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Vermögen fürs Volk

Der Vorstoß lässt aufhorchen, denn er kommt nicht etwa von einem verträumten sozialistischen Spinner, sondern einem knallhart kalkulierenden Kapitalisten: Der US-Milliardär und Starinvestor Warren Buffett fordert höhere Steuern für die ganz Reichen. Seine Regierung müsse endlich Ernst machen mit den „gemeinsamen Opfern“, betont der 80-Jährige in einem Kommentar für die New York Times.

Den Regierenden in Washington schreibt er gar ins finanz- und haushaltspolitische Stammbuch, sie sollten sich trauen, die Wohlhabendsten im Sinne des Wohls aller zur Kasse zu bitten. Und zwar richtig. Viel zu lange seien Milliardäre wie er „verhätschelt“ worden. Doch in Zeiten drohender Staatspleiten, Achterbahn fahrender Börsen, unvorstellbarer Schuldenberge, drastischer Sparmaßnahmen und dramatischer Währungsturbulenzen müssten auch die Begüterten ihren Beitrag leisten, damit nicht alles den Bach runtergeht.

Warum also nicht mehr Steuern von denen eintreiben, die es wirklich reichlich haben?, fragt der Chef der Investmentfirma Berkshire Hathaway. Tja, warum eigentlich nicht? Und warum nicht überall?

„Nehmt den Reichen und gebt’s den Bedürftigen!“ – eine solche Forderung mag ja populistisch klingen. Aber das ändert nichts daran, dass es dafür durchaus schlagkräftige Argumente gibt. S

eit dem dramatischen Crash der Investmentbank Lehman Brothers 2008 und der folgenden, fast weltweiten Wirtschaftskrise sind zahllose Jobs auf Nimmerwiedersehen verschwunden. Millionen haben ihre Existenzgrundlage verloren, sind auf staatliche Zuwendungen angewiesen. Gleichzeitig jedoch sind die Reichen (nach einem sehr kurzzeitigen und klitzekleinen Absturz) immer reicher, die soziale Kluft immer größer geworden. Die einen – unter ihnen die Gierigen, die uns einen gehörigen Teil des Schlamassels eingebrockt haben – profitieren. Und die vielen anderen wissen inzwischen weder ein noch aus.

Ja, so ist es eben, mag da der eine oder andere einwenden. Markt, Geld und Kapitalismus haben nun mal nichts mit Gerechtigkeit, sondern allein mit Effizienz zu tun. Stimmt, und gerade deshalb muss der Staat, die Politik für den gesellschaftlichen Ausgleich sorgen, zum Beispiel über eine besondere Abgabe für Reiche.

Selbst einer wie Warren Buffett räumt frank und frei ein, dass er nur gut 17 Prozent seines versteuerbaren Jahreseinkommens an den Fiskus abführen muss. Da geht also noch einiges, bevor die fünfte Villa und die dritte Yacht verkauft werden müssen.

Überhaupt scheinen die Wohlsituierten im Grunde bereit zu sein, zumindest einen kleinen Teil ihres Vermögens dem Staat zur Verfügung zu stellen. Auch hierzulande. Vor zwei Jahren haben einige deutsche Millionäre einen Appell unterzeichnet, in dem eine Abgabe für Betuchte ihres Schlages in Höhe von fünf Prozent pro Jahr gefordert wird.

Das wäre ein Schritt in Richtung Solidarität, der sich für den großen Rest der Gesellschaft auszahlen würde.

 

Doch die politische Führung, obwohl fast schon inständig darum gebeten, traut sich einfach nicht. Im Gegenteil. Die Steuerlast für Reiche hat auch in Deutschland in den vergangenen Jahren eher ab- als zugenommen. Weil man die Begüterten nicht vergraulen will, um Unternehmensstandorte und Arbeitsplätze bangt? Diesen Zahn könnte Warren Buffett dem ängstlichen Staat rasch ziehen: „Menschen investieren, um Geld zu machen, mögliche Steuern haben sie noch nie abgeschreckt.“ Wenn das kein Freifahrschein für jedes Finanzministerium ist! Herr Schäuble, übernehmen Sie!

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4 thoughts on “Vermögen fürs Volk

  1. avatar

    Zu Zeiten Reagans, Thatchers, Kohls glaubte man, der Wohlstand der Reichen werde irgendwie zu den Armen durchsickern. Einfach indem die Reichen Jobs schaffen und investieren. Es ist auch heute noch richtig, dass der Staat allen so viel lassen sollte, dass sie selber über Investitionen entscheiden können. Doch es passt nicht mehr in die globalisierte Welt anzunehmen, man müsse nur die ganz Reichen fördern, schon werde sich Wohlstand auf die restliche Gesellschaft ausbreiten. Wer sehr viel hat, kann auch mehr beitragen. Dabei ist wiederum wichtig, wofür die Steuern eingesetzt werden. Steuern für Reiche sind ja nicht Selbstzweck. Kriege sind z.B. enorm teuer, nach 9/11 ist der amerikanische Staat nicht schmäler geworden, auch das ist teuer. Entlasten sollte man die mittleren Einkommen. Jedenfalls nicht Milliardäre und Millionäre. Es gibt Untersuchungen, die eine stärkere Verschuldung normaler amerikanischer Familien belegen. Sie haben heute weniger Geld, das sie sparen könnten, obwohl sie mehr als früher arbeiten – oder obwohl mehr Familienmitglieder arbeiten. Man kann schon sagen, dass die Mittelschicht die Stütze der Gesellschaft ist, gleich ob in Europa oder in den USA.

  2. avatar

    Buffet meinte auch, dass 240,000 Familien in USA im Jahre ueber eine Million verdienen, und 8,200 verdienen mehr als zehn Millionen. Seine Firma Berkschire-Hathaway – erinnert auch daran, dass selbst Finanzgenies Fehler machen: Er kaufte den Hemdenhersteller Hathaway – aber die Firma ging danach Pleite. Seine Frau ist schon vor Jahren verstorben – auch die Millarden konnten sie nicht am Leben erhalten…_—– Der durchschnittliche Familienbesitz einer African-American Familie ist unter $ 6,000, der durchschnittliche Familienbesitz der 50 Millionen “Hispanic/Latinos” ist unter $7,000. Der Weissen ist $ 119,000.

  3. avatar

    Wenn der Staat total verschuldet ist, müssen die Steuern erhöht oder ein Währungsschnitt vorgenommen werden.
    Nach WW II stieg der Spitzensteuersatz in den USA auf über 90% und in Deutschland gab es einen Währungsschnitt.

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