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Vorhautkriege

Am Montag bekam ich folgende Mail von einem jungen Blogger, den ich nicht zuletzt wegen seines Eintretens für Israel (aber keineswegs nur deshalb) bewundere:

Lieber Alan Posener,
das war ein ganz interessantes Wochenende. Ich habe am Samstag einen Artikel geschrieben, in dem ich gewisse Zweifel daran erkennen lasse, ob es tatsächlich so selbstverständlich sein muss, dass man kleine Jungs beschneidet. Und schon war es vorbei mit der Entspanntheit in Teilen meines jüdisch-christlichen (was wollen die Christen überhaupt?) Bekanntenkreises. Da haben sich sonst liberal und aufgeklärt fühlende Leute als „Gott will es“-Eiferer probiert und Miniatur-Fatwas in ihre Tastaturen gehauen. Innerhalb von 24 Stunden war ich Nazi, Taliban(!), chinesischer Kulturrevolutionär, Gutmensch (!!) und ein falscher Freund Israels. Spinner, Idiot und sonstige Pausenhof-Beschimpfungen nicht mitgerechnet.
(…)
Egal, solange wir dann morgen wieder alle zusammen auf die Moslems zeigen können, die, weil ja kein Luther und keine Aufklärung, immer so schnell beleidigt sind, ist noch alles gut.

Ich gebe das hier nicht nur wieder als Momentaufnahme aus den gegenwärtigen Vorhautkriegen. Ich könnte – müsste – eigentlich froh sein, scheint doch das Kölner Urteil zur Beschneidung eines muslimischen Jungen, das die religiös begründete Zirkumzision als Körperverletzung kriminalisiert, meine wiederholt – auch hier – vorgetragene Ansicht zu bestätigen, dass sich Juden mit Islam-Feinden nicht gemein machen dürfen. Gestern wurden Burkas und Minarette verboten, heute sind es die koschere bzw. Halal-Schlachtung und die rituelle Beschneidung, morgen vielleicht der intolerante Koran und die blutrünstige Torah.

Eine sich als wild gewordener Säkularismus tarnende christlich-intolerante antisemitische und islamophobe Leitkultur schickt sich an, den Multikulturalismus – den auch so mancher jüdischer Islamfeind mitsamt anderen 68er- und Gutmenschenklumpatsch gern entsorgt hätte – endgültig abzuschaffen. So könnte man versucht sein, das Urteil zu lesen.

Allein, es geht nicht, so sehr mir diese Lesart eine gewisse Genugtuung verschaffen würde.

Und zwar deshalb nicht:

Verteidigt man das Recht einer Frau, die Burka zu tragen – oder eines Mädchens, ein Kopftuch zu tragen, was an Frankreichs öffentlichen Schulen bekanntlich verboten ist –, so verteidigt man ein individuelles Freiheitsrecht, das sich aus Grundgesetz Artikel 1,1 (Menschenwürde) und 2,1 (Recht auf freie Entfaltung der Persönlichkeit) ableitet.

http://www.bundestag.de/dokumente/rechtsgrundlagen/grundgesetz/gg_01.html

Nun behaupten die Gegner von Kopftuch und Burka, diese Kleidungsstücke trügen die Frauen und Mädchen nicht aus freien Stücken; sie seien Ausdruck ihrer Unterwerfung unter die Männer der Familie und ihrer patriarchalischen Ideologie. Es sei also die Pflicht des säkularen Staats, diesen Frauen zur Emanzipation zu verhelfen und andere Frauen vor dem von diesen Kleidungsstücken ausgehenden Gruppendruck zu schützen.

Bekanntlich unterstütze ich diese Position, wie sie in Deutschland besonders von einigen Feministinnen und von türkischen Vertretern eines aggressiven, kemalistischen Laizismus vertreten wird, nicht. Ich akzeptiere zwar, dass manche, wahrscheinlich sogar sehr viele muslimische Frauen das Kopftuch nicht als Ergebnis eines herrschaftsfreien Diskurses im Habermas’schen Sinne tragen; aber ich halte es nicht für die Aufgabe des demokratischen Rechtsstaates, die Bürgerrechte davon abhängig zu machen, dass man sie als Ergebnis eines richtigen Bewusstseins wahrnimmt. (Ich würde ja einem 15-jährigen Mädchen auch nicht staatlicherseits verbieten wollen, einen Minirock zu tragen, auch wenn ich annehme, dass sie es tut, weil sie dem Druck der Gleichaltrigen folgt, die ihrerseits den männlichen Blick auf die Frau als Sexualobjekt internalisiert haben. Wenn aber die Eltern dem Mädchen den Rock verbieten – und das Kopftuch verordnen – wollen, so ist das ein Konflikt, der innerhalb der Familie ausgetragen werden muss.)

Die Gedanken sind frei, oder sollten es doch sein.

Würde die Bundesrepublik Deutschland im Namen der  Religionsfreiheit – also der freien Religionsausübung, wie sie in Artikel 4,1 und 4,2 garantiert ist – den muslimischen Eltern, Brüdern, Männern, Imamen usw. das Recht einräumen, ihren Frauen das Kopftuch (oder die Burka) zu verordnen, so würde sie dadurch das individuelle Recht der Frau, das zu tragen, was sie will, im Namen eines Kollektivrechts außer kraft setzen.

Die Grundrechte – auch und gerade jene der freien Religionsausübung – sind aber eben nicht Kollektivrechte, sondern Individualrechte, und niemand hat das Recht, sie einzuschränken. Würde man dem Islam mit der Begründung, hier herrsche „Religionsfreiheit“, das Recht einräumen, seinen Frauen das Kopftuch zu verordnen, so würde man ein Sondergesetz für islamische Frauen und Mädchen schaffen und erklären, für sie gelte das Grundgesetz in Teilen nicht.

So würde aus einem Gesetz, das „Religionsfreiheit“ garantiert, in Wirklichkeit ein Gesetz, das Angehörige einer bestimmten Religion diskriminiert und unfrei macht. Wohlgemerkt: der Islam kann ja fordern (was er ja nicht tut), dass sich Frauen verhüllen. Er hat auch das Recht, das zu fordern. Aber Frauen und Mädchen haben hierzulande ein Recht, sich dagegen zu wehren, wenn sie wollen. Und sie können sich dabei auf unser Grundgesetz berufen.

Analoges gilt für die Beschneidung, das ja im Wortsinn das Recht der freien Entfaltung der Persönlichkeit viel einschneidender verletzt als eine von den Eltern verordnete Verhüllung, weil sie schmerzlich und unwiderruflich ist. Würde man, wie die Bundesregierung es vorhat, den Religionsgemeinschaften ein Recht auf Beschneidung ihrer Kinder einräumen, hieße das eben nicht, dass man gegen eine vermeintliche Diskriminierung von Juden und Muslimen vorgeht, wie sie durch das Kölner Urteil entstanden sei.

Im Gegenteil. Man würde die Grundrechte aus Artikel 1 und 2 für männliche muslimische und jüdische Kinder in Teilen außer Kraft setzen. Man würde muslimische und jüdische Kinder diskriminieren. Ich wüsste nicht, woher die Bundesregierung das Recht nehmen sollte, das zu tun. Ich kann mir nicht vorstellen, dass das Bundesverfassungsgericht ein solches Lex Iudorum passieren lassen könnte.

Apropos Bundesverfassungsgericht: Wie ich der Zeitung entnehme, will das BVerfG erst im September über ESM und Fiskalpakt entscheiden. Das ist ein Schlag ins Gesicht des Bundespräsidenten, der bei seinem Antrittsbesuch in Brüssel vorlaut erklärt hat, er sehe nicht, dass unser oberstes Gericht der Regierung bei ihren Euro-Plänen irgendwelche Schwierigkeiten machen würde.

Anstatt in sich zu gehen, gibt Joachim Gauck die Ohrfeige weiter: Die Kanzlerin, so ließ er sich vernehmen, habe es versäumt, dem Volk ihre Europa-Politik zu erklären. Hallo? War das nicht der Mann, der vor seiner Wahl erklärte, er begreife sich als Politikerklärer und Demokratielehrer? Wieso erklärt er dann nicht, weshalb Fiskalpakt und Stabilitätsmechanismus sein müssen und der Demokratie nicht schaden? Und warum nimmt der Ex-Pastor das Kölner Urteil nicht zum Anlass, Grundsätzliches zum Verhältnis von Staat und Religionsgemeinschaften, individuellen Grundrechten und kollektiven Sonderrechten zu sagen? Ist der Lehrer schon jetzt am Ende des Lateins? Kann er nur Grundkurs Demokratie, nicht Leistungskurs? Es sieht so aus.

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69 Gedanken zu “Vorhautkriege;”

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    APo: Jörg Lau hat Lesenswertes dazu geschrieben, wie die Debatte tatsächlich Antisemiten und Islamophoben vereint und einigen angeblichen Israelfreunden die philosemitische Maske vom Gesicht reißt…

    … werter Apo, zu ‚islamophoben und philosemitischen Masken‘ hat Jennifer Nathalie Pyka in ‚The European‘ geschrieben. Ich meine sie trifft ’s. Wer ist eigentlich Lau?

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    Es gibt nur ein einziges Menschenrecht: das Recht auf körperliche Unversehrtheit. Wenn sich ALLE daran halten würden, gäbe es weder Syrien noch die Juden noch die Muslime und der ganze Blödsinn überall auf dieser idiotischen Welt hätte ein Ende.. Aber leider werde ich nie eine intelligente Zivilisation erleben, sondern nur diesen jüdisch-christlich-muslimischen Blödsinn überall.. (mit einem IQ weit unter 200) ’

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    @R.Ziegler & derblondehans: 1. Orchesterkonzept. 2. Katholiken in den Amerikas. = 1. Das Konzept (in diesen Beispiel vom Staat Bahia/Brasilien) stammt vom „Sistema“ des Venezolaners JOSE ANTONIO ABREU – ein Professor der Volkswirtschaft und klassischer Musiker, welcher das Konzept 1975 in Venezuela angefangen hat: Kinder benachteiligter Schichten sollen durch Musik zur Kunst erhoben werden und gleichzeitig zur allgemeinen „Harmonisierung“ der Gesellschaft erzogen werden. Heute bestehen hunderte Jugendorchester in Venezuela mit 200,000 teilnehmenden Jugendlichen (auch jetzt organisiert in Strafanstalten fuer Jugendliche, sieh: ORQUESTA PENITENCIARIA CHAMAMBO). Die Besten gelingen ins offizielle nationale Jugendorchester (sieh: DANZON NO.2 ), von welchen der heutige Dirigent der Los Angeles, California, Philharmonics, Gustavo Dudamel, als bekanntester Musiker hervorgegangen ist. Das Konzept funktioniert heute in mehreren Nationen Lateinamerikas und anderen Laendern – auch schon in USA im Anlauf. Also der Vater des Konzeptes ist der Venezolaner Jose Antonio Abreu – aber auch der Komponist des von Ihnen bewunderten „Tico Tico no Fuba“ war ein „Abreu“: Jose Gomes de Abreu, Brasilianer, Kuenstlername „Zequina“. Noch ein „Abreu“ welcher ein nationales Kunstdenkmal darstellt – der Dominikaner Antonio „Tono“ Abreu von einer meiner Heimaten – Puerto Plata, Dom. Rep. (wenn Waende in Staedten wie Puerto Plata, Veracruz, Havanna, Santo Domingo, Acapulco usw. usw. sprechen koennten…) Von „Tono“ Abreu stammt „Cana Brava“ (sieh CANA DULCE CANA BRAVA) urspruenglich nur als Radioreklame 1934: „Rum Marke frisches Zuckerrohr“. Heute – natuerlich auch in der Philharmonik (sieh MERENGUE SINFONICO CANA BRAVA). 2. Katholiken in den Amerikas. Nordamerika wurde mehrheitlich von protestantischen Familien besiedelt. Lateinamerika enstand aus den zweiten Soehnen der Iberer, welche meist nur fuer Zeit in den Amerikas verblieben: Dort hatten sie Kinder mit Indianerinen. Die Iberer welche genug Geld hatten gingen dann meist zurueck nach Spanien – wo Ueberschuss an Frauen bestand – und dort enstand ihre iberische Familie. Die Iberer hatten weniger Rassenvorurteile weil ihre Vorfahren schon unter den Mauren die Mehrrassigkeit erlebt hatten. Nordamerika entwickelte sich durch den Fleiss und den Gemeindesinn der Protestanten. Lateinamerika wird schon seit 500 durch die Katholische Kirche gelaehmt und verdummt. Es stimmt dass die Protestanten in Nordamerika die Indianer vernichten wollten. In Lateinamerika stand der niedrige Klerus fuer die Indianer, und die Kirchenfuersten mit den Ausbeutern der iberischen Herrscherkaste.Nordamerika hat es fast keine religoese Inquisition gegeben. Die Katholische Kirche hat viele tausenden durch die Inquisition in Lateinamerika verbrannt: Juden, Indianer, Protestanten. Heute besteht in USA eine gebildete Schicht von „Schwarzen“ – nach 1870 gruendeten Protestanten vom Norden im besiegten Sueden fuer Schwarze „Seminare“. Condoleeza Rice und Michelle Obama stammen von Schwarzen welche nach 1870 im Sueden in „Seminaren“ zu Pfarrern der Presbyterian Church gebildete wurden. Aus den „Seminaren“ wurden Universitaeten fuer Schwarze – und 1900 hatte USA schon schwarze Aerzte, Zahnaerzte, Rechtsanwaelte. In Lateinamerika wurden ALL Farben in den katholischen Universitaeten verdummt. Die gebildeten Lateinamerika erhalten ihre wirklich Bildung noch heute in Paris, Oxford, Massachussets.

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    …PS., Jan Z. Volens, dieses Youth Orchestra of Bahia ist wirklich toll, und dieses dazugehörige Orchesterkonzept grandios.

    Ansonsten vermute ich, dass Sie dem BlondenHans ebenfalls nicht zustimmen können, was die Verteidigung des katholischen Glaubens in der Geschichte Lateinamerikas angeht?

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    Cher M. Posener

    in Anlehnung an ihren Satz:

    „Sex sells“

    wuerde ich in Frankreich sagen:

    Ô gué, ô gué,Ô gué, ô gué

    bei allen Geschichten um den zizi, den bigoudi, faellt mir nur Pierre Perret ein:

    http://www.youtube.com/watch?v.....re=related

    Die englische Übersetzung ist sicherlich nicht parfait aber ich hoffe, dass die deutschen Patrioten den franzoesischen Humor verstehen.

    Denoch hier die franzoesische V.O:

    http://www.youtube.com/watch?v=7Hy_AxerT6o

    http://en.lyrics-copy.com/pier.....e-zizi.htm

    Und da hier das sujet oftmals die katholische Kirche, der Papst und die Juden sind, hier gleich die passenden Passagen:

    J´ai vu le zizi d´un curé
    Avec son p´tit chapeau violet
    Qui juste en pleine ascension
    Fait la génuflexion

    Ô gué, ô gué

    Et celui d´un juif cossu
    Qui mesurait le tissu

    Ô gué, ô gué

    Et celui du pape qui fait des bulles

    Ô gué, ô gué

    Hiess es nicht bei Fredéric le Grand:

    Jeder soll nach seiner Façon selig werden

    Daher noch einmal:

    Tout tout tout
    Vous saurez tout sur le zizi
    Le vrai, le faux
    Le laid, le beau
    Le dur, le mou
    Qui a un grand cou
    Le gros touffu
    Le p´tit joufflu
    Le grand ridé
    Le mont pelé
    Tout tout tout tout
    Je vous dirai tout sur le zizi

    Ô gué, ô gué

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    Apo: über Christen und Muslimen, die mit Feuer und Schwert den Menschen die Glückseligkeit bringen wollten, …

    … Sie meinen die Anglikaner?

    Werter Apo, der Katholizismus ist eine friedliche, aber keine pazifistische Religion. Daher ist ein bewaffneter Kampf zur Verteidigung des Glaubens erlaubt. Dazu gehören die Kreuzzüge, die spanische Reconquista, die Kriege gegen die Türken und die bewaffnete Aufstände in der Bretagne gegen die liberalen; ebenso in Mexiko 1928 und Spanien 1936 gegen die Marxisten.

    Die systematische Ermordung von Indianern in Nordamerika wurde von Protestanten begangen.

    Im spanischen und portugiesischen Einflussbereich, gab es schätzungsweise nicht mehr als 20 Millionen Indianern. Für die Ausrottung der Indianer in Südamerika gibt es kein Beweis außer der ‚Leyenda Negra‘ aber einen Gegenbeweis. Und das ist die Tatsache, dass 80 % der Bevölkerung Südamerikas aus Indianern und Mestizen, die von Indianern abstammen, besteht.

    Vor der ‚Conquista‘ lebten schätzungsweise in Argentinien 200.000 Indianer. Im Jahr 2011 sind es 1 Million, ohne dabei die Indianer, die sich im Laufe der Jahrhunderten mit den Weißen vermischt haben, zu zählen.

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    @ Teliamed und alle: Natürlich ist das Thema Beschneidung (wie Schächten) ein gefundenes Fressen für Antisemiten und Islamophoben. Und damit ich nicht mit denen vermengt werde, hier zur Klarstellung:
    Moralisch steht das Judentum, das keine Proselyten macht und politischen Quietismus predigt, himmelhoch über Christen und Muslimen, die mit Feuer und Schwert den Menschen die Glückseligkeit bringen wollten, Gottesstaaten errichtet und sich überdies gegenseitig abgeschlachtet haben. Dass die Juden an der Beschneidung festgehalten haben, obwohl sie ihnen im Verhältnisa zur Außenwelt nur Ärger eingebracht hat, um es milde auszudrücken („Hosen runter!“ brüllten die Nazischergen in den Kinderheimen, wo sich Judenjungen verstecken konnten) – dass sie also an diesem schmerzlichen Bekenntnis zu ihrem Gott und ihrer Herkunft festgehalten haben, ist bewundernswert. Ob das heute noch zeitgemäß ist, wird verhandelt, mehr nicht, aber auch nicht weniger.

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    @Jan Z. Volens: „Ewige Zukunft“ ist gut. Die Unvollendeten, sozusagen. Hier gibts aber auch Zukunft, kurzfristige, fast gegenwärtige sogar, wie man am Kinderschwimmkurs sehen kann. Zwar klappern da die Zähne nicht nur vor Kälte, sondern auch vor (Zukunfts-) Angst, aber dagegen gibts ja ein probates Mittel: Mut. Und Zeit, denn wenn der Abgrund einen nur lange genug angähnt, gähnt man irgendwann zurück.

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    …und nun einige Minuten Therapie-Pause vom „Vorhautkrieg“ im Land der „Denker“ -zu normalen Menschen im Land der „Ewigen Zukunft“: Sieh youtube Video „YOUTH ORCHESTRA BAHIA TICO TICO“ — die unbaendige Energie der Jugend regeneriert.

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    Hallo Herr Posener, bei RA Stadler werden sie einen ziemlich reichgespickten Kommentarfaden finden (nicht dass es an Quantität in anderen Kommentarspalten mangeln würde) welcher, so traue ich mich nach 1h quersurfen auf vielen juristischen Blogs, die beste Mischung aus Links und Meiungen aus dem Juristischen wie Nicht-Juristischen vorzuweisen hat. Ihr alter Freund Hitchens ist sogar mit einer mir bisher unbekannten, sehr versöhnlichen und schreiend bespassenden off-topic Debatte (irgendwann hat man echt genug) mit jüdischen Theologen verlinkt. Falls sie noch irgendwas zu dem Thema lesen möchten, zum querscannen: http://www.internet-law.de/201.....l#comments Beste Grüße, Teliamed

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    @A. Posener: Hat er, ja (im Dauerregen Kinderschwimmkursus im Freibad, das ist Wasser im Überfluss bei Temperaturen wie Heiligabend). Ahnung muss man nicht haben, Hauptsache man kann gut drüber schreiben. Finden Sie, dass man Sie häufiger loben sollte? Ich halte das für nicht unbedingt nötig, Sie schreiben auch ohne Lob gut und würden mit Lob nicht besser schreiben.

    @Blondhans: Ihnen kann man auch gar nichts recht machen. Verbietet man, ist man islamophob, verbietet man nicht, ist man Antidemokrat. Sogar wenn man die Schnittmenge sucht, haben Sie was zu meckern.

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    Hey, Roland Ziegler, hat der deutsche Regen Sie mürbe gemacht? Sie loben mich ja. Dabei habe ich von Teilchenphysik noch weniger Ahnung als von Ökonomie.
    @ Alle: 131 Facebook-Empfehlungen – und für meine Überlegungen zur Demokratie vor zwei Wochen, auf denen ja dieser Artikel aufbaut, gar keine. Seufz. Aber so ist es. Sex sells.

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    @APo

    .. und hier die Intoleranz:

    Der Islam sei eine allumfassende Religion und die einzige, die Gott je gesandt habe, zitieren ihn regionale Medien. Abraham habe ebenso den Islam verkündet wie Mose und Jesus. Deshalb sei es notwendig, die Welt neu zu ordnen. Allerdings werde die Welt keinen Frieden sehen, so lang die bislang dominierenden Systeme und das „zionistische Regime in Israel“ existierten. Deshalb sollten sich alle Aufstände und Revolutionen in erster Linie gegen die „Zionisten“ richten, so der Präsident. In der Vergangenheit hatte Ahmadinedschad bereits den Holocaust, also den Völkermord der Nationalsozialisten an den Juden, bestritten.

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    @R.Z. + Apo + EJ (auch wenn er im Urlaub ist) + ähnliche Gedanken

    … Sie 3 haben sich nun endgültig als das geoutet, was Sie anderen immer wieder vorhalten: … Siiie … Sie selbst sind antisemitisch und islamophob. Und wer das GG nebst Gesetze nicht durchsetzen will, ist zudem schlichtweg Anti-Demokrat. Wozu brauchen wir Gesetze?

    q.e.d. – ich beglückwünsche meinen Hamster für diese Beweisführung.

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    And Now for Something Completely Different:

    http://www.welt.de/print/die_w.....#dsq-reply

    Eine sehr gute Beschreibung von Herrn Posener, und es freut mich, dass er sich auch in sowas einarbeitet. Allerdings sollte man auf eine Schludrigkeit der Physiker hinweisen, die von „Masse“ sprechen, wo sie „Ruhemasse“ meinen. „Masse“ muss man nämlich nicht verliehen bekommen, Masse hat man, egal ob man Photon ist oder Margaret Thatcher 😉

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    @Kerstin: völlig richtig, auch Ihr sensibler Zugang zu dem Thema ist angemessen: so müsste man mit den Religiösen in einen Dialog treten. Ich bin hier etwas unsensibel-polternd, aber mir geht eben auf den Geist, wie die Religionen sich gegen jeden Millimeter einer solchen Diskussion sperren und von den Grundgesetzen als einziges ihre Religionsfreiheit hochhalten.

    So, bin ich nun auch fertig mit dem Thema und wünsche ebenfalls auch KJN und allen anderen Urlaubern schöne Ferien, die man hier im verregneten Deutshcland nur schlecht haben kann.

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    @Blonderhans: die Frage hatte ich doch schon mehrmals beantwortet. „Für Sie nochmal extra:“ gar nicht. Das Verbot nicht mal aufgestellt werden, es ist nach Auffassung der Kölner Richter bereits aufgestellt worden, am 23.Mai 1949 mit dem Inkrafttreten des Grundgesetzes. Seitdem ist es nie durchgesetzt worden und muss nach meiner Meinung auch zukünftig nicht mit Polizeigewalt durchgesetzt werden. Es hat trotzdem seinen Wert.

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    Jörg Lau hat Lesenswertes dazu geschrieben, wie die Debatte tatsächlich Antisemiten und Islamophoben vereint und einigen angeblichen Israelfreunden die philosemitische Maske vom Gesicht reißt:

    http://blog.zeit.de/joerglau/2.....ungen_5642

    Allein, die Tatsache, dass sich Antisemiten und Islamophoben des Themas bedienen, heißt nicht, dass man der Körperverletzung von Minderjährigen im Namen der Religion das Wort reden muss, und schon gar nicht der partiellen Aussetzung des Grundgesetzes für die Kinder bestimmter religiöser Minderheiten.

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    Auch bei uns sind bald Ferien und ich sollte mich langsam darauf vorbereiten.

    @Roland Ziegler: Doch, ich hatte auch versucht im Netz Aussagen darüber zu finden, was Juristen (z. B. Verfassungsrechtler) zum Urteil zu sagen haben, doch letztlich ist die juristische Bewertung nur eine Seite der Medaille. Natürlich konnte man auch hier sehr unterschiedliche Auffassungen lesen. Gleichzeitig stellte sich auch mir die Frage, wie ein solches Verbot (Beschneidung nicht straffrei) umzusetzen sei. Persönlich ist mir das Schicksal der Kinder dann doch wichtiger, da ich ja selbst Erfahrungen mit einem Trauma habe. Auch der Zeitpunkt spielt offensichtlich eine entscheidende Rolle, da ein Kind ja verschiedene Phasen der Entwicklung (3-6 Jahre sensibel??) durchläuft. Man sollte Bedenken auch die Bestrafung der Eltern würde ja nicht spurlos an den Kindern vorbeigehen, außerdem könnte es zusätzlich zur Bildung von Parallelgesellschaften führen.

    Natürlich sollten zunächst die Betroffenen über ihre Erfahrungen reden, nicht nur die, die zunächst keine Probleme haben. Aus eigener Erfahrung weiß ich, wie schwer es ist über traumatische Erlebnisse zu reden. Das Trauma muss man erst einmal zuordnen können, es versteckt sich über Jahre und manchmal Jahrzehnte. Erinnerungen und Demütigungen können sehr schmerzhaft sein. Da sind Scham und Schuldgefühle. (War ich zu schwach? Liegt es an mir? Wieso ich? Wieso nicht die anderen?) Gleichzeitig die Scheu mit den „anderen“ nicht reden zu können. Aber auch das Gefühl von den Erwachsenen (Eltern oder anderen Schutzgebenden) im Stich gelassen wurden zu sein, ist mächtig und macht wütend. Noch schwieriger ist es wenn die Umgebung darauf besteht, dass es richtig ist, weiterzumachen. Man will auch kein Spielverderber sein oder seine Eltern verklagen. Ausgrenzung tut weh, auch wenn man sie selbst „verursacht“ (betrieben) hat. Zusätzlich ist man eben auch verletzbarer.

    @EJ und den anderen wünsche ich auch schöne Sommerferien.

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    @R.Z.

    … laber-rhabarber … für Sie noch einmal extra: wie wollen SIE ein ‚Beschneidungsverbot‘ durchsetzen?

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    @BlonderHans: Niemand wird aufgefordert, seinen Glauben aufzugeben; das ist ein völliges Missverständnis. Jeder kann weiterhin glauben, was er will: dass im Himmel Jahrmarkt ist, dass besagte Teekanne um die Sonne kreist oder einen Glaubensinhalt der etablierteren Art. Es geht einzig & allein um eine bestimmte TAT, die man laut Grundgesetz nicht machen darf, meinetwegen auch keine Untat, aber eben doch ein unzulässiger Übergriff, auf die Körper minderjähriger Jungen, der bedeutend einschneidendere Folgen hat als das Zehennägelschneiden, bedeutend unangenehmer ist als das Haarewaschen und im Gegensatz zu diesen beiden Dingen für das alltägliche Leben völlig überflüssig ist.

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    @KJN
    Prinzipiell gebe ich Ihnen recht, aber die durch die bisherige Praxis Betroffenen sind in diesem Fall nun einmal Säuglinge und Kinder, die sich weder die Beschneidung, noch das gerichtliche Vorgehen gegen dieselbe wünschen können. Nach meiner Ansicht werden hier nicht in erster Linie die bevormundet, die beschneiden, sonder die, die beschnitten werden.
    Ansonsten wünsche ich Ihnen schöne Ferien!

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    @KJN: Wieso Sie Ihre Kritik an vorsorgenden Urteilen ausgerechnet am Urteil zur zwangsweisen Beschneidung von minderjährigen Jungs festmachen, ist mir ein Rätsel. Wir sind uns doch inzwischen einig, dass die Beschneidung der kleinen Jungs in relevant vielen Fällen zu ernsthaften Problemen psychischer oder körperlicher Natur führt, oder nicht? Außerdem, dass diese Beschneidung nicht durch die kleinen Jungs selber, die in jedem Fall „bevormundet“ werden, sondern durch die Instanz der Religion verursacht wird? Wieso versuchen wir dann nicht, diese ernsthaften, von den Religionen verursachten Probleme zu lösen, im Dialog mit den Religionen?

    Nun sind die Religionen aber leider nicht zum Dialog bereit, sondern versperren sich beleidigt allein schon der Erwägung einer Veränderung, die sie als einen existenziellen Angriff empfinden. (Mich erinnert solches Verhalten ja an die egozentrischen Schrullen einer gealterten Diva.)

    Und deshalb, @Blonderhans, haben Sie völlig Recht: Ohne eine Reflektion darüber, wie man ein Verbot denn durchsetzen könnte, ist das Thema wesentlich unvollständig. Ich schließe mich wie gesagt Herrn Kocks an: Dem Staat bleibt nichts übrig, als die „Waffen“ zu strecken, d.h. auf sein Gewaltmonopol zu verzichten, weil die Religionen sich jedem Dialog verschließen. Der Staat kann nur darauf setzen, dass einzelne Gläubige – bei diesem speziellen Gebot; es geht wie gesagt nur darum, den Zeitpunkt der obligatorischen Ausführung des Beschneidungsgebots hinter das 18. (16.?) Lebensjahr zu verlegen; SONST NICHTS! – sich über die korsetthaften Religionsvorschriften eigenmächtig hinwegsetzen und damit in der Zukunft einen Prozess in Gang setzen, an dessen Ende die Veränderung der religiösen Praxis in diesem einen Punkt steht. Die Alternative, mit der Staatsmacht in die Moschee bzw. Synagoge einzudringen, um eine Beschneidung zu verhindern, scheint mir jedenfalls unmöglich.

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    APo: … erinnert mich an jene berühmte Stelle aus “Mein Kampf”, wo es Hitler wie Schuppen vor Augen fiel: im Wiener Kaftanjuden begegnete er dem Wesen des Judentums.

    … nun ja. Ich habe ‚Mein Kampf‘ nicht gelesen. Werde ich wohl auch nicht. Im Spiegel steht es aber anders: In Wien, so behauptet Hitler, habe er sich „die ersten antisemitischen Broschüren … (seines) Lebens“ gekauft, nachdem ihm auf der Straße „eine Erscheinung in langem Kaftan mit schwarzen Locken“ begegnet sei.

    Der junge Hitler war bereits überzeugter Antisemit, als er nach Wien kam. Er war es jedoch nicht in der krankhaften Weise, wie Mitscherlich es glaubt. Viele der Kunden Hitlers, die zwischen 1909 und 1913 Bilder von ihm kauften, waren Juden, was Hitler in allen Fällen wußte. Vorübergehend verkaufte seit Sommer 1910, rund zwei Jahre nach dem angeblichen Zwischenfall mit dem „Kaftan-Juden“, ein ungarischer Jude namens Neumann sogar Hitlers Bilder und teilte den Erlös mit Hitler.

    Ich habe mal irgendwo gelesen, ‚Kaftanjude‘ sei eine Beschreibung ‚emanzipierter Juden‘, mit der sie religiöse Fanatiker kritisiert haben. Heute etwa ‚Ultraorthodoxe‘.

    Helfen Sie, wenn ich falsch ‚liege‘.

    Für mich ist Fanatismus die Missachtung der Freiheit der anderen.

    Toleranz im Glauben bedeutet, dass ich jemandem seinen Glauben lasse, bzw. ihn zu nichts zwinge, ihm auch wegen seines Glaubens keine Repressalien zufüge.

    Toleranz bedeutet aber nicht, dass man deswegen seinen eigenen Glauben aufgibt! Im Gegenteil: Man muss sogar seinen eigenen Glauben bewahren, um Toleranz üben zu können. Genau hier besteht der entscheidende Fehler, der in den meisten Diskussionen heute gemacht wird.

    Toleranz setzt immer zwei sich unterscheidende Meinungen voraus.

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    @KJN

    … in Sachen ‚Vorhaut‘ hatte ich mich ähnlich wie Sie geäußert. Vermissen tue ich bei den ‚Verbietern‘, also den ‚Scharfmachern‘, hauptsächlich EJ und APo, wie sie denn ein Verbot durchsetzen wollen. Ich meine APo und EJ diskutieren dieses Thema nicht ehrlich.

    @EJ – schönen Urlaub. Ehrlich. 😉

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    @Alan Posener
    Bei Burka und Kopftuch ging es nicht um „unliebsame Meinungsäußerung“, sondern um solche Fragen, wie „darf eine Lehrerin oder eine Schülerin Kopftuch oder Burka tragen und wenn nein, warum nicht. Ähnlich, wie bei Kreuzen in Schulen, Behörden, also „Öffentliches Recht“. Hier muss der Staat initiativ etwas zu sagen, so oder so – es ist sein Hoheitsgebiet.
    Auch habe ich nicht behauptet, daß niemand Probleme mit seiner Beschneidung hätte (interessant Ihr Hinweis auf die Umfrage) – aber es meldet sich bis dato offensichtlich niemand zu Wort. Aufgrund straff geführter Parallelgesellschaften hierzulande, Gruppendruck oder durch religiöse Meinungsführer ohne Widerspruch?
    Nochmal deutlicher, was ich meine:
    Wäre das Urteil aufgrund der Klage eines (religiös) Beschnittenen zustande gekommen, würde die Diskussion anders laufen.
    So klingt es nicht nach Schutz, sondern nach Bevormundung.

    @Roland Ziegler
    Es ist bedauerlich, wenn Behandlungen mit Komplikationen verlaufen. Dieser kleine Junge ist zu bedauern, das sehe ich wie Sie. Aus dem Artikel geht wohl nicht hervor, wer da angezeigt hat und warum. Ich habe selber Komplikationen nach einem chirurgischen Eingriff erlebt, aber eben nicht nach der Phimosebehandlung als Säugling, sondern nach einer Verletzung am Knie nach einem Motorradunfall (sollte man direkt mit verbieten). So sind viele Argumentationen persönlich geprägt.
    Kinder sind Eltern ausgeliefert und viele Eltern treffen fragwürdigere Entscheidungen, als Beschneidungen. Aber daß der Staat das vorsorglich alles sanktionieren sollte, sehe ich nicht. Die Bereitschaft hierzulande, Risiken durch Gesetze zu minimieren, erscheint mir insgesamt zu hoch für ein vitales Leben.

    @EJ
    Nach alldem „Messer wetzen“ Ihrerseits habe ich den „Oberscharfmacher“ tatsächlich auf mich bezogen.
    Ihnen und Ihrer Familie einen schönen Urlaub und Grüße aus einer der urbanen Ansiedlungen am scharfen Rand der Eifel.

    @Heiko Heinisch
    Ich fände es gut, wenn „Grundrechtskonflikte“ erst beurteilt würden, wenn sich die durch die bisherige Praxis Betroffenen das wünschen.

    Tatsächlich wäre es mir lieber, meine Kritik an vorsorgenden Gerichtsurteilen hätte ich an einem anderen Beispiel diskutieren können. Die Vorbehalte hierzulande gegen die weltweit verbreitete Beschneidungspraxis sind doch erheblich und verhindern den Blick auf die Bevormundung, die m.E. dahinter steckt. Aber mir geht allmählich das „Pulver“ aus und es sind auch – tatsächlich – Ferien.

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    Ich teile Ihre Meinung weitgehend, auch wenn ich zur Burka (im Gegensatz zum Kopftuch) anderer Auffassung bin.
    Ihre Darlegungen der Grundrechtsproblematik die Beschneidung betreffen hebt sich erfrischend von fast allem ab, was die Debatte in den letzten beiden Wochen so hervorgebracht hat. Vielen, die meinen, religiöse Bräuche umstandslos verteidigen zu müssen scheint nicht bewusst zu sein, dass die Grundrechte (inkl. jenem auf Religionsfreiheit) zu aller erst Individualrechte sind und dass Gruppenrechte überhaupt erst über den Umweg dieser Individualrechte in den „Fokus menschenrechtlicher Überlegungen“ geraten – wie es Heiner Bielefeldt einmal ausdrückte. Sein recht unqualifizierter Aufschrei hat mich denn auch sehr überrascht. Das Gericht hat ja neben Art. 2 GG ausdrücklich darauf hingewiesen, dass für das Kind ebenfalls (wie für die Eltern) Art. 4 GG (Religionsfreiheit) zu beachten ist. Manch einer hat sich in philosemitisch zu nennendem Drang, sich auf die „richtige“ Seite zu stellen, dazu verleiten lassen, die Rechte des Kindes schlicht zu ignorieren. Bei vielen hat man den Eindruck, dass sie gar nicht wahrhaben wollen, dass hier ein Grundrechtskonflikt vorliegt, den das Gericht aus guten Gründen zu Gunsten der Rechte des Kindes aufgelöst hat.

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    @Lieber Herr Posener: Ich bin Ihnen außerordentlich dankbar für Ihre aussagekräftige Klarstellung.

    Sie haben genau das auf den Punkt gebracht, was mir in der Diskussion mit 68er nicht gelang.
    Was die Religionsfreiheit betrifft, brachte ich die selben Beispiele aus Frankreich, was die Befürchtungen betrifft ebenso.

    Nun, ich bin kein Profi und mir stehen weder das Talent noch das Handwerkszeug eines Journalisten zur Verfügung.
    Daher bin ich Ihnen sehr dankbar, daß Sie in Ihrem Dienstagsbeitrag hier so klar auseinandergesetzt haben.
    LG Ihre Landplage

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    @ Jens Christian Heuer: Schön diese Passage aus Ihrem Beitrag: „Das Kölner Urteil ist richtig und mutig, denn es setzt ein Zeichen zugunsten des Rechts derjenigen, die sich am wenigsten wehren können! Dafür ist das Recht ja vor allem da, den Schwächeren vor den Zumutungen und der Gewalt des Stärkeren zu schützten! Das betrifft natürlich auch das Verhältnis Kinder-Erwachsene!“
    @ Martin Jander: Es ist denkbar, etwas zu verbieten, aber nicht zu bestrafen, siehe die Abtreibung. Aber diese Lösung halte ich für verlogen. Noch einmal, und wie Jens Christian Heuer sagt: Es geht um das Kindeswohl. Und wer weiß: Vielleicht sind viele Juden und Muslime froh, wenn sie mit Verweis auf die Gesetzeslage dem Gruppendruck ausweichen können, der auf dieses blutige Ritual besteht.

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    @ Christoph Rohde: Ihr Schnellschluss von „drei vermummten Frauen“ auf das „Mohammedanertum“ an sich erinnert mich an jene berühmte Stelle aus „Mein Kampf“, wo es Hitler wie Schuppen vor Augen fiel: im Wiener Kaftanjuden begegnete er dem Wesen des Judentums. Im übrigen geht es weder um das Wesen des Juden- noch um das des „Mohammedaner“tums, sondern um das Wesen des Rechtsstaats. Vielleicht schalten Sie mal vorm Schreiben das Vorurteil aus und das Gehirn ein (sie sind nämlich inkompastibel) und nehmen zu meinen Argumenten Stellung.

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    @Alan Posener

    Ich verstehe und teile Ihr Argument, dass die Beschneidung ein weitgehender Eingriff in die Persönlichkeitsrechte eines Jungen ist. (Soweit ich verstehe, ist dieser Eingriff jedoch medizinisch vorteilhaft und, je früher er vorgenommen wird, umso weniger schmerzhaft und traumatisierend).

    Ich verstehe und teile das Argument, dass Religionsfreiheit ein individuelles Recht ist, und kein Kollektivrecht.

    Ich verstehe und teile auch die Auffassung, dass Religionen in einer offenen, demokratischen Gesellschaft, kritisierbar sein müssen.

    Ich verstehe Ihr Argument, dass die Bundesregierung kein Gesetz erlassen kann, das Muslimen und Juden die Beschneidung erlaubt, während er prinzipiell als strafbarer Eingriff in Bürgerrechte gilt.

    Allerdings ermöglicht das in Köln gefällte Urteil nun, soweit ich das verstehe, ich bin kein Jurist, die Anklage und Verurteilung von Ärzten, die eine nicht medizinisch gebotene Beschneidung durchführen und die Anklage und Verurteilung von Eltern, die ihre Jungen aus religiösen Gründen beschneiden lassen.

    Darüber hinaus werden durch das Urteil und den dazugehörigen „Diskurs“ die üblichen Ressentiments, dass „die Juden“ und „die Muslime“ kriminell seien, befördert.

    Also irgendwie muss die Möglichkeit einer Anklage von Ärzten und Eltern blockiert werden. Wie, das weiß ich nicht, ich bin kein Jurist. Guckt man sich die Kommentare zu dem Urteil an, wird superdeutlich, dass erneut hauptsächlich antijüdische zum Teil auch antiislamische Ressentiments unterwegs sind.

    Ich kenne die Juristen, die das Kölner Urteil vorbereitet haben, nicht genau genug, um behaupten zu können, sie hätten willentlich und wissentlich, oder aus schierer Dummheit, diese Entscheidung herbeigeführt. Im Ergebnis haben sie jedoch einen „Diskurs“ befördert, der hauptsächlich antisemitisch ist.

    Ich wünschte mir, das Kölner Urteil hätte es nie gegeben. Ich bin ratlos was zu tun ist.

    Sicher aber scheint mir, dass Anklagen von Eltern und Ärzten unterbunden werden müssen und dass das politische Klima in der Bundesrepublik, dass Juden, Muslimen und anderen signalisiert, dass sie hier nicht leben können, grauenhaft und beschämend ist.

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    Wenn man in München am Hauptbahnhof drei vollvermummte Frauen hinter einem Typen hinterher schlendern sieht, dann merkt man, wie weit das Argument vom Individualrecht auf Religionsfreiheit beim Mohammedanertum reicht.

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    @ KJN: (“Scharfmacher”)

    Mann! Jetzt hält einen die Beschneiderei schon vom Packen und den letzten Aufräumarbeiten ab. 😉

    Wie käme ich dazu, Sie „Scharfmacher“ zu nennen? – Die „Logik“ war so:
    Hauptberufliche, Funktionäre = Messerwetzer
    Messerwetzer = Scharfmacher
    „Mein“ Oberscharfmacher (ich bin Katholik) = Papst

    Mein Vermutung war: Wie zwischen dem Papst, meinem Oberscharfmacher, und mir, so liegen auch anderswo zwischen Messerwetzern bzw. Scharfmachern und Normalos Welten. (Es ging um die von Roland beklagte Kompromisslosigkeit.)

    So, jetzt Schluss. (Leiht mir eines meiner Kinder sein Notebook, gucke ich zwischendurch mal rein.) – Fröhliches Streiten!

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    …achso: ein Kopftuch kann selbstverständlich jede(r) tragen wie es ihr oder ihm beliebt; die Forderung nach einem Kopftuchverbot ist lächerlich. Ein Kopftuch grenzt niemanden aus.

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    @ Marin Jander: Sie äußern sich nicht zu meinen Argumenten. Ich sehe das Urteil keineswwegs im Rahmen einer antijüdischen und antimuslimischen Kampagne. Zum Hintergrund sehr lesenswert:

    http://www.faz.net/aktuell/pol.....20431.html

    @ KJN: Ihre Argumentation, der Staatz müsse eingreifen, um unliebsame Meinungsäußerungen zu unterdrücken, sollte aber nicht eingreifen, um das Leid von Kindern zu lindern, stellt m.E. die Pflichten des Staates auf den Kopf. Zur immer wieder erhobenen Behauptung, es gebe keine Leidenden, also kein Problem, verweise ich hierauf:

    http://onlinelibrary.wiley.com.....1085.x/pdf

    Und, weil sich einige Rabbiner anmaßen, für „die Juden“ zu sprechen:

    http://www.jewsagainstcircumcision.org/

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    Ein guter, bunter Artikel, sogar der kritische Schlenker zum Bundespräsidenten gefällt mir. Bei der Beurteilung der Burka habe ich eine etwas andere Einstellung – ich finde, dass die Burka kein normales Kleidungsstück ist, sondern ein unmenschliches Gesetz repräsentiert, eine Art textiles Gefängnis (ob dieses Gesetz bzw. Gefängnis islamisch oder archaisch ist, ist dabei völlig irrelevant). Ob man der Burka mit dem Strafrecht begegnen soll, weiß ich allerdings auch nicht; ich kann Ihnen soweit folgen, dass der Staat hier Schutzangebote vor männlichen Übergriffen macht und ansonsten es Sache der Frauen ist, diese Schutzangeboten in Anspruch zu nehmen oder eben nicht. Aber das Burkathema ist ja sowieso Nebensache; in der Hauptsache stimme ich jedenfalls zu.

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    @Alan Posener
    Burka und Kopftuch (ich war/bin gegen das Verbot) sind öffentlich wahrnehmbare Zeichen, die Irritationen, Disput und Regelungsbedarf für den öffentlichen Raum verursachten und erforderlich machten. Den öffentlichen Frieden zu erhalten, das ist ureigenste Staatsaufgabe.
    Die Circumsektion betrifft nicht den öffentlichen Raum, so daß die staatliche Justiz meinem Rechtsempfinden nach erst eingreifen müsste, wenn Klagen vorliegen.

    Ich hatte mehrmals (@EJ, Roland Ziegler) darauf hingewiesen, daß Beschnittene offensichtlich ganz zufrieden mit dem Eingiff sind – Selbsthilfegruppen, medizinische-, psychische Beschwerden sind in der nun schon länger laufenden öffentlichen Diskussion meines Wissens nicht bekannt geworden und ich habe wohl zur Kenntnis genommen, daß auch von Ihnen beiden nichts Substantielles in dieser Richtung angeführt wurde.

    Ich halte das Urteil, das wohl offensichtlich von Seiten der Staatsanwaltschaft herbeigeführt wurde für einen klassischen Fall von vorsorgender Rechtssprechung, die niemand zum gegenwärtigen Zeitpunkt braucht oder will (es gibt andere Probleme). Diese vorsorgende Justiz halte ich für eine Bedrohung der Freiheit, eine Perversion des Willensstrafrechts: Cirkumsektion mit medizinischer Indikation -> Erlaubt; Beschneidung, religiös motiviert -> verboten; Ergebnis: offensichtlich das gleiche).

    Das ich hier eine andere Meinung vertrete als die Mehrheit, scheint zu irritieren („Scharfmacher“) – mich irritiert hingegen, daß die Tatsache, daß es außer der Staatsanwaltschaft keinen Kläger gibt, keinem auffallen will und daß wir uns in der Folge alle brav und gehorsam ohne Bezahlung mit Verfassungsfragen auseinandersetzen, wofür es eigentlich gutbezahlte Leute gibt. Ja, ich bin der Meinung, daß der Staat dem Bürger dienen muss und nicht umgekehrt und dieses Urteil kam ungefragt.

    Die dennoch überwältigende Zustimmung zu dem Urteil kann ich, ähnlich wie Martin Jander und Sie Alan Posener es angesprochen haben, nur als Sublimation von Ressentiments werten. „Archaische“ Ängste mögen auch mitspielen, was ich verstehen könnte.
    Gäbe es substantielle Beschwerden nach nicht medizinisch indizierten Beschneidungen stände der Weg zu Zivilklage offen (ich erwähnte es) und ich würde den Mund halten.

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    Lieber Alan Posener, ich glaube Sie haben mit dem Gedanken, dass es sich mit dem Kölner Urteil um einen als Saekularismus getarnten Ausdruck einer christlichen, antijüdischen und islamophoben Leitkultur handelt Recht. Die Frage ist doch, wie lässt sich nun verhindern, dass wildgewordene Antisemiten und Muslimhasser, die Eltern jüdischer und muslimischer Kinder landauf und landab in der Bundesrepublik vor Gericht zerren. Wie man das rechtstechnisch tut, weiss ich nicht. Da bin ich rechtstechnisch nicht genug bewandert. Hinnehmen kann man jedenfalls solcherlei als Kinderfreundlichkeit und Rechtsglaeubigkeit getarnten Angriff nicht.

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    Apropos Bundesverfassungsgericht: Wie ich der Zeitung entnehme, will das BVerfG erst im September über ESM und Fiskalpakt entscheiden. ….

    … clever. Eine kluge Entscheidung des Bundesverfassungsgerichtes.

    Und nun? nix! es passiert nix! Ruhe im Karton! Deutschland lebt ohne ‚BRD‘, ohne die Ex und Kumpane und ohne Kommissare. Mein schreiben seit anno Schnee – q.e.d..

    Die Personalität besagt, dass jeder Mensch die Freiheit hat, sein eigenes Leben ohne unnötige staatliche Einwirkung verantwortlich zu gestalten.

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    Berichtigung: KREISCHEN ( vom Collins GERMAN Cocise Dictionary in meiner Sammlung von Woerterbuechern und Grammatiken verschiedener Sprachen. Manchmal plagt micht ein Zweifel nach dem ich schon etwas falsch buchstabiert habe. Das schlimmste Wort ist „address“ (engl.) – welches in jeder Sprachen anders buchstabiert wird…and manchmal sogar eine andere Bedeutung ausdrueckt…)

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    „Europa schafft sich ab!“ Kreichen um Vorhautbeschneidung weil das der liebe Gott will und die Verfassung das nicht erlaubt, und Kopftuch tragen weil Haar sexuell eregend sein koennte, obwohl man mit dem Haar eigentlich „da“ nichts anfangen kann. Waehrend Barclays in London fuer Jahre die Zinsraten verlogen hat. Der „Economist“ – nur zwei Ecken von Barclays und nahe den „Gentlemen“ at 10 Downing Street – hat niemals was gemerkt – obwohl der „Economist“ sofort erklaert dass Venezuela nicht zum Mercosur passt. — Vor einer Woche sind in Sao Paulo/Brasilien eine Million Evangelische marschiert, natuerlich mit viel Musik. Brasilien, heute noch das Land mit der groessten katholischen Bevoelkerung – wird nach 2020 mehrheitlich evangelisch. Der Trend ist aehnlich in ganz Lateinamerika. Heute sind in Sao Paulo 500 katholische Kirchen und 18,000+ evangelische Gemeinde-Gebaeude. Die Lehre: Langfristig sinkt das „weisse“ Europa und langfristig steigt das multi-rassige Lateinamerika. Auch in anderen Hinsichten steigt Lateinamerika: Brasiliens Institute Osvaldo Cruz hat nach 30 Jahren eine Impfung gegen Bilharzia entwickelt – an welcher 200 Millionen weltweit leiden. Eine brasilianische Neurowissenschaftlerin hat die Frage der Anzahl der Gehirnzellen geloest: 80 Millarden. Die deutsche Raumfahrtbehoerde hat in Norwegen eine brasilianische Rackete fuer ein Experiment verwendet. Der Brasilianer ist heute 10 Zentimeter groesser als vor einer Generation. — Europeos – konzentriert euch auf Probleme der Vorhautbeschneidung und auf das Kopftuch – das passt zum schrulligen Niedergang…vielleicht vergeht dann die Sucht als „Ordnungshelfer“ auf anderen Kontinenten einzugreifen.

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    Vielleicht wurden ihm ja statt der Vorhaut die anderen Dinger weggenommen, Herr Posener, ich weiss es nicht, ich weiss es nicht!

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