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                                                        Müssen  Lehrer Beamte sein?                                                            

Kurz nach den Sommerferien berichteten Berliner Zeitungen von einem  befremdlichen Schauspiel an einem Berliner Gymnasium. Elf  Lehrkräfte, darunter auch Mitglieder der Schulleitung, hatten sich am ersten Tag des neuen Schuljahres krank gemeldet, um durch den Boykott des Unterrichts die Schulleiterin, der sich Unfähigkeit vorwerfen, zum Rücktritt zu zwingen. Die Aufregung bei Eltern, Schülern und beim Schulamt war groß. Die Schulbehörde setzte zwei Mediatorinnen ein, die die Konflikte lösen sollten. Gleichzeitig wurden die „erkrankten“  Lehrer zum Amtsarzt zitiert.
An diesem Vorfall  kann man exemplarisch ablesen, wie der ideelle Kern des  Beamtenstatus,  Diensttreue und Pflichtgefühl,   bei einem Teil der  Staatsdiener  erodiert ist. Zugleich  erlaubt  er auch einen Einblick in das Selbstbild, das diese Lehrer   von sich als Pädagogen haben.  Eine  fälschliche  Krankschreibung ist zu allererst  ein Verstoß gegen das Beamtenrecht. Es ist  aber auch eine pädagogische Bankrott-Erklärung. Lehrer nehmen ihre Schüler,  die ihre Schutzbefohlenen sind, als Geiseln, um auf ihrem Rücken ihre persönlichen  schulpolitischen Ziele auszufechten. Eine getürkte Krankschreibung ist zudem unfair gegenüber den Kollegen, denen man zumutet, für sie den Unterricht zu vertreten. Schüler und Kollegen werden für ein Problem   instrumentalisiert, für das sie keinerlei Verantwortung tragen, das  sie auch gar nicht lösen können. Die Pflichtvergessenheit wird besonders schlimm,  wenn man bedenkt, dass es der erste Schultag nach den großen Ferien war. Die Grundschüler freuten  sich auf  ihren ersten Tag am Gymnasium  und wurden  von ihren „Pädagogen“ im Stich gelassen.
Der Beamtenstatus für Lehrer stammt aus einer Zeit, als der Obrigkeitsstaat noch in autoritärer Weise über zentrale Bereiche der Gesellschaft bestimmte. Bestimmte Kernaufgaben sollten – als hoheitliche Akte deklariert – dem Parteiengezänk und den gesellschaftlichen Interessenkämpfen (Streiks) enthoben sein. Den damit betrauten  Personen,  Staatsdiener genannt, verlieh man einen besonderen Status, den des  Beamten.  Dazu zählten  Militär, Polizei, Zoll, die Richter und eben auch die Lehrer. Bis heute gilt:  Der Beamte soll seine ganze Kraft der Aufgabe widmen, die ihm anvertraut ist. Dafür bekommt er eine lebenslange Alimentierung durch den Dienstherrn, den Staat. Der Einschränkung gewisser Grundrechte, z.B. des Streikrechts, stehen durchaus üppige Privilegien gegenüber: eine lebenslange, unkündbare  Anstellung, im Krankheitsfall die volle Weiterzahlung des Gehalts. Heutzutage muss man den Eindruck gewinnen, dass es Lehrer gibt, die  den Beamtenstatus als Einbahnstraße  missverstehen. Die Privilegien begreifen sie  als selbstverständlichen Besitzstand, bei der Gegenleistung, Pflichtgefühl und Diensttreue, drücken sie allzu gerne ein Auge zu.  Vielleicht liegt die lasche Dienstauffassung daran, dass viele Lehrer den Kontakt zum wirklichen Leben außerhalb des „Kosmos Schule“ verloren haben. Von der Schulbank ins Studium und danach ans Lehrerpult. So sieht der typische Werdegang eines Lehrers aus.  Vom rauen Wind eines freien Arbeitsverhältnisses hat er keine Ahnung.
Der Beamtenstatus der Lehrer wurde schon mehrfach in Frage gestellt. Vor allem wurde bezweifelt, dass  in unserer Dienstleistungsgesellschaft  das Unterrichten in der Schule noch als hoheitliche Aufgabe zu verstehen sei. Es würde reichen, wenn die Direktoren, die für die Prüfungen die Verantwortung tragen, Beamte blieben.  Bis auf Berlin halten freilich  alle Bundesländer am Beamtenstatus für alle Lehrer fest. Neben wahltaktischen Gründen – in Deutschland gibt es 785 000 Lehrer – ist es vor allem der Blick auf andere europäische Länder, der bei den Parteien die Lust dämpft, Lehrer künftig nur noch als Angestellte zu beschäftigen. In Frankreich gehören die beiden Lehrergewerkschaften FEN (Fédération de l’éducation nationale) und FSU () zu den streikfreudigsten und radikalsten Gewerkschaften im Lande. Viele Lehrer pflegen ihre Streikromantik und zeigen ihren Enkeln stolz ihre abgewetzte  Kampfmontur. Auch in Italien und Spanien legen Lehrerstreiks in periodischen Abständen  den Unterricht lahm. Wer einen verlässlichen Schulbetrieb mit wenig Unterrichtsausfall möchte, findet im Beamtenstatus durchaus ein gutes Argument.

Anders sieht es aus, wenn man das Problem aus pädagogischer Sicht betrachtet. Alle Lehrer einer Schulform bekommen in einem Bundesland das gleiche Gehalt. Leistungsaspekte spielen keine Rolle. Wer Klassenfahrten unternimmt, Schulfeste organisiert und am Nachmittag Arbeitsgemeinschaften betreut, macht das aus rein  pädagogischem Antrieb. Auf eine materielle Besserstellung gegenüber den Kollegen, die Dienst nach Vorschrift machen, kann er nicht hoffen. Hieran zeigt sich, dass dem Beamtenrecht  das Leistungsprinzip  fremd ist.  Einige Versuche der Schulverwaltungen, geringe Leistungskomponenten in die Besoldung einzubauen, sind am Widerstand der Berufsverbände gescheitert. Sie wollen auch die weniger motivierten Lehrer nicht als Mitglieder verlieren.

Die Privatschulen machen es vor, wie es auch ohne Beamtenstatus gelingt, gute und verlässliche pädagogische Arbeit abzuliefern. Alle Schulen in freier Trägerschaft – seien es Waldorf-Schulen, Landerziehungsheime oder konfessionell gebundene Schulen – beschäftigen Lehrer nur im Angestelltenverhältnis. Dies ermöglicht es ihnen, Probezeiten festzulegen, innerhalb derer die Kandidaten sorgfältig überprüft werden können. Sollte es sich herausstellen, dass eine Lehrkraft den Anforderungen nicht genügt, kann sie unter Einhaltung der üblichen Fristen gekündigt werden. Gute Lehrkräfte werden durch Funktionsstellen und Gehaltszulagen an die Schule gebunden.

Lehrer als Angestellte müssen nicht immer streikwütig sein. Das zeigt das Beispiel der skandinavischen Länder. In  Dänemark hat sich  die  Qualität der Lehrer schlagartig verbessert, als der Beamtenstatus   abgeschafft wurde.  Unfähige Lehrer  konnten jetzt  entlassen werden. Für Lehrer, die mit ihrem Beruf unglücklich waren, war der Absprung leichter, weil sie nicht länger durch den privilegierten Status des Beamten korrumpiert wurden. Von einer Zunahme der Lehrerstreiks ist nichts bekannt. In Schweden wurde der Beamtenstatus für Lehrer ebenfalls abgeschafft. Gleichzeitig wurde den Schulen eine große Eigenverantwortung übertragen: Sie genießen volles Budgetrecht und die Personalhoheit. Wenn sie  Lehrer  einstellen, ist das Gehalt Verhandlungssache. Für unsere Verhältnisse klingt das nach Utopia.
Der Beamtenstatus wird in Deutschland nicht zu kippen sein. Zu mächtig ist die Beamten-Lobby in Regierung, Parlament und Berufsverband.   Deshalb bleibt nur die „Optimierung im System“. Der Lehrerberuf muss  so attraktiv gemacht werden, dass sich  die besten akademischen Köpfe für diesen schönen Beruf  entscheiden. Voraussetzung wäre eine leistungsgerechte Besoldung.   Die skandinavischen Länder haben den Lehrerberuf durch eine Besten-Auslese attraktiv gemacht. Wie die NASA die besten Astro-Physiker der ganzen Welt an sich bindet, suchen die Skandinavier für den Lehrerberuf mit Hilfe eines Numerus Clausus  die besten Akademiker aller Fächer. Dieses elitäre Ausleseprinzip hat den Beruf so aufgewertet, dass es in diesen Ländern  eine Ehre ist, Lehrer werden zu dürfen. Entsprechend hoch ist die Wertschätzung in der Öffentlichkeit. Wenn es zu viele  Bewerber gibt, werden Wartelisten aufgelegt. Die Bewerber nehmen lange Wartezeiten in Kauf.  Keinem  Aspiranten  würde es einfallen, sich von dieser „Liste der Ehre“ streichen zu lassen. Vielleicht hat die gute PISA-Platzierung dieser Länder etwas mit der Wertschätzung zu tun, die den Lehrern  vom Staat und den Bürgern entgegengebracht wird.

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13 thoughts on “                                                        Müssen  Lehrer Beamte sein?                                                            

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    @Lyoner

    Bolz treibt wieder einmal eine anders gefärbte Sau durch das Dorf.

    Gab es nicht einmal in den Anfangszeiten des deutschen Fernsehens eine Ratesendung mit der Frage:

    Welches Schweindl hätten sie denn gerne

    Nach dem Teamgeist beschwört er heute wieder die Feuerzangenbowle…

    Übermorgen ist es wieder der Teamgeist aber sprachlich verändert durch den bullshitgenerator

    http://homepageberatung.at/con...../index.php

    Hier etwas Aufgespießtes aus dem wiki zu Bolz:

    “Robin Meyer-Lucht bewertete seine Essays als „Konvolute voller Buzzwords …, die hilflos nach Sinn ringen“,”

    “Die emotionale Bindung an den Reichtum macht den Konsumismus zu einem Immunsystem der Weltgesellschaft gegen fanatische Ideologien. Konsum liefert Anerkennung und Bedürfnisbefriedigung, die so aus einer abstrakten Rechtsordnung oder aus Krieg nicht möglich sind. Waren liefern einen „spirituellen Mehrwert“. Sie bieten über die Ästhetik hinaus Freiheit, Geborgenheit, Gesundheit, Individualität, Liebe und Sinn. Bolz geht so weit, dass er es für möglich hält, dass über den Konsum interkulturelle Wertedifferenzen überwunden werden können.”

    “In einem Artikel der FAZ vom 22. Februar 2003 spricht sich Bolz unter Bezugnahme auf den Wirtschaftswissenschaftler Gary S. Becker gegen die Berufstätigkeit der Frauen und zu leichte Ehescheidung aus”

    Jetzt verstehe ich besser seine Sehnsucht nach der Feuerzangenbowle und den guten alten Zeiten!!

    http://de.wikipedia.org/wiki/Norbert_Bolz

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    noch ein Nachsatz hierzu:

    “Elf Lehrkräfte, darunter auch Mitglieder der Schulleitung, hatten sich am ersten Tag des neuen Schuljahres krank gemeldet, um durch den Boykott des Unterrichts die Schulleiterin, der sich Unfähigkeit vorwerfen, zum Rücktritt zu zwingen.”

    Wenn Personal, wie hier die 11 Lehrkräfte, es als einzige Möglichkeit ansehen, die mangelhafte Leistung der Führung durch eine ” Boykott ” in die Öffentlichkeit zu bringen, dann wirft dies doch ein bezeichnendes Bild auf das Management, in diesem Fall die Schulbehörde, die selbst nicht in der Lage ist hier einzugreifen.

    Wenn unser Oberstudienrat hier die Lehrer an den pranger stellt, ob berechtigt oder nicht, lasse ich einmal außen vor, unterstreicht dies doch seine (Un-)Kenntnis von Personalführungsprozessen.

    Dass Mediatoren erst dann eingesetzt werden, wenn das Kind bereits in den Brunnen gefallen ist, beweist letztlich auch ein totales Versagen des Managements.

    Unfähige Schuldirektoren gehören genauso abgelöst, wie Schullehrer.

    M.E. noch eher als einzelne Lehrer.

    Aber diese Perspektive ist einem Oberstudienrat verwehrt, weil er den rauhen Wind der freien wirtschaft nie gespürt hat.

  3. avatar

    Korrektur:

    Damit hier nicht wieder der Begriff:

    Nazischreibkorrektur unseres ” blöden Hans ” (O-Ton: Alan Posener)erscheint:

    Frage an unseren Oberstudienrat.

  4. avatar

    Frage an unser Oberstudienrat.

    Haben Sie Ahnung vom rauen Wind eines freien Arbeitsverhältnisse?

    Was Sie bislang hier an ” Erfahrungsberichten ” z.B. zur freien Wveröffentlicht bestätigt doch letztlich doch diese Aussage von Ihnen:

    Von der Schulbank ins Studium und danach ans Lehrerpult. So sieht der typische Werdegang eines Lehrers aus. Vom rauen Wind eines freien Arbeitsverhältnisses hat er keine Ahnung.

    Da halte ich mich doch lieber an die Aussage von KJN:

    “Gut bezahlte Lehrer als Angestellte mit klarer Arbeitsplatzbeschreibung in Verbindung mit zentral festgelegten Prüfungsinhalten in allen Schulabschlüssen.”

    “Meine Vorschläge würden Lehrerdepression und Schülerlangeweile verhindern helfen, aber sie sind utopisch: Jedenfalls solange, wie profilneurotische Schreihälse in Politik und Wirtschaft “Hochleistungsschulen”, “Hochleistungsuniversitäten”, “die Besten der Besten”, “bessere Ausstattung”, “Superlehrer”, “leistungsgerechte Bezahlung” usw. usf. die Emotionen steuern.”

  5. avatar

    Lieber Roland Ziegler!
    Da muss ich lachen: “Nur muss ich Ihnen leider mitteilen, dass das sozialistisch ist. “Schulkleidung”. Das ist doch Gleichmacherei?”

    Da haben Sie recht.
    Ich finde das deswegen klüger, weil Jugendliche noch nicht so weit sind, dass sie sich über Äußerlichkeiten zum Tonangeben hinwegsetzen würden. Man muss Jugendliche somit davor schützen. Tonangeben sollte die Klugheit, die alle Mitschreiber hier versuchen, zu erarbeiten, was diesen Blog interessant macht, wo das Interesse an Klugheit oder besseren Lösungen, gefördert von Frau Heckel – selbst quotenlos! klug – unsere Schulkleidung sein dürfte, auch wenn man mal abdriftet.

  6. avatar

    @Parisien: Wenn man eine Durststrecke zu absolvieren hat, ist Saufen eben angesagt. Kein Alkohol ist eben auch keine Lösung. Was Sie hier sagen, ist ja im Gegensatz zu dem, was Sie an anderer Stelle sagen, durchaus richtig. Nur muss ich Ihnen leider mitteilen, dass das sozialistisch ist. “Schulkleidung”. Das ist doch Gleichmacherei?

  7. avatar

    @ KJN
    Die Lehrer schieben Versagen meistens auf Schüler und Eltern, weil sie als Beamte wenig Gesellschaftskritik üben dürfen. Unter der Hand sagen sie, dass es Klassen gibt, die man nicht managen kann, dann, wenn sich ein größerer, tonangebender Prozentsatz nur noch für Kleidung, Computerspiele, Events und Vergnügen, kurz, alles was cool ist, interessiert. Unter der Hand ist es ein Gesellschaftsproblem. Den Youngstern dagegen ist nicht klar, dass alles, was cool ist, Geld kostet und dass sie dafür erstmal eine Durststrecke absolvieren müssen. Keiner bringt es ihnen bei. Und Saufen ist auch angesagt. Solange das so bleibt und keiner einschreitet, weil man damit so gut Geld bei Eltern abschöpfen kann, besteht Gefahr, dass der Bildungsstandard immer weiter sinkt. Und das ist kein muslimisches Problem, sondern ein westliches.
    Die Lehrerschaft müsste stärker dagegen einschreiten. Außerdem war ich immer für Schulkleidung, um diese Methode des Tonangebens über Outfit aufzulösen.
    Außerdem bin ich dafür, dass sowohl potentielle Schulkleidung als auch Schulbücher und Schulspeisung nur für die bezahlt werden, die das nicht stemmen können. Als ich das letzte Mal in der National Gallery war, stellte ich fest, dass man keinen Eintritt zahlen musste. Deswegen war die NG auch leer. Die Leute schätzen nur, was bezahlt werden muss oder wovor sich eine Schlange bildet. Sie sind inzwischen zugehyped.

  8. avatar

    @KJN: Sie sagen es. Der beste Mathematikstudent soll doch nicht Mathematiklehrer werden; der soll Mathematiker werden. Mathematiklehrer ist etwas ganz anderes als Mathematiker. Der beste Student im Fach Lehramt für Mathematik – DER soll Mathemtiklehrer werden. Dass man das ausgerechnet einem Lehrer erklären muss…

  9. avatar

    @Rainer Werner
    “der besten akademischen Köpfe”
    Wer soll das sein?
    Der geniale Mathematiker und Naturwissenschaftler? Das Sprachgenie? Der Betreuungsprofi mit überquellendem mütterlichem /väterlichem Herz und Schwerpunkt auf Soial- und Gruppendynamik? Die eierlegende Wollmilchsau?
    Der “Kosmos Schule” zeichnet sich vor allem dadurch aus, daß er sich durch die andauernden Optimierungsversuche der Schulbürokratie zu einem merkwürdigen Schonraum verkommen ist, wo mittels medienverliebter Materialschlacht vergeblich versucht wird, gegen die zahlreichen Events und Medienspektakel außerhalb der Schule anzukämpfen.
    Wenn mir ein gestandener Schulleiter (privat) versichert, daß “Unterricht” keineswegs der Schwerpunkt der Tätigkeit sehr vieler oder der meisten Lehrer ist, dann frage ich mich schon, wieso das zu vermittelnde jahrhundertealtes Wissen ständig in den Schulen, die überdies ja jetzt alle gegeneinander konkurrieren sollen, z.B. in Fachkonferenzen ständig neu aufbereitet werden soll.
    Kann sein, daß genau das eine Folge der Verbeamtung von Lehrern ist, aber solange Bildung Ländersache ist, wird sich an der Unterrichtverhinderungsbürokratie auch nichts ändern. Gut bezahlte Lehrer als Angestellte mit klarer Arbeitsplatzbeschreibung in Verbindung mit zentral festgelegten Prüfungsinhalten in allen Schulabschlüssen.

    Meine Vorschläge würden Lehrerdepression und Schülerlangeweile verhindern helfen, aber sie sind utopisch: Jedenfalls solange, wie profilneurotische Schreihälse in Politik und Wirtschaft “Hochleistungsschulen”, “Hochleistungsuniversitäten”, “die Besten der Besten”, “bessere Ausstattung”, “Superlehrer”, “leistungsgerechte Bezahlung” usw. usf. die Emotionen steuern.
    Solange die Schule nicht in der Lage ist, einen Kontrapunkt zur allgemeinen Spaß- und Eventkultur zu setzen, wird das nix mehr.
    Wie meinte der einst ungehorsame Schüler Albert Einstein? Probleme kann man niemals mit derselben Denkweise lösen, durch die sie entstanden sind.

  10. avatar

    @ Roland Ziegler
    “Diese Probleme lassen sich nur lösen, wenn man eine bundesweit einheitliche Regelung zentral trifft (auch wenn das hier wieder die Antizentralismus- bzw. Antisozialismusfraktion auf den Plan rufen wird).”

    Nö. Der Antisozialismusfraktion geht es um die Rechte des Individuums. Hier geht es um Bürokratie. Wenn eine bundeseinheitliche Regelung zur Folge hätte, das dadurch im Verwaltungsapparat einige Beamte wegfallen, bin ich sofort dafür.
    Ich wäre nur dagegen, wenn bundeseinheitlich dafür gesorgt würde, dass bayerische Schüler genauso schlecht würden wie Berliner Schüler. Und dagegen, dass durch Einheitsschulen potentielle Gymnasiasten genauso mittelmäßig werden wie der Rest.

  11. avatar

    Vielen Überlegungen kann ich zustimmen. Ihr Artikel liest sich allerdings so, als wären in unserem Land alle Lehrer Beamte, was bekanntlich nicht der Fall ist. In Berlin und in vielen Ost-Bundesländern wird nicht verbeamtet. Auch in anderen Bundesländern wird man nur dann verbeamtet, wenn man z.b. nicht zu fett ist. Das erzeugt zwei Probleme:

    1.) In den Lehrerzimmern sitzen Lehrer verschiedener Kategorie, Angestellte und Beamte, deren Arbeit sich durch nichts voneinander unterscheidet, deren Arbeitsbedingungen und Gehälter dagegen aber deutlich.

    2.) Da die Verbeamtung für die meisten Referendare attraktiver ist (mehr Nettogeld und bessere Alterssicherung), wollen sie sich verbeamten lassen. Dazu ziehen sie für die ersten Jahre ihres Berufslebens in ein anderen Bundesland (Niedersachen, Brandenburg, Schleswig-Holstein, NRW…) und lassen sich dort verbeamten. (Erinnert sich noch wer an die Werbekampagne zur Abwerbung von Junglehrern nach Rheinland-Pfalz, glaube ich: “Guten Morgen, Herr Lehrer!” ) Häufig ziehen sie danach wieder zurück in ihre nicht-verbeamtende Heimat, wo sie wegen Lehrermangel als Beamte eingestellt werden.

    Nun sollte niemand auf den Gedanken kommen, sich über das Verhalten dieser jungen Lehrer zu beschweren und sie irgendwie mit pseudoethischem Mumpitz zu gängeln. Unsere Gesellschaft sollte rationales Handeln honorieren, und dieses IST rationales Handeln. Diese Probleme lassen sich nur lösen, wenn man eine bundesweit einheitliche Regelung zentral trifft (auch wenn das hier wieder die Antizentralismus- bzw. Antisozialismusfraktion auf den Plan rufen wird). Entweder man verbeamtet alle oder keinen; auch ich bin für letzteres, allerdings unter der Bedingung, dass man das Arbeitsverhältnis angestellter Lehrer deutlich attraktiver macht.

    Einen NC braucht man nicht; das Lehramtsstudium plus Referendariat ist schon knüppelhart und unsinnig genug, und wir brauchen ja MEHR Lehrer, nicht weniger. Außerdem sollen sie gut sein und nicht im Referendariat verheizt werden. Deshalb ist eine Reform der Lehrerausbildung nötig.

  12. avatar

    Lieber Ex-Lehrer!
    Sie schreiben “Die Grundschüler freuten sich auf ihren ersten Tag am Gymnasium und wurden von ihren „Pädagogen“ im Stich gelassen.”

    Gott, ist das süß. Sie wissen selbst, dass die fröhlichsten Schüler bei hitzefrei zu sehen sind.

    Allenfalls freuen die sich auf ihre Freunde. Ich wette mit Ihnen, dass die meisten kichernd nach Hause gingen, weil sie wieder frei hatten. Bloß: da ist keiner, der die Tür aufmacht. Alle malochen. Alles zu teuer, ein Gehalt reicht nicht, was nun?

    Wir haben einen Lehrer von der Schule gezwungen. Wir gingen nicht mehr zum Unterricht, die ganze Klasse, Unterprima. Wie finden Sie das? Keiner hat sich krank gemeldet. Wir haben gestreikt. Geschlossen. Außer einem. Das war unser Streber, dem sonst nichts heilig war.

    “Der Beamtenstatus wird in Deutschland nicht zu kippen sein. Zu mächtig ist die Beamten-Lobby in Regierung, Parlament und Berufsverband.”

    Und vernetzt alle miteinander, eine Staatsmacht gegen Eltern und Schüler. Zurück zum Anfang: Deswegen wird auch nie einer gern zur Schule gehen.

    Und komisch, oft werden die Schlechteren wieder Lehrer und rächen sich dann an den Nächsten.

    Einige der Geheimnisse dieses geheimnisvoll unsympathischen Landes liegen gleich zu Beginn: Bei der Zwangsschleusung durch einen vernetzten Staatsapparat. Freiheit ist nur ein Wort. Lehrer sollten streiken dürfen und Schüler auch.

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