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Kann‘s die MĂŒtterquote richten?

Von Dr. Isabelle KĂŒrschner, Politikwissenschaftlerin und Autorin des Buches „Den MĂ€nnern ĂŒberlassen wir’s nicht! Erfolgreiche Frauen in der CSU“:

Deutschland ist und bleibt ein kinderarmes Land. Den neuesten Statistiken zufolge wurden 2009 in der Bundesrepublik weniger Kinder geboren als je zuvor. Die GrĂŒnde dafĂŒr sind vielfĂ€ltig und auch Gegenmaßnahmen wurden in den letzten Jahren in vielfĂ€ltiger Weise ergriffen.

Nun haben fĂŒhrende Unionspolitiker einen weiteren Vorschlag aufs politische Tablett gebracht und machen sich fĂŒr eine Bevorzugung von MĂŒttern im Berufsleben stark. “MĂŒtter erleiden nach der Geburt einen Ansehensverlust in der Arbeitswelt wie nirgendwo sonst auf der Welt”, sagt die bayerische Sozialministerin Haderthauer und spricht sich dafĂŒr aus, dass Eltern, die der Familie zuliebe beruflich kĂŒrzer treten, kĂŒnftig bei Beförderungen bevorzugt werden sollen. Ein realistischer Plan?

ZunĂ€chst einmal muss man ĂŒberlegen, warum MĂŒtter in Deutschland im Beruf Nachteile erfahren und sich zudem die Frage stellen: Nur MĂŒtter? Mitnichten. Auch kinderlose junge Frauen mĂŒssen hĂ€ufig gegen Benachteiligungen und Diskriminierung ankĂ€mpfen. Schuld daran sind nicht zuletzt die langen Erziehungszeiten in Deutschland, da Arbeitgeber nachweislich zögern, in Mitarbeiterinnen zu investieren, die die Möglichkeit haben, den Arbeitsplatz fĂŒr lĂ€ngere Zeit zu verlassen.

Seit 1992 sieht das Bundeserziehungsgeldgesetz vor, dass sich Eltern bis zu drei Jahre ausschliesslich um ihre Kinder kĂŒmmern können und anschließend das Recht auf einen mit ihrer letzten Anstellung vergleichbaren Arbeitsplatz bei ihrem bisherigen Arbeitgeber haben. Deutschland verfĂŒgt damit ĂŒber eine sehr großzĂŒgige Ausgestaltung von Mutterschutz und Erziehungszeiten, wĂ€hrend in anderen LĂ€ndern eine weit schnellere RĂŒckkehr ins Erwerbsleben vorgesehen ist. Mit der gesetzlichen Regelung geht bis heute auch eine sehr starre Haltung in den Köpfen einher.

Die dreijĂ€hrige Kinderbetreuung in der Familie, die zum grĂ¶ĂŸten Teil von der Mutter geleistet wird, ist nachwievor das vorherrschende Modell. Laut OECD Angaben gehen knapp zwei Drittel aller MĂŒtter von unter 3-JĂ€hrigen in Deutschland keiner ErwerbstĂ€tigkeit nach. Selbst viele gut ausgebildete junge Frauen sind der Meinung, man solle keine Kinder bekommen, wenn man sie kurz nach der Geburt schon wieder ‚abgeben‘ wolle.

Fakt ist jedoch, dass in jenen LĂ€ndern die meisten Kinder geboren werden, in denen ein egalitĂ€res Rollenbild von MĂ€nnern und Frauen vorherrscht und die Kinderbetreuung nicht in erster Linie von MĂŒttern geleistet wird, diese also auch schneller wieder in den Beruf zurĂŒckkehren können. Deutschland hat sich erst vor kurzem auf diesen Weg begeben. Es wird dauern, bis die neuen Maßnahmen wie Elterngeld, Krippenausbau und die EinfĂŒhrung von Ganztagesschulen zu einem Umdenken in den Köpfen der Menschen fĂŒhren.

Sie jetzt schon als gescheitert zu betrachten, nur weil die Geburtenrate in den letzten drei Jahren nicht angestiegen ist, ist sicher verfrĂŒht. Die in den vergangenen Jahren ergriffenen Maßnahmen weiter voranzutreiben und wichtige Ziele, wie den Ausbau der Kleinkindbetreuung nicht wieder in Frage zu stellen, muss demnach oberste PrioritĂ€t behalten. Denn erst wenn Frauen und Arbeitgeber wissen, dass Kinder kein Karrierehindernis mehr darstellen, ist die Grundlage fĂŒr mehr Kinder und mehr MĂŒtter in FĂŒhrungspositionen geschaffen.

Dr. Isabelle KĂŒrschner ist Politikwissenschaftlerin und Autorin des Buches „Den MĂ€nnern ĂŒberlassen wir’s nicht! Erfolgreiche Frauen in der CSU“.

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