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Vom Versagen der Eliten: Was uns „Das Amt“ zu sagen hat

Wieso gibt es eine solche Aufregung um den Bericht der Unabhängigen Historikerkommission zur Geschichte des Auswärtigen Amts (AA) in der Nazi-Zeit? Die Antwort lautet zunächst: Einmal mehr entlarvt dieser Bericht jenen Mythos der Bundesrepublik als Lebenslüge, demzufolge die alten Eliten und Institutionen des Reichs trotz der Usurpierung der Macht durch Hitler im Kern „anständig“ blieben – weshalb es ja auch unnötig war, nach dem Krieg jene Institutionen zu zerschlagen und die Eliten auszutauschen, wie es die amerikanischen Besatzer mit der „Re-Education“ zunächst wollten.

Es handelt sich um eine Lebenslüge, die in den 1950er und 1960er Jahren als schlichte Wahrheit galt, und gegen die sich die Parole der 68er, „Trau keinem über 30!“ richtete. In letzter Zeit hat niemand diese Lebenslüge eindringlicher formuliert als der deutsche Papst, der in vielem der Gedankenwelt der 1950er und 1960er Jahre verhaftet bleibt, und der ausgerechnet bei seinem Besuch in Auschwitz sagte, er komme „als Sohn des Volkes, über das eine Schar von Verbrechern … Macht gewonnen hatte, so dass unser zum Instrument ihrer Wut des Zerstörens und des Herrschens gebraucht und missbraucht werden konnte.“ Das deutsche Volk als Missbrauchsopfer – so wollten es die „Funktionseliten“, die unter den Nazis besonders gut funktionierten, der Nachwelt weismachen, und es ist kein Zufall, dass sich der Streit der alten Diplomaten-Elite – der „Mumien“, wie sie sich selber nennen – mit dem 68er Joschka Fischer am Casus „Nachrufe“ entzündete.

Der jetzt vorliegende Bericht zum AA redet von einer „Selbstgleichschaltung“ des Amts. Zur Begründung verweisen die Historiker darauf, dass viele der Ziele Hitlers – vor allem die „Revision“ von Versailles – von den Diplomaten des AA geteilt wurden, die sich überdies in ihrer Geringschätzung der Demokratie und – vor allem – in ihrem eingefleischten Antisemitismus ideologisch mit Hitler einig wussten. Nach dem verlorenen Krieg bildete der Antikommunismus, zunächst zum „Antitotalitarismus“ erweitert und später um die bewusst missverstandene Parole von der angeblichen „Banalität des Bösen“ ergänzt, jene deutsche Leitkultur, die dem Amt die persönliche Kontinuität beim Übergang von einem System ins andere ermöglichte. (In der DDR waren es der Antiamerikanismus und der Antizionismus. Dass es nicht nur im Westen ideologische, kulturelle und persönliche Kontinuitäten gab, und dass die schuldbeladenen Eliten auf beiden Seiten des Eisernen Vorhangs zu Profiteuren des Kalten Kriegs wurden, problematisiere ich hier nicht weiter, setze ich aber als bekannt voraus.)

Warum aber erregt der Verweis auf diese lange zurückliegenden historischen Begebenheiten noch die Gemüter? Einen Hinweis gaben die früheren Außenminister Joschka Fischer und Frank-Walter Steinmeier bei der Vorstellung des nunmehr als Buch vorliegenden Berichts am Freitag in der ausverkauften Berliner Kongresshalle. (Ich war mit meinem Freund Joscha Schmierer hingegangen, der in der Auseinandersetzung eine gewisse Rolle spielte. Dazu unten mehr.) Unabhängig voneinander verglichen Steinmeier und Fischer in ihren vorbereiteten Reden „Das Amt“ mit jener anderen Buchsensation dieses Herbstes, Thilo Sarrazins „Deutschland schafft sich ab“. Fischer sprach davon, dass er im AA mit einer „Parallelgesellschaft“ konfrontiert worden sei. Steinmeier sagte in etwa, wer etwas über die Selbstabschaffung einer deutschen Elite erfahren wolle, solle „Das Amt“ lesen.
Tatsächlich liegt die Brisanz des Buches darin, dass es vom fast totalen Versagen einer hoch gebildeten, äußerst kultivierten, privilegierten Kaste handelt, deren Anhänglichkeit an die deutsche Kultur von niemandem bezweifelt werden kann. Auch wenn – wie gesagt – die Tatsache dieses Versagens allgemein als bekannt vorausgesetzt werden kann, erhält die Erinnerung daran gerade jetzt ihre Brisanz dadurch, dass zurzeit ein Buch alle Verkaufsrekorde bricht, in dem ein Mitglied der heutigen republikanischen Elite die These aufstellt, Deutschland schaffe sich ab, weil jene Elite keine Kinder kriege, während sich die da unten – Sozialhilfeempfänger und Zuwanderer – überproportional stark vermehrten; und schuld daran seien im Kern jene multikulturellen und elitefeindlichen Politikansätze, die Rot-Grün mit dem Regierungsantritt 1998 zur Staatsräson der Bundesrepublik Deutschland erhoben.
Es ist eben kein Zufall, dass Sarrazins Buch nach einer Bankenkrise erscheint, die das Vertrauen in einen Teil der bundesrepublikanischen Elite tief erschütterte; und dass sich der Bundesbanker eugenischer und rassenpolitischer Argumentationen bediente, um der in diesem Zusammenhang geradezu paradox erscheinenden Verteidigung des Elite-Gedankens Nachdruck zu verleihen, erscheint nur logisch. Wer begreift schon wirklich die materiellen und ideellen Ursachen der ökonomischen Krise, die Verantwortlichkeit der einzelnen Akteure, die tatsächlichen Kosten und die möglichen Folgen? Kaum jemand. Demgegenüber erscheint die Demographie von geradezu blendender Klarheit. „Das Amt“ ist demgegenüber eine Eliten-Kritik, wie sie vernichtender kaum ausfallen könnte; es ist – das machten die Auftritte Fischers und Steinmeiers klar – der erste Schuss in einer ideologischen Gegenoffensive, die in spätestens drei Jahren Rot-Grün (oder, wie es jetzt aussieht, Grün-Rot) zurück an die Macht führen soll. Das stelle ich zunächst nur fest, ohne diese Behauptung zu bewerten.

Sehr wohl bewerten will ich die Angriffe, die damals aus dem Amt und heute von einigen Historikern und Publizisten gegen Joscha Schmierer geführt wurden. (Dass ich dabei als Schmierers Freund und als ehemaliger Maoist pro domo rede, darf als bekannt vorausgesetzt werden.) Als exemplarisch mag folgender Absatz aus einer kürzlich erschienenen Besprechung von „Das Amt“ durch den Historiker Christian Hacke gelten:
„Wickert hatte beim „Aufstand der Mumien“ gegen Fischer dessen umstrittene Rolle in der gewaltbereiten Frankfurter Sponti-Szene kritisiert und auch die Berufung von Hans-Gerhart Schmierer, des ehemaligen Sekretärs des Kommunistischen Bunds Westdeutschland (KBW) durch seinen Freund Fischer in den Planungsstab des Auswärtigen Amtes angeprangert, hatte doch Schmierer einst eine ergebene Grußadresse an den kommunistischen Genossen und kambodschanischen Massenmörder Pol Pot gesandt. Fischers Antwort an Wickert: „Er könne nicht nachvollziehen, dass man seinem Mitarbeiter Schmierer Opportunismus unterstelle und dessen demokratische Wandlung bestreite“, zitieren die Verfasser unkritisch. Doch es kommt noch besser: „Ich bin sicher, dass das Recht, politische Auffassungen grundsätzlich zu ändern, gerade in Ihrer Generation vielfach in Anspruch genommen wurde“, belehrte Joschka Fischer den Diplomaten. Diese Doppelmoral des Außenministers bedarf keines Kommentars.“
(Den ganzen Artikel findet man hier: http://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article10539498/Hitlers-willige-Diplomaten.html)

Natürlich liegt hier das Gegenteil von Doppelmoral vor. Was Fischer mit der Änderung der Nachrufpraxis im AA erreichen wollte, war eben ein Ende von Doppelmoral und Heuchelei. Entweder man machte die ganze Karriere jener Diplomaten öffentlich, denen das Amt ein „ehrendes Andenken“ nachtrug, so wie die ideologischen Volten und straßenkämpferischen Eskapaden Fischers und Schmierers (für die Schmierer übrigens auch im Gefängnis gesessen hat) ja immer öffentlich gewesen waren, oder man verzichtete auf jenes „ehrende Andenken“, weil es dann ein Schweigen über die Teilnahme an Verbrechen beinhaltet hätte. Allenfalls könnte man Fischer vorwerfen, dass er in seiner Antwort an den Diplomaten Wickert die Schuld der älteren Generation relativierte. Denn es ist ein Unterschied, ob einer – wie es Schmierer mit seiner übrigens keineswegs „ergebenen“, sondern sozusagen von Gleich zu Gleich gerichteten, also anmaßenden Grußadresse – radikales Maulheldentum praktiziert, oder ob er sich – wie viele Diplomaten, nicht nur im „Judenreferat“ des AA – tatsächlich aktiv an einem Völkermord beteiligt. Niemand unter uns Nachgeborenen weiß, wie er sich damals verhalten hätte. Fischer hat ja in seiner Antwort auch nicht abgestritten, dass sich die „politischen Auffassungen“ der ehemals für Hitler tätigen Diplomaten „grundsätzlich geändert“ hätten. Kurz und gut: Es ging und geht darum, dass die gesamte Biographie bei der Beurteilung einer Persönlichkeit herangezogen wird. Fischer kann man nicht auf den Steinewerfer reduzieren, Schmierer nicht auf den KBW-Sekretär, und den (damals wie heute erheblich weniger bedeutenden) Posener nicht auf den Studentenfunktionär der KPD/AO. Und umgekehrt kann man die Karriere jener Diplomaten, die nach 1945 durchaus verdienstvoll die demokratische Bundesrepublik vertraten, nicht auf jene Episoden reduzieren, die ihnen genehm waren oder sind.
Zu moralischer Überheblichkeit besteht also für uns Jüngere kein Anlass, übrigens auch nicht unter jenen, die damals nicht irgendeiner revolutionären Gruppierung beitraten, sondern lieber der Jungen Union, oder die in einer weniger durchpolitisierten Zeit erwachsen wurden. Wohl aber zur schlichten Feststellung, dass moralisch, strafrechtlich und historisch die Farce von 68 ff. nicht auf einer Stufe steht mit der Tragödie von 1933ff. Das zu verwischen war von Anfang an eines der wichtigsten Anliegen der alten Eliten und der neuen Reaktionäre. „Das Amt“ erinnert uns wieder daran.

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17 Gedanken zu “Vom Versagen der Eliten: Was uns „Das Amt“ zu sagen hat;”

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    Ich tendiere zum Papst, der in der Frage ja Zeitzeuge ist, wenn ich auch andere Worte wählen würde. Schar ist zu wenig. Eher hat eine dominierender erheblicher Bevölkerungsteil die anderen mitgerissen bzw. gelähmt.

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    @KJN
    Sie dürfen mir abnehmen, dass mir solche Typen wie Filbinger und Co. ein wahrer Graus sind. Ich bin auch immer davon ausgegangen, dass keine Institution im 3. Reich unbelastet blieb; dass man vom Ergebnis der Untersuchungskommission überrascht ist, überrascht mich.

    Ich denke, wir können uns darauf einigen, dass es unterschiedlichen Umgang mit der Nazi-Vergangenheit gibt und auch unterschiedliche Tiefen der Verstrickung. Was mich an Böhmes Formulierung stört, ist die Fortsetzung der Gleichschaltungspolitik. Ich bezweifle, dass man mit einer solchen Aburteilung (die ja uns alle betrifft) etwas lernen kann; möglicherweise tut es Herrn Böhme gut, jetzt Richter zu sein und nichts entlastendes für den Angeklagten, er meint damit nicht die Nazis, Nazidiktatur, Täter sondern das deutsche Volk als Gesamtkollektiv, zu finden.
    Na ja, ich dachte, Sie wollten noch erwarten, dass die Opas wie Männer aufstehen und nachholen, was sie bisher nicht getan haben.

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    @Alt 68 er
    Ich habe nicht konstruiert, sondern kann nur verschiedenen persönlichen Umgang mit der deutschen Nazi-Vergangenheit zur Kenntnis nehmen. Da gibt es eben Opas, die ihr Leben lang unter den Kriegserlebnissen – eben auch als Wehrmachtsangehörige – leiden und sich Vorwürfe machen, sich auf sowas eingelassen zu haben, und eben solche, die in den letzten Kriegstagen als Richter noch standrechtliche Erschießungen verfügt haben, sich nachträglich als Nazi-Gegner aufspielen und politische Karriere machen.
    C. Böhmes Artikel habe ich so vertanden, daß er sich genau gegen diese Scheinheiligkeit eben auch „des Amtes“ gerichtet hat.
    „Also müssen wir uns über unsere Empathie und den gesunden Menschenverstand annähern.“
    Naja, wie sonst..

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    @Scrutograph
    Soweit ich Alan Posener vestanden habe, meint er Haß der „Eliten“ auf „68er“
    @KJN
    einverstanden, wir machen also doch einen Unterschied zwischen „Tätern“ und – so Jonathan Littel – den „Wohlgesinnten“. Wird dieser Unterschied auch von C. Böhme gemacht? „Keine Entlastung, nirgends“ – gilt dies auch für die „Nazis, die sich geweigert haben, Mordbefehle auszuführen“, geschweige denn für diejenigen, die zwar keinen Widerstand in der Kriegsdiktatur geleistet haben, aber von ihrer Gesinnung her keine Nazis waren? Ihre Konstruktion scheint mir sehr inkohärent. – Im übrigen sind diese Opas, soweit sie während des Tausendjährigen Reiches mannbar waren, heute ca. 90 Jahre alt. Da wird man nicht mehr viel erwarten können. Also müssen wir uns über unsere Empathie und den gesunden Menschenverstand annähern.

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    Alan Posener schrieb:
    „Unterschied zwischen Gesinnungen und Taten gesprochen. Nur in totalitären Systemen (und in totalitären Köpfen) wird dieser Unterschied nicht gemacht.“
    Das ist mal ein richtig guter Satz!
    Es gab nämlich auch Nazis, die haben sich geweigert, Mordbefehle auszuführen, da hat die Zivilisation noch gewirkt, die hatten noch ein Gewissen. Andere hingegen haben ausschließlich ihren Vorteil gesehen und mitgemacht.
    Und nachher wollte es niemand gewesen sein, da hat man lieber nach „Entlastendem“ gesucht: Aussagen, die man nachträglich „irgendwie“ als „Widerstand“ umdeuten kann, oder die Existenz der bisher verleugneten entfernten jüdischen Vorfahren beschworen.
    Eliten waren und sind dabei sicherlich rhetorisch geschickter.

    C. Böhme hat auch Recht mit seinem Artikel hier: „Es gibt nichts Entlastendes..“ – ich möchte hinzufügen: Zumindest nicht, solange die „Opas“ nicht wie Männer eingestanden haben, was sie wirlich angestellt haben und wozu sie sich ggf. haben mitreißen lassen. Da gibt es oder gab es aber – leider viel zu wenige – Ausnahmen.

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    @Alan Posener
    nein nicht, aber Du wirst doch Eva Herrmann nicht im Ernst als Protagonistin der deutschen „Eliten“ und ihren „Hass“ auf 68ff sehen? Soweit ich weiss, ist Eva Herrmann von den angeblichen „Eliten“ abserviert worden.

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    Die erste Hälfte des 20. Jahrhunderts war nicht mehr das Zeitalter der Kabinettskriege, sondern der Demokratisierung, der Massenmobilisierung von der Straße. Viel zu melden hatten Funktions-Eliten im Strudel des Chaos damals nicht mehr. Auch konnten die Eliten, global gesehen, keine vernünftige Nachkriegsordnung nach dem Ersten Weltkrieg aushandeln, weil der demokratische Nationalhass schon zu weit gediehen war.

    Sofern die deutschen Eliten jüdisch waren, wurden sie vernichtet. Der übrige Teil der Elite war wahrscheinlich froh, dass es den jüdischen Sündenbock gab, und sie vom algemeineren kommunistischen Elitenhass nochmal verschont wurde.

    68er-Hass als Hass auf akademische Elite zu sehen, ist ein beachtenswerter Gedanke.

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    @ N.G.. Viel Richtiges, einiges Schiefe. Es würde zu weit führen, alles hier zu erörtern, aber ich komme auf Ihre Punkte zurück, denn sie sind wesentlich. Ich denke zum Beispiel, gerade über die Totalitarismustheorie muss man neu nachdenken. War das Dritte Reich zum Beispiel eine totalitäre Diktatur oder – wie Hans Mommsen meinte – eine „schwache Diktatur“? Was heißt das für die Beurteilung der begangenen Verbrechen? Welche Funktion erfüllte die Totalitarismustheorie in der Nachkriegszeit? Und so weiter. Spannend.

  9. avatar

    Gegen was verteidigen Sie sich eigentlich? Niemand (vielleicht können Sie mir auf die Sprünge helfen) hat behauptet, dass die Taten der 68er vergleichbar den Taten der Nazis waren. Ich verstehe den Unterscheid zwischen Disposition , ich glaube der Ausdruck trifft besser als Gesinnung, und Ausführung wohl. Ich denke Sie können sich glücklich schätzen, dass die rote Zelle, in der Sie waren, an der avisierten Weltrevolution weit vorbeischoß. Ein Gedankenspiel sei trotzdem erlaubt: stellen Sie sich sich als mittleren Kader in einer Erziehungsdiktatur vor, in der man die entmachtete Elite und die breite Masse auf den Stand der revolutionären Gesinnung bringen muss, oder stellen Sie sich als Vernehmer kontrarevolutionärer Elemente vor. Eine kleine Ahnung bekommt man, wenn man Ihren Kommentar im Thread von Böhmes Post zum Naziopa liest. „Sie belegen ja gerade durch Ihre Einlassungen die These Böhmes“. Mir erscheint das Orwell 1984 reloaded. Widerspruch ist nicht Widerspruch, nein, Krieg ist Frieden, Widerspruch ist Bestätigung der These Böhmes „ein barbarisches Volk. Nichts entlastendes. Nirgends.“ Es geht ja gar nicht um Entlastung, aber Differenzierung muss es geben. Böhmes These ist totalitär und sonst nichts. Ich denke, um die Zeichen an der Wand zu sehen, auch für die Zukunft, hilft, und da stimme ich Ihnen vielleicht mehr zu, als Ihnen lieb ist, immer noch am besten eine Totalitarismustheorie, eine Analyse nicht nur der Gesinnungen, sondern auch der Denk- und Verhaltensmuster, mit denen die Widerstände gegen die Revolution oder das gute Projekt elimiert und liquidiert werden.

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    @ N.G.: Sie haben meinen Text entweder nicht richtig gelesen oder nicht richtig verstanden. Ich habe vom Unterschied zwischen Gesinnungen und Taten gesprochen. Nur in totalitären Systemen (und in totalitären Köpfen) wird dieser Unterschied nicht gemacht. Er ist wesentlich.

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    @ Scrutograph: Es handelt sich in der Tat um ein spezifisch deutsches Eliteversagen, so wie der Hass auf 68 ein spezifisch deutscher Elitenhass ist. Und natürlich haben die beiden Phänomen miteinander zu tun.
    @ Alt-68er: Schon die Eva-Herrmann-Debatte vergessen?

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    Dass Sie diesen Vergleich 68 mit 33 so ernst nehmen und so vehement – moralisch, strafrechtlich, historisch – zurückweisen müssen, scheint mir die Funktion zu haben, als Waisenknaben und und wohl zu Unrecht auch strafrechtlich belangte kleine Lichter zu erscheinen. Der Vergleich stimmt m.E. auf einer Ebene: Die Verblendung, der Idealismus, die Recht- und Gutgläubigkeit und der Fanatismus und Unduldsamkeit gegenüber anderen in vielen K-Gruppen war m.E. nicht geringer als bei überzeugten Nazis. Da gab es doch mal einen Genossen, der die Repräsentanten des Schweinesystems nach der Revoution zur Reedukation in „Fischmehlfabriken“ stecken wollte, m.E. ist das ein Euphemismus für Konzentrationslager.

    Scrutograph will ich widersprechen: ewig erinnern wirde man sich an Fritz Teufels unsterblichen Satz „Wenn es denn der Wahrheitsfindung dient“. Der Beginn einer Ära, in der Etikette und Form unter das Diktat der „Wahrheit“ gestellt wurde – sozusagen die Umkehrung des Zivilisationsprozesses.

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    Überzeugt mich vielfach nicht. Auch die Eliten des „Amts“ sahen sich Eliten in anderen Staaten gegenüber, mit denen sie im Krieg standen und die das Reich vernichteten. Oder vertritt P. ein globales Elitenversagen? Churchill gehörte zu den alten Eliten und bekriegte Hitler.

    Mit den 68ern hat Posener allerdings Recht. Ihrer wird sich in Zukunft keiner mehr erinnern.

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    Alan Posener schreibt: Wohl aber zur schlichten Feststellung, dass moralisch, strafrechtlich und historisch die Farce von 68 ff. nicht auf einer Stufe steht mit der Tragödie von 1933ff.

    Gut es gab welche, die von rotgelackten Nazis oder Faschisten gesprochen haben, aber dass jemand behauptet hat, dass 68 auf einer Stufe mit 1933 steht, höre ich zum ersten Mal von Dir. Dass hat noch nicht mal Götz Aly behauptet behauptet, auch wenn er darauf hinweist, was die damaligen Maoisten über die Verbrechen Mao Tse-tungs hätten wissen können und wie „sie vor der geschichtlichen Last des Vaterlandes in Verherrlichung ferner Guerilleros flohen“. Nur insofern ist die Parallelisierung diskutierbar und der demütige Satz stimmt, dass man nicht wissen kann, was man damals getan hätte. Ein vorläufiges Unterscheidungsmerkmal könnte jedoch sein, wie weit Zeitgenossen sich einem Kollektiv anschließen und dessen Ideologie auch kontrafaktisch verteidigen. Dogmatisch versus empirisch. Inmsofern ist es gut, dass auch das Amt faktengesättigter betrachtet werden kann.

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    Man sollte sich mal auf den Seiten der Bundesregierung den freundlich dreinschauenden Herrn links in der zweiten Reihe anschauen.

    http://www.bundesregierung.de/.....chefs.html

    Ein kleiner distanzierender Kommentar täte der Bildunterschrift „Hans Globke (CDU)“ vielleicht gut.

    http://de.wikipedia.org/wiki/Hans_Globke

    Aber der Schutz der „Ehre“ des Herrn Globke und seiner politischen Freunde scheint dem BND sowohl zu dessen Lebzeiten als auch noch noch heute ein besonderes Anliegen zu sein.

    http://www.freitag.de/2006/24/06240601.php

    Die Akten des Bundesnachrichtendienstes, zu Adolf Eichmann, obwohl das Bundesverwaltungsgericht einen Sperrvermerk für rechtswidrig erklärt hat, weiterhin vom BND unter Verschluss gehalten.

    http://www.gabyweber.com/prozesse_bnd.php

    Es könnte auch der Wahrheitsfindung dienen, wenn die Bundesrepublik ihre Geheimdienstakten öffnen würde, damit auch die Geschichte des BND – bzw. der Organisation Gehlen – einmal genauer erforscht werden könnte.

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    Alan Posener schrieb: Niemand unter uns Nachgeborenen weiß, wie er sich damals verhalten hätte.

    Wenn man sich diesen Gedanken vergegenwärtigt, erspart man sich viel unnütze, weil typischerweise folgenlose, Aufgeregtheit.

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