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Warum geht es uns so gut?

Warum ist Deutschland verhältnismäßig gut durch die Finanzkrise gekommen, während fast alle anderen europäischen Länder immer noch mit deren Auswirkungen zu kämpfen haben? Wieso bewegt sich die Arbeitslosigkeit hierzulande auf einen Rekordtief zu, während sie anderswo in der Eurozone Ausmaße erreicht hat, die man zuletzt in der Großen Depression der Jahre 1929 ff gesehen hat? Warum scheinen die Deutschen und die Bevölkerungen der anderen Länder der Eurozone „auf verschiedenen Kontinenten zu leben“, wie es neulich in einem Bericht des Pew Research Center hieß?

Das Märchen, das sich die Deutschen erzählen (und das sie auch den anderen mit erhobenem Zeigefinger vorlesen), lautet: Mit der Agenda 2010 haben wir die Reformen durchgezogen, die nötig waren, um uns fit für die Zukunft zu machen. Die anderen haben nicht reformiert, deshalb geht es ihnen jetzt schlecht. In dieser Erzählung mutiert Gerhard Schröder zur patriotischen Lichtgestalt, die – um den Preis einer verlorenen Wahl und einer dauerhaften Schwächung seiner Partei – das tat, was im Interesse des Landes nötig war. Jetzt erst könne man erkennen, wie nötig die Agenda-Reformen gewesen sind.

Das ist bestenfalls die halbe Wahrheit. Und oft sind Halbwahrheiten gefährlicher als Lügen.

Nun ist nicht zu leugnen, dass Schröders Reformen einiges bewirkt haben, was die deutsche Wirtschaft wettbewerbsfähiger gemacht hat. Insbesondere sind die Kosten des Sozialstaats stärker von den Unternehmen, den Einrichtungen der Sozialversicherung und dem Staat auf die Versicherten abgewälzt worden. Man kann inzwischen Arme wieder am Zustand ihrer Zähne erkennen. Die Rente ist zwar sicher, reicht aber nicht mehr zur Erhaltung des Lebensstandards aus. Und es ist schwieriger geworden, sich bequem in der Arbeitslosigkeit einzurichten. Ein Heer von Beamten ist hinterher, um Arbeitsunwillige aufzuspüren und in Fördermaßnahmen, Mini- und Ein-Euro-Jobs oder Leiharbeitsverhältnisse zu scheuchen. Wer arbeitslos bleibt, wird in der Regel arm. Man muss schon eine Menge Kinder produzieren, um von Hartz IV gut leben zu können.

Freilich trieb die Agenda 2010 nur auf die Spitze, was schon mit Hans Eichels Steuerreformen als Linie der Rot-Grünen Regierung sichtbar geworden war: Unternehmen entlasten, Verbraucher belasten. Vermutlich waren die steuerlichen Maßnahmen von Rot-Grün denn auch wichtiger als die Agenda. Die Ökosteuer verbilligte Arbeit für die Unternehmen, in dem der Energieverbrauch für alle verteuert wurde. Die Unternehmenssteuer wurde danach gesenkt, der Verkauf von Aktienpaketen und Tochterunternehmen steuerfrei gestellt, die Kreditwirtschaft stark dereguliert. Für die Mittelschicht gab es eine Senkung der Einkommenssteuer: die letzte, so weit ich mich erinnern kann. Im Gegenzug wurden Subventionen abgebaut, darunter auch Geschenke an die Mittelschicht wie die Pendlerpauschale und die Eigenheimzulage. Nach Eichels Abgang und der Bildung der Großen Koalition 2005 wurde die größte Steuererhöhung in der Geschichte der Bundesrepublik fast ohne Proteste über die Bühne gezogen: die Anhebung der Mehrwertsteuer, was wiederum die Unternehmen auf die Verbraucher abwälzen können.

All das hat zweifellos den deutschen Unternehmen geholfen, die Lohnstückkosten zu senken, hat die deutschen Sozialsysteme entlastet und die Arbeitslosigkeit – zumindest auf dem Papier – gesenkt. Die Auswirkungen auf den Staatshaushalt sind schwieriger einzuschätzen, weil Eichels Geschenke an die Unternehmen kurzfristig zu einem Einbruch der Steuereinnahmen und einem Anstieg der Staatsverschuldung führten. Erst die Anhebung der Mehrwertsteuer hat hier für Abhilfe gesorgt.

Jedoch behaupte ich, dass die entscheidenden Faktoren, die Deutschlands relativ gutes Abschneiden seit 2007 – man muss bei einem Wachstum des BIP in 2012 um 0,7 Prozent das Relative betonen – begründen, andere sind.

Und zwar:

  1. Die Struktur der Wirtschaft. Die Dominanz des industriellen und handwerklichen Mittelstands bei der Beschäftigung erweist sich als struktureller Vorteil, den andere Staaten nicht ohne weiteres replizieren können. Die kleineren und mittleren Unternehmen des deutschen Mittelstands sind flexibel, wenn es um die Entwicklung neuer Produkte und Märkte geht. Sie sind, da sie oft Familienunternehmen sind, nicht von kurzfristigen Renditeerwartungen getrieben, wie es Aktiengesellschaften sind oder sein können. Sie können auch eher ohne Entlassungen auskommen: bei guter Marktlage wird rangeklotzt, bei schlechter wird eben weniger oder kurz gearbeitet. Aber in der Regel werden die Beschäftigten gehalten. Das entlastet die Sozialkassen und den Staat.
  2. In der Krise hat es sich bewährt, dass die Bundesregierung der Verlängerung der Zahlung von Kurzarbeitergeld zugestimmt hat. So konnten gerade Mittelstandsunternehmen ihre Arbeiter halten und bei Verbesserung der Marktlage wieder voll beschäftigten. Das war im Grunde genommen eine Keynesianische Subvention der Unternehmen.
  3. Eingeschüchtert durch die Krise ab 2000, das Scheitern des Widerstands gegen die Agenda 1010, den Rückgang der Mitgliederzahlen, die Schließung und Verlegung von Werken wie Nokia und das Ansteigen der Leiharbeit haben die Gewerkschaften Lohnzurückhaltung geübt. Real gesehen stagnieren die Löhne seit Jahren oder sind rückläufig gewesen; die Lohnstückkosten sinken bei steigender Produktivität.
  4. In dem Zusammenhang ist auch das Fehlen eines Mindestlohnsein entscheidender Wettbewerbsvorteil. Faktisch handelt es sich um die Keynesianische Subventionierung von Unternehmen, die Minilöhne zahlen oder Minijobber beschäftigen; denn wer von seinem Lohn seine Familie nicht ernähren kann, hat Anspruch auf Aufstockung durch Hartz IV. Die Allgemeinheit wird belastet, das Unternehmen entlastet.
  5. Schließlich sind einige weitere Keynesianische Maßnahmen der Bundesregierung zu nennen: Die Abwrackprämie, ein Infrastrukturprogramm, die Förderung erneuerbarer Energien, die Vertaatlichung der einen und der anderen Bank und – vielleicht am wichtigsten – auf dem Höhepunkt der Krise die Garantie aller Bankanlagen, was viele kleinere Banken vor der Insolvenz gerettet hat.

 

Kurzum: Eine Mischung aus strukturellen Vorteilen, neoliberaler Sozialpolitik und Keynesianischer Ausgabenpolitik hat dazu geführt, dass Deutschland vor, in und nach der krise von 2007ff. relativ gut da stand. Man kann nicht ein Rezept allein – schon gar nicht das Sparen allein – für den deutschen Erfolg verantwortlich machen und den anderen Ländern aufschwätzen wollen.

 

Am wichtigsten jedoch war die Gemeinschaftswährung selbst. Sie hat für die meisten Länder im Süden der Eurozone zunächst ihre Exporte verteuert, jedoch ihre Kreditkosten verbilligt. Für Deutschland wurden die Kreditkosten geringfügig höher, die Exporte dafür billiger. Es entfiel außerdem für deutsche Exporteure das Kursrisiko. So wurden die Ungleichgewichte innerhalb der Eurozone immer ausgeprägter. Deutschland konnte seine industrielle Überlegenheit ausbauen, während billige Kredite im Süden und Westen einen Immobilienboom finanzierten, der wiederum Deutschland nutzte, weil Immobilienbesitzer, Bauarbeiter und Bankleute ihre Gewinne nutzten, um deutsche Exportartikel zu kaufen. Die Politiker konnten in dieser Zeit des billigen Geldes unangenehme Entscheidungen aufschieben. Als der Boom platzte, die Banken vor dem Zusammenbruch standen und der Staat gefordert war, fehlten die Rücklagen.

Der Euroboom hat also die ohnehin bestehenden strukturellen Ungleichgewichte in der Eurozone verstärkt, der Eurocrash verstärkt sie weiter, indem südeuropäische Regierungen unter deutschem Druck ihre Volkswirtschaften weiter in die Depression hineinsparen.

Auf Dauer geht das natürlich nicht gut. Denn Europa ist unser wichtigster Markt. Hat die Krise bislang Deutschland im Verhältnis zum Rest Europas gestärkt, wird nun klar, dass die von Kanzlerin Angela Merkel verfolgte Politik des Kaputtsparens seiner Kunden ein wenig kurzsichtig ist. Und nicht nur, weil ein bankrotter Staat auch nicht in der Lage sein wird, die von Deutschland garantierten Milliarden zurückzuzahlen.

Nach der Wahl wird Merkel daher den Kurs gegenüber den Euroländern ändern, vielleicht sogar radikal. Das macht ihr keine Probleme, die Kanzlerin steht ja als Protestantin fest auf dem Grundsatz: „Hier stehe ich, ich kann auch anders.“ Eher dürfte ihr die FDP Probleme machen. Deshalb wird die Kanzlerin es nicht ungern sehen, wenn die „Alternative für Deutschland“ es schafft, die FDP aus dem Bundestag herauszuhalten. Dann gibt es eine Große Koalition und eine Keynesianische Politik für Europa. Hoffentlich ist es dann nicht zu spät, die Lebensgeister des Patienten zu wecken.

 

 

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61 Gedanken zu “Warum geht es uns so gut?;”

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    M.B.: Was passiert wohl wenn jeder 3 Chinese und jeder 4. Inder alle zwei Tage drei Tassen Kaffee trinkt!!

    … je grün, desto schwimmt … oder … sitzen zwei Schweine im Keller und hacken Öl … oder … sitzen zwei Kühe im Baum und stricken einen Kachelofen … oder geht ‘ne Ziege zum Schuster und will ein Schwarzbrot kaufen, sagt der Schuster … ‘ich habe nur Weißbrot’, sagt die Ziege … ‘macht nix, ich bin mit dem Fahrrad da’

    … echt M.B., sind Sie etwa Schwurbelschreiber der Ex?

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    Lieber Parisien,

    noch ein Nachsatz.

    Während die Automatisierung mehr oder weniger den Focus bislang auf die Blaumänner hatte, beginnt mittlerweile auch die ” Automatisierung ” im akademischen Bereich.

    Angefangen von der intelligenten software, die zunehmend Anwälte arbeitslos nachen wird. Hier :

    http://www.nytimes.com/2011/03/05/science/05legal.html?pagewanted=all&_r=0

    bis hin zu den Journalisten:

    http://www.infowars.com/robo-reporters-to-replace-mainstream-journalists/

    Dass die Börsenmakler mittlerweile auch arbeitslos werden hat sich in der Zwischenzeit herumgesprochen.

    Was machen wir dann zukünftig mit unseren Akademikern?

    Der Rationalisierungsprozesse bedingt durch die zunehmenden Einfluß der IT auf sämtliche Entscheidungsprozesse wird uns zukünftig noch vor große Herausforderungen stellen.

    Vielleicht kommen wir dann sehr schnell zum Thema Grundeinkommen und auch auf die Forderung nach der Einführung einer Maschinensteuer??

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    Lieber KJN

    Was die Darstellung von Alan Posener betrifft:

    Ich habe mich mehr daran gerstört, dass er die Deregulierung der Kreditwirtschaft als positive Entwicklung darstellt und dass dies letztlich den Mittelstand in der Krise unterstützt hätte.

    Das die Deregulierung ein maßgeblicher Faktor zur Entstehung des finanziellen Chaos war und noch immer ist, unterschlägt er m.E. komplett.

    Warum schreien wir wohl derzeit nach Basel III und einer erhöhten Eigenkapitalquote?

  4. avatar

    Lieber Parisien,

    bei sovielen Thesen will ich mich dieses Mal auf Ihre letzte Frage beschränken.

    Was wird mit dem Rest der Menschheit…

    Weiß ich nicht!!!

    Nur wenige haben bislang sich einmal Gedanken darüber gemacht wohin in unsere quantitative Wachstumshype einmal führen soll:

    Was passiert wohl wenn jeder 3 Chinese und jeder 4. Inder alle zwei Tage drei Tassen Kaffee trinkt!!

    Oder wenn China und Indien z.b. soviel Textilien im Schrank haben, wie wir in den Industrieländern?

    M.E. kommt der Kapitalismus als bisherige Wirtschaftsform zunehmend an seine Grenzen.

    Nicht umsonst spricht man zunehmend auch von der zukünftigen share economy.

    Um zu Ihrer These von der dualen Ausbildung = Fachidioten zurückzukommen.

    Da muß ich Sie leider enttäuschen.

    Der deutsche Mittelstand wäre nicht so stark wenn es nicht das duale Berufsausbildungssystem geben würde (ebenso auch in der Schweiz)

    Die Koreaner, die Chinesen, die Japaner und auch die Inder versuchen derzeit die praxisbezogene berufliche Ausbildung auch wieder verstärkt in ihre sehr theoretische Ingenieursausbildung mit einzubeziehen.

    Ob die Menschheit nur vom Egoismus angetrieben wird ???

    Und was den vielgerühmten Klaus betrifft, da habe ich leider etwas große Schwierigkeiten mit den Entwicklungsexperten, die oftmals nicht über den Tellerrand hinausblicken.

    Wenn Klaus Schaack solange in Korea als ausgewisener Experte für die berufliche Ausbildung tätig war, warum sind ihm die Defizite nicht aufgefallen, die bereits schon in meiner zitierten OECD Studie angemerkt werden.

    Siehe OECD Studie von 2009 Seite 18:

    http://www.oecd.org/edu/skills…..898338.pdf

  5. avatar

    These 1: Das duale Ausbildungssystem sorgt dafür, dass noch weniger regelrecht bezahlte Stellen zur Verfügung stehen. Wie man an folgendem Absatz sieht von Posener

    “Und Klaus, der sich wirklich gut auskannte, kam zum Schluss, dass dieses System – mit wenigen Ausnahmen, etwa der Ausbildung in hochtenchnisierten Firmen wie BMW, Mercedes usw., deren Lehrlinge fast alle Abi haben – die Leute nicht fit mache für die Zukunft, die Sie beschreiben, in der nicht der Arbeiter im Mittelpunkt steht, sondern die vollautomatisierte Maschine.”

    begünstigt es vorläufig Abituruienten, und zwar wenige (vollautomatisierte Maschine). Diese machen Praktikum. Papa zahlt die Miete solange.
    Der Rest steht im Mittelmeerraum, nördlich wie südlich, auf der Straße.

    These 2: Das duale Ausbildungssystem kreiert Fachidioten.

    These 3: Es ist Schrott.

    These 4: Der Bäcker könnte theoretisch – Moritz Berger wird dagegen Sturm laufen – auch ohne Ausbildung Brot backen.

    These 5: Das Hauptproblem der Menschheit ist ihr Egoismus: MB: “Da wir im Rahmen unserer ehrenamtlichen Tätigkeit an unterschiedlichen Schulen in Bayern und Hessen”… Der Mensch verteidigt immer seins.

    These 6: Die Globalisierung ist darwinistisch. In Nordafrika und im NO schlägt man sich freiwillig die Köpfe ein. Im Westen reduziert man die Leute besser, indem man Homosexuelle fördert und alles nur Erdenkliche tut, damit niemand Lust mehr auf Kinder hat, von schlechten Schulen über Passivität bei Jugendkriminalität und Drogenmissbrauch. Die Illusion, dass frau ganz nach oben muss, ist auch sehr hilfreich. Manche sind mit 40 steril. Außerdem fallen 15-20 Jahre Gebären aus. Das ist eine komplette Generation.

    These 7: Koreaner und Chinesen begreifen das System am besten, weil sie rein ökonomisch ausgerichtet sind.

    These 8: In der Bildung steckt nicht zu wenig, sondern zu viel Geld, bzw. an den falschen Stellen.

    Frage an Moritz Berger: Was glauben Sie, wird mit dem Rest der Menschheit passieren, für den es zukünftig keine Stelle gibt (ca. 90 Prozent)?
    Vorgeschmack: Arabellion? Oder glauben Sie den Käse, dass die “Freiheit” wollten?
    Hieraus ergibt sich folgerichtig, dass Vladimir Putin in einigem richtig liegt, die Amerikaner dagegen wie üblich in dem meisten falsch. Komisch, dass man sagt: “Der Rubel rollt”: Eigentlich müsste es § heißen.

  6. avatar

    @M.B.
    Lieber Moritz Berger, ich habe nun gar nichts von einer “praxisorientierten Ausbildung in Korea” geschrieben, sondern davon, daß es – soweit ich weiß – in Korea ein starkes Handwerk gibt oder gab, z.B. weil die ersten Kopien /Nachbauten von Musikinstrumenten bereits erstaunlich gut waren. Sowas geht nicht ohne entsprechenden handwerklichen Hintergrund.
    Und was das Studium hierzulande betrifft, sind die einzelnen Fachbereiche schon aus Ressortegoismus nicht bereit, ihre Anteile in den Studienordnungen durch ein für Bachelor- und Master angemessenes Maß zu kürzen, so daß es mal wieder die schwächsten in der Hierarchie, die Studenten ausbaden müssen. Was ich mit Ressortegoismus meine, brauche ich Ihnen nach unseren langen Diskussionen hier über Drittmittelforschung etc. nicht mehr zu sagen – immerhin scheint das auch anderen aufgefallen zu sein: https://www.hochschulwatch.de/wiki/Hauptseite

    Es ist ja gut, darauf hinzuweisen, daß es woanders auch Fehlentwicklungen gibt, schon allein um die hiesige Abstiegsneurose etwas zu relativieren, aber vermuten Sie nicht bei mir nicht immer direkt, ich wolle alles hier schlechtreden. Es ist eben (noch?) viel Substanz hierzulande, aber die braucht man auch, um den Standard z.B. an Infrastruktur einigermaßen zu halten. Das darf man eben nicht durch Bildungsideologen und Politik gefährden. Letztere – und da weist A.P. ja m.E. zurecht drauf hin – will aber das, was in Jahrzehnten an hier Kompetenz aufgebaut wurde und eben Ursache für die gewisse Krisenresistenz ist, als Erfolg für sich beanspruchen (“Agendapolitik”). Das ist unredlich und deswegen gebührt dem Autor Dank dafür, das aufzuzeigen. Daß das nicht selbstverständlich ist, können Sie bei vielen anderen Autoren nachlesen, bei denen man nach einem Satz schon merkt, welche Klientel sie (bewusst oder unbewusst) bedienen.

  7. avatar

    @KJN

    @A.M.
    “Taschenmascho”
    Was mach’ ich denn bloß verkehrt??

    Nicht verkehrt sondern verkennen…

    Wenn ich den ” labeling ” Artikel von Alan Posener in die Debatte geworfen haben und Sie von den großen Weltthemen sprechen, dann erlaube ich mir auch einmal die ” Männerthemen ” zu ironisieren…

    Wenn ich Ihre Beiträge in der Vergangenheit richtig verfolgt habe, liegen wir in unseren Auffassungen nicht so weit von einander entfernt.

    Alles zu ” Problemen ” zu machen ist letztlich auch im Artikel ironisierend von Alan Posener elegant beschrieben worden.

    Vielleicht hindert uns die zunehmende
    ” Problematisierung ” unserer Welt uns auch die tatsächlichen realen Probleme zu erkennen.

    Ich hoffe, dass ich mich dieses Mal etwas klarer ausgedrückt habe.

    Ich gestehe:

    Die dauernde berufliche Beschäftigung mit Algorithmen, schränkt oftmals die Darstellung von einem einfachen Sachverhalt ein.

  8. avatar

    @KJN

    “Ein Studium in Südkorea ist darüberhinaus auch nicht mit einem hiesigen – übertheoretisierten und überfrachteten hiesigen Studium zu vergleichen.”

    Wenn Sie sich den Bericht der OECD anschauen, werden Sie feststellen, dass gerade das Ingenieursstudium in Korea zu sehr theoretisch aufgebaut ist.

    Siehe:

    Siehe OECD Studie von 2009 Seite 18:

    http://www.oecd.org/edu/skills…..898338.pdf

    Klaus Schaack mag sicherlich mit seinen Thesen in vielen Bereichen richtig liegen, nur hat sich seit 2007 auch in Korea die Situation verändert, siehe auch:

    http://www.gtai.de/GTAI/Navigation/DE/Trade/maerkte,did=393802.html

    Die berufsorientierte Ausbildung gewinnt zunehmend wieder an Bedeutung.

    Und wenn Sie hier auf diesen Kurzbereicht der OECD lesen, wrerden Sie Ihr Bild von der praxisorientierten Ausbildung in Korea etwas korrigieren müssen:

    http://www.oecd.org/education/skills-beyond-school/47515193.pdf

  9. avatar

    @propos Ausbildung:
    Ich denke nicht, daß man hier südkoreanische Kindererziehung / Ausbildungssysteme hier einführen sollte: Ich bin froh, daß der Bildungs- und Anpassungsdruck meiner Eltern auf mich sich noch in einem humanverträglichen Rahmen bewewegte und ich habe das beim eigenen Nachwuchs auch nicht anders gesehen. Standort hin, Standort her, Punkt. Ein Studium in Südkorea ist darüberhinaus auch nicht mit einem hiesigen – übertheoretisierten und überfrachteten hiesigen Studium zu vergleichen. Was ich über Korea weiß, ist daß man dort seit jeher über hervorragende Handwerker verfügt und das ist nun mal die Grundlage für alles, auch im High Tech – Bereich und im Zeitalter der 3D-Drucker. Alles andere ist genau die gleiche Augenwischerei, wie die Internet-Blase. Perfektion / Qualität – Mausgesteuert geht auf Dauer nicht. Deswegen müssen Lehrlinge auch feilen – gut so.

    @A.M.
    “Taschenmascho”
    Was mach’ ich denn bloß verkehrt??

  10. avatar

    Giovanni Bellini: Das Dumme an diesem Rausch der politmedialen Eliten ist nur. Den Kater, den werden wir, das Volk, haben. Die “DDR-Light” Elite nicht.

    … schlage daher vor, dass Polizei und Grenzschutz, insbesondere der aktuell politischen Entscheidungen in Brüssel wegen, unverzüglich die Grenzen und Flughäfen hermetisch abriegeln, damit die Ex, samt sogenannter ‘Elite’, sich nicht mit gefüllten Taschen, dem Volk geraubten Vermögen, ihrer Verantwortung entziehen …

  11. avatar

    Lieber Oberlehrer Posener,

    ihre vielfachen Belehrungen sind nicht immer lehrreich, aber manchmal grob fahrlässig unlogisch. Wenn sie im Anfangssatz schreiben: “Warum ist Deutschland verhältnismäßig gut durch die Finanzkrise gekommen…….?” dann gehe ich davon aus das Deutschland da “durchgekommen” ist und damit angekommen. Wenn sie, damit etwas verschwiemmelt meinen, Deutschland wäre durch die Anfangskatastrophe durch und würde jetzt mit den anderen EU Staaten im biggerbang-Teich baden, dann würde ich vorschlagen, sie drücken es auch so aus.

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    Ich lese das, Moritz Berger, und bin in vielen Punkten ganz bei Ihnen.
    Dafür bringe ich diese Beispiele aus der Kultur, an denen man sieht, dass jedes Land seine eigene Kultur hatte, dass sie aber zusammen hingen. Europa ist nichts Neues. Es war immer ein kultureller Verbund und etwa ab 1500 auch ein wissenschaftlich/wirtschaftlicher. Industriespionage war auch dabei. Galilei machte angeblich Kohle mit einem Fernrohr, das er als seine Erfindung ausgab, wissend, das kurz danach eine ganze Ladung davon aus Holland kommen würde zu einem besseren Preis.
    Maghellans Reise hätte vielleicht nicht stattgefunden ohne den Globus von Martin Behaim, das NT wäre vielleicht nicht übersetzt wurden ohne Johannes Gutenberg. Und ich nehme an, dass Verdi die Dumas persönlich kannte und von der Geschichte stark beeindruckt war.
    Ich bedaure den fatalen Hang zu Politisierung und Geldschöpfung um jeden Preis. Es wird immer der Konsum verantwortlich gemacht für den Kulturverlust, und das ist lächerlich. Es gab immer Konsum. Die Römer hatten tolle Sachen. Die amerikanischen Indianer,angeblich so klug, ließen sich mit Perlenketten und Schnaps bestechen. Ich schreibe das der zunehmenden Politisierung und der Fokussierung auf das zwanzigste Jh zu.
    “From Dawn to Decadence” schrieb Barzun und erklärte diesen Prozess.
    Und manchmal frage ich mich, ob man so vorschnell Entschuldigungen aus dem wirtschaftlichen Bereich bei islamischen Fundamentalisten beibringt, weil man die Kultur nicht mehr richtig empfindet und deswegen blind gegenüber der Tatsache ist, dass beispielsweise auch Buddhastatuen oder die Bibliothek in Mali oder das Museum in Kairo Angriffsziel waren. Was ihnen, diesen Apologeten wie auch den Terroristen, fehlt, ist ein Gefühl für alle Kulturen. Und Russland kam diesem kulturellen Netzwerk in Teilen abhanden 1917. Man muss das verteidigen, wie ich finde, und es möglichst breiten Schichten zugänglich machen.
    Deswegen stört mich unendlich, wie Europa, bis 1913 ein brillantes kulturelles Gebäude, plötzlich über eine Währung definiert wird. Das ist zutiefst unkultiviert. Und Leonardo Loredan, den Bellini gemalt hat, der echte Bellini, nicht dieser Scheiß-Fertigdrink, sorry, erscheint mir heutigen Politikern weit überlegen.
    Langfristig kann das dazu führen, dass wieder von oben regiert wird. Monti war ein sehr gutes Beispiel dafür.
    Jedenfalls ist es nicht hinnehmbar, dass die europäische Kultur durch eine nicht durchdachte Währung verspielt wird.
    Biblische Züge sind auch dabei. Wenn man z.B. diese ewig neuen höchsten Turmbauten ansieht, diesen Wettbewerb um Höhe (wozu?) kann man nicht umhin, an den Turmbau zu Babel zu denken. Man kann Naturkatastrophen, davon abgeleitet, jederzeit als biblisch begreifen, weshalb die Neurosen um den “menschengemachten” Klimawandel ja auch wunderbar die Botschaften des Alten Testaments erklären. Immer dasselbe.

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    … der Genossen EJ und Stevanovic EU(ropa). Da sind ja mittlerweile die links-populistischen Sponner weiter … wenn sie über neue Taschenspielertricks aus Brüssel als Höhepunkt der Verlogenheit berichten … muhahaha!

    … nun ja, die Genossen bauen auf und reißen nieder, Arbeit gibt es immer wieder.

    … Genosse Stevanovic, mal so o.t., waren Sie Mitglied der Kommunistischen Partei Jugoslawiens? wenn ja, daher.

  14. avatar

    Mann, viele Schreibfeher oben. Tut mir Leid. Bin in Eile. Muss zu “Titel Thesen Temperamente”: Interview.

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    @ Moritz Berger: Ich wollte mit dem Hinweis auf meine zehn Jahre als Gesamtschullehrer klar machen, dass ich einigen Einblick in die berufliche Ausbildung habe. Schließlich mussten alle unsere Schüler in der 10. Klasse ein Praktikum absolvieren. Ich habe alles gesehen, von Siemens bis zu Klitschen, wo der Azubi bier holen durfte. Wir müsen und ja auch nicht streiten. Ich habe Ihnen gesagt, dass ich das duale System anerkenne, und Sie haben zugegeben, dass es auch Verbesserungsbedarf gibt. Ich stelle Südkorea und Japan auch nicht als Vorbilder hin; Klaus Schaack wollte aber klar machen, dass man bestimmte Modelle (wie das duale System) nicht einfach exportieren kann in andere Kulturen. Großes Thema. Würde aber von meiner Seite mehr Recherche erfordern, wollt eich mehr dazu schreiben.

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    Lieber Herr Posener,

    Nicht aus dem Hochmut eines Gymnasiallehrers hinaus, wie Sie höhnen.

    Da wir im Rahmen unserer ehrenamtlichen Tätigkeit an unterschiedlichen Schulen in Bayern und Hessen es auch mit Gymnasiallehrern zu tun haben, entdecken wir oftmals einen gewissen Hochmut und ein etwas abwertende Haltung gegenüber den anderen Lehrerberufen. Sorry wenn ich Sie in diese Schublade gepackt habe.

    Und gemeinsame Projekt zwischen Berufsschulen und Gymnasien sind in Deutschland leider noch so selten wie die blaue Mauritius.

    Wobei wir wieder bei den schulischen Defiziten wären, die es gilt zukünftig zu verringern.

  17. avatar

    @Alan Posener

    Sorry ich vermute Sie spielen auf die reduzierte Lohnstückkosten durch die verringerten Sozialabgaben an.

    Aber letztlich spielen die Lohnkosten in der Gesamtkalkulation eines Industrieprodukts zunehmend eine geringere Rolle. (durchschnittlich weniger als 20/15% !!)

    Daher verlieren die ” Billiglohnländer ” für High Tech Länder zunehmend an Bedeutung.

    Wie KJN ist ebenfalls richtig anmerkt die Bedeutung der economy of scale sinkt.

    Selbst Textilunternehmen wie C&A verlagern Produktionen wieder nach Europa, um flexibel in den sich rasch veränderten Märkten zu sein.

    Ganz nebenbei.

    Was viele nicht wissen.

    Deutschland zählt 2009 weltweit zu den drei größten Textilexporteuren:

    http://www.textilie.com/

    Und im Bereich der technischen Textilien stehen wir auf Rang 3:

    http://www.techtera.de/unser-cluster-techtera/technische-textilien?menu=141

  18. avatar

    Lieber Herr Posener,

    wo habe ich etwas von Sozialausgaben geschrieben.

    Ich habe lediglich daraufhingewiesen, dass die Deregulierung des Kreditsektors zu Folgen geführt, deren Last wir jetzt zu tragen haben.

    Und wenn ich Ihre Ausführungen richtig verstanden habe, führen Sie als Erfolg für die derzeitige positive Wirtschaftssituation gerade diesen Punkt mit an!!

    Oder interpretiere ich Sie hier falsch.

    Was den Bereich duales Berufsausbildung betrifft.

    1. die überwiegende Mehrheit der Lehrlingsausbildungsgänge findet nicht bei BMW, Nercedes und den anderen Großkonterne in Deutschland statt, sindern in den SME´s !

    2. Neben der Berufsausbildung an den Schulen werden in den mittelständische Unternehmen sowohl on-the-job training und off-the-job trainings Einheiten durchgeführt.

    3. Berufsbildende Schulen ermöglichen bereits ebenfalls das Abitur

    4. Es gibt auch hochtechnisierte SME´s mit < 50 Beschäftigte!!

    Ihr Klaus Schaack in allen Ehren. Ist es nur sehr aufschlußreich, dass Ländern wie z.B. Japan mit einem sehr hohen Anteil von Ingenieuren zum Schluß kommen, dass die theoretische Ingenieursausbildung wie sie derzeit an den japanischen Hochschulen gelehrt wird erhebliche Nachteile aufweist.

    Ähnliches gilt auch für Südkorea, da hier erhebliche zusätzliche Trainingskosten auf die Unternehmen entstehen:

    Siehe OECD Studie von 2009 Seite 18:

    http://www.oecd.org/edu/skills-beyond-school/43898338.pdf

    So rosig wie Klaus Schaack dies vielleicht versucht darzustellen ist die Situation auch in Ländern wie Korea und Japan nicht.

    Ich spreche aus eigener Erfahrung, da ich selbst eine Lehre im Industriebereich ansolviert habe bevor ich mit meinem Studium begonnen habe.

    Was den Gerüstbauer betrifft und andere Lehrlingsberufe gebe ich Ihnen in Teilen durchaus recht, aber selbst in diesen Branchen nimmt der Anteil von high tech zu. Nur Schrauben und Rüsten gibt es vielleicht noch bei den Standardgerüsten im Wohnungsbau. Aber wenn es sich um Gerüstbau im Industriebereich handelt sieht die Sache etwas anders aus.

    Aber als Gesamtschullehrer ohne jegliche praktische berufliche Erfahrung (außer am Fließband bei Opel in Bochum oder war es Rüsselsheim ?) sieht man die Dinge vielleicht etwas anders.

    Dass Defizite in der beruflichen Ausbildung vielfach noch vorhanden sind ist eine Tatsache.
    Dennoch ist die duale berufliche Ausbildung in summa immer noch ein USP und stärkt auch die Marktposition des Mittelstandes in Deutschland.

    Daher kann ich Ihnen nur empfehlen vielleicht auch in Berlin einmal die Gelegenheit wahrzunehmen in die dortigen beruflichen Ausbildungszentren zu gehen, Sie würde sich wundern welcher high tech Standard dort teilweise bereits vorhanden ist.

    Ein Geschäftspartner hat mir z.B. von einem Genlabor an einer Berufsschule in Berlin berichtet:

    http://www.emilfischerschule.de/index.php/genlabor

    Wer würde dies an einer berufsbildenden Schule vermuten, die sich u.a. auch mit der Ausbildung von Köchen beschäftigt vermuten.

    Und was z.B. den Lehrerberuf betrifft.

    Wenn ich mir die Inhalte der Lehrpläne anschaue, dann frage ich mich schon, ob die Lehrer der heutigen Generation auch für die Zukunft fitgemacht werden.

    Wo gibt es z.B. Bildungseinheiten zum Bereich Projektmanagement, Personalführung, Teamarbeit, Schuladministration, Budgetierung etc.

    Ich vermute zu Ihrer Ausbildungszeit waren dies alles Fremdworte oder?

  19. avatar

    @ Stevanovic: Europa ist nicht zukunftsfähig, Europa wird es gerade. Wäre ohne Euro nie so gegangen.

    So ist es. Genau.

  20. avatar

    @ Alan Posener

    ich habe mich erkundigt. Wir haben ihn noch, dachte ich mir schon, entweder auf dem Dachboden oder im Keller, vielleicht auch in der Garage. Ihr Artikel über den wrong way buggy bestätigt mir einmal mehr, dass man nichts Intelligentes weggeben sollte. Man lebt dann zwar nach Jahren in einer Lagerhalle, aber man ist retro und trotzdem voraus.
    Was Sie schreiben, hat der deutsche Mittelstand früher gedacht. Da war die Frau oft die Sekretärin der Firma und mag die Version vorgeschlagen haben. Der Schlager WC-Ente soll auch von der Frau des Firmeninhabers gekommen sein. Man kann daraus postulieren, dass die Produkte insgesamt nicht besser und nicht kreativer werden, wenn die Frau genau dasselbe macht wie der Mann, da die Frau Qualitäten im praktisch/kreativen Bereich hat, denen der Mann nicht gewachsen ist, während er wieder andere Qualitäten besitzt. So ergeben sich die besten Produkte aus der Koproduktion, wie man bei Ihnen gerade sieht, denn die Idee dürfte wohl von Ihrer Tochter sein.
    Allerdings muss ich etwas Trauriges feststellen. Bei manchen Leuten sieht man schon von weitem, wenn sie den Buggy ausgefaltet haben, an der Art, wie sie das Kind aus dem Auto nehmen und in die Karre rammen, dass sie froh sind, wenn sie sich nicht mit dem Kind unterhalten müssen. Sie schieben dann die Karre wie einen lästigen Gegenstand vor sich her und hinten hängt (der TÜV würde schreien) eine Tüte und noch eine Tüte und ein Netz und eine Tasche, und in dem Korb darunter ist auch noch Platz, und irgendwo baumelt der Schnuller, und bei Übergewicht kippt das Ganze nach hinten, und der Schnuller bringt auch nichts mehr.
    Aber die Steigerung ist das Ganze mal zwei. Zwei Frauen mit zwei Buggies. Die Kinder müssen in diesem Fall nach vorn schauen, denn die Frauen sind mit Reden beschäftigt. Auf dem Spielplatz scheint sich das fortzusetzen, bis ein Kind dem anderen Sand in die Augen wirft, wofür ich immer nur eine Erklärung hatte: Will Aufmerksamkeit.
    Beobachtungen von der Straße.

  21. avatar

    Ach ja @KJN es soll ja auch Männer geben die Kinderwagen schieben, aber dass geht wohl über Ihren Horizont lieber Taschenmascho 🙂

    ähem lösen Sie doch bitte weiter die Weltprobleme.

    Ich gelobe Besserung und werde meinen Beitrag zum ” Kinderwagenproblem ” mit sehr vielen smileys ” garnieren,damit Sie nicht wieder in Ihrer Machoschublade verharren.

  22. avatar

    @Stevanonvic
    “Natürlich will ich Politiker nicht aus der Verantwortung entlassen, aber das, was Merkel leisten soll, erfordert…
    sich in Zukunft nicht mehr nur auf das Urteil von Großindustrie- und Verbände-Lobbyisten zu verlassen und sich weniger auf die Kräfte-Balance und Taktik des eigenen Machterhaltes zu konzentrieren.
    “Mir ist schwindlig.”
    Eine hervorragende Vorraussetzung für Neuorientierung.. die Zeiten, wo man zu den Fortschrittlichen gehört, wenn man SPD “ist”, kenne ich zwar auch noch, die sind aber schon länger vorbei.
    Ansonsten..
    “Die EU reformieren, ja klar. Verordnungswahn braucht niemand. Nur, die EU hat auch andere Funktionen und die sind wichtig. Und da sehe ich noch keine Alternative. Das postnationale Zeitalter ist eben noch nicht da.”.. natürlich viel, viel Zustimmung. Nur das “Und ja klar: Germany will start the engines!” lassen Sie mal – bitte – nicht die Politik veranlassen. Es gibt ein Leben jenseits der durch Lobbyisten vertretenen Industrie.

    @Giovanni Bellini
    “Durch seine Krisenpolitik zerstöre Deutschland gerade den guten Ruf, den es nach dem Zweiten Weltkrieg berechtigterweise erlangt habe, sagen europäische Journalisten und die deutschen Eliten schauen dann entrüstet aus der Wäsche.”
    Das mit dem “Eliteknax” halte ich für psychologisch sehr treffend.

    @M.B.
    “UNd die economy of scales wird zunehmend durch neue Technologien verreingert.”
    Mein’ ich doch!

    Ach ja, und @A.M.:
    Freue mich, Sie wieder hier mit Ihrer – ähem, Intuition für wirklich wichtige Themen zu lesen. Doch, doch, ich glaube wenn die Kinder auf die kinderwagenschiebende Person blicken würden, wäre eine, wenn auch kleine Ursache für die landestypische Neurotik beseitigt. Sie wissen ja: Der Flügelschlag des Schmetterlings..Chaostheorie.. [#kein Ironiemodus]

  23. avatar

    @ Angela Merkel
    Ist er schon.
    Die Ansicht ist logisch, oder? Erst tragen sie sie auf der Brust, und dann schmeißen sie sie, Gesicht nach vorn, mitten ins Gewühl. Bei uns zu Hause gab es den Superwagen mit verstellbarem Griff. Im Zoo guckte das Kind nach vorn, in der Stadt zu Mutter/Vater,je nachdem. Deutsche Produktion natürlich. Was er beschreibt, hinkt der deutschen Logik nach. Klar sollte das Kind zu seinem Au Pair gucken, während Mutter schon wieder klotzt.
    Ich schätze, man hat sie verkehrt herum konstruiert, um Zugriff zum Frühkonsumenten zu kriegen. Verkehrt herum sieht Kind die Schaufenster besser.

  24. avatar

    Giovanni Bellini, wenn Sie nicht lesen können, sollten Sie nicht kommentieren. Wo, bitteschön, habe ich erklärt, die Krise sei “beendet”? Im Gegenteil, ich schreibe seit Jahren – mir selbst ist es beinahe peinlich, mich zu wiederholen – von der Krise als einer Krisde des europäischen Geists, nicht der europäischen Währung.
    Angela Merkel, ich bin längst (seit dem 19. August dieses Jahres) Großvater. Und ja, auch deshalb interessiere ich mich (wieder) für Baby-Buggys.
    Lieber Moritz Berger, mein Argument lautete, ich muss es wohl noch einmal ausbuchstabieren, weil zu wenig gelesen wird: Deutschland steht nicht in erster Linie deshalb gut da, weil wir in Sachen Sozialausgaben gespart haben. Deshalb ist die Lobhudelei für die Agenda 2010 irreführend (und natürlich im Hinblick auf Südeuropa interessegeleitet, also ideologisch bedingt). Sondern wegen einer ganzen Reihe von Bedingungen, zu denen an erster Stelle strukturelle gehören, und da habe ich den Mittelstand erwähnt.
    Ich gebe Ihnen gern zu, dass auch das duale System sich in der Krise bewährt hat. Und dass ich das nicht erwartet habe. Nicht aus dem Hochmut eines Gymnasiallehrers hinaus, wie Sie höhnen. Ich war Lehrer an einer Gesamtschule. Sondern weil ein Freund von mir, Klaus Schaack, jahrzehntelang bei “Inwent” damit beschäftigt war, das duale System anderen Regierungenim Rahmen der “Entwicklungshilfe” anzudrehen. Sie wollten es nicht. Und Klaus, der sich wirklich gut auskannte, kam zum Schluss, dass dieses System – mit wenigen Ausnahmen, etwa der Ausbildung in hochtenchnisierten Firmen wie BMW, Mercedes usw., deren Lehrlinge fast alle Abi haben – die Leute nicht fit mache für die Zukunft, die Sie beschreiben, in der nicht der Arbeiter im Mittelpunkt steht, sondern die vollautomatisierte Maschine. Dass eine Tätigkeit wie Gerüstbauer, die man in sechs Wochen lernen kann, ein Lehrberuf ist, finde ich nach wie vor nicht einleuchtend. Das duale System ist also, obwohl es jetzt von vielen kopiert wird, an vielen Punkten reparaturbedürftig.
    http://www.welt.de/wams_print/article1169283/Hochschulbildung-fuer-alle.html

  25. avatar

    Lieber KJN

    was Ihre ” Handwerksbetriebe ” mit bis zu 50 Beschäftigte betrifft.

    In BW sind diese “Handwerksbetriebe” oftmals ” Hidden Champions “.

    Si wissen doch ” Small is beautiful ” and more flexibel als die die ULCC

    http://maritime-connector.com/wiki/vlcc/

    UNd die economy of scales wird zunehmend durch neue Technologien verreingert.

    Siehe 3 D printing:

    http://en.wikipedia.org/wiki/3D_printing

    Dieses Berliner Unternehmen läßt derzeit Brillen im 3 D printing Verfahren in NRW herstellen:

    http://www.specs-berlin.de/store

  26. avatar

    Lieber Herr Posener,

    was dass bedeutet und für Auswirkungen gehabt hat und noch hat wissen Sie hoffentlich:

    “die Kreditwirtschaft stark dereguliert.”

    Und warum wird derzeit versucht über Basel 3 die Deregulierungsmaßnahmen von Eichel und Steinbrück wieder umzukehren?

    Ich erinnere auch noch einmal an den Pyromanen und Feuerwehrmann Herrn Asmussen:

    http://www.nachdenkseiten.de/upload/pdf/081010_Asmussen.pdf

    Soviel zu den von Ihnen mit Lob erwähnten
    ” Deregulierungen im Kreditsektor ”

    Was ich Ihrer Darstellung vermisse ist z.B. die Tatsache, dass der deutsche Mittelstand letztlich die Finanzkrise auch aufgrund der hohe Eigenkapitalquote gut überstanden hat:

    http://www.mittelstanddirekt.de/home/investieren_und_finanzieren/nachrichten/eigenkapitalquote_deutscher_mittelstaendler_seit_2001_kontinuierlich_gestiegen.html

    Und was Ihr Argument der Lohnstückkosten betrifft:

    Leider sind Sie in Berlin nicht auf dem neuesten Stand (Liegt es daran dass Berlin erst jetzt wieder mit der Industrialisierung beginnt 🙂

    Die Lohnkosten spielen in der industriellen Produktion eine immer geringere Rolle, da durch die Automatisierung (Schlagwort Roboterisierung/Cyber Physical) die Produktivität kontinuierlich weiter erhöht wird.

    Warum verlagern deutsche Unternehmen wohl Ihre Unternehmen zunehmend von Billiglohnländern wie z.B. Ungarn nach Deutschland?

    http://www.rp-online.de/wirtschaft/unternehmen/arbeitsplaetze-kehren-wieder-zurueck-1.3111164

    In diesem Zusammenhang hier auch das Schlagwort Industrie 4.0

    http://www.plattform-i40.de/

    Sie erwähnen leider auch nicht dass deutsche duale Berufsausbildungswesen (aber Gymnasiallehrer haben schon immer etwas herabschätzend auf Ihre Kollegen im ” Blaumann ” oder ” Weißkittel ” herabgeschaut 🙂 )

    Der deutsche Mittelstand wäre nicht so gut am Weltmarkt positioniert wenn diese Ausbildungsstruktur nicht vorhanden wäre.

    Vielleicht machen Sie es doch einmal wir Herr Dieckmann und gehen zur Praxisauffrischung nicht ins Silicon Valley sondern vielleicht einmal nach Schwäbisch Hall ins Packaging Valley:

    http://www.packaging-valley.com/de/home/home.php5

    oder Sie verlagern Ihren Schreibtisch in die Wirtschaftsregion:

    http://www.swp.de/bad_mergentheim/lokales/main_tauber_kreis/Ein-Hidden-Champion;art5632,1269394

    mit den meisten ” Hidden Champions “

  27. avatar

    @ Alan Posener

    Ich finde, ich sollte Ihnen einen Gefallen tun und Ihnen Ihren echten Othello schenken. Der lebte aber lange nach Shakespeare in Frankreich. Er war der Vater von Alexandre Dumas dem Älteren, Thomas, und hatte mächtig Glück. Sein Vater, der Großvater von Alexandre dem Älteren, hatte ihn und seine drei Geschwister auf Santo Domingo mit einer schwarzen Sklavin gezeugt und danach verkauft. Warum er Thomas zurückkaufte, ist mir nicht bekannt. Jedenfalls nahm er ihn mit nach Frankreich, wo der Junge General der französischen Armee wurde und Vater und Großvater von zwei Schriftstellern.
    Vielleicht gab es so was öfter, aber das hatte weniger mit Toleranz zu tun denn mit Zufall.
    Was vielleicht kein Zufall ist, mag die Auswahl der Vertonungen Giuseppe Verdis sein: Otello, La Traviata fünf Jahre nach Erscheinen der Kameliendame von Alexandre Dumas fils und Aida, wo ein Herr sich in eine schwarze Sklavin verliebt. Romantisch waren wir schon, wir Europäer. Den Euro finden wir vollkommen unromantisch.

  28. avatar

    Die Überschrift ” Warum geht es uns so gut?” erinnert an Kempowskis “Uns gehts ja noch Gold” aus seiner Trilogie. Der Unterschied ist nur, Alan Posener glaubt das wirklich, bei Kempowski war es mehr ironisch gemeint. Aber seitdem Politik bei uns vornehmlich im Feuilleton beschrieben und “erklärt” wird, seitdem haben philosophierende Schöngeister das Sagen. So erklärt Alan Posener die Krise für beendet und wir Deutschen sind da von allen am Besten rausgekommen. Realitätsnähere Wirtschaftswissenschaftler die nicht sozialistische Planwirtschaft, endlose Schuldenunion und exzessive Subventionen von Geschäften mit heißer Luft studiert haben, die sehen das anders. Nur solche Stimmen verschwinden fast unter “Vermischtes” in den Zeitungen. Sie passen wohl nicht in das Bild einer bunten, beschwingten und geistig völlig offenen Gesellschaft . Das Dumme an diesem Rausch der politmedialen Eliten ist nur. Den Kater, den werden wir, das Volk, haben. Die “DDR-Light” Elite nicht.

  29. avatar

    “Die “alternativlose” Kanzlerin kennt ihre Pfeifendeckel und Pappenheimer.”

    Davon rede ich die ganze Zeit. Die Kritik an Merkel ist teilweise vollkommen überzogen. Wie hätte eine Krisenpolitik zwischen Weglaufen aus der EU und Gelddrucken mit Freibier für alle den aussehen sollen?

    Bestimmt wäre vieles besser gegangen, aber wir können mal auf einen Zettel die Erwartungen der Bürger aufschreiben. Da ist ja ein Weinachtswunschzettel ja nichts dagegen.

    Natürlich will ich Politiker nicht aus der Verantwortung entlassen, aber das, was Merkel leisten soll, erfordert die innenpolitische Macht eines Lukaschenkos und das außenpolitische Gewicht zweier Supermächte, gepaart mit der Integrität des Papstes und der Beliebtheit eines iPhones. Aber natürlich basisdemokratisch legitimiert. Ach so, kosten darf es natürlich nix.

    Bis jetzt konnte mich noch keiner überzeugen, dass wir Reformen in Europa anders bekommen hätten.

    Erinnert ihr euch noch an die Sprüche vor ein paar Jahren:

    Politiker machen keine Reformen, wenn es jemanden weh tut. Das können die nicht durchsetzen.

    E `voila. Gibt es jemanden, dem es noch nicht weh tut?

    Europa ist nicht zukunftsfähig, Europa wird es gerade. Wäre ohne Euro nie so gegangen.

    Und ja klar: Germany will start the engines!

  30. avatar

    @Posener

    “Bieten die Merkel-Reformen Europa eine Perspektive? Haben wir in Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich Regierungen, die ihrer Bevölkerung eine Perspektive bieten? Oder sind es sämtlich Sparkommissare? Eine rhetorische Frage, leider.”

    Das Euro-Thema ist witzig. Da gehen die Frontlinien quer durch die Überzeugungen. Und jeder Aspekt ist berechtigt.

    Wenn ich das hier so lese, Herr Posener, frage ich mich, wer von uns beiden für Theatcher und wer Sozialdemokrat ist.

    Mir ist schwindlig.

  31. avatar

    Alle suchen Europa, Kocks führt Venedig an. Finde ich gut. Ich würde sogar ganz Italien anführen, angefangen bei den Tempeln in Sizilien, weiter über Rom, dann zur Renaissance in Florenz und schließlich zu der spezifischen, byzantinisch geprägten Geschichte in Venedig. Italien ist eine Wiege europäischer Kultur. Der Massentourismus, den Kocks auch anführt, mag vorübergehend sein. Wenn eine chinesische Gruppe (früher japanische, davor amerikanische) in einer Gondel fährt und ein Sänger dazu neapolitanische Tosti trällert, ist das weniger europäisch, denn ausgereifter Kitsch. Europas Kultur ist in allem verborgen, was im zweiten Weltkrieg nicht zerstört wurde, in kleinen Gassen in alten Städten, wo man um die Ecke kommt und sieht plötzlich ein Detail, das in keinem Führer stehen würde. Natürlich versaut der Massenkitsch Europa ein wenig. Im vierten Arrondissement von Paris, um die Rue des Rosiers, ging es früher sehr jüdisch zu, orthodox auch. Es sind nur noch wenige dort. Die üblichen Bekleidungsketten, die genug Geld für hohe Mieten haben, aber keins für bessere Sicherheit in den Firmen in z.B. Bangladesh, haben mit ihrer Eintönigkeit die individuellen kleinen Händler verdrängt.
    In der Rue de Mouffetard gingen früher die Pariser einkaufen. Dann erbten das die Touristen, die Pariser fuhren lieber zu Carrefour, billiger. Ist das gut? Geschmackssache.
    Europa versteckt sich in kleinen Winkeln ohne Massentourismus. Dort findet man regelmäßig eine sehr interessante Spezies: Amerikaner. Die kulturinteressierten Amerikaner. Abseits der Trampelpfade. Und diese Amerikaner sind immer noch europäisch. Viel europäischer als unsere dicklichen Matronen mit ihren Dreiviertelhosen auf ihren Trampelpfaden. Europa ist unsere Kulturgeschichte, und wer sich für sie interessiert, sie liebt, ist ein Europäer im Sinne von Kennedy, dem Berliner. Wer sie hasst, ist auf jeden Fall blind, den Rest kann man sich selbst dazu denken.

  32. avatar

    … übrigens warum die Ex künftig immer die beste Regierung seit der Wende sein wird:

    Bund zieht das DIW aus Berlin dem IfW in Kiel vor

    Das Kieler Institut für Weltwirtschaft (IfW) wurde jetzt erstmals seit mehr als 60 Jahren aus einer wichtigen Beraterrunde geworfen. [sic!] … nun das DIW Berlin.

    … hä? meint mein Hamster, Nachtijall, ick hör dir trapsen … genau: Adw*) – Akademie der Wissenschaft DDR. Ab 1992 DIW.

    Proletarier aller Länder vereinigt euch und Seilschaften an den Trog.

    *) Wirkungsstätte der Ex in der ‘DDR’

  33. avatar

    Sehr geehrter Herr Posener!

    Mit Verlaub, Ihren comment bei Herrn Kocks empfinde ich als kulturell etwas kenntnisarm, es sei denn, mir wäre etwas entgangen:

    “Venedig ist ja das Tor zum Orient gewesen, und den maurischen Einfluss sieht man, wenn man mit offenen Augen durch die Stadt gondelt, überall.”

    Maurisch? Verwechseln Sie hier nicht etwas? Selbst der Fondaco dei Turchi, früher eine Mischung aus Warenhaus, Hotel und Markt (von bösen Zungen auch Ghetto genannt), ist in veneto-byzantinischem Stil gebaut. Die Stadt wurde vom Adel regiert. Die größten Kirchen sind byzantinisch (auf Torcello sowie San Marco) und gotisch (Frari und Zanipolo). Ich bin erstaunt. Das Farbige, Mosaikige, das Sie wohl an Ihren Multi-Kulti-Traum erinnert, ist rein byzantinisch. Falls Shakespeare nicht selbst erfunden ist, so doch vermutlich Othello und der Kaufmann aus Venedig.
    Aber Ihre erfundenen Mauren von Venedig finde ich beim besten Willen nicht, sorry. Aber vielleicht wollen Sie sich noch zu einem zweiten Shakespeare mausern. Dann wird man in einigen Jahrhunderten darüber nachdenken, ob Sie wirklich existiert haben oder dazu erfunden wurden. Zwecks Buntheit.

  34. avatar

    @ Stefanovic Südeuropa strukturreformiert + Investitionen aus den reichen Länder und zwar dann, wenn es Sinn macht, nämlich nach diesen Reformen

    Wenn wir Europa wollen, haben wir keine andere Wahl. Dass wir uns “so einfach”, heißt: aus Einsicht, dazu entschließen, bezweifele ich aber. Wir machen schon lange keine Politik mehr, ohne dass uns irgendein “Druck” dazu zwingt. (Die “alternativlose” Kanzlerin kennt ihre Pfeifendeckel und Pappenheimer.)

  35. avatar

    Warum ist Deutschland verhältnismäßig gut durch die Finanzkrise gekommen, während fast alle anderen …

    … und wiederrr ist es uns gelungen, einen gaaaaanzen Wagon voll Knäckebrrrot an die Ostfront zu bringen …

  36. avatar

    Was ist eine Halbwahrheit, und warum soll sie schlimmer sein als eine Lüge ?

    Eine Information ist entweder wahr oder unwahr, dazwischen gibt es nichts. Allerdings gibt es Wahrheiten die verschwiegen werden.
    Manchmal passiert das aus Unwissenheit, die Wichtigkeit einer Information wird einfach nicht erkannt.
    Manchmal passiert das aus Bequemlichkeit, weil die Sendezeit oder der Platz im Printmedium nicht ausreicht.
    Zu oft jedoch werden Informationen verschwiegen, weil sie nicht ins eigene Weltbild passen.
    Als Journalist haben Sie bestimmt schon mit allen drei Möglichkeiten zu tun gehabt.

    Ihren 5 Punkten kann ich vorbehaltslos zustimmen, aber gerade mit dem m. E. wichtigsten Punkt 1 sollte man sich etwas näher befassen. Die “strukturellen Vorteile” sind ja nicht vom Himmel gefallen, sie haben sich in Jahrzehnten entwickelt.Wenn andere Länder in dieser Hinsicht viel schlechter als Deutschland dastehen muß ja schon viel länger als seit 2007 in diesen Ländern etwas falsch gelaufen sein.
    In Deutschland gibt es das schöne Instrument “Länderfinanzausgleich”. In Bayern wird über dieses System zwar sehr gelästert, doch gerade Bayern zeigt ja den Erfolg der Sache. Was dort gern vergessen wird ist die Tatsache, daß das heutige Geberland einst ein Nehmerland war und den heutigen Status erst erreichen konnte durch jahrelange Subventionen heutiger Nehmerländer wie Hamburg oder NRW.
    Allerdings will ich hier keinem “Europäischem Finanzausgleich” das Wort reden. Schließlich erhalten gerade die heutigen Krisenländer bereits seit Jahrzehnten über die EU-Kassen irrsinnige Summen, die im Gegensatz zu Bayern nicht zukunftsweisend investiert wurden. Irgendwas muß dort im Süden anders sein, und das dies keine Frage von nationalen Grenzen sein muß sieht man ja in Italien.
    Die von Ihnen befürwortete “Keynesianische Politik für Europa” würde doch nur die Fehlentwicklungen der letzten Jahrzehnte fortschreiben.
    Irgendwann würde auch diese aufgepumpte Blase am Ende ihrer Dehnungsfähigkeit ankommen, und was kommt dann ?

  37. avatar

    @Stevanovic.
    Nein, doof ist die Frau , die sie mit Mutti meinen sicher nicht. Aber wäre sie die Mutti Deutschlands dann hätten Jugendämter-und-Gerichte in Deutschland viel zu tun. Sie müßten 80 Millionen Pflegeeltern für all die kleinen deutschen Michels u. Michaelas finden.

  38. avatar

    Dem Überblick und insb. der Gewichtung des Euro als Hauptverantwortlichen für die Erfolgsbilanz stimme ich zu. Wenn Frau Merkel nach der Wahl wie prognostiziert die europäische Strategie ändert, wäre gut.

    Allerdings sollte man darauf hinweisen, dass die Hartz-Reformen nur deshalb zum Erfolg beitragen konnten, weil die anderen eben KEINE Hartz-Reformen durchgeführt haben. Diese Erfolgskomponente läuft nach dem Motto “schneller – höher – weiter”; sie produziert Gewinner und Verlierer gleichermaßen. Wer am meisten schafft und den Gürtel am engsten schnallt, dessen Unternehmen gewinnt. Er selber leider nicht; er muss auf Geld und Konsum verzichten. Aber das Unternehmen schon.

  39. avatar

    Ich finde, Sie haben die Crux genannt: Immobilienboom plus stagnierende Gehälter in den Ländern mit den Reiselustigsten. Ich will mal versuchen, das aus meiner Sicht zu schildern und dann abzuleiten:
    Hotels. Ich war immer ein klassischer Reisender, der anfing mit schönen Campingplätzen und weitermachte mit kleinen, feinen Pensionen und Hotels, sorgfältig ausgesucht aus kleinen Führern oder aus dem Michelin (ein oder zwei rote Häuser). Zu unserer Gruppe, die so reist, gehörte eine erkleckliche Menge an Deutschen, Holländern, Briten und Schweden.
    So in den letzten 15 Jahren wurden die Besitzer dieser Hotels m.E. alle wahnsinnig. Sie investierten, dass es krachte, vom funkelnagelneuen Bad bis zum Spa war alles da. Nur fielen wir als Kunden ‘raus, da sie ihre Preise glatt vedoppelten. Führend bei glatten Preisverdoppelungen, auch beim Essen, waren die Italiener. Heute gibt es Hotel- und Restaurantbesitzer, die klagen, sie seien nicht mehr ausgelastet. Tja, Leute, ihr wart richtig frech zu euren Stammkunden, und eure Ersatzclientèle, die Chinesen, haben dann doch nicht so viel Urlaub. Hinzu kam, dass jeder noch so kleine Ort (Musterbeispiel Frankreich) seine Kreisverkehre brauchte, und ein Flughafen war auch ganz nett (Musterbeispiel Huesca, Kastilien, 50 km von Valladolid, das einen Flughafen hat). Man kann sich ausrechnen, dass auf Kredit bauen oder renovieren und dann die Kundenzahlen nicht mehr zusammenkriegen, nicht funktioniert. Gleichzeitig macht ein Teil der auf Lohnzurückhaltung getrimmten reiselustigen Deutschen billigere Pauschalreisen.
    Was ich hier schildere, spielte sich in Italien, Spanien, Portugal und Griechenland auf jedem Sektor ab. Das Geld hing in der Luft wie eine Traube und wurde abgepflückt. Die Deutschen dagegen sind erheblich vorsichtiger mit Reinvestitionen. Wie Deutsche so sind, fragen sie erstmal mindestens einen Unternehmensberater.
    Bauen auf Kredit ist die Crux. Damit ging die Krise in den USA los. Bauen statt produzieren. Und Deutschland produziert. Für Deutschland ist es im Prinzip schnuppe, ob der Euro oder die DM Zahlungsmittel ist. Einem Land, das produziert, kann nicht so viel passieren.
    Ja, aber. Sie erwähnen es am Rande: Diese ganzen schönen Aufträge der mediterranen Häuslebauer und Hotelerneuerer könnten wegbrechen.
    Vielleicht sollte man Immobilienbooms aus Wirtschaftswachstum herausrechnen und grundsätzlich separat betrachten, um zu sehen, welches (Produktions-)Wirtschaftswachstum man wirklich hat. Auch den Bankensektor sollte man separat betrachten. Was Sie so schön von Mittelstandsunternehmen beschreiben, gibt es in jedem Land. Nur diese Disziplin gibt es nicht überall. Die meisten Hoteliers hyperventilieren hier nicht gleich, wenn ihnen Vertreter Badezimmerkataloge hinlegen. Obwohl es Ausnahmen geben soll (Kempinski, Heiligendamm, soll eine groteske Fehlinvestition gewesen sein.)
    Straßenbau, Häuserbau ist kostspielig. Wenn der Erfolg ausbleibt, steht man schlechter da als jede Computer- oder Autofirma. Nach meinen vergleichenden Erfahrungen über Jahrzehnte ist es die Immo-blase, die die meditteranen Länder kaputt gemacht hat. Der kontinuierlich schrumpfende Kundenstamm, zum Beispiel aus Deutschland. Auch das Internet, wo man günstigere Reisen findet. Diese Länder ruhen sich zu sehr aus auf den Säulen Tourismus, Wein und Olivenöl. Und sie haben alle vier genau dasselbe Angebot. Das kann nicht funktionieren.
    Die Autos haben wir auch alle gefahren (Mietwagen). Ich weiß nicht, wie er heute ist: Fiat. Eine Zeitlang klapperte immer etwas. Ein deutscher Produzent würde niemals wagen, ein klapperndes Auto zu produzieren. Alfa klapperte ebenfalls eine Zeitlang. Der legendäre Ruf deutscher Autos ist durch solide Verarbeitung entstanden. Die anderen haben auch gute Motoren, aber wer hatte schon Lust, plötzlich die Holzverschalung auf dem Schoß zu haben? Produzieren konnten immer am besten die Deutschen und die Japaner. Taiwan, Südkorea und China haben nachgezogen. Die Amerikaner haben lange gepennt. Also haben wir in der Solidität natürlich einen Wettbewerbsvorteil, den man nicht unterschlagen sollte. Das hat nichts mit Schulbildung zu tun, sondern mit Sorgfaltspflicht, TÜV, und solchen Dingen.
    Dass es Ihnen gut geht, freut mich. Dazu gibt es aber, wie man gleich an comment 2 sieht, verschiedene Betrachtungsweisen.

  40. avatar

    Liebe Cigdem Torak, das ist doch ein Streit um Worte. Im Text schreibe ich doch, dass es uns “relativ” gut gehe; und außerdem schreibe ich, dass es nicht mehr lange “gut gehen” kann, wenn sich die Südeuropäer kaputtsparen.
    Lieber Stevanovic: Entscheidend, das habe ich immer wieder geschrieben, ist nicht die absolute oder relative Höhe der Staatsausgaben, sondern die Fähigkeit einer Volkswirtschaft, Zukunft zu generieren: Bildung, Jobs, Kinderbetreuung. Eine zukunftsorientierte Volkswirtschaft wird in der Lage sein, auch hohe Schulden abzubauen, wie es etwa die Schweden in den 1990er Jahren vorgemacht haben. Bieten die Merkel-Reformen Europa eine Perspektive? Haben wir in Griechenland, Spanien, Italien, Frankreich Regierungen, die ihrer Bevölkerung eine Perspektive bieten? Oder sind es sämtlich Sparkommissare? Eine rhetorische Frage, leider.

  41. avatar

    Südeuropa strukturreformiert + Investitionen aus den reichen Länder und zwar dann, wenn es Sinn macht, nämlich nach diesen Reformen.

    Das haben 2 Generationen Regional und Strukturförderung nicht geschafft.

    Wenn das so passiert, wie Herr Posener das beschreibt, war Mutti ja gar nicht so doof. Oder?

  42. avatar

    Sehr geehrter Herr Posener,

    schöner und interessanter Artikel. Aber die Überschrift “Warum geht es uns so gut” finde ich unpassend. Wir leben in Wohlstand ja, aber je mehr unser soziales Leben darunter oder unter anderen-auch kulturell bedingten Faktoren- leidet, desto mehr klammern wir uns an eben die wirtschaftliche Dimension unseres “Gut-Seins”. Je unglücklicher wir werden, desto mehr hassen wir die Schwaben, die Südeuropaer und klassischen Auslaender. Weil wir uns an unsere Arbeitsplaetze, Wohnungen und Geld klammern. Sonst haben wir ja nichts. Uns geht es nicht gut.

  43. avatar

    Stimme soweit zu: Der fehlende Mindestlohn ist letztlich eine keynesianische Förderpolitik für Unternehmen. Und dieses Aufstockenmüssen eine Entmündigung vieler Bürger – neben einem Preisverfall auch für qualifizierte Tätigkeiten, die auch den Binnenmarkt wieder schwächen. Eine Abwärtsspirale: Erst werden die südeuropäischen Kunden kaputtgespart, dann die eigenen. Noch finanzieren die Sozialsysteme Kurzarbeit und Aufstockung und das Ersparte der Bürger das eine oder andere Schicksal nach dem Herausdrängen aus dem Arbeitsmarkt. (Und Steuergelder überhaupt unsere aufwändige Infrastrukur und Großindustrie-Förderung.) Die Ist-Zahlen verschleiern die Entwicklung. Was Unternehmen betrifft: Zu “Mittelstand” zählen Firmen mit 500,..1000 Mitarbeitern, “Handwerksbetriebe” haben oft 50 und mehr Mitarbeiter. Die Konzentration ist hier bereits weit fortgeschritten – mit Pleiten werden viele, viele arbeitslos. Eine vorausschauende Politik würde versuchen, die Arbeitsmöglichkeiten auch in der Produktion wieder auf eine breitere Basis zu stellen. Technisch wäre das problemlos möglich – es fehlt aber die Erkenntnis und der Wille, leider bei allen Parteien. Und daher würde ich gerne auf die Form von Keynesianismus einer Merkel-Steinbrück-Regierung verzichten.

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