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Der Krieg gegen die Frauen

 

In diesem Jahr gedenken wir der Millionen Toten des Ersten Weltkriegs. Es handelt sich hauptsächlich um männliche Soldaten. Deren Schicksal – und das Schicksal anderer Soldaten in anderen Kriegen – ist der Stoff, aus dem Tausende Romane und Gedichte, Theaterstücke und Filme gemacht sind.

 

Im Verlauf des 20. Jahrhunderts wurden immer mehr Kriege von Genoziden begleitet: an den Armeniern, an den Ukrainern und Polen, an Juden, Sinti und Roma,  an den Tutsi, an irakischen Schiiten und Kurden, an muslimischen Bosniern und Kosovaren; die Liste ist unvollständig, und die Morde finden noch statt; aber immerhin sind die meisten dieser Verbrechen dokumentiert worden, es gibt Versuche der juristischen Aufarbeitung und Wiedergutmachung, es gibt Gedenkorte, -tage und rituale.  

 

Weitgehend unbeachtet aber ist der Krieg geblieben, der gegen die Frauen geführt wurde und wird, und der im 20. Jahrhundert allein über 100 Millionen Opfer gefordert hat. Diese Zahl ergibt sich aus der Differenz zwischen der Anzahl der Frauen, die man aufgrund des normalen Verhältnisses zwischen männlichen und weiblichen Lebendgeburten erwarten müsste, und der tatsächlichen Anzahl von Frauen in verschiedenen Ländern. Diese Berechnung, die ab Ende der 1980er Jahre vor allem vom indischen Wirtschaftswissenschaftler Amartya Sen angestellt wurde, der den Begriff „missing women“ geprägt hat, ergab allein 44 Millionen fehlende Frauen in China und 37 Millionen in Indien, mit weiteren Lücken in der weiblichen Bevölkerung in anderen Ländern Asiens wie etwa Bangladesh.

 

Die Opferzahl allein macht das Phänomen der fehlenden Frauen zur größten Katastrophe des 20. Jahrhunderts – sie ist höher als die Zahl der Kriegstoten im Ersten und Zweiten Weltkrieg zusammen, höher als die Zahl aller Hungertoten im 20. Jahrhundert, höher als die Zahl der Opfer der Grippewelle 1918 – 1920 oder der AIDS-Pandemie. Es handelt sich bei den fehlenden Frauen – anders als etwa die Opfer von Epidemien, Hunger, Erdbeben und Stürmen oder allgemeiner Armut – um Menschen, die  gezielt aufgrund eines bestimmten Merkmals – ihres Geschlechts – vor allem bei der medizinischen Versorgung – die grundsätzlich zur Verfügung gestanden hätte – benachteiligt wurden; Millionen wurden vermutlich bei der Geburt getötet oder werden – vor allem in China seit der Entwicklung vorgeburtlicher Diagnostik – als Fötusse abgetrieben.

 

Es hat zwar verschiedentlich Kritik an der Methodik der Arbeiten Amartya Sens gegeben; sowohl die von ihm postulierte Gesamtzahl als auch die von ihm angenommene Verteilung auf einzelne Länder sind infrage gestellt worden. Spätere Berechnungen ergaben Zahlen zwischen 60 und 89 Millionen. 2003 jedoch kamen Stephan Klasen und Claudia Wink auf eine Gesamtzahl von 101,3 Millionen „fehlenden Frauen“ („Missing Women“: Revisiting the Debate. Feminist Economics, 9 (2-3) /2003).  Die wichtigsten Länder in absoluten Zahlen sind:

 

China: 40,9 Mio., Indien: 39,1 Mio.; Pakistan: 4,9 Mio.; Bangladesh: 2,7 Mio.;  Ägypten: 1,3 Mio.; und Afrika südlich der Sahara: 5,5 Mio.

 

Die absoluten Zahlen geben aber nur einen Teil des Problems wieder; um zu sehen, wo „Gendercide“ besonders virulent ist, muss man die Gesamtzahl in Verhältnis setzen zur Zahl der Frauen, die ohne diese tödliche Diskriminierung leben würden. Mit anderen Worten: Welche Prozentzahl der weiblichen Bevölkerung wurde ermordet? Hier lauten die Zahlen:

 

Indien 7,9%; Pakistan 7,8%; China 6,7%; Taiwan 4,7%; Ägypten 4,5%; Bangladesh 4,2%; Türkei 2,4%; Afrika südlich der Sahara 1,8%.

 

 

Welche Faktoren spielen hier eine Rolle? Genannt werden in den einschlägigen Studien etwa generelle Armut und schlechte Gesundheitsversorgung, die zur Rationierung von Überlebens-Ressourcen führen; die Ein-Kind-Politik der KP Chinas und Heirats-Sitten in Indien, die der Familie der Braut hohe Mitgift-Zahlungen auferlegen.  Jedoch taugen solche Erklärungen nur bedingt.  Die Bevölkerung Taiwans zum Beispiel ist im Schnitt wohlhabender als jene Chinas, und die Regierung Taiwans verfolgt keine Ein-Kind-Politik. Die Mordrate ist denn auch nicht so extrem hoch wie in der Volksrepublik China, aber dennoch sehr hoch. In Afrika südlich der Sahara ist die Armut endemisch; doch die Mordrate liegt unterhalb jener in der verhältnismäßig wohlhabenden Türkei.

 

 

Am Ende muss man wohl kulturellen Faktoren eine entscheidende Rolle beimessen. Ist es zum Beispiel wirklich ein Zufall, dass es in christlich geprägten Ländern – auch in armen Ländern wie jenen Lateinamerikas – keinen Massenmord an Frauen gibt? Ich glaube nicht. Ist es ein Zufall, dass es in Ländern wie Deutschland, wo, wie etwa Akif Pirincci meint, ein „irrer Kult um Frauen“ getrieben wird, es tatsächlich trotz eines – vermutlich evolutionär bedingten – leichten Geburtenüberschusses männlicher Kinder mehr ältere Frauen als Männer gibt? Ich glaube nicht.

 

Am Ende ist der millionenfache Massenmord an Frauen nicht das Ergebnis knapper Ressourcen, sondern der bewussten Entscheidung, diese knappen Ressourcen  so und nicht anders zu verteilen; das heißt, der mangelnden Wertschätzung von Frauen und des Fehlens eines moralischen Maßstabs, der diese tödliche Diskriminierung unterbindet. (Dass sich der Krieg gegen die Frauen letztlich gegen die Männer wendet und überdies ökonomischer Widersinn ist, steht auf einem anderen Blatt.) Dass es in Wirklichkeit auch hierzulande keinen „irren Kult um Frauen“ gibt, sieht man daran, wie selten dieses Jahrhundertverbrechen thematisiert wird.

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86 Gedanken zu “Der Krieg gegen die Frauen;”

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    @ Hans Mohrmann: Doch die offenkdunige Tatsache, daß die im Sinne des occident parisien umgeformten Gesellschaften Indiens oder der Türkei keineswegs den westlichen Standard im Sinne der lataeinischen WElt erreicht haben …

    Das trifft nur zu, wenn der „Krieg gegen die Frauen“ nicht als die – uns Moderne graust es dabei, klar – „ökonomischste“/ „rationalste“ Form der (traditionellen) Geburtenregelung/ Bevölkerungspolitik verstanden wird.

    Aber ich fürchte, man muss dem in’s Auge blicken: Es geht, wie es sich im Laufe der Zeit dann auch immer kulturell (als Frauenverachtung) verselbständigt haben mag, zunächst um Geburtenregelung/ Bevölkerungspolitik. Und wenn das zutrifft, schneiden wir keineswegs besser ab. Unter dem „ökonomischen“/ „rationalen“ Gesichtspunkt sogar schlechter. (Vor der „Pille“ sowieso, aber sogar danach noch.)

    Anders gesagt: Man sollte das Phänomen nicht vorschnell mit westlicher Überlegenheits-Attitüde zu diskutieren versuchen, sondern erst mal offen hinschauen.

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    @ i.V. Hans Scholl: Die Kaperung dieses Namens für Ihre Zwecke ist eine Unverschämtheit. Sie vertreten niemanden.
    @ Hans Mohrmann: Das sind interessante Gedanken. Ich stimme Ihnen zu, dass die „Verwestlichung“ im Sinne der Einführung von Kapitalismus, Demokratie und Konsumfreiheit noch lange nicht zu einer „westlichen“ Gesellschaft in unserem Sinne führt. Man konnte und kann das sogar an der ehemaligen DDR beobachten.
    Jedoch ist die implizite Schlussfolgerung, man müsste auch die christliche Zivilisation einführen, weil sonst der „occident parisien“ zu schwach bleibt, um die archaische Clan-Gesellschaft zu überwinden, nicht zwingend. Und ohnehin unrealistisch.

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    http://www.welt.de/debatte/hen.....angen.html
    http://www.welt.de/debatte/kom.....n-ist.html

    Die BuReg hat also Soladten unter einer Klausel der OSZE-Verträge, also mit Tarnkappe, in die Ukraine geschickt, wo sie seitdem „geladene Gäste“ sind.

    Ein paar Fakten:
    Vor ca. einer Woche wurde in diesem Land ein jüdischer Journalist festgenommen. Etwas später wurde ein schwer einzuordnender wendehalsiger jüdischer Politiker angeschossen oder sogar erschossen. Des Weiteren sind auf dem Maidan rechtsnationale Kräfte beteiligt gewesen. Und das ist nur ein Ausschnitt.
    Ich möchte mit diesem Land nichts zu tun haben und will so ein Land weder in der EU, noch in der NATO haben. Von mir aus sollen die Russen das haben. Ungarn können sie von mir aus auch zurückhaben. Dass es in Polen einen Haufen Antisemiten gibt, weiß ich nur aus Gesprächen. Ich habe keine Lust, wegen antisemitischem Pack erneut in einen Weltkrieg gezogen zu werden, vielleicht nicht jetzt, sondern 2039? Jedenfalls hat der hässliche Wurm im Osten längst wieder sein Haupt erhoben. Und die USA verstehe ich in diesem Punkt überhaupt nicht. Im Internet wird zuweilen in eindeutiger Weise gegen Victoria Nuland und Robert Kagan gehetzt. Das Ganze hat einen sehr strengen Odeur. Und bisher hat man nicht den Eindruck, dass Frau Merkel das spannt.

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    Was sit die wetliche Lebensweise. Ist es die Lebensweise der Westkirche, oder ist es die Lebensweise des Jakobinismus. Was ist der Westen? Ist es Rom oder ist es Paris? Je nachdem, wie wir diese Frage beanworten kommen wir entweder zu dem Ergebnis, daß das Christentum wie jede andere Religion die Quelle des Übels, oder die Quelle des Heils ist. Doch die offenkdunige Tatsache, daß die im Sinne des occident parisien umgeformten Gesellschaften Indiens oder der Türkei keineswegs den westlichen Standard im Sinne der lataeinischen WElt erreicht haben,, zeigt uns, daß noch andere Kräfte wirken. Der archaische Geist der männerzentrierten Gesellschaften des ostens ist stärker als die nur oberflächliche Verwestlichung a la occident parisien. Der westliche Geist ohne seine christliche Wurzel hat nicht die Kraft die es brauchte, um die mörderischen Traditionen zu beseitigen.

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    The War against everything that’s weaker than armed people, our daily Darwinism:
    Deadly environment, an investigation by London-based Global Witness documents 147 recorded deaths in 2012, compared to 51 in 2002. Between 2002 and 2013, at least 908 activists were killed in 35 countries – with only 10 convictions. The death rate has risen in the past four years to an average of two activists a week, according to the report, which also documents 17 forced disappearances, all of whom are presumed dead.

    http://www.theguardian.com/env.....ess-report

    http://en.wikipedia.org/wiki/Dian_Fossey

    http://news.nationalgeographic.....nga-congo/

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    Noch so nebenbei:
    Die Bevölkerungspolitik des medizinisch-pharmazeutisch-industriellen Komplexes: Zu oft, zu unüberlegt, zu kurz, zu geringe Dosen, Hauptsache der Euro rollt:

    Genf/Hamburg – Antibiotika sind extrem wichtige Medikamente. Bei bakteriellen Infektionen können sie den Unterschied ausmachen, ob diese nach ein paar Tagen abklingen – oder im schlimmsten Fall lebensbedrohlich werden. Deshalb warnen Mediziner eindringlich vor den Folgen sich verbreitender Resistenzen gegen die Mittel.
    http://www.spiegel.de/gesundhe.....66796.html

    Am schlimmsten waren immer die Zahnärzte. Sie verschrieben Antibiotika für drei Tage. Staphylo- und Streptokokken haben jubiliert.

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    @ kamy

    Glaube nicht, dass Mutter eine „Eliteveranstaltung“ jemals war, sondern der am schlechtesten bezahlte 24/7 Job.
    Der Frau die Mutter als ersten Wunsch auszureden, könnte auch mit Bevölkerungspolitik zu tun gehabt haben. Da fast alle westlichen Frauen darauf ‚reingefallen sind, haben wir heute zu wenig Kinder, Siehe hier:
    Population control may use one or more of the following practices although there are other methods as well:
    Changing status of women causing departure from traditional sexual division of labour.
    http://en.wikipedia.org/wiki/H.....on_control

    Krieg gegen die Frauen könnte auch bedeuten: In archaischen Gesellschaften kämpft der Mann gegen die Frau (z.B. Zwang zum Sex), in moderneren die Bevölkerungsmathematiker, also der Staat. Muslime lassen sich bekanntlich Letzteres nicht bieten und haben daher im Schnitt mehr Kinder. Westlichen Frauen kann man langsames Aussterben offenbar als große Errungenschaft verkaufen. Verblendet vom Narzissmus.

    Ja wirklich, wenn man sich einliest, hochinteressantes Thema. Am interessantesten erscheint mir die Anleitung zum Selbstbetrug.

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    @ Stefan Buchenau
    Kann sein, dass Sie doch Recht haben:
    „The biological mechanism behind the skewed sex ratio wasn’t investigated in the study. But previous radiation experiments on animals suggest the boost in males may be due to damage to X chromosomes in sperm, Scherb said.

    In humans, a sperm cell contains either an X or Y chromosome, while an egg contains no Y chromosome. If an embryo has an XY combination, it will become a boy. An XX combination results in a girl.“
    http://news.nationalgeographic.....s-science/

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    @ Alan Posener
    War die Fallaci ein Intersex?:
    „sondern das finden Sie bei Oriana Fallaci, dessen Buch ich – ebenfalls vor Jahren – positiv rezensiert habe.“

    Das gerade hätte ich eher negativ rezensiert. Dieses Unerträgliche: Wissen Sie und haben Sie da gehört, dieses furchtbare Insistieren. Ganz schlecht geschrieben. Nur die Szene mit Andreotti fand ich komisch.

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    @ Alan Posener
    Ich glaube, der hochgepushte Pluralismus macht Nationalstaaten in dieser Form instabil, und ich unterstelle, dass Sie das auch wissen. Sie finden ja niemanden, der etwas Gravierendes gegen eingewanderte Perser vorbringt, oder? Oder gegen Russen, Thailänder, Israeli, Inder oder Franzosen. Es geht hier um die gezielte Anwerbung der Unterschicht muslimischer und afrikanischer Länder, um billigere Arbeitskräfte zu haben und alles, was Sozialdemokraten und Gewerkschaften errungen haben, in einem schleichenden Prozess zu zerstören, wobei als erstes die Gewerkschaften ruhiggestellt wurden. Da aus dieser Schicht auch die antik wirkenden Entgleisungen kommen, wirkt das auf manchen so, als sollten alle Werte zerstört werden. Der von Ihnen gelobte Pluaralismus, auch im Sinne von Meinungsfreiheit, wird dabei mit draufgehen. Und m.E. ist das in neoliberalen Kreisen durchaus erwünscht, und die Verteidiger des „Pluralismus“ durchschauen es nicht. Pluralismus können Sie nur mit gebildeten Einwanderern haben, solche, wie die US sich headhunten. Der dort unerwünschte illegale Mexikaner wird ebfs. von der Industrie als Billigarbeiter geholt.
    Man kann das ebensogut als die Wiedereinführung von moderater Sklaverei bezeichnen unter dem Deckmantel von so schönen Ausdrücken wie „Pluralismus“.

    @ Stefan Buchenau
    Das muss ein Zufall sein. Wenn es weniger Jungen wären, könnte man vermuten, dass das y-Chromosom beschädigt wird. Da aber ein x vom Mann kommt, die Frau aber auch zwei x hat, sehe ich dafür keine Erklärung.

  11. avatar

    @ KD
    Kissler:
    „Man achte nur auf die stetig wachsende Schere zwischen dem Tenor der jeweiligen Kommentare zum Weltgeschehen und den Leserbemerkungen gleich darunter. Die Entfremdung macht Fortschritte. Leser an Medium: du lügst, es ist ganz anders. Medium an Leser: Schnauze…”“

    Das stimmt absolut. Online zumindest. Im Moment scheinen sie gemeinsam für die NATO und wirtschaftliche Interessen der USA zu schreiben. Z.B. gemeinsam gegen Gerhard Schröder. Schröders Geburtstag mit Putin ist sowas von sinnvoll. Schröder kann Putin vermitteln, dass hier nicht alle gleich denken und vor allem diametral verschieden von ihren Medien. Jedenfalls arbeiten die nicht mehr für denkende Bürger, auch nicht für friedfertige Bürger.
    Die Auffassung, fundamentaler Islamismus hätte etwas mit Islam zu tun, kann nur von Atheisten kommen. Islam ist hier gekapert, er ist das Vehikel für politische Interessen und Macht. Die Interessengruppen, die an der Zerstörung der Natur arbeiten, sind weder an Christen noch an gläubigen Juden, weder an Muslimen noch an Hindu/Buddhisten interessiert. Jeglicher interreligiöse Konflikt spielt ihnen in die Hände. Nigeria z.B.: Muslime (Darfnetlesen oder so heißen die) gegen Christen. Mittendrin die Ölindustrie in dem Land. Zufall? Wer zahlt die Gewehre? Ein Rätsel, das ich nicht ‚rauskriege. Alle Arm, aber Waffen.
    Außerdem: Haufenweise Analphabeten, vor allem unter Frauen. Als die Kreuzzüge stattfanden, konnte kaum einer die Bibel lesen. Du kannst Analphabeten alles verkaufen, alles, denn sie können es nicht überprüfen. Ergo: Die haben teilweise den Koran gar nicht gelesen. Im Gegensatz zu „Mein Kampf“, das damals die meisten wohl gelesen hatten.
    Der Ausdruck „Nazi“ ist genauso überdehnt wie „Gutmensch“ oder die Gestalt Hitler. Ahmadinetler, Chavetler, Putler, Bustler, Chenetler, in Griechenland auch die Mertler, etcetera, alles dabei, quer durch den Garten. Alles Nazi, alles schlimm, schlimm, schlimm, dabei total undifferenziert. Nun kann man das den Zeitungen nicht vorwerfen. Das findet sich eher online.
    Die Zeitungen sind besser als das meiste online.

    Der wirkliche Grund, warum die Leute abbestellen, wird verschwiegen: Zu wenig Geld. Grund: Kalte Enteignung.

    PS: Die meisten Frauen haben es nicht so gut im Islam. Warum wehren sie sich dann nicht kollektiv?

  12. avatar

    @ Roland Ziegler

    Ich schließe mich Ihnen an. Die „Kulturalisierung“ (und Moralisierung) des Phänomens ist zu einseitig bzw. vorschnell. Es ist äußerst unwahrscheinlich, dass sich dergleichen Phänomene auf Dauer in einer Kultur behaupten können, wenn sie nicht auch eine ganz praktische Funktion erfüllen. Ein Männerüberschuss von z.B. zwanzig Prozent könnte tatsächlich auf die „Züchtung“ einer äußerst aggressiv scharfen Kriegswaffe hinauslaufen – sei es auf der Basis sexueller Frustration, sei es auf der Basis homosexueller/ homoerotischer Männerfreundschaft. Denkbar ist aber auch, dass der Männerüberschuss eine ganz unkriegerisch „selbstlose“ (heißt: familienlose) Funktionselite im Sinne der Eunuchen oder einer ehelosen Diener- oder Priesterschaft erzeugen sollte usw. usf.

    (Möglicherweise ist unsere Kultur weniger mordlustig, was Frauen betrifft. (Unsere Hexen-„Kultur“ deutet allerdings in eine andere Richtung.) Dass wir nicht massenhaft Kinder (wahrscheinlich gleichermaßen beider Geschlechter) umgebracht haben, glaubt allerdings nur derjenige, der auch glaubt, dass der größte Teil der leibeigenen Land-Bevölkerung bis 1807 (bzw. 1848) nicht nur ehelos , sondern auch ohne Sex gelebt hat. (Die christliche Hochschätzung der Jungfräulichkeit hätte – so gesehen – mindestens auch(!) eine ignorierende und Tarnfunktion gehabt.))

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    Lieber KD, sie sind kein „Nazi“, wenn Sie das Wort „Gutmensch“ benutzen, und wenn Sie mal bei Wikipedia nachschlagen, werden Sie feststellen, dass ich zitiert werde als derjenige, der das Gerücht, es handele sich um einen Nazi-Begriff, schon vor Jahren entkräftete.
    Es handelt sich dennoch um einen sehr dummen und beleidigenden Begriff.
    Natürlich gibt es keinen Islamismus ohne Islam, das hat nicht Henryk erfunden, sondern das finden Sie bei Oriana Fallaci, dessen Buch ich – ebenfalls vor Jahren – positiv rezensiert habe. Die Bemerkung finden Sie auch in meinem Papst-Buch, und ich habe im vorliegenden Artikel über den Krieg gegen die Frauen den Islam nicht ausgespart und das Christentum gelobt, obwohl ich selbst gegenüber allen Religionen in hohem Grade kritisch bin.
    Nur: Dieses Menschheitsverbrechen allein oder auch nur hauptsächlich dem Islam in die Schuhe zu schieben – das geht nicht. Gegen eine solche ignorante Auslegung der Fakten, damit sie in ein vorgefasstes Weltbild passen, wehre ich mich.
    Bin ich ein Islamversteher? Ja, ich versuche den Islam zu verstehen, so wie ich versuche, das Christentum zu verstehen. Das christentum auf eine „Kriminalgeschichte“ zu reduzieren, wie es Karl-Heinz Deschner getan hat – das geht nicht; dennoch ist sein Werk wichtig. Den Islam auf „Mittelalter“ oder „Faschismus“ zu reduzieren wie es Kelek und Abdel-Samad tun (mit denen ich befreundet bin) – das geht auch nicht, und dennoch ist deren Kritik am Islam wichtig.
    Freilich wäre es mal interessant, übungshalber, zu versuchen, die neueste Geschichte aus der Sicht eines Moslems zu sehen: von Tschetschenien bis Srebrenica, von Rabbi Kahane bis Anders Breivik. Mir wird, von parisien und anderen, vorgeworfen, ein Krieger des Neoliberalismus und der westlichen Lebensweise zu sein, und ich bekenne mich dazu, aber zu dieser westlichen Lebensweise gehört der Pluralismus, leben und leben lassen, die Gedankenfreiheit, zu der vor allem die Religionsfreiheit gehört. Ist etwas komplex, diese Haltung, aber gerade von Ihnen hätte ich erwartet, sie zu begreifen.
    P.S. Mein Freund Kissler muss gerade reden!

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    @ Lieber Parisen – lieber Herr Posener – “ islamophob“ ist ein blödes Wort. Okay. „Gutmensch“ ging bis vor wenigen Monaten noch durch in den seriösen Kommentarspalten. Heute bin ich ein „Nazi“ wenn ich das Wort gebrauche. Soviel zum Kampf um Deutungshoheiten und über die wahren Machtverhältnisse in deutschen Leitmedien. Erwartet man hier von mir ernsthaft einen Kommentar zu der Bemerkung das Muslime zu 99 Prozent „freundliche und warmherzige Menschen sind“ ? – Also das schenke ich mir jetzt ganz einfach! Aber schenken tu ich mir nicht die schöne Broder-Formel: Es gibt keinen Islamismus ohne Islam – so wie es eben auch keinen Alkoholismus ohne Alkohol gibt. Die Folgen sieht man – auch im aufgeklärten 21. Jahrhundert – zum Beispiel hier: https://www.facebook.com/photo.php?v=869716566378423&set=vb.352056524811099&type=2&theater

    Und meinem trotz verbaler Anfeindungen (ich habe übrigens absolut nix von KPD/AO erwähnt) noch immer höchst geschätzten Autor und Journalist Alan Posener empfehle ich mal zur Abwechslung die Lektüre seines vermutlich wenig geliebten Kollegen Alexander Kissler. Der schreibt nämlich gerade:

    „Hochmut nach dem Fall … Der vielleicht entscheidende Grund für die kollabierende Leserbindung lautet aber: Immer mehr Menschen haben den Eindruck, da werde an ihrem Leben, ihren Eindrücken, ihren Haltungen vorbei geschrieben. Da bastle sich eine abgehobene Medienelite die Welt, wie sie ihr und nur ihr gefalle. Da herrsche der teils übellaunige, teils zwangsironische Nörgelton der Hyperkorrekten und Dauerbesorgten, der Schönredner und Weggucker und Besserwisser. Längst aber sei – um bespielhaft den Namen eines routinierten Leitartiklers der SZ aufzurufen – alles der Fall, was eben nicht der (Heribert) Prantl ist. Man achte nur auf die stetig wachsende Schere zwischen dem Tenor der jeweiligen Kommentare zum Weltgeschehen und den Leserbemerkungen gleich darunter. Die Entfremdung macht Fortschritte. Leser an Medium: du lügst, es ist ganz anders. Medium an Leser: Schnauze…“

    http://www.cicero.de/salon/med.....fall/57493

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    Jenseits von Schwangerschaftsabbrüchen: Woran mag es wohl liegen, dass im Umkreis von AKW’s und dem Atomklo Gorleben (dort seit dem Aufstellen der ersten Castorbehälter 1996) 10% weniger Mädchen geboren werden?

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    Man sollte auch mal die Äußerungen zu Krieg und Frieden nach Geschlechtern sortieren. Auch hierzulande. Wer hält Abschreckung, Rüstung, Bestrafung, Rache eher für sinnvoll – sind das Männer oder Frauen? gibt es hier vielleicht eine Statistik?
    Meine Vermutung: Die Männer sorgen in Friedenszeiten für einen Männerüberschuss, den sie dann in Kriegszeiten wieder abrasieren wollen. Sie drängen förmlich zum Krieg, um irgendetwas durchzusetzen oder zu schützen; man muss sie immer wieder zurückdrängen. Komplett irrational.

  17. avatar

    @Klaus J. Nick

    nur zur Information: In allen Wirtschaftsformen, die noch stark auf Selbstversorgung setzen, tragen die Frauen zu einem ganz erheblichen Teil zur „Versorgung“ der Familie bei. Das war nicht nur im nördlichen Europa so, das galt und gilt für alle Länder. Erst mit fortschreitender Arbeitsteilung und Industrialisierung änderte sich dies.
    Und wir haben nur zwei-drei Generationen gebraucht, um völlig zu vergessen, das Frauen immer schon gearbeitet haben und die Hausfrauenehe eine Elitenveranstaltung war.
    Heute denken viele, die Hausfrauenehe würde auf einer „natürlichen“ Arbeitsteilung basieren. Aber diese Lebensform dürfte wohl die einzige „natürliche“ sein, die es in der Natur nie oder nur ausnahmsweise gab. In Wirklichkeit ist sie ist purer Luxus und wir merken es noch nicht einmal.

    Sorry für das OT, aber das kann man nicht oft genug sagen.

  18. avatar

    APo: Aber wer keine Argumente hat,…

    … der ‚moderiert‘!

    (Aber ‚Knallererbse‘ – der war gut. hi, hi, hi.)

  19. avatar

    @KJN: Nicht eine falsche Religion ist nach meienr Ansicht für die von Herrn Posener beschriebene verbreitete Abwertung der Frau verantwortlich, eher ein schiefes Menschenbild im Alltag, d.h. eine falsche Kultur. Die Religion stellt zwar ungeheure (metaphysische) Ansprüche, bleibt aber trotzdem nur ein Motiv unter vielen anderen im Leben eines Menschen. Ich glaube, die Erziehung und das konkrete Verhalten im direkten Umfeld ist viel wichtiger. Auf das Verhalten der Menschen nehmen viele Faktoren Einfluss; letztlich findet es aber einfach statt: Man findet es vor und orientiert sich daran.
    Was tat der Vater mit der Mutter, was der Nachbar mit der Nachbarin? Solche lebendigen Geschichten sind viel wichtiger als die steife Religion, um zu erklären, was der Mann heute mit der Frau tut.

    Natürlich spielt die Religion eine gewisse Rolle; vor allem zementiert die religiöse Praxis die Geschlechterrolle. Diese Praxis kann sich innerhalb einer identischen Religion ja extrem unterscheiden (z.B. Sufismus vs. Salafismus innerhalb des Islam) – je nach kulturellem Kontext. Auch die archaischste Religion muss sich mit den anderen Bedingungen des modernen Lebens vertragen.

    Die religiöse Radikalisierung stellt m.E. nur einen seltenen Extremfall dar, der die Abwertung der Frau, die bereits vorgängig bestanden haben muss, nicht begünden kann. Hier schafft es die Religion, alle anderen Bereiche des Lebens, d.h. jede Praxis zu unterwerfen. Das ist in jedem Fall schlimm, hat auf Dauer aber keinen Bestand, weil der Mensch de facto nicht so eindimensional ist und sich auch nicht so bündeln lässt, wie es die religiösen Fanatiker gerne hätten. Sexuelles Interesse, Musik, Appetit und Lachen lassen sich nicht dauerhaft verbieten, mit keiner Lehre der Welt, kurz gesagt.

  20. avatar

    ..und für einen „mediterranen heterosexuellen Proll“ sind natürlich die erzwungenen Männerüberschüsse ebnenfalls ein Grauen (Merke: Menschenrechte = unteilbar)

  21. avatar

    @KD:
    Die ‚Bauchschmerzen‘ bei der Pränataldiagnostik teile ich: Eine der schärfsten Waffen der Menschheit, um sich selber auszurotten. Um so wichtiger ist Reflexion (Alan Posener würde vielleicht eher von ‚Zivilisation‘ sprechen)

  22. avatar

    .. ich meine mit den ’sweat shops‘: Die Frauen arbeiten dort, verdienen Geld für die Familie und haben trotzdem nichts zu sagen..

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    Interessant wäre ja auch, was das für das zivilisierte (?) Europa heißt.. ich meine, wo gerade Geschichten von ausländische Freunden erzählt werden: Die Ehefrau eines Freundes (Finland) meint, die Gleichberechtigung in Skandinavien wäre deswegen so fortgeschritten, weil die Arbeit im kargen Norden so hart gewesen wäre, daß die Frauen immer hätten voll mithelfen müssen. Erscheint plausibel (wenn es auch kein besonders schmeichelhaftes Licht auf homo sapiens wirft: wer zahlt bestimmt die Musik). Aber was ist mit den ‚Sweat shops‘ in Indien, Birma, wo so viele Frauen ausgebeutet werden eine Chance bekommen? Falsche Religion? (Oder/und ein antikapitalistischer Fieberschub meinerseits?)

  24. avatar

    Das ist natürlich ein schlagendes Argument, lieber Herr Posener, Zeitung lesen verblödet und Ihre Recherchen wickeln Sie ganz ohne die Kenntnisnahme kollegialer Zuarbeiten ab? Das werde ich mal dem Schirrmacher stecken! 😉

  25. avatar

    @ KD
    Islamophob ist ein blödes Wort. Muslime sind Menschen wie wir alle. Ich habe sehr freundliche, warmherzige darunter getroffen. Ich glaube, das sind Muslime, echte.
    Die anderen unterliegen einer extremen Politisierung bis hin zur Gehirnwäsche in Trainingslagern mit allen Feindbildern, die dazugehören, Frau, Jude, Christ!!!, Buddhist, Hindu, Israeli, Amerikaner, der Westen.
    Man muss die genau auseinanderhalten. Pirincci kann sie hart auseinandernehmen, da er Türke ist. Broder führt Missstände vor, hasst aber nicht generell Muslime. Sonst hätte er niemals mit Hamed zusammengearbeitet. Und Hamed sagt, er sei gläubig.
    Es fehlt das Insistieren der friedfertigen, gläubigen und anpassungswilligen Muslime, dass sie diese Mittelalterlichkeiten in ihrer Religion ablehnen. Manche mögen zu passiv sein, manche Angst haben.
    Aber es rennen nicht alle zu Erdojan, wenn der sich mal wieder in D eine Propagandahalle geben lässt. Und wenn man genau hinschaut, kritisiert Broder lediglich Politiker, die genau das Gegenteil von Islamophobie betreiben, eine Art Altertumsphilie, Verteidigung bäuerlicher Sitten. Broder hat keine Einwände gegen den Bau einer Moschee neben einer Synagoge, die wiederum neben einer Kirche stünde. Nur nebenbei. Zu komplex. Aber Broder ist im Prinzip ein freundlicher Mensch, dem die Dummheit der politischen Kaste ein Greuel ist.
    Das Thema ist ja hier eher selektive Schwangerschaftsunterbrechung.
    Sorry für das OT, Alan Posener

  26. avatar

    @ EJ
    „Warum, wenn Sie angeblich so selbstkritisch sind, unterstellen Sie APO dann nicht von Anfang an schlichten Irrtum oder die Übernahme falscher Tatsachenbehauptungen?“

    Antwort: Diese Unterstellung finde ich eigentlich schlimmer.

  27. avatar

    Nun, KD, dass Sie Ihr „Weltbild“ von anderen Leuten – größtenteils Journalisten zumal – „beziehen“, statt selber nachzudenken, spricht nicht gegen diese Leute, wohl aber gegen Sie.

  28. avatar

    Bei Arte +7 kann man bis Freitag noch eine gute Dokumentation zum Thema sehen:
    http://www.arte.tv/guide/de/03.....autoplay=1

    Dort wird diese Katastrophe und ihre Folgen eindrücklich beschrieben.
    … obwohl ich nicht zur Sentimentalität neige, musste ich stellenweise mit den Tränen kämpfen – und das in einer Doku.

    Danke AP, dass Sie das Thema ansprechen.

  29. avatar

    Zur “Frauenlücke”:

    Es gibt sie.

    Ich habe seit Jahrzehnten einen asiatischen Freund. Klassische „chinesische“ Aus-/ Bildung (analog zum „humanistischen“ Gymnasium hier) Herkunft aus besten Kreisen, verkehrte während seines 10-jährigen Aufenthalts hier vor allem in Botschafterkreisen, spricht deutsch, wie Robert Musil schreibt – ist hoch reflektiert, was die kulturellen Unterschiede zwischen Deutschland/ Europa und seiner Herkunft betrifft usw. usf.

    Eines Tages erzählt er mir zum x-ten Male über seine Familie (ich konnte das nicht oft genug hören und fragte – sicher auch sehr unasiatisch indiskret – nach allen möglichen Details). Diesmal hatte ich mich aber etwas verirrt in seiner Erzählung und fragte Ihn: Sag noch mal genau, wie viele Personen seid ihr in eurer Familie! – Er nannte eine Zahl, die mich völlig irritierte. Nach kurzer Überlegung stellten wir fest, dass er weder seine Mutter noch seine Schwestern mitgezählt hatte.

    (Vor nicht allzu langer Zeit habe ich ihm die Geschichte in Anwesenheit seiner Frau und seines erwachsenen Sohnes erzählt. Zunächst wollte er sich nicht so richtig erinnern. Meinte etwas verdruckst und verlegen dann aber doch: Ja, könnte sein.)

  30. avatar

    „Aber Leute wie Sie, die ihre Feindbilder fix & fertig haben, brauchen nicht nachzudenken: Klar, Gutmenschenmeinungsdiktatur, Islamkritikverbot und wieder mal sind wir in unserem Bessersein bestätigt.“

    Lieber Herr Posener, Ja, ich bin islamophob! Scheint ja in Ihren Augen ein Schwerverbrechen zu sein – fasst so schlimm wie die Weltsicht eines Atheisten und Papstkritikers. Nur der Klarheit wegen: bin ich jetzt auch gleich ein Rechtspopulist?

    „…Armenien und Aserbaidschan kommen auf 100 Mädchen derzeit etwa 115 Jungen zur Welt, in Albanien sind es nach den gerade erst veröffentlichten Geburtenstatistiken 112 Jungen – das sind in etwa indische Zustände. In Europa sind neben Albanien drei weitere Länder des Balkans in den Fokus der Demografen geraten: Montenegro, Mazedonien und Kosovo. Guilmoto zufolge steht Albanien mit 100 Mädchen zu 112 Jungen an der traurigen Spitze, Kosovo und Montenegro folgen mit 110 beziehungsweise 109 Jungen…“

    http://www.sueddeutsche.de/wis.....-1.1562673

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    Nein, Frank, ich interpretiere nichts, außer in den letzten Absätzen, wo ich auf kulturelle Faktoren hinweise, etwa auf den Einfluss der Religion, und mich skeptisch äußere gegenüber rein ökonomisch-soziologischen Erklärungen.
    Dass das Phänomen der „missing women“ nicht in erster Linie auf Abtreibungen zurückzuführen ist, haben viele Untersuchungen gezeigt. Der Faktor Abtreibungen nimmt allerdings vor allem in China, aber auch in Indien zu, weshalb trotz verbesserter Gesundheitsfürsorge (oder sogar wegen verbesserter Gesundheitsfürsorge!) die „Frauenlücke“ nicht geschlossen wird.

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    @ Parisien: Wissen wir wahrscheinlich wirklich nicht, mich nicht ausgenommen.

    Warum, wenn Sie angeblich so selbstkritisch sind, unterstellen Sie APO dann nicht von Anfang an schlichten Irrtum oder die Übernahme falscher Tatsachenbehauptungen? Warum beschuldigen Sie ihn stattdessen sofort der kapitalistisch motivierten Kriegstreiberei?

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    @Alan Posener
    Es ist immer gut, nicht mit Unterstellungen zu arbeiten. Ich *habe* den Artikel gelesen, daher auch meine Frage. Mein Zitat kommt immerhin aus dme letzten Absatz ^^

    Wenn ich aufgrund der Kommentare nun Ihre Intention richtig verstanden habe, geht es darum, dass es weniger (erwachsene) Frauen gibt, als es statistisch geben müsste. Dieses interpretieren Sie dergestalt, dass es einen „Krieg“ mit „millionenfachem Massenmord“ gibt. Sie sagem es sei weniger ein Abtreibungsproblem, als ein Vernachlässigungsproblem lebender Mädchen und Frauen.

    Ist das richtig?

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    @ Alan Posener
    Das war nur Sarkasmus. Wer weiß schon, was Sie wirklich denken. Wenn man in sich selbst schaut, sieht man, dass Situationen einen verändern. Wie ich schon sagte, habe ich Frau Merkel und der CDU meine Stimme dieses Mal nicht gegeben, das waren schon die ersten Zweifel. Käme jetzt die schöne gute alte SPD daherspaziert mit ihren früheren brillanten Leuten, hätte sie sie vermutlich, aber nicht dieses Gemisch, was manche in einem Wort schreiben.
    Ihr Stück hier ist gut, hat aber einen Haken: Abtreibung lässt sich generell schlecht rechtfertigen. Auch die Abtreibung eines Kindes mit Trisomie 21, manchmal erst im fünften Monat, ist komplett fragwürdig. Diese Kinder können einen IQ von ca. 90 haben und sind im Allgemeinen sonnige Gestalten.

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    @ EJ
    Wissen wir wahrscheinlich wirklich nicht, mich nicht ausgenommen. Eine Lösung, mehr zu wissen, wäre, spanisch, portugiesisch, russisch, Hindu, Hebräisch, Arabisch und Farsi zu lernen, nicht machbare Sisyphos-Aufgabe. Dann könnten Sie alle Fazetten der kultivierten wie unkultivierten Verlogenheit lesen und sich was basteln irgendwo dazwischen.
    Sie glauben diese Zahlen also. Ich nicht. Ich glaube nur an Statistiken, die mein Boss fälscht:
    Wie Posener bemerkt:
    „Es hat zwar verschiedentlich Kritik an der Methodik der Arbeiten Amartya Sens gegeben; sowohl die von ihm postulierte Gesamtzahl als auch die von ihm angenommene Verteilung auf einzelne Länder sind infrage gestellt worden.“
    Jetzt möchte man doch noch meinen, dass Kriegstote schon geboren waren, oder? Und dass es auch massenhaft Kriegstote unter Frauen gibt, oder? Heute nennt man die gern „Kollateralschäden“.
    Aber der Vatikan würde sich freuen, wenn wir ein Mahnmal für Ungeborene bauen würden. Natürlich nicht selektiv ausgerechnet für weibliche.

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    @ Frank, es ist immer gut, erst einen Artikel zu lesen, bevor man ihn kommentiert. Es handelt sich eben nicht in erster Linie um Abtreibungen, obwohl Edmund Jestadt hierzu das Nötige gesagt hat. Es handelt sich vor allem um die gezielte Vernachlässigung oder Nichtversorgung insbesondere mit Medizin, also das Sterbenlassen von Mädchen. Das ist, bei aller gebotenen Vorsicht, etwas anderes als die Frühabtreibung eines Kinds mit Down-Syndrom.
    @ KD: Das dumme Gerede von einer Meinungsdiktatur wird durch Wiederholung nicht weniger dumm. Es sind, wenn Sie sich die Mühe gemacht hätten, meine Quellen zu überprüfen, gerade „linksgrüne Gutmenschen“ (wie Amartya Sen), die zuerst und immer wieder auf dieses Verbrechen hingewiesen haben.
    Übrigens sind weder China noch Indien islamische Länder. Aber Leute wie Sie, die ihre Feindbilder fix & fertig haben, brauchen nicht nachzudenken: Klar, Gutmenschenmeinungsdiktatur, Islamkritikverbot und wieder mal sind wir in unserem Bessersein bestätigt.
    @ Parisien: Mir liegt nicht daran, von den „Russkis“ abzulenken, wenn Sie das meinen. Oder habe ich Sie falsch verstanden?

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    @Frank: doch, „Mord“ gibt es auch (z.B. in Indien) Aber die eigentliche und richtige Kernthese ist: Wenn Männer und Frauen in einer Gesellschaft gleichberechtigt sind und nicht mehr Frauen als Männer auswandern, sind Frauen normalerweise in der Überzahl.

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    @ Parisiern im Namen von Menschenrechten gegen Schürfrechte in Indien, China und Afrika tätig zu werden

    Genau. Wenn wie Sie nicht hätten, wüssten wir gar nicht, worum es geht: Es geht nicht um Frauen. Es geht um Seltene Erden. APO, der Schlingel, will seine Aktien pushen!

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    @ KD: Hier ist die Grenze zwischen berechtigter Kritik an sexueller Selektion bei der Geburtenplanung und dem Tatbestand des Mordes bei weitem überschritten. Das ist de facto die Argumentation religiöser Abtreibungsgegner.

    [SarkasmusModusOn] Die religionsneutrale Frohe Botschaft ist: Aber geschlechtsneutrale Selektion geht völlig in Ordnung! [SarkasmusModusOff]

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    Tja, da bietet sich doch ein wunderschöner Grund, im Namen von Menschenrechten gegen Schürfrechte in Indien, China und Afrika tätig zu werden, im Schlepptau die Superfrau des IMF. Da haben die Russkis aber mal Glück gehabt.
    Übrigens werden im Westen zuweilen männliche Föten abgetrieben.
    Amerikanische und britische Unis überschwemmt von chinesischen Anfragen. Am besten nur Männer nehmen, dann geht die Rechnung auf.
    Sorry, aber war-mongering macht zynisch.

  41. avatar

    Oha.“millionenfache Massenmord an Frauen“
    Es handelt sich hier um (weibliche) Embryos und Föten, oder?

    Hier ist die Grenze zwischen berechtigter Kritik an sexueller Selektion bei der Geburtenplanung und dem Tatbestand des Mordes bei weitem überschritten.
    Das ist de facto die Argumentation religiöser Abtreibungsgegner.

    Umgekehrt sollte man mal fragen, wie ist denn die Situation der geborenen Frauen in diesen Ländern?

    Und was ist mit dem „millionenfache Massenmord an Behinderten“, zB. via Spätabtreibung in Europa?

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    „… Ist es zum Beispiel wirklich ein Zufall, dass es in christlich geprägten Ländern – auch in armen Ländern wie jenen Lateinamerikas – keinen Massenmord an Frauen gibt?…“ – Natürlich ist das kein Zufall. Aber das darf man unter der Deutungsdiktatur linksgrüner Gutmenschen ja nicht mehr laut sagen ohne als „Nazi“ beschimpft zu werden. Religionskritik allgemein – und Kritik am Islam im Besonderen – wird in Deutschland zunehmend zum Tabu erklärt, da hat Herr Pirincci völlig recht.

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    Ein interessanter Artikel, Herr Posener; mir war diese Dimension, in der Tat ein Jahrhundertverbechen, bislang nicht bewusst.

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