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Wenn das der Führer wüsste!

Ein Whistleblower hat es herausgefunden: Der amerikanische Geheimdienst hat europäische Diplomaten ausspioniert. Obwohl wir doch die treuesten Verbündeten sind. Na ja, so ganz alt ist diese transatlantische Allianz mit uns Deutschen und den Italienern noch nicht. Es könnte sein, dass wir im letzten Weltkrieg auf der anderen Seite waren.

Aber seit dem Tag, an dem John F. Kennedy bekannt hat, er sei ein Schöneberger, ist das ja vergeben und vergessen. Und wir haben dieser Kontraktion aus Martin Luther King und Michael Jackson namens Barack Hussein Obama doch an der Siegessäule zugejubelt. Und neulich ein Essen von Sternekoch Tim Raue spendiert, als er mit seiner Familie in Tegel zwischengelandet ist. Und jetzt lässt ihn sein Geheimdienst alt aussehen. Politik kann so gemein sein.

Vom Russen hätten wir das erwartet. Immer. Die hätten es vielleicht technisch nicht hingekriegt, weil deren Computer noch auf Röhren laufen und die Transistoren erst noch eingeführt werden müssen. Aber moralisch, moralisch hätten wir das dem KGB zugetraut. Auch von der CIA des Richard Nixon hätten wir das gedacht. Aber Obama? Dieser Präsident, ein Erlöser von messianischer Statur, kann davon nichts gewusst haben.

 

All diese Gedanken, die durch unsere Vorder- und Hinterhirne vagabundieren, zeigen, wie naiv wir immer noch sind. Dem Staat als Staat ist egal, wen der Wählerwillen da ins Amt spült. Von solchen Zufällen kann man doch nicht die Sicherheitsinteressen einer Weltmacht abhängig machen. Wenn das stimmt, bekämen die Killerflüge der Drohnen und das exterritoriale Gefängnis mit Insassen ohne Urteil plötzlich eine gewisse Plausibilität. Die Demokratie endet, wo die Sicherheit beginnt.

Die Rechtfertigung einer solchen Praxis, von der wir vermuten müssen, dass sie systematisch ist, liegt in der Antizipation der Verfehlungen der Gegenseite. Wenn das die Guten nicht machen, die Bösen machen es bestimmt, also müssen es auch die Guten machen. Und  so verschwindet der Unterschied zwischen Gut und Böse im Praktischen. Im Theoretischen und Moralischen ist er deshalb um so stärker: Wir machen das ja nur, um die Guten zu schützen, was zeigt, dass wir Gutes tun.

Aber die ausspionierten Europäer werden sich doch nicht auf dieses Spiel der gegenseitigen Ausspioniererei eingelassen haben? Das kann man ausschließen, weil hier im alten Europa die Demokratie noch etwas gilt. Hier gibt es noch eine Moral! Ach ja, die Engländer müssen wir ausnehmen; von denen wissen wir es ja schon. Und den Franzosen, denen kann man gar nicht trauen, wenn es um die Grande Nation geht.

Wahrscheinlich geht das so aus, dass es alle getan haben, nur die Deutschen nicht. Weil unser Geheimdienst zu doof ist. Man müsste mal Pofalla fragen, der koordiniert die Geheimdienste vom Bundeskanzleramt aus. Obwohl Pofalla, ein Sozialarbeiter vom Niederrhein mit schlechtem Jura-Examen, der soll den abgebrühten James Bonds, deren Ahnväter schon dem österreichischen Gefreiten beim Siegen halfen, die Ohren lang ziehen? Warum mag ich das nicht glauben?

Jetzt wird es etwas gruselig. Ein Sicherheitsmann aus dem Kommando eines Bundeskanzlers hat mir gerade beim Italiener erzählt, dass amerikanische Präsidenten immer mit einem eigenen Dixi-Klo reisen. Ja, die Rede ist von so einem Ding, das Sie von der Baustelle nebenan kennen, wo der Polier das Bier abschlägt. Ich vermute, dass die Version des Weißen Hauses etwas luxuriöser ist, so eine Art Louis-Vuitton-Version von Dixi-Klo, aber es ist wahr: Der mächtigste Mann der Welt geht nur auf’s mobile WC. Wie der polnische Fliesenleger. Und dann fliegt die Airforce One das Häuserl wieder mit nach Hause.

Warum? Weil die Geheimdienste der Gegenseite aus dem chemischen Zustand seiner Exkremente Rückschlüsse auf seine Gesundheit ziehen könnten. Bei Kennedy hätte man gesehen, dass er ein Junkie war und seine sexuellen Eskapaden nicht ohne Folgen. Folge: Auch das kleine und das große Geschäft des Präsidenten sind streng geheim. Ich war mächtig beeindruckt.

Mein Geheimdienstkontakt, den ich beim Italiener ausgehorcht habe, bezweifelt aber, dass die deutsche Bundeskanzlerin mit einem Dixi-Klo reist. Pofalla sowieso nicht, sagt er. Jetzt wird es noch spannender. Das heißt doch, dass die Amis und die Russen und die Wer-weiß-ich-nicht-noch eine genaue Analyse der Merkelschen…Darüber gibt es Dossiers bei feindlichen Mächten? Über Pofallas Pipi?  Nein, das will ich gar nicht zu Ende denken. Wie tief kann denn Spionage sinken? Mein James Bond sagt, noch tiefer, viel tiefer. Ich soll mich abregen.

Unter diesem Verlust der Naivität leide ich wie ein Tier. Ich will das alles nicht wissen. Im Bewusstsein allseitiger Niedertracht schlafe ich schlecht. Mein Appell an die Whistleblower: Hört auf mit dem Quatsch. Ich will das nicht wissen. Und mein Herzenswunsch an Obama und Merkel, ja, von mir aus auch an Pofalla: Bitte belügt mich weiter wie früher! Den SPIEGEL bestell ich eh ab.

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11 Gedanken zu “Wenn das der Führer wüsste!;”

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    Engelbert Humperding ist gut. Die Tragik meines Alters: Selbstsicht noch immer Bob Dylan, Fremdsicht Tony Marshall. KK

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    Sehr geehrter Herr Kocks,

    fragen Sie einfach mal die Tochter von Herrn Posener, die kann was und das würde auch was zur Einheitlichkeit der Seite beitragen.

    Ihr 68er

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    @ 68er
    Fand das alte Bild auch besser.
    Ausschnitt aus dem von Ihnen verlinkten:

    1. „Man musste Zivilisten angreifen, Männer, Frauen, Kinder, unschuldige Menschen, unbekannte Menschen, die weit weg vom politischen Spiel waren. Der Grund dafür war einfach. Die Anschläge sollten das italienische Volk dazu bringen, den Staat um größere Sicherheit zu bitten. […] Diese politische Logik liegt all den Massakern und Terroranschlägen zu Grunde, welche ohne richterliches Urteil bleiben, weil der Staat sich ja nicht selber verurteilen kann.“

    – Vincenzo Vinciguerra

    2. Die Auswertung der beschlagnahmten Unterlagen förderte zudem eine Attentatsliste mit 40 deutschen Führungspersönlichkeiten, hauptsächlich Politiker der SPD, zutage, welche man als nicht zuverlässig antikommunistisch eingestuft hatte. Darunter befanden sich zahlreiche prominente SPD-Mitglieder, so etwa der damalige Parteichef Erich Ollenhauer, Herbert Wehner…..

    Vielleicht beantwortet das Broders Frage, warum heute niemand mehr wirklich links ist. Dieses Stück von Broder ist ziemlich gut:
    http://www.welt.de/debatte/henryk-m-broder/article117598612/Ordnungsfetischisten-und-die-Allmacht-des-Staates.html

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    Ergänzung für BlaMalBla:

    Interessant ist auch das Kasperletheater, das die Amerikaner wegen der Auslieferung von Snowden und Assange anstellen, die Empörung von Frau Leutheusser-Schnarrenberger und überhaupt den Mangel an Souveränität, die alle nichtamerkanischen Beteiligten an den Tag legen.

    Für die Amerikaner ist es klar, dass sie niemanden ausliefern, wenn sie es nicht wollen. Sie haben auch keine Lust, sich an internationalen Regelungen zur Strafgerichtsbarkeit zu beteiligen und glauben, sie stünden über dem Recht.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Internationaler_Strafgerichtshof#Ablehnung_des_IStGH

    Unsere Politiker opponieren dagegen so gut wie gar nicht. Und wenn deutsche Bürger vom CIA-Terror betroffen sind oder wenn deutsche Bürger gezielt von US-Milirärs als “Kollateralschäden” in Pakistan mit Drohnen getötet werden, oder wenn von deutschem Boden aus gezielt Menschen in Afrika ohne Gerichtsverfahren mittels Drohnen getötet werden, wird dies von der deutschen Regierung schweigend hingenommen. Es werden entweder die bestehenden Haftbefehle gegen US-Bürger von Frau Leutheusser-Schnarrenberger gar nicht vollzogen (Fall Es Masri) oder die deutschen Staatsanwaltschaften werden behindert oder dürfen gar nicht erst ermitteln:

    http://www.spiegel.de/politik/ausland/drohne-der-usa-toetet-deutschen-islamisten-bei-angriff-in-pakistan-a-830343.html

    http://www.imi-online.de/download/doku2013_kaleck.pdf

    http://www.sueddeutsche.de/politik/entfuehrungsfall-linke-greift-justizministerin-an-die-cia-und-el-masri-war-da-was-1.1045275

    http://www.sueddeutsche.de/politik/us-drohnen-deutsche-stellungen-in-einem-geheimen-krieg-1.1684187

    Die Empörung von Frau Leutheusser-Schnarrenberger über die jetzt bekannt gewordenen Abhöraktionen finde ich daher eher amüsant. Man merkt richtig, wie sie sich künstlich in Erregung zu versetzten scheint, um den Eindruck der aufrichtigen Empörung zu vermitteln.

    Wenn Sie wirklich etwas erreichen wollte, müsste Frau Leutheusser-Schnarrenberger unverzüglich die Auslieferung der CIA-Mitarbeiter im Fall El-Masri fordern und wenn das nicht hilft, der Bundesregierung die Kündigung des Auslieferungsabkommens und die wohlwollende Prüfung eines möglichen Asylantrags von Edward Snowden empfehlen. Wer daran glaubt ist genauso naiv wie die die Mehrheit, die bisher geglaubt hat, wir seien “ein befreundeter” Staat der USA.

    Mangels militärischen Gewichts und aufgrund unserer wirtschaftlichen Stärke und verständlicherweise wegen unserer unrühmlichen Geschichte sind wir ein potentieller Gegner der USA, den diese unter allen Umständen unter Kontrolle halten möchte. Deshalb ist es auch konsequent, wenn wir deutschen bei der NSA mit gleicher Intensität, eher nicht zu den Freunden der USA gezählt sondern, wie z.B. Afghanistan in der Gefahrenklasse GELB besonders ausgespäht werden :

    http://www.stern.de/politik/wie-die-usa-deutschland-und-die-eu-bespitzeln-2031978.html

    Hier die Weltkarte des amerikanischen Schnüfflertums des Guardian:

    http://www.guardian.co.uk/world/2013/jun/08/nsa-boundless-informant-global-datamining#

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    @ BlaMalBla

    Sie unterliegen da noch einem Missverständnis. Sie zahlen nur für unsere Politiker. Das Weisungsrecht haben irgendwelche Dunkelmänner in Langley, Washington, London und Paris. Bei Heise finden Sie hier einen schönen Bericht über geheime Unterwerfungserklärungen, die zumindest bis Ende der 60er Jahre jeder Bundeskanzler gegenüber den drei Westmächten abgeben musste:

    http://www.heise.de/tp/artikel/39/39408/1.html

    Wenn man das deutsche politische System und dessen Genese verstehen will, sollte man sich zunächst mit dem Aufbau der politischen Landschaft nach dem Krieg in den westlichen Besatzungszonen beschäftigen.

    Herr Posener hat dazu ein aufschlussreiches Buch herausgegeben. Den Bericht seines Vaters Julius Posener, der als britischer Offizier direkt nach dem Krieg über den Aufbau der Parteien- und Gewerkschaftslandschaft in der britischen Zone für die Britische “Intelligence” gekundschaftet hat.

    http://www.amazon.de/Deutschland-1945-bis-1946/dp/388680755X/ref=sr_1_1?s=books&ie=UTF8&qid=1372671993&sr=1-1&keywords=julius+posener+alan&tag=acleint-20

    Wenn man sich ein wenig mit dem Thema befasst hat, weiß man auch, dass z.B. die Briten ganz gezielt den Aufbau der Parteien in den Westzonen beeinflusst hat. Wer genehm war, durfte eher wieder nach Deutschland einreisen, SPD-Politiker, die im Exil mit den Kommunisten zusammengearbeitet hatten, z.B. in der “Freien Deutschen Bewegung”, wurde zum Teil die Einreise verweigert.

    Die Phobie gegen Kommunisten führte eher dazu, dass schon sehr früh auf Nazis gesetzt wurde. Die aktuelle Forschung zum BND und seiner Gründungsbande um Reinhard Gehlen und zum Auswärtigen Amt lässt da tief blicken. Das ging so weit, dass die westlichen Geheimdienst mit Verbrechern wie Klaus Barbei zusammenarbeiteten und – so wie es den Anschein hat – auch Adolf Eichmann längere Zeit schützten.

    Erst vor wenigen Tagen hat das Bundesverwaltungsgericht eine Klage von Bild abgelehnt, die ungeschwärzten Akten des BND zum Fall Eichmann herauszugeben:

    http://www.lto.de/recht/nachrichten/n/bverwg-urteil-7-a-15-10-adolf-eichmann-unterlagen/?googlenews=1&cHash=e5296e74d67b7d978124a2dab44e8f79

    http://www.heise.de/tp/artikel/34/34056/1.html

    Ausserdem sollte man sich mit der Geschichte der Medien- und Kulturlandschaft befassen, Das fängt schon an mit der Lizensierung von Zeitungen durch die Alliierten. Das geht weiter mit den vom US-Geheimdienst geleiteten Zeitschriften in den 50er-Jahren, wie dem Monat und der Versuch die politische Meinungsbildung in Deutschland zu lenken:

    http://www.heise.de/tp/artikel/24/24027/1.html

    Eine interessante Dokumentation hat 2006 das ZDF zu diesem Thema gezeigt:

    http://www.youtube.com/watch?v=c70jFBe4WFw

    Wenn man dann noch nicht genug hat, kann man sich noch über die in den 50er-Jahren von den westlichen Geheimdiensten installierte rechtsradikale Partisanengruppe “Bund Deutscher Jugend” informieren:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Bund_Deutscher_Jugend

    Die wohl in eine flächendeckende Struktur in ganz Europa eingebettet war und unter dem Oberbegriff GLADIO wohl von de NATO geleitet wurde.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Gladio

    Diese geheimen Stay Behind Organisationen werden in der BRD offiziell weitgehend totgeschwiegen. Der Schweizer Historiker Daniele Ganser hat dazu eine umfassende Analyse vorgelegt:

    http://de.wikipedia.org/wiki/Daniele_Ganser

    Bei Arte erschien zu diesem Thema, eine sehr aufschlussreiche Dokumentation:

    http://www.youtube.com/watch?v=HtUoPRERbXk

    Wer sich mit diesen Strukturen beschäftigt – derzeit läuft auch ein Prozess in Luxemburg ( http://www.youtube.com/watch?v=jSazmEFmmpo ) – wundert sich bei den seltsamen Berichten im NSU-Komplex über Schredderaktionen, V-Leute, einen V-Mannführer am Tatort des Mordes in Kassel etc. pp. eigentlich gar nicht mehr.

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    Jeff Jarvis über encryption, guardian.
    Es würde so ausgehen: mit encryption gerade verdächtig. Der nicht verschlüsselte Liebesbrief wird in der Mittagspause zur Unterhaltung gelesen. Fass ohne Boden. Bodenlose Frechheit kann man auch sagen.

  7. avatar

    Endlich mal was innovatives am europäischen Horizont. Merkels Arbeitsloseninitiative greift so langsam voll durch. Schon 29 Millionen selbsgebastelte´junge Europäer von EU Gnaden und es geht noch aufwärts. Voll geil. Bevor jetzt wieder so ein weintrunkener Faselomane wie der letzte Börne Schluckspecht vor den den Gefahren der Freiheit warnst, alle Bilderberger sofort ihre eigene Weltregierung fordern und der gräsige Henning Pogwisch im Rollstuhl noch ganz viel mehr Europa fordert, da machen wir jetzt mal tabula rasa. Die Amis haben uns eh schon alles geklaut was nicht niet und nagelfest ist, die Grünen und die CDU legen den Morgenthau Plan wieder auf und wir bauen statt Autos Dixie Klos. Und dann bescheißen wir mal wieder den Rest der Welt. Germans to the Klo! Das müßte doch selbst Klorollenminister Durchfalla schaffen.

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    Das Handelsabkommen mit den USA muss jetzt abgeblasen werden. Bin ja mal gespannt ob CDU Politiker WIEDER mit den USA kein Problem haben. Also wenn Amerika das mit unseren Politikern machen darf, dann darf ich ja wohl als Bürger und Arbeitgeber dieser Politiker das auch (das ist keine Frage sondern eine Feststellung) *haha.

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    Es ist ja ein uralter Witz, dass Geheimdienste grundlegende Bürgerrechte nur achten, wenn sie zu inkompetent sind, diese zu verletzen.

    Momentan wird aber klar, dass das nicht stimmt – obwohl die Geheimdienste wohl kaum in der lage sein dürften, die enormen Daten von Tempora auszuwerten, werden sie trotzdem angezapft. So aus Prinzip halt. Ist ein bisschen so, wie in einer Diktatur nach einem Anschlag IRGENDWEN verhaften zu lassen…könnte ja der richtige sein, und was soll man sonst machen?

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