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Islamophobie und sekundärer Antisemitismus

So lange in Deutschland des Holocausts gedacht wird, so lange gibt es Leute, die das unangenehm finden. Das bekannteste Beispiel ist Martin Walser, der sich vor Jahren unter dem Beifall der versammelten deutschen Elite ausgerechnet in der Paulskirche dazu bekannte, lieber wegzusehen, wenn im Fernsehen wieder einmal die deutschen Verbrechen dargestellt werden und die Vermutung aussprach, „man“ wolle „uns“ damit  verletzen. Für diese Art von Äußerungen und Haltungen, gibt es mittlerweile einen Begriff: Man redet von „sekundärem Antisemitismus“.

Dieses Jahr können sich diejenigen freuen, die wie Walser genug vom Gedenken haben. Im Vorfeld des diesjährigen Holocaust-Gedenktages haben sich jüdische Autoren ähnlich geäußert. Und, wie man weiß, ist das wichtigste Argument des Antisemiten immer: „Das sagen ja die Juden selber!“  In der israelischen Zeitung Ha’aretz schrieb der in Berlin lebende New Yorker Benjamin Weinthal: „Die Erinnerung an die Shoah ähnelt in Deutschland inzwischen einer Form von Zwangsneurose“ – dem Waschzwang nämlich.

Und ausgerechnet im „Tagesspiegel“, dem Zentralorgan des West-Berliner Juste-Milieus, startete Weinthals Förderer Henryk M. Broder (bekannt durch Bücher wie  „Die Irren von Zion“ und „Deutsche Leidkultur“) einen Angriff auf „Jammerjuden, die in jeder Talkshow erzählen, wie viele Angehörige sie im Holocaust verloren haben und wie sehr sie sich heute vor der NPD fürchten“.

Nun wollen wir nicht unfair sein. Broder wollte nicht etwa, wie Walser, das deutsche gute Gewissen gegen Zumutungen verteidigen. Im Gegenteil. Broder meint, das Holocaust-Gedenken sei ein leeres Ritual, wenn aus ihm nicht die Entschlossenheit erwächst, den heutigen Islamismus zu bekämpfen.

Freilich ist es nicht ganz klar, ob und wo Broder die Grenze zwischen Islamismus und Islam zieht; und ob beziehungsweise wo er eine Grenze zieht zu jenen, die unter dem Deckmantel des Kampfs gegen den Islamismus einfach ihrer eigenen Fremdenfeindlichkeit und Islamophobie frönen. So hat Broder nicht nur das Schweizer Minarettverbot begrüßt, sondern auch den holländischen Rechtspopulisten Geert Wilders als „Radikalliberalen“ gelobt. Wilders hält den Koran für ein „faschistisches“ Machwerk, fordert eine „Kopftuchsteuer“ und unterhält freundschaftliche Beziehungen zur FPÖ (Wahlslogan 2009: „Unser Kurs ist klar: Abendland in Christenhand“), die aus ihrem Antisemitismus keinen Hehl macht, mit ungarischen Faschisten turtelt und die jedenfalls zu Zeiten Jörg Haiders unseligen Angedenkens gute Beziehungen zum Iran unterhielt.

Das Mainstream-Judentum in Deutschland und anderswo hat hingegen immer – allen Zumutungen zum Trotz – den muslimischen Gemeinschaften die Hand ausgestreckt, weil es zu Recht spürte, dass Fremdenfeindlichkeit, Rassismus und Islamophobie natürliche Bundesgenossen des Antisemitismus sind, auch wenn einige radikale Moslemhasser wie Geert Wilders sagen, sie liebten Israel – „weil es den islamischen Terrorismus bekämpft“. (Was so ziemlich der schlechteste Grund ist, den jüdischen Staat zu lieben, den man sich denken kann.)

In seinem Tagesspiegel-Artikel stellt Broder die rhetorische Frage,  „ob der Islam tatsächlich eine Religion des Friedens ist oder vielleicht eher eine religiös verbrämte Ideologie der Unterwerfung“. Es liegt auf der Hand, dass es auf diese Schein-Frage keine Antwort geben kann, was sofort einleuchtet, wenn man ein Gedankenexperiment vornimmt und im vorliegenden Zitat  „der Islam“ durch „das Christentum“ ersetzt.

Aus jeder Religion kann man so ziemlich alles herauslesen; auch deshalb ist die Religionskritik so bitter nötig, und nirgendwo nötiger als im Islam. Aber es besteht ein Unterschied zwischen der Religionskritik und der Diffamierung aller Angehörigen einer Religion als Anhänger einer „Ideologie der Unterwerfung“. Im Zusammenhang einer solchen Diffamierung laufen die Positionen Broders und Weinthals auf Folgendes hinaus: Deutschland erwache, hör auf damit, dich wegen deiner Vergangenheit zu geißeln, hör auf, den „Jammerjuden“ zuzuhören und schließe dich dem Kreuzzug gegen jene Millionen Muslime an, die „Unterwerfung“ fordern.

Es ist klar, dass diese Botschaft viele Deutsche anspricht, die begierig sind, sich ihrer Verantwortung dafür zu entledigen, das Gedenken an den Holocaust aufrechtzuerhalten – vor allem, weil sie ihnen erlaubt, in Fremdenfeindlichkeit gegenüber Muslimen zu schwelgen und sich gleichzeitig gut dabei zu fühlen. Schließlich haben sie jetzt aus berufenem Munde das Koscher-Siegel erhalten. So fördert die Islamophobie den sekundären Antisemitismus.

Was niemanden wundern dürfte. Denn wie der – bezeichnenderweise besonders von Weinthal mit persönlichem Hass verfolgte – Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung Wolfgang Benz feststellt, und wie die Vorurteilsforschung seit langem weiß, ähneln sich die Grundmuster aller Phobien – gegen Schwule oder Freimaurer, Amerikaner oder Muslime – und folgen jenem fürchterlichen Urmuster, das der christliche Antijudaismus vorgab und das leider nicht in Auschwitz endete.

43 thoughts on “Islamophobie und sekundärer Antisemitismus

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    Es gibt keine Christophobie, Buddahphobie oder ähnliche Hetzbegriffe auf irgendeine Religion außer “ Islamphobie“ erfunden vom Blutsäufer Chomeni um das zu erreichen, was von deutschen Journalisten vorbildlich erfüllt wird. Vor lauter Islamphobie zum kriechenden Schreiberling zu werden. Dafür muß man Verständnis haben, Feigheit ist keine Schande aber das Hinterhetzen an Islamkritikern, das ist eine.Nehmen sie eine Kritik von Hans Küng , Eugen Drewermann und wie sie alle heißen, ändern das Wort Katholische Kirche gegen Islam . Nach der Veröffentlichung wird ihre Geduld nicht überstrapaziert, sehr bald haben sie genügend berechtigte Gründe Islamphob zu sein. Wie man die Kritik an einer aggressiven Staatsreligion , deren Führer die besten Sympathisanten Adolf Hitlers waren , als den neuen Antisemitismus bezeichnen kann, dass ist nicht mehr mit Dummheit , nur noch mit Politschwachsinn zu erklären.

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    Herr Posener irrt wenn er sagt Islamkritik bzw. die Sentenzen von Herrn Broder seien eine Kritik oder gar eine Diffamierung aller Menschen muslimischen Glaubens. Und dies schon deshalb weil ihm offenbar entgangen ist, daß nur noch ein Teil der hier lebenden Muslime sich streng an die koranischen Vorschriften halten oder gar die islamimmanente Demokratiefeindlichkeit mittragen. Die türkischstämmigen Teenager und jungen Frauen, die ich sehe unterscheiden sich von ihren „urdeutschen“ Altersgenossinnen allenfalls durch tiefschwarzes Haar und orientalische Gesichtszüge.

    Aber selbst wenn es so ist gilt doch das (etwas frei nach Marx) gesellschaftlich produzierte Not des Einzelnen und die ideologischen Rechtfertigungen dieses Zustandes immer und überall bekämpft werden sollen – und zwar auch dann, wenn sich Menschen bewusst für die Affirmation von Herrschaft und Ausbeutung entscheiden – wie es im Islam ganz offensichtlich leicht nachweisbar der Fall ist (z.B. den Frauen die sich für Schleier und Burka entscheiden).
    Abzulehnen ist doch diese kulturalistische Denkweise, die nicht vom unmittelbar bedrohten Individuum ausgeht, sondern die Welt als in kulturelle und völkische Gruppen eingeteilte immer schon voraussetzt und eine Kritik am Schleier als Kritik im Sinne von rassistischer Diskriminierung und Marginalisierung von Muslimen deutet.
    Das Gegenteil ist richtig.
    Die muslimischen Verbände und die von der Ditib entsandten und bezahlten Imame wollen das ihnen als Bedrohung erscheinende Abgleiten der hier lebenden Muslime in den westlichen das Individuum stärkende Freiheitsraum verhindern und darin werden sie von der islmaophilen Linken und leider auch von Herrn Posener bestärkt. Diese Einstellungen sind für die sachgerechte Integration der hier lebenden muslimischen deutschen und nichtdeutschen Bürger kontraproduktiv. Sie sind einfach falsch. Er führt die Diskussion auf einen Irrweg an dessen Ende Erdogan und allerlei andere lichtscheue Gestalten herumstehen, um ihre beinahe verlorengegangenen Schäfchen wieder einzusammeln.

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    In seinem Tagesspiegel-Artikel stellt Broder die rhetorische Frage, „ob der Islam tatsächlich eine Religion des Friedens ist oder vielleicht eher eine religiös verbrämte Ideologie der Unterwerfung“. Es liegt auf der Hand, dass es auf diese Schein-Frage keine Antwort geben kann, was sofort einleuchtet, wenn man ein Gedankenexperiment vornimmt und im vorliegenden Zitat „der Islam“ durch „das Christentum“ ersetzt.

    Von jemandem, der vor nicht allzu langer Zeit ein Buch über die Allerheiligste Jungfrau Maria geschrieben hat, hätte ich ein wenig mehr Logik erwartet.

    Vielleicht sollten Sie ja mal ein bisschen mehr lesen, was in der britischen Presse so geschrieben wird. Dort finden Sie z.B. diese Aussage des Literaturnobelpreisträger Wole Soyinka:

    „England ist eine Kloake. England ist der Nährboden für fundamentale Muslime. Seine sozialpolitische Logik erlaubt allen Religionen offen zu predigen. Doch das ist unlogisch, da keine der anderen Religionen apokalyptische Gewalttaten predigt. Und doch erlaubt es England.“

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    @ Tribunus plebis.

    Habe gerade Ihr „Meisterwerk“ entdeckt.
    Also, ich versuche mal das Wesentliche zu kommentieren:
    1. Sie sind kein paranoider Antisemit, sondern ein latenter Antisemit. Wenn Sie mal ehrlich sind, müssen Sie das zugeben.
    2. Haben Sie sich schon mal gefragt, warum die Nazis eben in Deutschland vom Volk an die Macht gebracht wurden? Nicht in Frankreich, nicht in England, nicht in Holland, sondern in Deutschland? Die Antwort lautet: weil solche Spießer, wie Sie, damals die Mehrheit betrugen. Meistens von ihnen und ihrer Nachkomme hat was aus ihrer Geschichte gelernt. Sie – nichts.
    3. Ihr Zitat: „Der Holocaust wird wirklich immer wieder zu Gunsten der Juden benutzt“. Der Holocaust wird für immer (hoffe ich) in Erinnerung der Menschheit bleiben, damit sich so etwas nie wiederholen kann – und das ist natürlich zu Gunsten aller normalen, zivilisierten Menschen (u. a. auch Juden). Oder wollen Sie, dass er zu Gunsten der Täter benutzt wird?
    4. Es ist nicht wahr, dass „…die Kanzlerin sich im Namen aller Deutschen regelmäßig für das dritte Reich entschuldigt“. Wenn sie aber über die besondere Verantwortung Deutschlands für die Wiedererstehung des jüdischen Lebens in Deutschland bzw. für die Existenz des Israels spricht, dann hat sie vollkommen Recht. Bloß in Ihrem Namen wird sie wahrscheinlich nie sprechen. Und das ist gut so.

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    @EJ: Wenn manche auf der sachlich-inhaltlichen Ebene gescheitert sind, dann flüchten sie gerne in Phantasiewelten (Teppichbeissen). Das ist psychologisch verständlich, aber nur von begrenztem öffentlichen Interesse ;).

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    Dökterchen, Ihr *lach*, *Gelächter*, *weglach* klingt nach vollem Mund. Als würden Sie gerade in dem Teppich beißen.

    Wohl bekomm’s!

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    Posener schreibt: „Denn wie der – bezeichnenderweise besonders von Weinthal mit persönlichem Hass verfolgte – Leiter des Berliner Zentrums für Antisemitismusforschung Wolfgang Benz feststellt, und wie die Vorurteilsforschung seit langem weiß, ähneln sich die Grundmuster aller Phobien – gegen Schwule oder Freimaurer, Amerikaner oder Muslime – und folgen jenem fürchterlichen Urmuster, das der christliche Antijudaismus vorgab“ Was für ein böser Quark *lach*: Der christliche Antijudaismus als Wurzel aller Phobien. Phobien gibt es schon viel länger als das Christentum. Sie verbreiten hier keine sekundäre anti-christliche Einstellung, sondern dumm-dreiste Hetze gegen Christen der übelsten Form. Genau so wenig, wie die Juden an allem Schuld sind, ist der christliche Antijudaismus nicht das Grundmuster aller Phobien *Gelächter*. So wichtig sind die Juden nämlich gar nicht, als daß die Welt sich am Antijudaismus bezüglich Phobien orientieren würde. Ein bizarres Hirngespinst von Grössengedanken und fiesen Anschuldigungen, das sie hier verbreiten *weglach*.

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    @Tribunus plebis:
    Wenn Sie sich als Volkstribun sehen ,sollte ich besser auswandern!
    Viel scheinen Sie nicht verstanden zu haben, von der Geschichte unseres Volkes. Und das Wenige grotesk falsch

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    @alan posener

    Da haben Sie mich völlig missverstanden. Ich würde sowohl die Lebenschancen der „verdammten dieser Erde“ verbessern als auch deren Aufklärung vorantreiben wollen.

    Ich vertrete auch den „zu Ende gedachten Adam Smith“: Wer freien Warenverkehr predigt, muss auch weltweit einen freien Markt für Arbeitskräfte schaffen. Aber auch dann befürchten die Menschen (ich christlich erzogener Mensch nicht so sehr) das Chaos. Was im Mittelmeer derzeit mit den Flüchltlingen aus Afrika passiert sollte einem eigentlich den Schlaf rauben, und Herrn Obama müsste man in Bezug auf die Grenzanlagen zwischen den USA und Mexiko zurufen:

    „Mr. Obama, tear down this Wall“.

    Die Menschen sollten versuchen, sich neben oder anstatt ihrer religiösen Ethik vielleicht eine profane zuzulegen. Ich finde die „Theorie der Gerichtigkeit“ des John Rawls ganz annehmbar.
    Die setzt aber voraus, dass man sich nicht seiner Gier hingibt, sondern vor dem Handeln nachdenkt.

    Hoffentlich mache ich meinem selbstgewählten Namen so keine Schande.

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    @ Geraldus: Wenn Sie glauben, Sie seien im Flugzeug sicherer, wenn Sie alle Muslime vertreiben, dann sind Sie – pardon! – noch dümmer, als ich zunächst angenommen habe. QED übrigens. Rassisten sind dumm.
    @ 68er: Sie tragen Ihren selbstgewählten Namen zu Unrecht, wenn Sie im Interesse Ihrer eigenen Sicherheit und Privilegien den Verdammten dieser Erde die Bildung vorenthalten wollen.

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    @alan posener

    Ich habe noch einmal darüber nachgedacht, was denn passieren würde, wenn alle Menschen auf der Welt, insbesondere in Afrika, im Nahen und Mittleren Osten, in Mittel- und Südamerika von gestern auf heute in den selben Bildungs- und Wissenstand gesetzt würden wie die „gebildeten“ Menschen der „Ersten Welt“, wenn Ihnen gleichzeitig eine umfassende Möglichkeit zur Kommunikation gegeben würde, ihre soziale und wirtschaftliche Situation aber nicht verändert würde.

    Die apokalyptischen Konsequenzen möchte ich mir nicht ausmalen.

    Bildung, oder besser Aufklärung ist sicherlich ein ganz wichtiger grundlegender Baustein für die Befreiung des einzelnen Menschen. Sie führt aber auch dazu, dass Ungleichheiten und Ungerechtigkeiten aufgedeckt werden. Wenn den Menschen dann keine legalen Mittel zur Verfügung stehen, diese Ungerechtigkeiten und Ungleichheiten zu verändern, sollte sich ein „gebildeter“ Mensch über den dann entstehenden Terrorismus nicht wundern.

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    Der Holocaust ist Geschichte und es besteht kein Grund ein schlechtes Gewissen wegen des Holocausts zu haben. Er wird nicht wahrer, wenn man sich ständig die widerlichen Bilder anschauen muss und jeden freien Platz mit einem Denkmal belegt.
    Die Täter sind bald alle tot und Erbschuld gibt es keine. Daß die Kanzlerin sich im Namen aller Deutschen regelmäßig für das dritte Reich entschuldigt, finde ich beleidigend und falsch. Man braucht sich nicht für die Verbrechen anderer zu entschuldigen und es ist falsch, sich im Namen von Leuten zu entschuldigen, die dazu weder ihre Zustimmung gaben, noch damit einverstanden sind.
    Ich habe damals nicht gelebt und bin mir keiner Schuld bewußt.

    Was man immer aus dem Holocaust lernen soll, ist so etwas elementares, daß man dafür die Erinnerung an den Holocaust nicht brauchen sollte.

    Ein großes Problem am Gedenken an den Holocaust ist, daß das Gedenken den Menschen die Illusion aufzwingt, es habe nur Mitläufer und Täter gegeben.
    Daß Oskar Schindler nicht der einzige Deutsche war, der noch ein wenig Menschlichkeit hatte, wird selten erzählt und andere mußten für ihre Menschlichkeit auch einen Preis bezahlen. Es ist mir unver-ständlich, wieso man so selten etwas über die Vorarbeiter von KZ-Insassen hört, die ihren Untergebenen Nahrung zusteckten und vor Prügel bewahrten oder von den Soldaten, die ihre Weigerung
    Frauen und Kinder zu erschießen mit dem Leben bezahlten. Diese Leute haben NS-Opfer wie Alex Deutsch die Basis geben die Deutschen nicht als Monster anzusehen und über die Menschen hört man auch nur etwas von Menschen wie Alex Deutsch. Ich denke, es wäre sinnvoller an die Taten dieser Menschen zu erinnern als an den Massenmord. Der Soldat mag mit seiner Weigerung nichts erreicht haben außer, daß er auch erschossen wurde, aber dieses aus der Reihe tanzen und etwas zu riskieren
    um das Richtige zu tun, ist einer Erinnerung wert.
    Wären mehr aus der Reihe getanzt, hätte Hitler schnell wieder einpacken können. Zudem würde die Erinnerung an diese Menschen zeigen, daß jeder aus der Reihe tanzen konnte und kann, was die Erinnerung an Stauffenberg nicht möglich macht. Zudem haben diese Menschen ja mehr Größe gezeigt als der Graf.

    Der Holocaust wird wirklich immer wieder zu Gunsten der Juden benutzt. Sicher nicht so oft wie paranoide Antisemiten uns erzählen wollen, aber oft genug um eine Sonderstellung zu erkennen. Wenn der konservative katholische Klerus mal wieder beschließt, sich von der Mitschuld am dritten Reich frei zu sprechen und den Atheisten, Agnostikern die Schuld zu geben. Steht niemand auf und nicht einmal eine Anzeige wegen Volksverhetzung wird ernst genommen. Spricht der Papst Agnostikern und Atheisten die Fähigkeit ab, gute Menschen zu sein und human und ethisch handeln zu können, wird kein Politiker und auch sonst niemand wach. Würde Ratzinger diese Vorwürfe den Juden machen, wäre er wohl der erste Papst, den man vor die Tür setzt. Die Beziehung zwischen Judentum und den christlichen Kirchen ist auch so eine Sache. Seit dem zweiten Weltkrieg gilt in beiden Kirchen, was auch immer sie gegen Andersgläubige ins Feld führen, Juden werden immer gleich ausgeschlossen.

    Islamismus ist immer falsch, das gilt aber auch für jede andere reaktionäre, aliberale, fanatische, fundamen-talistische Religionsauslegung, die die Menschenrechte angreift, die Religion über den Menschen und seine Rechte stellt. Diese Strömungen sind nicht allein auf dem Islam beschränkt und gerade die ihm nahe stehenden Religionen, Judentum und Christentum, haben ähnlich monströse Vertreter in ihren Reihen.

    Die Religionsfreiheit endet, wenn die Probleme und Nöte von Menschen ausgenutzt werden, um zu missionieren, wenn Menschen mit rhetorischen und psychologischen Tricks dazu verleitet werden sich selbst aufzugeben und Teil einer Masse zu werden, wenn Menschen das Recht auf eine Wahl genommen wird und Menschen in eine vorgefertigte Welt aus Angst, Haß, Zwängen und Blindheit geworfen werden.

    Mission ist ein Verbrechen, der Zwang Kopftücher tragen zu müssen und auch die Trennung von Mann und Frau in Heiligtümern, aber auch die kultische Diffamierung von Tieren. Die Haßtiraden im Islam und Judentum gegen Schweine sind einfach eine Unverschämtheit, die lieben, schlauen, nützlichen und leckeren Tierchen haben besseres verdient.

    Wilders ist mit seinen seltsamen Gründen Israel zu lieben nicht allein. Die religiöse Rechte in den USA ist ebenso motiviert und die Mehrheit der Islamophoben denkt ebenso. Zudem wird in diesen Kreisen ein regelrechter Kult darum betrieben Israel und das Judentum auf ein Podest zu stellen, was nicht nur dazu führt, daß man in diesen Kreisen selbst Juden und Israeli als Antisemiten beschimpft, wenn sie Kritik an Israel üben.

    Die Feindbilder der Islamophoben sind übrigends viel zahlreicher. Jeder Mensch, der sich nicht zumindest als rechter Konservativer versteht, ist für diese Menschen ein Feind. Der Buddhismus wird als Religion der Schwäche diffamiert, die dem Islam Tür und Tor nach Indien öffnete, und jeder Nichtchrist und Nichtjude steht auf der Abschussliste.

    Der Unterschied zwischen Haß und Kritk ist doch ganz einfach. Kritik dient dazu Zustände zu verbessern und einen Fortschritt zu erzielen, die als Islamkritik getarnten Haßtiraden dienen einfach nur dazu ein Feindbild aufzubauen, die eigene Seite zu überhöhen und zu beleidigen. Wobei man ehemaligen Muslimen natürlich eine härtere Kritik und schärfere Worte zugestehen muß. Natürlich ist Kritik auch immer eingegrenzt, übt jemand Kritik richtet er sich gegen eine bestimmte Spielart einer Religion und nicht gegen alle Angehörigen einer Religion. Zudem greift ein Kritiker nicht einfach nur an, sondern er argumentiert, belegt seine Vorbehalte und das auf einer möglichst sachlichen Basis.

    Die Islamophobie fördert keinen Antisemitismus, immerhin bekommen Islamophobe Unterstützung von extremistischen jüdischen Gruppen, die selbst in Israel verboten sind, und der heilige Krieg gegen den Islam wird als Hoffnung verkauft, Absolution für den Holocaust zu erhalten. Die Islamophoben kann man als deutschen Ableger der religiösen Rechten der USA betrachten, die mit ihrer Nibelungentreue zu Israel
    glänzt. Gut, ab und an schmusen im Internet Rechtsextreme und Islamisten, aber Antisemitismus ist aus Richtung der islamophoben Kreise nicht zu befürchten. Die füllen ihre KZs lieber mit Menschen, die irgendwie links stehen, ungläubig sind oder
    ihren Verstand noch benutzen können. Gut, Juden und Israeli, die Israel kritisieren oder gar etwas gegen die Islamophobie haben, würden auch dort landen.

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    @ Alan Posener
    „Je gebildeter der Mensch, desto eher ist er in der Lage, Glaubenssätze zu hinterfragen. Der niedrige Bildungsgrad unter Muslimen ist also das Problem, nicht der Koran.“

    Dieser These würde ich gerne Glauben schenken, ich sehe leider nur nicht, dass sie wahr ist.
    Worum es uns in diesen Diskussionen wohl geht ist die Aufklärung. Wenn Sie das Wort Bildung durch das Wort Aufklärung ersetzten, stimme ich mit Ihnen überein. Was Bildung, die sich nicht der Aufklärung verpflichtet fühlt, alles anrichten kann seigt sich zum Beispiel an den Aufzeichnungen des KZ-Arztes Josef Mengeles, die dezeit bei einer Aukton angeboten werden und mich zu diesem Kommentar verleitet haben.

    http://www.faz.net/s/Rub91752F.....kunstmarkt

    Da dieses Beispiel jetzt keine Religion im eigentlichen Sinne betrifft, sei nur der Vollständigkeit halber erwähnt, dass gerade auch in der Katholischen Kirche ein sehr hoher Bildungsstand nicht nur im Klerus vorhanden ist, sondern auch bei den Laien. Gerade als getaufter Katholik musste ich mir allzu oft von eher „gebildeten“ Menschen sehr unreflektierte Meinungen über katholische Glaubensfragen anhören, die mir zeigten, dass selbst bei studierten Bundesbürgern der Verstand aussetzt, wenn es um Glaubensfragen geht. Dies umso mehr, wenn diese Menschen von Gier oder der bei uns noch häufiger vorkommenden „Angst vor dem Zukurzkommen“ getrieben werden.

    Kurz gesagt, Bildung ist gut, wenn sie aufklärerisch ist, sie hilft aber auch nichts, wenn die Menschen, die heute an den Koran glauben weiter massiv benachteiligt werden.

    Zum „Minarettverbot“, verweise ich ausnahmsweise auf Bischof Zollitsch.

    http://www.katholisch.de/Nachricht.aspx?NId=2928

    Zur“Kopftuchsteuer“ erübrigt sich jeder Kommentar.

  14. avatar

    Herr Posener,
    natürlich falle ich nicht dem Irrglauben anheim, alle Hindus seien per se friedlich, sowenig wie alle Moslems gefährlich sind.
    Allerdings habe ich auch keinerlei Einfluß auf Vorgänge in Indien, und solange ich das Land meide werde ich auch nicht in die dortigen Auseinandersetzungen hineingezogen.
    Wenn allerdings ein verrückter Islamist in Europa einen Nahverkehrszug in die Luft sprengt kann es mich schon erwischen. Ich nehme mir daher das Recht heraus zu sagen:DIESE LEUTE WILL ICH HIER NICHT.
    Wenn das nur dadurch geht, daß auch friedliche Moslems ihre Kultur aufgeben und sich assimilieren oder Europa verlassen müssen dann sind das in Kauf zu nehmende Kollateralschäden.
    Andere sahen in den hunderten von Toten von Madrid und London auch nur Kollateralschäden für ihren Multi-Kulti-Traum.

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    Das Konzept des (modernen) Konzentrationslager wurde aber schon weit frueher von den beiden „demokratischen“ Nationen („global leaders…) Grossbritanien und USA entwickelt: Am Anfang des 20ten Jahrhunderts – von den Briten im Unterdrueckungsfeldzug gegen die Buren in Suedafrika, und von den „Americans“ zur „Stabilisierung“ als Besatzungsmacht (Eroberungsmacht) in den Phillipinen: Dort hat die U.S.Army schon das „water-boarding“ praktiziert. Vorher im 19ten Jahrhundert kannte man in USA solche „Anlagen“ unter dem Namen: „Indian Reservations“ welche damals einzaeunte Gefaengnisgelaende waren – mit Hunger-Rationen. Die Pioniere fuer die „Einlagerung“ von Bevoelkerungsgruppen waren aber die Spanier – besonders in Kuba. Natuerlich wurde das Konzept in Deutschland (wie vieles) wahnsinniger und noch brutaler „perfektioniert“…

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    @Alan Posener: Kurz etwas off topic: Weshalb gab es schon so lange keine Blattkritik mehr? Das ist wirklich schade, gerade in diesen Tagen, in denen die Islamdebatte doch die Blätter umtreibt.

    Gruß

  17. avatar

    @ Geraldus: Wie man auf dem indischen Subkontinent sehen kann, steht der Fanatismus mancher Hindus dem mancher Moslems nicht nach. Da jedoch dort die Opfer des fanatischen Hindu-Nationalismus Muslime sind, erlauben wir uns den Luxus, ihn nicht zur Kenntnis zu nehmen. Folgte man Ihrer Argumentation zur Verteidigung der Islamophobie, hätten Europas Muslime späterstens seit dem Massaker an 8000 Muslimen durch serbische Christen in Srebrenica jedes Recht, alle Christen als Feinde zu betrachten. Ein solches Gruppendenken ist aber nicht nur menschenverachtend; es ist, was schlimmer ist, bequem. Bequemes Denken sollte man meiden. Es ist fast immer falsch.
    @Gdenken: Die Fähigkeit, die eigene Religion mit Distanz zu betrachten, ist in der Regel keine Funktion der Religionszugehörigkeit, sondern eine Funktion der Bildung. Je gebildeter der Mensch, desto eher ist er in der Lage, Glaubenssätze zu hinterfragen. Der niedrige Bildungsgrad unter Muslimen ist also das Problem, nicht der Koran. (Er ist auch ein Problem, aber das ist eine andere Geschichte.) Übrigens weiß ich auch, dass meine Regel nur statistisch gilt. Es gibt sehr gebildete Fanatiker in jeder Religion, und natürlich unter Atheisten. Dennoch würde ich zur Bekämpfung des Islamismus eher auf Schulen, besonders für Mädchen, als auf Ideologiekritik und Diskriminierung (Koptuchsteuer, Minarettverbot) setzen. Und ansonsten auf die Versuchungen der Populärkultur setzen.

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    Wer den Islamismus aufhalten will, tut das natürlich nur um „in seiner Fremdenfeindlichkeit zu schwelgen“. Eigentlich sind das verkappte Antisemitisten, also Nazis mit denen man sich inhaltlich nich auseinandersetzen muß.

    Herr Posener, Sie sind selber ein Meister des Zirkelschlusses.

    Haben Sie sich in Ihrem Redaktionsstüblein noch nie gefragt, warum zwar der Islam, nicht aber der ebenso fremde Hinduismus und Buddhismus Ablehnung hervorruft ?
    Fremdenfeinden sollte es doch egal sein, woher die Fremden kommen.

    Liegt es vielleich an den fehlenden hinduistischen und buddhistischen Selbstmorddattentätern in europäischen Nahverkehrsmitteln ?

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    Ein Kommentar an all die selbsternannten Koran-Exegeten:

    „Aber: Im Islam gibt es klare Aufforderungen, Juden zu töten. Das lese ich nirgendwo im NT.“

    Vorneweg: Es gibt keine offizielle Interpretation des Korans, da es keine Hierarchien gibt. Von daher sind Aussagen wie „Töte Juden“ in erster Linie auf das antisemitische Auge zurückzuführen. Es kann genau so gut „Treib keinen Handel mit Juden“ heißen. Das macht es nicht besser, erklärt aber einiges, wenn man über den Islam spricht.

    Dann: Wenn man im deutschen Gesetzbuch Rechte zitiert, dann gibt es VIER Herangehensweisen: Eine systematische (wo steht das Gesetz genau?), eine inahltliche (was steht drin?), eine historische (was ist der kontext?) und noch eine, die mir gerade nicht einfallen will.
    Beim Koran wird, wie diese Zitation zeigt, davon ausgegangen, es gebe nur EINE mögliche Auslegungsform. Das ist falsch. Aber leider immer noch ein Allgemeingut in bundesdeutschen (und auch sonstigen) Köpfen. Mich interessiert mehr, warum sich so ein Bullshit so lange halten kann, als der Frage nachzugehen, ob der Islam antisemitischer ist als das Christentum, was in meinen Augen nichts weiteres ist als ein religiös ausgefochtener Kulturenschwanzvergleich.

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    @EJ

    „Gerade die islamistischen Terroristen werden den Islam in die Moderne bomben. Weil sie die islamische Welt so sehr in Differenz zu sich selbst setzen, dass die Differenz nur noch durch Reflexion geschlossen werden kann. Die islamistischen Terroristen weden dem Islam die Aufklärung bringen.“

    Mag was dran sein. Klingt sehr schön!

  21. avatar

    2.Versuch in korrigierter Formatierung. Vielleicht können Sie obigen Kommentar löschen, Frau Heckel.

    @ Gedenken Diese Membran ist einseitig durchläsig, das heißt: sie lässt zu, dass der Islam nahezu einseitig auf die Menschen abfärbt, nicht aber die Menschen – geprägt durch den Zeitgeist – auf den Islam als solches abfärben.

    Wenn das so wäre – woher kommen dann die unterschiedlichen historischen und regionalen Ausprägungen des Islam? Woher die islamischen Schismen?

    Ganz offensichtlich trifft Ihr Bild historisch und geographisch nicht zu. Der Islam tritt historisch und geographisch in sehr unterschiedlichen Erscheinungsweisen auf. Was bekanntlich nicht zuletzt innerhalb der islamischen Welt Spannungen und Auseinandersetzungen verursacht.

    Richtig ist jedoch, dass es im Islam auch eine (moderne gegen-moderne) Strömung gibt, auf die Ihr Bild zutrifft. Der Islam ist die fundamentalistisch, die islamistisch normative Perspektive auf den Isalm. (Und deren Übernahme als Tatsachenfeststellung würde ich den westlichen Ismophoben, die es besser wissen könnten, vorwerfen.)

    Mein Tipp als Islam-Experte – gibt ja inzwischen beinahe nur noch Islam-Experten – da darf ich mich auch mal versuchen: Gerade die islamistischen Terroristen werden den Islam in die Moderne bomben. Weil sie die islamische Welt so sehr in Differenz zu sich selbst setzen, dass die Differenz nur noch durch Reflexion geschlossen werden kann. Die islamistischen Terroristen weden dem Islam die Aufklärung bringen.

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    @ Markus

    „Beobachten Sie auch mit Sorge, wie manche moslemischen Länder mit Christen in einer Art und Weise umspringen, gegen die Islamophobie ein Kinderspiel ist?“

    Nur damit ich Sie besser zuordnen kann: Was soll diese Erwiderung auf eine zutreffende Beobachtung mal für ein Argument werden, wenn es groß ist?

    a) „Die haben angefangen! Also dürfen wir das auch! Wenigstens ein bisschen!“
    b) „Die Muuuuselss! Sind BÖSE!“
    c) „Schau, bei uns bekommen die Musels eins auf den Deckel, woanders die Christen … wir hatten die Geschichte mit den Juden, die Amis das mit den Negern … najo, so gleicht sich halt alles aus. Schwamm drüber! Und weiter im Pogrom.“

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    @Alan Posener: Danke für Ihre Antwort.
    Was aber ist Islamophobie und was Islamkritik? Für mich zielt Islamkritik, wie z.B. die von Hamed Abdel-Samad, nicht auf Menschen, sondern auf die Theologie. Sie zielt auf die Membran zwischen Islam (hauptsächlich in Form des Koran) auf der einen Seite und den Moslems auf der anderen Seite. Diese Membran ist einseitig durchläsig, das heißt: sie lässt zu, dass der Islam nahezu einseitig auf die Menschen abfärbt, nicht aber die Menschen – geprägt durch den Zeitgeist – auf den Islam als solches abfärben.
    Beklagt werden von Islamkritikern auch fehlender Wille zur Selbstironisierung (in Bezug auf den Islam) – auch das ist Kritik nicht an den Menschen, sondern an dem Verhältnis von Gläubigen und Religion.

    Einen schönen Abend noch.

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    @geldimorg:
    Beobachten Sie auch mit Sorge, wie manche moslemischen Länder mit Christen in einer Art und Weise umspringen, gegen die Islamophobie ein Kinderspiel ist?

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    „Aus jeder Religion kann man so ziemlich alles herauslesen; auch deshalb ist die Religionskritik so bitter nötig, und nirgendwo nötiger als im Islam.“
    Genau. Aber zur Diffamierung der Bischöfin sind Ihnen Lutherzitate recht.

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    Schon seit langem beobachte ich als deutsche Christin in einem moslemischen Land lebend, wie rasend schnell sich die Islamophobie in Deutschland verbreitet. Es ist beängstigend zu sehen, welchen Vorurteilen jeder Moslem plötzlich überschüttet wird. Ob er integriert ist oder nicht, ob er gläubig ist oder nicht, spielt anscheinend keine Rolle mehr. Kopftuch und Moscheebesuch genügen, um das Vorurteil zu bestätigen. Der Mensch selbst wird nicht mehr gesehen. Aus dem Ausland betrachtet sieht es nach einer neuen Hetzjagd aus.

    Das traurige daran ist, dass diese Islamophobie von Menschen gesteuert wird, die eigentlich bedingt durch ihren öffentlichen Status dazu beitragen könnten, Vorurteile und Ängste abzubauen, zuerst den Menschen zu sehen und dann zu vereinen. Das Gegenteil ist der Fall.

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    @Alan Posener

    Weil es antijüdische Passagen im Koran gibt (wenn nicht so viele wie im “Neuen” Testament, aber lassen wir das)

    Es gibt im NT mehr antijüdische Stellen als im Koran? War mir bisher nicht bewusst – es sei denn, man rechnet all die Stellen hinzu, die dem damaligen Konflikt der jungen Christenheit mit dem Judentum geschuldet sind.
    Aber: Im Islam gibt es klare Aufforderungen, Juden zu töten. Das lese ich nirgendwo im NT.

    Und Sie haben Recht: Man muss immer sauber trennen zwischen einzelnen, Strömungen, Staaten und Grundaussagen.
    Bei Juden, bei Christen und bei Moslems. Man kann nicht der eigenen Ideologie zufolge alles in einen Topf werfen.

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    Alan Posener: “Von links nach rechts” klingt nun doch etwas sehr zielgerichtet.

    Ich meinte vor allem auch „quer“.

    Ich betrachte mich nach wie vor als einen Linken.

    Ihren Wilden Kapitalismus als Parodie genommen – Wellcome!

    Die Islamophobie zielt, wie der Antisemitismus, auf Menschen.

    That’s the point!

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    @Gdenken: Wer mein Benedikt-Buch lobt, kriegt natürlich sofort eine Antwort. Sie lautet, verkürzt: Religionskritik ist die Basis der Aufklärung. Sie zielt auf Ideen, nicht auf Menschen. Ich mag es lächerlich finden, dass Evas Techtelmechtel mit einer sprechenden Schlange alle nachfolgenden Menschen zu Sündern macht. Aber ich zeihe nicht alle Christen der Lächerlichkeit. Ich mag es empörend finden, wie Luther über die Juden schrieb. Aber ich unterstelle nicht allen Protestanten, die sich nicht von Luther distanzieren, sie seien Antisemiten. Die Islamophobie zielt, wie der Antisemitismus, auf Menschen. Weil das Kopftuch als politisches Symbol betrachtet wird, nicht als religiöses, wird allen Kopftuchträgerinnen mangelnden Integrationswillen unterstellt. Weil es antijüdische Passagen im Koran gibt (wenn nicht so viele wie im „Neuen“ Testament, aber lassen wir das), wird jedem Moslem a priori Antisemitismus unterstellt. Ich persönlich finde den Islam theologisch unergiebig und den Koran literarisch unansprechend. Aber ich begegne Muslimen wie Christen zunächst ohne Vorurteile; ich versuche es zumindest.
    @ John Dean: Welche vier Vorurteile waren das?
    @ EJ: Meinen „Marsch“ würde ich eher als einen Zickzack-Kurs beschreiben, nein? „Von links nach rechts“ klingt nun doch etwas sehr zielgerichtet. Ganz davon abgesehen, ob die Begriffe überhaupt etwas beschreiben. Ich betrachte mich nach wie vor als einen Linken.

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    @ John Dean Huppa:

    Posener hat auf seinem Marsch quer durch die Bundesrepublik – von links nach rechts – viel (im Hegelschen Sinne) aufgehoben. Manchmal ist es eine Freude, ihn zu lesen.

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    @Alan Posener
    Danke für diesen guten Text Herr Posener. Sie sprechen da wirklich einen wunden Punkt an. Leider ist die Diskussion über Islamophobie und Antisemitismus zu einer Diskussion um „deutsche“ Befindlichkeiten verkommen. Um Narzismen und Egos. Um die Opfer geht es schon längst nicht mehr. Leider.

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    Huppa. Da muss ich gleich mal aus meiner Liste meiner vier liebsten Vorurteile über Alan Posener vier Stück streichen…

    Jedenfalls: Kein schlechter Artikel, Herr Posener!

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    „Wer den Antisemitismus kritisiert, redet ihn herbei: ein perfider Zirkelschluss zwar, aber eine Argumentation, die bis heute immer wieder aus de Tasche gezogen wird, um kritische Juden mundtot zu machen.“

    Das ist ein Zitat aus Ihrem sehr guten und lesenswerten Buch „Benedikts Kreuzzug“ (S. 104).

    In Ihrem Beitrag wird allerdings nicht klar, wo Sie die Grenze ziehen zwischen berechtigter Kritik am Islam und Islamismus, dem Antisemitismus inhärent ist, und Antiislamismus, der natürlich „Bundesgenosse“ des Antisemitismus ist.

    Grüße

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    Das „Jammerjuden“-Argument zielt nicht darauf ab, die Deutschen von dem Gedenken an den Holocaust abzubringen. Sondern darauf, die deutsche (inkl. der jüdischen) Öffentlichkeit – in der Tat – wachzurütteln, den metaphysischen Gedenktraditionen praktische politische Folgen im Sinne der „Nie-wieder!“-Moral folgen zu lassen: Sich also gegen den islamistischen Antisemitismus, z.B. in Form der Vernichtungs-Ankündigung des iranischen Despoten Ahmadinedschad gegenüber Israel, zu erwehren.

    Einen „Kreuzzug“ gegen Muslime kann ich in Bezug auf Islamkritik nicht erkennen. Außerdem bedeutet Islamkritik doch nicht automatisch die Aufgabe des deutschen Gedenkens. Wie Sie ja schreiben, wird die „Leere“, nicht die Existenz des Gedenkens kritisiert,

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