklich. Man muss ja Ihr Buch nicht kaufen.

    Daher verstehe ich den Vorwurf nicht.

    Ich finde es übrigens inzwischen sehr gut, wie Angelina Jolie ihre geerbte Neigung zum Brustkrebs und ihre vorbeugende Therapie publiziert hat, lehrreich für andere Frauen möglicherweise, worum es ihr ging. Nur so nebenbei.

    Ich habe höheren Respekt für Leute, die wagen, unabhängig zu leben und sich vom Schreiben zu ernähren. Ehrlich gesagt habe ich theoretisch auch das Potential dazu, aber nicht die nötige Selbstdisziplin, die Frau Kaschnitz mal so exzellent beschrieben hat, als sie Max Frisch schilderte, der jeden Morgen an seiner klappernden Schreibmaschine saß. Auch Hemingway wusste ein Lied davon zu singen. Ein einziger gescheiter Satz pro Tag genüge ihm, schrieb er in „The movable Feast“.
    De Winters (Durlacher) finde ich auch imposant. Wechselseitig schrieb eine(r) ein Buch oder kümmerte sich um die Kinder.
    Manche mögen meinen, man hätte es locker und heiter, dabei ist die Selbstdisziplin das Schwierigste. Lange schlafen hat was und das Internet als Aufgabenverdränger auch.

    So reden wir über Leitkultur, und nebendran sitzt einer, der kultiviert schreibt und hat keinen comment. Ich wünsche Ihnen Erfolg mit Ihrem Buch. Ich werde es eher nicht kaufen und muss Ihnen erklären wieso: Ich habe mich räumlich verkleinert und musste einen Großteil meiner Bücher in Plastikboxen im Keller unterbringen. Das kann kein Dauerzustand sein. Zur Zeit habe ich nur die großen Dichter um mich, alles andere ist im Keller. Und Sie können sich vielleicht denken, dass meine Lust, jedes Mal in den Keller zu gehen, etwa so groß ist wie meine Selbstdisziplin. Dieser Mangel an Disziplin wird ausgeglichen durch Gemütlichkeit, und ich bin „übernormal gesund“ (Montgomery). Ein gemütlicher Fleischfresser und hingebungsvoller Autofahrer ohne Disziplin.
    M.f.G.

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