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Die Lehren aus dem Großen Krieg

Wenige Sätze sind dümmer als jenes Diktum des amerikanischen Philosophen George Santayana, wer sich an die Vergangenheit nicht erinnere, sei dazu verdammt, sie zu wiederholen. Genau so gut könnte man sagen: Wer sich von der Vergangenheit nicht befreien kann, ist dazu verdammt, sie zu wiederholen. 

Das sah man zum Beispiel auf dem Balkan, wo noch im letzten Jahrzehnt des 20. Jahrhunderts christliche Serben zum Massaker an den Muslimen von Srebrenica mit dem Schlachtruf angestachelt wurden, es gelte, Rache für die Schlacht auf dem Amselfeld zu nehmen, bei der 1389 ein serbisches Heer den Türken unterlag. Die Erinnerung an jene Niederlage, der Wunsch, eine empfundene nationale Schmach zu tilgen, befeuerte auch die serbischen Terroristen, die am „Vidovdan“, dem heiligen Jahrestag der Schlacht, den österreichischen Thronfolger ermordeten und den Ersten Weltkrieg auslösten. (Ein Krieg, bei dem ironischerweise nur die Serben ihr Kriegsziel erreichten: die Errichtung Großserbiens in Gestalt einer Föderation aller Südslawen, „Jugoslawien“. Aber das nur nebenbei.)

Die Schädlichkeit der Geschichtsbesessenheit sieht man aber auch etwa am arabisch-islamistischen Terrorismus, für den die Westmächte schlicht „Die Kreuzfahrer“ sind; am schiitischen Märtyrerkult um den ermordeten Propheten-Enkel Husain; am „Antiimperialismus“ vieler ehedem kolonisierter Völker, deren Führer das erlittene Unrecht immer wieder beschwören, um die heutigen Resultate ihrer korrupten Misswirtschaft zu erklären; und natürlich – für uns immer wieder wichtig, von außerhalb betrachtet eher farcenhaft – an diversen Pathologien der deutschen „Vergangenheitsbewältigung“.

 

Man könnte sagen: Entspricht Santayanas Satz der Vorstellung eines psychoanalytischen Verhältnisses von Völkern und Nationen zur Geschichte, so erinnern die beschriebenen Fälle an einen Patienten, der in neurotische Abhängigkeit von seiner Analyse geraten ist; zu helfen wäre ihm eher mit einer kognitiven Verhaltenstherapie. Dagegen sträuben sich natürlich  Analytiker, Geschichtslehrer und die Freunde geschichtlicher Großdebatten.

Nun weiß ich, dass der Vergleich zwischen dem Patienten  auf der Couch, der ewig die Urszene und andere traumatische Erlebnisse durchkaut, und der politischen, ethnischen oder religiösen Gruppe, die sich von geschichtlichen Traumata nicht zu lösen vermag, nicht nur stark hinkt, sondern allenfalls anekdotisch trägt. Trotzdem bleibe ich dabei: Santayanas Satz ist falsch. Es gibt gute Gründe, sich der Vergangenheit zu erinnern. Aber man sollte sich hüten, Lehren aus ihr zu ziehen. Wie Generäle immer den letzten Krieg gewinnen wollen, wenn sie in einen neuen ziehen – und darum den neuen verlieren, weil er anders ist, wollen Politiker und Publizisten immer die Fehler der Vergangenheit vermeiden, wenn sie neue begehen.

Man sollte, mit einem Wort, die Vergangenheit nicht für heutige Zwecke instrumentalisieren; man sollte ihr die Würde ihrer Einmaligkeit lassen und sie nicht als bloßes Anschauungsmaterial für uns Heutige nehmen. Die Lehren aus der Vergangenheit sind ohnehin nicht eindeutig. Selbst eine so scheinbar unumstrittene Lehre wie jene aus dem Scheitern des Münchener Abkommens von 1938 ist so eindeutig nicht.

 

Es sei falsch, so fasst man diese Lehre zusammen, einen Aggressor beschwichtigen zu wollen; damit ermuntere man ihn nur zu weiteren Aggressionen. Nun, auch wenn damals der junge Doktorand John F. Kennedy und später der britische Historiker A.J.P. Taylor gute Gründe für Chamberlains Appeasement-Politik fanden, bei Hitler scheint das zu stimmen. Aber galt und gilt das auch für andere Diktatoren? Für Stalin? Für Chruschtschow? Für Mao? Hat Kennedy Chruschtschow in Berlin und Kuba beschwichtigt und dadurch zu weiterer Aggression ermuntert, wie seine Kritiker behaupteten, oder hat er durch  die Aufgabe der „Rollback“-Politik den Weltfrieden gerettet? Hat Nixon durch die Anerkennung Chinas und das Fallenlassen Taiwans Mao ermuntert oder eingehegt? Und wie ist es heute mit dem Iran? Betreibt Obama eine feige Appeasement-Politik, an deren Ende die Mullahs Atombomben  gegen Israel einsetzen werden, oder wird es ihm gelingen, einen historischen „Nixon-China-Moment“ in den Beziehungen zwischen den USA und dem Iran herbeizuführen. Für die Entscheider waren und sind die historischen Parallelen von sehr begrenztem Wert.

 

In der Kuba-Krise zum Beispiel las Kennedy keine Abhandlung über das Münchener Abkommen, sondern Barbara Tuchmans „The Guns of August“ (dt. „August 1914“); das Buch empfahl er allen seinen Beratern. Die Hauptlehre, die Kennedy aus Tuchmans Werk zog, war folgende: Der Erste Weltkrieg war eine Folge schwerwiegender Fehleinschätzungen; niemand wollte Krieg, aber man schlidderte hinein, weil man dem Gegner die bösesten Absichten unterstellte und die Wirkung der eigenen Handlungen auf den Gegner unterschätzte. In der Krise um Kuba gelte es um jeden Preis, eine falsche Einschätzung der russischen Absichten zu vermeiden und den Russen sehr klar die amerikanischen Absichten zu signalisieren.

Kennedy zog es also vor, die Konfrontation der USA mit der Sowjetunion nicht im Kontext des Jahres 1938 zu sehen, wo die „Guten“ zu Unrecht dem „Bösen“ nachgaben, sondern im Kontext des August 1914 zu sehen, wo es – nach Tuchmans Ansicht – keine „Guten“ und keine „Bösen“ gab, sondern wo – um einen anderen Titel von ihr zu zitieren – die „Torheit der Regierenden“ die Welt in den Abgrund riss.

Das scheint meiner Behauptung zu widersprechen, man sollte nicht versuchen, aus der Vergangenheit Lehren zu ziehen. Tut es aber nicht. Denn Kennedys Militärs und seine politischen Gegner bis hinein in die eigene Partei hatten eben aus der Geschichte eine andere Lehre gezogen, eben jene von „München“. Und viele blieben dabei. So ziemlich das letzte, was John F. Kennedy in seinem Leben sah,  war ein Mann, der in Dealey Plaza einen Regenschirm aufspannte – der Regenschirm, als Accessoire Chamberlains, mit dem er winkte, als er „peace in our time“ verkündete, galt den Kennedy-Kritikern als Symbol seiner kriminellen Schwäche gegenüber den Kommunisten Castro und Chruschtschow.

Kennedy hatte, wenn man so will, mit der Wahl seiner geschichtlichen Lektion Glück; Chruschtschow war nicht Hitler, sondern eher Wilhelm II.

Überdies ist es immer richtig, die politischen Absichten des Gegners zu analysieren (auch durch Spionage übrigens) und sich in seine Situation zu versetzen, um die Wirkung der eigenen Handlungen auf ihn einzuschätzen. Hier hilft die Geschichte freilich gar nicht. Am Ende ist jede Situation einmalig.

 

Tuchmans Buch erwähne ich auch aus einem anderen Grund: Entgegen der Behauptung, erst mit Christopher Clarks „Die Schlafwandler“ sei auf Seite der früheren Gegner Deutschlands – und gar in Deutschland selbst – die These von der Alleinschuld Deutschlands am Ersten Weltkrieg in Frage gestellt worden, belegt Tuchmans Buch, das ein internationaler Bestseller war, im „Spiegel“ vorab gedruckt wurde und den Pulitzer Preis gewann, dass die Vorstellung einer deutschen Allein- oder Hauptschuld – trotz der Arbeiten Fritz Fischers – keineswegs innerhalb und außerhalb Deutschlands als gängige Meinung unterstellt werden kann. Mit Clark in der Hand gegen diesen angeblichen Mainstream anzurennen, hieße tatsächlich, gegen Windmühlen zu kämpfen.

 

So schreibt etwa Cora Stephan in einem Essay für die NZZ, der auch auf der „Achse des Guten“ abgedruckt wurde:

„Während viele Deutsche ihre Vorfahren offenbar allesamt für irgendwie schuldig halten, sehen die Briten in ihren Gefallenen nur Opfer, und nicht Männer, die doch ebenfalls getötet haben…“  Nun, „viele Deutsche“ ist ein hinreichend ungenauer Begriff; die Aussage mag stimmen oder auch nicht stimmen, je nachdem, wie viele „viele“ sind. „Die Briten“ freilich ist ein genauer Begriff, der auch den Autor dieser Zeilen einschließt, und da kann ich mit großer Gewissheit sagen, dass ich das so nie geglaubt und so nie erzählt bekommen habe. Die Aussage stimmt einfach nicht.

Hier ist ein Link zu Cora Stephans Essay:

http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/hundert_jahre_traurigkeit

 

Stephan weiter: „Tatsächlich deutet einiges darauf hin, dass man in Großbritannien langsam vom nationalen Mythos Abschied nimmt, dass man im Deutschen Reich das Böse bekämpft habe und in diesem grauenvollen Gemetzel die Guten gewesen sei.“ Dieser „nationale Mythos“ hat nicht einmal die Erinnerung in meiner Familie mütterlicherseits bestimmt, sämtlich überzeugte und aktive Imperialisten und Nationalisten. Wer Aussagen über „die Briten“ und ihr Verhältnis zum Ersten Weltkrieg machen will, sollte etwa Adam Hochschilds großartige Studie „To End All Wars. A Story of Loyalty and Rebellion“ (dt. „Der Große Krieg“) lesen, die übrigens mit einer Schilderung der Kriegsgräber in Frankreich beginnt, die der Schilderung Stephans auffällig ähnelt. Hochschild stellt fest: „Doch vor allem in Großbritannien – mehr als in anderen Ländern – gab es eine große Zahl von unerschrockenen Kriegsgegnern, die ihre Überzeugungen kundtaten, nach ihnen handelten und einen hohen Preis dafür zahlten.“ 20.000 verweigerten den Kriegsdienst, über 6000 landeten im Gefängnis, „unter anderem der bekannteste investigative Journalist des Landes, ein künftiger Nobelpreisträger, mehr als ein halbes Dutzend künftige Parlamentsmitglieder, ein künftiger Minister … Wohl kaum dürfte man einer erlesenere Schar von Menschen in den Gefängnissen eines westlichen Landes angetroffen haben.“ Viele dieser Menschen wurden und werden hoch geehrt. Etwa die Pazifistin und Sozialistin Charlotte Despard, nach der eine große Straße in Battersea benannt ist, dem Londoner Stadtteil, in dem ich als Kind lebte. Und wenn man in Großbritannien von den Soldaten als Opfer spricht, so nicht als Opfer der Deutschen, sondern als Opfer der eigenen Führung. Kein Geringerer als Rudyard Kipling, der Barde des Empire, ließ auf das Grabstein seines gefallenen Sohns die Zeilen meißeln:

„If any question why we died, tell them, because our fathers lied.“

 

Doch die leicht ressentimentgeladene Entgegenstellung der angeblich triumphalistischen Briten mit den sich in Schuldstolz ergehenden Deutschen ist nicht der wichtigste Grund, Cora Stephans Geschichtslektion mit Argwohn zu begegnen. Das antienglische Ressentiment mag man einer Deutschen meiner Generation nachsehen, aufgewachsen in den Trümmern, die jene andere RAF hinterließ, und in den geistigen Trümmern, die von den Nazis hinterlassen wurden.

Außerdem stimme ich ihrer Darstellung des Kriegs und seiner Folgen weitgehend zu. Leider aber – und hier kehre ich zum Ausgangspunkt zurück – kann Cora Stephan nicht der Versuchung widerstehen, die Psychoanalytikerin zu spielen und die Heilung des Patienten Europa aus der Beschäftigung mit der Geschichte zu verkünden:

„Die Europäer haben nicht nur eine traumatische Erfahrung gemeinsam, wie man heute vielleicht deutlicher erkennt als je zuvor. Sie haben auch allesamt einen Trost verloren: dass es, hier wenigstens, Schwarz und Weiß gibt im Krieg, Täter und Opfer, Schuldige und weiße Ritter, Schurken und Helden. Nur, solange man an das Böse glauben kann, ist auch das Gute denkbar. Das mag einer der Gründe sein, warum man in Deutschland die Bürde des Schurken nicht erleichtert abwirft. Und könnte eine Paradoxie erklären: Wer an eine Inkarnation des Bösen glaubt, erwartet vom ‚Guten’ oft mehr, als menschenmöglich ist.

(…)

Der Abschied von Gut und Böse führt ins Reich der Schatten und in die kalte Welt der Realpolitik, in der Interessen zählen, ohne dass Moral sie veredelt. Und das ist gut so.“

 

Nun, gewiss doch, Realpolitik ist nötig; Interessen zählen; und man sollte nicht kalte Interessenpolitik moralisch aufladen. Aber es gibt sehr wohl in der Welt heute Akteure, die moralisch eher böse und solche, die moralisch eher gut sind. Die Lehre aus dem Ersten Weltkrieg – so es eine eindeutige Lehre gibt, was ich bezweifle – heißt doch nicht, dass alle heute agierenden Mächte gleichwertig seien, selbst wenn man unterstellen würde, dass sie es damals waren.

Wenn es überhaupt eine Lehre aus dem Großen Krieg gibt, dann wäre sie wohl die, dass es einen Punkt gibt, an dem selbst derjenige, der das Recht und die Moral auf seiner Seite hat, dieses Recht und diese Moral ad absurdum führt. Das hieße etwa: selbst wenn man der damaligen britischen Führung abnehmen will, dass sie in den Ersten Weltkrieg eintrat, weil sie der Bündnisverpflichtung gegenüber Belgien nachkommen musste: wie konnte das die unzähligen Toten rechtfertigen: „Von den Männern, die 1913 ihr Studium in Oxford abschlossen, fielen 31 Prozent“, notiert Hochschild.

Diese Lehre hatte Kennedy vor Augen, als er alles tat, um einen Atomkrieg zwischen den USA und Russland zu vermeiden; nicht weil ihm unklar gewesen wäre, auf welcher Seite das Recht und die Moral standen, sondern weil die Vernichtung der Welt diese Frage irrelevant erscheinen ließe.

Auch heute stehen wir mitnichten in einer „kalten Welt der Realpolitik, in der Interessen zählen, ohne dass Moral sie veredelt.“ Der von den USA geführte Westen, so unvollkommen er sein mag, vertritt „die letzte, beste Hoffnung der Menschheit“, wie Abraham Lincoln es formulierte. Seine Feinde haben und hatten weder die Moral noch das Recht auf ihrer Seite: Al Qaida, die Taliban, die Regimes in Nordkorea und dem Iran, Slobodan Milosevic, Saddam Hussein, Muammar al-Gaddafi, Baschar al-Assad … Und Russland, das vielen dieser Finsterlinge Unterstützung gewährte und gewährt, Europas letzte Diktatur in Weißrussland am Leben  hält, die Ukraine spaltet, Gegner ins Lager wirft oder ermorden lässt  ist unter Wladimir Putin wie unter dem Zaren der Hort der Reaktion in Europa.

Freilich kann die moralische Empörung über solche Leute nicht einfach in politische oder gar militärische Handlungen von schöner Eindeutigkeit und klarer Wirkung umgesetzt werden. Manchmal erreicht ein Eingreifen das Gegenteil des Intendierten. Manchmal muss man mit seinen Feinden verhandeln, manchmal ihnen sogar nachgeben, wie Obama gerade vormacht. Und wer moralisch im Recht ist, hat damit nicht automatisch das Recht auf seiner Seite, wie wir in Vietnam und Kambodscha, Guantánamo und Abu Ghraib sahen und sehen.

Cora Stephan meint: „Tatsächlich setzte der Erste Weltkrieg vor allem in Großbritannien eine Propagandamaschinerie in Gang, die das Sinnlose mit den gröbsten Mitteln moralisch zu veredeln suchte. Es ist halt das Problem von Demokratie, dass man Kriegshandlungen nicht einfach anordnen kann, man muss das Volk überzeugen – was meistens heißt: es manipulieren.“ Nun, dass man „vor allem in Großbritannien“ Kriegspropaganda betrieben habe, im Gegensatz etwa zu Deutschland – das kann man getrost ins Reich der Fabel verbannen. Egal. Geschichte eben. Dass aber die Aufgabe der Demokratie, gegebenenfalls die Menschen von der Notwendigkeit eines Krieges zu überzeugen, einfach abgetan wird als „in den meisten Fällen“ Manipulation: Das ist sachlich falsch und moralisch empörend. Ich dachte, über solche simplen  68er-Theorien wären wir inzwischen hinweg.

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97 Gedanken zu “Die Lehren aus dem Großen Krieg;”

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    @ Alan Posener

    Dass Christopher Clark ein sehr reliables und valides Werk zur Entstehungsgeschichte von WK II geschrieben hat, darauf können wir uns wahrscheinlich einigen (übrigens: haben Sie es gelesen?).

    Darüber hinaus haben wir Differenzen: Für Sie bleibt die Fischer-Schule das non plus ultra, während ich eher geneigt bin, Herfried Münkler zu folgen: “Was wir aus ihm [WK I] aus ihm zu lernen haben, ist, dass Fritz Fischers These von der deutschen Allein- oder Hauptschuld ihre geschichtspolitische Berechtigung gehabt haben mag, diese Sicht inzwischen aber auch geschichtspolitisch falsch ist, weil sie von dem eigentlichen Lernergebnis ablenkt.” (FAZ, 24.1.2014). Ich beanspruche keineswegs, dass ich der Fachmann des WK I bin; ich habe mir vorgenommen, Münklers Werk “Der große Krieg – Die Welt 1914 – 1918” zu lesen; ich schlage Ihnen vor, am 9. September nochmals über diese Frage zu diskutieren, dann könnten wir überprüfen, welches Lernergebnis Sie und ich erreicht haben.

    Was Ihren Link auf den Nachwuchs-Historiker und Fischer-Doktoranden Imanuel Geiss (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43161092.html) angeht, haben Sie mich tief in die 60er Jahre, in die damals anhebende Fischer-Debatte geschickt; ich bedanke mich bei Ihnen mit einem Link “Kriegsschuld – Rätsel am 9.9.” (http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43161092.html). Den beiden SPIEGEL-Essays können Sie entnehmen, dass Fischer die September-Protokolle 1959 in dem von der DDR gehüteten “Zentralarchiv” in Potsdam fand, sein Schüler Geiss erste, vage Belege für einen Deutschen Ostland-Plan Anfang der 60er Jahre im Münchener Geheimen Staatsrachiv. Insofern ist es reichlich kühn, wenn sie diese Befunde zusammenwerfen in einen Katalog “bekannter deutscher Kriegsziele”. Wenn überhaupt, sind das dann (in der damaligen Zeit) “geheime deutsche Kriegsziele”, so geheim, dass Geiss formuliert “Bethmann Hollweg hütete sich freilich, seine Absichten öffentlich kundzutun, was ihm um so leichter fiel, als die Zensur keine Äußerungen über deutsche Kriegsziele passieren ließ.” – Und Sie müßten redlicherweise schreiben, dass kein Mensch die deutschen, angeblich alternativlosen Kriegsziele kannte als Bethmann Hollweg und seine Kanzlei. Es könnte Ihnen auch zu denken geben, dass z.B. Golo Mann, der im Gegensatz zu Fischer nicht NS-belastet war, über die Interpretation der September Protokolle konsterniert war, diesen geheimen Dämon nicht mit dem Bethmann Hollweg der bis dahin bekannten Befunde und Aktenlagen zusammenbringen konnte. –

    Ich will damit keineswegs in Abrede stellen, dass es imperialistische deutsche Kriegsziele gab, es würde mich auch wundern, wenn es keine Denkschriften und Vorschläge gegeben hätte, die deutsche geopolitische Lage in der damaligen Mächtekonstellation zu konsolidieren und zu verbessern, die Positionen Frankreichs und Russland zu schwächen; Fischer weist z.B. auf die Mitteleuropa-Denkschrift Walter Rathenaus hin. Ich bin mir auch nicht sicher, ob ein von Deutschland diktierter Friedensvertrag “humaner” gewesen wäre als Versaille. Nochmals Münkler: “Man kann es fast tragisch nennen, dass die deutsche Führung 1914 tatsächlich keine politischen Kriegsziele hatte. Die imperialistischen Phantasien entstehen erst durch den militärischen Vormarsch, und sie entstehen in einem wilden Stimmengewirr, in dem man sich mit Forderungen nur so überbietet.” (FAZ a.a.O.).

    Vielleicht lernen wir in diesem Jahr noch etwas dazu, Sie hoffentlich zu differenzieren.

    Ansonsten: Was Ihre “nachrichtendienstliche” Tätigkeit angeht, ist Ihnen ja allerhand zuzutrauen, nachdem Sie dem Suppenkasper “Adolf Heitler”, den Sie aus Ihrem Hut gezaubert haben, angedroht haben, dass Sie “zusammen mit Ihren Freunden” (wer sind diese?) ihn observieren und nachrichtendienstlich behandeln werden.

    Eins nach dem anderen. Auf Ihren panischen Abwehrzauber (https://starke-meinungen.de/blog/2014/01/28/die-ausenpolitik-der-afd/comment-page-3/#comment-24901) werde ich noch zurückkommen.

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    … delirium, delarium Löffelstiel. Fakt dürfte sein, dass Deutschland nicht die alleinige ‘Schuld’ am WKI trägt. Das werden die ‘Siegermächte’ schon anno ’18 gewusst haben.

    Gibt es nun eine Revision der ‘Versailler Verträge’. Wenn nein – warum nicht?

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    Lieber Herr Kaufmann,
    da Sie sich beharrlich weigern, selbst zu recherchieren und offensichtlich die Quellen zur deutschen Ostpolitik im Ersten Weltkrieg nicht lesen, die ich hier veröffentliche, bin ich versucht, Sie einfach zu ignorieren. Hier aber noch ein Versuch:

    “Ein Nachwuchs-Historiker namens Imanuel Geiss weist nämlich in seiner Doktorarbeit* nach, daß die Exmittierung ganzer Völkerschaften keineswegs erstmals von rachsüchtigen Polen ersonnen wurde, sondern umgekehrt den Großmacht-Träumen militanter deutscher Nationalisten entsprang – und zwar zu Zeiten, da Adolf Hitler noch als Infanterist im Schützengraben vegetierte.

    Die von Geiss Belasteten sind denn auch nicht etwa NS-Ideologen, sondern Staatsmänner, deren Politik bislang zwar als unglücklich, aber doch als moralisch zweifelsfrei angesehen wurde: nämlich die Reichskanzler Theobald von Bethmann Hollweg und Georg Michaelis**. Ihnen und mithin der deutschen Reichsregierung des Ersten Weltkriegs weist Geiss nach, daß sie weite polnische Regionen annektieren und die dort ansässigen Polen, aber auch die Juden, austreiben wollten, um den Boden unter kolonisierende Germanen zu verteilen.”

    http://www.spiegel.de/spiegel/print/d-43161092.html

    Können Sie den Historiker Imanuel Geiss widerlegen, tun Sie es bitte – im Interesse aller User. Können Sie es nicht, hören Sie bitte auf, mich der Geschichtsklitterung zu zeihen.

    Ansonsten: ich nenne Sie beim Namen nicht aus “nachrichtendienstlichen” Gründen. Sondern weil Sie – als Othmar Kaufmann, Mercator und Lyoner, um nur die Namen und Pseudonyme zu nennen, die ich kenne – eine Geschichte haben. Eine öffentliche, einschließlich einer unter Ihrem Klarnamen betriebenen Website. Mir da irgendwelche nachrichtendienstlichen Absichten zu unterstellen, ist nicht einmal infam, es ist einfach dumm.

    Wenn Sie bereit sind, zur sachlichen Debatte zurückzukehren, soll es mir recht sein. Wenn nicht: ich habe Besseres zu tun, als mich mit Ihnen herumzuschlagen. Denn so richtig intellektuell anregend sind Ihre Beiträge leider selten. Es liegt an Ihnen, das zu ändern.

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    @ Jean-Luc

    Der “Lauduscher”, womit Sie wohl “L.” meinen, definiert Krieg irgendwie anders: Für ihn scheint nur “Krieg” zu sein, was die Alliierten oder die Israeli machen. Dass die Israeli sich tatsächlich bemühen, zivile Schäden zu vermeiden, was a) bei dichter Besiedlung schwierig ist und b) sich auch schlechter machen lässt, wenn Kinder als menschliche Schutzschilde missbraucht werden, blendet er aus.
    Ich glaube, der letzte Krieg dieser Art, da man Bürgerkriege nicht mitzählen kann, war der Iran-Irak-Krieg, davor wahrscheinlich Nord- gegen Südvietnam.
    Die Kriege Ihrer “buddies” gegen Serbien oder Irak waren schnell und präzise mit dem Ziel der Vermeidung hoher Opferzahlen. Seitdem kennen wir den Ausdruck Kollateralschaden.
    Antiamerikanismus und Antisemitismus, auch im Gewand von Antizionismus, sind vermutlich unheilbar. Die NSA-Sachen sind – natürlich – leider wie Dünger darauf.

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    Encore, Alan Posener, was ist mit Ihnen los? Wollen Sie zensieren und Ihre “Freunde” auf mich ansetzen?

    Lyoner sagt:
    Dein Kommentar wartet auf Freischaltung.
    1. Februar 2014 um 15:15

    @ Parisien, Alan Posener, Klaus J. Nick, Roland Ziegler und alle, die sich als “Lauduscher” angegriffen fühlen

    Auch wenn die “Diskussion” darüber in einem anderen thread tobt, will ich doch hier antworten, weil sie hier entstanden ist und auch besser nachvollzogen werden kann.

    Also der Reihe nach:

    Alan Posener ist von mir mehrfach gefragt worden, aus welchen Quellen er seinen Katalog “bekannter deutscher Kriegsziele” geschöpft hat. Es ging vor allem um die Punkte “systematische Vertreibung von Polen und Juden”. Ich habe hier auch auf mögliche Quellen hingewiesen. Posener ist dieser Diskussion ausgewichen, wie er das häufiger tut, wenn ihm auf den Zahn gefühlt wird. Herfried Münkler hat bezüglich der “Kriegsziele” von einem Stimmengewirr gesprochen, Posener kleistert einen Kanon zusammen; das hat man in Zeiten, in denen man das Denken nicht simulierte, sondern zu denken versuchte, “diabolisch” genannt, er wirft alles durcheinander.

    Posener kann sich immer noch rehabilitieren; es kann doch kein Hit sein, aus dem Mommsen, Seite xy, zu zitieren und die Quellen zu nennen, auf die sich Mommsen bezogen hat, so dass wir die Gelegenheit haben, diese auf ihre Relevanz zu überprüfen.

    Also, anstatt zur Sache zu gehen, in medias res, weicht Posener aus, umgangssprachlich “zieht den Schwanz ein” (Posener möge sich daran erinnern, dass er es war, der den Schwanz – angeblicher “Penisneid” der Deutschen auf die Briten, die den längeren hatten – in die Diskussion einführte). Dafür schlägt er sich umso wackerer und verwegener als Hobbypsychologe und Hobbypsychiater, stellt Ferndiagnosen über “Seelenhaushalte” und betreibt sonstiges Profiling wie “Paranoia” oder, immer noch am schönsten und aussagefähigsten, Antisemitismus und Hitlerunwesen – und das, was hier wohl erkennungsdienstlich besonders wichtig ist, unter Nennung eines Klarnamens. Besonders witzig ist, dass er einen “Adolf Heitler” aus seinem Zylinder zaubert und mich mit ihm in einen Zusammenhang zu bringen versucht (http://starke-meinungen.de/blo…..ment-24821). Wes Geistes Kind er ist, zeigt Posener in seiner Mitteilung @Serdar: … Adolf Heitler habe ich zensiert und ihm geschrieben, dass ich und meine Freunde [sic!] ihn unter Beobachtung haben (http://starke-meinungen.de/blo…..ment-24832). Da wehrt einer aber tapfer den Anfängen. Sagen Sie, ist Posener ein brillianter Nachrichtendienstler, der Dossiers über “Heitler” und mich zusammenstellt, oder ein grandioser Dummkopf?

    Wenn Posener ausweicht, braucht er sich nicht zu wundern, wenn Teile des Kommentariats sich off-topic über ein weniger strittiges Thema unterhalten. Das halte ich für legitim; ich finde, das hat er verdient: Jedem das seine. Komisch dagegen, dass Posener dies tadelt und zur Sache mahnt (http://starke-meinungen.de/blo…..ment-24790). Was meinen angeblich so enthüllenden “Sprachgebrauch” angeht: Jedem das seine, suum cuique gab es schon lange vor der Hitlerei; es wäre ein später Triumph der Nazis, wenn alles, was sie angefasst haben, “bezeichnend” wäre. Verstehn Sie das, lieber Alan Posener?

    @ Parisien

    “Elysium” war ein Gedankenspiel, eine Parabel mit einem heuristischen Nutzen.

    Was den famosen Nachrichtendienstler Alan Posener angeht, empfehle ich Ihnen “Unser Mann in Havannah” von Graham Greene.

    Was Ihre Einwände bezüglich meiner Beschäftigung mit Israel angeht, dazu brauche ich die passende Zeit. Jetzt will ich mich auf die Bundesligaspiele vorbereiten.

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    Mit “social bias” wird in der modernen Anthropologie die “ultrasoziale” (Richerson & Boyd 1998) Grundvoreinstellung des modernen Menschen (H. sapiens sapiens) bezeichnet, genauer: dessen extreme soziale Intelligenz und deren Folgeerscheinungen (s. Herrmann et al. 2007).

    Nur die sozial intelligentesten Tiere sind zu kognitiven Höchstleistungen fähig wie Empathie, Theory of Mind, Liebe, Mobbing, Eifersucht, Neid, Hass, etc.

    Kennzeichnend für den social bias sind unhinterfragte Voraussetzungen in Aussagen wie “unser Volk”, “wir Juden”, “die Deutschen wollen…”, “Rothemden vs. Gelbhemden”, “FC-Bayern Fans”, etc. etc.

    Dieser social bias dürfte spätestens mit der Sesshaftwerdung genetisch verankert worden sein (vgl. Blut-und-Boden-Ideologien, Nationalismus, Chauvinismus, Kriege).

    Auch das heutige (2014) mediale Jubelgeschrei (!) anlässlich des 100-Jahr-Jubiläums (!) des Ausbruchs des 1. Weltkrieges dürfte ein Anzeichen für einen zunehmenden “deutschen” bzw. “gesamteuropäischen” social bias sein.

    Literatur

    HERRMANN, Esther et al. (2007): Humans Have Evolved Specialized Skills of Social Cognition: The Cultural Intelligence Hypothesis. Science 317 : 1360-6

    RICHERSON, PJ, BOYD, R. (1998): The evolution of human ultrasociality. In: Ethnic conflict and indoctrination (edited by I. Eibl-Eibesfeldt & F.K. Salter), pp. 71-95, Oxford.

  7. avatar

    …kurz zu Barenboim und die Hamas: Die Hamas macht keine Musik. Wenn sie Musik machen würden, wäre sie nicht mehr die Hamas. Barenboim richtet sich an musizierende Israelis und Palästinenser und zegit, dass die irhe Feindschagt üebrwinden, wenn sie gemeinsam musizieren.

    Die Islamisten sind nur konsequent, wenn sie mit als Erstes die Musik radikal verbieten. Sie wissen, die Musik ist ihr mächtiger, unversöhnlicher Gegner.

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    @ Roland Ziegler, Parisien, Klaus Nick, Alan Posener

    Jedem das seine. Freunde, seid Ihr alle Lauduscher? – Mit etwas Zeit gehe ich noch zur Sache. Wenn Posener zur Sache den Schwanz einzieht, was will er erwarten – als Plauderei. Oder täusche ich mich da, Freunde?

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    @Parisien: Ich kenne “Unterm Rad”, das finde ich sogar am besten von Hesse. Schule mag man als Schüler nicht, klar. Willem Zwo kann mich mal. Ich muss jetzt schnell los…

    @Alan Posener: Das entwickelt sich so, ohne dass es gewünscht wäre. Angefangen hat alles mit meinem Steuerberater. Aber das ist eine andere Geschichte. Nach 3 Wochen Weltkriegsgrübelei fällt uns hier unten nichts mehr zum Thema ein, außer, welche Lehren wir denn ziehen würden. Und da gerät man dann eben schnell ins Plaudern.

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    @ Alan Posener
    Dorothea Siems

    Wusste nicht, dass Sie noch hierhin schauen. Mein Beitrag zu diesem oben, kommt wohl noch. Wird Ihnen aber nicht gefallen.

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    Ich will nicht meckern, aber wenn eine Diskussion über den Musikunterricht gewünscht ist, sollten wir das vielleicht an anderer Stelle führen. Ich kann jedenfalls nicht erkennen, wie dieser Thread noch mit meinem Beitrag zusammenhängt. Vielleicht wollen Sie eine Autorin zum Thema vorschlagen?

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    @ Roland Ziegler

    Bei uns haben ja bekanntlich nur Kriminelle Waffen. Versetzen Sie sich in die USA. Ein Einbrecher kommt in das Haus eines Musikers. Weil der Musiker ist, lässt der seinen Colt in der Nachtischschublade und bietet dem Einbrecher seine Armbanduhr an. Ja?
    Kriege werden woanders angezettelt. Kürzlich las ich, ich glaube bei Weber (nicht sicher), wie hinter den Truppen ab dem zweiten Jahr Militärpolizei aufgestellt war, weil es zu viele Verbrüderungsszenen und Deserteure gab. Ich glaube kaum, dass das mit Musik zu tun hat.
    Barenboim hat auch Null erreicht bei der Hamas. Kein Durchdringen. Sie überschätzen das und wollen es verschulen. Am Ende haben Sie durch die Verschulung noch weniger Musiker.
    Dabei muss ich sagen, dass ich finde, dass Kinder, die die Schule an sich nicht mögen, gesunde Instinkte haben. Wenn sie trotzdem lernen, Hut ab. Außerdem gibt es auch motivierende Lehrer. Ich würde mich ausgesprochen wundern, wenn Einstein seine Schule mochte. Haben Sie “Unter’m Rad” von Hesse gelesen? Wenn nicht, dann volle Kraft voraus.
    Broder, der ja nicht ganz dumm ist, mochte etwas an seiner Schule: Das Antiquariat um die Ecke. Übrigens pfiff angeblich Rudolf Augstein auf fertige Ausbildungen.
    Ich glaube immer noch, dass Willem Zwo seine Freude an Ihnen gehabt hätte.

  13. avatar

    …ach nee, Sie sagten ja, Sie hätten nie richtig Noten gelernt; dann sind Sie wahrscheinlich musikalisch ähnlich sozialisiert wie ich (nämlich im Grunde gar nicht bzw. durch Autodidaktik). Allerdings bin ich von der Wichtigkeit des Notenlernens überzeugt (wie auch von der Wichtigkeit des Zahlenlernens).

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    Es ist schon bemerkenswert, wieviele Leute heute mit Kopfhörern herumlaufen, aber selber keine Musik machen. Die Allgegenwart von Musik steht im schroffen Kontrast zur Abwesenheit der Instrumentenpraxis. Aber es gibt auch ein Problem aus der entgegengesetzten Richtung; Musik ist ein zweischneidiges Schwert. Ich hatte kürzlich ein interessantes Gespräch mit einem Münchner Philharmoniker, welcher durch die Eltern und die Musik zum Alkoholiker geworden ist und von anderen Profimusikern erzählte, die ihren Tremor, hervorgerufen durch Weißwein nach dem Auftritt, mit Weißwein vor dem Auftritt bekämpfen. Der Geiger David Garrett war ein Kind, das seinem überehrgeizigen Vater jahrzehntelang ausgeliefert war und schwere Schäden erlitten hat. Auch dieser Gefahr, sozusagen aus der gegenüber liegenden Ecke, würde die Standardisierung im Musikunterricht zumindest begegnen; ganz ausschalten lässt sie sich nicht. Wie gesagt: Musik ist ein zweischneidiges Schwert, dessen Umgang gelernt werden will.

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    @ KJN

    Weil alles, was in der Schule aufgezwungen wird, zu einem no-go für die meisten wird, deswegen. Sie sollen ja Ihren Kindern kein Instrument finanzieren, sondern nur dann das machen, wenn eines das will. Im Übrigen wird viel zu wenig gesungen. Und solo – das trauen die sich nicht. Sie haben Angst, dass sie ausgelacht werden von dem dämlichen Pulk. Wir haben ein Instrument, das nichts kostet: Die Stimme.

    @ RZ und Nick:

    Schulsport ist auch so was von öde. Es gibt nicht so viele, die den Schulsport wirklich mögen. Und die Adipositas kriegen Sie mit dem Sport nie weg. Die essen dann noch mehr. Die kriegen Sie nur mit weniger essen weg, egal was, Hauptsache weniger. Dieses Fressen gehört meistens zusammen mit dem Fernseher-Babysitter und der Konsole im Kinderzimmer und Vernachlässigung und Mangel an Kochen und der Unfähigkeit von manchen Eltern, am WE spazieren oder wandern zu gehen.
    Schulsport: Dieses beknackte Pferd, dieser Barren, laufen, laufen, laufen, Liegestütz, Kugelstoßen, 100m-Lauf, Übertreten beim Weitsprung – ich hasse es heute noch. Wieso nicht mal Rollerbladen, Skateboard? Der Schulsport ist jedenfalls etwas, dass sich seit Adolf nicht sehr geändert hat. Und ich habe ihn mein Schulleben lang gehasst und oft genug in der Kneipe nebenan abgehangen, also geschwänzt. Aber ich war nicht dick.

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    @KJN: Programmiertechnisch bin ich genauso wie Sie. Desahalb programmiere ich auch nichts. Instrumentaltechnisch ist es bei mir genau andersherum: Ich habe nie richtig Noten flüssig lesen gelernt (das hole ich gerade mit den Kindern ein bisschen nach, die Ältere kann das bereits besser als ich je konnte), habe auch nie das Instrument richtig spielen gelernt. Ich bin Gitarre-/Klavier-Autodidakt, auf der Klassikgitarre inzwischen auf recht hohem Niveau, aber seit einiger Zeit mangels richtiger Technik an einer Grenze. Für diese fehlende Ausbildung gibt es eine Reihe von Gründen, die ich gerne geändert hätte. Die Improvisation nach Gehör anhand von Harmonien (das war früher auch meine Hauptbeschäftigung) wäre jedenfalls ein unverzichtbarer Teil dieser in Rede stehenden Ausbildung.

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    @R.Z.
    das mit dem Kursiv – mea culpa.. sehr wahrscheinlich. Wenn’s einmal gesetzt und versehentlich nicht oder nicht richtig durch Schrägstrich neutralisiert wird, geht es im nächsten comment nicht mehr abzuschalten. Solange das nicht behoben wird, werde ich zumindest keins mehr setzen, weil ich für html (eigentlich jegliches Programmieren) viel zu schludrig bin.
    Was die Musik betrifft – insbesondere die von Ihnen eingeforderte obligatorische Musikpädagogik: Mir sind zuviele Menschen bekannt, die als Kind ein Instrument lernen mussten und später nichts mehr damit zu tun haben wollten. Außerdem gibt’s mehrere Arten, es zu lernen: Per Gehörbildung und per Noten-Abspielen. Im E- und U-Land ist “richtiges” Musikmachen zunächst Noten-Abspielen. Das hat man mir gründlich verleidet. Ich kann es nur sehr mäßig. Nach Gehör spielen und über Harmonien improvisieren allerdings sehr gut (d.h. für Zuhörer wahrscheinlich, bzw. so hoffe ich zumindest, erträglich). Für eine brauchbare Musikpädagogik, die das, was Sie sich dadurch erhoffen, bewirkt, müsste sich m.E. so einiges verändern. Deswegen sage ich: lieber nicht.
    Bei Sport ist es wohl ähnlich: Bei mir war fast nur Handball und Volleyball. Kann ich nicht. Regeln zu kompliziert. Fußball auch nicht. Aber Reck, Barren, Schwimmen. Haben wir aber kaum gemacht.

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    Dasselbe gilt eigentlich auch für den Sport. Wer wirklich rettungslos unmusikalisch ist, könnte Sport, insb. Mannschaftssport treiben. Dort lernt man Fairness, Teamgeist, Integration. Nur ist es so, dass Sport in der Schule wie selbstverständlich obligatorisch (!) gelehrt wird, Instrumente aber nicht. Da werden sämtliche Sportarten durchdekliniert, so dass man nicht mal mit der körperlichen Ertüchtigung gegenargumentieren könnte; es geht stattdessen um ausgefeilte Techniken. Jeder kommt dran. Auch die größten Fettsäcke müssen sich verzweifelnd auf den Barren hebeln und werden dafür ausgelacht. Warum nicht am Instrument?

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    Nebenbei: dies ist nicht off-topic, sondern eine Lehre, die ich aus dem großen Krieg ziehe. Musik hören kann jeder, dabei lassen sich auch gut Menschen töten; aber Musik machen – da sieht es schon anders aus. Dazu muss man sich der Musik und ihrer Borschaft öffnen. Ein Instrument, insb. wenn es im Ensemble gespielt wird, lehrt den Respekt vor dem anderen, auch dem vermeintlich GANZ anderen.

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    @KJN: Abgesehen davon, dass Sie mit der verkorksten HaTeEmEllerei mal wieder alles rettungslos kursiv gemacht haben, muss ich Ihnen dahingehend widersprechen, dass ein Instrument lernen nicht kognitiv sei: Das stimmt nicht. Es ist eine wichtige Übung, den Geist zu beruhigen, auf eine Abfolge von Schritten zu konzentrieren, durch langsame Wiederholung beglückende Fortschritte zu erzielen, auf übergeordnete Sinnansprüche zu verzichten, die Abstraktion der Notenschrift in Schwingungen zuu versetzen und seiner Persönlichkeit Ausdruck zu verleihen. Die Effekte dieser ganzheitlichen Tätigkeit auf z.B. logisch-mathematische Fähigkeiten sind alle unbestreitbar und von jedem leicht zu ergoogeln.

    @Parisien: Ich sehe eigentlich nicht ein, warum ich einen beträchtlichen Teil unserer Einkünfte für die musikalische Ausbildung meiner Kinder einsetzen soll, anders gesagt: warum sowas nicht Schulangelegenheit ist. Das ist kein Luxus, kein Hobby, keine Privatsache, sondern trägt erheblich zur Persönlichkeitsausbildung der Kinder, zu ihren späteren Fähigkeiten und damit auch zur Gesellschaft insgesamt bei. Deutungshoheiten und andere Rechthabereien interessieren mich nicht. Die musikalische Armut in der Gesellschaft (man muss da nur mal das Radio einschalten) stellt dieser Sachanalyse ein schwer zu ignorierendes Ausrufungszeichen an die Seite.

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    @APo

    … aus Ihrem Link zitiert: ‘Beim Ausbruch des Weltkrieges überwog im Deutschen Reich noch die Auffassung, der Krieg habe bloßen Verteidigungscharakter.’

    … no comment.

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    Klaus J. Nick: @hans
    ..und Sie sind ganz schlau: Deutschland soll so neutral bleiben, wie die Schweizer, die “damals” die Geschütze an die Nazis geliefert haben (Oerlikon) und wie es dann Deutschland bei Zentrifugen an die Mullahs und bei Assat mit dem Natriumfluorid usw. usf. nachmachte, wie Sie ja selbst schon bemerkten. Schöne Neutralität – danke

    … vielen Dank, ich halte mich nicht für schlau. Wenn ich geschrieben habe – ich wünsche mir für Deutschland ‘Schweizer Politik’ – dann kommt das, was hier von Ihnen zu Recht moniert wird, in ‘meinem’ Deutschland nicht vor. Daher.

    Im Übrigen heißt Neutralitätspolitik nicht zwangsläufig eine Verabschiedung von einer ‘westlichen Wertegemeinschaft’. Im Gegenteil. Wobei die zuerst definiert werden sollte. Meine ich.

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    Nun, lieber Alan Posener, Sie können es nicht sein lassen, mich immer wieder mal auf die Couch zu legen und meinen “Seelenhaushalt” analysieren zu wollen. Sie wissen doch, dass solche Ferndiagnosen in aller Regel Rohrkrepierer sind; ansonsten ist das Thema Glauben und Glaubensverlust ein Thema, das wir irgendwann zwar nicht sine ira et studio, aber nicht ad hominem diskutieren könnten. Im Gegensatz zu mir waren Sie in der Lage, den Kinderglauben des kleinen Sahib aus Kuala Lumpur auch als über 60jähriger zu bewahren und immer noch die Bürde des Weissen Mannes schultern wollen gegen half devilish half childisch people in Berlin und anderswo. Das ist keine Fernanalyse, sondern eine kognitive Verhaltensanalyse, die sich auf Ihre Ausführungen in Ihrem Buch “Imperium der Zukunft” stützt.

    Ich würde mich freuen, wenn wir soweit kämen, nicht nur passende Passagen zur Stütze unserer Behauptungen heranzuziehen und nicht selektiv zitieren. Mir erschließt sich der angebliche Gegensatz, den Sie zwischen Münkler und Stephan & Co konstruieren, nicht; ich zitiere

    FAZ: “Warum gelingt es im Herbst 1914 nicht, Frieden zu schließen, nachdem die militärischen Pläne aller beteiligten Mächte gescheitert sind?”
    Münkler: “Das hat mit den sehr hohen Verlusten in den ersten Kriegsmonaten zu tun. Es ist nicht mehr möglich zu sagen, das ganze war ein Abenteuer, wir setzen alles zurück auf den Status quo ante […] Später kommt noch der Druck der Kriegsfinanzierung dazu. Alle Mächte setzen darauf, einen mehr oder minder großen Teil der Kredite aus den Reparationen des besiegten Feindes zurückzubezahlen. Ein Verhandlungsfrieden bedeutet aber, dass man selbst für seine Kriegskosten aufkommen muss. Je teurer der Krieg wird, desto geringer wird deshalb die Möglichkeit, ihn zu beenden. Man wirft dem schlechten Geld noch gutes hinterher.”

    Sie fragen mich, was ich will. Genauigkeit. Ich will nicht einer Partei glauben. Auch wenn ich Sie nerve, meine Kritik entzündete sich an Ihrer Darstellung “bekannter deutscher Kriegsziele”. Ich zitiere aus Ihrem Beitrag “Europa oder Wolkenkuckucksheim”:

    “Die Verwirklichung der bekannten deutschen Kriegsziele (darunter Annexionen im Westen, die Übernahme der französischen Kolonien in Afrika und die Errichtung eines Ost-Imperiums auf dem Gebiet des heutigen Polen und der Ukraine, aus dem gezielt Polen und Juden zu vertreiben waren) mögen den Autoren nicht als „Desaster“ erscheinen, aber das ist doch sehr Ansichtssache.” – Nun, auf das Septemberprogramm habe ich Sie ja hingewiesen; wissen wollte ich noch, aus welchen Programmen Sie die systematische Vertreibungspolitik gegenüber Polen und Juden ableiten, womit sie doch eine essentielle Übereinstimmung, Konsistenz der deutschen Kriegsziele in WKI und WKII suggerieren wollen.

    Ob aus der damaligen Konstellation Lehren für die Europapolitik unserer Tage gezogen werden können, das weiß ich schlicht nicht; emotionaler Widerstand regt sich jedoch bei mir, wenn eine Politik als alternativlos dargestellt wird, Europa oder Chaos, Europa oder Krieg, Europa oder Wolkenkuckucksheim. Was Sie, lieber Alan Posener, auf die Palme bringt, ist die Diskussion über die Möglichkeit einer rationalen deutschen Interessenpolitik. Das Argument von Stephan & Co wird von Michael Klonovsky im FOCUS zugespitzt:

    “1992 nannte „Le Figaro“ den Maastricht-Vertrag „Versailles ohne Krieg“, und dieses „Versailles“ wurde noch überboten durch den Europäischen Stabilitätsmechanismus ESM. Wenn sich die Schuld an La Grande Guerre nachträglich in Europa gerechter verteilte, nähme die moralische Erpressbarkeit Deutschlands ab und die Möglichkeit rationaler Interessenspolitik zu. Das wäre doch eine gute Nachricht.” (http://www.focus.de/politik/deutschland/eine-betrachtung-von-michael-klonovsky-mythos-kriegsschuld_id_3532321.html)

    Ich habe an keiner Stelle behauptet, dass im Nahen Osten eine absolute Kontrolle gegeben sei; ganz im Gegenteil habe ich immer wieder von Zauberlehrlingen gesprochen, die die Büchse der Pandora geöffnet haben und nicht in der Lage sind, die Geister, die sie (McMahon & Lawrence, Sykes & Picot, Balfour) riefen, wieder einzufangen. In der Serie “1914 DER KRIEG UND DAS HEUTE 2014” werden im SPIEGEL 5/2014, S. 58f die Auswirkungen auf den Nahen Osten ganz einfach für alle beschrieben: “Im Zuge des Ersten Weltkriegs eroberten Großbrittanien und Frankreich den Nahen Osten und teilten ihn untereinander auf. Auf keinem Schauplatz sind die Folgen des damaligen Konflikts so gegenwärtig wie in der arabischen Welt”. – Nach den Erfahrungen, die die Zauberlehrlinge als peacemaker im Iran, Afghanistan, Pakistan, Irak gemacht haben, wüßte ich auch nicht, wie man adäquat in Syrien intervenieren könnte, um dort “Frieden” herzustellen. Mir scheinen die Zauberlehrlinge eher Teil des Problems als Teil der Lösung zu sein. Unstrittig zwischen uns sollte jedoch sein, dass die bewaffneten Konflikte in den Krisenregionen der Welt durch das Geschäft mit Waffenexporten, die “Billionen in die Kassen spülen”, nicht entschärft, sondern geschärft werden.

    Ist es strittig, dass es der Traum der NSA ist, alle Feindbewegungen unter Kontrolle zu bekommen, für was will man sonst einen Quantencomputer bauen? Ist es unwahr, dass die Kontrolle der “Gebiete” durch IDF und Shin Bet, ein “asset” für die israelischen Militärindustrie, die sich ihrer Spitzenprodukte rühmt, ist, ein asset, das “Billionen Dollar in die Kassen spült”? Sind die Recherchen eines Yotam Feldman in dem Film “The Lab” (http://www.zeit.de/politik/ausland/2013-12/israel-ruestungsindustrie-film-the-lab) ein Fake? Hier, sofern Feldmans Darstellung stimmt, ist man dem Ideal der Kontrolle des Feindgebiets schon recht nahe. Und das ist doch etwas, das für alle herrschenden Eliten, die unkontrollierte feindliche Gebiete, die sich mit ihrem Elend nicht abfinden wollen, haben, höchst attraktiv ist. – Auf die Gefahr hin, dass Sie mich nicht nur für paranoisch, sondern auch für halluzinatorisch halten, empfehle ich Ihnen den Film “Elysium” (http://www.trailerseite.de/film/13/elysium-kino-trailer-26723.html). Manchmal ist Hollywood visionär. Und hat die Hand am Puls, wenn man liest, wie die Güter dieser Welt verteilt sind (http://wer-ist-reich.de/)

    P.S. in diesem Zusammenhang ist es erkennungsdienstlich nicht unerheblich, dass Sie mich mit einem Eigennamen dingfest machen wollen, dass Sie mich als gemeingefährliches Element (paranoisch, antisemitisch, rechts, Verschwörungstheoretiker etc.) “kenntlich” machen. Sie arbeiten doch an einer “precrime cognition”? Könnte es sein, dass ich einmal für gefährlicher als ein Horst Mahler gehalten und für Gedankenverbrechen aus dem Verkehr gezogen werde? Auch wenn ich bereits 66+ bin und keinem Menschen ein Härchen krümme? -:)

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    Mir fällt noch was Kleines hierzu ein, RZ:
    Sie kriegen die Deutungshoheit in der Schuldiskussion nicht und ich auch nicht, das wissen wir beide.
    Aber eins ist sicher: Es ist alles da. Nur müssen Sie für ein Talent umziehen und für mehrere verschiedene ideal wohnen. Das ist schwer zu realisieren.
    Daher pappen viele Talente in der Mitte einer Sinuskurve oder der größten Menge. Hier aber tummelt sich seit geraumer Zeit ein Mittelmaß, das den unteren Teil nicht motiviert und den oberen anödet.

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    Das unten sollte auch gelesen werden. Das ist unglaublich gut, aber auch sehr idealistisch. Z.B.:

    “Ich weiß nicht, was mit diesem Kontinent geschehen ist, mit seiner Energie, seinem Mut, seiner Expansivität, Neugier und Vitalität. Wir waren in der Lage, zu Fuß bis ans Ende der Welt zu laufen, die andere Seite des Erdballs zu erkunden. Ja, wir haben Schreckliches getan, aber auch Großes vollbracht.”

    Ja, wir waren in der Lage. Wir haben aus China und Indien Gewürze geholt. Wir sind um das Kap der guten Hoffnung gefahren, haben die Schwarzen in Südafrika in Bedrängnis gebracht, auf Mauritius und den Seychellen die Riesenschildkröte und den Dodo ausgerottet, wir haben die Azteken und die Inka nahezu ausgerottet, weil sie angeblich einen Riesengoldschatz hatten, und nachdem die harmlosen Pilgrim Fathers, Flüchtlinge wegen religiöser Verfolgung im Norden gelandet waren, kam dieselbe korrupte Mannschaft nach und vertrieb die Indianer auf der Suche nach demselben Gold.
    Dann kamen andere Leute, Forscher wie Charles Darwin, Kartographen, ja, die haben Großes vollbracht. Alles sonst war nicht so groß wie man es betrachten will, es war ebenso gern klein und gemein.
    Und was soll das “wir” überhaupt? Polen war gar nicht dabei.
    Deswegen kann man das durchaus aus verschiedenem Blickwinkel betrachten. Hier ist es, sehr schön zu lesen:
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/europa_stirbt_aus_angst_um_seinen_wohlstand
    Der Link geht zur Welt.

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    Krieg macht reich. Deshalb hat Krieg wenig mit Nationalstaat oder auch nicht zu tun. Hier ein Beispiel aus dem zweiten WWI, dem doppelt so langen mit Schützengräben, stalemate und allem, was dazu gehört, angereichert durch C-Waffen. Die Türkei habe ich nur herausgepickt, weil das so anschaulich geschildert ist. An sich war die Türkei neutral. Diverse andere Staaten haben sich die Hände genauso daran schmutzig gemacht:

    “Although neither side acquired any weapons from Turkey, both sides enjoyed Turkish civilian trade during the conflict, although the Turkish government remained neutral and refused to support the trade embargo imposed by the U.S. on Iran. Turkey’s export market jumped from $220 million in 1981 to $2 billion in 1985, making up 25% of Turkey’s overall exports. Turkish construction projects in Iraq totaled $2.5 billion between 1974 and 1990. Trading with both countries helped Turkey to offset its ongoing economic crisis, though the benefits decreased as the war neared its end….”
    http://en.wikipedia.org/wiki/Iran-Iraq_War

  27. avatar

    Hier, er hat den Gedanken auch:
    “Die “Einzigartigkeit” und “Unvergleichbarkeit” des Holocaust haben nur dazu geführt, dass die Messlatte extrem hoch gelegt wurde. So hoch, dass alles darunter passieren kann.” hmb

    Dann bringt er Beispiele danach. Die wären noch um davor zu ergänzen.

    http://www.welt.de/kultur/article124251623/Auschwitz-ist-heute-ein-Disneyland-des-Todes.html
    http://www.achgut.com/dadgdx/index.php/dadgd/article/jeder_mordet_so_gut_er_kann

    Lieber Broder, ich ess heut’ mal ein Frühstücksei. Gott hab sie selig.

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    @hans
    ..und Sie sind ganz schlau: Deutschland soll so neutral bleiben, wie die Schweizer, die “damals” die Geschütze an die Nazis geliefert haben (Oerlikon) und wie es dann Deutschland bei Zentrifugen an die Mullahs und bei Assat mit dem Natriumfluorid usw. usf. nachmachte, wie Sie ja selbst schon bemerkten. Schöne Neutralität – danke.

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    Herzingers Artikel spitzt doch genau diese Frage zu: Wem nützt heute die Diskussion über die Verlagerung einer Kriegsschuld auf die Entente, bzw. die Verknüpfung des Themas mit der EU. Was den Nationalismus und die Kriegsschuld, bzw. Kriegs-Wahscheinlichkeit angeht: Auf welcher argumentativen Grundlage sollen sich denn sonst Massen für Kriege mobilisieren lassen?
    Habe gestern ein anregendes Gespräch mit einem waliser Separatisten gehabt: Die britische Anti-EU-Politik der Konservativen stärkt den Separatismus mittelbar, weil schottische und walisische Unzufriedenheit auf Europa hofft. Das sind also kommunizierende Röhren: Eine entwickelte EU wird eins der “Landsmannschaften” sein.

    @Parisien / R.Z
    ich denke, Sie liegen beide richtig, wobei mir Parisiens Standpunkt gefühlsmäßig sicher näher ist, weil ich’s nicht so mit der Pädagogik habe: Eltern können am besten sehen, ob ein Kind musikalisch ist, was man eben nicht beibringen, sondern nur weiterentwickeln kann. Oft geht zwangsweise Musikunterricht nach hinten los. Sprachen, Mathe: das ist kognitiv, kann bzw. muss man von jedem erwarten, was aber nicht heißen darf, Roland, daß Musik /Kunst weniger wert wäre (also fakultativ anbieten)

  30. avatar

    Die Lehren aus dem Großen Krieg

    … mein Hamster und ich stellen fest, wir sind die einzigen in diesem thread, die eine Lehre …
    … der Rest will marschieren lassen … lassen, weil selber der Mumm fehlt. Wie Onkel Uhu und Röschen. Daher.

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    @ Alan Posener

    Richard Herzinger fasst die eine Position, zu der auch Sie neigen, elegant und schlüssig zusammen.
    Die andere Position, zu der ich eher neige, ist, dass die EU selbst zu mächtig wird, sich überdehnt und militärisch verrennen könnte. Außerdem gibt es die Ansicht, dass die EU eine Marionette internationaler Wirtschaftsinteressen ist, hier insbesondere eine Marionette der USA.
    Falls die EU selbst größere hegemoniale Interessen entwickeln sollte, wäre ein Bevölkerungsaustausch sinnvoll, denn mit uns alten Europäern gibt es eben keine Kriege mehr, höchstens gegen unseren Willen. Mit Balkan und Muslimmehrheit in Europa geht es dann munter voran in den dritten Weltkrieg.
    Gegen solche versteckten Wünsche wären Nationalstaaten, die unterschiedliche Wege gehen, ein Schutz.

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    zu Herzinger:

    „Die vier Autoren wenden sich gegen eine Instrumentalisierung der Kriegsschuldfrage am Ersten Weltkrieg für politische Konzepte der Gegenwart. Doch sie selbst instrumentalisieren die akademische Debatte über 1914 für eine pauschale Attacke gegen die aktuelle Europapolitik.“

    Das ist so und es ist offensichtlich.

    „Zumal die Verpflichtung Deutschlands zur europäischen Integration nicht einfach als Konzession aus historischem Schuldbewusstsein abgetan werden kann, sondern in erster Linie einen substanziellen Pfeiler seiner Eingliederung in den Westen darstellt, zu dem es sich nach historischen Umwegen schließlich bekannt hat.“

    Der historische Umweg ist die komplette Niederlage der Kulturnation Deutschland, mit allen seinen (gerade preußischen) Facetten, gegenüber Bolschewismus und Liberalismus. Nicht aus philosophischem Schuldbewußtsein oder einer Wahl, zu der man sich nach langem Ringen entschloß, sondern wegen russischer Panzer in Berlin. Als Folge dieser Niederlage war Deutschland geteilt und sehr weit von dem Entfernt, was man „sein Schicksal in die Hand nehmen“ nennt. Nicht weil die anderen eine gute Propagandaabteilung hatten, sondern weil das Konzept „Kulturnation“ entscheidende Denkfehler hatte. Zwei Weltkriege verliert man ja nicht aus Versehen. Wenn zur Intelligenz auch die Anpassung an seine Umgebung dazuzählt, dann kann man diese der preußisch-konservativen Strömung nicht unbedingt vorwerfen. Die Konservativen sind letztlich über die historische Klinge gesprungen, weil sie die NS nicht aufhalten konnten. Die Republik hatten sie abgelehnt und sind von Onkel Adolf an den Rand gedrückt worden. Hat ja prima geklappt, das mit der Kulturnation. Staufenberg war dann zu spät und zu wenig. Deutschland war geteilt zwischen den weltanschaulichen Gegnern. Dritter Weg, Nationalkonservativ, klang da extrem Lächerlich. Deswegen auch das Godesberger-Programm. Nach 45 hatte es sich ausgeträumt. Vielleicht spielt das alles eine größere Rolle, als Albions Propaganda zum WK1.

    Das Nationalkonservative ist gescheitert, weil es nach dem WK2 keine Antworten hatte. Da gab es keinen Dolchstoß falschen Geschichtsverständnisses. Ob diese Strömung auch Antworten zu unserer heutigen Zeit geben kann, werden wir, solange die Vertreter lieber mit Opas schlechtem Ruf hadern, nie erfahren.
    Ob Weber dazugehört, weiß ich, nachdem ich seine Artikel mehrmals gelesen habe, immer noch nicht. Wo es spannend wird, deutet er nur an. Dadurch entsteht der Eindruck, dass man an bestimmten Stellen lieber still ist. Die Behauptung, rot/grün beherrsche kulturel das Land, könnte es auch daran liegen. Sein Visier muss schon jeder selbst aufklappen.

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    @ Roland Ziegler

    “Aus dem, was Sie sagen, folgt entweder, dass man alles auf freiwilliger Basis lehren sollte, oder dass man auch das Musizieren so lernt wie alles andere: unabhängig vom Talent.”

    Kann ich Ihnen in etwa erklären: Wichtig ist auf jeden Fall die Muttersprache, bei Immigranten die Landessprache, daneben Englisch, die Lingua Franca. In Mathematik und Physik ist ein Grundstock wichtig, desgleichen in Geographie. Ca. ab der achten bis zehnten Klasse sollte man kombinieren können, was man kann. Ein ganz breites Abitur sollten nur die Multigenies machen, das sind maximal zehn Prozent. Bei den Übrigen müsste es möglich sein, bis zur achten bis zehnten Klasse herauszufinden, was sie können und was nicht. Ein Abitur mit drei bis fünf Fächern sollte reichen.
    Ich kann es Ihnen anhand eines Autisten erklären. In dem Film “Rainman” fällt eine Schachtel Streichhölzer auf den Boden. Das sind (sagen wir) 157 Stück, sagt er. Er hat also ein Riesentalent, etwas wie eine Blase im Gehirn, eine Talentblase, während der Rest unterentwickelt ist. So was habe ich nicht selten erlebt – ein paar überentwickelte Talente, aber keine Fähigkeit zu unseren anspruchsvollen alles abdeckenden Gymnasien. Und die Talente sollte man fördern und später entsprechend einsetzen.
    Ich halte auch Zuckerberg, Brin und Page für Monotalente, was daraus hervorgeht, dass sie großartige Sachen erfinden,aber nicht voraussehen können, dass diese z.B. für Kinder schädlich sind. Wenn die Google-Brille kommt, fahren Sie Ihre Mädchen besser selbst zur Schule. Bill Gates dagegen ist ein Multi-Talent. Desgleichen Steven Spielberg. Wenn ich an Spielberg denke, frage ich mich, ob man ein überragendes Talent daran erkennen kann, dass es das Kind in sich erkennt, soll heißen die Seele und Stoff für Kinder und Erwachsene gleichzeitig machen kann. Denkmal: ET.
    M.E. scheitern die Kinder im Gymnasium, weil sie zu viel machen MÜSSEN.
    Ich habe alles, was ich von Haus aus oder in der Schule machen musste unter Druck, im Laufe des Lebens weggeworfen.
    In deutschen Gymnasien wird übrigens viel zu wenig internationale Geschichte unterrichtet.

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    Interessant ist z.B. auch die Entwicklung des Talents von Maurice Steger, Flötist aus Graubünden: Der war nach eigenem Bekunden im Grundschulalter schlecht auf der Flöte, zumindest in keiner Weise herausragend. Im Alter von 13 (glaube ich) nahm er wahr, dass er sich mit der Flöte ausdrücken kann, und begann zu üben. Heute ist er eine Autorität. Diese Entdeckung, sich ausdrücken zu können, ist natürlich nur möglich, wenn man eine zeitlang ein Instrument spielt, trotz schlechter-mittelmäßiger Ergebnisse. Im Fall von Maurice Steger war das eher Zufall, und es wäre besser, wenn man die Möglichkeit, solche Entdeckungen zu machen, in der Schule bereitstellen und pflegen würde.

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    ..es fällt mir auch sehr schwer, etwas Diktatorisches darin zu erblicken, auf dem Stundenplan der Kinder sagen wir: eine Dreiviertelstunde/Woche ein Instrument (das man frei wählen können sollte) und eine weitere Dreiviertelstunde das Ensemblespiel (Chor, Orchester, oder Band) als Fach unterzubringen. So verfehlen Sie nicht nur den Sinn der Schule, sondern auch das Wesen des Diktatorischen.

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    …und zum Musikunterricht: Sie sagen, Musikalität sei ein Talent, genau wie Mathe- und Physikverständnis, Fremdsprachen usw. Erklären Sie mir mal bitte, wieso man Mathe, Physik, Framdsprachen usw. obligatorisch in der Schule lernen muss, egal ob man Talent dazu hat oder nicht, ein Instrument aber nicht?

    Aus dem, was Sie sagen, folgt entweder, dass man alles auf freiwilliger Basis lehren sollte, oder dass man auch das Musizieren so lernt wie alles andere: unabhängig vom Talent.

    Was die Talente angeht, so sind sie in den seltensten Fällen offenbar, sondern müssen zutage gefördert werden. Wenn niemand ein Instrument in die Hand nimmt, nie einem Instrument überhaupt begegnet, nie zuhause singt oder etwas anderes hört als Radio, dann kann man eben nicht beurteilen, ob ein Talent besteht oder nicht. Talent ENTstehen; sie bestehen nicht. Und so wie es aktuell aussieht, wird ihre Entwicklung im musikalischen Bereich be- oder verhindert statt gefördert.

    Hinzu kommt die sozialisierende Kraft des miteinander Musizierens, die unabhängig von Talenten wirkt. Verfeindete Leute in einem Ensemble unterzubringen löst die Feindschaft auf (vgl. Barenboim).
    Und schließlich ist auch das Musizieren ohne Talent etwas sehr Nützliches, wie man an den verschiedensten musikalischen Produktionen erkennen kann.

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    Der Mörder, der Schumann und Mozart hört, tut übrigens nicht nur seinem Opfer, sondern auch der Musik Gewalt an (was angesichts seiner Tat nicht so ins Gewicht fällt, aber trotzdem erwähnenswert ist). Ähnlich wie der Sinnspruch von Aristoteles, die die Nazis über einem KZ angebracht und damit auch der Gedankenwelt von Aristoteles Gewalt angetan haben. Das kann man nur miteinander verbinden, wenn man schizophren oder extremer Zyniker ist. Die Musik der Märsche war immer Marschmusik, nicht Mozart oder Schumann. Mozart und Schumann sind ihrem Wesen nach antitotalitär. Neulich habe ich ein Interview mit dem bewunderswürdige Geiger Franz-Peter Zimmermann auf YouTube gesehen; er hat zu Bach gesagt, dass Bach spielen eine Ähnlichkeit mit Zen-Bogenschießen hat: Man schaut nicht hin – schaltet den Willen aus – und trifft dann das Ziel. Ein solcher Bogenschütze tötet keine Menschen, und wer das trotzdem tut, zielt auch auf die Musik.

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    Hier kommt Jacques Schuster, brillant wie so oft. Ich verstehe allerdings die “Banalität des Bösen” ganz anders als er. Und zwar verstehe ich sie so, dass sich hinter einem mittelmäßigen oder banalen Leben das Böse entwickeln kann. So empfinde ich Himmlers Schnecki-Briefchen an seine Frau und seine Geliebte nebenbei als ausgesprochen banal, wie ich auch Goebbels Tagebuch mit seinen Fickaufzeichnungen als außerordentlich banal verachte. Als banal sehe ich auch John F. Kennedy’s oder Francois Hollande’s Eskapaden an, nur sind wir über den Massenmörder und die Kriege hinausgewachsen. Ganz und gar banal sind die Vielehen von Schröder oder Fischer, lediglich Stoff für die Presse. Ob diese Menschen aber jeweils große Politiker waren, ist diskutabel. Zweifellos waren meine erwähnten Heroen Adenauer, de Gaulle oder auch Churchill nicht dauernd mit sich und der Liebe beschäftigt, sondern mit dem Wohlergehen ihrer Länder. Banal ist möglicherweise die Egozentriertheit.
    Und sie hatte doch Recht, denn auch Hitler war überaus banal. Keine große Beziehung, keine brillante Ehefrau. Außerdem angeblich Schuppen (hat mir ein General erzählt). Und ganz am Ende sperrte der Kerl die Ostpreußen als Kanonenfutter ein. Wie wär’s mit der Banalität des Narzissmus, des Egoismus, der Pflichterfüllung, des jeweiligen Zeitgeistes, der Manie? Wie wär’s, die Banalität des Bösen der Hannah Arendt erneut zu diskutieren und zu definieren, was einen exzellenten Staatschef ausmacht?:
    http://www.welt.de/debatte/kommentare/article124244621/Heinrich-Himmler-oder-die-Moral-des-Mordens.html

    Ich kann Ihnen einen nennen: Helmut Schmidt, als er mit seiner Frau Loki besprach, dass sie ihn im Falle einer Schleier-artigen Entführung zugunsten des Landes aufgeben solle. Das ist ein Kapitän. Der Kapitän der Titanic verließ das sinkende Boot. Das war kein Kapitän. Daher trug Schmid die Kapitänsmütze zu Recht. Und er hatte zu Hause eine dicke, feste Freundschaft, wie auch Theodor Heuss. Kein Häschen. Kein Presseschnucki zum Ablichten.
    Hollande hat jetzt eins, übrigens.

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    @Parisien: nur weil auch normale Menschen wie Sie und ich unter bestimmten Bedingungen zu Monstrositäten fähig sind, sollte man nicht in jedem Mitmenschen das schlummernde Monster erblicken. Das wäre nicht nur schlecht, sondern auch einfach falsch: da schlummern keine Monster. Eher ist es so, dass Menschen, zumindest die meisten Menschen, gerade wenn sie schwach sind oder geschwächt wurden, zu Monstern mutieren können. Dann sind sie vorher keine Monster gewesen, sondern ganz normale Menschen, aber haben irgendwann eine bestimmte Grenze übertreten, hinter der die Monster leben. Und manchmal gehen sie auch wieder zurück in die normale Welt und sind dann wieder Menschen wie vorher, Menschen aller Art: Dumpfbacken, Schlaumeier oder eben auch musik- und familienliebende Menschen.

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    EJ: Kann sich die (unvermeidbare wirtschaftliche) deutsche Dominanz auch ohne die EU (wie sie jetzt ist) ausleben, ohne dass die alten “Gesetze” wieder zu ihrem Recht kommen? Ohne dass sich (politische und wirtschaftliche) nationale Koalitionen gegen die deutsche Hegemonie zusammenschließen? Ohne dass die Hegemonie “eingekreist” wird? Werden die Kosten der Dominanz/ Hegemonie so nicht doch wieder fällig? Wie sie – so oder so – immer fällig werden?

    … Deutschland als Beute der Sozialisten – so zuschreiben. Daher.

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    @ EJ
    Das ist ausgesprochen schwierig, ich hoffe, dass Sie mit dieser Aussage einverstanden sind.
    Ich versuche es: Unter Umständen geht es dem Quartett um die Erkenntnis, dass die junge deutsche Nation von Anfang an falsch aufgestellt war, z.B. unter Komplexen litt (kaum Einfluss in Afrika und Asien), dabei ein großartiges Anwachsen des technischen Know-How zu verzeichnen hatte.
    Gleichzeitig ist natürlich die Einsicht ubiquitär vorhanden, dass nach den beiden Kriegen keine große politisch-kulturelle Eigenständigkeit mehr wachsen konnte.
    Der Holocaust war das absolut Schlimmste, zugleich aber fungiert er als Glatzenverdeckerfrisur. Denn er war nicht das Einzige, das schlimm war, sondern das Schlimmste. Die eine Seite profitiert zu Recht davon: Die Israelis, finanziell. Die andere Seite, sowohl D als auch die Allierten wie übrigens auch die Türkei profitieren auch, weil alle Fehler, die vorher gemacht wurden, hinter dem größten Verbrechen schemenhaft verschwinden und ein Großteil der Bevölkerungen nicht viel davon weiß.
    Es kann sein, dass das Quartett davon ausgeht, dass es auch gesunde Nationalstaaten mit gesundem Patriotismus geben kann, oder dass es sogar auf eine Neuordnung abzielt, Beispiel DK mit SH und MeckPom oder Bayern mit Österreich oder NL mit Niedersachsen oder BW mit Belgien oder der Schweiz oder Griechenland mit Ex-Jug und Italien, solche Sachen, alles mit verschiedenen Währungen natürlich. Das ist aber Spekulation.
    Was sie aber sehen, ist nicht gut, und das sehen sie vermutlich wie wir alle auch: Einen übergreifenden Korporatismus mit Unterlaufen von Kartellgesetzen und Preisabsprachen (85% des LBM-Marktes in den Händen von Lidl, Aldi, Rewe mit Penny und Edeka mit Netto, heute in der Welt). Dasselbe bei Henkelunileverl’Oreal, Tankstellen etc. Das müssten sie sehen, außerdem den Drang von jener Seite, “too big to fail” zu werden, also alles auf Kosten der Staaten, sprich Steuerzahler. Dabei kann heimlich ein Konsens entstehen, den schiefgelaufenen Blut- und Boden- Nationalstaat des 19. Jh zu analysieren und neu richtig aufzustellen. Lesen Sie mal Lori Wallach über tafta. Sie finden das schon.
    Sie wissen, dass Prof. Weber und Frau Dr. Stephan gescheite Leute sind. Von allen Seiten betrachten unter verschiedenen Winkeln, es lohnt sich. Und in Bruxelles sitzt ein Lobbyistenverein.
    Und dass der junge deutsche Staat zu spät kam und von Anfang an wackelig war, ist klar. Die Kommunisten haben auch zu viel ‘reingepfuscht.

    @ Lyoner
    Lassen Sie die Shin Beit mal weg, lassen Sie Israel ganz weg, das macht es einfacher, andere Gedanken zu haben. Die “Obsession”, von der Posener spricht, ist dann weg, und Sie können freier denken.

  42. avatar

    Nebenbei aus meiner Grammatkfehlerliste, hier: Der Nominativ ist dem Dativ sein Tod, frei nach Bastian Sick:

    “BVE-Hauptgeschäftsführer Christoph Minhoff: Vom Journalist zum Lobbyist”
    Es handelt sich um die Bildunterschrift.
    Gratulation heute an spon!
    http://www.spiegel.de/wirtschaft/service/interview-mit-dem-geschaeftsfuehrer-der-ernaehrungsindustrie-minhoff-a-944956.html

    @ Roland Ziegler
    War klar, dass Sie mir widersprechen würden. Gleichzeitig belegen Sie, was ich sagte, der kleine Diktator sitzt in Ihrer Normalität, Vorsicht:
    Sie sagen:
    “Jedes Kind sollte obligatorisch ein Musikinstrument lernen. Richtig als Schulfach, nix “nach Neigung”, als Pflicht so wie jedes normale andere Schulfach auch.”

    Damit belegen Sie mich. Musikalität ist ein Talent, genau wie Mathe- und Physikverständnis, Fremdsprachen oder Kreativität im Malen oder auch Sport. Daher ist das falsch, falsch und nochmal falsch. Anders:
    Jedes Kind sollte in den ersten acht Jahren gut seine Muttersprache lernen, außerdem Grundzüge von Englisch und in alles andere ‘reinschnuppern. Bloß nicht den Eltern und Nachbarn den Geigenquiek ‘reinwürgen! Nur Talente sollten ein Musikinstrument lernen. Talente erkennt man früh: Sie können eine Melodie nachsingen, haben Lust zu Musik und keine Probleme beim Erlernen von Noten. Sie liegen völlig verkehrt!

    @ EJ
    Werde ich vermutlich in Ruhe drauf antworten, habe ich mit Interesse gelesen.

  43. avatar

    @ Lyoner: Ich verstehe wirklich nicht, was Sie wollen. Sie zitieren Münkler, dessen Aussagen sich nun wirklich nicht mit jenen von Stephan, Weber und Co. decken: “Man führt offiziell einen Verteidigungskrieg, steht aber zugleich tief im Feindesland. Da kann jeder Berufene oder Unberufene dann anfangen, Forderungen für die Nachkriegsordnung aufzustellen. Eine Flut von Denkschriften bricht los, von den Intellektuellen bis zu den Industriellen, in denen Land im Osten, Erzgruben im Westen, Kolonialgebiete in Afrika verlangt werden.” Das entscheidende Wort hier ist “offiziell”. Man marschiert ins neutrale Belgien ein, und zwar im Rahmen eines “Verteidigungskriegs”. Man will natürlich den Frieden – aber den “Siegfrieden”, nicht einen Verhandlungsfrieden.
    Und interessant ist auch, dass Münkler eine andere Begründung für die von ihm erwähnten Begehrlichkeiten nennt als Stephan und Co. Die Vier meinen, man habe sich wegen der hohen Verluste nicht auf einen Frieden einigen können, der im wesentlichen die Wiederherstellung des Status Quo gebracht hätte. Münkler meint hingegen, der Appetit der deutschen Militärs, Politiker, Industriellen usw. sei beim Essen gekommen – also nicht wegen der Verluste, sondern wegen der Siege, besonders im Osten.
    Was die – Ironie an – noch bescheidenen – Ironie aus – deutschen Kriegsziele bei Kriegsausbruch angeht, so sind sie im “Septemberprogramm” festgehalten:
    http://de.wikipedia.org/wiki/Septemberprogramm

    Was aber NSA und – natürlich – Shin Bet damit zu tun haben, bleibt das Geheimnis Ihrer obsessiven Seele. Sie sehen doch an Syrien, wie absurd es ist, von absoluter Kontrolle und Laborbedingungen zu reden, wei wenig sich die Geschichte steuern lässt. Vor allem sehen Sie daran, wie wenig sich aus der vorangegangenen Geschicht lernen lässt.
    Das britische Parlament – und dann, aufgeschreckt durch den Wegfall ihrer engsten Verbündeten, der US-Kongress – stimmten gegen den angekündigten Militärschlag, um Assad für seinen Giftgaseinsatz zu bestrafen und zur Räson zu bringen; denn sie hatten die – vorsichtig ausgedrückt – wenig ermutigenden Ergebnisse militärischer Interventionen im Irak, in Afghanistan, und in Libyen vor Augen. Sie zogen also aus der Geschichte die Schlussfolgerung, es sei wohl besser, mit Assad zu verhandeln, seinen Sicherheitsapparat nicht weiter zu schwächen, das Land nicht einer Rebellenkoalition auszuliefern, deren Fähigkeit, Syrien zu einigen und zu führen, bezweifelt werden muss.
    Aus dieser neuesten Geschichte jedoch könnten die Russen, die Iraner, Assad und andere Diktatoren (in Kiew zum Beispiel) die Lehre gezogen haben, dass man nur brutal genug die Opposition unterdrücken muss, damit diese sich radikalisiert, um den Westen davon abzuhalten, weiterhin Oppositionelle zu unterstützen.
    Welche Lehre ist nun richtig?
    Mir geht es tatsächlich um solche Fragen – und um Europa. Zur Erinnerung: darum geht es ja auch den von mir kritisierten Autoren. Worum es Ihnen geht, Herr Kaufmann, bleibt unklar. Vermutlich darum, dass die Juden (Shin Beit) und die verjudeten Amerikaner (NSA) die Welt kontrollieren. Immer wieder die gleiche Paranoia. Aber ich will sie Ihnen nicht austreiben, kann es auch nicht; sie hat ihren Platz in Ihrem Seelenhaushalt, wo sie die Leerstelle ausfüllt, die der verlorene Glaube hinterließ.

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