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Jerusalem: Von der Christologie lernen!

Es gibt eine ziemlich große Aufregung darüber, dass Donald Trump Jerusalem als die Hauptstadt Israels anerkannt hat. Manche Leute meinen, damit wäre nicht nur die israelische Annexion des Ostteils der Stadt anerkannt, sondern auch ein für alle Male ausgeschlossen, dass Jerusalem auch Hauptstadt eines arabischen Staates „Palästina“ werden könnte. Ich denke, man kann hier viel von den Auseinandersetzungen der frühen Christen um das Wesen Jesu Christi lernen.

Mit den im engeren Sinne politischen Argumenten für und gegen die Anerkennung Jerusalems als Hauptstadt habe ich mich hier auseinandergesetzt. Dem ist auch eine Woche später wenig hinzuzufügen, höchstens der Hinweis, dass Russland das bereits vor einigen Monaten getan hat, ohne dass es zu irgendwelchen Ausschreitungen gekommen ist.

Freilich spricht das russische Außenministerium von „West“-Jerusalem als der gegenwärtigen Hauptstadt Israels und „Ost“-Jerusalem als der künftigen Hauptstadt Palästinas, was der Realität der Stadt nicht gerecht wird. Sie ist nicht geteilt, sie hat eine gemeinsame Infrastruktur, eine Verwaltung, einen Bürgermeister. Es dürfte weder wünschenswert noch möglich sein, Jerusalem wieder zu teilen, um einen Teil Palästina, einen anderen Teil Israel zuzuschlagen. Als die Stadt das letzte Mal geteilt wurde (nach der völkerrechtswidrigen Annexion durch Jordanien 1948), ging das mit einer ethnischen Säuberung einher: der Ostteil wurde „judenrein“ gemacht und arabisiert. Es ist der israelischen Regierung daher kaum zu verdenken, dass sie das nicht noch einmal riskieren will und erklärt, Jerusalem sei die „ewige und ungeteilte“ Hauptstadt des jüdischen Volkes.

Andererseits hat „Al Quds“ mittlerweile für die arabische Sache einen derart hohen Stellenwert bekommen, dass man sich kaum eine Friedensregelung vorstellen kann, bei der Jerusalem nicht, wie das russische Außenministerium ja auch anerkennt, Hauptstadt Palästinas wäre. So wie keine israelische Regierung politisch den Verzicht auf Jerusalem überleben würde, kann auch die arabische Seite nicht auf Jerusalem verzichten. Wie soll das gehen, dass ein und dieselbe Stadt israelisch und arabisch, Hauptstadt Israels und Palästinas sein soll?

Jesus von Nazareth: Mensch oder Gott?

Die frühen Christen fanden sich in Bezug auf die Person Jesu Christi in einem ähnlichen Dilemma, und das war für sie viel elementarer als die Frage Jerusalems für uns. Jesus war ja Mensch, zugleich aber Gott. Wie sollte das zusammen gehen?

Ich will nicht in die Feinheiten der damaligen Auseinandersetzungen eintreten, in die sich auch machtpolitische Interessen mischten. Grob gesagt meinten gnostische Gruppen wie die Vertreter des Doketismus, Jesus könne als wahrer Gott nicht wirklich Mensch gewesen sein, da eine Vermischung des reinen Geistes mit der Materie den Geist verunreinigen würde. Darum habe Jesus nur zum Schein einen menschlichen Leib gehabt. Umgekehrt vertraten die Arianer die Auffassung, dass Jesus gewiss ein wirklicher Mensch aus Fleisch und Blut gewesen sei und darum unmöglich mit Gott identisch sein könne. Es gab auf beiden Seiten unendlich viele Schattierungen und Interpreten, die sich zum Teil erbittert bekämpften. Die Positionen schienen unvereinbar. Nein: sie schienen nicht nur unvereinbar, sie waren – und sind – es.

Das Konzil von Nicäa

Für Kaiser Konstantin jedoch, der – obwohl selbst nicht Christ – die christliche Religion zur offiziellen Religion des Weltreichs erheben wollte, barg die Gefahr einer Kirchenspaltung die Gefahr der Spaltung des Reichs, das er gerade mit der neuen Reichsreligion und ihren hierarchischen Strukturen einigen wollte. Darum berief er im Jahr 325 ein ökumenisches Konzil ein, mit dem ausdrücklichen Auftrag, die Gegensätze zu überwinden. Das Konzil von Nicäa verwarf den Arianismus und bekannte:

„Ich glaube an den einen Gott,
den Vater, den Allmächtigen,
den Schöpfer alles Sichtbaren und Unsichtbaren.
Und an den einen Herrn Jesus Christus,
den Sohn Gottes,
der als Einziggeborener aus dem Vater gezeugt ist, das heißt: aus dem Wesen des Vaters,
Gott aus Gott, Licht aus Licht,
wahrer Gott aus wahrem Gott,
gezeugt, nicht geschaffen,
eines Wesens mit dem Vater;
durch den alles geworden ist, was im Himmel und was auf Erden ist;
der für uns Menschen und wegen unseres Heils herabgestiegen und Fleisch geworden ist,
Mensch geworden ist,
gelitten hat und am dritten Tage auferstanden ist,
aufgestiegen ist zum Himmel,
kommen wird um die Lebenden und die Toten zu richten;
Und an den Heiligen Geist.
Diejenigen aber, die da sagen „es gab eine Zeit, da er nicht war“
und „er war nicht, bevor er gezeugt wurde“,
und er sei aus dem Nichtseienden geworden,
oder die sagen, der Sohn Gottes stamme aus einer anderen Hypostase oder Wesenheit,
oder er sei geschaffen oder wandelbar oder veränderbar,
die belegt die katholische Kirche mit dem Anathema.“

In gewisser Weise ist dieses Glaubensbekenntnis aber einseitig, ein wenig wie Trumps Anerkennung der Stadt Jerusalem als Hauptstadt Israels. Der göttliche Charakter Jesu wird unterstrichen: „Eines Wesens mit dem Vater, Gott aus Gott, Licht aus Licht“ usw., weder geschaffen noch wandelbar noch veränderbar, vor aller Zeit existierend usf.

Zwar heißt es, dass Jesus Mensch geworden ist. Die Frage des Verhältnisses von Gott und Mensch – oder Göttlichem und Menschlichem –  in der Gestalt Jesu wird jedoch eigentlich nicht geklärt. Das hatte zur Folge einerseits, dass der Arianismus weiter, wenn auch als verpönte Lehrer, fortlebte – und im Islam bis heute fortlebt. Andererseits, dass die gnostische Versuchung in der Mainstream-Kirche nicht gebannt war. Erst das Konzil von Chalcedon 451, also 125 Jahre nach Nicäa, gelangte zu einer Definition des Verhältnisses von Göttlichem und Menschlichem in der Gestalt Jesu. Das Bekenntnis von Chalcedon ist ganz offensichtlich das, was man in der heutigen Politik einen Formelkompromiss nennt. Dennoch wird es von den Orthodoxen und Lutherischen Kirchen, der Römisch-Katholischen und Altkatholischen sowie der Anglikanischen Kirche als Grundlage ihrer Christologie anerkannt.

Der geniale Formelkompromiss von Chalcedon

Der entscheidende Passus lautet:

„Ein und derselbe ist Christus, der einziggeborene Sohn und Herr, der in zwei Naturen unvermischt, unveränderlich, ungetrennt und unteilbar erkannt wird, wobei nirgends wegen der Einung der Unterschied der Naturen aufgehoben ist, vielmehr die Eigentümlichkeit jeder der beiden Naturen gewahrt bleibt und sich in einer Person und einer Hypostase vereinigt.“

Eine Person, zwei Naturen, unvermischt und doch unteilbar. Eine Stadt, zwei Hauptstädte, unvermischt und doch unteilbar. Es ist doch offenkundig, dass für Jerusalem Nicäa durch Chalcedon ergänzt werden muss. Für Juden und Muslime, die beide die Göttlichkeit Jesu – und aus dem gleichen Grund – ablehnen, mag jene christliche Findigkeit, ja Spitzfindigkeit schwer nachvollziehbar sein, aber nur wer das Unvereinbare vereinen und das Untrennbare dennoch unterscheiden kann, wird auch das Problem Jerusalems lösen können: arabisch und jüdisch, unvermischt und doch untrennbar, auf ewig ungeteilte Hauptstadt Israels und ungeteilte Hauptstadt Palästinas. Dass es ausgerechnet die Stadt ist, in der Jesus gekreuzigt wurde, starb und auferstand, legt eine christologische Lösung der Frage erst recht nahe.

38 thoughts on “Jerusalem: Von der Christologie lernen!

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    Noch ein Nachtrag.
    Wir hatten auch mit West-Berlin und Ost-Berlin eine geteilte Stadt und der Ostteil war Hauptstadt der DDR, ein Staat, der heute nicht mehr existiert.

    Vielleicht tue ich mich als Deutscher deshalb auch so schwer, den Palästina-Konflikt zu verstehen, weil wir es mit unserer pragmatischen Art letztendlich geschafft haben nur eine Hauptstadt zu haben.

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      Lieber PP, wenn ein Deutscher von „unserer pragmatischen Art“ redet, dann muss ich unwillkürlich lachen, nichts für Ungut.

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        Warum denn? Ist das wieder Ihr angelsächsisch-linksistischer Deutschenhaß, der hier durchblitzt? Oder die Tatsache, daß Sie selber als Linker das Gegenteil eines Pragmatikers sind? 😆

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    Ich kenne die Texte nicht im Detail, vielleicht ist es auch sprachlich nur ungenau formuliert. Deshalb kann ich mich nicht zum Einzelfall äußern.

    Aber grundsätzlich muss man festhalten, dass Israel natürlich das Recht besitzt, seine Hauptstadt frei zu wählen und zumindest West-Jerusalem unstrittig ist.

    Aber wie schon erwähnt, die Texte kenne ich nicht im Detail und der Streit geht immer über das Kleingedruckte. Das ist auch das Ermüdende an diesem Konflikt und deshalb sollten wir Deutschen uns da raushalten.

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    Hier ist ein hellsichtiger Artikel von Hannes Stein:
    https://www.salonkolumnisten.com/jerusalem-jerusalem/

    Hier der von der FAZ zitierte Artikel in der Haaretz:
    https://www.haaretz.com/world-news/asia-and-australia/1.829009

    Was Trump gemacht hat war nicht mutig. Er hat den Konflikt eines befreundeten (was immer das in Trumps Welt bedeutet) Staates genutzt, hat sich Applaus in seiner Zielgruppe gesichert und hat Israel auf die internationale Bühne gezogen. Don Geraldo ist weltweit nicht in der Mindermeinung, von der US-Rechten über die arabischen Staaten bis China haben alle Trumps Schachzug so aufgefasst, wie Don Geraldo ihn beschrieben hat. Für nichts und wieder nichts, denn Trump hat Alabama trotzdem nicht gewonnen. Aber die Kosten trägt nicht er, die trägt Israel.
    Denn nun, nach dem Ausscheiden der USA als Vermittler und dem Eintritt eines Mitgliedes des UN-Sicherheitsrates in das Great Game im Nahen Osten, gibt es keine Plattform, die eine Lösung verbindlich durch und umsetzen kann. Bleibt nur zu hoffen, dass die Saudis lange genug mit den Schiiten beschäftigt sind und nicht die antisemitische Karte aus innenpolitischen Gründen spielen müssen.

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        … ooops? Korrektur

        … ich habe mir die Diskussion angesehen und zitiere dazu C. Noll: ‚… Das zweite Argument ist die Anwesenheit zahlreicher Araber in Jerusalem. So gaben am 6. Dezember „Die Welt” und die Frankfurter Allgemeine Zeitung – wörtlich gleichlautend – folgende Begründung für einen „Anspruch der Palästinenser“ auf Jerusalem: „Der Ostteil der Stadt ist arabisch geprägt und wird vorwiegend von Arabern bewohnt.“ Der selbe Satz, identisch, Wort für Wort, findet sich im manager magazin, auf der Website des Bayerischen Rundfunks, im Wiener Standard, in der Märkischen Allgemeinen, in der Hannoveraner Neuen Presse, in der Kölnischen Rundschau und vielen anderen Zeitungen. Ist keinem der zahlreichen Schreiber und Nachschreiber aufgefallen, dass dieses Argument inzwischen auch auf viele Städte Europas zutrifft? Sind nicht längst Stadtteile von Berlin, Köln, Düsseldorf, Paris, Brüssel, Malmö oder Birmingham „arabisch geprägt“ und „vorwiegend von Arabern bewohnt“?

        Damit besteht dann logischerweise auch ein „Anspruch der Palästinenser“ auf viele europäische Städte. Erfolgreich, ganz im Sinne multikultureller Durchdringung, haben die Schöpfer dieses Satzes islamisches Denken und Fühlen verinnerlicht. Denn der Koran gesteht seinen Anhängern unbegrenzte Gebiete zu. Heute Jerusalem. und morgen die ganze Welt.

        … und? … Berlin-Neukölln 2017!

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        … das ist was dran‘, was Fr. Frommel, bewusst oder unbewusst, wohl frei nach Goethes Der Fischer, schreibt:

        Das Wasser rauscht‘, das Wasser schwoll,
        Netzt‘ ihr den nackten Fuß;
        Ihr Herz wuchs ihm so sehnsuchtsvoll
        Wie bei des Liebsten Gruß.
        Er sprach zu ihr, er sang zu ihr;
        Da war’s um ihr geschehn;
        Halb zog er sie, halb sank sie hin
        Und ward nicht mehr gesehn.

        … Jesus: ‚… Mein Vater ist noch immer am Werk und auch ich bin am Werk.‘ Oder? 😉

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        Na, blonderhans, ihre Grammatik: „Da war’s um ihr geschehen“… Jesus mit einer todbringenden Wassernixe zu vergleichen, halte ich für gewagt, aber bitte, er ist Ihr Boss, nicht meiner.

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        … zunächst dürfte es sich bei Goethes Ballade um eine Metapher handeln, lieber Alan Posener, Sie kritisieren Goethes Grammatik?

        … ob die Meerfrau in der Ballade ein gutes oder ein schlechtes Wesen ist, würde ich nicht beurteilen wollen. … und meinem Boss werden auch Sie irgendwann gegenüberstehen. Dann wird er als erstes fragen: ‚… nun, Alan? … und sagen: ‚Nun sind Sie halt da!‘ Ich habe nicht –‚hier‘– geschrieben, weil nur Er Ihr Sündenregister kennt. 😉

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        Mit meinem Sündenregister, lieber blonderhans, wird Ihr Boss schon zurecht kommen. Wie sagte Heinrich Heine. „C’est son métier.“

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        Nun, Heine war ein typischer Engländer bzw. Franzose, was sein Geschreibsel anging: rhetorisch oft nett gemacht, einprägsam auch, aber ohne viel Substanz.

        Ob man dabei von sprachlicher Eleganz oder von Schaumschlägerei redet, dürfte einzig und allein im Auge des Betrachters liegen. Es heißt doch im plattdeutschen Volksmund so nett: wat dem eenen sin Uhl, is dem annern sin Nachtigall. 🙂

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    Das ganze Konstrukt eines Staates Palästina und einer palästinensischen Autonomiebehörde hängt zu 100% von Mächten in der Region und Geld aus dem Westen ab. Um den Einfluss der Umgebung zu kompensieren, müsste Israel auf Dauer seine hohen Sicherheitsstandards aufrechterhalten und die Friedensdividende wäre gleich 0. Ohne die Einbindung der regionalen Großmächte wird es keinen Frieden geben. So war auch bei Trumps Rede nicht die Anerkennung Jerusalems das ungeheuerliche, sondern die Aussage, dass Israelis und arabische Palästinenser eine Lösung finden sollen, die er dann unterstützen würde. Was das bedeutet, sieht man jetzt auf der Konferenz der Islamischen Staaten. Es wird Absprachen zwischen der Türkei und dem Iran geben. Die EU und Russland mischen mit und jede Seite ist in der Lage, ein Abkommen, das auf gutem Willen basiert, zu torpedieren. Ein gemischter Status hat seinen Charme, aber das ist eine Lösung für eine Umgebung, die an Lösungen interessiert ist. Ohne auf Israel und die arabischen Palästinenser einzugehen: alle anderen sind es nicht. Und da haben wir noch gar nicht über die rechten Evangelikalen gesprochen. Die Mauer war eine gute Idee, eine hässliche, aber eine, die genug Freiraum lässt, um zur Besinnung zu kommen.

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    Ich schätze mal, die meisten Christen heute und in der Geschichte waren – ohne daß ihnen das selbst bewußt war – verkappte Arianer.
    Den Nonsens mit der Dreifaltigkeit hat eh kein Mensch verstanden, und die „Wesenheit“ Christus war für den gelebten Glauben irrelevant.
    Wer Zweifel hatte, hat sie spätestens seit Priscillian für sich behalten, oder er wurde ermordet. Ob eine so herbeigeführte „Einheit des Christentums“ wirklich ein Vorbild für heutige Realpolitik sein kann ?

    Es ist erstaunlich, daß ausgerechnet eine Dumpfbacke wie Trump das erkannt hat, was andere nicht erkennen wollen:
    Es läuft letztlich auf die Frage hinaus, entscheidest du dich für die Juden oder für die Moslems.

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      Lieber Don Geraldo: „Es läuft letztlich auf die Frage hinaus, entscheidest du dich für die Juden oder für die Moslems.“ Nein. Darum geht es eben nicht.

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    Hallo Herr Posener,

    wie stellen Sie sich das denn praktisch vor?

    Es wäre nett, wenn Sie folgende Fragen kurz beantworten wollen:

    1. Zu welchem Staat soll die Stadt Jerusalem territorial gerechnet werden? Oder soll es ein eigenständiges territoriales Gebiet werden, wie seinerzeit Berlin oder wie 1947 eigentlich von der UN beschlossen, eine Sonderzone (corpus separatum) unter UN-Aufsicht?

    2. Bleibt die Stadt Jerusalem unter israelischer Verwaltungshoheit oder wird sie zusammen von beiden Seiten verwaltet oder von einer einheitlichen – von beiden Seiten unabhängigen – Verwaltung?

    3. Sollen beide Regierungen in Jerusalem ihren Sitz haben?

    4. Sollen die Einwohner Jerusalems Bürger des Staates Israel sein oder des neu zu gründenden Staates „Palästina“? Oder sollen sie beide Staatsbürgerschaften erhalten, oder dürfen sie sich entscheiden? Oder soll es einen eigenen Status geben, wie seinerzeit in Danzig?

    5. Wer hat die Polizeigewalt in der Stadt?

    6. Wie sieht es mit der Präsenz von Militär in der Stadt aus?

    Wenn man das mal praktisch durchdenkt, wäre ein Frieden durchaus greifbarer, wenn beide Seiten auf ihre ideologisch bzw. religiös motivierten Bedingungen verzichten würden und das Wohl ihrer Kinder und Enkelkinder ins Auge fassen würden.

    Aus meiner Sicht wäre eine Zwei-Staaten-Lösung mit einer gemeinsamen symbolischen „Hauptstadt der Einigung Jerusalem“ wohl am meistens zukunftsfähig. Die jeweiligen Regierungen sollten nicht in Jerusalem sitzen. Das wäre für die Israelis zwar ein größerer praktischer Einschnitt, da die Knesset bereits in Jerusalem sitzt.

    Von daher halte ich die derzeitigen Aktionen sowohl von der russischen als auch von der US-Regierung für nicht zielführend.

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      Lieber 68er, Ihre Fragen müssen von Experten gelöst werden; was ich mir so denke, ist da unerheblich. Sie haben allerdings bereits eine feste Meinung: „Die jeweiligen Regierungen sollten nicht in Jerusalem sitzen. Das wäre für die Israelis zwar ein größerer praktischer Einschnitt, da die Knesset bereits in Jerusalem sitzt. Von daher halte ich die derzeitigen Aktionen sowohl von der russischen als auch von der US-Regierung für nicht zielführend.“ Nicht im Sinne Ihres Ziels, nein. Aber Ihr Ziel ist völlig unrealistisch. Weder die Israelis noch die Palästinenser werden auf Jerusalem als Hauptstadt verzichten. Deshalb habe ich diesen Artikel geschrieben. Und deshalb haben Putin und Trump Recht, die Realitäten anzuerkennen.

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        Lieber Herr Posener,

        mein Ziel ist ein friedliches Miteinander der Menschen die in Israel und Palästina leben. Was ist dagegen einzuwenden?

        Als Weg dahin habe ich lediglich vorgeschlagen, die Stadt Jerusalem, die mit ihrem „religiösen Erbe“ schon genug Ballast zu tragen hat, ein wenig von ihrem politischen Lasten zu befreien.

        Manchmal ist das Diskutieren mit Ihnen anstrengend und ermüdend. Sie werfen mir vor, ich hätte eine feste Meinung, was nicht stimmt, da ich mir nur Gedanken mache, wie man vielleicht zu einer friedlichen Koexistenz gelangen könnte. Selber haben Sie aber noch eine viel gefestigtere Meinung und weisen jeden, der nicht Ihrer Meinung ist im schulmeisterlichen Ton zurecht.

        Konkreten Fragen, die Sie auch als selbsternannter „Nichtexperte“ beantworten könnten, weichen Sie konsequent mit dem Hinweis, was sie so denken, sei unerheblich (wieso machen Sie dann diesen Blog überhaupt noch?), aus.

        Ihr Hinweis, Ihr Denken sei unerheblich, verbietet Ihnen ja nicht, Ihre Gedanken uns mitzuteilen, wenn ich Sie darum bitte. Ihre Antworten würden vielleicht zeigen, dass auch Ihr Vorschlag „völlig unrealistisch“ ist, Sie eine feste Meinung haben…

        Aber wenn Sie den konstruktiven Dialog verweigern, macht es irgendwann keinen Sinn mehr, hier zu schreiben.

        Zum Schluss noch ein Kommentar aus weisem Munde zu Ihrer Behauptung, mein Ziel sei „völlig unrealistisch“:

        „… und drittens muss man nur wollen. Dann ist es kein Traum, wie Theodor Herzl richtig sagte.“

        In diesem Sinne wünsche ich ein friedliches Wochenende!

        Ihr 68er

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        Was ich meinte, lieber 68er, war Folgendes: Dieser Beitrag – „von der Christologie lernen“ – sollte etwas grundsätzlicher sein. Was die Doppelnatur Christi konkret bedeutet, darüber haben Christen 1600 Jahre gestritten, und streiten sich heute noch. Ja, darüber wurden blutigste Bürgerkriege geführt (Stichwort Realpräsenz). Wenn ich nun anfinge, aus dem Grundsätzlichen Einzelheiten abzuleiten wie: „Wer kontrolliert die Polizei“, dann drohte – finde ich – die Diskussion so unfruchtbar zu werden wie etwa der christliche Streit um das Abendmahl. Vielmehr hätte ich gehofft, dass z.B. Sie, wenn Sie das, was ich schrieb, grundsätzlich richtig fänden, selbst konstruktive Ideen entwickeln würden, statt sich rein rezeptiv zu verhalten.

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    Ich weiß nicht, ob eine weitere theologische Aufladung von der dritten Konkurrenz den beiden konkurrierenden Parteien weiterhilft. Aber die Idee, dieselbe Stadt zur Hauptstadt zweier Staaten gleichzeitig zu erklären – falls ich das Ergebnis Ihrer Christologie richtig verstanden habe – ist eine interessante Möglichkeit. Man fragt sich, wo und wie die Grenze zwischen den beiden Staaten verlaufen soll, wenn sie in Jerusalem eine gemeinsame Schnittmenge haben? Und da es innerhalb von Jerusalem keine Grenze gibt, stellt sich die Frage, nach welchen Gesetzen und Polizisten man sich als Einwohner Jerusalems richten soll? Je nach Pass? Das kommt mir sehr bürokratisch vor.

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      Das könnte wohl nur mit einer germeinsamen Stadtverwaltung, eienr gemeinsamen Stadtpolizei und insg. einem Sonderstatus des Stadtgebietes fuhnktionieren. Klar, wenn sich die Parteien darauf einigen können, wäre das gut. Ich hoffe, dass sich die Parteien überhaupt einigen wollen, denn das wäre ja die Voraussetzung.

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      Es geht erstens auch jetzt, auch wenn nicht alle Bewohner den gleichen Pass haben; es ging zweitens in Berlin (so halbwegs) bis 1961; und drittens muss man nur wollen. Dann ist es kein Traum, wie Theodor Herzl richtig sagte.

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        Ja, ich fände das theoretisch die beste Lösung, irgendwo zwischen Ein- und Zweistaatlichkeit, besser als eine reine Zweistaatenlösung, bei dem die Fronten hart gegenüberstehen, besser als die Einstaatenlösung, die das Aus des jüdischen Staates bedeutet. Es tauchen zwar überall strukturelle Probleme auf, aber wenn man bereit wäre, die zu lösen, würde man die auch lösen können.

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        Man sollte vielleicht statt Berlin vor dem Mauerbau noch eine andere – naja – geteilte Stadt im Blick haben, in der es auch funktioniert – dank entsprechender Verträge: Rom, Hauptstadt sowohl Italiens als auch des Vatikanstaats.

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    Teddy Kollek, eine der Galionsfiguren der Versöhnungsbemühungen zwischen Juden und Arabern, sagt: «Wenn man die jüdische Geschichte in einem einzigem Wort zusammenfassen wollte, so lautete dieses Wort: Jerusalem.»

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    Das tolle an Nicäa war doch nicht der Kompromiss (der gar keiner war). Das tolle war, dass der Kaiser alle zusammentrommelte, die meinten, etwas zu kamellen zu haben und sie solange intrigieren und prügeln lies, bis die Orthodoxen am Ende als einzige stehen blieben. Der heilige Nikolaus soll sich als Nasenbrecher besonders hervorgetan haben. Das hat der Kaiser dann als Wirken des Heiligen Geistes akzeptiert und tataaaa! die Christenheit hatte ein für alle gültiges Glaubensbekenntnis. Der Kaiser löste ein Problem, dass für Unfrieden sorgte, aber das den meisten Menschen ziemlich egal war und auch nicht wirklich verstanden wurde. Alleine kann die Orthodoxie nicht mal eine Kalenderreform durchführen und was Christus ist, entschied ein Kaiser, der wahrscheinlich nicht einmal Christ war, genau deswegen. Ein paar Lynchmorde später war Ruhe im Karton.
    War das Model des Konzils von Nicäa nicht viel entscheidender für den christlichen Ausgleich, als das Geschwurbel über Wesensgleichheit, an dem ganze Generationen von Religionsschülern schon verzweifelt sind? Übertragen auf Jerusalem ist es nicht entscheidend, wie oft Jerusalem geteilt oder Gott gefaltet wird, sondern ob die Macht (UNO, US&Russland, eine Konferenz?) den Beteiligten eine Lösung aufdrängt und durchsetzt. Nicht die Eleganz der Formulierung, sondern die Größe des Knüppels ist entscheidend und vor allem, das nur eine Hand ihn führt. Danach könnte man doch rückwirkend eine Offenbarungsgeschichte schreiben, irgendwas mit Leuchten und Stimmen, von Friedenswunsch und Völkerverständigung.

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      @Stevanovic

      … ach Genosse Stevanovic, Sie schreiben übers das Erste Konzil von Nicäa, wie Karl May über Winnetou und seine Apachen, als wären Sie ‚dabei gewesen‘.

      Was die ‚Einheit und Gleichheit der drei göttlichen Personen‘, (‚Dreieinigkeit‘, ‚Dreifaltigkeit‘ oder ‚Trinität‘), betrifft, dazu Dr. Arnold Fruchtenbaum, USA, (PDF-Dokument 3-Seiten) … dass der Herr sich schon im ‚Alten Testament‘ als der dreieinige Gott offenbart hat.

      Der Islam ist nach heutigem Wissenschaftsstand im arianischen Christentum entstanden, jener Strömung, die vor allem im heutigem Nahen Osten an dem Gottessohntum Jesu zweifelten, ihn als einen lediglich von Gott gelenkten Propheten, aber nicht als Sohn sahen. Zudem zweifelten sie die Dreifaltigkeit Gottes (Trinität), in Gott selber, seinem Sohn Jesus und dem Heiligen Geist an, weil ihnen Gott nur in einer Person als denkbar erschien.

      ‚Der Islam entstand als entkoffeiniertes Christentum, weil sie einfach verdeckt haben, was sie vom Christentum nicht verstanden: man sprach nicht mehr über die Trinität und nicht mehr über die Menschwerdung Gottes, aus dem einfachen Grund, weil man es nicht verstanden hat.‘ Daher! sei der Islam eine im 7.-9. Jahrhundert sich entwickelnde Form ‚eines minimalistisch verzerrten Christentums‘ mit einer ‚eigenen Theologie‘, das aus einem ’sehr simplen Denken besteht‘.

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        Nun ja, blonderhans, für den Herrn Fruchtenbaum ist vermutlich auch das Judentum „sehr simpel“. Ich bin gern bereit zuzugeben, dass der christliche Glaube, von dem schon Tertullian sagte, „credo, quia absurdum“, ein sehr komplexes Denken erfordert – oder eben gar kein Denken, und das wird ja auch von der Kirche gelobt.

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        APo: ‚Nun ja, blonderhans, für den Herrn Fruchtenbaum ist vermutlich auch das Judentum „sehr simpel“.‘

        … ich kenne, außer im erwähnten Artikel, Fruchtenbaum nicht, aber die Textstellen im AT. Ich glaube es gibt überall intelligente und weniger intelligente Gläubige. 😉

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        Ich glaube ja nicht, dass irgendwer das Judentum als „sehr simpel“ bezeichnen würde. Aber was Sie über die Komplexität des Christentums hier von sich geben, belegen Sie eindeutig mit Ihren Ausführungen. Allein das Glaubensbekenntnis von Nicäa zu bringen, erscheint mir genial.

        Ich meine, dass sich eine ähnliche Komplexität im Islam gar nicht entwickeln kann, wenn er kein reines Theologiegerüst, sondern gleichzeitig immer eine politische und auch kriegerische Handlungsanweisung darstellt. Eine wesentliche Reform kann letztlich nur aus den Ländern Saudiarabien, Iran und Ägypten gemeinsam kommen, und da sich zwei davon feindselig gegenüberstehen, weiß ich nicht, wie das geschehen könnte.

        Was Jerusalem betrifft, las ich kürzlich, dass Mohammed hinter der Kaaba so gebetet haben soll, dass er die Kaaba sowie eine andere weiter weg gelegene Heilige Stätte im Auge hatte. Da der Felsendom erst ca. 100 Jahre später gebaut wurde und in Jerusalem wohl zu jener Zeit nicht so sonderlich viel war, frage ich mich, ob er überhaupt Jerusalem meinte oder nicht eher Damaskus mit der Kirche mit dem Haupt Johannes des Täufers, wo bald darauf die Ummayyadenmoschee, eine sehr bedeutende Stätte, entstand. Da ich noch zu wenig darüber gelesen habe, wäre ich interessiert an Ihrer Meinung dazu, APo.

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        Lieber Oleander, der Islam und das Judentum haben eine völlig andere Theologie als das Christentum; ich würde mich aber unterstehen, sie als weniger komplex zu bezeichnen, und Ihrer Kennzeichnung des Islam als politische Lehre muss man nicht nur Unterkomplexität, sondern offenkundig völliges Desinteresse an Erkenntnis unterstellen.
        Sollten Sie an der Überwindung Ihrer Unkenntnis Interesse haben, empfehle ich als Einstieg die Arbeiten der klugen Angelika Neuwirth:
        https://www.welt.de/print/die_welt/kultur/article10956621/Moses-war-Mohammeds-Vorbild.html

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