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Soldatenväter

Zuerst einige Zahlen: 17 Millionen Männer dienten in der Wehrmacht, fünf Millionen fielen oder wurden vermisst, drei Millionen kamen als Kriegsversehrte zurück. Bei Kriegsende waren elf Millionen deutsche Soldaten in Gefangenschaft, davon drei Millionen in sowjetischen Lagern. Viele kehrten erst nach Jahren heim.
Es ist klar, dass ein Krieg – und eine Niederlage – solchen Ausmaßes tiefe Spuren in dem zurücklassen müssen, was man leichthin die „kollektive Psyche“ nennt, die sich aber immer konkret äußert. Seit einigen Jahren ist die Journalistin Sabine Bode den psychischen Spätwirkungen des Zweiten Weltkriegs auf der Spur. Wäre man gemein, könnte man sagen: sie hat daraus ein Geschäftsmodell gemacht. Ein Dutzend Interviews mit Leuten, die im O-Ton über ihre größeren und kleineren psychischen Probleme reden, verrührt mit einer Mischung aus Pop-Psychologie, Expertenkommentar und Betroffenheit, und fertig sind die Bücher. Zuerst kam: „Die vergessene Generation. Die Kriegskinder brechen ihr Schweigen“. Dann: „Kriegsenkel. Die Erben der vergessenen Generation“. Und nun: „Nachkriegskinder. Die 1950er Jahrgänge und ihre Soldatenväter“.
Eigentlich könnte man Bodes Bücher mit einem Achselzucken abtun. Die angeführten Beispiele für angebliche psychische Nachwirkungen des väterlichen Kriegstraumas sind oft abstrus bis unfreiwillig komisch. Da erklärt eine Frau den Sadismus ihres Vaters mit dem „Hungertrauma“, das er ausgerechnet in englischer (!) Gefangenschaft erlitten haben soll; da erklärt eine andere Frau die körperliche Distanziertheit ihres Vaters damit, dass er „beschämt war über das, was ihm widerfahren war und wozu er als Soldat fähig gewesen war“, da hat eine nach dem Krieg geborene Frau wiederkehrende Albträume von Krieg. „Inzwischen fragt sie sich, ob sie Albträume von ihren Eltern geerbt haben könnte“. Wo man Träume erben kann, ist alles möglich. „Ich meine, es ist Zeit, vor dem Hintergrund des Erbes der Soldatenväter über Führungsschwäche nachzudenken“, sagt Bode. Und sie meint nicht das Tanzen: „Können Menschen, die von ihren Vätern nur abgewertet wurden, Orientierung geben und Maßstäbe setzen?“ Gemeint sind „hohe Politiker, Banker, Generäle, Leiter von Sendeanstalten, Kliniken und Universitäten“. Als Kinder von Soldatenvätern geraten sie in den Generalverdacht, sozusagen Kriegstraumatisierte aus zweiter Hand zu sein. Kein Wunder, dass sie anders als – ja, wer eigentlich? – kein Vorbild sein konnten. Und wer es vielleicht nicht bis zum Leiter einer Sendeanstalt gebracht hat, kann sich trösten; er ist nicht unfähig sondern traumatisiert, denn: „Wenn ein Elternteil an einer posttraumatischen Störung leidet, dann taucht eine solche Belastung bei 50 Prozent der Kinder wieder auf.“  An der Schwelle zum Alter sollen die Angehörigen der Post-68er-Generation, die ein Erwachsenenleben lang unter dem Verdacht litten, ihre Väter könnten Täter und sie also Täterkinder sein, sich nun als Opfer und Kinder von Opfern begreifen dürfen.
Zweifellos waren viele Kinder der Soldatengeneration Opfer – Opfer einer Kindeserziehung, die Schläge für normal, Demütigung für notwendig, den Befehlston für angemessen erklärte, die den Widerspruch eines Kinds mit Frechheit, die Zärtlichkeit der Eltern mit Verzärtelung verwechselte. Aber diese schwarze Pädagogik war nicht, wie Bode anzunehmen scheint, das Produkt kriegstraumatisierter Väter. Vielmehr war sie mit verantwortlich für die Schaffung jener autoritären Charaktere, die einem „Führer“ zuzujubeln bereit waren, selbst wenn er so lächerlich aussah wie Adolf Hitler. Das haben die 68er übrigens erkannt; nicht zufällig haben sie viel Energie auf die Schaffung antiautoritärer Kinderläden und auf die den Versuch verwandt, die Schule zu vermenschlichen. Ausgangspunkt war das bahnbrechende Buch von Alexander und Margarete Mitscherlich, „Die Unfähigkeit zu trauern“ (1967), das sich nicht einmal in Bodes Literaturverzeichnis findet. Wer jedoch über die Nachkriegskinder reden will, darf über die Mitscherlichs nicht schweigen. Zumal in der DDR die Tradition der autoritären Pädagogik ungebrochen fortlebte und in vielen Köpfen fortlebt, während ein Michael Winterhoff die Produkte der nichtautoritären Erziehung in einem Bestseller als „kleine Tyrannen“ brandmarkt.
Ich bin Jahrgang 1949 und Sohn eines Soldaten, der allerdings als deutscher Jude auf der anderen Seite kämpfte. Deshalb geht mich Bodes neuestes Buch etwas an. Aufgewachsen bin ich in England. Dort erzählten die Erwachsenen permanent vom Krieg. Wir lasen Kriegscomics und sahen uns Kriegsfilme an. (Das allgegenwärtige Heldengerede provozierte einen John Lennon derart, dass er 1967 eine Rolle in Dick Lesters Antikriegsfilm „Wie ich den Krieg gewann“ übernahm.) Als ich 1962 nach Deutschland kam, war es genauso. Meine Mitschüler erzählten von den Heldentaten ihrer Väter. Die Lehrer erzählten von ihren Heldentaten. Die Vertriebenen erzählten von ihren Leiden. Man las „Landser“-Hefte. Der „Spiegel“ machte eine Titelgeschichte nach der anderen mit Hitler auf. Nur über eine Sache redete man nicht, und wenn, dann in der Reihung: „Dresden – Hiroshima – Auschwitz“. Es passieren halt schlimme Dinge im Krieg.
Sabine Bode jedoch behauptet, in Nachkriegsdeutschland habe ein großes Schweigen über den Krieg geherrscht. „Die meisten deutschen Veteranen des zweiten Weltkriegs brachen, wenn überhaupt, erst als alte Männer ihr Schweigen“. Schön wär’s gewesen, möchte man sagen. Und einige der Berichte in ihrem Buch widerlegen diesen Befund. „Sonntags, nachdem der Frankfurter Kranz gegessen war, gingen die Frauen in die Küche und die Männer blieben, und dann wurden die Abenteuer aus dem Krieg erzählt“, erzählt ein Arzt. Ein Lehrer berichtet von einem Familienfest Ende der 50er Jahre: „Man trank viel, grölte Nazilieder, man hatte sich Hitlerbärtchen angemalt. Ein Ulk sei das gewesen, sagt er, davon gebe es noch Fotos.“ So war’s. Das Schweigen ist ein Märchen; in Wirklichkeit war das allgegenwärtige Gequatsche über den Krieg und die Nazizeit – „Alles war ja nicht schlecht… Sexualtäter gab’s bei Adolf nicht, und wenn ja: Rübe ab!“ – so laut, dass viele „Nachkriegskinder“ sich die Ohren zuhielten. Und so gern die 68er abstrakt vom „Tätervolk“ redeten, so ungern fragten sie in der eigenen Familie konkret nach, was gewesen war. Aber Sabine Bode entdeckt nun, da man „falsche Schamgefühle“ überwindet und „ein recht souveräner Umgang mit der deutschen Vergangenheit erreicht“ und auch „die Empörung über die Väter weitgehend abgeklungen“ ist, auch noch im angeblichen Schweigen der Soldatenväter eine Tugend: „Die Wahrheit hätten wir nicht verkraftet. Muss man diesen Vätern für ihr Schweigen danken?“
Nein, muss man nicht. Geredet und geschwiegen wurde, um sich selbst in einem möglichst günstigen Licht erscheinen zu lassen, als Held und Opfer, nicht als Feigling und Täter. Und die Kinder dieser Soldaten haben nicht nachgefragt, weil ihnen nur so viel an der Wahrheit lag, wie sie brauchten, um selbst im günstigen Licht dazustehen: als diejenigen, die mit dem „Muff von 1000 Jahren“ aufräumten. Das alles ist nachvollziehbar und verständlich. Aber man muss es nicht nachträglich auch noch rechtfertigen. „Nachkriegskinder“ ist ein ärgerliches, geschwätziges und ziemlich dummes Buch.
Sabine Bode: Nachkriegskinder. Die 1950er Jahrgänge und ihre Soldatenväter. Klett-Cotta, 302 Seiten, 19,95 Euro
 
 

 

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181 Gedanken zu “Soldatenväter;”

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    @ Lyoner

    Hm … ja, eine naheliegende Assoziation. Tatsächlich habe ich Sie aber sozusagen ehrwürdiger deutsch lokalisieren wollen, s. Schleppfuß und Thomas Mann.

    Ich bin auch gespannt, ob der, mit dem Sie mich gerne in einen Topf werfen …

    Oh, Mann! Was für eine verrückt – s.o. – faustische Formulierung! Ich bin auch gespannt, ob der, mit dem Sie mich gerne in einen Topf werfen … Dass Sie sich mit allen möglichen Ders in einen Topf werfen oder, umgekehrt und fast noch verrückter, Die sich mit Ihnen, kommt Ihnen gar nicht in den Sinn?

    Ansonsten: Ja. Sie haben sich viel vorgenommen. Aber keineswegs zu viel. Das liegt ohne jeden Zweifel in Ihrer Reichweite. Für problematisch halte ich jedoch Nolte. Aber nicht deswegen, weil er Sie überfordern könnte, sondern deswegen, weil Sie sich durch Ihn in Ihre alten (sterilen) Fahrwasser (ver-)führen lassen könnten.

    Und: Ja. Die fehlende Butter bei den Fischen sehe ich ebenfalls. Meine Kinder und meine Frau (und ein zwei weitere Leute) bedrängen mich heftig, das in eine ordentliche Form zu bringen …

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    @ Rita E. Groda: Den Leuten hinterherschnüffeln, nebulöse Bemerkungen machen in nicht besonders lauterer Absicht.

    Sie beziehen sich auf den zweiten Absatz meines Kommentars vom 31. Dezember 2011 um 09:59.

    Ob Lyoner unter dem Pseudonym „Lyoner“ schreibt oder unter einem seiner inzwischen zahlreichen anderen Pseudonyme, die er hier, auf SM, benutzt hat – inhaltlich und stilistisch ist er unübersehbar immer derselbe, besteht kein Zweifel an seiner intellektuellen Identität. Und sein Blog, das er nun offenbar aufgeben will, war hier, auf SM, x-fach Thema. Wie auch sein Antisemitismus.

    Da gab es kein Geheimnis, das zu „erschnüffeln“ und lüften gewesen wäre. Es sei denn, Lyoner bzw. „Lyoner“ usw. usf. wollte aus seinen wechselnden Pseudonymen ernsthaft ein Geheimnis machen und uns mit seinen wechselnden Pseudonymen ernsthaft hinters Licht führen.

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    Auch noch bei Benny Peiser gefunden und sehr lesenswert:
    „Today’s situation, of course, is even more frightening. Our equivalent of the gold standard — the misguided folly of the euro — is poised on the brink of disaster, yet the European elite refuse to let poorer Mediterranean nations like Greece and Portugal leave the eurozone, devalue their new currencies and start again.

    Should the eurozone collapse, as seems perfectly likely given Greece’s soaring debts, Spain’s record unemployment, Italy’s non-existent growth and the growing market pressure on France’s ailing economy, then the consequences would be much worse than when Britain left the gold standard.“
    http://www.dailymail.co.uk/new.....-ever.html

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    Cher Jean-Luc, Ihr Deutsch ist okay, so lange es nicht mit Ihrer Tastatur und Ihrer schlechten Laune über meine Äußerungen zusammenstößt. Ich gebe Ihnen, von Rita zu „Niemand geht je so ganz“ aufgefordert, einige Belege zu dem Zitat, das Sie so in Rage bringt:
    1.) Fukushima, die Bilder, weniger von der Flutkatastrophe – es heißt inzwischen übrigens, es seien nur 15.000 gewesen, aber Zahlen,nun ja – als vielmehr von den rauchenden Reaktoren genügen, um in Deutschland Ängste zu schüren und alte Vorbehalte zu revitalisieren. Die Wähler in BW wählen Kretschmann, einen allerdings sehr sympathischen Grünenpolitiker, und Frau Merkel macht die 180°-Wende unter diesem Druck. DIe 180°-Wende ist in einem Industrieland als irrsinnig einzuschätzen, der Druck ging vom Volk aus.
    2.) Die Französische Revolution führte zu der Enthauptung einer österreichischen Königingattin. Danach enthauptete man sich gegenseitig. Korrigieren Sie mich bitte, wenn nötig. Ich postuliere, dass das Volk gewalttätig ist.
    3.) Die Russische Revolution führte zur Ermordung der gesamten Zarenkinder. Allein das zeigt, finde ich, das rohe Herz des Volks.
    4.) Ein oft sehr kleiner, gut informierter, Teil protestiert, wagt etwas, Beispiel Ägypten. Ein großer Teil, darunter reichlich Analphabeten, wählt später Salafisten.
    5.) Hitler, Mao, Stalin, Che Guevara hatten Unterstützung breiter Massen und waren Massenmörder.
    Daher misstraue ich dem Volk. Sie dürfen das gern korrigieren. Englisch wäre mir lieber übrigens.

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    @ Alan Posener:
    Danke für den Anstoß zu dieser interessanten Debatte. Bei Interesse sende ich Ihnen gerne das ganze Ergebnis meiner Familienrecherche zu, welches ich anlässlich eines Geburtstages meiner Tochter mal aufggeschrieben habe.
    Mit freundlichen Wünschen fürs neue jahr
    Stefan Buchenau

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    Lieber Herr Parisien,

    auch Ihnen wuensche ich ein Gutes Neues Jahr, Bonne Année, Happy New Year.

    Das sie mit mir Schwierigkeiten haben:

    „Jean-Luc geht leider etwas an mir vorbei, weil er seinen französischen Humor auf deutsch nicht leben kann“

    „So stop quoting me please and making fun of my own language“

    Daher werde ich zuekuenfig keine Kommentare zu ihren Beitraegen abgeben.

    Wenn ich allerdings weiter solche Saetze von Ihnen hier im blog lese, dann entwickele ich weder franzoesischen Humor, noch US-Humor, noch deutschen Humor:

    „Parisien sagt:
    23. Dezember 2011 um 22:22

    Und ich bin keineswegs der Ansicht, dass “das Volk” regieren kann. Es ist eine leicht zu manipulierende Masse, im Großen und Ganzen.“

    Ich hoffe, dass mein Deutsch dieses Mal so klar und verstaendlich ist, dass auch sie es verstehen!!

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    @Rita Groda

    pardon:

    das war natuerlich a freudian slip: 🙂 🙂 🙂 🙂

    Cher Alterspraesidentin

    es muss heissen:

    Chère Alterspraesidentin

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    @Rita Groda

    Cher Alterspraesidentin:

    Eine kleine Anmerkung:

    Herr Parisien ist nicht Frau Parisienne 🙂

    Auch fuer sie:

    Ein Gutes Neues Jahr, Happy New Year, Bonne Année

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    @EJ

    Heisst es nicht form follows function. Und betrachten sie diesen Satz noch als “ Feuilleton-Stil “ ???

    Parisien sagt:
    23. Dezember 2011 um 22:22

    Und ich bin keineswegs der Ansicht, dass “das Volk” regieren kann. Es ist eine leicht zu manipulierende Masse, im Großen und Ganzen.

    Entweder weiss Herr Parisien nicht was er hier schreibt, entweder kennt er das deutsche Grundgesetz nicht:

    http://de.wikipedia.org/wiki/A.....eutschland

    (2) Alle Staatsgewalt geht vom Volke aus. Sie wird vom Volke in Wahlen und Abstimmungen und durch besondere Organe der Gesetzgebung, der vollziehenden Gewalt und der Rechtsprechung ausgeübt.

    oder er ist ein Anti-Demokrat.

    Wenn hier speziell zum Thema Nachkriegsgeneration der Mangel an ! Aufarbeitung “ beklagt wird, dann ist dieser Satz fuer mich ein Indikator, dass hier noch ein Nachholbedarf besteht.

    Herr Parisien hast es “ bewusst “ vermieden “ hier zu Stellung zu nehmen.

    Darum kann ich leider nicht wie sie oder Frau Groda in einen Orientteppich beissen!!

    Ein Gutes Neues Jahr, Happy New Year, Bonne Année

  10. avatar

    @ EJ

    Auf der Achse des Guten wird enthüllt dass John Maynard Keynes ein in der Wolle gefärberter Antisemit und Verschwörungstheoretiker war

    http://www.achgut.com/dadgdx/i....._you_know/

    M.E. ist dies die Scylla der Analyse; die Charybdis scheint mir zu sein, wenn man nur von einem System ohne Akteure reden will. Vielleicht kommen wir gemeinsam und zusammen mit anderen Mitstreitern weiter.

  11. avatar

    @ EJ

    „Pferdefuß“? „Schleppfuß“? Habe ich jemals gefragt: Wollt Ihr den totalen Krieg? – ganz im Gegenteil.

    Ich bin auch gespannt, ob der, mit dem Sie mich gerne in einen Topf werfen, sein angekündigtes Programm durchführt. Spannend, aber vielleicht eine Nummer zu groß.

    Ich würde mich freuen, wenn Sie die Skizzen Ihrer Fundamentalkritik am Neoliberalismus á la Posener, die Sie zuweilen geben, anreichern würden, mehr Butter zu den Fischen machen würden.

  12. avatar

    @ derblondehans

    Waren Sie es, der Freddy Quinn zusammen mit den Pics von der christlichen Seefahrt einstellte? Sind Sie der Käpten? Ich muss sagen, ich bin sehr beeindruckt, insbesondere von den Wetterwänden oder Nebelwänden, die am Horozont lauern. Für mich Süßwassermatrosen, der den einen oder anderen Film gesehen hat, verbergen sich darin die Gespensterschiffe mit den Untoten oder der fliegende Holländer oder andere Verfluchte. Wie schützt ein Seemann sich und seine Seele vor dem Horror, dem Grauen, der auf See lauert?

  13. avatar

    @ Rita E. Groda

    Gerade der Ballerei entkommen und noch aufgekratzt, möchte ich gerne bei Ihnen, liebe Frau Groda, beginnen, die Kampfzonen des Neuen Jahres auszuweiten:

    Können Sie uns erklären, was denn daran emanzipatorisch ist, wenn hier ein Huhn „Ich“ sagen kann und ansonsten selten „dämlich“ (Entschuldigung, die deutsche Sprache ist rassistisch) und pseudologisch gackert – und was ist antiemanzipatorisch, wenn Sie von drei Hähnen und einem „pickenden Huhn“ auf den Schnabel bekommt? Das müssen doch Frauen genauso aushalten wie Männer, oder sehen Sie das anders?

    Ich bin mir sicher, dass Sie mir mit einer Riposte oder Filo in die Parade fahren und verbeuge mich chevaleresk mit Hilde und Extrabreit http://www.youtube.com/watch?v=x8Pf2b9hxOY

  14. avatar

    @EJ: Ja, als Blogwart wären Sie die Idealbesetzung. Den Leuten hinterherschnüffeln, nebulöse Bemerkungen machen in nicht besonders lauterer Absicht.

    Wir sind inzwischen untereinander ganz gut vernetzt.
    Da?´man Sie hierzu nicht eingeladen hat, dürfte schon seine Gründe haben.

    P.S. Also, ich beiße wenigsten in einen Orientteppich, langt es bei Ihnen auch dazu?

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    Liebe parisienne: Eigentlich wäre es schade, wenn Sie uns verlassen, aber vielleicht gilt auch bei Ihnen das Motto“ Niemand geht je so ganz“.

    Machen Sie sich keine unnötigen Sorgen um die Emanzipation, bis die Männer Sie bemerkt haben ……..

    Die Frauen müßen sich eigentlich nur noch darum sorgen, daß sie es „nicht so schlecht machen, wie die Männer“, wie es unsere wunderbare alte Dame Hamm-Brücher so treffend kürzlich formulierte.

    Für die Frauen regnet es schon lange rote Rosen und sie sagen immer vernehmlicher“ich will“, mit erstmaliger Betonung von“ich“.

    http://www.youtube.com/watch?v=WqeoeYz_1AQ

  16. avatar

    @ Rita E. Groda: Wenn Sie sich ein bißchen weniger wichtig machen würden, dann hätten wir im
    Jahr 2012 endlich mal Frieden auf dem Blog!!!!!

    Teppich <= reinbeißen, Frau Groda! 🙂

    @ Jean-Luc Levasydas: Wenn ich mir ihre früheren Kommentare ueber Parisien durchlese…. Woher der Sinneswandel ??

    Ich habe doch Parisiens Stil nicht kritisiert. Bester Feuilleton-Stil!

  17. avatar

    @EJ; Wenn Sie sich ein bißchen weniger wichtig machen würden, dann hätten wir im Jahr 2012 endlich mal Frieden auf dem Blog!!!!!

    Könnten Sie vielleicht endlich einmal aufhören!!!!

  18. avatar

    Neujahrsrede der(vermutlichen) Alterspräsidentin von SM

    Um mit Reinhard Mey zu sprechen“ Ich glaub das war ein gutes Jahr“. Für mich jedenfalls war es ein gutes Jahr, trotz aller Jammerei und aller Kuriositäten. Mensch und Tier in meinem Mikrokosmos sind gesund – auf Holz klopfen -, das Häusle frisch renoviert, gute Gespräche habe ich geführt, viele gute Geschichten wurden vom Leben geschrieben, auch interessante Leute lernte man kennen.

    Auch bei Sado-Maso hier gab es zahlreiche positive Anregungen und aufregende Themen. Auch hier konnte man von Freund und Feind durchaus profitieren, ja sogar durchaus lernen. Neue, interessante Profileure kamen hinzu, bedauerlicherweise gingen auch einige wieder, bzw. wurden gegangen. Genau ebenso, wie im richtigen Leben.

    Das letzte Thema, das Alan Posener angepackt hat, hat auch mir gezeigt wo unsere, bzw. meine Deutsche Grenze verläuft, wie aufregend(im negativen Sinne) und nervenaufreibend die eigene Deutsche Identität Verarbeitung tatsächlich immer noch ist.
    Wie sehr man Acht geben muß, daß man Grenzen nicht mutwillig übertritt. Daß man nämlich möglichst präzise aufzeigt, wo der Unterschied ist, zwischen der auch berechtigten Perspektive als ein eben auch „Opfer“ der Deutschen Geschichte, und der richtigen in Augenscheinnahme der ganz realen Opfer, der Millionen Toten und der Hinterlassenschaft an den Biografien unzähliger

    Für mich ist es unendlich schwer hier die richtige Balance zu finden; versucht man vor sich selber halbwegs anständig zu sein gleicht das einem Akt der Verzweiflung. Man weiß daß es ein weiteres Verbrechen wäre die Opfer zu vergeßen, geradezu ein Ansporn in der Zukunft neue Opfer zu provozieren. Genau so weiß man, daß es an der Zeit wäre auch die eigenen Opfer, die Deutschen Opfer, zu betrauern.
    Und just zu diesem Zeitpunkt holt einen die ganze, verdammte braune Sauce wieder ein, neue Nazi-Mörder hat dieses Land hervorgebracht. Und die alte Verbitterung sucht einen wieder heim.
    Was wäre es auch für mich eine Erleichterung, diese ganze Deutsche Nazische……. abstreifen zu können, wie ein dreckiges Kleid! So zu leben, wie andere Westeuropäische Völker auch. Nicht aufpassen zu müßen, was man sagt, nicht scheinverantwortlich zu sein für nichteigene Verbrechen. Und sich nicht schuldig fühlen zu müßen, wenn man sich auch manchmal als Opfer der eigenen Geschichte betrachten will.

    Die Diskussion der letzten Tage hier hat in mir wieder die ganze Erbitterung der 60-er Jahre hochkommen lassen, geradezu körperlich fühle ich wieder diese ganze verlogene Scheinheiligkeit, Bigotterie, Verdrucktheit, Prüderie, Verschwiegenheit, Verstocktheit…………….
    Es ist gut, daß wir endlich auch einmal darüber gesprochen haben ………….

    Wenn ich sage, es war ein gutes Jahr, dann meine ich auch“wir haben es überlebt“.
    Und wenn uns die Mayas keine Strich durch die Rechnung machen, überleben wir auch die Kuriositäten des nächsten Jahres.
    Wir haben auch das Krisenjahr 2011 mit all seinen Absurditäten überlebt, was sollte uns da noch passieren!

    Ich wünsche uns allen ein gutes Jahr 2012 und daß wir am Ende dieses Jahres sagen können:

    http://www.youtube.com/watch?v=bpG6Y8G0PZs

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    Bevor ich mich von hier erstmal verabschiede, um mich wieder um andere Dinge zu kümmern, einige Erkenntnisse aus diesem Ausflug:
    Ich bin kein Internetautor und schreibe selten in Kommentarbereichen. Wenn ich das tue, dann am ehesten, weil ich an etwas anecke. Daher komme ich zwangsläufig rein mit einer anderen Meinung. Das erste mal passierte das, als mir auffiel, dass halb GB Kate and Gerry McCann selbst für die Entführung ihrer Tochter verantwortlich machte. Ich schrieb eine Verteidigung für zwei traumatisierte Eltern. Interessant war die Resonanz: Ca.300 Zuschriften, Tenor halbe/halbe. Keine Beleidigung, keine Beanstandung meiner englischen Formulierungen.
    Eine andere größere Sache war ein konsequenter Einsatz für Me. Strauss-Kahn in diesem Sinnen: Not guilty until proven. Das führte zu etlichen Beleidigungen , obwohl ich einen Hauptgrundsatz unseres Rechtsystems (und des amerikanischen)damit vertreten habe. Allerdings hatte ich solche Dinge nicht in England geschrieben, sondern in den USA, wo Monsieur medial vorverurteilt worden war.

    Man erregt also Anstoß, wenn man eine andere Meinung schreibt, die m.E. auch verkehrt sein darf. Ohne das Risiko des Fehlers keine freie Meinung. Ich darf mich irren. „Errare humanum est.“
    Somit stellt sich mir eher die Frage, ob das Internet tatsächlich so viel Meinungsfreiheit beinhaltet, wie vorgegeben wird, oder ob es nur wiederum auf eine andere Ebene verschobenes Gruppendenken und Klüngel favorisiert. Damit erstmal gut. Ciao, und vielen Dank für interessante Gedanken und etwas Zoff, den man auch nicht scheuen sollte.
    Meine für Manche fragwürdigen Einlassungen haben APo’s comment-Bereich etwas anschwellen lassen. Ganz aufschlussreich waren für mich auch kürzlich gewisse Kommentare bezüglich Rita. Geleichberechtigung haben wir politisch, Gleichstellung im Kopf auf keinen Fall. Nochmal guten Rutsch!

  20. avatar

    2011 war ein ereignisreiches Jahr. Was mich am meisten beschäftigt hat:
    1.Der Ausbruch der Revolution in Ägypten, der vermutlich wegen gestiegener Brotpreise und mangelnder beruflicher Perspektiven zustande kam. Der unglückliche Schluss daraus, dass Salafisten das besser machen könnten.
    2. Natürlich Fukushima. Hierbei vor allem dies:a) Der deutsche Rückschluss, man müsse alle AKW abschalten, obwohl wir kein Erdbebengebiet sind, b) Der deutsche Fokus mehr auf die brennenden Reaktoren gerichtet als auf die ca. 30.000 Sofortopfer der Flutkatastrophe, c) Die eher zurückhaltende Hilfsbereitschaft im Spendensektor. d) Die Erkenntnis, dass solche Katastrophen nicht versicherbar sind. e) Die erfrischende Ehrlichkeit von Rainer Brüderle. Wir wünschen uns immer ehrliche Politiker; wenn sie ehrlich sind, werden sie in die Ecke gestellt.
    3. Die mediale Hexenjagd auf Me. Strauss-Kahn. Dabei bin ich davon ausgegangen, dass er möglicherweise in seiner Frauenbesessenheit aufdringlich sein kann, aber nicht gewaltätig. Ihn in Handschellen zu sehen, war drastisch.
    Außerdem: Ein Freund, dem ich so was gar nicht zugetraut hatte, sagte kürzlich: „Ich vermisse Berlusconi.“ Nachdem die allgemeine Heiterkeit abgeklungen war, musste er das erklären. „Ich hab seinen Witz und seine Unverblümtheit genossen“, kam als Erklärung. Das befürchte ich etwas: Eine Saubermannwelt, in der niemand mehr ins Fettnäpfchen treten darf. Ich dagegen vermisse die „Bushisms“ aus Slate. Imperfekte Politiker können Humor erzeugen. Meine liebste Gaffe:
    Rick Perry, der drei Einrichtungen abschaffen will, aber nicht wusste, welche. Zu finden unter Rick Perry Gaffe auf youtube.
    Und mein ganzes Mitgefühl gilt der wunderbaren Gabbi Giffords, den Familien der Opfer des Irren, der sie meinte, und den Familien der Opfer von Anders Behring Breivik. Sowie den 30.000 Japanern, die alles verloren haben.

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    Cher EJ

    „Parisien, bei allen angedeuteten inhaltlichen Einwänden, für einen ganz außerordentlichen Stilisten.“

    Sie sprechen wie die Pythia, immer vom Nebel umhuellt 🙂

    Wenn ich mir ihre früheren Kommentare ueber Parisien durchlese….

    Woher der Sinneswandel ??

    Ist Parisien vielleicht ein néo-dadaist ??

    Oder ist es der Aufbruch zu einer neuen Kunstform?

    Der James Joyce des 21. Jahrhunderts?

    Der neue Zettel`s Traum?

    The catcher in the blog ?

    Ich vermute sie sind schon dabei Parisien zu einer Lesung in ihrem Haus bei ratatouille oder Speckkuchen einzuladen.

    Ich wuerde mir sehr gerne die Veroeffentlichungsrechte fuer die US sichern, bevor mir hier jemand aus dem commercial sector e.g. Mr Berger zuvor kommt. Aber vielleicht ist es bei mir wie beim hare und dem hedgehog Alan Posener als Literaturagenz war schon frueher dar 🙂

    Ich wuensche ihnen als einem der letzten der Ueberlebenden bzw. der Mohawks des Apo Blogs und als langjaehrigem combattant de guerre gegen die Neolibs fuer das Jahr 2012 alles Gute.

    Zeigen sie wieder soviel Rueckgrat wie bei der „Stazis-Auseinandersetzung “ und geben sie die Hoffnung nicht auf das Apo sich auch noch einmal wieder “ wenden “ kann !!

    Den uebrigen Teilnehmern am SM blog moechte ich ebenfalls alles Guite fuer 2012 wuenschen.

    Spezielle Wuensche gehen auch an Alan Posener, der oftmals den Saebel bei Auseindersetzungen durch das Florett ersetzen sollte.

    Ich moecht mich trotz aller unterschiedlichen Meinungsunterschiede bei ihm bedanken, dass er hier aktiv in die Diskussionen eingreift und trotz seiner Naehe zur retraite in Cornwall in Chamonix, Paris oder Londres noch immer ein street-fighting man ist:-)
    Ich wuensche ihm auch dass er das neue Berliner Schloss mit coupole bald mit seinen neuen Filzpantoffeln besuchen kann.

    Bonne Année, Happy New Year. Ein Gutes Neues Jahr

    Jean-Luc

    P.S.Some people never go crazy. What truly horrible lives they must lead.

  22. avatar

    Cher Jean-Luc, d’abord je vous souhaite une très bonne nouvelle année.
    Secondly it’s obvious that you can’t judge upon my style in German. You could do the same thing in English or French, but not in German. Your German is like my French. Very good, but not perfect, not being the mother tongue. So stop quoting me please and making fun of my own language. It wouldn’t occur to me to do that with you in English or French.

    Ein frohes Neues Jahr der Blogbetreiberin und Alan Posener. Herzlichen Dank, dass Sie mich hier toleriert haben! Außerdem allen, die hier sshreiben, viel Glück 2012!

  23. avatar

    @ Lyoner: Ihnen und allen anderen Mitkämpfern einen guten Rutsch!<

    Dem schließe ich mich, besonders auch Parisien gerichtet, an. (Anders als Jean-Luc halte ich Sie, Parisien, bei allen angedeuteten inhaltlichen Einwänden, für einen ganz außerordentlichen Stilisten.)

    Wie ich sehe, Lyoner, sind Sie im Begriff, sich Ihren Pferdefuß zu amputieren. So richtig kann ich das noch nicht glauben. (Irgendwie gehört der Schleppfuß ja doch wesentlich zu Ihrem Erscheinungsbild.) Sollten Sie aber tatsächlich dazu in der Lage sein, würde ich mich über die damit verbundene Erweiterung der Blogwelt (und der damit verbundenen Kommentar-Möglichkeiten) sehr freuen. Wellcome! In diesem Sinne …

  24. avatar

    Cher Frau Groda

    Ich glaube sie verwechseln etwas das Geschlecht unseres Teilnehmers :Parisien 🙂

    „Parisienne gehört nicht gerade zu meinen besten Freundinnen, allerdings, eine solche Therapieanmaßung, wie die von Lyoner, hat Sie jetzt bestimmt nicht verdient“

    Oder hat sich Parisien innnerhalb weniger Stunden von einem Mann in eine Frau verwandelt???

    Für mich persönlich ist Parisien eher a Parisienne, die hier als halbes baguette nur Floetentoene von sich gibt.

    „Flûte (Flöte): Gleiches Gewicht, doppelte Länge aber halbe Dicke eines Baguettes (in den USA als „parisienne“ bezeichnet)“

    http://de.wikipedia.org/wiki/Baguette

    Mittlerweile reagiere ich nicht mehr auf ihn, weil:

    Ich habe Mitleid mit ihm. Und il est un pauvre con

    Ich sage nicht wie Sarko:

    http://www.youtube.com/watch?v=axDyUNWyuw8

    Allerdings werde ich sehr allergisch wenn so Saetze hier veroeffentlich werden wie:
    Parisien sagt:
    23. Dezember 2011 um 22:22

    „Und ich bin keineswegs der Ansicht, dass “das Volk” regieren kann. Es ist eine leicht zu manipulierende Masse, im Großen und Ganzen.“

    In diesen Fall ist Parisien für mich ein Bâtard :
    Bâtard (Bastard): Restteig, der nach der Baguetteproduktion übrig bleibt!!

    Das traurige am Fall Parisien ist, dass er leider nicht mehr weiss was er eigentlich schreibt:

    Parisien sagt:
    29. Dezember 2011 um 18:06

    @ Lyoner: Wegen Ihres Danke steuere ich etwas bei: Wir haben das Problem mit dem Separatgehen wegen einer Erkrankung hier auch im Haus. Es ist männerspezifisch, würde ich sagen. Aber ich schätze Männer, weil ich nie nach Perfektion gestrebt habe und Frauen auch gewaltige Schwächen haben, Rechthaberei z.B.. Sie lesen sehr gut. Michael Lucas Moeller hat übrigens viel mehr Geschlechter beschrieben als zwei. Man muss das Gehirn mit rechnen.

    Mein Appell:

    Vielleicht sollten wir daher weniger auf ihn eingehen.
    Ihm seine Spielwiese lassen, einige Saetze von ihm sind sicherlich im Prinzip gut aber in summa ist es so ein “ intellektuelles Chaos “ dass er mir wirlich Leid tut, wie er sich hier darstellt.
    Ich vermute, dass irgendwann ein “ break“ bei ihmn stattgefunden hat, der diese “ fuzzy logic “ hier an die Oberflaeche kommen laesst:

    Seine Verstaendnisschwierigkeiten kann ich e.g. hier illustrieren:

    „Und Antisemitismus halte ich fürwahr für eine anerzogene Geisteskrankheit,“

    „Purpurmantel? Sagen wir Rolexuhr: Ein Markenzeichen Neureicher. Altreiche, von denen ich Gelegenheit hatte, einige kennen zu lernen, leben oft erstaunlich bescheiden und auffallend verantwortungsbewusst“

    „Auf dem Sofa stapeln sich schön verpackte KLeinigkeiten, viele rechteckig, manche flach, für die Augen, manche dicker, damit niemand das Lesen verlernt, manche weich, damit das Äußere nicht zu kurz kommt. Mein eigenes hat die Familie, die mir das gemeinsam schenkt, noch nicht bezahlt, wie ich gestern monierte. Sie dürfen das im Januar nachholen.“

    „Das “unmögliche Fest”, die schönste Verpackungs- und Schenkungsorgie der Welt, sollte nicht einmal passieren, sondern viermal: Ostern, Sommersonnenwende und Thanksgiving noch dazu. Die Wirtschaft kommt auf ihre Kosten, alle sind zufrieden, man sitzt an einem Tisch, isst gut und macht gemeinsam die Geschenke auf.“

    Seit dem ich die Physiker von Duerrenmatt gesehen habe und einen Freund in St. Anne in Paris habe:

    http://www.ch-sainte-anne.fr/

    und mir auch taeglich die news anhoere und sehe weiss ich zunehmend nicht mehr wer normal oder fou ist, daher werde ich zunehmend auch toleranter gegenueber solchen Personen wie Parisien 🙂

    Le monde à l´invers 🙂

    Hier noch ein paar quotes:

    Mark Twain:

    In the first place, God made idiots. That was for practice. Then he made school boards.

    Kurosawa

    In a mad world only the mad are sane.

    Henrik Tikkanen
    Truly great madness cannot be achieved without significant intelligence.

    Diogenes:

    Most men are within a finger’s breadth of being mad.

    Lssen sie mich mit Charles Bukowski enden, dass vielleicht fuer uns alle gilt, ausser…

    Some people never go crazy. What truly horrible lives they must lead.

  25. avatar

    @ Liebe Frau Groda,

    keineswegs war „halblang“ therapeutisch gemeint, sondern durchaus freundschaftlich. Nach dem, was ich von Ihnen weiß, sehen Sie durchaus nicht nur Gräber und (Haken-)Kreuze.

    Wofür ich Ihre vorhandene Intelligenz sensibilieren will, ist, das wir es uns heutzutage oft zu leicht machen mit unseren Postulaten, was man damals versäumt hat und was man hätte tun können. Damit will ich keineswegs die schwarze Pädagogik jener Zeit rechtfertigen, Kindesmißhandlung ist mit das schändlichste, was es gibt. Kinder, die so mißhandelt werden, können für ihre ganzes Leben gebrochen werden (Sie haben aus Ihrem Erfahrungsschatz einige Fallbeispiele gegeben). Es gibt Kinder, die auch als Erwachsene nicht aus ihrer Traumatisierung herauskommen, dieses Trauma durch ihr Verhalten immer wieder provozieren. Darauf habe ich bei Parisienne hingewiesen. Was mich betrifft, will ich nicht Teil ihrer Inszenierung sein. Deswegen habe ich auf eine Alternative verwiesen; damit habe ich mich auch entlastet. Daneben gibt es Kinder, die auch bei schwerster Traumatisierung „Resilienz“ entwickeln. Eine sehr interessante Forschungsrichtung.

    Was mich als Kind mit einem „Soldatenvater“ angeht, hatte ich wohl das Glück, dass ich es zwar mit einem autoritären Wertesystem zu tun bekam, mein Vater bei allen Schwierigkeiten nicht haltlos, ein Suffkopf, wie hier geschildert wurde, war. Die damals konventionelle schwarze Pädagogik gab es auch bei uns; eine Prügelstrafe abzuholen bei einem Vater, der nicht gehen, hinterherlaufen kann, hat noch mal eine eigene Qualität. Ich hatte jahrelang mit Zorn, Wut und Scham zu kämpfen. Zu einer richtigen „Versöhnung“ kam es nie, jedoch zu einer Ermüdung und einem wachsenden Verständnis für die Konflikte, die dahinter standen. Ich finde es auch richtig, wenn man im Verlaufe der Zeit gelassener in seiner emotionalen Reaktion wird und sich nicht hot macht bei Geschehnissen, die man nicht mehr ändern kann. Eine andere Frage ist, sensibel und geschärft genug auf Ähnliches heute zu reagieren.

    Keineswegs möchte ich Karthago zerstören. Sie postulieren sehr rigide, dass die Erwachsenen so autonom sind, dass sie selbst handeln können und sich eine Empfehlung, sich helfen zu lassen, verbitten müssen. Bei vielen ist dies nur eine Scheinautonomie und viele von ihnen würden gut daran tun, sich helfen zu lassen (damit keine Mißverständnisse aufkommen, ich arbeite schon seit vielen Jahren nicht mehr therapeutisch).

    In diesem Sinne, Ihnen und allen anderen Mitkämpfern einen guten Rutsch!

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    @ Rita E. Groda: Einmal vielen Dank, außerdem finde ich Ihre Gedanken zu den (wohl verdrängenden) Jungen der Soldatenväter gut. Sie erwähnen auch die Lehrer. Manche arbeiteten anfangs (nach WWII) noch mit Rohrstock.
    Man muss eine Mischung finden, überall, zwischen Selbstbehauptung bzw. den eigenen Gedanken und Anpassung, vor allem wenn man neu ist. Ich habe vielleicht zu sehr ersteres betont. Ich lese diesen Blog schon länger, ohne hier zu schreiben und fand vieles recht interessant und manches lehrreich.
    Für Freiheit bin ich auch immer. Freiheit muss täglich neu erkämpft werden.

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    Ixh habe mir jetzt einige Post noch einmal genauer durchgelesen und bin zu dem Schluß gekommen, daß es jetzt hier keine der von Soldatenväter-Tyrannei betroffene Männer gibt, oder daß diese schamhaft und männlich die Derformierungen ihrer Persönlickeiten übergehen.
    Die Schlägerschilderungen von Parisienne haben in mir etwas ausgelöst…………
    Vor allem die Erkenntnis, was für ein Glück es war, in den 60-er Jahren eine Frau zu sein!?

    Ich habe gerade in meinen Erinnerungen gekramt und mich meiner männlichen Schulkameraden, noch von der Grundschule her, erinnert. Nach meiner heutige Sicht könnte man sagen, die wurden geradezu systematisch von ihren Vätern zerstört. Mein Bruder hatte in der 3. Grundschulklasse einen berüchtigten Nazilehrer. Der agierte tyrannisch mit seinem Schlüsselbund. Der wog ca. 2kg und bei Beadarf warf er diesen nach seinen Schülern, nur den männlichen. Die Jungs hatten dermaßen Angst, viele fingen zu stottern an, ließen leistungsmäßig enorm nach, kamen in die Sonderschule, fingen an zu zittern, wenn sie morgens zur Schule mußten. Nichrt wenige dieser Schüler haben ihm im meinem Beisein den Tod gewünscht, bzw. geschworen das selber zu besorgen. Diese Mühe hat er dann denen erspart in dem er sich selbst erhängte.

    Ich war zu der Zeit mit der Tochter eines Professors befreundet. Nach außen hin ein höchst ehrenwerter Mann. Die Frau lief ihm weg, die älteste Tochter mußte die Mutterstelle an den zwei kleinen Brüdern einnehmen. Die Söhne haßten ihren Vater, wie die Pest. Meine Freundin war die Vermittlerin, bis auch sie es nicht mehr aushielt und weglief. Bis heute weiß keiner wohin, und ob sie überhaupt noch lebt. Auch dort gab es vermutlich solche Schlägerverhältnisse.

    Mir schien es immer, mit den Söhnen hat man zu der Zeit nicht geredet, man schlug sie mit dem Gürtel im Keller. Und die Jungs fügten sich und schämten sich männlich darüber zu erzählen.

    Alein in meiner lestezn Grundschulklasse, vor dem Wechsel zum Gymnasium kann ich bei den Jungs nur Tragödien sehen. Einer wurde drogensüchtig, inzwischen wieder clean, nach dem Tod des Vaters, einer wurde der Sohn eines Merhfach mordenden Vaters,
    einer wurde eine gescheiterte Existenz, weil sein Vater ihn mit aller Gewalt zum Abi zwang, obwohl er etwas total anderes machen wollte. Das Abi bestand er mit 1, ohne in der gesamten Schulzeit jemals etwas gelernt zu haben, trotzdem……..
    Einer wechselt alle 3 Jahre den Beruf

    Wenn ich das alles heute so überdenken, dann war es womöglich viel schlimmer, als wir vor uns selber zugeben können, auch ich.
    Bestimmt waren diese Auswüchse in Erziehung und Leben der Soldatenväter nicht nur eine Konsequenz der Kriegsteilnahme.
    Eher das Ergebnis von mindestens 100 Jahren Untertanenerfahrung der Deutschen

  28. avatar

    Parisienne gehört nicht gerade zu meinen besten Freundinnen, allerdings, eine solche Therapieanmaßung, wie die von Lyoner, hat Sie jetzt bestimmt nicht verdient.

    Wie bekannt sein dürfte, steht bei mit Freiheit an erster Stelle, dann alles andere. Sie hat die Freiheit sich da zu äußern, genau da wo sie will, und mit den Verbalattacken wird Sie offensichtlich ganz gut fertig.

    Für viele – auch hier bei SM – ist schreiben Teil einer Therapie, Gedanken, eigene Gedanken einmal dort äußern zu können, wo man diese noch nicht kennt, wie z.B. im eigenen Kreis. Das ist auch völlig in Ordnung, soweit man auch bereit ist mit den Konsequenzen klar zu kommen. Jedem gelingt oder mißlingt dies auf ganz ureigene Weise.

    Im übrigen bin ich der Meinung, daß Karthago nicht zerstört werden muß.
    Wir benötigen keinen Moderator Lyoner, mit Therapieanmaßungen und Bevormundungen. Erwachsene kännen im allgemeinen selber handeln und für sich selbst denken – sogar Frauen können ohne männliche Herablassung leben.

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    @ Parisien

    das ist jetzt das letzte Mal, dass ich auf Sie eingehe.

    Sie schreiben: „Mein mutterschlägernder quartalssaufender Vater war auch eine Behinderung. Wir schieben das oft auf den Krieg, weil es dann leichter ist, Nachsicht zu üben. Ob er aber auch so gewesen wäre ohne Flucht und Elternhausverlust, weiß ich nicht. Ab 15,5 etwa wurde zurückgeschossen. Ich stellte mich zwischen ihn und die Mutter, er schlug dann mich statt dessen, und ich schlug einfach zurück. Als ich studieren ging, übernahm das mein Bruder. Das ist der Grund, dass ich mich durchaus gegen Männer verteidigen kann, heute verbal.“

    Und Sie schreiben: „Ob mein Vater geschlagen hat, muss dahin gestellt bleiben. Ich habe jedenfalls nicht geschlagen.“

    Sie brauchen mir solche Widersprüche nicht zu begründen. Lassen Sie eine Antwort sein.

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    @Lyoner: Da ich weder an einem Helfersyndrom leide, noch einen Therapeuten benötige, sehe ich die Welt so,wie sie ist.
    Sie meinen mir empfehlen zu müßen „halblang zu machen“? Was maßen Sie sich an, sind Sie mein Vormund?

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    @ Parisien

    Keiner bestreitet, dass Ihre Agenda, die jetzt deutlicher geworden ist, wichtig ist. Was Sie schildern, ist eine äußerst schwere Konfliktsituation, in der Sie sich in die Bresche geworfen haben, in der Sie es eigentlich niemanden recht machen konnten. Da Sie sich offenbar mit Psychologie beschäftigt haben, wird Sie mein Hinweis nicht überraschen, dass es neben der inhaltlichen Ebene eine Beziehungsebene gibt. Sie scheinen Ihre frühere Konfliktsituation hier zu inszenieren und holen sich mit Ihren Ansprachen hier von drei Männern, EJ, Jean-Luc Levasydas und von mir Prügel ab und geraten mit Frau Groda in die Haare. Sie wollen in Kontakt kommen, einen wertvollen Beitrag leisten, liegen jedoch oft so daneben, dass nicht nur mir die Haare zu Berge stehen (Beispiel: Sie empfehlen mir bezüglich der Verletzung meines Vaters mit Bismarck, Roon und Moltke anzufangen). Das denkt man zuerst, Sie sind total gaga. Im Fachjargon nennt man das Übertragung und Gegenübertragung und spricht von einem Wiederholungszwang. In dieser Inszenierung erleben Sie die gleichen Kränkungen, die Sie früher erlebt haben. Deshalb meinte ich, dass dieses Feld der Auseinandersetzung für Sie schädlich sein könnte. Deutungen von unserer Seite werden Sie als Angriffe wahrnehmen, gegen die Sie wieder zurückschlagen müssen. Wir können hier alle nicht leisten, was Sie suchen und brauchen; was wir an Empathie aufbringen können, wird für Sie immer mangelhaft sein. Ich empfehle Ihnen nochmals zu überlegen, ob Sie nicht doch noch als jetzt ca. 50jährige Frau eine professionelle Hilfe bei einem Menschen aus Fleisch und Blut holen. Vielleicht können Sie sich hier beraten lassen: http://www.tilmannmoser.de/

  32. avatar

    @Parisien: Das stimmt nicht ganz. Ich habe Literatur der Nationalsozialisten über Kindererziehung gelesen, Anweisungen, wie man Kinder zu behandeln habe, nicht trösten, nicht hingehen, wenn sie schreien, Babies schreien lassen etc. Sicher eine Steigerung der vorher schon bestehenden Autoritätsstrukturen. (Ihre Quelle)

    Ich denke, diese Autoritätsstrukturen wurden im Nationalsozialismus zur Staatspolitik erhoben.

    Nikolaus Wachsmann beschreibt in seinem Buch Gefangen unter Hitler die Diskussion um die Justiz und deren Reformbestrebungen in der Weimarer Republik beschrieben. Man war bestrebt die Gefängnisse zu entmilitarisieren und damit humaner zu gestalten. Während der Wirtschaftskrise wurde diese Reformpolitik zunehmend angriffen, vor allem auch durch die Presse, und es wurden Forderungen für Maßnahmen gegen „Unverbesserliche“ und eine strengere Behandlung der Gefangenen laut. Genauso gab es Reformbestrebungen in der Bildungspolitik der Weimarer Republik, auch diese wurden dann rückgängig gemacht.

    In den 90-iger Jahren konnte ich in Ostdeutschland die zum Teil sehr heftigen Diskussionen um den Erziehungsstil erleben. Einige ältere Kinderschwestern und Hebammen bestanden auf eine Vierstundenregel und Strenge, Jüngere favorisierten die Hinwendung entsprechend der Bedürfnisse des Kindes. Das war sehr verwirrend, vor allem auch, da der Erziehungsstil auch von der eigenen Kindheit geprägt wird.

    Ich hatte geschrieben: Ich denke, die Körperstrafe in der Kindererziehung war über Jahrhunderten eine gängige Erziehungsmethode. Hier habe ich eine interessante Quelle zu meiner Aussage: Kindheit und Geschichte http://neuropsychoanalyse.word.....ychologie/

  33. avatar

    @ Lyoner: Ich hatte mal eine Patientin, deren Schicksal mir sehr nahe ging. Sie kam mit einem kleinen Mamma-Ca, das operiert und bestrahlt wurde. Danach sollte eigentlich Ruhe sein. Aber sie bekam Metastasen, die in affenartiger Geschwindigkeit ihren gesamten Körper durchsetzten, bis sie an den Hirnmetastasen verstarb. Ihr Mann, ein kriegsversehrter blonder, unschuldig aussehender Krüppel mit einem amputierten Bein, hatte sie ihre ganze Ehe durch geschlagen. Sinnigerweise sah sie aus wie eine Zwillingsschwester von Lilli Palmer, war aber keine Jüdin. Oder doch? Wir sprachen nie über Religion. Wir hatten zu wenig Zeit, weil der Tumor sie auffraß wie Pacman.
    Vielen Dank übrigens für Ihre therapeutischen Anmaßungen und die Offenlegung Ihres subconscious. Sie haben mir damit eine Person entschlüsselt, die ich ebfs. aus dem Internet kenne, und die mich etwas irritiert hat. Ob mein Vater geschlagen hat, muss dahin gestellt bleiben. Ich habe jedenfalls nicht geschlagen.

  34. avatar

    @Lyoner

    … ich meine ich bin ‚musikalisch‘. Damit ich aber nicht singe, hat meine Frau mir schon vor Jahren eine Mundharmonika geschenkt. 😉

    Ansonsten entstamme ich einer Seefahrerfamilie und war auch selber über Jahre auf ‚Großer Fahrt‘.

    Auch meint meine Frau, ich sei nicht spröde und sehe besser aus als O.H.. 😉 (Wobei mir O.H., ‚politisch gesehen‘, fast zusagt.)

    Statt der ‚Prinz-Heinrich-Mütze‘ stellen Sie sich eine Northport Mütze by Stetson vor. Die kommt beim steifen Nord-Ost besser.

  35. avatar

    @ Lyoner: Sehen Sie, das ist der beste Beweis. Man kann das immer noch nicht sagen. Man wird nie sowas sagen können. Mein Vater ist 20 Jahre tot. Wir haben ihn längst behandelt, beredet und ihm verziehen. Ich fühle mich nicht übermäßig angegriffen, nicht unberechtigt vor allem. Ihre Phantasien kommen daher, dass wir hier im Internet sind. In der Realität habe ich das noch bei niemandem ausgelöst. Wenn, wäre er krank. Dann wird noch etwas sichtbar an Ihren Posten: Mit physischen Leiden ist man in diesem Land gut versorgt. Mit Leiden, wir die als Schüler hatten, sollte man sich lieber verstecken. Wir haben das also richtig gemacht. Ich finde dagegen, dass Sie in Therapie gehören. Wegen Ihrer Lustmordspielereien.
    Was mutterschlägernde Väter betrifft, ist mein Posten hochaktuell. Es gibt noch andere Länder, die Menschen erziehen mit einer Ehr- und Schamkultur. Wenn man deren Kindern nicht hilft, begeht man ein Wegschau-Verbrechen an ihnen. Aber wenn die so was lesen wie meinen Post hier und Ihren dazu, müssen sie den Schluss ziehen: Lieber nichts sagen.

    @ Rita E. Groda: Das Ding mit der deutschen Fahne finde ich verkehrt. Ich hatte eine Fahnenreihe draußen hängen. Wir waren doch Gastgeber. Ansonsten verstehe ich das vollkommen. Ich wäre auch lieber aus England oder Frankreich gewesen. Man kann das vielleicht überwinden. Mit Europa.

  36. avatar

    @Apo

    „Man hat zum Beispiel angemerkt, dass die 68er Bewegung gerade in den drei Verlierer-Nationen des 2. Weltkriegs am ehesten zu Militanz neigte und die blutigsten Terrororganisationen hervorgebracht hat. Eine interessante These.“

    Cher Apo ,

    eine interessante These von wem vertreten?

    Ich kann mich noch an die Weathermen und die Action directe erinnern, die doch nicht zu den Verlierer Nationen zaehlten oder?

    Und was die Militanz betrifft da waren wir buddies im Vietnamkrieg ihnen in Bochum am Band und in Manchester in den pubs der Arbeiter doch etwas voraus ……..

    Fuer mich ist dies read the tea leaves

    Militanz ist nicht ein Phaenomen von Verlierernationen.

  37. avatar

    @Jean-Luc: Eine Aufarbeitung hat in Deutschland tatsächlich ernsthaft erst nach dem Holocaust-Film begonnen.
    Dieser hat in manchen Deutschen Familien geradezu zu einem Krieg innerhalb der Familien geführt. Ich war schon sehr erwachsen, als ich diesen Film sah. Obwohl ich mit meinem Vater schon als 12-Jährige diverse Konzentrationslager besucht hatte und mir im ARD Sonntagnachmittagsprogramm etliche Filme aus Deutschen Konzentrationslagern angeschaut hatte, hat dieser Film auch bei mir große Emotionen ausgelöst. Meine Freunde und ich schämten uns nicht für dieses Land – wir begannen es mit großer Leidenschaft zu hassen.

    Trotzdem, wie Sie sagen, war die Aufarbeitung in den sixties tatsächlich nur marginal.

  38. avatar

    @ liebe Rita E. Groda

    Sie wollen uns doch nicht weismachen, dass Sie hier nur Gräber und Kreuze sehen können – machen Sie doch etwas halblang. Sie bringen sich zu sehr unter Druck, Sie können nicht jeden Saustall ausmisten.

    @ derblondehans

    Singen Sie in dem Chor mit? Ich stelle Sie mir als etwas spröden Kerl mit einer Prinz-Heinrich-Mütze, Blazer und Schifferklavier vor, mit einerseits Ehrpusseligkeit, andererseits verschmitztem Humor vor (ein bißchen wie Olaf Henkel). Würde mit Ihnen den Hamburcher Veermaster oder Wir lagen vor Madagaskar singen. Sie können kein ganz böser Mensch sein mit Ihrem Verhältnis zur Musik.

  39. avatar

    @ Parisien

    Ihre Beteiligung hier hat etwas tragisches. Sie agieren hier so, dass Sie nicht nur von mir, sondern von den anderen abgewiesen, abgelehnt werden, schwere Prügel einstecken müssen. Das hat sicherlich Parallelen zu der Situation der familiären Konflikte, die Sie in der letzten Post schilderten. Sie kamen und kommen mit dem Kampf hier so wenig zurecht wie damals, Sie sind restlos überfordert, wie es mit 15 waren, als sie zurückschossen. Ich will mir nun nicht herausnehmen, von Ferne eine Diagnose zu stellen, geschweige denn eine Behandlung durchzuführen. Ich kann hier nicht anders als aggressiv auf Sie zu reagieren (wie in meiner Phantasie, einen Lustmord an Ihnen zu begehen). Das tut Ihnen nicht gut, mehr desselben wäre schädlich. Ich will Ihnen zuraten, in eine therapeutische Behandlung zu gehen; lassen Sie sich allerdings beraten, gehen Sie nicht in die erst beste.

  40. avatar

    @ Alan Posener

    Was hier in Deutschland meines Wissens fehlt ist ein Werk wie Peter Novicks „Nach dem Holocaust“, das unterschiedliche Stadien des Umgangs der Juden mit dem Massenmord, unterschiedliche Stadien der Erinnerungspolitik beschreibt. Ich glaube, daraus wären auch Parallelen zu Deutschland zu ziehen. Von meinem jetzigen Standpunkt aus hatte Adenauer recht mit seinem Konzept, dass man schmutziges Wasser nicht ausschüttet , wenn man nicht genügend sauberes hat (früher habe ich auch für tabula rasa Konzepte plädiert). Dazu kam die Notwenigkeit, mehr als 10 Millionen Flüchtlinge zu integrieren; gut, dass die über Vertriebenverbände oder das von Ihnen zitierte „Krematorium Unheilbares Deutschland“ erstmal jammern konnten; das war ja nicht nur Revanchismus, die wurden hier integriert und bekamen ihre Existenzgrundlage. Ich denke auch mit Grausen daran, wenn das Programm der Mitscherlichs, das ja in erster Linie die verdrängte Trauer um Hitler im Blick hatte, wenn die Leute um Hitler getrauert hätten, in den 50er und 60er Jahre inszeniert worden wäre: Therapie + Reedukation + Prozess. Entsetzlich, ein (psychisches) Massaker. Da war die Konzentration auf den Wiederaufbau besser. Hier könnte man parallelisieren: Wiederaufbau Deutschlands – Aufbau Israels: in dieser Zeit konnte man in beiden Ländern diejenigen, die aus dem Holocaust kamen, nicht in den Focus der Aufmerksamkeit stellen. Beide Völker mußten zuerst aus Ruinen auferstehen.

    @ Jean-Luc Levasydas

    Ich habe ja nicht behauptet, dass in dieser Zeit der Holocaust „aufgearbeitet“ wurde, wie wir das von heute aus, einer anderen Epoche der Erinnerungspolitik, postulieren; ich habe nur gesagt, dass man sich informieren konnte, wie in dem Link dargestellt, den Sie freundlicherweise eingestellt haben, und dass es auch Unterrichtsstoff (d.h. auch in den damaligen Geschichtsbüchern), wie angemessen auch immer, war. Natürlich bekam das in den späteren Stadien der Erinnerungspolitik, die ja nicht nur ein individuelles Aufarbeiten, sondern ein kollektives war, eine andere Tragweite und Bedeutung.

    Auf meinem Gymnasium hatten wir Geschichte in zwei Durchläufen, einen bis zur Mittleren Reife, einen bis zum Abitur (dieses machte ich im Spätjahr 1966). Frau Kattermann hatte ich im ersten Durchlauf bis zur mittleren Reife. Wenn ich mich richtig erinnere, war Frau Kattermann aus dem deutschnationalen Lager, war dann jedoch erschüttert, als sie in der damaligen Zeit die Tragweite des Geschehens erfasste. Was wußte sie denn z.Z. des Nationalsozialismus, was mit den jüdischen Bürgern, die abtransportiert wurden, geschah? Die Juden aus Baden wurden nach Gurs in Südfrankreich (http://de.wikipedia.org/wiki/Camp_de_Gurs)abtransportiert, das wußten meine Eltern, das haben alle gewußt. Wieweit das weitere, die Transporte in die Todeslager, zu wissen war, ignoriert, nicht gewusst werden wollte, ich kann das nicht beurteilen.

  41. avatar

    Waehrend wir in den US immer noch mit der Aufarbeitung unseres civil war beschaeftigt sind, mehr als 150 zurueck. liegt der WW2 gerade 60 Jahre zurueck.
    Wieviel Seiten Papier oder besser wieviel TB werden wir zukuenftig auf unser i-pad oder in der cloud speichern?

  42. avatar

    @Lyoner

    Der Eichmann Prozess fand 1961 statt. Hatten sie da schon ihre Frau Kattermann als Geschichtslehrerin?.
    wenn ja wann haben sie den ihr bac gemacht?

    Im Gegensatz zu ihnen, und das haben ich in Gespraechen meiner deutschen Verwanten erfahren hat eine tatsaechliche Auseinandersetzung mit dem WW2 und dem Holocaust erst nach dem Holocaustfilm begonnen ende der seventies begonnen:

    http://de.wikipedia.org/wiki/H.....ilie_Weiss

    Und vergessen sie nicht wann Shoah von Daniel Lanzmann entstanden ist:

    http://en.wikipedia.org/wiki/Shoah_%28film%29

    Die Liste der Holocaust movies zeigt sehr gut auf, wann tatsaechlich eine Aufarbeitung stattgefunden hat, nicht nur in Deutschland.
    Und wenn ich mir die Veroeffentlichungen von Goetz Aly anschaue…mehr als 60 Jahre nach WW2 dann ist die sogenannte Aufarbeitung in den sixties doch wohl nur als marginal zu bezeichnen.

  43. avatar

    @ Lyoner: Wegen Ihres Danke steuere ich etwas bei: Wir haben das Problem mit dem Separatgehen wegen einer Erkrankung hier auch im Haus. Es ist männerspezifisch, würde ich sagen. Aber ich schätze Männer, weil ich nie nach Perfektion gestrebt habe und Frauen auch gewaltige Schwächen haben, Rechthaberei z.B.. Sie lesen sehr gut. Michael Lucas Moeller hat übrigens viel mehr Geschlechter beschrieben als zwei. Man muss das Gehirn mit rechnen.
    Mein mutterschlägernder quartalssaufender Vater war auch eine Behinderung. Wir schieben das oft auf den Krieg, weil es dann leichter ist, Nachsicht zu üben. Ob er aber auch so gewesen wäre ohne Flucht und Elternhausverlust, weiß ich nicht. Ab 15,5 etwa wurde zurückgeschossen. Ich stellte mich zwischen ihn und die Mutter, er schlug dann mich statt dessen, und ich schlug einfach zurück. Als ich studieren ging, übernahm das mein Bruder. Das ist der Grund, dass ich mich durchaus gegen Männer verteidigen kann, heute verbal.
    Das Hauptproblem an der Angelegenheit war dieses: Man sprach nicht darüber. Man fühlte sich irgendwie aussätzig. Erst lange nach seinem Ableben habe ich gelesen, dass fast die gesamte männliche Generation rumschlug und sporadisch soff. Besoffen am Steuer war auch gängig. Auf diesem Sektor haben unsere Regierungen viel getan. Jaja, wir und unsere Väter. Aber der Focus ist zu stark verengt auf WWII. Davor war, wie APo auch feststellt, auch schon alles da, Gehorsam, Ehrgefühl, Schamgefühl, Stolz. Und meine Großmutter sagte, der erste sei ebfs. schlimm gewesen. Lassen wir es bei Parisien. Mein Hirn hat weibliche und männliche Anteile, vielleicht sogar wie das von A.M., die ich auch so einschätze.

  44. avatar

    @derblondehans: Sehen Sie, das gehört gerade mit zu den größten Verbrechen unserer“Soldatenväter“.

    Ich konnte Deutschland nie lieben, wie Sie, unverständlicherweise. Selbst jedes noch so harmlose Volkslied wurde kontaminiert. Als noch unter Kohl die Nationalhymne zum Ende des TV-Programms eingeführt wurde, stellten sich mir jedes Mal die Haare auf. Erst bei der Deutschen Fußball-WM erlaubte ich mir erstmalig im Leben verschämt eine Deutsche Flagge ans Gartentor zu hängen. Ich empfand es geradezu als eine Erlösung, als nach dem ersten Deutschen Sieg in der ganzen Stadt die Autos stehen bleiben, hupten und jeder in aller Unschuld seine Flagge schwenkte. Die jungen Mädchen, die sich auf die Autodächer schwangen, mit ihren schönen Deutschland-Flaggengesichtern.

    Wie habe ich nicht schon in meiner Kindheit die Briten beneidet, um Ihren Nationalstolz!

    Wo Sie Schönheit und Stolz sehen, da sehe ich nur Gräber und Kreutze, leider.

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