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Wie Alice Schwarzer Ausgrenzung salonfähig macht

In einem Interview mit der Zeitschrift „Cicero“ macht Alice Schwarzer Stimmung gegen Flüchtlingshelfer und bedient eine Rhetorik von rechten Rand. Solche Positionen sind kein einmaliger Ausrutscher, sondern gehören seit Jahrzehnten zum Repertoire von Deutschlands Vorzeige-Feministin. Eine Analyse von Arne Hoffmann.

Ehrenamtliche Flüchtlingshelfer sind unverzichtbar, wenn es darum geht, Flüchtlingen die Regeln des Zusammenlebens in Deutschland zu vermitteln. Zu diesem Ergebnis gelangte eine Anfang August herausgegebene Studie der Bertelsmann-Stiftung, die vom Berliner Institut für empirische Integrations- und Migrationsforschung durchgeführt wurde. Danach ist das Engagement zahlreicher Freiwilliger nach wie vor ungebrochen. Schätzungen zufolge helfen zwischen einer halben bis zu einer vollen Million Menschen in einer wahren „Explosion des bürgerschaftlichen Engagements“. Zurückgegangen, erfährt man aus einem Artikel der „Welt“ über diese Studie, sei „lediglich die Überbeanspruchung der Helfer, die im Winter Tag für Tag rackern mussten, um die elementare Versorgung der Geflüchteten sicherzustellen“. Die Mehrheit dieser Ehrenamtlichen sei übrigens weiblich.

„Was gibt es da zu klatschen“ – Schwarzers bizarre Polemik

Für all das hat Alice Schwarzer nur Geringschätzung übrig. Die Frontfrau des deutschen Feminismus hält in einem aktuellen Interview mit dem Magazin „Cicero“, das schon länger durch zahlreiche Artikel im Anti-Merkel-Sound auffällt, ihren Unmut nicht zurück. Schon der freundliche Empfang, den viele Geflüchteten in Deutschland erhalten haben, lässt sie missmutig werden. „Was gibt es da zu klatschen?“ fragt sie verbiestert und unterstellt den ungezählten Namenlosen, die in diesem Bereich über lange Monate geschuftet haben: „Es ging mehr um sie selbst als um die Flüchtlinge. Ein Hauch von Kitsch wehte mich an.“ Diese „blinde Fremdenliebe“, hämt Schwarzer, sei nur „die Kehrseite des Fremdenhasses“, womit sie Liebe und Hass aneinander koppelt, als ob beides gleichermaßen schädlich wäre. Verquickt wird diese bizarre Polemik damit, dass Schwarzer Männern aus bestimmten arabischen Ländern pauschal Frauenverachtung unterstellt.

Nicht fehlen darf zudem die in rechten Kreisen beliebte Klage, es wäre „immer noch tabu, die Realität zu benennen!“  – so als ob Autoren wie Schwarzer, Parteien wie die AfD und Mitarbeiter des „Cicero“ ernsthaft daran gehindert würden, ihre Wahrnehmung der Wirklichkeit unentwegt hinauszuposaunen. Tatsächlich stehen ihnen dafür die größtmöglichen Plattformen zur Verfügung. Wenn Schwarzer hier allen Ernstes angeblich „von Linken und Liberalen aufoktroyierte Denkverbote“ beklagt, dann heißt das im Klartext, dass sie sich über den Widerspruch beklagt, den sie in der Tat immer wieder erhält. Eine kontroverse Debatte gehört allerdings zu einer funktionierenden Demokratie. Schwarzer ist anscheinend wie viele ihres Lagers der verqueren Ansicht dass Meinungsfreiheit erst dann gegeben ist, wenn ihnen auch zu dem blühendsten Unsinn niemand mehr widerspricht.

Dem Interview nachgeschaltet ist der Hinweis auf Alice Schwarzers aktuelles Buch „Der Schock“, auf das bislang bereits zahlreiche Medien aufmerksam machten. Kein Tabu, nirgends. Auf Amazon allerdings erfährt man: Wer dieses Buch kauft, kauft auch Akif Pirinccis „Umvolkung: Wie die Deutschen still und leise ausgetauscht werden“, Thilo Sarrazins „Wunschdenken“ und Udo Ulfkottes „Grenzenlos kriminell“. Hat Alice Schwarzer in diesem Denkmilieu neue Anhänger gefunden?

Stereotype Vorstellung: Der muslimische Mann als Bedrohung

Wer die Debatte zu Alice Schwarzers Äußerungen zum Islam seit längerem verfolgte, den dürfte diese Entwicklung kaum überraschen. Schon 1993 wurde Schwarzers Einstellung in einem Dossier deutlich, das ihre Zeitschrift „Emma“ veröffentlichte. Darin wurde die deutsche Frau so beschrieben, als ob sie einer ständigen Bedrohung durch den muslimischen Mann ausgesetzt wäre. „Eine Frau ruft einen Notarzt“, hieß es darin beispielsweise. „Der ist Moslem. Ihr fast tödliches Pech.“ Formulierungen wie diese findet man heute vor allem in rechten Internet-Blogs wie „Politically Incorrect“. Nach diesem Dossier distanzierte sich eine ganze Reihe feministischer Gruppen von Schwarzers „Emma“. Die Weibsbilder aus Köln etwa warfen ihr „rassistische Hetze“ vor.

Ernsthaft geschadet hat Schwarzer ihre Haltung jedoch kaum. Tatsächlich war eher das Gegenteil der Fall, wie die Sozialwissenschaftlerin Daniela Marx in einer Analyse darlegt, die in Margarete Jägers und Jürgen Links Forschungssammelband „Macht – Religion – Politik“ (2006) veröffentlicht wurde. Darin arbeitet Daniela Marx heraus, dass Schwarzer exakt zu jenem Zeitpunkt von den etablierten Medien akzeptiert wurde, als sie sich der hierzulande so beliebten Islamfeindschaft anschloss. Dabei, so zeigt Marx auf, verwende Schwarzer bei der Konstruktion ihres Feindbildes vom Islam Metaphern, die auch aus antisemitischen Diskursen bekannt seien. Auch komme Schwarzer „der Relativierung nationalsozialistischer Verbrechen sehr nahe“, wenn sie etwa befinde, Islamisten seien „gefährlicher als die Nazis“, da sie „wirklich im Weltmaßstab“ operierten, während der „deutsche Flächenbrand (…) ja noch Grenzen hatte“. Marx gelangt zu dem Schluss, dass Schwarzers Rhetorik „anschlussfähig für ausgrenzende, reaktionäre und rassistische Argumentationen“ werde.

Wie hält es Schwarzers Feminismus mit dem Minderheitenschutz von Muslimen?

Auch andere Journalisten und Wissenschaftler kritisierten Schwarzers Kurs. So merkte der „F.A.Z.“-Journalist Patrick Bahners in seinem 2011 erschienenen Buch „Die Panikmacher“, das sich mit der grassierenden Islamophobie beschäftigt, an: „Der Kreuzzug der ‚Emma‘ gegen die Muslime beiderlei Geschlechts ist ein bemerkenswertes Datum in der Geschichte des Feminismus. (…) Die Frauenbewegung sieht sich heute offenbar ein für allemal auf der Seite der Sieger: So kann Alice Schwarzer der Minderheitenschutz egal sein.“ Bahners zeigt auf, wo Schwarzer Texte, über die sie schreibt, nur flüchtig gelesen oder absichtlich verzerrt hat. Das „irreführende Zitieren“ habe bei ihr „Methode“; mitunter bleibe in ihren Veröffentlichungen auch schon mal eine absurd falsche Darstellung stehen.

„Immer häufiger machen Feministinnen mit Rechten gemeinsame Sache“ problematisiert die Geschlechterforscherin Professor Birgit Rommelspacher in der „taz“ und erwähnt dabei Alice Schwarzers Verständnis für das von der rechtspopulistischen Schweizer Volkspartei durchgesetzte Minarettverbot.

Das von Sineb El Masrar gegründete Frauenmagazin „Gazelle“ schließlich teilte Schwarzer in einem offenen Brief mit: „Mit Ihrer Zweiteilung in ein Wir (= der Westen, die weiße Mehrheitsbevölkerung) und die Anderen (= der rückständige Orient) grenzen Sie einen Teil der Deutschen aus. Legen damit die Basis für einen aktuell salonfähigen kulturellen Rassismus. Das macht uns Angst. Auch wir, die als Menschen mit Zuwanderungsgeschichte bzw. andere Deutsche bezeichnet werden, haben Ängste, Wünsche, Bedürfnisse und Interessen, über die wir gerne miteinander diskutieren wollen. Deutschland ist auch unser Land.“

Verständnis für Pegida

Schwarzer beeindruckte all das offenbar wenig. Sie legte über Jahre hinweg immer wieder nach. Als sie 2015 Verständnis für die Märsche der Pegida zeigte, konnte das kaum noch jemanden überraschen. Im März 2016 schließlich sprach Schwarzer sich gegen eine „Dämonisierung“ der AfD aus. Zwar hätten mehr Männer als Frauen diese Partei gewählt, aber das könne sich ja bald ändern.

Was ist nun von Alice Schwarzers aktuellem Interview im „Cicero“ zu halten? Zunächst einmal muss man sich all den Journalisten anschließen, die Schwarzers neues Buch verrissen und ihr vorgeworfen haben, mehr mit Spekulationen als mit Belegen zu arbeiten: Damit, befindet der Rezensent Paul Katzenberger in der „Süddeutschen Zeitung“, trete „ein Glaubwürdigkeitsproblem zutage, über das Alice Schwarzer immer wieder stolpert“. Die Kölner Silvesternacht erregte vor allem deshalb so großes Aufsehen, weil es sich um ein singuläres Ereignis handelte, an dem sich Schwarzer auch Ende August noch festhalten muss, um ihre kruden Thesen vom bedrohlichen Musel-Mann zu rechtfertigen. Tatsächlich aber legte das Bundesinnenministerium Anfang Juni 2016 die erste Statistik des Bundeskriminalamts vor, die flächendeckend Straftaten von Asylbewerbern ermittelte. „Zuwanderer sind nicht krimineller als Deutsche“ fasste die „Zeit“ das Ergebnis zusammen und betonte, insbesondere gebe es „kaum sexuelle Übergriffe oder Mord- und Totschlagdelikte, die von Zuwanderern begangen worden seien“.

Wohin führt Alice Schwarzers Feindbilddenken?

Vor diesem Hintergrund ereifert sich Schwarzer zunächst einmal über ein Scheinproblem. Aber selbst wenn man sich von der Angst anstecken lassen würde, dass die vielen muslimischen Männer eine immense Bedrohung für Deutschlands Frauen darstellen, muss man sich doch fragen, welche Lösungen Schwarzer in ihrem „Cicero“-Interview für dieses Problem anbietet. Explizit zunächst einmal: keine. Es bleibt beim Händeringen. Implizit kann das, was Schwarzer rhetorisch aufbietet, eigentlich nur zu einer Konsequenz führen: Grenzen dicht und viele Ausländer raus! Zumindest sollte man Flüchtlinge aus den von Schwarzer erwähnten Regionen erst gar nicht nach Deutschland lassen. Mit einer solchen Haltung wäre Schwarzer problemlos anschlussfähig an den Populismus eines Donald Trump, der eben das für die USA verlangt. Mit dem deutschen Asylrecht und anderen internationalen Flüchtlingskonventionen indes wäre die Forderung, Menschen aus bestimmten Regionen das Asyl zu verweigern, weil alle, die dort lebten, das falsche Frauenbild besäßen, unvereinbar.

Es gibt vernünftigere Ansätze. Die eingangs erwähnte Bertelsmann-Studie nämlich fand auch heraus, dass gerade Männer bei der Flüchtlingsbetreuung durch Ehrenamtliche unterversorgt sind. Genügend Patenschaftsangebote gebe es für Frauen und Kinder. Aber die jungen Männer, die 35 Prozent in einer für die Studie untersuchten Stuttgarter Unterkunft ausmachten, erhielten gerade einmal drei Angebote. Würden auch geflüchtete Männer auf mehr Zuwendung stoßen und sich infolgedessen stärker von der Gesellschaft angenommen fühlen, dann dürfte das eine starke Maßnahme dagegen darstellen, dass diese Männer unserer Gesellschaft weiter fremd bleiben.

Mehr Betreuung statt Verteufelung männlicher Flüchtlinge

Der bekannte Kriminologe Christian Pfeiffer, ehemaliger Direktor des Kriminologischen Forschungsinstituts Niedersachsen, forderte schon am 5. Januar 2016, also unmittelbar nach der Kölner Silvesternacht, männliche Flüchtlinge besser zu integrieren. Diese 20- bis 35-jährigen Männer aus Nordafrika, Syrien oder dem Irak seien in Deutschland zur Untätigkeit verdammt und erhielten keine ausreichenden Perspektiven, erklärte Pfeiffer im Interview mit der Website „evangelisch.de“: „Es ist Fakt, dass die jungen Männer bislang wenig Beachtung gefunden haben. Sie sind die isolierteste Gruppe überhaupt.“ Wenn sie dann an Tagen wie Silvester nicht in nachbarschaftliche Feierlichkeiten einbezogen würden und nichts mit sich anzufangen wüssten, könne es zu solchen Exzessen kommen. Die Bundesregierung müsse den Kommunen aus ihren immensen Steuereinnahmen deutlich mehr Geld für die Integration der jungen Männer zur Verfügung stellen. Frühere Untersuchungen zeigten, so Pfeiffer, dass etwa die Gewaltkriminalität unter Jugendlichen, die aus der Türkei und dem früheren Jugoslawien stammten, in den vergangenen 20 Jahren um 30 bis 40 Prozent zurückgegangen sei: „Das beweist, dass wir bei dieser Gruppe gute Integrationsarbeit geleistet haben, und macht Mut, dass wir dazu auch bei den Neuankömmlingen in der Lage sind.“

Solche Männer stattdessen zu verteufeln und sie noch mehr ausgrenzen zu wollen, mag der Auflage gewisser Bücher helfen, weil man dadurch das Interesse von Zeitschriften wie dem „Cicero“ gewinnt. Was jedoch das konstruktive Gestalten einer gemeinsamen Zukunft angeht, richtet derartige Polemik vor allem Schaden an.

Alice Schwarzer indes dürften all diese Einwände nicht mehr erreichen. Für sie stellt offenbar jeglicher Einwand ein „Denkverbot“ dar und führt damit, so argumentiert sie in ihrem Interview, gerade erst zum Erstarken der Rechten. Dieser bizarren Logik zufolge, kann man  Rechte nur schwächen, wenn man ihre Rhetorik nicht mehr zerpflückt. Dass Alice Schwarzer sich das wünscht, ist verständlich. Die Frage ist, ob das unserer Gesellschaft wirklich gut tun würde.

ArneHoffmann

Arne Hoffmann ist studierter Sprach- und Medienwissenschaftler; seine Abschlussarbeit behandelte die Flüchtlingsdebatte der neunziger Jahre. Er veröffentlichte mehrere Dutzend Bücher unter anderem bei Bertelsmann, Piper, Knaur und Heyne. Mit seinem Blog „Genderama“ und Büchern wie „Plädoyer für eine linke Männerpolitik“ gilt er als Vordenker der Männerrechtsbewegung in Deutschland. Journalistische Beiträge von ihm sind auf Plattformen wie ‚Die Kolumnisten“ und dem „Opinion Club“ erschienen. Sein Zweitblog „Hinter meinem Schreibtisch“ wurde von der „Süddeutschen Zeitung“ zur kritischen Beschäftigung mit den Thesen Thilo Sarrazins empfohlen.

37 thoughts on “Wie Alice Schwarzer Ausgrenzung salonfähig macht

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    @Heiko Heinisch: nein, Frau Schwarzer spricht nicht von Lügenpresse, sondern vom „von Linken und Liberalen aufoktroyierten Denkverboten“. Es ist genau der gleiche Gedanke: wer „mutig“ gegen den angeblichen Mainstream hält, würde ausgegrenzt. Das als rechte Polemik zu bezeichnen ist nicht nur richtig, sondern auch geboten, gerade WEIL die Wortwahl eine feinere ist. Frau Schwarzer schießt gegen links, und wer sich dagegen verwehrt, schafft Lagerbildung und grenzt SIE aus? Ehrlich gesagt: da sind mir Leute lieber die sagen: recht hat sie, die Schwarzer! Da weiß man, mit welchem Standpunkt man es zu tun hat.

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    Heiko Heinisch,
    A.S. spricht nicht von „Lügenpresse“, aber sie nennt Merkel „naiv“ und meint, den Flüchtlings-Männer gehe es um „Macht“ über Frauen. Es seien keine „Glaubensfragen, sondern Machtfragen“. Das stimmt zwar bei den Kriegen in den Heimatländern, aber welche Machtfrage, bitte, stellen uns die männlichen Flüchtlinge? Es ist ein böser Text, den A.S. da geschrieben har.

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    Peter hat es auf den Punkt gebracht!
    „Wer sich mal die Mühe macht, mit dem Flüchtlings-Betreuungspersonal zu sprechen, der erfährt immer wieder, dass die wirklich schwierige Klientel nicht „die Muslime“ sind, sondern junge Männer aus dem Maghreb – Marokko, Tunesien und Algerien und eben nicht Afghanistan, Iran oder Syrien. “
    Das sind auch keine Flüchtlinge, sondern illegale Einwanderer, die wir uns nicht wünschen!

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    Lieber Jan Kobel,
    natürlich hat Arne Hoffmann das einzige Zitat, das er aus Schwarzers Interview entnommen hat verkürzt – und zwar so weit, dass es ins Gegenteil verkehrt wird. Schwarzer sagte: „Bei den Bildern vom Münchner Bahnhof bin ich erstmals nachdenklich geworden. Ich dachte: Da kommen Flüchtlinge, die haben Schweres hinter sich, was gibt es da zu klatschen?“ Mich hat der Applaus am Bahnhof damals ehrlich gesagt ebenfalls irritiert. Ich fragte mich ebenfalls, was wird da beklatscht? Also ja, das ist nicht so einfach zu verstehen. Aber da kann man sich natürlich streiten, welche Geste hier was ausdrückt. Weiter sagt sie: „Da habe ich gemerkt, dass viele Menschen sich in dieser Attitüde gefielen. Es ging mehr um sie selbst als um die Flüchtlinge. Ein Hauch von Kitsch wehte mich an – der ja immer das Gegenteil der Lebensrealität ist.“ – Das kann man hämisch finden, aber „viele“ heißt nicht „alle“, heißt nicht einmal unbedingt „die Mehrheit“. Es richtet sich also nicht gegen die „ungezählten Namenlosen, die in diesem Bereich über lange Monate geschuftet haben.“ Das könnte Arne Hoffmann auch wissen, denn das hat Alice Schwarzer schon mehr als einmal an anderer Stelle betont. Aber Beweise für die Angeklagte interessieren Hoffmann an keiner Stelle.
    Was die Sache mit Amazon betrifft: Wie ich schon mehrmals ausgeführt habe, ist diese Information kaum zu bewerten, ohne den hinter der Seite stehenden Algorithmus zu kennen, also ohne zu wissen, welche Daten letztlich zu dieser Bewertung führen. Das ist das eine. Hinzu kommt, dass ich auch schon Bücher aus der rechten Szene käuflich erworben habe, schlicht und einfach, weil ich sie für meine Arbeit benötige und manchmal nicht warten kann, bis sie in der Bibliothek zur Verfügung stehen, bzw. die Bibliothek es nicht so gerne sieht, wenn ich darin Unterstreichungen und Anmerkungen hinterlasse.
    Der ganze Text von Arne Hoffmann macht einfach deutlich, dass es ihm nur darum ging, Alice Schwarzer einem Lager, nämlich dem rechten zuzuordnen. Dafür hat er jeden Hinweis aktiviert, der ihm über den Weg gelaufen ist. Und genau darin sehe ich das Problem, vor dem wir alle zur Zeit stehen – oder anders gesagt: es sind genau solche Texte, die die Probleme verschärfen, weil sie dazu beitragen, Lager zu konstruieren und dann als solche zu bedienen. Da geht jede Differenzierung verloren, da wird eine Alice Schwarzer mit Sarazin und Pirinci gleichgesetzt, da gibt es nur noch Freund und Feind.
    Das würde ich auch an Deinem Kommentar kritisieren, an der Stelle, an der Du schreibst, Schwarzer und andere gerierten sich als die „unterdrückten und zensierten Opfer einer gleichgeschalteten Lügenpresse“. Hat Alice Schwarzer dieses Wort verwendet? Spricht sie irgendwo von Lügenpresse? Nein. Aber indem es so geschrieben wird, wie es in Deinem Kommentar steht, wird bei Leserinnen und Lesern ein Wiedererkennungseffekt erzeugt. Lügenpresse-Rufer, das sind die von AfD und Pegida. Diesen Zusammenhang implizit herzustellen, hat etwas Demagogisches, denn es ordnet die betroffene Person eindeutig einem bestimmten Lager zu. Aber eben nicht aufgrund dessen, was sie tatsächlich gesagt hat, sondern aufgrund dessen, wie es von Dir wiedergegeben wird. Warum wird im Artikel von Hoffmann nicht einfach wörtlich zitiert – und zwar ganze Sinnzusammenhänge?
    Den Satz Schwarzers kann man auch durchaus anders verstehen, wenn man ihn denn zu lesen bekäme ohne erst dem Link zum Interview zu folgen. Das tun nämlich die Wenigsten und das weiß Arne Hoffman auch. Schwarzer sagt wörtlich: „Die von Linken und Liberalen aufoktroyierten Denkverbote tragen zu einer Polarisierung Deutschlands bei.“ Sie spricht nicht von Lügenpresse und sie bedauert nicht, dass sie nicht zu Wort käme – was in einem Interview in der Tat lächerlich wäre. Es geht hier genau um das, weswegen ich Arne Hoffmanns Text kritisiere: Sobald jemand etwas sagt, das der Linie weiter Teile der Linken in der Flüchtlingspolitik widerspricht (das gilt im Übrigen auch für die andere Seite), hört jede Differenzierung auf, da wird sofort behauptet, da ist eine Rechte. Das Vorgehen von Hoffmann und anderen ist Teil des Problems und nicht der Lösung, denn es trägt massiv zur Produktion von feindlichen politischen Lagern bei.
    In der Diskussion mit Hoffman auf der FB-Seite von Liane Bednarz habe ich zweimal darauf hingewiesen, dass Alice Schwarzer auch eine der ersten war, die öffentlich über Flüchtlinge berichtet hat, die in der Kölner Silvesternacht bedrängten Frauen geholfen haben – dem Hinweis wurde nicht widersprochen, er wurde schlicht ignoriert, weil er nicht ins Bild passt.

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    Es wäre hilfreich, wenn allmählich mal etwas differenziert würde. Alle werden sie in einen Topf mit der Anschrift „Muslime“ geworfen. Wer sich mal die Mühe macht, mit dem Flüchtlings-Betreuungspersonal zu sprechen, der erfährt immer wieder, dass die wirklich schwierige Klientel nicht „die Muslime“ sind, sondern junge Männer aus dem Maghreb – Marokko, Tunesien und Algerien und eben nicht Afghanistan, Iran oder Syrien. Warum das so ist? Ich weiss es nicht. Aus eigener Erfahrung weiss ich aber, dass ein grosser Teil der genannten schwierigen Klientel kaum integrierbar ist. Die sind verloren. Es wäre lohnend, die Hintergründe speziell dieser Menschen mal zu beleuchten. Es ist eben nicht alles einerlei.
    Diese ewigen Apellle, mal Toleranz, mal Härte fordernd sind nur noch ermüdend.

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    Auch, wenn ich in vielerlei Hinsicht anderer Meinung bin als der Autor – beispielsweise halte ich den Cicero für ziemlich ausgewogen, und dazu gehört halt auch, mal A. S. zu interviewen – finde ich den Artikel gut. Er ist meist sachlich formuliert, sorgfältig recherchiert und nachvollziehbar argumentiert. Kurz: Er hält sich an die Regeln der Kunst. Das ist leider keine Selbstverständlichkeit.

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    Köln wurde ja nicht nur von Schwarzer ausgenutzt, sehr viele haben da mitgemacht. Alle Feminsiten haben Köln für ihr absures Gesetz missbraucht. Und Nazis suchen penibel nach solchen Taten, um zu sagen: sehr her, der Muslim schon wieder! Dass Deutschland ein großes Land ist und tagtäglich schlimme Dinge passieren, die von Deutschen begangen werden, ist da nicht besonders wichtig.
    Und dann ist da natürlich die Frage was in Köln wirklich passiert ist. Erstaunlich ist dass es in den ersten paar Tagen wenige Anzeigen wegen Diebstahls gab, dann jedoch es aberhunderte wurden, insbesondere wegen sexueller Belästigung. Anscheinend mussten viele von den Medien überzeugt werden, wie schlimm es wirklich war…… Und natürlich hatten wir auch die üblichen Anzeigen, die völlig frei erfunden waren, einige von denen wurden als Falschbeschuldigungen aufgedeckt, andere eben nicht.

    Ich weissnicht ob schreiben überhaupt etwas bringt, wenn man sieht wie die Feminsiten Sachen durchsetzen. Man müsste wohl eher in die Institutionen rein.

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    Das unangenehme an AS ist für mich nicht unbedingt das Detail (das mal mehr oder weniger stimmt), sondern die politische Intention – was will sie eigentlich? Das Schaffen von politischem Bewusstsein kann dann zur Hetze werden, wenn es bei der Benennung von Problemen stehen bleibt und unausgesprochene Halbsätze den Raum füllen. „Wir waren naiv“ – ich weiß nicht, was soll es bedeuten. Hat jemand wirklich Maschinenbauer und Ärzte erwartet? Und jetzt, da sie es nicht sind, wollen wir sie wie Kätzchen ertränken, per Aeroflot abschieben? Chemische Kastration von Muselmännern? Ich glaube nicht, dass AS wirklich mit AfD und Pegida etwas anfangen kann, aber dass die sie auf einmal toll finden (schon mal über Abtreibung gesprochen?), liegt eben daran, dass AS ihre Gedanken nicht zu Ende ausspricht. Und wenn dann jemand aufstöhnt, ist es kein Tabu, sondern der Hinweis, dass wir alle schon einen Schritt weiter sind und gerne Vorschläge hätten, was zu tun ist.

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    @ S.Miller

    Liebe/lieber S.Miller,
    Sie schreiben, Hoffmanns Artikel sei keine Analyse, sondern ein „Urteil“, das zudem auf „scharfrichterlichen Beinen“ daherkomme. Nun, dieser Blog heißt nicht „Starke Analysen“, sondern „Starke Meinungen“, wobei die Meinungen, die hier geäußert bzw. die „Urteile“, die hier gefällt werden, jeweils gut begründet sein sollten. Wie verhält es sich mit Ihrem Urteil, wie begründen Sie Ihre Meinung, der Autor fälle

    ein Urteil, zudem in scharfrichterlicher Manier? Zur Sache sagen Sie aber nichts, operieren mit altbekannten Versatzstücken. Der Autor solle „hinter seinem Schreibtisch hervortreten und den Realitäten ins Gesicht sehen“. Wessen Realitäten? Seinen? Ihren? Hilfreich wäre es gewesen, wenn Sie dargestellt hätten, wie Sie „die Realitäten“ sehen. Was ist das für ein „Tabu“, „die Realitäten nicht benennen zu können“, wie kann man solch ein „Tabu“ brechen und wo behauptet der Autor, das sei alles irgendwie „rechts“? Der Autor sei, so schreiben Sie, „unverschämt und unberechtigterweise fehlanalytisch“. Wann ist man denn „berechtigterweise fehlanalytisch“? Vorhersehbar kommen Sie mit dem nächsten Versatzstück, dem „Maulkorb“, dieser sei sogar „vorverpasst“, um „unbequeme Diskussionen abzuwürgen“. Wieder geben Sie keine Auskunft, wer denn Ihrer Meinung nach solch einen „Maulkorb“ benutze, um „unbequeme Diskussionen abzuwürgen“. Meine Realität ist die, dass die „unbequemen Diskussionen“, ich unterstelle, Sie meinen hier die Diskussionen um das Flüchtlingsthema, geführt werden. Hier und anderswo in den elektronischen Medien, den Printmedien, in Funk und Fernsehen. Schwarzers Interview im „Cicero“ ist doch der Beweis, genauso wie viele andere Einlassungen mehr oder weniger „bedeutender“ Persönlichkeiten zum Thema, die auf vielfältigen Kanälen das interessierte Publikum erreichen. Oft polarisierend, wie bei solch einem Thema nicht anders zu erwarten, verharmlosend hier, Panikmache da. Oft mit heteronomen Elementen, weil den Diskutanten die ganze Richtung, in die die Gesellschaft tendiere, nicht passt („linksversifft“ vs. „Rechtsruck“). Da geht es um „Deutungshoheit“, (persönliche) Eitelkeiten oder schlichtweg um „Macht“, seltener um die vielzitierten „Flüchtlingsursachen“ oder gar um die Flüchtlinge selber – es sei denn, sie sind „Gefährder“. Nun besteht eine Diskussion aber aus „Rede“ und „Gegenrede“, für die nun wieder der Text von Hoffmann ein Beispiel ist. Wer die „Gegenrede“ jedoch von vornherein oder – wie Sie es tun – im Nachhinein dadurch zu delegitimieren sucht, dass er oder sie dem Gegenüber ohne Nachweis unterstellt, mit Denkverboten oder „Tabus“ zu operieren und dadurch die eigene Meinung mit dem Aroma des „Widerständischen“ – als „Wert an sich“ – anreichert, handelt unredlich. Deshalb habe ich Schwarzers Einlassungen, in zugegeben polemischer Absicht, auch als „intellektuelle Bankrotterklärung“ bezeichnet.

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      Lieber Herr Trute!

      Aus Ihren Zeilen lese ich, daß Sie ein vernünftiger Mensch sind, dem Fanatisches ebenso über die Hutschnur geht, wie mir. Wir leben in schlimmen Zeiten, die ich, der ich die fünfzig überschritten habe, in dieser Dimension bislang nicht kannte. Eine grundlegend-fundierte Darstellung aller Behauptungen und „Urteile“ würde bedeuten, ein Buch von umfänglichem Format schreiben zu müssen. Wofür mir schlichtweg die Zeit fehlt, weil ich, eben damit, beschäftigt bin. Und gerade darum geht’s. (Ich sagte ja, daß ich Herrn H. in verschiedenen Bereichen durchaus zustimme.) Aber dieser Grundsatz gilt doch für alle. Sind wir nicht gezwungen, mit den uns zur Verfügung stehenden Mitteln, Argumenten, Ansichten und Anschauungen das von uns preiszugeben, was uns bewegt? Und das möglichst und meist in 500 Zeichen, oder 1,30 Minuten Sendezeit.

      Was mir immer wieder auffällt, ist, daß ich, sobald ich jemandem begegne, der nicht mit meiner Meinung konform geht, trotzdem Sympathien hegen kann und meist feststelle, daß mir ein ganz patenter Mensch gegenübersitzt. Es scheint mittlerweile so normal zu sein, Unterschiede in jeder Form zu separieren; so, als wären Sie der natürliche Feind des Gegenübers. Weshalb finden wir nicht zurück zu einer gepflegten Form von Streitkultur? Was hat denn veranlaßt, daß diese Dinge sich so verhalten, wie sie es seit Längerem tun? Ganz einfach: Sie sind von solch fremder Brisanz und Ernsthaftigkeit, über die wir uns viele Jahrzehnte nicht zu kümmern brauchten und die auch nie im Mittelpunkt unserer Tagesordnungen stand. Jetzt, wo uns all diese Realitäten förmlich überrollen, sollten wir so tun, als wäre gar nix passiert? Alle Ängste, Befürchtungen (und Fremdartigkeiten werden meist gefürchtet) einfach unter den Tisch kehren und so tun, als wäre nichts geschehen? Veränderungen bringen Ängste mit sich. Niemand schläft sorglos wie ein Baby, wenn allein ein neuer Lebensabschnitt bevorsteht.
      Glauben Sie mir, ich wuchs multi-kulti auf. Ich weiß schon wovon ich rede. Aber die Komplikationen, die sich aus, damals durchwegs integrationswilligen, Leuten ergaben, sind nichts, aber gar nichts im Vergleich mit der heutigen Situation. Mit „der Realität in’s Auge sehen“ meine ich, ganz konkret und schonungslos hinzusehen. Wenn Sie so wollen, an der Front sein. (Wenn das nur wieder nicht falsch verstanden wird.) Fragen Sie ehrenamtliche Mitarbeiter nach ihrer ehrlichen Meinung. Schauen Sie sich an, wie allein christliche Asylanten unter ihren muslimischen Landesbrüdern zu leiden haben. Gehen Sie mit Polizeibeamten ein paar Wochen auf Streife. Versuchen Sie, gegen Großfamilien in Groß- und Kleinstädten vorzugehen. Begleiten Sie Kinder, junge Mädchen und Frauen, die Opfer sexueller Mißhandlungen wurden, auf ihrem Weg, ‚raus aus ihrer bislang geborgenen Unschuld, hin zum Therapeuten und ihrem zerbrochenen Glauben an Gerechtigkeit.
      Ich habe selbst längere Zeit in den Medien gearbeitet. Keiner kann sich dort offiziell eine eigene Meinung leisten, weil er dort sonst nicht auf Dauer überlebensfähig bleibt. Und wer will schon seinen gutbezahlten Moderatoren-Job aufgeben, zugunsten eines Ideals, das ihm nur die Karriere vermasselt. So bläst man halt in’s selbe Horn, schweigt stille und macht gute Miene zum bösen Spiel.
      Machen wir’s nicht zu lange: Ich weigere mich heftig, zu glauben, daß ein gehörig großer Teil unseres Landes, ganz plötzlich als Pack und rechts und ein bisher sauberer Leumund nun als braune Dreckschleuder gelten muß, weil er schlicht nicht hinnehmen will, was um ihn herum an Unmöglichkeiten geschieht.
      Beste Grüße

      S. Miller

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        Liebe/ lieber S. Miller,
        Danke für Ihre ausführliche Antwort! Ihrer Problembeschreibung kann ich größtenteils folgen. Auch wenn ich mal offen lassen würde, ob die Zeiten tatsächlich so „schlimm“ sind. Dass wir zu einer „gepflegten Streitkultur“ zurückfinden sollten, ist eine höchst aktuelle Forderung; dass diese Streitkultur in unserer Öffentlichkeit schon lange nicht mehr gepflegt wird, ist in meinen Augen ein zutreffender Befund, hat aber nicht primär mit dem Flüchtlingsthema zu tun. Die Flüchtlingsthematik ist vielmehr ein Indikator für die Tendenz, ein vermeintliches Sachthema mit heteronomen Elementen aufzuladen und zu emotionalisieren. Es geht darum, „den Punkt zu machen“, “ ins Gespräch“ zu kommen oder dort zu bleiben, mit allen Mitteln Recht zu behalten. Dafür ist jede „steile“ These gerade gut genug. Eben auch die von den angeblichen „Tabus“ oder „Meinungsverboten“. Wie Walser 1998, der angeblich nicht mal morgens seine Brötchen holen konnte, ohne “ mit vorgehaltener Moralpistole in den Meinungsdienst gezwungen zu werden“, benutzt auch Schwarzer den Popanz eines angeblichen Meinungs- oder Frageverbots. Eben das ist unredlich und hat mit einer „gepflegten Streitkultur“ gar nichts zu tun. Zur Sache selbst: Integration ist keine Einbahnstraße. „Mehrheitsgesellschaft“ und Zuwanderer müssen diese gemeinsam erbringen, sie setzt auf der einen Seite den Willen zur Integration und auf der anderen Seite die Bereitschaft voraus, diesen Willen anzuerkennen und zu fördern – Grundlage hierbei ist nicht „irgendeine Leitkultur“, sondern unsere Verfassung. Dieser Prozess kostet zudem viel Geld, das, so behaupte ich, vorhanden ist. Alle „etablierten Parteien“ links wie rechts, inklusive der AfD, versuchen aus machttaktischen Gründen – heteronomes Element! – „den kleinen Mann“, die Wähler aus der Unterschicht sowie der (abkippenden) Mittelschicht gegen Flüchtlinge auszuspielen. Siehe z.B. Wagenknecht und Lafontaine bei der Linkspartei oder Gabriel von der SPD. Ist ja auch leichter und bequemer – und intellektuell weniger anspruchsvoll – als mal ein paar grundsätzliche Fragen zu stellen zur Art unseres Zusammenlebens inklusive der Art, wie bei uns gesellschaftlicher Reichtum verteilt wird. Die Flüchtlinge, verstanden als „Boten der Verteilungsfrage“ (K. Kipping), führten dann zu ganz anderen, viel „beunruhigenderen“ Fragestellungen!

    2. avatar

      Sehr geehrter Herr Trude!

      Alles in allem halte ich es dennoch für grotesk, Frau Schwarzer zu rechts zu positionieren. Wann fiel sie denn diesbezüglich in den letzten 50 Jahren auf? Und wenn das Standard ist, sehe ich schwarz mit der Streitkultur. Lassen Sie uns doch polarisieren, das veranschaulicht doch nur. Grade, weil’s übertrieben ist.
      Adè

  10. avatar

    Hallo Arne,

    Was AS angeht bin ich ganz bei Dir. Ich finde sie einfach unerträglich und nervig und zum Teil wirklich allmählich eher rechts anzusiedeln.

    Trotzdem finde ich, dass es ein Problem für unsere frei Gesellschaft ist, wenn Leute zu uns kommen, die diese Werte nicht teilen, bzw. in unserem Sinne fanatisch religiös sind. Denn sogar das Christentum und das Judentum sind in unserem Sinne frauenfeindlich. Die Leute mögen ihre Frauen über alles lieben, aber wenn sie ihren Glauben „fanatisch“ vertreten sind sie de facto frauenfeindlich. Ich finde jeder sollte das Recht auf seinen Glauben haben wenn er damit die Freiheit anderer nicht einschränkt.

    Ich bin überzeugt, dass ein Teil der Menschen der Pegidabewegung und sogar AFD-anhänger das Verschweigen dieser Realität unerträglich politisch korrekt findet. Selbstverständlich ist nicht jeder Gläubige eine Gefahr für unsere Gesellschaft. Es ist aber eine Tatsache, dass unsere Gesetze über jeglichen religiösen Befindlichkeiten stehen.

    Es ist auch eine Tatsache, dass es bei den Flüchtlingen nun einmal viele fanatisierte Anhänger das Islam gibt, die sich nichts mehr wünschen als den Untergang der sündigen westlichen Kultur. Vielleicht sind wir als Europäer an dem Unrecht das in diesen Ländern geschah und immer noch geschieht mit Schuld.

    Trotzdem haben wir heute eine freie westliche Kultur und das Festhalten an dieser Freiheit ist für mich indiskutabel.

    Ich habe kein Problem damit auch fanatische Religöse als Flüchtlinge aufzunehmen. Es soll aber klar sein, was sie hier erwartet und wir müssen das Recht haben die Leute als das aufzunehmen was sie sind, Flüchtlinge, Gäste, die sobald sie die Gastfreundschaft missbrauchen zurückgeschickt werden können.

    Ich weiss dass dieses Thema für Deutschland besonders heikel ist, und „rechtsradikal“ nicht geduldet werden darf. Es muss aber auch die Möglichkeit geben abseits jeglicher politischer Korrektheit ein Thema zu benennen. Die Politik der EU zusammen mit dem Thema Türkei-Syrien-Kurden-Nato-USA ist hochexplosiv und treibt die Menschen geradezu in die rechte Ecke. Das ist ein Fehler imho. Die Politiker müssen m.E. Tacheles reden. Die Türkei ist wichtig für uns. Ok, kein Problem. Es gleitet aber allmählich in die Dikatatur und dieses weichgekochte Gerede erinnert mich sehr an die Zeit vor dem zweiten Weltkrieg. Wir arbeiten auch mit anderen Diktatoren zusammen und die Leute sollen selbst entscheiden wen sie wählen. Die Politik sollte also m.E. deutlicher dazu Stellung beziehen. Wo und für was für Werte stehen wir und die USA, Canada, GB usw….???

    Ansonsten liebe Grüsse und bitte weiter so für die Männerrechtsbewegung. Ihre Arbeit ist einfach unschätzbar viel wert für unsere Gesellschaft,

    Eddy

  11. avatar

    Zu Brückner,
    wer redet denn von Kalkutta und der Not dort?
    Es sollte nur um Kriegsflüchtlinge gehen – Asyl.
    Die ökonomische Frage (was nutzen uns MigrantInnen, die gut ausgebildet sind,) kann man nur mit einem Einwanderungsgesetz lösen, das Deutschland ja nun nicht hat. Das liegt an den Gewerkschaften!
    Fehlender Realitätssinn? Na ja, aber doch nur bezogen auf die Kooperationsbereitschaft der anderen EU-Länder.

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      „Es sollte nur um Kriegsflüchtlinge gehen – Asyl.“
      Danke!!!

      Weil wir uns daran gewöhnt haben, Migration über alle möglichen Mechanismen, nur nicht über ein Einwanderungsgesetz zu lösen, weiß eigentlich niemand so genau, was die Intention des Jahres 2015 gewesen sein soll. Wir mischen munter Kriterien, die uns nutzen (wir haben eben kein Einwanderungsgesetz, in dem wir Ziele formulieren können) und Kriterien, nach denen wir Flüchtlingen helfen. Das eine muss mit dem anderen nicht unbedingt etwas zu tun haben. So entstehen Argumentationsbreie, in dem die Lage in Syrien und Facharbeitermangel in einem Satz vorkommen können, ohne dass es weiter stören würde. Eigentlich, ja eigentlich, sollte Integration im Sinne einer Deutschwerdung, bei den Ereignissen im Jahr 2015 gar nicht im Vordergrund stehen. Das muss es aber, weil wir alle wissen, dass in Ermangelung eines Einwanderungsgesetzes, es gar keine geregelte Einwanderung geben kann.

      Natürlich können wir nicht jedes Jahr 1-2 Millionen Migranten aufnehmen, da ist die Obergrenze natürlich die Integrationsfähigkeit der Gesellschaft (Gabriel hat Recht, aber das ist für einen Politiker dann doch zu banal). Aber Kapazitäten für Flüchtlinge, die hat Europa.

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    Helfer unter sich, weiter so. Gegenseitig auf die Schulter klopfen bis der Arzt kommt. Die Folgen werden ausgeblendet, die menschlichen und die Ökonomischen.
    Ja, rechnen tut weh. Ich habe von dem Artikel nicht erwartet, und diese Erwartungen sind noch untertroffen worden.
    Frau Schwarzer auf dem Weg in die Realität, was bestimmten Kreisen nicht gefällt.
    Man löst die Probleme von Kalkutta nicht, in dem man Kalkutta zu uns holt.“ Peter Scholl-Latour

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    Lieber Arne Hoffmann!

    Das ist keine Analyse, das ist ein Urteil. Und eines, das auf scharfrichterlichen Beinen daherkommt. Treten Sie bitte „hinter Ihrem Schreibtisch“ hervor und blicken Sie den Realitäten in’s Gesicht! Wer für sich beansprucht, behaupten zu können, alles wäre rechts, was sich des „Tabus“ bedient, „die Realität nicht benennen zu können“, ist nicht nur unverschämt und unberechtigterweise fehlanalytisch, es ist auch eines echten Geistig unwürdig.
    Wenn etwas rechten Charakter hat, dann ist es dieser vorverpasste Maulkorb, der, mit diesen (dummen) Argumenten, nur dazu dient, zu verhindern, eine unbequeme Diskussion über diese Dinge führen, um sie im Ansatz schon abwürgen zu können. Wenn Sie ernsthaft glauben, daß jeder, der sich bedenklich und ängstlich zu diesen Themen zu äußern wagt, bräunlich gefärbt ist, sind Sie schlichtweg auf dem Holzweg. Sie argumentieren aus Ihrer Warte keinen Deut besser als, vermeintlich, Frau Schwarzer. Aber Sie dürfen das natürlich; mit dem Segen des medial-politisch-korrekten Pontifikates. Zur Spaltung der Nation trägt Ihresgleichen wesentlich mehr bei als das Volksmaul, dem Sie permanent etikettenschwingend auf selbiges hauen. Ihre Männerrechtsaktivität in allen Ehren, aber hier liegen Sie einfach daneben!

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    Lieber Heiko Heinisch, erstaunt stelle ich fest, dass du als Antisemitismus-Experte Alice Schwarzer so entschieden verteidigst:
    „Was Arne Hoffmann hier betreibt, ist Schwarzer-Bashing vom Feinsten. Dabei scheint ihm jedes Mittel recht zu sein, um Alice Schwarzer zu diskreditieren. Er verkürzt Zitate, um ihren Inhalt zu verkehren. Alice Schwarzer hat nicht hämisch gefragt, was es da zu klatschen gebe. Sie sagte: „Da kommen Flüchtlinge, die haben Schweres hinter sich, was gibt es da zu klatschen?“ – Eine durchaus berechtigte Frage, die nicht nur Alice Schwarzer beschäftigte.“
    Mit „Jedes Mittel recht“ meinst du: es geht nicht um Schwarzers Text, sondern die Verurteilung stünde bereits vorab fest. Ich lese den Text von Hoffmann nicht so. Er hat auch kein Zitat verkürzt. Dass sich Schwarzer über den Applaus der Münchner Helfer mokiert, ist nämlich in der Tat infam: man applaudierte damals natürlich weder dem Elend der Flüchtlinge noch dem eigenen Gut-Sein, sondern wollte mit dem Applaus in einer politisch aufgeheizten Situation ein Zeichen setzen: UNS seid ihr willkommen! Das ist nicht besonders schwer zu kapieren, oder? Drum kapiere ich nicht, was an der Schwarzerschen Frage vernünftig sein soll?
    Dass ihr Buch mit Pirinci oder Sarazin als „gemeinsam gekauft“ bei Amazon erscheint, ist in der Tat kein Argument gegen Schwarzer. Aber als ein Hinweis ist es schon erlaubt, das mal aufzuführen.
    Was mir aber vor allem gegen die Hutschnur geht, ist der von so Leuchten wie Maxim Biller, Cora Stefan oder Alice Schwarzer von Pegida etc. übernommene Gestus, dass ausgerechnet die, die so erfolgreich Angela Merkel vor sich hertreiben, sich als die von den ewigen Altlinken unterdrückten und zensierten Opfer einer gleichgeschalteten Lügenpresse gerieren. Sie bekommen ganze blutrot unterlegte Doppelseiten in der ZEIT oder der NZZ, um sich dort über die sie unterdrückenden „Nationalbolschewisten“ (Biller) oder „schweigenden Intellektuellen“ (Stefan) zu ereifern. Arne Hoffmann hat absolut recht, wenn er feststellt, dass dieser peinliche Gestus nichts anderes ist als ein Kritikverbot! Ich will das Argument noch weiterführen: Diese besorgten Intellektuellen wähnen so sehr den nationalen Volkswillen hinter sich, das Kritik an ihnen eigentlich Landesverrat ist. Die Versuchung, da zur Speerspitze einer Bewegung gehören zu wollen und den Applaus einzusacken, ist einfach zu groß.

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    @Maria Müller
    Mein Gott, lesen Sie eigentlich noch, was Sie schreiben? Nichts davon passt direkt zum Artikel, der über nach rechts gerückte Formulierungen und Meinungen eine Schwarzer zum Thema hat. Sie formulieren statt dessen Punkte über Flüchtlinge, komplett unbeeindruckt vom Kontext. Es geht im Artikel nicht über Erbrecht, Wahl etc. Im Deutschunterricht hiess das damals Themaverfehlung, setzen, sechs! Ein paar Sätze mit kleinen Angriffen auf der persönlichen Ebene als Einleitung …. ich wiederhole mich: Lesen Sie eigentlich noch, was Sie schreiben. Die Themaverfehlung müsste Ihnen doch auffallen, oder?

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    Lieber Max Degenhardt, woher wissen Sie denn, wie „massenhaft“ Übergriffe waren? Wir wissen, dass es – nach Aufforderung – viele Anzeigen gab. Wir wissen auch, dass A.S. Ansatz schon im Dezember Teil einer Kampagne war, das Sexualstrafrecht zu verschärfen. Ich wäre da vorsichtig mit allzu gläubigen Unterstellungen. Klar gab es da ein paar fürchterliche Gestalten, aber die Kampagne ist nicht glaubwürdig. Wenn es massenhaft schwere Übergriffe gegeben hätte, dann hätten wir mindestens einen klaren Fall vor Gericht nachgewiesen bekommen. Die Polizei hat einen unglaublichen Aufwand getrieben. Sie wollte einen klaren Fall. Es gab ihn aber nicht.

    Lieber Nick, ich bin immer noch Feministin, aber nicht auf der Seite derer, die den Feminismus (als Theorie) benutzen, um Feindbilder zu bauen („derMann, der ausländische Mann, der Grapscher, der Vergewaltiger und der Mörder“). Alle großen sozialen Bewegungen haben ihren Niedergang, und an den Fehlern des Niedergangs erkennt man die Mängel der Theorie und kann lernen.

    MMüller, wenn ich schon „Mich als Frau interessiert….“ höre. Wir wissen, dass in Deutschland vor den 1960er Jahren (und selbst damals noch) extreme Vorurteile galten. Globalisierung ist anstrengend, denn nun müssen auf sehr viel schwierigere Weise Lernprozesse installiert werden. Das dauert Zeit. Es geht sicher nicht mit Feindbildern; denn diese verfestigen die Fronten.

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    Von einem „Vordenker der Männerrechtsbewegung“ kann man nichts anderes erwarten, als so einen Artikel. Stimmt, diese Männerrechtsbewegung wurde erst nötig, nachdem Alice Schwarzer dafür kämpfte, dass den Frauen die gleichen Rechte zustehen wie den Männern. Das passt Ihnen nicht, alles klar. Mich als Frau interessiert, wie die Frauen aktuell in den Ländern leben, aus denen die oben benannten männlichen Flüchtlinge kommen. Wird in Syrien, Afghanistan und woher sie alle kommen die Gleichberechtigung gelebt? Dürfen die Frauen selbständig sein und ihr eigenes Geld verdienen und damit nach eigenem Gusto verfahren? Sind sie im Erbrecht gleichgestellt? Wahlberechtigt? Dürfen sie Verträge abschließen, Eigentum erwerben? Nein! Alles Pfründe, die junge, männlichen Flüchtlinge mit der Muttermilch aufgesogen haben und mit der Flucht unterwegs nicht verloren haben und auch gar keinen Grund sehen, davon abzurücken. Sie kennen es nicht anders, als dass die Frau im Alltag keine Rolle spielt, keine Rechte hat, sondern sie legen es als Schwächlichkeit, Unterdrückung der Männlichkeit unserer männlichen Bevölkerung aus. Wie soll ein Integrationskurs aussehen, wie lang soll er dauern, um ein seit Generationen gelebtes Patriarchat der ausgeprägtesten Sorte in ein gleichberechtigtes Miteinander von Mann und Frau nach demokratischer Gesetzmäßigkeit zu erzielen? Gegen all das schreibt Alice Schwarzer an. Die Probleme, die diese präemanzipatorischen jungen Männer mit unserer Art zu leben haben, waren absehbar für Jeden, für den 1+1 Zwei ist. Denkverbote sind da fehl am Platze.

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      Sie sollten sich mal über Syrien informieren, gute Frau. Dieses galt als da FORTSCHRITTLICHSTE, DEMOKRATISCHSTE Land des nahen Ostens – bis sich Assad weigerte, zu Gunsten einer Gaspipeline (von Katar über Saudi-Arabien, Jordanien, -> Syrien <- Türkei nach Europa) zurückzutreten… H. Clinton, Präsidentschaftskandidatin USA, hat dies in ihrem Wahlkampf als Begründung für den durch CIA initiierten Regimechange genannt… Zur Männerrechtsbewegung sollten Sie sich auch informieren – diese wurde erst notwendig, als Feminazis (die mit Feminismus nur noch den Namen teilen) anfingen die Frau zu bevorzugen; sehen Sie, ein Unrecht kann nicht durch ein weiteres gesühnt werden. Gleichberechtigung heisst: alle (ungeachtet Geschlecht) haben die gleichen Rechte und Pflichten. Der Feminismus, der vor einiger Zeit durch Schwarzer begraben wurde, hatte dieses Ziel. Die Männerrechtsbewegung hat es heute. Nur Feminazis, die geistig in den 1960ern verblieben sind und sämtliche Fortschritte ignorieren, die haben ein anderes Ziel… Die Geschichte zeigt: die Gesellschaftsformen waren immer ein Wechsel zw. Patriarchie und Matriarchie; und beide Formen waren in sich gewalttätig ggü dem anderen Geschlecht, führten Krieg usw… Wie wäre es? Wollen wir nicht endlich mal ein anderes Gesellschaftsmodell probieren? Wenn ja – dann müssten Sie die Aussagen von Schwarzer nochmal analysieren; diesmal etwas kritischer…

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      „Stimmt, diese Männerrechtsbewegung wurde erst nötig, nachdem Alice Schwarzer dafür kämpfte, dass den Frauen die gleichen Rechte zustehen wie den Männern.“

      Falsch, die Männerrechtsbewegung ist entstanden, als immer mehr Väter entsorgt und zu Zahlesel degradiert wurden, die nicht mal ihre Kinder sehen durften, einzig und alleine weil die Mutter es nicht wollte. Wenn das für Sie Gleichberechigung ist, wird es niemals Einigung geben. Und wenn Sie sich auch nur mal die Mühe machen würden, sich mit der Position von Männerrechtlern auseinander zu setzen, würden Sie sehen das nirgendwo Frauen Rechte weggenommen werden soll – wenn überhaupt Vorrechte, denn in Deutschland haben Frauen mehr Rechte wie Männer.

      Und bitte berzeihen Sie das Männerrechtler dagegen sind wenn in NRW auf staatliche Anweisung Frauen bevorzugt eingestellt werden soll, auch wenn sie schlechter qualifiziert sind:

      https://allesevolution.wordpress.com/2016/08/07/dienstrechtbefoerderungsgesetz-befoerderung-der-frau-auch-wenn-der-mann-besser-ist/

      Das hat rein gar nichts mit Gleichberechtigung zu tun, sondern ist das genaue Gegenteil.

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    Was Arne Hoffmann hier betreibt, ist Schwarzer-Bashing vom Feinsten. Dabei scheint ihm jedes Mittel recht zu sein, um Alice Schwarzer zu diskreditieren. Er verkürzt Zitate, um ihren Inhalt zu verkehren. Alice Schwarzer hat nicht hämisch gefragt, was es da zu klatschen gebe. Sie sagte: „Da kommen Flüchtlinge, die haben Schweres hinter sich, was gibt es da zu klatschen?“ – Eine durchaus berechtigte Frage, die nicht nur Alice Schwarzer beschäftigte.
    Hoffmann verfällt geradezu ins Absurde, wenn er schreibt: „Auf Amazon allerdings erfährt man: Wer dieses Buch kauft, kauft auch Akif Pirinccis „Umvolkung: Wie die Deutschen still und leise ausgetauscht werden“, Thilo Sarrazins „Wunschdenken“ und Udo Ulfkottes „Grenzenlos kriminell“.“ Was soll uns das sagen? Um diese „Information“ auch nur annähernd bewerten zu können, müsste man wissen, wie die Algorithmen funktionieren, die diese Rubrik bespielen. Wieviele Bücher wurden verkauft, wie stark ist der Zusammenhang zwischen einem „auch gekauften“ Buch und der Anzeige dieses Buches in dieser Rubrik? Werden allen User/innen die gleichen Bücher angezeigt? Wie stark fließen Kauf- und Surfverhalten der User/innen in diese Rubrik ein? Nur ein kleiner Hinweis: Wenn bei Buch X steht, „kauften auch Buch Y“, steht bei Buch Y nicht unbedingt Buch X in der Rubrik. Aber das herauszufinden war Herrn Hoffmann vermutlich zu viel Rechercheaufwand, denn er hatte ja, was er brauchte: Einen weiter Beweis dafür, dass Alice Schwarzer im rechten Lager angekommen ist.
    Die beliebte Klage, es wäre „immer noch tabu, die Realität zu benennen!“, bezieht sich genau darauf: Jeder Meinung, die den selbsternannten Vertretern der „wahren Moral und Menschlichkeit“ nicht gefällt, wird nicht im Diskurs über die Sache begegnet, sondern im Angriff auf die Person, im Versuch, diese zu delegitimieren, indem sie so weit wie möglich in ein „rechtes Lager“ geschoben wird. Dem widmet Hoffmann den größten Teil dieses Textes.

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    Vielen Dank für diesen Artikel – der mir bestätigt, wie richtig ich lag, als ich 1993 mein EMMA-Abo wegen Islamfeindlichkeit kündigte ….
    Irgendwo scheint da etwas schief gelaufen zu sein, und sie will es nicht merken. Stattdessen verteufelt sie eine Bevölkerungsgruppe und versucht, muslimischen Frauen einen Dresscode aufzuerlegen, etwas, was sie früher in anderem Kontext vehement ablehnte.
    Tja. Die Göttin mit den tönernen Füßen?

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    Früher war ich auf der Seite der Feministinnen, weil mir allzu überheblich selbstgefälliges Machotum unangenehm bis penetrant erschien. Dabei war auch durchaus männliches Eigeninteresse, insbesondere im Berufsleben. Frau Schwarzers publizistische Aktivitäten erschienen mir aber vor allem in den letzten Jahren als eliminatorischer Kampf gegen männliche Vitalität. (Wenn seelische Krüppel, wie Mankells ‚Wallander‘ als Blaupause für den ’neuen Mann‘ dienen sollen, bleibe ich lieber ‚Macho‘.) Nun würde ich Frau Schwarzer ihr Eifertum nachsehen, weil wir alle wohl irgendwann geeifert haben, aber ich erwarte einfach von einem, naja, reifen Menschen eine gewisse Milde und einen Überblick über die Realität. Den lässt Frau Schwarzer aber vermissen, denn das Verhalten der indizierten männlichen Flüchtlinge und Asylanten folgt – Soziologen wissen das – einer Normalverteilung, also nicht alle sind Sex-Grapscher, sondern eine Minderheit, wobei ‚Verachtung‘ immer – von viel bis marginal – mitschwingen wird (wie verhalten sich Mitteleuropäer z.B. in Bangkok – bitte). Sie werden lernen müssen und ich habe erlebt, es gibt selbstbewusste Frauen, die ihnen ganz pragmatisch auf die Finger hauen (und das habensie immer gemacht). Und wenn wir Männer das tun – ich sage mal, die Damen schützen – ist das auch kein Fehler. Das muss man nicht lautstark tun, aber man muss es tun. Und wenn dieser Mohammedanismus dazu führen sollte, daß ein Kulturkampf ausbricht, löst das keine Probleme löst das keine Probleme, sondern unser selbstbestimmtes Leben bleibt dabei auf der Strecke – völlig egal, wer dabei siegt. Frau Schwarzers Selbstmarketing publizistischer Initiative gebe ich eine sechs – setzen.

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    Danke für diesen wirklich gelungenen Artikel! Die Ansichten der Fr. Schwarzer sind mir schon seit einiger Zeit recht suspekt – und zwar jedes Mal etwas mehr. Seien es die Ereignisse während der Kölner Silvesternacht oder zuletzt die Kommentare zu G.L. Lohfink, es wird immer schlimmer. Und das soll die „deutsche Vorzeigefeministin“ sein? Nein, Danke! Mal ganz abgesehen davon, dass zahlreiche ihrer Ansichten mit persönlichen Erfahrungen meinerseits absolut nicht zusammenpassen, übernimmt sie ausgerechnet sog. Argumente einer Szene, die z.T. nicht weniger frauenfeindlich gesinnt sind wie manche Männer bspw. arabischer Herkunft. Jedem vernünftig denkenden Menschen sollte klar sein, dass es in jeder Kultur Menschen gibt, die z.B. eben frauenfeindlich gesinnt sind. So wie es in jeder Nation rassistisch gesinnte Menschen gibt. Es ist traurig, dass so viele Menschen offenbar nicht in der Lage sind, sich geistig weiterzuentwickeln und aus Fehlern früherer Generationen zu lernen. Wird aus unserer Geschichte nicht ersichtlich, dass solche Vorurteile und Pauschalisierungen sowie Nationalismus im Allgemeinen früher oder später in der Katastrophe enden? Es wäre schön, wenn wieder mehr Menschen merken würden, dass das nicht der richtige Weg sein kann!
    @ M. Frommel: Dem kann ich nur zustimmen! Es gibt so viele Ungereimtheiten, was diese Nacht angeht, dass man da eigentlich nur skeptisch sein kann.

    LG Marisa 🌸

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    Sehr ausgewogen , sehr gut formuliert . Zeigt deutlich die Schwächen der Argumente von Alice Schwarzer auf und zeigt eben deshalb auch ein deutlicheres Bild von ihr als sie wohl möchte .
    Die pauschale Verunglimfungen von Muslimen und , viel schlimmer , die Herabsetzung von den ehrenamtlichen Helfern, zeigt ihr krudes Weltbild ( Das alles darf sie auch noch sagen. Na sowas ) .ABER , vergessen wir nicht : Fast 50% der bei uns lebendem Muslime halten den Koran ( und damit die Scharia) für über unserer Verfassung stehend . UND in keinem Staat mit
    moslemischer Mehrheit gibt es Rechtssicherheit geschweige denn Religionsfreiheit .

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    Ach so ist das. Die massenhaften sexuellen Belästigungen durch die „Flüchtlinge“ wären vermeidbar gewesen, wenn sie nur ausreichend in die „nachbarschaftlichen Silvesterfeierlichkeiten“ eingebunden worden wären?
    Das ist schon eine perverse Umkehrung der Täter- Opfer- Konstellation.

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      Wenn deutsche Frauen sich nicht verhüllen, dann sind sie selbst schuld an den Vergewaltigungen. Diese unverhüllten Rassist*Innen vom rechten Rand.

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    Bislang waren solche Aspekte eher tabu, aber mit dem Erstarken der Neuen Rechten bekommen wir auch diese Varianten des „antisexistischen Rassismus“ (Feindbild: der schwarze, Frauen attackierende junge Mann) wieder serviert, A.S. ist also durchaus wieder auf einer Spur und leider nicht neben der Spur mit Ihrer Forderung: „Grenzen dicht und viele Ausländer raus! Zumindest sollte man Flüchtlinge aus den von Schwarzer erwähnten Regionen erst gar nicht nach Deutschland lassen“, so die zutreffende Zusammenfassung von Arne Hoffmann.

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    Volle Zustimmung! Ich beobachte die latente Ausgrenzung „des muslimischen, erst recht des schwarzen Mannes“ bei A.S. schon seit einiger Zeit.
    Eine kleine Randnotiz nur: A.S. hat auch Unsägliches (man nehme ih Büchlein vom Februar 2016) und rein spekulativ zur Kölner Silvesternacht geschrieben. Ich wäre vorsichtig, die vielen Reden über diese Nacht als schlichte Wahrheit zu nehmen und anzunehmen, dass es tatsächlich „zu solchen Exzessen“ (was genau, und wieso lässt sich nichts – außengeklauten handys und unangemessenem Körperkontakt nachweisen?) gekommen sei. Wir wissen, dass es sicher vereinzelt zu untragbaren Situationen gekommen ist. Wir wissen aber nichts Konkretes, sondern nur, dass Übertreibungen Teil einer Kampagne WAREN UND SIND die Annahmen als Beleg für pauschale Ausgrenzungen (und rechte Parolen gegen Flüchtlinge) zu nehmen. Dass A.S: und die Media-Turm-Frauen in Köln das gerne angeheizt haben, halte ich nach der publizistischen Tätigkeit von A.S. nun für sehr wahrscheinlich. Danke für diese Analyse!

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      „Unangemessener Körperkontakt“???

      Damit verhöhnen Sie alle Frauen, denen in dieser Nacht Widerliches passiert ist.
      Meine Freundin und ich hatten uns wochenlang auf diese Tage in Köln gefreut.
      Jetzt ist das schon achteinhalb Monate her, und ich habe immer noch Alpträume, weil ich es nicht fassen kann, das ich sie nicht davor beschützen konnte, von mindestens zwei Männern so e k e l h a f t begrapscht, befummelt, einfach erniedrigt zu werden – wie können Sie es wagen, diese rauschartige Demütigung der Frauen derart zu verharmlosen? Sie waren wie die Tiere, man konnte das auf den Videos nicht wirklich nachvollziehen, es war Krieg!
      Zum Verständnis werden Sie nicht umhinkommen, die Denkart dieser Männer zur Kenntnis zu nehmen: Frauen sind Eigentum, die Frage ist nur, ob deins oder meins! Und diese Denke funktioniert sowohl individuell als auch als Gruppendenken. Da brauche ich keine Frau Schwarzer mehr, um das zu kapieren. Das habe ich am 31.12./1.1. k ö r p e r l i c h begriffen!

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    Volle Zustimmung, Herr Hoffmann! Bildzeitung – Kachelmann – Gina Lisa Lohfink – die letzten Wegmarken eines permanenten Abstiegs. Nun dieses Interview im „Cicero“. Der Versuch, sich auf Kosten der Flüchtlinge sich nochmal ein High zu verschaffen. Nicht mal die Methode ist innovativ, siehe Martin Walser. Eine intellektuelle Bankrotterklärung.

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