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Zehn Punkte für Europa

Am 23. Januar nahm ich an einer Debatte teil, die in der Bibliothek des Europäischen Parlaments in Brüssel stattfand. Auf dem Panel saßen außer mir Richard Corbett, Berater des Ratspräsidenten Herman von Rompuy, und Silvana Koch-Mehrin, MdEP. Das Thema der von der Parlamentariergruppe „EU 40“ organisierten Diskussion war „Dream Europe: What to keep and what to cut“.

Zur Vorbereitung – und zur Einstimmung – hatte ich im Vorfeld zehn Punkte – die Zahl ist, zugegeben, etwas willkürlich – aufgestellt. Hier sind si

First: keep the dream – cut the crap.

Which means:

 

1.     Keep enlargement, cut “ever closer union”.

2.     Keep unity and open markets, cut the Euro.

3.     Keep subsidiarity, drop dictates by “troikas” etc.

4.     Keep Britain in the EU, cut loose talk of a British exit.

5.     Keep European institutions, cut rule by intergovernmental cabals.

6.     Keep the Commission, cut it down to size.

7.     Keep working on a common European security and foreign policy.

8.     Keep talking to Turkey and the Ukraine. Cut pandering to Greek Cypriot intransigents and Russian bullies.

9.     Keep working on the Transatlantic Free Trade Agreement. Cut obstructing President Obama’s most important foreign policy issue.

10.     Keep the European Parliament. Add a European Senate, responsible for foreign policy.

 

Es folgt eine deutsche Übersetzung:

 

Der europäische Traum: Was soll bleiben, was kann weg?

 

Zuallererst: Bleiben wir beim Traum – Schluss mit den Illusionen

Und das bedeutet:

1. Die Erweiterung soll bleiben – Schluss mit der „immer engeren Union“.

2. Einheitliche und offene Märkte sollen bleiben – Weg mit dem Euro.

3. Die Subsidiarität soll bleiben – Schluss mit Diktaten durch „Troikas“ u.a.m.

4. Großbritannien soll in der EU bleiben – Schluss mit dem losen Reden über einen Austritt.

5. Europa soll durch europäische Institutionen regiert werden – Schluss mit der Regierung durch intergouvermentale Kabale.

6. Die Kommission soll bleiben – Weg mit der Hälfte der Kommissare.

7. Bleiben wir dran an der gemeinsamen Außen und Sicherheitspolitik.

8. Bleiben wir dran an der Türkei und der Ukraine. Schluss mit der Nachgiebigkeit gegenüber griechisch-zypriotischen Holzköpfen und russischen Brutalos.

9. Bleiben wir dran am Transatlantischen Freihandelsabkommen. Schluss mit der Obstruktion der wichtigsten außenpolitischen Initiative Präsident Obamas.

10.  Das Europäische Parlament soll bleiben. Hinzu sollte ein Senat kommen, bestehend aus zwei Vertretern aus jedem Mitgliedsland, der allein für die Formulierung der Außenpolitik zuständig ist.

 

Nun stelle ich die Thesen hier – wie in Brüssel – zur Diskussion.

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130 Gedanken zu “Zehn Punkte für Europa;”

  1. avatar

    @Roland Ziegler

    Die Diskussion um den Länderfinanzausgleich in Deutschland hat m.E. auch Parallelen mit dem
    ” Finanzausgleich ” zwischen Nord und Süd in der EU.

    Das wir dem Widererstarken des Nationalismus etwas entgegensetzen müssen und sollen, sieht man sicherlich auch derzeit in der Ukraine.

    Und was die Briten betrifft, die immer moch glauben, dass Sie auf einer ” Insel ” leben, vielleicht sollte es mehr polnisch-britische Hochzeiten geben?

    Vielleicht benötigen die Briten auch wieder eine dritte/vierte Invasion vom Festland, nach den Römern, den Anglosachsen und den Normannen um endlich zur Einsicht zu gelangen, dass sie auch Europäer sind.

    Oder wir legen einfach den Ärmelkanal zur Landgewinnung trocken 🙂

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    @EJ

    Vielleicht ist die Antwort auf Ihre Frage:

    Aber keine Antwort auf die Warum-Frage. – Es soll nicht. Gut. Aber warum soll es nicht?

    in der “marxististischen Sozialisierun” von Alan Posener (O-Ton Alan Posener) zu finden 🙂 🙂 🙂

    Aber vielleicht spart sich unser Hausherr die Antwort für das 2. Frühstück in Brüssel auf, um erneut http://www.neuhauschocolates.com einzukaufen 🙂

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    @Moritz Begrer: Sehr wahr. Ein deutscher Feund von mir bekommt gerade mit seiner französischen Freundin ein Kind.

    Was mir bedenklich erscheint, ist diese Fokussierung aller politischen Fragen auf den Euro. Das ist zwar eine wichtige Frage, solange der Euro noch nicht etabliert ist, aber dadurch werden alle anderen Fragen an den Rand gedrückt. Man stelle sich vor, in der guten alten Zeit (sagen wir: die 80er Jahre) hätte man die Bundeswahlen nur mit einem einzigen Thema bestritten: “Soll man den bayrischen Gulden in Bayern wiedereinführen, damit es den Niedersachsen besser geht, oder überall die Dmark beibehalten?” Das wäre doch stark auf Kosten der Themen Nato-Doppelbeschluss, Terrorbekämpfung, Atomkraft, Sozialhilfe usw. usf. gegangen.

  4. avatar

    @ Moritz Berger: Ist das nicht deutlich genug

    Doch. Es ist sehr deutlich. Aber keine Antwort auf die Warum-Frage. – Es soll nicht. Gut. Aber warum soll es nicht?

  5. avatar

    @EJ

    Vom Bayern, Hessen, Badener und Oldenurger zum ” Deutschen ” hat es auch eine gewissene Zeit gebraucht.

    Daher bin ich nich so pessimistisch wie Sie auf dem Weg zum ” Europäer ” .

    Interessant wäre es z.B. eimal festzustellen wieviele europäische ” Mischehen ” es vor 50 Jahren gegeben hat, und wieviele heute.

    Ein etwas ungewöhnlicher Indikator.

    Und ist ein nationales Gericht wie Sphagetti mittlerweile nicht auch europäisch geworden??

    Auch ein ungewöhnlicher Indikator auf dem Weg zur Europäisierung.

    Und wenn z.B. das Saarland anstrebt im Jahr 2040 biliginual zu sein: Deutsch/Französisch ist dies nicht auch ein Indikator auf dem Weg zu Europa.

    Niederländische Freunde von uns leben in Aachen, arbeiten in Belgien und die Kinder gehen in NL zur Schule…

    ein erster Weg zur ” Aufbrechung des Nationalismus “

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    Lieber EJ

    Edmund Jestadt sagt:
    17. Februar 2014 um 17:31

    @ Moritz Berger: Warum Europa sich nicht su einem föderativen Staat entwickeln soll, laut Alan Posener, ist mir nicht klar??

    Sagt er auch nicht so deutlich.

    Ist das nicht deutlich genug:

    “Europe is not a federal state, will probably not become a federal state in our lifetime, and
    s h o u l d not become a federal state,” asserted Posener. “

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    Übrigens heißt das auch nicht, dass es nicht Menschen geben kann, die einerseits sehr traditionell leben und andererseits Hochtechnologie verwenden. Beispielsweise manche orthodoxe Juden beiweisen das. (in einem Weltartikel stand das vor kurzem) Sie arbeiten als Informatiker und leben sonst ein traditionelles Leben. Es ist also in einer Gesellschaft durchaus möglich, auch wenn man aus verschiedenen kulturellen Kreisen kommt, zusammen oder auch nur nebeneinander friedlich zu leben. (hier stimme ich wohl parisien zu, dass “Türken” manchmal nichtmehr so friedlich sind…)

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    @Stevanovic
    Die Entwicklung geht sehr schnell. Ray Kurzweil hat, weil die Entwicklung nach seinen Vorhersagen noch schneller gehen wird, und ich denke er liegt damit richtig, schon gesagt dass es in Zukunft Neo-Amish geben wird und dass recht viele zu diesen gehören werden. Also soziale/kulturelle Gruppen die, weil sie einfach nicht mehr wollen, auf einem kulturellen Stand bleiben. Die orthodoxen Juden hat er teilweise auch zu den Amish gerechnet. Ich denke, er liegt damit sehr richtig, wir, als Gesellschaft, müssen es zulassen, dass Teile unserer Gesellschaft mit einem anderen kulturellen Standard leben. Einerseits mit weiter entwickelter Technologie etc. und andererseits mit weniger entwickelter Kultur und Technologie, weiterhin aber auch unterschiedliche Kulturen. Auf diesen Standard müssen wir uns alle als Weltgesellschaft wohl einigen, sonst knarscht es so richtig… So wie es sich Parisien wünscht, dass die Türken, Tucken und Roma oder wie es sich manche Restaurantinhaber schon wünschen, dass Cyborgs und Google Glassträger draußen bleiben, wird es nicht funktionieren, dass würde zu einer Auflösung unserer Gesellschaft und damit auch der damit verbundenen zivilisatorischen Standards führen, vielleicht nichteinmal so stark, sofort, usw. aber die Gefahr bestünde/besteht.
    Das ist zwar teilweise auch ein neues, noch größeres Fass, aber grob gehört es schon zu dieser Diskussion, wo wollen wir kulturell/technologisch und zivilisatorisch hin und wie erreichen wir das bzw. erhalten Erreichtes.

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    @Stevanovic: Der Verlust der Heimat ist meistens schmerzhaft, aber auch alltäglich und oft notwendig. Fast alle erleben ihn im Lauf ihres Erwachsenwerdens. Für den Schmerz wird dann gern der Staat verantwortlich gemacht, aber das ist falsch. Auch innerhalb Deutschlands, des guten alten Deutschlands, mit seiner Dmark und den ganzen versteckten Hinterzimmern und -treppen, wo man die Dinge unter Ausschluss der Öffentlichkeit regelte, des Deutschlands, nach dem sich heute offenbar viele zurücksehnen, konnte man seine Heimat hervorragend verlieren. Einfach, indem man aus seinem Kaff, zu dem die Heimat geworden war, wegzog, weil man es nicht mehr aushalten konnte oder einfach neugierig war.
    Und nun heißt es: Europa, das ist doch ein total künstliches Gebilde, sowas kann doch keine Heimat sein! Aber Deutschland kann ebenfalls keine Heimat sein. Sollte die Rolle rückwärts wirklich erfolgen, mit allem was dazu gehört: Dmark, Zureisestopp, Grenzkontrollen, Arbeitslosigkeit, dann würden sich viele wundern, wie wenig heimatlich sich das Land dann anfühlt.
    Die Heimat muss man sich selber einrichten, wenn sie einmal verloren ist. Dazu braucht man keinen Staat. Da gibt es auch kein Zurück mehr in die gute alte Zeit. Viele Leute hatten nie eine Heimat, aber möchten sich eine errichten. Für Heimat braucht man keinen Nationalstaat. Da muss man sich schon selbst drum kümmern.

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    @ Stevanovic: wir verstehen unsere Umgebung nicht mehr und wollen alle nur noch nach Hause.

    Meinen Sie, dass das je anders war? Seit es etwas wie Entwicklung gibt, jedenfalls? Nehmen Sie den Fort-Schritt. Da liegt der schmerzhafte Abschied sogar im Wort. (Das Gegenteil allerdings auch. Mancheiner wird froh sein, das eine oder das andere Elend endlich hinter sich lassen zu können.)

    Dass wir alle irgendwie synchron ticken müssten, ist vielleicht doch eine etwas naive Erwartung, wenn nicht eine unmenschlich (im Wortsinne: fundamentalistisch) grausame. Man könnte stattdessen auch auf die Idee kommen, dass Asynchronität, Differenz, Konflikt … die Bedingung der Möglichkeit unserer Freiheit ist.

  11. avatar

    @ Moritz Berger: Warum Europa sich nicht su einem föderativen Staat entwickeln soll, laut Alan Posener, ist mir nicht klar??

    Sagt er auch nicht so deutlich. Hätte ich den Irak und Afghanistan demokratisieren (und die Irak-Invasion auch noch für einen Erfolg erklären) wollen, wär’s mir auch peinlich zu sagen: Es fehlt das (europäische) Volk, die (gemeinsame europäische) Sprache, anscheinend auch die (lebbare gemeinsame europäische) Kultur (und was man sonst noch angeblich gemeinsam haben muss, will man in einem Staat leben.)

    Welch seltsames Argument! Ich lese z.B. ziemlich regelmäßig Springers “blaue” Produkte – mehr europäisches Ausland, weniger gemeinsame Sprache und Kultur geht eigentlich gar nicht. Die baskische Sprache z.B. kann mir vergleichsweise kaum fremder sein. Trotzdem verstehe ich Springer, jedenfalls irgendwie, ist mir seine Gestik und sein Code sogar irgendwie vertraut. (OK., hat ‘ne Weile gedauert.) Und? Kann/ sollte ich mit Springer, das mir irgendwie ebenso fremd wie vertraut ist, nicht unter einem Staatsdach leben. Oder Springer deshalb nicht mit mir?

    Wir geben uns einfach etwas Mühe. Springer lässt manchmal (meist von Gast-Autoren) etwas schreiben, das auch ich spontan verstehe. Und ich bemühe mich, sein neo- bis rechts-liberales Zeuch zu entziffern (und weiß genau, wem ich bei den nächsten Wahlen meine Stimme (/nicht) gebe. (Wenn ich z.B. Thomas Schmid lese, weiß ich, AfD ist einfach nicht drin.)). Ist das so schwer? Wir müssen uns doch, nur weil wir im selben Staate leben, nicht lieben. Oder?

  12. avatar

    Schöner Stand zur Debatte in den Niederlanden:

    http://www.sueddeutsche.de/politik/zukunft-des-kontinents-ueber-europa-reden-aber-ohne-tabus-1.1890930

    Besonders hat mir gefallen:

    Die Kooperation mit Mak begann, als Baudet im Herbst vergangenen Jahres auffiel, dass sie beide gerade über dasselbe Thema nachdachten: den Verlust der Heimat, das Gefühl der Ortlosigkeit, das Mak schon 1996 in “Wie Gott verschwand aus Jorwerd. Der Untergang des Dorfes in Europa” beschrieben hat. In ihrem Buch ziehen sie nun, mit klaren Worten, unterschiedliche Schlüsse. Mak überlegt, wie das “unvermeidliche” europäische Projekt irgendwie “regionaler” gemacht und dadurch ausbalanciert werden kann, Baudet träumt sich ins Jahr 1958 zurück, zu einem de Gaulle’schen Europa der Vaterländer, ohne den ganzen Brüsseler Apparat.

    Unter dem Aspekt auch Weber/Stephan, die Demos gegen Eherecht für Homosexuelle in Frankreich, Botho Strauß und selbst Matthias Matussek.
    Irgendwie kommen mir alle (meiner einer besonders) vor wie Demenzkranke: wir verstehen unsere Umgebung nicht mehr und wollen alle nur noch nach Hause. Jetzt könnte man sagen, wir sind zu doof uns anzupassen oder die Entwicklung geht wirklich in eine Richtung, in der sich Menschen nicht mehr zu Hause fühlen. McWorld – klasse Begriff. Das letzte könnte auch unabhängig von Politik sein, wir schaffen es nicht, den technischen Fortschritt emotional zu integrieren – dann führen wir den Diskurs mit Europa an der falschen Stelle. Ich weiß es nicht.

  13. avatar

    Nachtrag: Alan Posener:

    Kicking off the discussion, Die Welt journalist Alan Posener set the tone of the debate by postulating that “widening has succeeded, whereas deepening has failed”. While the people of Ukraine are out on the streets calling for EU membership, increasing red tape is obstructing Europe’s exit from the economic crisis. “Keep ‘Enlargement’, he said, but cut ‘Ever Closer Union’.”

    http://www.cambre-associates.com/about-us/news/59-building-dream-europe-s-koch-mehrin-r-corbett-and-a-posener-debate-what-to-keep-and-what-to-cu.html

    “Europe is not a federal state, will probably not become a federal state in our lifetime, and should not become a federal state,” asserted Posener. The discussion about deeper political union, he said, was a “straightjacket, holding Europe back”.

    Warum Europa sich nicht su einem föderativen Staat entwickeln soll, laut Alan Posener, ist mir nicht klar??

    Was spricht dagegen, UK und Frankreich sind seit Jahren dabei dezentrale Strukturen zu fördern. Warum daher auch nicht auf EU Ebene.

    Das deutsche föderale System hat ebenfalls nicht nur Nachteile oder??

  14. avatar

    Lieber Roland Ziegler,

    damit wir wieder auf das Thema zurückkommen (und nicht Kaffeeesatzlesen bei P. praktizieren) hier ein paar Informationen zum kurzen Brüssel-Intermezzo von Alan Posener:

    Leider habe mir meine Brüsseler Freunde nicht das Protokoll der Beiträge zugemailt (und ein kompletter live-stream-doc existiert nicht im Web ?)

    http://www.eu40.eu/building-dream-europe-what-to-keep-and-what-to-cut/

    Aber hier können Sie wenigsten kurz Alan Posener sehen und hören:

    http://www.cambre-associates.com/about-us/videos.html

    Building Dreams anklicken.

    http://www.cambre-associates.com/about-us/news/58-breakfast-debate-building-dream-europe-what-to-keep-and-what-to-cutq.html

    P.S. Und hier noch etwas aus dem bullshit-generator von Cambre Associates:

    Advocacy 3.0 is a multidisciplinary approach that addresses profound changes in the public policy landscape. It reflects a world defined by more participative politics, growing tension between evidence and emotion, hyper-connectivity and information overload. The ability to mobilise in-depth expertise through online and offline stakeholder engagement is increasingly important to influence the policy-making process. Advocacy 3.0 leverages the distinct but interlinked disciplines of government relations, public affairs and public relations, into a single coherent strategy.

    http://www.cambre-associates.com/about-us/advocacy-30.html

    “Lobbying as we knew it is dead (long live lobbying!) but advocacy 3.0 is thriving. Are you ready?”

  15. avatar

    Lieber EJ,

    auch kann oftmals Parisien in seinen Ausführungen nicht folgen. Gab es nicht schon einmal dieses
    ” Phänomen ” ?

    Vielleicht hat er ein web-burnout ?

    Oder es liegt am Klima ?

    🙂

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    Lieber Klaus J. Nick,

    in meiner ” Tagesblindheit ” habe ich leider nicht gesehen, dass Sie Ihr Acronym aufgelöst haben.

    Dass Sie der alten Damen bei der Gartenpflege helfen. ist lobenswerte praktische Bürgerbeteiligung.

    Wenn Sie allerdings der Auffassung sind, dass Steuern zahlen ausreicht und die ewige Kritik an unserem Staat (ohne dass Sie Veränderungen bewirkt haben) dann bleiben Sie doch bitte weiter in Ihrem selbstgewählten Schneckenhaus mit den (un-) pünktlichen Bahnverbindungen.

  17. avatar

    Ich meine in Parisiens impulsiven Ausführungen einiges zu erkennen, was beachtet werden muß. Es mag vielleicht nicht zum Thema des Threads passen, aber so notwendig wahrscheinlich eine political correctness in einer Gesellschaft ist, die verschiedene Wertesysteme nebeneinander enthält, so viel Scheinheiligkeit erzeugt sie auch hinter der erzwungenen humanitären Fassade. Z.B. wenn etablierte erfolgreiche, integrierte Menschen ihre (im aktuellen Fall pädophile) verquaste Sexualität (= oben – unten – Machtspielchen mit Abhängigen) vermehrt “virtuell” meinen “ausleben” zu können, so daß dafür bereits ein umfangreicher Markt entstanden ist, läuft etwas schief. Ich bewundere Parisiens Ruhe am Strand von Sylt. Ich wäre wohl handgreiflich geworden. Dieser Film wäre jedenfalls nicht entwickelt worden.
    In einem Land, das noch nicht einmal einen Diskurs gewöhnt ist, noch zusätzlich political correctness durchsetzen zu wollen, wird alle so überfordern, dass sich vermehrt Perversionen (= Druckabfuhr an Wehrlosen, bzw. entsprechende Ersatzhandlungen) durchsetzen. Anders ausgedrückt: Die deutsche political IN-correctness ist auch eine Triebabfuhr (eine eher harmlose, im Vergleich zu o.A.), für einen nicht wirklich stattfindenden Diskurs. Hier hat die “Achse” bereits einiges aufgelockert. Ich habe das Gefühl, daß z.B. Broder, einer der “Achsen”-Gründer, diesen (psychologischen) Zusammenhang auch so sieht.
    Ich sehe Alan Poseners Dissens mit der “Achse” als menschlich nachvollziehbar, die Dünnhäutigkeit der Autoren dort aber auch, weil es eine – nicht offensichtliche, aber wirksame – Ächtung von “Unruhestiftern” in der (schrumpfenden) Arbeitswelt gibt.
    Posener argumentiert formal-logisch, bzw. thematisiert den ist- und einen möglicherweise wünschenswerten Zustand direkt, die “Achse” hingegen hat einen provokativ-therapeutischen Ansatz.
    Oder anders ausgedrückt: Während Posener, durchaus brilliant, die political correctness verteidigt (was übrigens und bemerkenswerterweise sonst kaum jemand tut), kommen angesichts angesichts einer sich hochangepasst und leistungsfähigen Elite (U.v.d.Leyen, die Frau mit dem “geht doch” auf der Stirn) auf der “Achse” z.B. solche Autorinnen zum Zuge:
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/hebammen_statt_eltern_tuev
    Das traut sich eine politisch Korrekte Autorin nicht. Warum nicht? Weil Deutschland kein liberales Land mit einer Tradition der Trennung zwischen öffentlich und privat ist.
    Die saturiert-bürgerliche ‘man-wird-ja-wohl-noch-sagen-dürfen’-Larmoyanz wirkt auf mich eher scheinheilig bzw. abstoßend, aber je mehr man sie ‘verbietet’, desto mehr weicht sie in andere Bereiche aus. Daher ist es wohl besser sie in einem gewissen Ausmaße (therapeutisch) zu tolerieren. (Wie so einiges andere.)
    Was Lyoner betrifft: Er hat mich vor einigen Tagen mehrmals angeschrieben, ich habe gestern geantwortet. Ich würde mich freuen, wenn meine Anmerkungen an ihn auch in diesem Zusammenhang (das o.A.) für ihn verständlich würden.
    Was den ‘freien Westen’ betrifft: Es erscheint in den Diskussionen um z.B. WK1 nach wie vor das Muster Achsenmächte [D, I, Türkei, Kroatien, Russland (???)] vs. Entente, USA, Serbien. Ich finde das bemerkenswert vor dem Hintergrund, daß wir ja angeblich schon so viel überwunden haben. Der nüchterne Blick wird also immer noch überprägt (‘Meme’?), was zeigt, wie schwer es offensichtlich ist, aus der Geschichte zu lernen.
    Auch scheint es mir aus o.A. Gründen so zu sein, daß das amerikanische Modell auf Europa keineswegs passen wird – vielleicht weil Amerika nach innen expandieren kann und in Europa wird immer nur verteilt (Arbeitsplätze, Wohnraum).
    Meine persönliche Meinung, dazu ist, daß in Europa die Phantasie dazu fehlt, wie weiteres ‘wachstum’ aussehen könnte. Daß der Begriff vielleicht durch ‘Entwicklung’ ersetzt werden muss.

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    @Parisien: Was Sie auch immer von den Gutachslern lernen wollen – “andere Meinungen entschieden zu honorieren” ist so ungefähr das Gegenteil von dem, was man dort lernen kann.

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    Was mir noch zu den Twin Towers einfällt. Meine eigene Spekulationstheorie: Alttestamentarisch bzw. wie im Tanach. Osama hielt sich für Gott oder seinen Vertreter auf Erden und unser System für Baalszeug. Er zerstört, was er für den Turmbau zu Babel hält.
    Alles wiederholt sich. Falls wir eine neue Frühzeit kriegen und die schreiben ein neues Buch, schreiben sie vermutlich rein, dass wir zwischen 2002 etwa und 2014 bis? eine Sintflut hatten. Auf der Arche Neu-Noah wird dann ein Juchtenkäferpärchen mitgeführt. Und unsauber gezogene Giraffen aus Dänemark. Neu-Sodom und Gomorrha wären vermutlich NYC und New Orleans.
    Die Bibel, neu erklärt. Nix zu danken.

  20. avatar

    @parisien zahlen die nichtbriten in gb steuern?

    und telefonmäuschen die nicht richtig deutsch können, sind mir egal, solange ich sie verstehe und mit gebrochenem deutsch verstehe ich sie ohne weiteres.

    bei golden rice habe ich mich aber auch schon gefragt, warum denn nicht einfach karotten gepflanzt werden? kann mir das hier jemand vielleicht mal beantworten? der olle fritz hat schließlich auch die kartoffel nach preußen gebracht, da wäre es doch heutzutage ein leichtes möhren nach indonesien zu bringen, schmecken zudem vorzüglich zu reis.

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    Gestatten Sie mir bitte, Herr Posener, dass ich aus gegebenem Anlass noch ein Fass aufmache (Sie brauchen das nicht einmal freizugeben, es soll nur Ihrer Information dienen):
    Als ich vor einigen Jahren, ich denke, es war 2008 oder 2009, auf Sylt im Sommerurlaub war, fiel mir am Strand in Kampen (kein Nacktbadestrand, sondern der an der Sturmhaube) ein Typ auf, ca. 50 Jahre, der mit einem riesigen Tele arbeitete und Kinder photografierte, u.a. auch meine, die aus dem Wasser kamen. Als ich den Typen konfrontierte, tat er ganz unschuldig, er habe doch selbst ein Kind dabei. Er zischte dann aber ab.
    In demselben Urlaub sah einen anderen Typen in Keitum am Spielplatz, der in den Büschen stand und die Kinder mit einem Tele photografierte. Leider ging ich erst Brötchen kaufen im Laden daneben, und danach war die Arschgeige leider weg.
    Nachdem, was sich da auftut, sollte man in Zukunft sofort die Polizei rufen. Was für eine Schweinerepublik ist das eigentlich? Alle Gerüchte bestätigen sich.
    Herr Bundespräsident, wir brauchen Neuwahlen.

  22. avatar

    @ Alan Posener
    Wissen Sie, wie das kommt mit den ganzen Irren, die meinen, die Amerikaner würden 3000 ihrer eigenen Menschen töten?: Ich gebe Ihnen eine Theorie. Ben Barber erklärt das ganz genau. Die beiden Ideologien passen zueinander wie zwei Seites von einem Druckknopf. Da die so gut zueinander passen, sieht das für manche Leute vielleicht so aus. Die beiden Seiten sind wie die Backen einer Hamburger-Semma. In der Mitte sitzt der Burger, das ist der Bürger. Das Ketchup jault, weil es das nicht kapiert. Die SVP sollte den ‘rauswerfen:
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ein_seltsames_buerschlein

    P.S. Wenn das ein Inside-Job wäre, hätten sie es mit den letzten Maschinen in der Nacht gemacht. Amerikaner sind keine SM-Attentäter, die ihre eigenen civilians in den Tod reißen würden. Die verkaufen denen bloß blödes Futter, aber das ist nicht dasselbe.

  23. avatar

    @ Alan Posener
    Als Sie damals jenen blog verlassen mussten, ehrlich gesagt, da habe ich mich zunächst gefreut, obwohl ich Polarität lieber habe als Zustände, wo man ins selbe Horn bläst. Aber ich freute mich, weil Sie einen meiner bevorzugten Autoren frontal öffentlich angegangen sind mit Ausdrücken aus der erzreaktionären! kommunistischen Mottenkiste. Sie fehlen dem blog heute nicht mehr, weil er mit vielen brillanten Autoren arbeitet. Es ist alles vertreten, außer hmb noch ein Zyniker (Röhl) und einige sehr ausgewogene, sehr kluge Autoren, nicht zu vergessen den überaus gut ausgebildeten klugen Peiser. Das, womit man nicht übereinstimmt, kann man ignorieren, weil genug anderes da ist.
    Die Art und Weise, wie Sie hmb öffentlich beschuldigten, vor allen Lesern, stank zum Himmel. Und weil er so gutmütig ist, wartete er eine Weile, bis er darauf erwiderte, soll heißen, er schonte Sie eine Zeitlang. Sie überschätzen sich vermutlich, weil Sie sich für klüger halten. Aber hmb ist ein ungeschliffener Rohdiamant und hat daher reichlich Freunde. Lustige Freunde, de Winter z.B. Wo hmb ist, wird viel gelacht, es sei denn, da schliche sich die säuerliche Fraktion ein, die ich hier einfach Boykott-Fraktion nenne. Ich glaube, dass diesen Leuten einfach ein zweiter Kopf fehlt, denn sonst würden sie enden wie die Schlange mit den zwei Köpfen im Zoo von San Francisco. Die zwei Köpfe gerieten über Nacht so in Streit (vermutlich über AIPAC und so), dass sich morgens ein seltsames Bild bot: Man fand den einen Kopf im Schlund des anderen und das Vieh erstickt. So stickig sind diese Leute. Es fehlt ihnen lediglich ein zweiter Kopf. Man könnte sie jederzeit in Rage bringen, wenn man vor ihren zwei Köpfen eine israelische Avokado verzehrte und dazu ein Soda Stream tränke. Das nur nebenbei, weil diese Typen einem eine ganze Stadt versauen können, selbst so ein Juwel wie Freiburg.
    Mit diesen Leuten haben Sie zwar auch nichts am Hut, aber Ihre Methodik, Leute, die Ihnen widersprechen, zu katalogisieren, ist nicht ganz unähnlich. Wenn einer meiner Söhne Sie in der Schule gehabt hätte, hätte ich ein Magengeschwür bekommen. Hatte ich auch so. Es gibt viele von Ihnen. Aber einer hat mich ein bisschen versöhnt: Er hat meinem offspring die beste Note gegeben, obwohl der ideologisch senkrecht zur Ideologie des Lehrers schrieb. Da er das aber hieb- und stichfest begründete, machte der Lehrer chapeau.

    Das können Sie nicht. Daher muss ich Sie leider des Narzissmus und der Voreingenommenheit verdächtigen. Sie sollten lernen, finde ich (und Ihr Ziehsohn Ziegler sollte das übrigens auch lernen), andere Meinungen entschieden zu honorieren.
    Ohne die Polarität, die ich Ihnen bringe und auf der anderen Seite des Spektrums jemand wie Lyoner, könnte der comment-Bereich hier einschlafen oder monoform werden. Abgesehen davon sind sehr viele auf der Suche nach Vernunft statt Ideologie. Ein Beispiel: Das Paar Cameron-Osborne (Schatzkanzler) hat einen Plan, der sich vor allem durch Vernunft auszeichnet. Die Gegenseite arbeitet nach wie vor in trüben ideologischen Gewässern. Da kommt dann sowas ‘raus wie möglichst viele einwandern lassen und verlangen, dass bei der Abstimmung über den Brexit alle Nichtbriten mitabstimmen dürfen. Ein Unding, eine tiefe Respektlosigkeit gegenüber dem britischen Bürger.
    Von Ihren zehn Punkten habe ich nur den wichtigsten kommentiert. Da alle anderen davon Abhängige sind, lohnt es sich nicht, darauf einzugehen.
    Freue mich schon auf noch mehr gebrochen die Landessprache sprechende Telefonmäuschen, die einem alternativ einen neuen Vertrag/ein Produkt, das man nicht braucht/eine neue Versicherungspolice andrehen wollen – die hochberühmten Arbeitsplätze. Oder ‘ne Umfrage. Ich lege einfach auf, weil ich die armen Schnepfen nicht beleidigen will, die können ja nix dafür. Und wir freuen uns alle auf Genmais und abhängige Bauern. Und wir werden alle mit Freuden Golden Rice futtern, weil wir zu blöd sind, gelbe Rüben zu essen. Aber Sie sind zu voreingenommen, um zu sehen, dass ich hier z.B. nicht auf der Achsenlinie liege, sondern quer dazu. Tim Maxeiner ist ja ausgewandert (nach ihm die Sintflut), aber Miersch könnte noch Ärger kriegen mit Kindern und Enkeln.
    Und jetzt noch das Wesentliche: Mir ist das, offen gestanden, zu gefährlich. Daher warte ich die Europawahl ab. Diese Herdplatten sind echt heiß. Und da Sie bei denen am Tisch saßen, kriegen Sie hier keine Diskussion in Gang.

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    @ Alan Posener
    Das hier unten ist z.B. brillant, und das Buch werde ich kaufen. Vielleicht sind Sie nur neidisch auf die, die haben gut Seitenaufrufe. Ich habe nicht gesagt, dass ich mich irgendwo im Internet “wohlfühle”. Sie versuchen bloß auf eine miese Tour, mich zu katalogisieren, ganz einfach. Das kriegen Sie nicht hin, weil ich ein Bergfetz bin, ein Naturmensch, d.h. ein Mensch mit einer Ressource, die Kraft gibt, übrigens einer Ressource, die jedem zur Verfügung steht. Und einer besseren, als denen, die sonst so genommen werden. Also lassen Sie gut sein. Ich habe ja meine Intention erkennen lassen, diese Kantine zu verlassen. Und Sarrazins neues Buch wird auch gehen, egal was Sie denken. Ich habe übrigens selbst nichts gegen den berühmten “türkischen Gemüsehändler”.
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/ende_der_vorstellung_alles_wieder_in_butter_auf_muttis_kutter

    Und wissen Sie, warum Sarrazins Bücher gehen? Weil wir nicht auch noch langweilige Suppe von Muttis Konsenskutter lesen wollen. Dann schon lieber Fernsehen, das ist nicht so anstrengend wie Lesen.

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    @ Parisien: einige Betrachtungen

    Sicher haben Ihre Betrachtungen, diese und Ihre vielen anderen im Thread, mit Europa, APOs 10-Punkte-Programm oder seinem Schweiz-Essay zu tun. Aber was genau? Könnten Sie das mal erläutern, bitte?

    (Wird an mir liegen, dass ich Ihnen nicht folgen kann. Für mich sieht es so aus, als hätten sie ein Inkontinenz-Problem. Aber womöglich täusche ich mich.)

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    Lieber Parisien, da Sie sich auf AchGut wohlfühlen: Das deutsche Sprichwort sagt, dass es aus dem Wald so herausschallt, wie man hineinruft. Viele der dort versammelten Autoren, und nicht nur die, sondern die ganze Riege der “Man-wird-doch-noch sagen-dürfen”-Berufsprovokateure, von Jakob Augstein (man wird doch noch sagen dürfen, dass die Israelis uns alle am Gängelband führen) bis Thilo Sarrazin (man wird doch noch sagen dürfen, dass die Tochter eines Gemüsehändlers Deutschland nicht so nützlich ist wie mein Sohn), sind Maulhelden, die sich als Mimosen erweisen, wenn es so zurückschallt. Die Amerikaner haben auch ein Sprichwort: “If you can’t stand the heat, get out of the kitchen.” Dieses ganze Provozierenwollen, aber bitte mit Vollkasko, ist doch erbärmlich.

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