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Arabiens bleierne Zeit

Arabischer Fr√ľhling. Das klingt nach politischem Aufbruch, gesellschaftlichem Neuanfang, frischer wirtschaftlicher Brise und vor allem nach b√ľrgerlicher Freiheit. Und sind nicht Despoten wie Tunesiens Ben Ali und √Ągyptens Hosni Mubarak von ihren B√ľrgern in die W√ľste geschickt worden?

Und der mit vielen Opfern erk√§mpfte Sieg √ľber Gaddafi? Haben die Einwohner Bahrains, die B√ľrger Jemens nicht gegen die Herrschercliquen mutig aufbegehrt und Grundrechte eingefordert? Schien nicht eine ganze Region vor einem wahrlich historischen Wandel zu stehen? Stimmt alles. Dennoch sind die W√ľnsche und Hoffnungen der Menschen inzwischen d√ľsterer Realit√§t gewichen. Und die Emp√∂rten, die Engagierten von einst sind schm√§hlich im Stich gelassen worden ‚Äď von uns, dem Westen. Weiterlesen

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Jetzt beginnt die eigentliche Bew√§hrungsprobe in √Ągypten

Es ist vollbracht, das Volk hat Mubarak gest√ľrzt. Der Pharao hat seinen Thron aufgegeben. Ein epochaler Erfolg der Menschen, die seit Wochen zu Hunderttausenden auf dem Tahrir-Platz nach Freiheit riefen und den Despoten zum Teufel w√ľnschten. Wie gro√ü die Verachtung f√ľr den alten Mann mittlerweile war, konnte man Donnerstag im Fernsehen sehen: Die w√ľtenden B√ľrger reckten ihre Schuhe in die Luft ‚Äď eine Geste, die hierzulande dem Zeigen des Mittelfingers entspricht.

Der Verhasste mag nun der Vergangenheit angeh√∂ren, eine √Ąra der Unterdr√ľckung hoffentlich zu Ende gegangen sein. Eine friedliche Revolution beendet die Herrschaft eines orientalischen Despoten – ein historischer Moment f√ľr die arabische Welt. Nichts ist mehr wie fr√ľher. Alte Gewissheiten sind jetzt Geschichte. Und das darf ruhig mit Beifall begr√ľ√üt werden. Weiterlesen

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Herr Mubarak, Ihr Volk will Sie nicht mehr!

Hosni Mubarak hat seine letzte gro√üe Chance verpasst, mit erhobenem Haupt seine √Ąra als Diktator √Ągyptens ¬†zu beenden und in W√ľrde abzutreten. Wer ihm bei seiner Rede zuh√∂rte, musste das Gef√ľhl haben, dass entweder der Zuh√∂rer oder der √§gyptische Pr√§sident im falschen Theater mit dem falschen Text unterwegs sind.

Da spielte sich Mubarak als Spitze der Revolutions- und Ver√§nderungsbewegung auf. Da tat er so, als ob er ¬†– und schon ganz lange – die von ihm selbst geschaffene Diktatur und den Ausnahmezustand aufgeben wollte. Da ver√§ppelte einer sein eigenes Volk in unertr√§glicher Weise. Er trete nicht zur√ľck, weil er sich von Ausl√§ndern nicht sein Handeln vorschreiben lie√üe. Von Ausl√§ndern? Herr Mubarak, Ihr Volk will Sie nicht mehr! Weiterlesen

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Showdown in der Siegreichen

Von Alexander G√∂rlach, Herausgeber und Chefredakteur „The European“:

Als ich im Wintersemester 2003/2004 an der islamischen Universit√§t Al Azhar in Kairo studiert habe, lag √ľber √Ągypten eine schummrige Atmosph√§re, das Land war in den Klauen des Stillstands. 40 Prozent Analphabeten, hunderttausende Studenten ohne Jobaussicht, die H√§lfte der Bev√∂lkerung unter 20 Jahre ‚Äď und √ľber 20 Jahre Alleinherrschaft von Hosni Mubarak. Der Machthaber konnte sich schon damals nur mit der Unterst√ľtzung des Milit√§rs und der Muslimbruderschaft halten.

Beide spielen bei den aktuellen Entwicklungen entscheidende Rollen. Weiterlesen

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Freiheit, die sie meinen

Schlagst√∂cke, Tr√§nengas, Gummigeschosse und willk√ľrliche Festnahmen – das ist die eine Seite. Die der √§gyptischen Staatsmacht. Sie setzt auf Brutalit√§t, nimmt sogar Tote billigend in kauf. Hauptsache, es herrscht Ruhe im Land. Was es auch kosten mag.

Mutige Demonstranten, ¬ĽWeg-mit-Mubarak¬ę-Rufe, Tage des Zorns, Kommunikation √ľber Twitter und Facebook – das ist die andere Seite. Die der aufgebrachten B√ľrger, des Volkes. Menschen, deren Kampf von der Hoffnung auf Brot und Freiheit getragen wird. Sie haben Armut, Arbeitslosigkeit und Bevormundung satt, wollen endlich ein selbstbestimmtes Leben f√ľhren. Und deshalb proben sie den Aufstand.

Algerien, Jordanien, Libanon und Jemen, vielleicht auch bald Syrien, Libyen und Marokko – nach dem Vorbild Tunesiens breiten sich die Proteste gegen die Langzeit-Potentaten von eigenen Gnaden aus. Die arabische Welt taumelt. Weiterlesen

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