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Was bei uns zählt: jeder einzelne, je einzeln, von Angesicht zu Angesicht

Mich befremden diese grölenden Horden. Ich fürchte sie, wenn sie sich auch noch vermummen. Im Netz werden sie Trolle genannt, die Barbaren mit den anonymisierenden „nick names“. Im wirklichen Leben tarnen sie sich in Uniformen oder mit Gangstertüchern. Im Pogrom hat das Opfer ein Gesicht und die Täter tragen die Kapuzen des Ku-Klux-Klan. Gelegenheit, über den ganzen faulen Zauber zu sagen: nicht in meinem Namen.

Der Grundpfeiler des westlichen Begriffs von Freiheit ist der absolute Wert des Individuums. Er wird erst da relativ, wo die anderen absoluten Werte berührt sind. Das ist mittels Zivilisation erkämpftes Terrain. Den Machtanspruch der Familie und der Sippe galt es zurückzudrängen. Aus Leibeigenen wurden vielleicht keine Herren, aber sie blieben auch keine Sklaven. Und die bedingungslose Beherrschung durch den Staat oder die Religion musste unterbunden werden. Die wesentliche zivilisatorische Leistung der Moderne besteht darin, die Menschenwürde für unveräußerbar zu halten. Mord ist, das war mal anders in Preußens Gloria, keine Heldentat mehr.

Das Verbrechen sucht seitdem das Dunkel. Bei Tageslicht verbirgt es sich durch Uniformen oder mittels Staubtüchern. Ich will aber die Gesichter sehen und die Namen kennen. Das ist westliche Kultur. Damit unvereinbar sind Diktaturen, die Ansprüche vermeintlicher Kollektive über die Selbstverwirklichungsrechte der Individuen stellen. Damit unvereinbar sind Religionen, die Macht ausüben wollen, um das Individuum zugunsten eines Kollektivs zu tilgen. Wir zwingen unsere Frauen und Töchter nicht unter Schleier.

Ein Individuum hat ein Antlitz. Wir bringen nicht, in Abenteuerlust vermummt, Ungläubige um. Wir köpfen keine Journalisten. Und weil dem so ist, haben wir zum Gesicht einen Namen. Der Herr ruft uns bei unserem Namen. Das ist der Herr jener Religionen, die sich um die Zivilisation verdient gemacht haben; das sind nicht alle. Das, was man einen „gerechten Gott“ nennt, das schwelgt nicht unerkannt in Machtmissbrauch und Mord.

Bei den Rittern sprach man vom offenen Visier, das unter dem Helm des Gesicht des Knappen zeigt. So soll es sein. Damit ist es Zeit einzuräumen, dass die Unkultur der anonymen „nick names“ in der Blogosphäre entweder kindisch oder kriminell ist. Wir reden, da wir den Kindergarten verlassen haben, nicht mit mehr Kasperpuppen; warum sollten wir es mit Sockenpuppen tun? Und so befremden mich im Netz die Videoclips von Exekutionen, die vermummte Engländer im Namen des Islam an amerikanischen Journalisten verüben, wie die dazu als „nick names“ schwadronierenden Heckenschützen bösen Willens, die von „shit storm“ zu „shit storm“ eilen und in der ZEIT ein Forum für Antisemitismus erhalten, für das sich die Redaktion nur sehr halbherzig entschuldigt.

Das sei der Preis der Freiheit. Im Netz darf man das. Oh nein, der Troll ist Faschist, so oder so. Da ist die sanftmütige Aufforderung, ihn nicht unnötig zu füttern, den Troll-Fascho, ein skandalöses Appeasement. Kein Raum den Trollen. Kein Raum für Vermummung. So einfach ist das.

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3 thoughts on “Was bei uns zählt: jeder einzelne, je einzeln, von Angesicht zu Angesicht

  1. avatar

    @Walter Schmid
    “Die einzigste Möglichkeit..”
    Wenn auch Ihre vitale rheinische-katholische Auflehnung gegen jede Logik (‘einzigste’ als superlative Verstärkung des an sich eindeutigen Begriffes ‘einzig’) mir hochsympathisch ist (ja, die Welt besteht aus Grautönen), so möchte ich Ihnen doch widersprechen:
    “..ist die, dass alle Menschen auf der Welt zur Einsicht gelangen, Waffen zu verweigern.”
    Ich bin, wie ich bereits oft hier äußerte, der Meinung, daß es eine gute Idee ist, sich der Politik hin und wieder zu verweigern. Aber eine Frage: Was ist eine Waffe? (Man kann nicht genug hinterfragen.)

    @Pierre Marteau
    Jo. Aber was hindert uns daran, zu einem selber zu stehen. Geht es nicht oft, oder immer, darum?

  2. avatar

    Ach du liebe Güte. Der anonym Schreibende ist also ein Faschist. Welch tiefsinnige Kunde. Und Herr Kocks hat noch nie unter einem Pseudonym gepostet, denn er ist ja sicherlich kein Faschist. Herr Posener dagegen bekannte dereinst, dass er auch hin und wieder anonym die Menschheit mit seinen Meinungen und Ansichten beglückte. Man hätte es ahnen können, er war nicht nur Maoist er ist auch ein heimlicher Faschist.

    Nein, das ist alles ausgemachter Unsinn und zeugt von mangelnder logischer Potenz.

    Es gibt

    1. die Gruppe der unter ihrem bürgerlichen Namen Schreibenden,
    2. die Gruppe der unter falschem Namen Schreibenden,
    3. die Gruppe der unter Pseudonym Schreibenden,
    4. die Gruppe der mit echter E-Mail-Adresse Schreibenden,
    5. die Gruppe der Faschisten,
    6. die Gruppe der Maoisten,
    7. die Gruppe der Nationalisten,
    8. die Gruppe der Trolle,
    9. die Gruppe der Warmduscher,
    10. die Gruppe der Lobbyisten,
    11. die Gruppe der PR-Büttel,
    12. die Gruppe der Dissidenten,
    ….

    Diese Liste ließe sich endlos erweitern.

    Der unter Pseudonym Schreibende ist aber nicht zwingend ein Troll und noch weniger zwingend ein Faschist. Er kann auch Maoist sein oder Warmduscher, Lobbyist oder Dissident sein. Er mag feige oder schlau sein, bezahlt oder aus freien Stücken schreibend. In den seltensten Fällen bekommt man es heraus.

    Seine Äusserungen stehen für sich und nicht für eine Person.

    Die Gedanken sind Frei, und zur Freiheit, wie ich sie meine, gehört auch das Recht an der Meinungsbildung teilzunehmen, ohne dabei sein Gesicht zeigen zu müssen.

    https://www.youtube.com/watch?v=m7cLtwkdskU

    Mit herzlichen Grüßen

    Ihre

    Pierre Marteu, Theobald Tiger, Novalis, Wladimir Iljitsch Lenin, Lew B. Kamenew, Grigori J. Sinowjew, Josef Stalin, Tito, Ho Chi Minh, Pol Pot, Kurt Schmid, Adam Polenz, Philip Beauchamp, Severino de Monzambano, B. Traven, Parabellum, Struthahn, Thomas Brackheim, Henner Piffendeckel und Willy Brandt

  3. avatar

    Unsere ganze Welt ist doch kaputt! Oder? Einigen wir uns doch. Alle Kriege sind ab sofort einzustellen. Alle Waffenhersteller auf der Welt dürfen keine Waffen mehr liefern. Das Land, das trotzdem ausschert, wird von allen Ländern mit Sanktionen überzogen. So die Theorie. Die Waffenlobby wird sofort auf die verlorenen Arbeitsplätze hinweisen. Schade! Also doch nur ein Traum. Warum müssen immer wieder Menschen das ausführen, was die Politik anzettelt. Die einzigste Möglichkeit ist die, dass alle Menschen auf der Welt zur Einsicht gelangen, Waffen zu verweigern. Lasst doch diejenigen, die darüber befehlen, selbst zur Waffe zu greifen. Das böse Kriegsspiel hätte sofort ein Ende.

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