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Warum für Afghanistan töten und sterben? – Die deutsche Verteidigungspolitik verliert an Zustimmung

„Im Einsatz für den Frieden“. Das Plakat hängt als Riesenmotiv am Gebäude des Verteidigungsministeriums in Berlin. Bild und Aussage sind in der deutschen Öffentlichkeit ebenso wenig bekannt wie Sinn und Zweck des deutschen militärischen Engagements in Afghanistan.

Warum? Weil die Bürgerinnen und Bürger ohnehin nicht für den Einsatz am Hindukusch zu gewinnen sind? Die Strategie „besser schweigen und in Stille vor Ort die Arbeit erledigen“ rächt sich jetzt spätestens nach dem Angriff der Bundeswehr auf zwei Tanklastzüge.

Es war der folgenreichste Angriff deutscher Soldaten nach dem 2. Weltkrieg. Das mediale Echo ist gewaltig und verdeckt dennoch die Grundsatzfrage „Warum müssen wir für Afghanistan töten und sterben?“

Die Deutschen interessieren sich wieder für Verteidigungs- und Sicherheitspolitik. Das ist die gute Nachricht an der jüngsten Entwicklung. Wann ist ein Einsatz, ein Angriff „angemessen“, wann nicht? Wie stimmen sich die Bündnispartner vor Ort ab und entscheiden? Was sind eigentlich die Ziele des deutschen Engagements? Aus dem anfänglichen „freundlichen Desinteresse“ der Deutschen ist ein „unfreundliches Interesse“ an dem Engagement der Bundeswehr geworden.

Einen neuen Isolationismus kann sich Deutschland jedoch im Zeitalter des globalen Jahrhunderts nicht leisten. Nötiger denn je ist eine breite öffentliche Debatte über die künftige internationale Sicherheitspolitik und den jetzigen Afghanistan-Einsatz. Die Politik allein wird diese Debatte sicher nicht führen können. Sie muss sie aber endlich beginnen, wenn sie nicht weiter an Rückhalt in der Bevölkerung verlieren will. Kriege und Einsätze werden zuerst im eigenen Land verloren (gegeben). Ohne Zustimmung wird es kein Mandat für den weiteren Einsatz im Frieden geben.

Der Autor leitet den thinktank berlinpolis.

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