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Advent

Es gibt viele Gründe für den Aufstieg des Christentums zur beherrschenden Konfession auf diesem Planeten, und nicht alle lassen die Christen in einem guten Licht erscheinen. Aber selbst Gegner des Christentums – und Atheisten, denen konfessionelle Streitigkeiten wurst sind, sowieso – müssen zugeben, dass das Christentum mit dem Bild des Kindes in der Krippe etwas einmalig Anrührendes und Wahres in die Welt gesetzt hat.

Natürlich sind Muttergottheiten und Götter, die als Kinder geboren werden, um als Erwachsene für die Gemeinschaft der Gläubigen zu sterben, im Mittelmeerraum keine Seltenheit. Aber die spezifischen Umstände dieser Geburt, wie sie von den Evangelisten geschildert werden, sind einmalig: Die junge Mutter, die zunächst von ihrem Verlobten der Untreue verdächtigt wird; die beschwerliche Reise nach Bethlehem; die Geburt in einem Stall, weil kein Raum in der Herberge ist; die Verkündung an die Hirten; die Flucht nach Ägypten.

Das Christentum hat mit dieser Ikonographie, die noch bei Paulus, also bei den frühesten christlichen Texten, überhaupt keine Rolle spielt, eine soziale Botschaft in die Welt gesetzt, die seitdem nicht verschwindet: Gott ist nicht auf der Seite der Herrscher, sondern auf der Seite der Armen und Unterdrückten; er wohnt nicht bei den Reichen, sondern bei den Armen; als er wählen konnte, wo er zur Welt kommt, entschied er sich nicht für die Kaiserfamilie, sondern für eine junge Frau aus einer Provinzstadt, die an einen Bautischler oder Steinmetz verheiratet worden war.

Wie ausgerechnet diese Religion, mit dieser so klaren Botschaft der Armut, zur Ideologie römischer Kaiser, feudaler Könige, moderner Kapitalisten und konservativer Politiker werden konnte, ist mir ein Rätsel. Das Leben des Rabbi Jesus, wie es in den Evangelien erzählt wird, ist jedenfalls, vom Anfang im Stall bis zum Ende am Kreuz, eine einzige Anklage gegen die Selbstgerechtigkeit der Erfolgreichen, gegen die Bigotterie der Verklemmten, gegen die Gesetzestreue der Furchtsamen, gegen geordnete Familienverhältnisse und Respekt vor dem Eigentum, gegen das bürgerliche Leistungsprinzip und die innerweltliche Askese.

Die Christen mögen glauben, und ich habe dieses Argument aus christlichem Munde gehört, dass sie die Welt zwar nicht ändern können, dass die Welt aber ohne ihre ständige Erinnerung an das Vorbild des Mannes aus Nazareth noch schlechter wäre, weil der Reichtum noch ungleicher verteilt, die Überheblichkeit der Oberen und der Hass gegen die Andersartigen noch unerträglicher wäre und die Herrschaft der Mächtigen noch gewissenloser ausgeübt würde.

Aber das ist, vom Papst abwärts, Selbstbetrug, Beruhigung eines Gewissens, das ständig rebellieren müsste gegen die Welt, wie sie ist, und vor allem gegen das, was von den Pharisäern unserer Zeit aus dem Bild des Kindes in der Krippe gemacht wird.

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265 Gedanken zu “Advent;”

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    @ Angelika Merkel

    Nate Silver imponiert mir. Und Sie haben sicher mehr Erfahrung in statistischen Verfahren als ich alter Esel. Allerdings: ich hänge beileibe keinem traditionellen Frauenbild an. Ich war immer mit Frauen zusammen, die, um es absichtlich falsch zu sagen, ihren Mann stehen wollten … Ich hatte nie etwas gegen sich emanzipierende Frauen. Das war und ist ein trial and error Prozess.

    Ich wünsche Ihnen viel Vergnügen in der Weiterentwicklung der K.I., einem sehr interessanten Forschungsfeld.

    Nachtäglich gebe ich Ihnen recht mit Ihrer Kritik an meiner Verwendung des Normalitätsbegriffs. Sie sollten jedoch versuchen, die 3. Reich-Keule außen vor zu lassen. Man diskutiert dann entspannter.

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    @Lyoner

    sorry, da habe ich mich mit dem Duzen versehen!

    Was den nickname betrifft, mit dem Vornamen haben Sie recht.
    In Wahrheit heiße ich Angelika.

    Und der Nachname Merkel ist korrekt, leider wußten die Eltern meines Mannes nicht, dass in Deutschland eines Tages eine Merkel Bundeskanzlerin wird.

    Da meine Schwiegereltern Fußballfans sind und mehr oder weniger um drei Ecken mit österreichischen Fußballtrainer Max Merkel verwandt sind,war man bislang immer noch stolz auf den Familiennamen und es wird auch immer wieder betont, dass keine Verwandtschaft jeglicher Art zu Angela Merkel besteht.

    Um noch einmal zu Ihrem systematischen bias zu kommen, ich frage mich schon ob aus Ihrem sehr traditionellen Frauenbild heraus Sie nicht auch die Rolle der Frau im 21. Jahrhundert falsch einschätzen.

    Und was Ihre Befürchtungen bezüglich der K.I. betrifft, da kann ich Sie beruhigen.

    Da Sie sich ein wenig oder viel in der Statistik auskennen empfehlen ich Ihnen Nate Silver dessen Methoden wir in unserem Arbeitsbereich anwenden:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Nate_Silver

    http://en.wikipedia.org/wiki/PECOTA

    Ob das umhereiert mag ich angesichts der erzielten Resultate bezweifeln.

    Aber vielleicht kennen Sie andere Algorithmen, die bessere Auswertungen erbringen.

    Es grüßt Sie herzlich

    Angela (Angelika) Merkel

  3. avatar

    @ Angela Merkel,

    ich habe Sie nirgendwo geduzt (oder können Sie mir eine Stelle zeigen?); wenn sich allerdings jemand den nickname “Angela Merkel” gibt, erlaube ich mir ohne vorhergehende Rückfrage, dieses Frauenzimmer mit “Angie” zu necken. Albernheiten wie “Sehr geehrte Frau Dr. Merkel” erspare ich mir. Können Sie sich auch.

    Alles andere, was Sie hier schreiben, ist ebenso “daneben”, mit einem systematischen bias verzerrt. Ich befürchte, dass die K.I., wenn Sie sie programmieren, ebenso umhereiert.

  4. avatar

    Sehr geehrter Herr Lyoner,

    da Sie aus einer anderen Generation stamme als ich, bin ich schon ein wenig überrascht, dass Sie mich schon jetzt mit Angie ansprechen.

    Ich wüßte nicht dass ich Ihnen bereits das Du angeboten habe.

    Aber so ist das eben, alte Formen predigen, aber sich im Alltag nicht daran halten.

    Und was Ihre Frage nach dem Pamphlet betrifft:

    Ja ich kenne den Begriff

    Ja und ich kenne Oberlehrer wie Sie

    Nur zur Erinnerung: Ihre Textpassage

    “Alan Posener und Ihnen empfehle ich den 68er Klassiker “Der eindimensionale Mensch” von Herbert Marcuse (http://www.amazon.de/Der-eindi…..3472610042), insbesondere die Kapitel über die repressive Entsublimierung zu lesen, um die Wegstrecke zu ermessen, die wir seit damals zurückgelegt haben. Die permanente Kulturrevolution von Posener und den seinen: die Verhöhnung des Familienvaters (pater familias) als spießig und die Heroisierung der Un-Normalen, der Extremkletterer, der Metrosexuellen, der Hedonisten, der Konsumenten und einigem schiachen mehr (schiach, aber sexy).”

    Was Ihren Begriff Un-Normale betrifft, Bezug auf Herrn Posener:

    #Und wenn ich lese Heroisierung von Un-Normalen..

    Dann geht mir ein Schaudern den Rücken herunter.

    Gab es nicht im 3. Reich auch Un-Normale?

    Was mit denen geschah habe ich ich vor Ort und in den Schulbüchern nachvollziehen können.#

    weichen Sie leider einer direkten Stellungnahme aus.

    Und wenn es nicht die berufstätigen Frauen sind die Sie als Un-Normale beschreiben, dann vielleicht die Schwulen und die Lesben??

    Oder gibt es noch andere Zielgruppen?

    Und noch ein kurzer Kommentar, bevor ich mich meinen Kindern widme,

    “Ihr Bias kommt sicherlich daher, dass Sie einer eher anekdotischen Welterklärung anhängen, mit statistischen Befunden wenig anfangen können. Nun, das können die wenigsten Frauen, aber auch nicht die Mehrheit der Männer.”

    Ich kann Sie beruhigen, ich habe Mathematik studiert und arbeite derzeit im Bereich K.I.

    Und ich würde Ihnen empfehlen das Kaffesatzlesen doch zu unterlassen, wenn Sie per se Frauen und auch Männer zu unterstellen, dass die wenigsten mit statistischen Befunden wenig anfangen können.

    Ich weiß nicht welchen Algorithmus Sie bei dieser Analyse eingesetzt haben.

    Ihr eigener ” genetischer Algorithmus ” ???

    Nur zur Ihrer Kenntnis:

    Der erste für einen Computer gedachte Algorithmus wurde von Ada Lovelace entwickelt.

    Ihr Satz:

    #Damit mir niemand dumm kommt#

    auch wenn aus dem Zusammenhang gegriffen, trifft auch Ihre Aussagen zu:

    Ihnen braucht keiner dumm zu kommen, weil Ihre Argumentation ist letztlich dumm.

    Weil Ihre Vielfalt leider eine Stammtischeinfalt ist:

    Der Spießer sind leider Sie.

    Ich hoffe nur, dass sich Ihre Kinder rasch vom Spießerpapa abnabeln.

    P.S. Und denken Sie bitte daran, auch im Web gibt es Sekundärtugenden und eine Netiquette

    P.S.Und was haben Sie eigentlich gegen sex, drugs and rock´n roll?

    Ich gehöre nicht zur Generation Pink Floyd, den Beatles und den Rolling Stones, höre sie aber sehr gerne ebenso wie auch Mozart, Bach und Bartok, wie auch Henze, Grisey, Schönberg, Boulez, Nono oder auch Stockhausen.

    Ich weiß die Geschmäcker sind verschieden, aber letztlich ist es die Vielfalt die unser Leben ausmacht, so wie ich bei meinen Kindern auch Unterschiedlichkeiten entdecke.

    Und irgendwie habe auch etwas Mitlied mit Ihnen wenn Sie jetzt schon Ihre Bestattung planen.

    Sind Sie schon so alt, dass nur noch ein paar Jahre zu leben haben?

    Sie kennen doch sicherlich carpe diem.

    Schreiben Sie Ihren Bestattungswunsch in Ihr Testament und geben es beim Notar ab und leben Sie das Leben.

    Ich wünsche Ihnen noch einen schönen 2. Weihnachtstag mit Frau und Kindern

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    @ Angela Merkel

    Hier ein wunderbares Beispeil der Zusammenarbeit zwischen Mann und Frau. Mann und Weib und Weib und Mann reichen an die Gottheit ran: http://videos.arte.tv/de/videos/w-a-mozart-grosse-messe-in-c-moll–7141924.html

    Das ist die Verklärung des natürlich Schönen bei Instrumentalisten und SängerInnen. Verzückt bin ich von der Sopranistin Julie Fuchs mit ihrem göttlichen Dekolleté. La Luna Divina. Nicht wage ich mir eine liebende Umarmung, einen Kuss vorzustellen, ich vergehe … Da ist ein Abyss zwischen dieser Verklärung und dem Sumpf von sex, drugs and rock´n roll mit der gewollten Apotheose des Schiachen. Damit mir niemand dumm kommt: I was a punk before you were a punk.

    @ Parisien

    Ich muss gestehen, dass ich ein Bach- und ein Mozart-Christ bin, wenn deutsche Inbrunst der semitischen Wüstenreligion in ihrem römischen Bearbeitung einen Klang gibt. Unglaublich, wie papagenohaft Mozart das Credo intoniert. Bisher hatte ich als Favoriten für meine vorgestellte Bestattung das Lied der Erde (Kathlyn Ferrier und Bruno Walter) sowie die Altrhapsodie von Brahms; jetzt muss das Credo noch dazukommen.

  6. avatar

    @ Angela Merkel

    Liebe Angie, ich freue mich immer, wenn ich vernehme, dass jemand eine halbswegs normale Familie lebt – und sie genießt, sei´s an einem südlichen Pool oder im Spa.

    Ich habe auch gar nichts gegen berufstätige Ehefrauen, ganz im Gegenteil, das halte ich nicht für un-normal. Keiner außer Ihnen würde mich hier so fehlinterpretieren. Ich finde es schön und befriedigend, wenn sich auch die Herren der Schöpfung um ihre “Blagen” kümmern. Ihr Bias kommt sicherlich daher, dass Sie einer eher anekdotischen Welterklärung anhängen, mit statistischen Befunden wenig anfangen können. Nun, das können die wenigsten Frauen, aber auch nicht die Mehrheit der Männer. Wissen Sie, was ein Pamphlet ist?

    Im übrigen hätte ich nichts dagegen, wenn ich auf die Rote Liste des Artenschutzes gesetzt würde.

  7. avatar

    @ Roland Ziegler

    wenn wir uns auf Buschkowsky einigen können, haben wir eine große Schnittmenge. Ich frage allerding, bis zu welcher Größenordnung des Problems unser Gemeinwesen die nötigen Reperaturen sich “leisten” kann.

  8. avatar

    Ich sitze gerade am Swimmingpool, genieße, dass mein Mann sich um unsere Blagen kümmert.

    Und ich lese, gerade den Artikel im Spiegel:

    Das Ende der Feudelgesellschaft:

    http://www.spiegel.de/politik/deutschland/immer-weniger-frauen-werden-hausfrau-a-872694.html

    Wenn ich mir den Beitrag von Herrn Lyoner anschaue:

    “Alan Posener und Ihnen empfehle ich den 68er Klassiker “Der eindimensionale Mensch” von Herbert Marcuse (http://www.amazon.de/Der-eindi…..3472610042), insbesondere die Kapitel über die repressive Entsublimierung zu lesen, um die Wegstrecke zu ermessen, die wir seit damals zurückgelegt haben. Die permanente Kulturrevolution von Posener und den seinen: die Verhöhnung des Familienvaters (pater familias) als spießig und die Heroisierung der Un-Normalen, der Extremkletterer, der Metrosexuellen, der Hedonisten, der Konsumenten und einigem schiachen mehr (schiach, aber sexy).”

    dann muß ich Herr Parisien um Verzeihung bitten, dass ich ihn mit meinen Angriffen so frontal begegnet bin.

    Herr Lyoner, als Stammtischreaktionär, gebührt der erste Rang.

    Und wenn ich lese Heroisierung von Un-Normalen..

    Dann geht mir ein Schaudern den Rücken herunter.

    Gab es nicht im 3. Reich auch Un-Normale?

    Was mit denen geschah habe ich ich vor Ort und in den Schulbüchern nachvollziehen können.

    Man kann nur hoffen, dass der Nachwuchs von Herrn Lyoner nicht auf den gleichen Gleisen fährt.

    Viele Grüße von einer Un-Normalen berufstätigen Ehefrau im Alter von 32 Jahren , glücklich verheiratet mit zwei Kindern, die froh darüber ist dass Personen wie Herr Lyoner, die sich hier so outen, hoffentlich bald im Zoo betrachtet werden müssen, da sie auf die rote Liste des Artenschutzes gesetzt wurden.

  9. avatar

    Ich wünsche allen Bloggern ein schönes Weihnachtsfest:

    Weihnachten

    Liebeläutend zieht durch Kerzenhelle,
    mild, wie Wälderduft, die Weihnachtszeit.
    Und ein schlichtes Glück streut auf die Schwelle
    schöne Blumen der Vergangenheit.

    Hand schmiegt sich an Hand im engen Kreise,
    und das alte Lied von Gott und Christ
    bebt durch Seelen und verkündet leise,
    dass die kleinste Welt die größte ist.

    von Ringelnatz

  10. avatar

    Lieber Roland Ziegler,

    da Sie ein besserer Whiskykenner als ich sind:

    Nur ein kleiner Hinweis eines Laien:

    “Ansonsten liebe ich den einfachen und günstigen Laphroiaq”

    Es gibt auch sehr teuren Laphroiaq.

    Und die boys achten zumeist nur auf das Preisschild!!!

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    Lieber Lyoner,

    “Nun Wagner hat mit seinem Schreiben an Franzi von Almsick schon vor einem Jahrzehnt auf die falschen Prios unserer Gesellschaft hingewiesen “…

    Ob der Herr Wagner der Maßstab für die Einschätzung unserer Gesellschaft sein soll.

    Wenn ich mir oberflächlich den wiki Artikel zu Wagner anschaue, entdecke ich den Satz der taz:

    „Er gilt als cholerisch, viril, impulsiv, reaktionär, hysterisch, zynisch, chaotisch, mithin unerträglich.

    da bin ich doch sehr von Ihrer intellektuellen Vogelschau enttäuscht.

    Suchen Sie sich in Ihrer Argumentation doch bessere Zeugen.

    Und zu “Nicolás Gómez Dávila” ich werde einmal nachlesen was diesen Zeitzeugen betrifft.

    Zu Ihren anderen Themen nach Weihnachten mehr.

    Ich wünsche Ihnen ein schönes Weihnachtsfest.

    P.S. Ich habe den Whisky nicht heruntergeschüttet, sondern mit dem Wort nur meine Kritik an Ihrer etwas cruden Diskussion geäußert.

  12. avatar

    @ Silke

    Oui, oui, Silké, mit Artikel ist alles anders. Sagte ich ja auf deutsch. The great God in who we all believed (once upon a time) knows that grammar’s difficult.
    Silké, pour vous:
    Sie dürfen dafür eine Gottheit sein 😉

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