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Wir sollten Knut Westergaard dankbar sein

Der Abend des 8. September 2010. Ein Foto geht um die Welt. Um die ganze Welt? Nein, in vielen islamischen Ländern wird das Bild wohl kaum zu sehen sein – und selbst wenn, dann nur mit abschätzigen Bemerkungen über den Westen und dessen beleidigende Muslimfeindlichkeit. Denn das Foto zeigt Knut Westergaard, den dänischen Karikaturisten, dessen Mohammed-trägt-einen-Bombenturban-Zeichnung vor vier Jahren viele einen Kampf der Kulturen befürchten ließ.

Dabei hatte der heute 75-Jährige etwas eigentlich ganz Selbstverständliches getan: Er nahm für sich das Recht auf freie Meinungsäußerung in Anspruch. Dafür wird Westergaard heute Abend in Potsdam mit dem Preis der Medien-Konferenz „M 100 Sanssouci Colloquium“ geehrt. Und er wird diese Auszeichnung persönlich entgegennehmen. Denn auch, wenn militante Islamisten dem Künstler nach dem Leben trachten und auf ihn ein Kopfgeld von mehreren Millionen Dollar ausgesetzt ist, weigert sich der alte Herr unterzutauchen. Das nennt man Mut. Glückwunsch, Herr Westergaard! Die Laudatio hält der ehemalige Stasi-Unterlagenbeauftragte Joachim Gauck, selbst ein freiheitlich Gesinnter. Und die Hauptrednerin des Abends heißt Angela Merkel.

Die Bundeskanzlerin als Verteidigerin der Pressefreiheit, die somit auch Westergaard ihre Referenz erweist, Respekt! Schließlich ist es leider keine Selbstverständlichkeit, dass die westliche Öffentlichkeit in dieser Sache Flagge zeigt. Als der Karikaturenstreit von Islamisten und islamischen Regimes mutwillig und gezielt vom Zaun gebrochen wurde, war vielmehr von „unnötiger Provokation der Muslime“, von „Rassismus“ die Rede. Dabei ging es doch nur um die Freiheit, die uns heilig sein sollte. Man dürfe den Islam nicht beleidigen, die Menschen kränken und ihre religiösen Gefühle mit Füßen treten. Aber, mit Verlaub, beim Karikaturenstreit handelte es sich einwandfrei um eine groß angelegte Propagandaaktion, die von den entsprechenden Kräften zum Kampf der Kulturen hoch stilisiert wurde. Spontaner Zornesaubruch? Wer’s glauben mag!

Der einzig wirklich Leidtragende in diesem schmutzigen Spiel heißt Kurt Westergaard, der vermutlich nie wieder ein normales Leben wird führen können. Ein allzu hoher Preis für einen Aufrechten, der aus Überzeugung handelte und nach eigenem Bekunden jederzeit wieder so handeln würde. Ein Freigeist eben. Wir als Teile der viel beschworenen offenen Gesellschaft sollten ihm für so viel demokratische Gesinnung dankbar sein.

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11 Gedanken zu “Wir sollten Knut Westergaard dankbar sein;”

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    Liebe Rita E.
    Sie brauchen überhaupt nichts mehr lernen, solange Sie Ihr Herz auf dem rechten Fleck behalten – und da bin ich zuversichtlich.
    Von H.M.Broders Auslassungen (oder Einläufen?) würde ich mich daher nicht jeck machen lassen. Sie sind insofern hilfreich, als daß sie das Attitüdenhafte (jetzt habe ich wohl ein neues Wort entdeckt) von Philosemitismus und/oder Israelfreundlichkeit bei Leuten, die sich „irgendwie als Deutsche“ unwohl fühlen und sich mit Ihrem „etwas gut machen wollen“ distanzieren und besser fühlen wollen, aufdeckt. Besonders bei Religionslehrerinnen..
    Ehrlich gesagt – ich finde, es gibt Schlimmeres!
    Alles das ist eine sehr „innerdeutsche“ Gefühlslage – interessiert also sonst niemanden in der Welt.
    Ich halte seit dem dem Jom-Kippur-Krieg zu Israel, vielleicht, weil’s in Kinderaugen der „kleinere“, „schwächere“ ist zu dem man hält – und das ging, weil die Eltern nicht GEGEN Israel waren. (Später kamen sicher andere Argumente dazu..)
    Daß ich mich mit dieser Haltung in einer Minderheit befinde, auch und besonders bei Leuten, die mir sonst in Diskussionen eher mal zustimmen, kann man (vielleicht) auf diese Eltern – Kind – Geschichte zurückführen. Irgendwie führt dieses tradierte diffuse Zeug von USA-Israel-Juden-Wallstreet-Connection gerade bei Linken zu selektiver Wahrnehmung der palestinensischen Belange und blendet den Hamas-Terror aus…(nur Vermutungen..)

    So kann man doch nur versuchen, aus dem, was da so behauptet und provoziert wird, das Wesentliche heraus zu picken und dabei das links-rechts Schema zu vergessen, das unser Denken so einschränkt. So komme ich zu dem Standpunkt: Es gibt eine erhebliche Bedrohung durch rückständige islamische Kräfte, von außen und von innen.
    Das hätte auch Dr. Sarrazin so schreiben können, darum ging es ihm aber nicht. Sondern um den Zuspruch und den Markt all der feigen Kleingeister die sich sich daran erfreuen, wenn andere in den Dreck getreten werden. Man fühlt sich dann nicht mehr so minderwertig..

    LG zurück!

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    KJN und 68er:

    Ich möchte um Nachsicht bitten, der hohen Frequenz meiner Beiträge wegen. Nicht überflüssige Zeit, oder Wichtigtuerei stehen dahinter. Der Grund:
    Seit Westerwelles „spätrömischer Dekadenz“ und ebenso Sarrazins Gen-Idiotie, kann man in diesem Land „wieder atmen“. Das Volk kommuniziert wieder, es formiert sich ein gewisser Widerstand des Volkes, auch auf der Straße.
    Jahrelang lag unser Volk in Agonie, jetz erwacht es ganz langsam aus der Trance.

    Wenn nun viele die“wiedererwachte Freiheit“ beerdigen wollen, solange sie noch atmet, macht mich das rasend.
    Wir sollten die Chance nutzen und sie nicht vertun.

    Ich wollte sie nicht ärgern, lieber 68er, wollte lediglich aufzeigen, daß es um die Meinungsfreiheit besser bestellt ist, als es sich Ihnen anfühlt. Zur Freiheit gehört auch ein bißchen Tücke und List. Wie Ihnen, als aufrechten Christen bekannt ist, predigte Jesus seinen Anhängern, sanft, wie die Taube und listig, wie die Schlange zu sein.Er war Jude, und hatte die besonderen Gene! Das sollte keine Blasphemie sein, lediglich ein Ausdruck meines religionsübergreifenden Humors. Der Zustand der Unfreiheit ist nur ein Paradies für Blöde.
    Lieber KJN, von Ihnen kann ich noch eine Menge lernen!
    Hoffe ich bin noch lernfähig genug, in meinem Alter.

    LG Rita E. Groda

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    Lieber David Berger,
    da wären wir wieder beim Thema Tabus, auch hier, bei Einlassungen vom sehr verehrten Alan Posener, immer heiß umstritten.
    Inzwischen, seit dem Gaza-Konflikt, kürzlich, gehört die Parteinahme zur Israel zu den Tabus.
    Selbst der früher so brillante, schreckliche henryk, fürht eine Parteinahme zugunsten der Israelis, auf dem Deutschen Hollocaust-Komplex zurück. Was für meine Generation, partiell stimmen mag, ansonsten absoluter Unsinn ist.
    KJN liegt nicht ganz so falsch, mit seiner Annahme, daß es in unserem Lande, familienbedingt könnte ich jetzt aber auch für mindestens 3 Europäische Länder sprechen, ein selbstgewähltes Tabu ist, Israel nicht besonders positiv gegenüber zu stehen. Das hat eben auch ganz direkt mit den etwas verworrenen Gefühlen vieler Deutscher der Deutschen Integrationspolitik gegenüber zu tun.
    Auf der einen Seite möchte man politisch korrekt sein, des muslimischen Bürgern gegenüber, dann kann man ja nicht offen sich für Israel bekennen, und dessen Survivalkurs, gegenüber Millionen von Araber. Auf der anderen Seite sind stehen viele Deutsche „unseren Muslimen“ entweder absolut gleichgültig, wenn nicht sogar feindselig gegenüber.
    Der Gruppenzwang in Deutschland ist momentan esxtrem, gerade ist es eben opportun, bzw. modern gegen Israel zu sein.

    Machen Sie sich nichts drauß.Selbst Päsident Obama, sich dem Druck der Ereignisse fügend, hat seinen Kurs sehr schnell geändert (gegeüber Israel). Und, wie ich kürzlich in einem Essay, eines rennomierten Israeischen Journalisten las, hat das weiße Haus offenbar verlauten lassen, der Zionismus wäre in Washington, eigentlich, erfunden worden. Witzigerweise stand in der Fußnote dieses Artikel, der Artikel geben nicht der meinung der Israelischen Regierung wieder. Der Artikel erschien in hagalil, finde ihn nicht wieder. Könnten Sie mir da vielleicht helfen, beim Suchen.

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    @Rita E.

    Danke für Ihre differenzierte Wahrnehmung.

    Zum Thema Berthold Beitz:
    „Ich kenne die Deutschen. Wenn man fest, klar und bestimmt auftritt, dann respektieren sie das. Wenn man weich ist oder verzweifelt, bringen sie einen um.“

    Da ist sicher viel Wahres dran..

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    Lieber KJN: Gerade habe ich auf dem blog unseres Mitposters David Berger hereingeschaut, einen alten Artikel von Herrn Posener gesucht, und ich habe diesen interessanten Artikel über Berthold Beitz gefunden.
    Mit seiner Beurteilung, wie man mit Deutschen am besten umgeht – könnte er Recht gehabt haben?

    http://hiram7.wordpress.com/20.....t-der-mut/

    LG Rita E. Groda

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    @KJN: Was Sie sagen“ da kann man nicht meckern“, wie Herr Schubeck es formulieren würde(der Fernsehkoch).
    Ich werde Sie keinesfalls in die Rubrik“Sarrazinista“ einordnen, denn in einer ehrlichen und fairen Debatte um unsere Migrationsprobleme, geht es ja auch um vernünftige Differenzierung. Nicht alle Muslime sind ausschließlich gut, so, wie nicht alle Deutschen Nazis sind.

    Religiösen Fundamentalismus aufzuzeigen, ohne hysterische Stigmatisierung gehört auch dazu. Das schützt nämlich auch die Interessen der vielen „normalen“ Muslime nicht nur in unserer Republik.
    Wer Akzeptanz erfährt, wird sich eher mit einer ihm fremden Kultur und Gesellschaftsform identifizieren, oder zumindest arrangieren können, als derjenige der nur Ausgrenzung erlebt.
    Wenn wir mal alle ganz ehrlich sind, die Akzeptanz für muslimischer Mitbürger ist nicht wirklich da. Ganz sicher liegt es nicht nur ausschließlich an den Deutschen, die Bemühungen aber sind nur oberflächlich und marginal.

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    Weit davon entfernt, diesen US-amerikanischen evangelikalen Bücherverbrenner gut zu finden, bzw. dieser Aktion irgendwas abzugewinnen – so hat er doch in einem Recht: Die Reaktion von (ich bin vorsichtig) vielen Muslimen darauf läßt durchaus Rückschlüsse auf den Zustand islamischer Gesellschaften zu.
    Es werden in der ganzen Welt Bibeln verbrannt – kein Christ und kein Jude legt deswegen Bomben.
    Da mag einer in der Nähe des Tanks zündeln – daß der Tank aber die eigentliche Gefahr ist, wird gerne vergessen.

    Knut Westergaard mag in Ausübung seines Berufes (die Mohammed-Zeichnungen waren absolut in den geschmacklichen Grenzen) religiöse Gefühle verletzt haben. Das müssen die Träger dieser Gefühle aushalten. So wie wir „Säkulare“ deren Verachtung und Geringschätzung aushalten.

    Können sie das nicht aushalten, muß man sich vor ihnen schützen, notfalls mit Gewalt.
    So ist Respekt und Solidarität mit Westergaard nicht nur Ehrensache, sondern auch im eigenen Interesse!

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    Knut Westergaard ist ja kein Einzelfall.
    Allein aus dem früheren Multi-Kulti-Vorzeigeland Niederlande fallen mir Geert Wilders und Ayaan Hirsi Ali ein, die ein Leben im Untergrund führen müssen. Ich kann mich nicht erinnern, daß die gleichen Politiker, die jetzt die geplante Verbrennung eines Korans in Florida verurteilen diese Leute unterstützt hätten. Von der Ermordung von Theo van Gogh spricht ja auch kaum jemand mehr.

    Es fällt auf, das Japan keinerlei Probleme mit gewalttätigen Islamisten hat. Kann das daran liegen, daß die Japaner überhaupt keine Moslems in ihr Land gelassen haben ?

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