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Micha Brumliks Mäßigung

Micha Brumlik plädiert im Umgang mit dem Jüdischen Museum für „Mäßigung“. Er sollte das zuallererst selbst beherzigen.

Der Erziehungswissenschaftler Micha Brumlik hat angesichts eines Beitrags von Clemens Heni und Michael Kreutz im Berliner „Tagesspiegel“ an gleicher Stelle zur „Mäßigung in der Debatte“ um das Haus aufgerufen. Ich bin dafür.

Bekanntlich bin ich kein Freund der Vorgehensweise von Clemens Heni, den ich schon 2008 auf der „Achse des Guten“ kritisierte.

Das schließt allerdings nicht aus, dass Heni (der seit 2008 eben so viel hinzugelernt hat wie ich) zuweilen etwas Richtiges sagt. So auch über einige der Gäste des Jüdischen Museums. Sagen wir es so: Wenn man Henis Vorwürfe nicht entkräftet, sondern als „Rufmord“ hinstellt, trägt man nicht gerade zur Versachlichung bei.

Brumlik hat es mit dem Rufmord

Mit dem Rufmord freilich hat es Mich Brumlik. In einer seiner „taz“-Kolumnen warf er auch mir „Rufmord“ vor, darüber hinaus „McCarthyismus“ und behauptete aufgrund dieses einzigen Artikels eines einzigen Autors in einer einzigen Zeitung, die „Springerpresse“ sei auf dem „Kriegspfad“ gegen das Jüdische Museum. So viel zur Sachlichkeit.

Zur Sache: „Niederträchtig“ (auch so eine sachliche Vokabel, gell) fand Brumlik meine „Behauptung, dass das Museum Referenten eingeladen habe, die der als antisemitisch bezeichneten BDS-Bewegung nahestehen.“ Er gab sich freilich nicht die Mühe, die mit Namen, die jeder googeln kann, versehene Behauptung zu widerlegen.

Henis Artikel im „Tagesspiegel“ wartete mit Belegen auf. Brumlik antwortete nicht mit einer Entkräftung, sondern mit einer Aufzählung der akademischen Titel der inkriminierten Gäste, grad so, als könne ein Akademiker kein Antisemit sein.

Wer ist Sa’ed Atshan?

Ein Beispiel ist Sa’ed Atshan. Brumlik schreibt: „Desweiteren halten die Autoren Yasmin Shooman vor, 2018 den angeblichen BDS-Aktivisten Sa’ed Atshan eingeladen zu haben. Saed Athsan, Professor am Swarthmore College, wird im Mai 2020 das Buch „Queer Palestine and the Empire of Critique“ publizieren und noch im selben Jahr gemeinsam mit Katharina Galor – sie lehrt als führende biblische Archäologin an der Brown University – das Buch „The Moral Triangle: Germans, Israelis, Palestinians“ veröffentlichen. Tatsächlich: 2018 wurde Atshan auf Druck der israelischen Botschaft von einem Vortrag am Museum wieder ausgeladen. Die ‚Süddeutsche Zeitung‘ kommentierte diesen Vorgang so: „Tatsächlich hat Sa’ed Atshan, ein offen schwul lebender christlicher Palästinenser, immer mal wieder Israels Besatzungspolitik kritisiert. Aber ein führendes, aktives Mitglied der umstrittenen BDS-Bewegung war er nie. (…) Atshan spricht sich auch explizit für die Bekämpfung des Antisemitismus aus, fordert absolute Gewaltfreiheit und plädiert für Dialog.‘“

Nun, und wenn die „Süddeutsche“ das schreibt, dann muss es stimmen, gell. Man könnte jedoch statt bei der „SZ“ bei den Leuten nachfragen, die Bescheid wissen.

Bei „Canary Mission“ kann man nachlesen, dass Atshan nicht nur ein Israelhasser ist, der den jüdischen Staat als „Apartheidstaat“ diffamiert, sondern aktiv gegen einen jüdisch-muslimischen Dialog in den USA agitiert hat. Er tritt immer wieder auf Veranstaltungen der „Students for Justice in Palestine“ auf, den Hauptorganisatioren der BDS-Bewegung an amerikanischen Universitäten. Was so jemand als Gast des Jüdischen Museums Berlin zu suchen hat, bleibt Brumliks Geheimnis.

Farid Hafez und die demokratischen Muslimbrüder

Brumlik weiter: „(Die frühere Leiterin der Akademie des JMB) Shooman wird dafür kritisiert, den österreichischen Islamwissenschaftler Farid Hafez eingeladen zu haben, der seinerseits ‚einen führenden BDS-Kader‘, Hatem Bazian, in den wissenschaftlichen Beirat des ‚Jahrbuchs für Islamophobieforschung‘ berufen habe. Damit folgen Heni/Kreutzer dem McCarthyschen ‚Argument‘ der Kontaktschuld.“

Originell ist Brumlik nicht. Mir hat er ja auch schon McCarthyismus vorgeworfen, weil ich die Einladung von Hafez kritisiert habe. Das Gegenargument? „Hafez lehrte Politikwissenschaft an der Donau-Universität Krems, war Gastlektor an der University of Istanbul,der State Islamic University Jakarta, der Columbia University in New York; er gehört darüber hinaus der Affiliated Faculty des Islamophobia Research and Documentation Project an der University of California, Berkeley. Bekannt wurde er dadurch, dass er dem ungarischen Premierminister Orban Antisemitismus und Islamophobie vorwarf, sowie durch seine umstrittene Behauptung, die Muslimbrüderschaft sei demokratisch.“

Aus der Aufzählung seiner akademischen Verbindungen, die kein Argument darstellt, geht hervor, dass Hafez mitnichten „Islamwissenschaftler“ ist, sondern Politologe, genauer: Islamophobieforscher. Dass die Berufung eines üblen Antisemiten in den wissenschaftlichen Beirat einer Zeitung nichts über den Herausgeber aussagt, der ihn beruft, würde Brumlik selber nicht gelten lassen, wenn es sich um eine deutsche Zeitschrift handelte, die einen bekannten deutschen Antisemiten in den Beirat holen würde. Wenn’s gegen Israel geht, misst er anscheinend mit zweierlei Maß.

Die Behauptung, Hafez sei bekannt geworden, weil er Orban Antisemitismus und Islamophobie vorwarf, ist weit hergeholt. Diesen Vorwurf haben sehr viele Menschen und Institutionen erhoben (darunter auch ich). Hafez war weder die erste noch die lauteste Stimme. Wofür Hafez bekannt ist, habe ich hier aufgeschrieben:

Tatsächlich ist Hafez bekannt für „seine umstrittene Behauptung, die Muslimbrüderschaft sei demokratisch“. Eine Behauptung, die ungefähr so „umstritten“ ist wie die Behauptung, die NSDAP oder die KPD seien demokratisch. Die von Hitler-Bewunderern gegründete, eliminatorisch-antisemitische Organisation, zu der etwa die terroristische Hamas in Gaza gehört, wollte und will eine Theokratie errichten, und zwar nicht nur in der gesamten islamischen Welt, sondern überall, wo einst die „Fahne des Islam“ wehte (sprich Spanien, Israel, der Balkan), und tendenziell weltweit. Hafez‘ Verharmlosung der Organisation, zu der gehört, dass Hafez den Antisemitismus der Muslimbrüder verschweigt, ist nicht „umstritten“. Sie ist unerträglich. Und zwar gerade im Sinne jener „Mäßigung“, die Brumlik von allen fordert, nur nicht von sich.

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2 thoughts on “Micha Brumliks Mäßigung

  1. avatar

    Hallo Herr Posener,
    Sie vergassen zu erwähnen, das Brumlik auch noch Hatem Bazian verteidigte. Hatem Bazian hat auch ein wunderbares Canary Mission Profil. Als Vorspeise serviere Ich hier schon einmal dieses Video zu Bazian. https://www.youtube.com/watch?v=Y2k5QaUOBE4 . Wie Brumlik nach seinem letzen Artikel noch tragbar ist erschliesst sich mir nicht. Derm Mann steht knietief im A-a-a-a-antisemitismus. Aber so sind sie, unsere Progressiven.
    Gruß
    Daniel

    1. avatar

      Lieber Daniel L., Sie haben Recht, Brumlik hat auch Bazian verharmlost. Dass “der Mann knietief im Antisemitismus steht”, würde ich aber nicht behaupten wollen. Eher, dass er seine alte Freundin Cilly Kugelmann, die vielleicht noch mehr als Schäfer und Shooman für den Kurs des JMB verantwortlich ist, auch mit unlauteren Mitteln verteidigt, was menschlich verständlich, aber politisch fatal ist.

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