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50 Jahre Vatikanum Zwei

Ein halbes Jahrhundert ist es nun her, dass sich die Katholische Kirche mit dem Beginn des Zweiten Vatikanischen Konzils auf das Wagnis des „Aggiornamento“ einließ. Ein Wagnis, vor dem viele in der Kirche gleich wieder zurückgeschreckt sind.

Der prominenteste Renegat ist der gegenwärtige Papst Benedikt XVI, der als Theologe Joseph Ratzinger zusammen mit Karl Rahner und Hans Küng zu den jungen Wilden des Konzils zählte, der aber seit seiner Flucht aus Tübingen im Revolutionsjahr 1968 mit der ganzen Emphase des Renegaten die von ihm selbst mitformulierten Beschlüsse des Konzils rückgängig machen will.

Erstaunlicherweise wird diese Agenda von Ratzinger und seinen Anhängern immer noch und immer wieder geleugnet. Dabei finden sich in Ratzingers Werken viele Passagen, die sich explizit gegen das Konzil wenden, wie etwa die folgende, in der dem Konzil eine geradezu teuflische Wirkung zugeschrieben wird: „Das Erlöschen der Kirchen würde einen geistigen Erdrutsch bedeuten, dessen Ausmaße wir uns noch nicht vorzustellen vermögen. In welche Richtung das gehen könnte, ist nach meinem Dafürhalten in den Ereignissen von 1968 und in der daran anschließenden Entwicklung deutlich geworden. Denn (sic!) die Pariser Studentenrevolution, die das 68er-Phänomen ins Rollen brachte, ist nicht von außen auf die Kirche geprallt, sondern aus den nachkonzilaren Gärungen des Katholizismus und aus vorangehenden Strömungen revolutionärer amerikanischer protestantischer Theologie hervorgebrochen… Diese theologische Implikation ist auch im deutschen und italienischen Terrorismus der siebziger Jahre unverkennbar. Die Gestaltwerdung des italienischen Terrorismus der frühen siebziger Jahre ist ohne die inneren Krisen und Gärungen des nachkonziliaren Katholizismus nicht zu verstehen“.

Nun, die These ist gewagt. Der Berliner sagt: Hamse’s nich ne Nummer kleener? Denn erstens brachte der Pariser Mai, der nicht nur eine „Studentenrevolution“ war, keineswegs „das 68er Phänomen ins Rollen“, wie Ratzinger behauptet. Vielmehr bildeten die Ereignisse des Jahres 68, zu denen neben dem Pariser Mai der Prager Frühling, die Tet-Offensive und Demonstrationen in Ost und West ebenso gehörten wie die Mordanschläge auf Robert Kennedy, Martin Luther King und Rudi Dutschke, der Einmarsch der Warschauer-Pakt-Truppen in die CSSR, die Auflösung der Roten Garden in China, die Wiederwahl Charles de Gaulles in Frankreich und die Wahl Richard Nixons in den USA, den Höhepunkt, aber auch das Ende jener revolutionären „Gärungen“, die bereits wirksam waren, als das Konzil am 11. Oktober 1962 eröffnet wurde und auf die das Konzil – zweitens – eher reagierte als dass es sie ausgelöst hätte.

Und wenn – drittens – womöglich im italienischen Terrorismus der 1970er Jahre (gemeint ist der Linksterrorismus, Ratzinger beachtet erst gar nicht den gefährlicheren und blutigeren Rechtsterrorismus jener Jahre, etwa jenen der Geheimloge „P2“) auch katholische Motive wirksam waren, so war im deutschen Linksterrorismus der gleichen Zeit eher der Einfluss des protestantischen Pfarrhauses bestimmend. Allenfalls beweisen diese Spurenelemente, dass Religion und Terrorismus auch im Vorzeichen des Christentums Verbindungen eingehen können, was aber nicht wirklich verwundert.

Ratzinger reflektiert jedoch nicht diesen Zusammenhang, weil er ihm nicht passt; er benutzt vielmehr die behauptete Verbindung zwischen „nachkonzilaren Gärungen“ und Terrorismus zur Diskreditierung jenes gewagten Versuchs, einen Katholizismus zu schaffen, der mit der Moderne kompatibel ist.

Es wird Zeit, dass dieser historische Taschenspielertrick auch in der Kirche hinterfragt und als das entlarvt wird, was er ist, nämlich Geschichtsklitterung. Denn das Konzil endete erst 1965. Seine Ergebnisse wurden in der Kirche erst langsam  rezipiert. (Ich erinnere mich, wie wir uns im katholischen Religionsunterricht anno 68 durch Rahners’ „Kleines Konzilskompendium“ quälten.) Es ist undenkbar, dass die Ereignisse von 1968, geschweige denn der „geistige Erdrutsch“ und das „Erlöschen der Kirchen“, den Ratzinger in den Aufgeregtheiten der Tübinger Studenten, vor denen er 1968 Reißaus nahm, präfiguriert sieht, vom Konzil ausgelöst wurden. Eher waren sie eine Reaktion auf die erstarrten Verhältnisse der Zeit vor dem Konzil und vor dem großen Reformer Johannes XXIII; dass diese Reaktion übers Ziel hinaus schoss, ist nicht verwunderlich. Daran aber war aber bestimmt nicht das Konzil schuld. Nach der Ära Ratzinger wird die Kirche sich dankbar des Konzils erinnern; und die Welt wird es der Kirche danken.

 

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57 Gedanken zu “50 Jahre Vatikanum Zwei;”

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    @Lyoner: Da Sie in regelmäßigen Abständen belieben mir gegenüber zu „tösen“, also kein Lernerfolg bei Ihnen zu verzeichnen ist, besteht kein Anlaß zu Nachsichtigkeit.

    Viele, oder die meisten hier, glauben es sei sinnlos über den sog. Schnee von gestern zu diskutieren. Ich glaube das Gegenteil, mit Verlaub. Wenn man den Versuch anstellt, die Motivationen für Völkermord und andere Vernichtungsarten an Menschen in der Vergangenheit zu analysieren, hat man vielleicht die Möglichkeit Analogien in der Gegenwart und Zukunft zu verhindern.

    Wir haben da z.B. einen Verfassungsschutz, der die Opfer zu Tätern machen wollte, nachweislich. Dessen dubiose Praktiken ein Verbot der NPD nahezu unmöglich machen.

    Es gibt da übrigens Latrinenparolen, die davon ausgehen, daß der Verfassungsschutz die Rechtsradikalen instrumentalisieren möchte, als Hilfstruppen der Ordnungsmacht bei sozialen Unruhen.
    Interessante These, die ich überhaupt nicht für unvorstellbar halte, eher für sehr vorstellbar.
    Man meint nämlich tatsächlich, daß die Rechten auf hierarchische Strukturen trainiert wären, da etwas primitiv, und daher leicht zu lenken.

    Genau so hat Hitler die SA auch benutzt, und sie nachher nach Zweckerfüllung, liquidiert.

    Dämmert Ihnen etwas? Das „Gedankengut“ dürfte sich schrecklich ähneln. Unter diesen Gesichtspunkten lohnt es sich tatsächlich den Schnee von gestern zu analysieren.
    Ansonsten, ich befinde mich noch nicht im selben Agregatzustand, wie Sie, nämlich dem der großen Gnade, alles zu wissen, bzw. besser zu wissen.

    Kerstin wollte einen Vergleich ziehen, nämlich den zwischen dem Holodomor und dem Holaucost, den ich nicht sehen kann. Warum habe ich bereits oben begründet.

    @Liebe Kerstin: Ihre Frage nach den unterschiedlichen Zahlen, ist begründet. Ich kann Sie Ihnen auch nicht beantworten.
    Man könnte womöglich davon ausgehen, daß die Schergen Stalins nicht so minutiös archiviert haben, wie die Schergen Hitlers. Oder, daß viele russische Archive erst jetzt zugänglich werden und daß viele Daten bis heute nicht zugänglich gemacht werden.
    Es gibt russische Historiker, die sprechen von über 30 Millionen Opfern.

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    @Lyoner: Zunächst meine Gedanken zum ersten Zitat von Slavoj Zizek: Zunächst sollte man meines Erachtens eine vermeintliche und reale Bedrohung unterscheiden, gerade der Nationalsozialismus hatte starke Feindbilder und hat diese für seine Zwecke gebraucht. War der Nationalsozialismus tatsächlich eine Reaktion auf die kommunistische Bedrohung? Meine Antwort: Nein, vor allem nicht ausschließlich. Denn Zizek reduziert hier ebenfalls das Feindbild Hitlers auf Juden=Kommunisten und unterschlägt damit andere Feindbilder wie Juden=Finanzkapital bzw. Juden=Liberale usw.

    Gleichzeitig kann man auch über die Vorbilder für die Herrschaft der Geheimpolizei, Konzentrationslager, Völkermorde, Terror diskutieren. Genauso kann ich behaupten, dass als Vorbild für die Deportationen und die Ermordung von Gruppen, der Genozid an den Armeniern im 1. Weltkrieg diente, interessant in diesem Zusammenhang der Text neben dem Bild mit dem sogenannten Hammelwagen im wikipedia-Artikel : http://de.wikipedia.org/wiki/V.....und_Ablauf

    Es stellt sich doch die Frage: Welche Mittel bin ich bereit gegen meine Feinde (reale bzw. vermeintliche) einzusetzen? Bereits der 1. Weltkrieg war in einer furchtbaren Weise mörderisch und vor allem kaum aufgearbeitet, dabei denke ich z. B. auch an die chemische Kriegsführung.

    Den „Unterschied zwischen Menschlichkeit und Unmenschlichkeit“ in diesem Zusammenhang zu erkennen, scheitert für mich schon an der Begriffsdefinition, weder im Nationalsozialismus noch im Kommunismus spielten Menschenrechte eine große Rolle. Bei allen Vergleichen und Versuchen von Erklärungen muss man aufpassen, dass man dabei nicht selbst den Verschleierungen und der Propaganda der Ideologien unterliegt, oft verschleiern auch Begriffe Inhalte.

    Nach Richard Overy „Die Diktatoren“ (Kapitel Kommandowirtschaft) wurde spätestens 1937 deutlich „dass Deutschland Zugang zu weiteren Ressourcen über die durch die Autarkieprogramme erschlossen hinaus brauchen würde. [..] Die räuberische Wirtschaftsauffassung des Dritten Reiches ging auf Grundüberzeugung zum wirtschaftlichen Wettbewerb zwischen den Völkern zurück, die Hitler sich in den 1920 Jahren zurechtgelegt hatte.“

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    @ Alan Posener

    Pinkers Wort in Gottes Ohr. Ich vermute, dass wir noch durch das geprüft werden, was Heidegger das „Gestell“ nannte, die planetarische Technik, der Selektion der Menschen in flüssige und überflüssige, fits and misfits. Vor Probleme werden uns auch die Projekte der Menschenverbesserung stellen.

    @ liebe Rita E. Groda

    Ich habe ja nicht geschrieben, dass Sie mir auf die Nerven gehen. Gestehen will ich jedoch, dass ich zuweilen in meinem Ausdruck zu einem halbstarken Getöse neige. Nichts für ungut, drücken Sie ein Auge zu; ich will weder auf reine Männerforen noch zu blöderen Weibchen.

    @ Kerstin

    Ich neige ja, wie ich hier häufiger dargestellt habe, den Hypothesen Ernst Noltes zu, man kann jedoch auch zu einem anderen Urteil kommen. Slavoj Zizek schreibt in „Die bösen Geister des Himmlischen Bereich“:

    „Der Nationalsozialismus, so verwerflich er auch war, sei nicht nur zeitlich auf den Kommunismus gefolgt; auch hinsichtlich seines Inhalts sei er eine exzessive Reaktion auf die kommunistische Bedrohung gewesen. Des weiteren seien alle Gräueltaten der Nazis bloß Kopien der Taten gewesen, die schon von den sowjetischen Kommunisten begangen worden seien: Herrschaft der Geheimpolizei, Konzentrationslager, Völkermorde, Terror … Noltes Schlußfolgerung latutet dementsprechend, dass Kommunismus und Nationalsozialismus diesselbe totalitäre Form haben und sich nur in Bezug auf die empirischen Akteure unterscheiden […] man sollte seiner zentralen These vielmehr absolut zustimmen: Ja, der Nationalsozialismus war tatsächlich eine Reaktion auf die kommunistische Bedrohung; er hat wirklich nur den Klassenkampf durch den Kampf zwischen Ariern und Juden ersetzt – das Problem ist freilich dieses „nur“, welches keineswegs so unschuldig ist, wie es scheint. […]Im Fall der Rasse handelt es sich um ein positives naturaliertes Element (die vermeintlich organische Einheit der Gesellschaft wird durch das Eindringen eines Fremdkörpers gestört), während der Klassenkampf sem sozialen Feld absolut inhärent ist und es konstituiert. […] Der Unterschied zwischen Nationalsozialismus und Stalinismus läßt sich mit dem Deleuze´schen Begriff der minmalen Differenz charakterisieren. […] Auch in der schmalen Differenz zwischen dem stalinistischen Gulag und den Vernichtungslagern der Nazis lag in jenem historischen Moment der Unterschied zwischen Menschlichkeit und Unmenschlichkeit. […]

    Sehen wir uns eine der brutalsten Gräuel des Stalinismus an: die Entkulakisierung in den frühen 1930er Jahren. Stalins Parole war, dass „die Kulaken als Klasse liquidiert werden sollten“ – aber was bedeutete das? Es konnte vieles bedeuten – die Enteignung ihres Besitzes (Land), die Zwangsumsiedlung in andere Gebiete (etwas aus der Ukraine nach Sibirien) oder einfach in den Gulag – aber es bedeutete nicht, sie einfach umzubringen. Das Ziel war, sie als Klasse zu liquidieren, nicht als Individuen. Selbst als die LÖandbevölkerung absichtlich dem Hungertod ausgliefert wurde (Millionen Tote in der Ukraine), geschah dies nicht mit dem Ziel, sie zu töten, sondern ihnen das Rückgrat zu brechen, um sie mit Gewalt gefügig zu machen und ihnen zu zeigen, wer der Herr im Hause ist. Die Differenz – minimal, aber entschiedend – bleibt auch in Bezug auf die „Entjudung“ der Nazis bestehen, deren Ziel es war, die Juden als Individuen zu vernichten, sie als Rasse verschwinden zu lassen.

    In diesem Sinne hat Ernst Nolte recht: Der Nationalsozialismus war eine Wiederholung, eine Kopie des Bolschewismus – er war, in Nietzsches Worten, ein zutiefst reaktives Phänomen.“ (S. 238 ff)

    Bei aller Bewunderung für Zizeks Artistik und Anerkennung des Kriteriums der „minimalen“ Differenz, zwischen diesen Polen von „Menschlichkeit“ (das Rückgrat brechen) und „Unmenschlichkeit“ (Töten) will ich nicht entscheiden müssen. Mir scheint eine solche Kritik eher in den Bereich einer Theologie, einer Scholastik zu gehören als in den Bereich der praktischen Politik oder praktischen Ethik, in der hoffentlich die Lehre gezogen wird, beide Wahlmöglichkeiten, die progressive und die reaktive, zu verhindern. Und m.E. sind Untaten, die aus „guten“ oder „fortschrittlichen“ Gründen gemacht werden, mindestens ebenso fragwürdig wie Untaten, die aus einem falschen Bewußtsein heraus gemacht werden.

    Nun, Zizek ist beileibe kein dumpfer Apologet Stalins. Während der Nationalsozialismus als Idee durch und durch diskreditiert ist, ist das, so Zizek, keineswegs die Idee des Kommunismus, die er in einer Erneuerung retten will

    „Im Bewußtsein, dass wir uns wahrscheinlich auf eine Katastrophe zubewegen, sind sie bereit gegen alle Wahrscheinlichkeit zu handeln. Enttäuscht vom Kommunismus des 20. Jahrhunderts sind sie bereit, „von Anfang zu beginnen“ und ihn noch einmal grundlegend neu zu erfinden. […]

    In ihren letzten Jahren kehren sie zum Kommunismus zurück, als ob sie, nach einem Leben des ausschweifenden Verrrats, veröhnt mit der kommunistischen Idee sterben wollen. Die Botschaft ihrer letzten Bekehrung ist: Wir haben ein ganzes Leben lang vergeblich gegen etwas rebelliert, von dem wir tief im Innern immer wussten, dass es die Wahrheit war. Wenn also selbst der große Antikommunist Krawtschenko gewissermaßen zu seinem Glauben zurückfand, dann sollte unsere Botschaft heute lauten: Habt keine Angst, kommt zurück und macht bei uns mit. Ihr habt euren antikommunistischen Spaß gehabt und er sei euch verziehen – aber jetzt ist es an der Zeit, wieder ernsthaft zu werden.“ (S.334f)

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    @ Liebe Rita E. Groda: Noch einige Ergänzungen: In ihrer Kopie wikipedia-Artikel mit den Zahlen über die Opfer des Nationalsozialismus und Stalinismus ist zu lesen: 5 Millionen starben im Gulag , in dem Buch von Richard Overy sind für den Zeitraum 1934 bis 1947 insgesamt 943766 Todesfälle ausgewiesen, wobei zwischen 1941 -1943 (Krieg, Hunger)insgesamt 516841 Todesfälle zu beklagen sind und 1938 (Hunger) Todesfälle 90546 registriert wurden. Wieso also 5 Millionen? Woher kommen die Zahlen?

    @ Lyoner: Auch die Deportationen (z. B. Deutschstämmige) sollten nicht mit der erfolgten Härte und dem Chaos verlaufen. Obwohl die Regierung in Moskau festgelegt hatte, daß jeder Haushalt berechtigt war, bis zu einer Tonne an Hab und Gut und beliebig viel Geld mitzunehmen, waren die Truppen einzig und allein bestrebt, die Deutschen möglichst schnell in die Züge zu verladen, …. (Quelle: Richard Overy)

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    @ Lyoner: Vor dem Buch von Timothy Snyder habe ich im Laden gestanden und mich dann dagegen entschieden, da meine Fähigkeit Grausamkeiten zu ertragen, zeitweilig stark begrenzt ist. Kategorien „Böse“ und „Gut“ sind für mich nicht so eindeutig. Gut für wen oder was? Gesellschaft, Individuum? Wie steigert man böse?

    Neben dem Kapitel „Totaler Krieg“, das die Themen: Propaganda, Partisanenkrieg, Vernichtungswillen, Kriegsgefangene vergleicht und dem Kapitel „Das Lagersystem“ enthält das Buch Die Diktatoren – Hitlers Deutschland und Stalins Russland von Richard Overy noch ein für mich weit interessanteres Kapitel „Kommandowirtschaft“. Hier beschreibt Overy die wirtschaftliche Entwicklung beider Staaten, die als „dysfunktionaler Kapitalismus“ (Deutschland) und „dysfunktionalen Sozialismus“ (Sowjetunion) angesehen werden und vor allem auf die Rüstungsindustrie ausgerichtet waren (Schutz der Diktatur). Beide Diktatoren sahen eine Notwendigkeit in der Abkopplung der Wirtschaft von der Weltwirtschaft, in der Schaffung einer autarken und dem Willen des Staates untergeordneten Volkswirtschaft. Beide Länder blickten auf eine Geschichte von Abhängigkeiten zurück, die es zu überwinden galt. In Hitlerdeutschland hieß dies Kontrolle des Kapitalmarktes, Kontrolle des Außenhandels, Devisenbewirtschaftung und Bewahrung eines niedrigen Lohnniveaus. Dabei konnte Hitler sich in Deutschland auf eine gut funktionierende Bürokratie stützen, man machte große Anstrengungen in die Ausnutzung der begrenzten Rohstoffe zu investieren, dies führte auch zu neuen Forschungsergebnissen und Investitionen in der chemische Industrie. Aus den Erfahrungen des 1. Weltkrieges waren beide Diktatoren an einer leistungsstarken staatlich kontrollierten Landwirtschaft interessiert (Selbstversorgung auch im Kriegsfall). Die Landwirtschaft in der Sowjetunion beruhte vor der Kollektivierung noch auf Verbrauchsgüterwirtschaft. Die Getreidelieferungen ins Ausland dienten dem Ausgleichen eines Handelbilanzdefizits (ansteigende Schuldenflut durch Importe für Industrialisierung), Gold zur Schuldentilgung wurde von den Häftlingen der Gulags erwirtschaftet. Private Bedürfnisse der Bevölkerung wurden in beiden Diktaturen nur bedingt berücksichtigt bzw. untergeordnet. Später zeichnete sich ab, dass Deutschland mehr Rohstoffe brauchte, Hitlers Antwort darauf war nicht Handel sondern Eroberungen, er hat eine unveröffentlichte Fortsetzung von „Mein Kampf“ geschrieben. Der Übergang zur Planwirtschaft in der Sowjetunion war zum Teil sehr chaotisch, alle Instrumente der Planwirtschaft mussten erst erarbeitet und umgesetzt werden, dies geschah mit dem schon beschriebenen Terror.

    Ein wirklich sehr aufschlussreiches und empfehlenswertes Buch.

    @ Liebe Rita E. Groda: Danke.

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    R.E.G.: Da waren die Begrifflichkeiten unseres”größten Führers aller Zeiten” doch wesentlich unabstrakter.

    … werte Fr. R.E.G., ich mag Ihren ‚größten Führers aller Zeiten‘ nicht. Die Zitate, die Sie ff angefügt haben, sind mir bekannt.

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    @Lieber Lyoner: Wenn Sie sich freuen, daß ich wieder beteiligt bin, wie kann ich Ihnen dann so auf die Nerven gehen?
    Sie müßen meine Unterhaltung mit kerstin nicht lesen, wer zwingt Sie dazu? Und ich werde mich auch Ihrem Diktat – im Sinne der Meinungsfreiheit – nicht beugen.

    Kerstin hat ganz andere Denkansätze, als ich, was für mich hochinteressant ist, da ich – wie Sie übrigens auch – in der glücklichen Situation war, in einem Land aufzuwachsen, in dem Meinungsfreiheit – bis vor ca. 20 Jahren – noch kein Fremdwort war.

    Ich für meinen Teil lerne gerne dazu! Da ich die Aufarbeitung der Deutschen Geschichte noch immer nicht abgeschloßen habe, fällt es mir ungeheuer schwer z.B. Herrn Putin als Superdemokraten anzuerkennen, während Meinungsfreiheit in Russland ein Fremdwort ist. Womöglich hilft mir das Eintauchen in die Geschichte doch noch zu verstehen, daß Putin ein lupenreiner Demokrat ist, weil Russland anders tickt.

    Sollte unser intellektuelles Niveau Ihnen nicht zusagen, es gibt auch andere Foren, z.B. reine Männerforen, da ist das Niveau gleichviel besser.
    Da geht man“sich auf den Sack“und anderes.
    Ich beherrsche diese Terminologie auch, meistens bediene ich mich jedoch der etwas gepflegteren Sprachregelung.

    Ihr Imponiergehabe hat bei mir keine Wirkung, suchen Sie sich dazu doch bitte ein paar blödere Weibchen, als kerstin und mich.

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    @ derblondehans

    Danke für Ihren Link auf „Die Sowjet Story“ (http://www.youtube.com/watch?v=LbSEEZTmFPU). Der Film ist sehr konzentriert und zugespitzt, aber im wesentlichen konkordant den Darstellungen und Analysen von Nolte oder Solschenizyn, in jüngerer Zeit von Jörg Barberowski (http://www.amazon.de/Verbrannt.....3406632548) oder Timothy Snyder (http://www.buecher.de/shop/dri...../33155005/). Der Film stellt m.E. überzeugend dar, dass der Rote Terror nicht nur ein Prius für den Nazi-Terror war, sondern durchaus auch Modell. M.E. auch richtig, dass das Ignorieren bzw. gar Rechtfertigungen des Massenmordens im Sinne eines Fortschritts, für den die Reaktionären und der „Völkerabfall“ abgehobelt werden mussten, für Hitler ein Wink mit dem Zaunpfahl war; hier war der Boden gepflügt für seine exterminatorischen Absichten.

    @ Kerstin, Rita E. Groda

    Mit Verlaub, My Ladies, Ihre sicherlich ehrenwerten Anstrengungen für eine Einordnung und Rangordnung des Bösen gehen mir auf den Sack. Kerstin, wenn Sie sich weiterhin nützlich machen wollen, können Sie für Verbrechen der Nazis ähnlich gute Begründungen finden wie für Stalin und seine Bluthunde.

    Alan Posener hatte auf diesem Blog mal ausgeführt, dass Stalin und seine Bluthunde (Sinowjew: „Wir müssen 90 der 100 Millionen Russlands für unsere Sache gewinnen, den Übrigen haben wir nichts zu sagen, sie müssen vernichtet werden.“) auf der Seite der Engel gestanden haben, weil sie nicht speziell gegen Juden vorgingen, weil sie bei ihren Säuberungen keine rassistischen Vorlieben hatten, ihren Terror gleichmäßig über Gerechte und Ungerechte aller Völker verteilten. Umgekehrt: würde wohl Hitler vor der Geschichte besser da stehen, wenn er in seinen exterminatorischen Sympathien und Vorlieben etwas wahlloser, indifferenter, promisker gewesen wäre – oder gegen alle vorgegangen wäre, die ihm im Wege standen, die Juden ausgelassen hätte? Das hätte man besser verstehen können? Waren Hitler und seine Bluthunde böser als Stalin und seine Bluthunde? Muss man bei den Opfern Hitlers (oder auch Stalins) Unterschiede machen? Die Entscheidung, ein Holocaustdenkmal ausschließlich für die Juden und nicht ein Denkmal für alle Opfer des Nationalsozialismus zu errichten, halte ich für die gutgemeinte Wiederholung eines Selektionsprozesses, eine moralische Verblendung.

    @ Rita E. Groda

    Schön, dass Sie sich wieder beteiligen.

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    Lieber Herr Kaufmann, in meiner Argumentation ist nichts „implizit“ enthalten. Wenn die Religion notwendig wäre zur Aufrechterhaltung von Sitte und Anstand, Gesetz und Ordnung, dann wären frühere Zeiten weniger gewaltsam gewesen als heute. Das Gegenteil ist wahr, wie Stephen Pinker in seinem monumentalen Werk über „Gewalt“ gezeigt hat.
    Übrigens ist jede Argumentation, die den Glauben derart zu Staatszwecken instrumentalisiert, tendenziell antireligiös. Denn wer wirklich an Gott glaubt, würde auch dann an ihn glauben, wenn er gegen den Staat wäre. Was Jesus von Nazareth in den Augen der Römer ja auch war. Religion, die „zu etwas gut ist“, ist als Religion zu nichts nutze. Das heißt, der wahre Glaube erklärt nichts, macht nichts besser, bietet keinen Trost. Das sind alles menschliche Bedürfnisse, und Gott ist nicht dazu da, menschliche Bedürfnisse zu befriedigen.
    Wahrer Glaube, das heißt Glaube, der Gott nicht instrumentalisiert,und wahrer Atheismus, sind einander näher als manche Atheisten und manche Religiöse meinen.

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    @ Alan Posener

    Sie schreiben

    „Die Religion wird den kürzeren ziehen, aber ob das gut ist, bleibt abzuwarten.“

    Man man das Verhältnis zwischen Religion und Moderne, die im wesentlichen durch das Infragestellen der Wissenschaft geprägt ist, nicht so antagonistisch sehen, wie ich das skizziert habe. Eine Koexistenz wäre denkbar. Implizit in Ihrer Argumentation scheint mir enthalten, dass mit der Religion etwas Wertvolles verloren ginge, was in der Moderne im Hegelschen Sinne nicht „aufgehoben“ ist. Ohne Gott keine Sittlichkeit? Wenigstens für die „Masse“? Meinen Sie das, wenn Sie (als Atheist) die Religion „retten“ wollen? Sicherlich hatten die Religionen auch einen evolutionären Vorteil verschafft – als Instititionen, Gemeinschaften (der Lebenden und der Toten), die einen Immunschutz gaben in Bezug auf die Unsicherheiten, die mit Werden und Vergehen, Leben und Tod, Eros und Thanatos, Gut und Böse, Privileg und Gerechtigkeit etc. zusammenhängen. Sie sind ja ansonsten ein Verfechter des Individualismus und der Weisheit des Marktes. Kann es da Immunschutz geben? Sind wir als Moderne nicht in der Lage, nach dem Darwinschen Schock, dass wir Überlebende und Sterbliche eines nicht zielgerichteten evolutionären Prozesses sind, ohne Gottes- und Unsterblichkeitsprojektionen eine Eudaimonie (http://de.wikipedia.org/wiki/Eudaimonie) zu formulieren, die sich aus dem Wunder und Glück unserer unwahrscheinlichen Existenz speist, die wir durch Geschlechtlichkeit und Lust/Liebe weitergeben können?

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    @Alan Posener: Da die durchschnittliche Lebenserwartung für Männer in Deutschland mehr als 77 Jahre beträgt, sollten Sie noch gar nicht über die“biologische Lösung“ auch nur nachdenken; besonders, da Sie weder rauchen noch übergewichtig sind.
    Eigentlich wären wir eher noch zu den gutgelaunten Spätpubertierenden zu zählen!

    Sich mit Kids in der Trotzphase zu beschäftigen verkürzt diese Lebenszeit, denken Sie daran.
    Meine durchschnittliche Lebenserwartung beträgt ja ca. 82 Jahre, Was ich bis dahin noch alles anstellen kann!!! Zum Beispiel das Erbe verjubeln.

    Trotzdem, seien Sie ein bißchen nachsichtig mit den Kindern. Auch bei uns galt das Motto“ Trau keinem über 30″. Jetzt konnten wir allerdings mit Sicherheit davon ausgehen, daß jeder über 30 etwas mit dem tausendjährigen Reich zu tun gehabt hatte.

    Wir haben nur das Verbrechen begangen, einer Generation anzugehören, die den Mief von Tausend Jahren unter den Talaren wegfegen wollte. Trotzdem brachten es Filbingers und Kiesingers in dieser Zeit zu Rang und Ansehen.

    Mit den bösen 68-er abzurechnen ist auch eine Ablenkungstatik. Dann muß man sich nicht z.B. die ältere und neuere Deutsche Geschichte ansehen, sich nicht mit der Aufarbeitung des Gestapo- und eben auch Stasi Terrors auseinandersetzen.

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    Unser „Blondi“ beklagt sich, daß ich mich, Stalin betreffend, der offiziellen Terminologie der Historiker bediene. Tatsächlich könnte man ihm sogar – einmal – in Teilen Recht geben.

    Solche Begriffe dienen einer kanten- und konturenlosen Gesellschaft, deren Weichgespültheitssehnsucht sich auch den Begriff „Unrechtsstaat“ für die ehemalige DDR verbietet.

    Da waren die Begrifflichkeiten unseres“größten Führers aller Zeiten“ doch wesentlich unabstrakter.

    „Reichstagsrede Hitlers am 30.1.1939:
    „Wenn es dem internationalen Finanzjudentum inner- und außerhalb Europas gelingen sollte, die Völker noch einmal in einen Weltkrieg zu stürzen, dann wird das Ergebnis nicht die Bolschewisierung der Erde und damit der Sieg des Judentums sein, sondern die Vernichtung der jüdischen Rasse in Europa!“

    oder

    Äußerungen Hitlers im „Führerhauptquartier“ über die „Endlösung“:

    „Es ist gut, wenn uns der Schrecken vorausgeht, dass wir das Judentum ausrotten.“ (25.10.1942)
    „Es ist das die größte Revolution, die es je gegeben hat in der Welt. Der Jude wird erkannt werden! Der gleiche Kampf, den Pasteur und Koch haben kämpfen müssen, muss heute von uns geführt werden. Zahllose Erkrankungen haben die Ursache in einem Bazillus: dem Juden! …Wir werden gesund, wenn wir den Juden eliminieren.“ (22.2.1942″

    Das war schön plastisch, so etwas versteht jeder; sogar unser Blondi. Dagegen verblassen die“Säuberungswellen“ Stalins total.

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    Liebe @ Rita E. Groda: Nun ist es wirklich schwierig ein 1000-seitenstarkes Buch in wenige Texte zu bringen. Zurück zum Buch von Richard Overy (*)„Die Diktatoren – Hitlers Deutschland, Stalins Russland“. Zunächst will ich noch bemerken, dass die Sowjetunion mehrere verschiedene Phasen der Entwicklung durchlief. Bis ca. 1929 hatte sich die Neue Ökonomische Politik durch Lenin durchgesetzt, dann sollte es unter Stalin zu einer zweiten Revolution kommen, um die Rückschrittlichkeit zu den fortschrittlichen Ländern (50-100 Jahre) in 10 Jahren aufzuholen, als modellhafter Aufbau des Sozialismus in der Sowjetunion. „ Der Aufbau des sozialistischen Modellstaats verlief in Wirklichkeit gewaltsam, sozial zerstörerisch und wurde häufig in chaotischer Weise beaufsichtigt.“ (Quelle *) Die Getreidekrise begann bereits 1927 und 1928 als die Wirtschaft sich zu verändern begann, die Konsumgüterproduktion ging zugunsten der Schwerindustrie zurück, damit konnte die Bauern keine Waren kaufen und horteten Getreide, es begann ein neuer Klassenkrieg und „der zum Jahresende (1929) in eine formelle Politik der Entkulakisierung mündete“ (Quelle: *).

    Richard Overy beschreibt auch die Ursachen und zum Teil Abläufe der Deportierten, am Beispiel der Deutschen. Zunächst konstituierte sich 1924 ein Siedlungsgebiet der Wolgadeutschen als Autonome Sozialistische Sowjetrepublik. Stalin machte später viele Errungenschaften wieder rückgängig. Der deutsche Einmarsch hatte in Moskau in weiten Kreisen die Angst vor einer fünften Kolonne faschistischer Sympathisanten geschürt, die den Truppen der Invasoren heimlich Beistand leisten würden. Der NKWD teste Dörfer und löschte ganze Dörfer aus, wenn diese falsche Deutsche willkommen hießen, später erfolgte der Deportationsbefehl, der anschließend schnell und überstürzt ausgeführt wurde.

    @ derblondehans: Zum Wort „Säuberungswelle“. Wenn Sprache auch oft entlarvend ist, will ich doch bemerken, dass ich z. B. das Wort Völkermord hier auch vermieden habe, da es auf höchster Ebene diskutiert wird, das ist wie Selbstzensur. „Der Holodomor als Völkermord. Tatsachen und Kontroversen.“ (Quelle: http://www.osteuropa.lpb-bw.de.....lkerm.html)

    Eine ähnliche Diskussion erfolgt um die Ermordung der Armenier während des 1. Weltkrieges.

    @jan z. volens: Ihre Zusammenstellung über die verschiedensten „Konzentrationslager“ in der Geschichte war sehr interessant. Sicher lassen sich einige Entsprechungen in der Geschichte finden, jedoch nicht mit einem solchen Vernichtungswillen.
    Da hier auch manchmal von der Abschaffung der Sklaverei geschrieben wurde, auch die Abschaffung des Sklavenhandels und die mit dem Sklavenhandel verbundenen hohen Opferzahlen, war wie im Film „Amazing Grace“ dargestellt kein einfacher Prozess. William Wilberforce war ein britischer Parlamentarier und Anführer im Kampf gegen den Sklavenhandel. (Quelle: http://de.wikipedia.org/wiki/William_Wilberforce)
    Dies hat Aufklärung möglich gemacht.

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    Herr Posener,
    woher meinen Sie zu wissen, was ich mir wünsche und was mir unangenehm ist? Und was meinen Sie mit „biologische Lösung“?
    Ich denke, dass die Aufgeregtheiten um VII sich legen werden, wenn die Senioren, die das Konzil erlebt haben, nicht sentimental zurückstarren, sondern Weisheit über ihr Leben erlangen und dann wirklich „forever young“ sind.

    Frau Grota, mögen Sie Ihre Ruhe finden. Sie sollten ihren Seelenfrieden aber nicht von meinen feuchten Augen abhängig machen, denn wegen Geld quellen meine Augen nicht über.

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    @ Nora Berg: Ihr Wunsch nach einer biologischen Lösung für die Ihnen unangenehme Tatsache, dass es Leute gibt, deren Gedächtnis weiter zurückreicht als bis zur Katastrophe der Umbennennung von Raider in Twix spricht für sich.

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    R.E.G.: Leute wie Posener und ich hatten zumindest eine Menge Spaß in ihrem Leben, manchmal sogar an unseren Fehlern.

    … Respekt R.E.G., denn nur dann können Sie, wenn es um Kommunisten geht – Marxistin, die Sie nach eigenen Aussagen selber gern‘ gewesen wären – 100-millionenfachen Mord als Säuberungswelle erklären. Das darf man sogar ungestraft. Gestatten Sie mir hier ein kleines Bäuerchen.

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    @Lieber Kerstin: Wenn ich es recht weiß, gehörte Holdomor zur 1. großen Säuberungswelle von Stalin, dem sog. großen Terror. Das waren u.a. auch größtenteils ethnische Säuberungswellen.

    Die 2. große Säuberunswelle Stalins 1948 betraf ausschließlich Juden.Sie erreichte ihren Höhepunkt in der sog. Ärzteverschwörung.

    Die Opferzahlen von Stalins Terror sind auch bei den Russischen Historikern umstritten. Der russische Schriftsteller Wadim Erlikman[4] stellte beispielsweise folgende Schätzung an:

    1,5 Millionen exekutiert,
    5 Millionen starben im Gulag,
    1,7 Millionen verloren bei der Deportation ihr Leben (von den 7,5 Millionen Deportierten)
    1 Million umgekommene Kriegsgefangene und deutsche Zivilisten,
    Danach ergibt sich eine Gesamtzahl von ungefähr 9 Millionen Opfern der Säuberungen

    Quelle: wikipedia

    Andere Russische Historiker sprechen von mindestens 20 Millionen Opfern.

    Stellt man diesen Zahlen die Zahlen der Opfer Deutscher Massenverbrechen während des 2. WK entgegen:

    Juden ermordet im KZ 6.300.000
    Soviet. Kriegsgefangene 3.300.000
    Sinti u. Romer 219.000
    Euthanasieopfer 250.000
    Zwangsarbeiter, Nichtjuden im KZ,
    Deportierte und Hungeropfer 3.340.000

    Diese Bilanzen des Schreckens lassen sich trotzdem nicht vergleichen.

    Der Holocaust ist tatsächlich einzigartig. Die Singularität des Holocaust besteht meiner Meinung nach darin, daß nie zuvor ein System angestrebt hat eine ethnische Gruppe total auszurotten; und nicht nur auf dem eigenen Staatsgebiet, sondern weltweit.

    Stalin, der schreckliche Massenmörder hat „nur“ in seinem Terrain gemordert. Hitler hat alle Juden in seinem Einflußbereich ermordet.

    Ein kleiner Nachsatz zu dem Papst meiner Wahl, Johannes XXIII.
    Erst gestern las ich dieses bei wiki, hatte ich bis dahin auch nicht gewußt:

    „Während des Krieges verhalf er Juden zur Flucht aus dem von der deutschen Wehrmacht (seit März 1944) besetzten Ungarn. Roncalli versuchte, eine größere jüdische Flüchtlingsgruppe, die ohne Verpflegung in der Türkei festgesetzt worden war, zu befreien. Als diplomatische Verhandlungen mit Franz von Papen erfolglos waren, erbat er von den deutschen Bischöfen ein Schreiben, aus dem hervorgehen sollte, dass es sich bei der Gruppe um deutsche Katholiken handele, die zum Geburtsort des hl. Paulus von Tarsus pilgern wollten. Dieses Schreiben wurde als echt anerkannt und ebnete den vermeintlichen Katholiken den weiteren Weg.

    Roncalli war ein Bauernsohn, unbeleckt von der Bürgerlichkeit eines Dr. Ratzinger.
    Wie man sich heute noch immer erzählt, ist er oft ausgebüchst und hat sich nachts unter das normale Volk gemischt, wie einst Cyril Dakota in dem Buch“in den Schuhen des Fischers“.
    Wahrscheinlich kamen einige Impulse für das Konzil auch von seinen Ausflügen.

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    @Liebe Rita E. Groda: Jetzt muss ich mich doch etwas korrigieren, für eine Opfergruppe, sofern man diese als Gruppe zusammenfassen will, war ein Unterscheidungspunkt zwischen den Diktaturen doch wichtig. Für die Juden. Sicher ähnelten sich viele Maßnahmen (KZ, Gulag, Deportationen, Auslöschung von Feinden), dennoch ist Holodomor meines Erachtens (vor allem aus deutscher Sicht) anders zu bewerten als der Holocaust, der nicht nur Auschwitz und andere Vernichtungslager darstellt, sondern auch den millionenfache Mord durch Verhungern, erschlagen und erschießen. Stalin hatte vor 1945 keine offizielle rassistische Agenda. Die Sowjetunion war ein Vielvölkerstaat und Stalin hat den Nationalismus in der Regel nur bekämpft, wenn dieser die revolutionären Ideen und die Einheit der Sowjetunion gefährdete, Stalin als Retter der Revolution. Einschränkungen und Repressalien trafen Juden in gleichem Maße wie andere ethnische Gruppen und Religionen. Sicher waren die Bilder aus der Ukraine und den Gulags schockierend, noch immer. Den „Holocaust als Reaktion der Nationalsozialisten auf frühere Ausrottungsmaßnahmen und Gulags in der Sowjetunion“ zu erklären, bedeutet letztlich die Formel Hitlers: Juden=Kommunisten zu übernehmen. Zunächst erfolgte ja die Ausgrenzung der deutschen Juden in Deutschland durch Gesetze unter rassistischen Gesichtspunkten, alleine 250 Gesetze wurden zu diesem Zweck erlassen. Außerdem muss man auch betrachten mit welcher Intensität Juden in ganz Europa (West- und Osteuropa) verfolgt, registriert, interniert, deportiert und ermordet wurden. Dabei wurde der deutsche Antisemitismus durch Propaganda auch in besetzte bzw. verbündete Gebiete (z. B. Ukraine, Naher Osten) verbreitet. Ob sich Hitler durch die Sowjetunion bedroht fühlte, spielt dabei meines Erachtens in dieser Hinsicht eine untergeordnete Rolle. Zusätzlich gab es da auch noch den Plan „Deutscher Lebensraum“.

    Dennoch will ich betonen, ich bin weder Ankläger noch Verteidiger, sondern versuche durch verschiedene Perspektivwechsel die Zusammenhänge zu verstehen. Sicher liegt dies auch daran, dass ich mich nach dem Zusammenbruch der DDR in mancher Hinsicht belogen fühlte und einige meiner „Wahrheiten“ hinterfragen wollte. In der Regel erkennen wir doch nur einen kleinen Teil unserer Umwelt, sind abhängig von den uns zur Verfügung stehenden Informationen und so gibt es auch bei mir noch manche Fragen.

    @Alan Posener: Auch ich habe ihren Text gelesen, auch wenn dies nicht den Anschein haben sollte. Seit einiger Zeit beschäftige ich zunehmend mit der neueren DDR/BRD-Geschichte, da ich ja hier eher Zeitzeuge bin. Gerade die Problematik Terrorismus und die Rolle der Geheimdienste ist ein sehr interessantes, jedoch auch sehr undurchsichtiges Thema. Da stellen sich viele Fragen: Wie reagiert eine Gesellschaft auf Terrorismus? (auch ein sehr aktuelles Thema) und Von wem geht oder ging er aus?

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    @Nora Berg: Mich beruhigt sehr, daß Sie als Senior nur noch feuchte Augen, wegen der Niedrigkeit Ihrer Rente haben werden.

    Ansonsten wird ihr weiteres Leben – bei derartiger Oberflächlihkeit – bis zur Rente außerordentlich ereignislos und langweilig sein. Armes Hascherl!

    Leute wie Posener und ich hatten zumindest eine Menge Spaß in ihrem Leben, manchmal sogar an unseren Fehlern.

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    „Konzentrationslager“ oder „Rekonstruktsionslager“ oder „Refugee Camps“ oder „Rekonzentrationslager“ ? Die Idee, eine Masse von Menschen in eine Zone zu „konzentrieren“ stammt von den Spaniern – und wurde schon im 17ten Jahrhundert auf Hispanola angewandt – als franzoesische Piraten die westliche Haelfte unsicher machten und die Siedler Spaniens zu „eigenstaendig“ wirkten . 1897 wurde das moderne „Rekonstruktsionslager“ in Kuba eingefuehrt durch den General Valeriano Wyler – um die Bevoelkerung vom Kontakt mit den Aufstaendigen zutrennen. Obwohl es nicht als Straflager oder Vernichtungslager gemeint war – waren die Verhaeltnisse katastrophal. Danach 1899 – 1902 kamen in Suedafrika die „Refugee Camps“ welche auch als Sicherheitslager gemeint waren um die Bevoelkerung von den Aufstaendigen zutrennen aber wieder schlimme Zustaende bedeuteten. Dann etwas spaeter die „Reconcentrados-Lager“ der U.S. Armee im „Phillipine-American War“ 1899-1902 – in welchen tausende der Zwangsinternierten starben. Aber nur die Nazis betrieben das Konzentratsionlager zur teilweisen vorsaetzlichen Vernichtung von Volkgruppen. Die „Anderen“ wollten eigentlich nur was die U.S. heute als „Green Zone“ bezeichnen…

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    R.E.G.: “Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt. K. Marx, Kritik der politischen Ökonomie, MEW 13, 9.

    … delirium-delarium-löffelstiel … je höher – desto klatsch. dbh, Kritik der Aufklärung, hdbhbh. 111012

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    Herr Posener,
    ich habe den Text nicht nur gelesen sondern überflogen! (sind Sie eigentlich Lehrer?) und habe aus gutem Grund nicht direkt darauf geantwortet. Da Sie mich aber nun danach fragen, möchte ich Ihnen folgendermaßen antworten: ich denke, Sie betreiben auf dieselbe Weise Geschichtsklitterung wie Sie es dem Papst vorwerfen. Sie konstruieren aus fragmentartigen Ausschnitten aus der „Historie“ für sich Kausalitäten. Ihr Ergebnis hat für mich persönlich keine Bedeutung, ich gebe ihnen aber gerne Recht, wenn Sie das glücklich macht.

    Zum Konzil selbst kann ich nur meine Eindrücke von heute schildern, es war lange vor meiner Zeit. Das VII wirkt auf mich heute wie eine Gekeile und Gerangel zwischen Bischöfen, wo sich Alte und Junge um die Macht zur Deutungshoheit gekloppt haben. Eine durchaus weltliche Angelegenheit in meinen Augen, wie sie häufig und überall vorkommt. Die damaligen Forderungen nach „Kollegialität“ im Klerus etc. halte ich für überbewertet. Mal ehrlich – wer will schon ständig im „Team“ arbeiten?

    Und ob die Kirche sich durch VII an die Moderne angepasst hat? Ich denke, nicht mehr als in früheren Zeiten. Die Kirche ist immer eine Diesseitige und Jenseitige. Betont sie ihr Jenseitiges, sagt, sie ist die wahre Braut Christi, wird sie gehasst und verfolgt wie ihr Haupt, als er sagte, er sei GottesSohn. Betont sie ihre Diesseitigkeit als Gemeinschaft von Sündern, kriegt sie ebenso Schläge, weil man jetzt und hier den perfekten neuen Menschen machen will. Die Kirche passt in keine Zeit, da ihr Wesen paradox ist – und das kriegt man rational nicht so leicht gelöst. Darum wirkt es auch gerne so, als ob der Papst rumeiern würde. Der Arme hat die mission impossible – Karte gezogen.

    Im übrigen denke ich, dass sich die Aufgeregtheiten um VII legen werden, wenn die Senioren nicht mehr mit feuchten Augen der Rührung an ihre Jugendzeit denken und die Vergangenheit in ihrer Erinnerung verklären.

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    @Liebe Kerstin: Sie geben sich wirklich die allergrößte Mühe die historischen Zusamenhänge zu verstehen -und das ohne Selbstgerechtigkeit oder ideologischen Ballast aus Ihrer eigenen Vergangenheit. Dafür haben Sie auch meine höchste Anerkennung.

    Darf ich Ihnen mit Marx antworten?

    „Es ist nicht das Bewusstsein der Menschen, das ihr Sein, sondern umgekehrt ihr gesellschaftliches Sein, das ihr Bewusstsein bestimmt. K. Marx, Kritik der politischen Ökonomie, MEW 13, 9.

    Verkehrt ist es, sowohl die heuchlerischen Phrasen wie die Illusionen der Menschen für die wirklichen Motive ihrer Handlungen anzusehen. K. Marx, Deutsche Ideologie, MEW 3, 144.

    Ganz ehrlich gesagt, langsam bedauere ich es nicht vor 40 Jahren Marxist gewesen zu sein, anstatt meinen konservativen laden auf Vordermann gebracht zu haben; mit dem bedauernswerten Ergebnis Merkel.
    Meine weiteren Entwicklungsmöglichkeiten sind somit sehr beschränkt.

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    @alan posener
    Was arbeiten Sie sich an diesem alten Mann ab, der sich als Pabst immer mehr radikalisiert hat? Keine Zeile, kein Aufruf, kein Protest wird ihn und die Mehrzahl der feisten, selbstgefälligen bischöflichen Robenträger ändern oder auch nur zum Nachdenken bringen.Wäre es machbar, würde die Mehrzahl noch heute einen Religionskrieg anfangen und die Abtrünnigen mit Autodafe und ähnlichen Werkzeugen heim zur allein selig machenden Mutter Kirche holen. Der Auflösungsprozess dieses sinnentleerten Vereins, dem es im Grunde nur um Machtausübung geht, schreitet fort und so wird sich das von selbst erledigen.

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    Liebe Rita E. Groda: Zunächst zu: “Ernst Noltes als Frage formulierte Darstellung des Holocaust als Reaktion der Nationalsozialisten auf frühere Ausrottungsmaßnahmen und Gulags in der Sowjetunion.“ (Quelle wikipedia)
    Da stellt sich doch sofort die Frage: Reaktion worauf? Worauf mussten die Nationalsozialisten reagieren? Warum mussten Millionen Menschen (Frauen, Kinder, Alte) ermordet werden? Wenn ich die Frage so beantworte, wie Ernst Nolte es tat, ist es für mich in der Tat eine nachträgliche Entschuldungserklärung, dies lässt Schriften wie „Mein Kampf“ von Adolph Hitler und die damalige weltpolitische Entwicklung völlig außer Acht.

    In diesem Zusammenhang kann ich das von mir oben erwähnte Buch von Richard Overy „Die Diktatoren – Hitlers Deutschland, Stalins Rußland“ empfehlen. Richard Overy legt hier ein 1000-seitiges Buch vor, dass erst nach 1990 und der Öffnung der ehemalig sowjetischen Archive möglich war. Sicher haben sich die beiden Diktaturen gegenseitig beeinflusst, es gab viele Ähnlichkeiten, dennoch entscheidende Unterschiede. Für die Opfer der beiden Diktaturen sind diese Unterschiede sicher nicht entscheidend, erfahrenes Leid ist immer individuell. So ist es auch für mich nicht so einfach so abstrakt darüber zu schreiben.

    Zunächst zu den Ähnlichkeiten beider Diktaturen, die ja in unserer Wahrnehmung sehr mit den Namen Hitler und Stalin verbunden sind.
    Natürlich spielen Hitler und Stalin eine große Rolle in den beiden Diktaturen, doch schreibt Overy auch, das in beiden Diktaturen große Teile der Bevölkerung aus den verschiedensten Gründen hinter ihrer Regierung standen. Dies lässt sich auch aus der damaligen wirtschaftlichen und weltpolitischen Situation erklären. Der 1. Weltkrieg, die Zerstörung von Geld und Besitz, in Deutschland durch die Weltwirtschaftskrise, in der Sowjetunion der Bürgerkrieg und zum Teil absichtlich herbeigeführt, um die bürgerliche Schicht zu beseitigen. In beiden System wurde das Rechtsystem benutzt, dem man sich anzupassen hatte. Die Vision einer besseren Zukunft, beide wollten ein Utopia, Hitler fürs deutsche Volk (ausschließlich) und Stalin für die Allgemeinheit. Hitler sah sich als Retter der deutschen Nation (Rasse), Stalin als Retter der Revolution. Beide propagierten die Revolution als Mittel dieses Ziel zu erreichen. Es gibt noch viele weitere Ähnlichkeiten, doch auch entscheidende Unterschiede. Während Hitler einen Rassenkampf führte, hielt Stalin am Klassenkampf fest.

    Zum Gulag, KZ und Vernichtungssystem: Der Ausdruck Konzentrationslager hatte sich in Deutschland schon vor 1914 eingebürgert; er hatte damals zur Bezeichnung der improvisierten Lager gedient, die die Briten im südafrikanischen Burenkrieg errichtet hatten, um feinselige Teile der Bevölkerung wegsperren zu können, sowie auch für die in der deutschen Kolonie Südwestafrika errichteten Arbeitslager. (Quelle: Overy) „Lager“ spielten in Deutschland bereits in der Zeit der revolutionären Kämpfe um 1919 eine Rolle, auch zur Neutralisation missliebiger Personen, z. B. Kommunisten um 1923. Entscheidende Unterschiede der KZ- und Vernichtungslager und dem Gulag war das Ziel dieser Lager: In der Sowjetunion galt die Arbeit als Strafe, aber auch als Erziehungsmaßnahme, wobei bereits geringste Vergehen unter Strafe standen. Obwohl der Gulag auch oft tödlich war, dies war auch abhängig von der Lage und dem jeweiligen Wachpersonal, konnten viele sie nach Beendigung der Strafdauer wieder verlassen, während in Deutschland als Ziel Vernichtung durch Arbeit galt. Bis zu 95 % der KZ-Insassen in Deutschland und besetzten Gebieten waren keine Deutschen. Deutsche konnten in der Vorkriegszeit gegebenenfalls aus dem KZ wieder entlassen werden.

    P.S. Zum Holocaust und Holodomor im nächsten Text.

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    Berichtigung: Mers-el-Kebir und Operation Catapult – war 1940. Auch bemerkenswert – Frankreich versuchte 1948 die Wiedererstehung des Koenigreiches Bayern – gegen das Einverstaendnis der USA. DeGaulle wollte ein „unabhaengiges Europa“ mit der Zentralmacht Frankreich und einem verminderten Deutschland. Die USA wollte ein grosses Deutschland – damit die Briten, Franzosen, Russen und all in Europa – fuer ewig die U.S. Truppen ertragen – als Versicherung gegen Deutschland. Das wurde noch einmal erwaehnt von den Russen nach dem deutschen Eifer gegen Yugoslawien: Die Franzosen und Briten haetten noch einmal darauf bestanden dass die USA sich verpflichtet ihre Truppen fuer „ewig“ in BRD zu belassen… Also Deutschland als ewige „Vogelscheuche“ der USA in Europa.

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    Alan Besson in Frankreich meint das 1968 in Frankreich die „Linke“(wie Cohn-Bendit und Joschka Fischer) fuer die USA das „Europa ohne USA“ des DeGaulle verhindert hatten. DeGaulle soll ein Einverstaendnis gehabt haben mit den Sowjets in der DDR, dass sie keine Interventionsplaene hatten, welches DeGaulle ermoeglichte franzoesische Truppen von Deutschland nach Frankreich zu konzentrieren. DeGaulle war ein Franzose der noch Mars el Kebir erlebte hatte: 1941, die Briten versenkten die Schiffe Frankreichs in Algerien – und ihre Besatzung von 2000+ Marinesoldaten.

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    Werte Fr. Groda,

    … eigentlich soll es hier ja um den von APo ‚angegriffenen‘ Papst Benedikt XVI. gehen. Da ich aber nur gutes über Benedikt schreiben könnte, nehme ich mir halt den Angreifer vor. 😉

    Ihre Meinung zu den 68ern teile ich nicht und führe dazu ein Link aus der Welt von 2005 an. (Gerne noch mehr wenn Sie mögen.)

    Der Beitrag der 68er zur Aufarbeitung der deutschen Geschichte erschöpft sich in Verboten Von Konrad Adam.

    ‚Wer schuldhaft gehandelt hat, ist zu bestrafen, wer fahrlässig gehandelt hat, ist für den Schaden verantwortlich und muß unter Umständen bestraft werden; wer sich geirrt hat und die Konsequenzen daraus zieht, wird freiwillig tun, was in seiner Kraft liegt, um zur Wiedergutmachung beizutragen.‘

    Freiwillig: was Fischer für sich selbst und seine Freunde großzügig in Anspruch nimmt, will er für andere nicht gelten lassen, nicht einmal postum.‘

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    Ach, immer dieses mythische Gedöns um 68 mit viel Selbstbeweihräucherung. Haben die denn wirklich was Neues gebracht? Ist die Welt nach 68 harmonischer und friedlicher geworden? Die 70er zeichnen sich vor allem durch Vermassung aus – Massenunis, Touristenmassen, Massenverkehr. Nix Neues, nur von allem viel mehr. Der Mensch nach 68 hat sich nicht geändert, er ist genauso gierig, lieblos und in seinem Zeitwahn vernagelt wie die Generationen vor ihm und nach ihm.

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    Weil dies auch zum Thema und dem Beitrag von Allan Posener gehört:

    Seit Jahren wir in diesem unserem lande eine Generalabrechnung mit den sog. 68-ern geführt. Lange war mir nicht ganz klar, cui bono. Langsam sehe ich bei dieser Thematik immer klarer.
    Der Geist von 68 ist bis heute eine Gefahr für die Reichen und Mächtigen; er weht mit unverminderter Kraft in die Löcher ihrer Mauern aus mühsam aufrecht erhaltener Selbstgerechtigkeit!

    Die 68-er haben, zugegebenermaßen, auch und viele Fehler gemacht. Nach den Fehlern ihrer Eltern und Großeltern dürften diese aber marginal zu nennen sein. Was gab es denn als Gegenentwurf zur Nomenklatura in Deutschland? Mao, Ho chi minh und …

    Dieselben selbstgerechten und arroganten A….., die seit Jahren versuchen die68-er zu diskreditieren – ja, genau dieselben – beugen sich dem wirtschaftlichen Diktat einer kommunistischen Wirtschaftsmacht, weil es angeblich um die ökonomische Zukunft unseres Landes geht. In China werden immer noch die Menschenrechte mit Füßen getreten, trotzdem treiben wir fröhlich Handel und protestieren nicht lautstark gegen diese Zustände.
    Da ist so typisch, für die neue Deutsche Generation; die Sachzwänge negieren jegliche Moral.

    Aber einem damaligen Marxisten, der zudem noch seine Meinung geändert hat, die 68-Vergangenheit immer wieder unter die Nase zu reiben – die purste Scheinheiligkeit.

    Darf ich einmal daran erinnern, ohne 68 in Deutschland, Frankreich und Prag gäbe es keine Deutsche Einheit.

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    Ich bin unter dem Pontifikat von Johannes dem XXIII. groß geworden.
    Man nannte ihn nicht umsonst „il Papa buono“. Er liebte die Menschen und Gott. Es war genau der Geist der 68-er Jahre, die seine Aktionen bestimmten; genau wie den Geist der Hambacher Studenten von 1848 möchten ihn die Mächtigen wieder in einer Flasche verschließen und im Meer versenken. Denn gegen Demokraten helfen nur Soldaten, auch in der röm kath. Kirche. Herr Dr. Ratzinger ist so ein treuer Soldat.

    Revolutionär war zur Zeit von Papst Johannes dem XXIII. nicht nur die Einberufung eines Konzils, auch seine sonstigen Amtshandlungen versetzten die röm. katholische Amtskirche in höchste Aufregung.

    Wie „modern“ dieser Papst war, drückt sich z.B. in seiner Enzyklika „Mater et Magistra“ aus, die sich der Soziallehre der röm.kath. Kirche widmet.

    „Das unverkennbar für die Mitbestimmung der Arbeiter eintretende Rundschreiben erklärt, dass den Arbeitern das Recht auf aktive Teilnahme an dem sie beschäftigenden Unternehmen zustehe. Mater et magistra öffnet die katholische Soziallehre damit verstärkt der sozialen Wirklichkeit des Arbeitslebens. Darüber hinaus zeigt sie auch die Probleme der wirtschaftlich weniger stark entwickelten Länder auf, die niemals zuvor explizit Thema einer Enzyklika waren. Es geht dabei nicht nur um das Gemeinwohl des eigenen Landes und Volkes, Mater et magistra geht vielmehr das Arbeiterproblem als erstes päpstliches Schreiben .“

    Quelle: wiki

    So wichtig den Mitgliedern der röm.kath. Kirche ein verbindliches Eingehen auf Lebensrealitäten wäre, wie Ehescheidung, Anerkennung außerehelicher Gemeinschaften, Verhütung usw. ist, ebenso wichtig wären „disziplinierende Maßnahmen“ gegenüber den Mächtigen und Reichen in der Welt.

    Weisheit ohne Liebe, auf dem Stuhl Petri, das widerspricht diametral den Lehren des Religionsstifters der Katholiken.

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    @Liebe Kerstin: In diesem Zusammenhang erinnere ich an Nolte und den Historikerstreit in Deutschland.

    „Auslöser war Ernst Noltes als Frage formulierte Darstellung des Holocaust als Reaktion der Nationalsozialisten auf frühere Ausrottungsmaßnahmen und Gulags in der Sowjetunion. Diese und andere Aussagen von vier bundesdeutschen Historikern kritisierte der Philosoph Jürgen Habermas als „Revisionismus“, der ein deutsches Nationalbewusstsein durch das Abschütteln einer „entmoralisierten Vergangenheit“ erneuern solle. “

    Quelle: wikipedia

    Interessante Frage, die von Nolte und ebenso die von Lyoner!

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    Lieber Hannes, auf Scharfenberg als sozialdemokratischer Reformschule in Berlin gab es Religionsunterricht auf freiwilliger Basis nachmittags. Ich als Anglikaner konnte mich nicht so recht zwischen dem Lutherischen und dem Katholischen Unterricht entscheiden – beides in meinen Augen Häresien – und habe mich dann für beide entschieden, was sehr lohnend war. Beim evangelischen Pfarrer haben wir Carl Friedrich von Weizsäcker gelesen, beim katholischen Katecheten Rahner.
    Das war eine Zeit, Lyoner, als solche Aussagen wie Ihre, die apodiktisch einen unüberbrückbaren Gegensatz zwischen Wissenschaft und Religion postuliert, mit Kopfschütteln abgetan worden wären, und zwar von beiden Seiten. In der Tat haben seitdem die evangelischen Antidarwinisten in den USA und ihre katholischen Schüler in Europa, zu denen leider nicht nur Christoph Schönborn, sondern auch sein Lehrer Joseph Ratzinger gehören (Belege für diese Behauptung finden Sie in meinem Buch) den Konsens aufgekündigt, der zwischen Religion und Wissenschaft bestand und der in der Theorie der „non-overlapping magisteria“ (NOMA) zum Ausdruck kommt. Das heißt: die Religion macht keine Aussagen über den Gegenstand der Naturwissenschaft, und die Naturwissenschaft macht keine Aussagen über den Gegenstand der Religion und Theologie. Auf das religiöse Rollback antworteten die „neuen Atheisten“ um Dawkins, Dennet und Co., und nun sind die Kulturkriege im vollen Gang. Die Religion wird den kürzeren ziehen, aber ob das gut ist, bleibt abzuwarten. Damals jedenfalls konnte sich ein evangelischer Pfarrer so sehr für die Naturwissenschaft begeistern, dass er mit uns jene kosmologisch-philosophischen Schriften las, die wir im Physikunterricht nie zu Gesicht bekamen.

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    @derblondehans: Jetzt habe ich mir doch Zeit genommen Ihren eingestellten Film vollständig anzusehen. Zum Glück war es kein dunkles Kino, keine große Leinwand und youtube hat eine Pausetaste. Im Anschluß habe ich Karl Marx und Völkerabfall gegoogelt und diese Aussage in folgenden Artikel gefunden:

    „Marx und Engels waren nicht nur von der He¬gelschen Geschichtsmetaphysik, sondern auch von den sozialdarwinistischen und rassistischen Theorien ihrer Zeit beeinflusst.“
    (Quelle: Klaus Thörner Volkergeist und Völkerabfälle: http://jungle-world.com/artikel/2009/13/33606.html)
    Der Link auf die Rede von Ulrich Schacht hat mich zunächst erstaunt, da ich vor nicht allzu langer Zeit das Buch von Richard Overy „Die Diktatoren – Hitlers Deutschland, Stalins Russland“, zugegeben nicht ganz vollständig, gelesen habe. In dem Buch werden sehr wohl beide Systeme verglichen. Nun habe ich aber festgestellt, dass dieses erst 2005 in Deutsch erschienen ist.
    Ich denke zur DDR habe ich ja früher schon einiges geschrieben.

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    Lyoner: Aber – Frage – ist die Verabsolutierung des Holocaust lediglich einem ideologischen Manöver des linken Faschismus zu verdanken?

    … über eine ‚Verabsolutierung‘, kann man anderer Meinung sein. Jeder Mord ist absolut.

    Ich meine es gibt, zudem, viele ‚linke Faschisten‘ im Schaffell. Zu merken daran, dass andere und ich für die Shoa auf verschiedenste Art und Weise, trotz erwiesener Unschuld, verantwortlich gemacht werden.

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    @Schwarz: Das war 68 in Deutschland“.

    „Es gab Kopfnüsse, wenn man nicht spurte, Ohrfeigen, wenn man zu laut war, Schläge mit dem flachen Lineal auf die ausgestreckte Hand. Setzte man sich ins Gras, verstieß man gegen das Recht, auf den Schildern in den Parkanlagen der Städte stand: „Bürger – schützt eure Anlagen!“, und die erregten Bürger riefen dann: „Gammler!“, „Euch hat man vergessen zu vergasen!“, „Ihr gehört ins KZ!“

    Quelle: Stern – Wir brauchen neue 68-er

    Man muß sich als Alt-68er nicht dafür schämen, daß die post Apo sozialisierte Generation sich heute in Ruhe im ihren eigenen Narzissmus, Erben von den 68-er Eltern oder das sonstige Vergrößern ihres Vermögens oder Freizeit kümmern kann.
    Auch ich vertrete bis heute dieselbe Weltanschauung:
    Freiheit und soziale Gerechtigkeit für alle.

    Wenn Ihnen das mißfällt, dann sind Sie eben ein arrogantes …….

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    Daß der Herr Schwarz Alan Posener attestiert nicht selbstreflektiv zu sein und dazu noch keine starke Meinung zu haben, kann ich nur mit größtem Amüsement zur Kenntnis nehmen.
    Dazu könnte ich jetzt nur ganz persönlich bemerken – ohne mich eines weltberühmten Zitates zu bedienen – wer nie seine Meinung ändert, oder modifiziert ist ein rechter Idiot.

    By the way, Alan Posener dürfte doch das selbe Recht in Anspruch nehmen, wie Herr Dr. Ratzinger.
    Vorhin erst wurde ich bei Maischberger an den Fall Ranke-Heinemann erinnert. Die“ post Apo sozialisierte Generation“ ist von der Widersprüchlichkeiten des Dr. Ratzinger verschont geblieben und möge sich investigativ selbst aus dem Sessel erheben und die Einzelheiten recherchieren.

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    Alan Posener schreibt

    „… Diskreditierung jenes gewagten Versuchs, einen Katholizismus zu schaffen, der mit der Moderne kompatibel ist.“

    Was soll denn das sein, ein Katholizismus, der mit der Moderne kompatibel ist? Egal, wie er (und die anderen monotheistischen Religionen) sich an die „Moderne“ anzupassen versucht (aggiornamento), er steht als Offenbarungsreligion in einem fundamentalen Widerspruch zum Geist der Moderne, der durch trial and error, durch den methodischen Zweifel, durch einen evolutionären Gesichtspunkt (eine Schöpfung ohne Schöpfer) bestimmt ist. Die Kluft zwischen Glauben/Unglauben und Wissen/Unwissen ist irreduzibel. Die Löcher des Wissens können nicht durch Pfropfen des Glaubens gestopft werden. Die Moderne – das sind, so Sigmund Freud, die narzißtischen Kränkungen der Menschheit als „Krone der Schöpfung“ durch Kopernikus, Darwin und das freusche Unbewußte. Albert Einstein schrieb kurz vor seinem Tod 1954

    „Das Wort Gott ist für mich nichts als Ausdruck und Produkt menschlicher Schwächen, die Bibel eine Sammlung ehrwürdiger, aber doch reichlich primitiver Legenden. Keine noch so feinsinnige Auslegung kann (für mich) etwas daran ändern. Diese verfeinerten Auslegungen sind naturgemäß höchst mannigfaltig und haben so gut wie nichts mit dem Urtext zu schaffen. Für mich ist die unverfälschte jüdische Religion wie alle anderen Religionen eine Incarnation des primitiven Aberglaubens.“ (http://www.sueddeutsche.de/wis.....-1.1490997)

    Was will also der „anglikanische Atheist“ Alan Posener, warum will er den (Aber-)Glauben durch eine Kompatibilität an eine, soweit ich Posener verstanden habe, relativistische Moderne retten?

    @ derblondehans

    Mit meinem „Kumpel“ Sloterdijk haben Sie Alan Posener, der Stalin noch auf der Seite der Engel stehen sah, ziemlich geärgert. Aber – Frage – ist die Verabsolutierung des Holocaust lediglich einem ideologischen Manöver des linken Faschismus zu verdanken?

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    Lieber Stefan Schwarz, Sie müssten nur ein wenig recherchieren, sich dabei nicht einmal aus Ihrem Sessel erheben, ja nicht einmal mehr tun als den (nicht von mir verfassten!) Wikipedia-Eintrag zu meiner Person lesen, und Sie hätten sich diesen ganzen Pseudo-Psychologismus ersparen können. Dass ich an der 68er Bewegung keine Kritik geäußert hätte, ist lächerlicher Unsinn. Hier geht es aber nicht um mich, sondern um Ratzinger, nicht um 68, sondern um Vatikanum II. Auch das bitte ich bei den Kommentaren zu berücksichtigen.

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    Alan Posener „macht den typischen“ Fehler wie die Alt-68er-Generation, sich erstens gegen weiter reichende Erkenntnisse aus der Post-68er-Zeit zu wehren, weil man diese „Generation“ die eigene Jugend nicht konterkariert sehen will – ein typisches Phänomen, das schon seit den 1950er Jahren in Deutschland mit dem damals weithin verklärten Rückblick auf die unselige Zeit davor bei Millionen Deutschen zu begutachten war, und das bis heute nachwirkt.
    Zweitens wurde erst die „Post-APO“ sozialisierte Generation fähig, die Risiken totalitärer Versuchung der Alt-68er mit deren partieller oder kompletter Re-Demokratisierung zu einem gewichteten Gesamturteil zu verknüpfen – das milder ausfällt als das von Ratzinger, aber weit weniger anerkennend als uns die Laudatoren der eigenen Jugend ständig Glauben machen wollen. Diese Beoabchtung ist auch typisch: wer „damals dabei“ war, der löst sich (fast) nie von mehr oder weniger stark ausgeprägten Verklärungen. Das ist ein zwar urmenschliches, in den Untiefen unserer deutschen Seelen mutmaßlich vielleicht noch tiefer verankertes Phänomen.
    Drittens wünsche ich mir was: vom starken Alan Posener mal eine „starke Meinung“, durchaus kritischer, vielleicht gar selbstkritischer Natur, zu diesem Phänomen und zu dieser Phase deutscher Nachkriegszeit, zwischen partiell autoritärem Staat und partiell autoritärer Denkschule der „68er“. Es muss keine autobiographischen Züge tragen, es könnte aber ein Stück bester Aufklärung im mehrfachen Sinne werden. Meine Generation, „post-APO-sozialisert“, kann nur ex post beurteilen, auch urteilen. Erklären könnten die, die dabei waren – ohne den Firlefanz der besseren Moral.
    Solche Beiträge moderner demokratischer Aufklärung wären (noch) verdienstvoller als das, für die Alt-68er typische, „sich-abarbeiten“ an Institutionen, die für diese Gruppe „schon damals“ oder gar „schon immer“ ein störendes Element dargestellt haben. Merke: John Lennnon war groß – aber „religion“ bleibt größer. Nihilsmus und Agsnostik haben die Menschheit weit weniger zu Fortschritt und weit mehr zu Brutalität getrieben als die zvilisatorischen Einflüsse tarnszendenter Ansätze.
    Gerade aus der „Generation Anti“ und der APO fehlen noch immer die großen, selbstreflexiven Beiträge über diese Zeit. Nicht solche von Konvertiten, nicht die zahllosen der Verklärer, sondern die der Aufklärer. Ratzinger-Bashing hin, Ratziger-Bashing her.
    Ihr lieben, geschätzten und kritisierten wie kritisierenden Alt-68er: Friede sei mit Euch. Und mit Eurer starken Meinung.

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    … und ’s geht noch dicker:

    Ein Dokumentarfilm aus dem Jahr 2008 über den sowjetischen Kommunismus und die sowjetisch-deutsche Zusammenarbeit vor 1941. Regie führte Edvīns Šnore, der auch das Drehbuch verfasste. Gesponsert wurde der Film von der UEN-Fraktion des Europäischen Parlamentes.

    Der Film argumentiert, dass es enge philosophische, politische und organisatorische Verbindungen zwischen dem nationalsozialistischen und sowjetischen Systeme vor und während der frühen Stadien der Zweiten Weltkriegs gegeben habe. Er thematisiert die Große Säuberung, den Holodomor, den Molotow-Ribbentrop-Pakt, das Massaker von Katyn, die Gestapo-NKWD Zusammenarbeit, die sowjetischen Massendeportationen und die medizinischen Experimente in den Lagern des GULAG.

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    APo: Sloterdijk macht den typisch deutschen Fehler, nicht über den deutschen Tellerrand zu gucken. Selbst wenn seine Aussage für Deutschland stimmen sollte: für die USA gilt sie genausowenig wie für Frankreich, für Polen ebensowenig wie für die CSSR. Und für die vielen Juden, die auch in Deutschland 68 dabei waren, auch nicht, das nur nebenbei.

    … nix da. Lesen Sie die Rede von Ulrich Schacht, von 1984 bis 1988 Feuilletonredakteur ‚Die Welt‘, danach bis 1998 Leitender Redakteur der ‚Welt am Sonntag‘, anläßlich des sechzigsten Jahrestages der Errichtung des Sowjetischen Speziallagers Nr. 7 Oranienburg-Sachsenhausen.

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    Sloterdijk macht den typisch deutschen Fehler, nicht über den deutschen Tellerrand zu gucken. Selbst wenn seine Aussage für Deutschland stimmen sollte: für die USA gilt sie genausowenig wie für Frankreich, für Polen ebensowenig wie für die CSSR. Und für die vielen Juden, die auch in Deutschland 68 dabei waren, auch nicht, das nur nebenbei.

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    Der Vatikan ist mehr Geopolitik als Religion. ABIN, Brasiliens Intelligenz Dienst hatte in seiner Publikation eine Abhandlung ueber den Internationalen Intelligenz Dienst des Vatikans – SANTA ALIANCA, und ueber den „Verfassungschutz&Abwehr“ des Vatikans – SODALITIUM PIANUM. ABIN ist sicherlich nicht der einzige Intelligenz Dienst welcher sein Personal ueber den Vatikan „aufklaert“…

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    … moin, moin. Gott wollte den Küng nicht. Gott will Benedikt XVI..

    … und ‚Lyoners‘ Kumpel Peter Sloterdijk in einem Interview über die 68er-Republik: ‚Daß massivste ideologische Manöver des Jahrhunderts bestand ja darin, daß der linke Faschismus nach 1945 den rechten lauthals anklagte, um ja als dessen Opponent zu gelten. In Wahrheit ging es immer nur um Selbstamnestie. Je mehr die Unverzeihlichkeiten der Untaten von rechts exponiert wurden, desto mehr verschwanden die der Linken aus der Sichtlinie. In dem Zusammenhang muß man die Mao-Plakate über den Köpfen der Revoltierenden von damals verstehen. Die radikale Linke hatte sich selbst die Absolution erteilt, und die Ikone Mao war ein Garant ihres Verständnisses für den guten Terror. Die Zersetzungsprodukte dieser Hyperlüge gehen uns bis heute auf die Nerven.‘

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