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Die Politik hat´s vermasselt: Über die Irrtümer der neuesten Empörungsliteratur

Gegenwärtig haben Empörungsschriften Hochkonjunktur. Den Anfang machte die  Streitschrift „Empört Euch!“  des 95jährigen deutsch-französischen Schriftstellers Stéphane Hessel. Sie wurde in alle europäischen Sprachen übersetzt und diente der Occupy-Bewegung als Erweckungs-Evangelium. Darin geißelt Hessel die „Diktatur der Finanzmärkte, die […] Frieden und Demokratie […] gefährden.“ Für ihn ist die Marktwirtschaft zu einem „Tanz um das goldene Kalb“ geworden.

Dem Leser der Schrift erschließt sich freilich nicht, warum er seiner Suada gegen die „Macht des Geldes“ eine hasserfüllte Kritik an der Politik Israels gegenüber den Palästinensern beimengt („Verbrechen gegen die Menschlichkeit“). Sollten ihn dabei antisemitische Reflexe   umtreiben? Galten die Juden doch bei den Antisemiten als Vertreter des „raffenden Kapitals“. Schlimm ist, dass Hessel den Terror von Hamas und islamistischem Dschihad als „Erscheinungsform von Verzweiflung“ verharmlost. Was die Wortwahl angeht, sind auch die jungen Occupy-Aktivisten nicht zimperlich. In Frankfurt belagern sie seit Monaten den EZB-Büroturm und sprechen von „Manager-Ratten“, die sie bekämpfen wollten. Wissen die jungen Leute nicht, wie sehr sie sich der Nazi-Sprache  annähern, die die Juden als  Ungeziefer verunglimpfte?

Eine andere „Anklage gegen den Finanzkapitalismus“ (so der Untertitel) stammt vom Chef der innenpolitischen Redaktion der Süddeutschen Zeitung, Heribert Prantl. Mit dem Titel „Wir sind viele“ bezieht er sich direkt auf die Occupy-Bewegung gegen die Wallstreet in New York, die vorgibt, 99 % der Bevölkerung zu repräsentieren. Kernthese der Schrift ist die Behauptung, die „Dirigenten des internationalen Geldmarkts [hätten alles getan], die Politik demokratisch gewählter  Regierungen  ihrer Disziplin  zu unterwerfen. Sie haben Regierungen genötigt.“ – Prantl  verleiht seiner Kapitalismusschelte höhere (geistliche) Weihen, indem er serienweise aus der Bibel zitiert. Selbst vor  mystischen Anleihen schreckt er nicht zurück, wenn er vorschlägt, den Finanz-Analysten ihren Ungeist durch „den Besuch eines guten Exorzisten“ auszutreiben.

Auch Schriftsteller beteiligen sich an der moralischen Verurteilung der „Märkte“. So polemisiert der Autor Ingo Schulze unter dem Titel „Unsere schönen  neuen Kleider“ gegen die „marktkonforme Demokratie“. In ihr werde „unser Gemeinwesen […] systematisch gegen die Wand gefahren, indem es seiner Einnahmen beraubt wird.“ Als gelobtes Land erscheint am Horizont – gleichsam als rückwärts gewandte  Utopie –  die DDR, wo „manches besser und sinnvoller [war],  als es heute ist.“ – Na, dann viel Spaß bei der Wiederbelebung des ersten „Arbeiter – und Bauernstaates“ auf deutschem Boden.

Es ist merkwürdig, wie intelligente Menschen zu irrationalem Denken Zuflucht nehmen, wenn es darum geht, die „Märkte“ zu verdammen. Diese  werden als Feinde der Gesellschaft dämonisiert. Ihnen wird unterstellt, dass sie als  finstere Macht die edlen Anstrengungen der Politik unterlaufen und das Land in den Abgrund führen. Selbst ein ausgewiesener  Ökonom wie Horst Köhler, ehemaliger Bundespräsident, nannte die Finanzmärkte „Monster“. Von einer wissenschaftlichen Durchdringung des Problems zeugt eine solche Diktion nicht.

Warum sind sie die Finanzmärkte ständigen Angriffen von Politikern ausgesetzt? Der Grund ist einfach. Die Investoren zeigen  durch ihr Anlageverhalten mit dem Finger auf das Fehlverhalten der Politik. Die meisten der Probleme, die zur Euro-Krise geführt haben, sind von Politikern verursacht worden. Griechische Politiker haben den Staat als Selbstbedienungsladen benutzt, um nach den Wahlen Angehörige ihrer Wählerklientel  und ihres Clans  in den ineffektiven Staatsdienst aufzunehmen. Das Geld dafür liehen sie sich auf den internationalen Kapitalmärkten. Den Zutritt zur Euro-Zone schafften sie nur durch Fälschung der Staatsbilanzen. Auch die Gremien der EU haben versagt. Die Prüfung der ökonomischen und finanziellen Rahmendaten Griechenlands wurde schlampig durchgeführt. Da man das Land partout in den Euro-Raum aufnehmen wollte, sah man gerne über ökonomische Warnzeichen hinweg. Als Deutschland selbst das Defizit-Kriterium der EU von 3% nicht mehr einhalten konnte, übten  der damalige Bundeskanzler Schröder (SPD) und sein Kanzleramts-Chef  Frank Walter Steinmeier  so lange Druck auf die EU-Gremien aus, bis das Kriterium aufgeweicht wurde. Dies konnten die ökonomisch schwachen Südländer Europas nur als willkommene Einladung begreifen, ihrerseits nicht mehr solide zu wirtschaften. So ist es dann auch gekommen. Ein eindeutiger Fall von  Politikversagen.

Auffällig ist, dass in der Finanzkrise, die von dem Zusammenbruch der US-Investmentbank  Lehman Brothers ausgelöst wurde, vor allem die halbstaatlichen deutschen Landesbanken  betroffen waren. Nicht die viel gescholtene Deutsche Bank mit der Hassfigur Josef Ackermann an der Spitze hatte sich verzockt, sondern die vermeintlich  biederen Landesbanken. Sie  mussten durch staatliche Geldspritzen oder Bürgschaften gerettet werden. In ihren  Aufsichtsräten sitzen Politiker, oft solche, die nach ihrer aktiven politischen Laufbahn auf einen gut dotierten Versorgungsposten gehievt wurden. Marktversagen oder Politikversagen?

Auch in  Spanien sind es vor allem die kommunalen Sparkassen, die vor dem Zusammenbruch bewahrt werden müssen. In der FAZ war dazu Enthüllendes zu lesen:

„Es ist kein Zufall, dass in Spanien nicht die noch immer profitablen Privatbanken das Finanzdesaster mit verursacht haben, sondern die Sparkassen, die dem Gemeinwohl verpflichtet sind. In diesen „Cajas“ saßen und sitzen Politiker, Gewerkschafter und Lobbyisten, die zum Teil vom Bankgeschäft keine Ahnung haben und deshalb die riskantesten Investitionen und Geschäfte tätigten. In den Verwaltungsräten wurden gute, aber ahnungslose „Freunde“ mit Jahresgehältern von mehr als hunderttausend Euro untergebracht. Das vielleicht spektakulärste Beispiel war eine Ballerina in einer valencianischen Sparkasse, die weder wusste, wie sie dorthin kam, noch was sie dort sollte.“ (FAZ vom 25. 07. 2012)

Aber auch die Bürger haben eine Mitschuld an der europäischen  Staatsschuldenkrise. Sie wählen gerne die Parteien, die ihnen immer neue staatliche Wohltaten versprechen, und sei es nur auf Pump. Politologen nennen  die Form der  Demokratie, die in modernen Wohlfahrtstaaten Platz gegriffen hat,  „Wählerbestechungsdemokratie“.  Die an der Macht befindliche Elite will die Macht nicht verlieren und beschenkt große Teile der Bevölkerung vor der Wahl mit sozialen Wohltaten. Die Opposition steht dem nicht nach und verspricht für den Fall ihrer Herrschaft  das Blaue vom Himmel. Da diese Segnungen nicht durch Staatseinnahmen gedeckt sind, werden sie „auf Pump“ finanziert. Das ist die  wirkliche Ursache für die überbordende Staatsverschulung – auch in Deutschland. Von den Wählern zu erwarten, dass sie solche Geschenke zurückweisen und die Parteien, die sie machen, abstrafen, wäre zu viel verlangt. In Nordrhein-Westfalen konnte man vor kurzem  besichtigen, dass eben die Politikerin, die das Land in die Schuldenfalle getrieben hat, die Landtagswahl haushoch gewann. Wähler verhalten sich wie Junkies, denen man auch nicht zumuten kann, dass sie aus moralischen Gründen clean werden. Die Umkehr kann nur von einem neuen Typus    Politiker kommen, der das Wohl des Staates über das seiner Partei und auch sein eigenes stellt. Der portugiesische Ministerpräsident Pedro Passos Coelho scheint ein solcher Politiker zu sein. Vor kurzem stellte er  sich vor sein Volk und sagte voll Inbrunst, er wolle lieber die nächsten Wahlen verlieren, als sein Land untergehen sehen.

Noch ein Wort zur Gier, die  unsere  Empörungspropheten  immer zuerst den Bänkern unterstellen. Die Gier regt sich  in uns allen. Nach dem Zusammenbruch der Lehman-Bank verloren auch  deutsche Rentner ihre Ersparnisse, weil sie sie in Papieren  dieser Bank angelegt hatten. In einer TV-Sendung wurde ein Rentner aus Kiel danach  gefragt, wie es zu dieser riskanten Geldanlage kam. Er erzählte, dass ihm ein  Mitarbeiter der Kieler Sparkasse  drei  Anlage-Alternativen angeboten  hatte: das normale Sparbuch mit einem Zinssatz von 1,5 %, eine Anleihe der Firma Siemens mit 3,5 % und ein Papier aus New York von der Lehman Brothers – Bank mit 7, 5 %. Je höher der Zinssatz, desto größer das Verlustrisiko, so die Auskunft des Angestellten. Ohne Bedenken griff der Rentner zum risikoreichsten Papier und verlor alles. Sein selbstkritischer Kommentar: „Ich war halt zu gierig.“

Vor den Empörungspropheten sei  gewarnt. Die Nebenwirkungen ihrer Rezepte stehen nicht im Beipackzettel. Die erste Empörungsschrift, quasi  die Mutter aller Streitschriften, stammt von  Karl Marx und seinem Freund Friedrich Engels. Erschienen ist sie im  Jahre 1848.  Es handelt sich um das  „Das Manifest der kommunistischen Partei“.  Darin fordern die beiden Kommunisten das „radikalste Brechen mit den überlieferten Eigentumsverhältnissen“. Als glückversprechende  Verheißung malen sie das kommunistische Utopia aus, wo „die freie Entwicklung eines jeden die Bedingung für die freie Entwicklung aller“ sei. Was aus der  freundlichen  Utopie geworden ist, kann man im Geschichtsbuch nachlesen. Die Älteren unter uns haben im östlichen Teil unseres Landes  die  Auswirkungen noch leidvoll am eigenen Leib erleben müssen.

 

 

 

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26 Gedanken zu “Die Politik hat´s vermasselt: Über die Irrtümer der neuesten Empörungsliteratur;”

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    @KJN

    Es gibt gute Privatschulen und es gibt schlechte Privatschulen.

    Es gibt gute staatliche Schulen und es gibt schlechte staatliche Schulen

    Und wenn ich sehem wie nach den Investitionen im Gesundheitsbereich, den Investitionen im Wsasserbereich jetzt auch Investmentfunds im Bildungssektor einen run erleben

    und ich auf der anderen Seite von meinen US-Kollegen das Klagen über die hohe Verschuldung im Bildungssektor erfahre..man schätzt dass die Schulkdenlast der US Universitätsabsolventen ca, 1 Bill.$ beträgt (eine europäische Billion) und ich auch in .de die zunehmende Verschuldung der Unibasolventen erkenne, dann wissen wir doch wer die Zeche zu zahlen hat.

    Und was das Abjagen der Lehrer betrifft.
    In Schweden werden durch das überproportionale Wachstum der Privatschulen jetzt die Schüler abgejagt:-)

    Leider sind die Köder nicht bessere Qualität des Unterrichts sondern bessere Zensuren und was das bedeutet brauche ich Ihnen nicht zu erklären.

    Wenn Sie auf dem Entstaatlichungstrip sind, dann schließen Sie sich doch einfach der deutschen tea-party Partei an 🙂

    Wie heißt es in der neuen Version von Animal :

    Privat gut

    Staatlich schlecht

    Aber Sie wollten ja schon immer auswandern, weil anderswo die Wiesen angeblich viel grüner sind.

    Sorry lieber KJN,

    wenn ich hier Ihre Position ” überkritisch ” darstelle

    Ich kann Ihren Frust verstehen, nur das was wir derzeit im Finanzbereich erleben, und ich erlebe es sehr hautnah, bedeutet für mich und meine Kollegen ganz banal:

    So geht es nicht weiter.

    Wer hier immer noch glaubt mit Supply and demand und Adam Smith und Friedman und Keynes regeln wir die Finanz, Bildungswelt (nebenbei Friedman ” erfand “den Bildungsgutschein als angeblich d a s Mittel um die Marktgesetze auch im Bildungssektor wirken zu lassen)und alle anderen Welten, der verkennt die eigentliche Situation.

    Der Kapitalismus war schon immer von Krisen geprägt. Nicht umsonst besinnt man sich in diesen Tagen wieder auf die Wirtschaftshistoriker.

    Und wenn wir schon systemimmanent in supply and demand und competition denken:

    Warum nicht statt des Monopols des Kapitalismus nicht Oligopole anderer Wirtschaftsformen entstehen lassen.

    Wenn ich richtig informiert bin (und da wäre ich wieder bei meinem Lieblingsthema den Genossenschaften und Ellinor Ostrom und der Almende als ein möglicher Ausweg, wohl gemerkt möglicher Ausweg!!!) steigt der Anteil der Bürgerenergiegenossenschaften rapide, bereits >10/15% ?

    Und um auf Ihr Thema Bildung zurückzukommen, warum nicht auch Bildungsgenossenschaften, sprich Schulen und Universitäten.

    Erste Anfänge existieren bereits.

    Was die Privatuniversitäten in Deutschland betrifft, so sieht die Bilanz sehr schlecht aus:

    Wie bei den Banken heißt es:

    Gewinne werden privatisiert

    Verluste werden sozialisiert.

    Ihrer Analysen zu dem ” administrativen Ballast ” in den Schulen kann ich voll und ganz zustimmen. Wir und meine Kollegen egagieren uns an öffentliche Schulen pro bono und sehen tagtäglich den administrativen bullshit.

    Und wer bringt den wohl in die Schulen.

    Federführend ist da die Bertelsmannstiftung mit Ihren Consultants nicht zu vergessen McKinsey und die anderen boys and girls

    Wir evaluierien uns zu Tode, statt zu unterrichten. Aber das ist ein anderes Kapital

    Vielleicht entwickeln wir uns von einer owner-Gesellschaft zu einer share Gesellschaft.

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    @Parisien
    Da ist natürlich viel Besitzstand, der verteidigt wird (-> Stundenpläne, “Sonderaufgaben” statt Unterricht etc.). Aber Bitte nicht das Kind mit dem Bade ausschütten, es gibt vermehrt angestellte Lehrer, die übrigens netto erheblich weniger verdienen, von denen aber das Gleiche erwartet wird. Und es gibt Lehrer, die Ihren Beruf richtig gerne machen.

  3. avatar

    @ KJN
    Sicher sind die zu Ihnen nett, wenn Sie dort arbeiten. Sie sind auch zu sich selbst nett, machen den Stundenplan zum Beispiel so, dass ihre eigenen Stunden zusammen liegen, aber die der Schüler dafür nicht.
    Sie sind auch “nett”, wenn man nett zu ihnen ist und einsieht, dass der Schüler immer der Idiot ist. Wie Sie sagen. Sie müssen ja recht haben, denn die Kinder (und Eltern) sind die Idioten. Schließlich sind sie keine Beamten, also müssen sie Idioten sein. In diesem Land sind nur Beamte keine Idioten. deswegen schreien sie auch mal los, wenn ein Formular falsch ausgefüllt wird. Sie dürfen sich auch beliebig daneben benehmen, weil sie nicht kündbar sind, Pension sicher.
    Und ein weiteres Problem sind die todlangweiligen Lehrpläne.

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    @Parisien
    Na klar, Parisien, Lehrerbashing geht immer (“Pfeifen, die nicht erklären können”).
    Ich finde, aber auch Bashing der Schüler und Eltern: Die nämlich nicht kapieren wollen, daß ihre stets hochbegabten Sprösslinge nicht “wegen dem Lehrer” nichts lernen und dauernd den Unterricht stören, sondern weil bei ihnen einfach zu hohe Ansprüche an die Umwelt typischerweise mit zu geringer Eigenintelligenz zusammentreffen, sie also schlichtweg zu faul oder zu blöd oder beides sind, den Unterrichtsstoff zu erfassen, gerne auch auf vererbter Basis. Daß vor allem solche Dumpfbacken gutgekleidete jüngere Lehrer, die ihnen noch den Ar.. nachtragen bevorzugen, liegt auf der Hand.
    Führt also zu nix, ich versuche es also anders:
    “Unterricht [sei] nur ein geringerer Teil der Lehrertätigkeit”, so ein mir gut bekannter Schulleiter: Das geforderte Selbstverständis des Lehrers ist also tatsächlich das des Beamten, des Verwalters, des Prüfers. Und des Erfüllungsgehilfen einer 16-fachen Schulbürokratie, die auch ihren Tätigkeitsnachweis dokumentiert haben will. Was den guten Unterricht behindert, ist nicht das “geringe” Gehalt (es ist hoch genug), sondern sind Sitzungen, Fachausschüsse, Aktionstage, Projekte, Initiativen, Außendarstellung der Schule, Sozialarbeit, Elternarbeit, Disziplinierungsbürokratie, Konferenzen, Dokumentation für justiziable Notengebung etc.
    Ich bin kein Fußballfan, aber der ist ja bekanntlich auf’m Platz und es wäre schön, wenn das Lernen wieder in den Unterricht käme und nicht in die Hausaufgaben und Nachhilfestunden.
    Ich habe einige Jahre nebenberuflich für ein paar Stunden die Woche an einem Gymnasium mit einem sehr netten Kollegium unterrichtet und man fragte mich sogar, ob ich nicht “ganz” Lehrer werden wolle. Ich habe abgelehnt, weil ich in meinem Alter keine Gängelung persönlicher Eigenarten per Referendarzeit mehr meine zu benötigen, aber man weiß ja nicht, was man noch so muss, weil man ja heutzutage so alt wird. Ich kann deswegen das, was Sie da immer wieder über Lehrer schreiben, nicht so stehen lassen.
    Und “Zwingburg” weil es nicht anders geht, das ist der Preis der Zivilisation. Der Dauerschulstreit geht seit Kaisers Zeiten um den Nürnberger Trichter, den es nicht gibt. Und die ach so “beliebten”, “guten”, “engagierten” und “netten” Lehrer sind vielleicht mehrheitsfähig im Sinne des derzeit geltenden mainstreams, aber noch lange nicht gut für die Minderheit der bereits etwas “profilierten”, oder böse gesagt, einseitig begabten Schüler (wie ich selber einer war).
    Der von mir bereits skizzierten Kanon muss sein und für mich war die Schule in Sprachen eine “Zwingburg” und ich bin im Nachhinein dankbar dafür. Ich habe mit meinem Sohn darüber geredet, der das genauso sieht. Alles andere ist Augenwischerei.

    @Moritz Berger
    Ich kann nicht erkennen, was angesichts einem länderbasierten Schulsystem, wo ein Bundesland dem anderen die Lehrer in Mangelfächern abjagt, noch gegen Privatschulen sprechen soll. Mir wäre – ehrlich gesagt – die komplette Entstaatlichung der Schulen bei einem bundesweiten Zentralabitur und entsprechenden Standards im Curriculum sowie einheitlichen Schulbüchern lieber, als das jetzige Chaos. Das zu vermittelnde Wissen ist alt, da braucht es keine Exzellenzinitiativen, keine Elitenförderung, keine Hochleistungsschulen. Gleiches gilt m.E. für Universitäten für die Grundausbildung. Wer sich in der Diplomarbeit oder der Promotion spezialisieren will, kann dann die Uni wechseln. Frühere Spezialisierung ist Humbug.
    Aber schon wieder sehe ich die Kleider des Kaisers nicht.

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    @ Moritz Berger
    Gelesen über moral values in banking. Es ist doch etwas Hoffnung, wenn Leute nach vorn treten und Verhältnisse ändern wollen wie hier:
    “I hope this can be a wake-up call to the board of directors. Make the client the focal point of your business again. Without clients you will not make money. In fact, you will not exist. Weed out the morally bankrupt people, no matter how much money they make for the firm. And get the culture right again, so people want to work here for the right reasons. People who care only about making money will not sustain this firm — or the trust of its clients — for very much longer.”
    http://www.forbes.com/sites/paulhodgson/2012/03/14/goldman-sachs-where-is-the-toxic-culture-and-how-far-does-it-spread/

    Und so was kann man fast nicht mehr Kapitalismus nennen, denn zum Kapitalismus gehören auch die Hersteller:
    http://www.foreignpolicy.com/articles/2011/04/27/how_goldman_sachs_created_the_food_crisis

    Ob die Moral wohl zurückkehrt? Man kann nicht Kapitalismus sagen, auch nicht Banken, man muss ganz einfach Werteverlust sagen.

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    @KJN
    Ich meine daher: Keine Beeinflussung von Bildungsinhalten durch die Großwirtschaft. Wissen mit kurzer Halbwertzeit gehört weder in Schulen noch Universitäten.

    Weitere Stichworte:

    Bertelsmanisierung des Bildungswesen

    Bildungssektor wird als ” Wachstumsbranche ” angesehen.

    Wann legt Bertelsmann (gemeinnützige Stiftung :-)in Europa den ersten Bildungsinvestmentfond auf:
    http://www.studis-online.de/HoPo/art-1371-bertelsmann-bildung.php

    http://www.universityventuresfund.com/

    http://www.altassets.net/private-equity-news/by-news-type/fund-news/bertelsmann-becomes-anchor-investor-in-100m-university-ventures-fund.html

    Hier ein paar Details zu dieser ” gemeinnützigen Stiftung “:

    “Eine nicht-staatliche Nonprofit-Organisation fordert „weniger Staat“ und besitzt die Aktienmehrheit eines Konzerns, von dessen Tochterunternehmen eines sich anschickt, Dienstleistungsaufgaben der öffentlichen Verwaltung zu übernehmen und gewinnbringend in privatwirtschaftlicher Regie zu betreiben. Schließlich das Paradoxon, dass ein unternehmerischer Global Player mehrheitlich einer als gemeinnützig anerkannten, durch Steuerbefreiung staatlich alimentierten Stiftung gehört, deren Think Tanks sich mit Unterstützung seitens der Konzern-Medien anschicken, politische Mandatsträger in Fragen sowohl der Bildungs-, Wirtschafts-, Arbeitsmarkt- und Sozialpolitik als auch der europäischen, der transatlantischen sowie der internationalen Militär-, Sicherheits- und Migrationspolitik zu beraten, um sie dadurch im Firmeninteresse zu beeinflussen.”

    aus:
    http://www.springerlink.com/content/k631345265v03072/

    Und da erzählt uns ein Lehrer etwas von der ach so tollen Marktwirtschaft.

    Dass Herr Posener auch gegen die Kartelle, Oligipole und Monopole ist wissen wir mittlerweile.

    Nur dagegen zu sein hilft leider nicht nicht.

    Daher:

    Wir stellen wir diese Mißstände ab??

    Ziehen wir uns auf unseren Bauernhof zurück 🙂

    Zurück zur Natur (idylle) mit Rousseau

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    @ KJN
    D’accord, aber wieso das?:
    “Schule als konservative Zwingburg”

    Meine Kinder haben einen brillanten Lehrer. Dieser macht den Unterricht interessant und schreibt nicht zu schwere Klassenarbeiten. Dann haben sie noch einen, der ausgesprochen schweren Unterricht gibt, Humor hat und die Klassenarbeiten etwas leichter macht als seine Stunden. Dann gibt es noch eine angenehme sehr junge Lehrerin, die sehr viel beibringt, sich gut anzieht (wichtig) und freundlich ist. Bei diesen haben sie gute Noten, und auch der Rest der Klasse ist im Schnitt gut. Der Rest des Lehrkörpers besteht weitgehend aus a) Pfeifen, die keine Lust haben, b) Pfeifen, die den Stoff nicht erklären können und c) Pfeifen, die Beamte in jeder Hinsicht sind. Das ist ein Dauerdrama in jeder öffentlichen Schule und manchmal auch in privaten. Dort aber wird ihnen gekündigt.

    Ich vermute, dass Lehrer, wenn sie brillant verdienen würden, nicht verbeamtet und kündbar wären und es einen Numerus Clausus gäbe, damit die Besten das machen, einen höheren Prozentsatz an Schülern für die Schule interessieren würde. Die Wirtschaft, die die Besten anzieht, hätte sekundär etwas davon.

    Was Sie über die Sujets schreiben, stimmt durchaus. Lobbyisten mischen auch beim Lehrplan mit. Weder wrtschaftliche Tendenzen noch politische Richtungen haben dort etwas zu suchen. Schon ihre Kurzfristigkeit müsste das verbieten.

    Statt in gute Lehrer und Schulen zu investieren, wird Geld verplempert und werden immer neue Lehrpläne erstellt. Reform nennt man das. Die politisierten Lehrpläne führen zu Anpassungsdruck. Der Schwung ist `raus. Humbold, das war einmal.

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    @Parisien
    Nochmal zu Bildung und Ausbildung:
    Wir kommen doch an Schulen/Berufsschulen und den Universitäten kaum nach, den immer spezialisierten Anforderungen der Personalabteilungen gerecht zu werden, die das Maximum herausschlagen wollen, um so interne Fortbildung an die genanten Institutionen auf kosten der öffentlichen Träger der Ausbildungssysteme oder der Eltern (unbezahlte Praktika) und der Familien (“Flexibilität”) ausulagern. Marktbestimmende Arbeitgeber (Großunternehmen) bestimmen heute in allen Ausbildungssystemen, wo es lang geht und wenn sie pleite machen, oder ihr Portfolio ändern – Pech für die Spezialisten.
    Die andere Seite: Der Mittelstand kann dem abgehängten und demoralisierten Rest – innerbetrieblich – wieder den Dreisatz beibringen.
    Ich meine daher: Keine Beeinflussung von Bildungsinhalten durch die Großwirtschaft. Wissen mit kurzer Halbwertzeit gehört weder in Schulen noch Universitäten. Um Kreativität zu entwickeln, reicht das humanistische Bildungsideal, dazu Musik / etwas Kunst und Sport für Psyche und Körper, das Periodensystem, Sonne, Mond und Sterne, der 4-Taktmotor und etwas Rechnen. Informatik und Umweltschutz bestenfalls als freiwillige Projekte Nachmittags. Schule als konservative Zwingburg und Lehrer, die sich freuen, wenn sich ihre Schüler irgenwann davon emanzipieren.
    Meta-Fächer, wie Medienkompetenz, Gesundheitsvorsorge etc. brauchen wir hingegen überhaupt nicht, denn sie behindern eher die Bildung eines gesunden Menschenverstandes, nennen Sie es auch Eigensinn.
    Und wenn der Euro sich nicht rechnet, muss man ihr halt wieder abschaffen und nicht solange warten, bis aber auch jeder Profiteur seine Schäfchen im Trockenen hat.

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    @ KJN
    “Zu Ihrer Frage: Natürlich sind wir in der post-industriellen Gesellschaft. Aber die bietet nicht genügend Arbeitsplätze für z.B. 80 Mio Akademiker & Kreative. Auch kann das nicht jeder. Nehmen Sie bitte die Menschen, wie sie sind. Griechenland ist auch hier das Menetekel.”

    Wohl wahr. Aber wird es nicht niemals genug Arbeitsplätze geben und immer Menschen, die jenseits einer Versorgung, also unabhängig, nicht klarkommen?
    Bedeutet das nicht eher, dass man versuchen muss, den Anteil derer, die das doch können, zu erhöhen?
    War nicht bis zur sub-prime-crisis, die ihre eigenen Spielregeln hat, Amerika geradezu vorbildlich im Hervorbringen unabhängiger und auch erfolgreicher Menschen? Natürlich blieben dabei welche auf der Strecke, die schlecht aufgefangen wurden.
    Ist nicht die von Ihnen erwähnte griechische Misere auch dem Zustand zu verdanken, dass man einen zu großen Versorgungsstaat mit einem aufgeblähten und ineffizienten Beamtenaapparat aufgebaut hat?
    Laufen wir nicht Gefahr, in dieselbe Misere zu versinken, wenn wir in den Schulen Kreativität geradezu aberziehen zugunsten von rein technisch-naturwissenschaftlichem und wirtschaftspolitischem Know-How?
    Wäre es nicht vielmehr an der Zeit, die Kreativität und das unabhängige Denken so zu fördern, dass eine signifikante Zahl an Menschen sich wenigstens ihre eigene Mainung jenseits von mainstreams bauen oder aber mit der Kreativität des Computers mithalten kann?
    Ich glaube übrigens, dass die USA sich erholen werden, wenn sie sich auf ihre Werte besinnen, also vor allem diese Triebe, etwas zu schaffen, etwas Neues zu kreieren, etwas zu erfinden und auf diesen unnachahmlichen Fleiß. Und im Prinzip sind sie schon dabei (Energiesektor), während Frau M. in die von deutschem Pessimismus unterstützte Falle getappt ist, die Jan Z. Volens oben unter Kocks andeutet. Allerdings halte ich die im Gegensatz zu Jan eher für hausgemacht.
    Hausgemacht ist auch das zu stark ausgeprägte Sicherheitsdenken in diesem Land, was bei weitgehend fehlendem Vulkanismus genau in diese Falle geführt hat. Aber was soll man von einem Land erwarten, in dem bekanntlich alle Bäume gestorben und alle an Lebensmittelvergiftungen gestorben sind? Vielleicht hat saurer Regen den Entscheidungsträgern das Hirn vernebelt.
    Und es mag ja sein, dass man sich in den USA über diese Wendung heimlich freut, aber ich kann nicht sehen, dass man die herbeigeführt hat. Jahrelang wurde in den britischen und amerikanischen Medien im Gegenteil davor gewarnt, und diese Warnungen waren zum Beispiel auf achgut für jeden zu lesen. Eine sehr deutsche Eigenschaft ist Eigensinn, das sehen Sie ja auch an mir. Eigensinn darf aber nicht so weit gehen, dass man sich verrennt.
    Und Eigensinn ist auch im Spiel, wenn man beispielsweise um jeden Preis den Euro retten will.

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    @Parisien
    Natürlich altert die Organisation einer Gesellschaft schneller, als deren Bevölkerung (->China, auch D).

    “..so dass sie nicht zu viel Wohnraum wegnahmen.”
    Naja, das Wohnraumproblem heutzutage ist ja wohl eher eine Folge der erzwungenen arbeits”markt”bedingten Mobilität. Wr oft umziehen muss, akzeptiert hohe Mieten. In USA gibt werden Häuser gekauft & verkauft (ich kenne die Grunderwerbssteuer dort nicht), hierzulande ist es nicht üblich, die Immobilien werden eher vermietet. Daher tu’n hierzulande Gentrifizierungen besonders weh.

    Zu Ihrer Frage: Natürlich sind wir in der post-industriellen Gesellschaft. Aber die bietet nicht genügend Arbeitsplätze für z.B. 80 Mio Akademiker & Kreative. Auch kann das nicht jeder. Nehmen Sie bitte die Menschen, wie sie sind. Griechenland ist auch hier das Menetekel.

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    @ KJN
    “Im Ernst: Das (Wirtschafts-)System wird wohl tatsächlich instabil, wenn alle das gleiche fühlen, denken und tun.”

    Ich vertrete die öfter von Genies bestätigte These, dass Individuen genialer sein können und freiwilliger Fleiß besser ist als erzwungener. Und Widerspruch kreativer. Daher kann China auch langfristig Probleme bekommen, wie auch Japan Probleme hat.

    ““Ihr” Stadtschloss lässt aber nachdenken, Parisien: Es sind genau die gleichen weitgehend ungenutzten Immobilien, die nur der Repräsentation dienen, wie im Feudalismus. Sie gehören zum Job.
    Die Funktionsträger der damaligen Elite wurden nicht infrage gestellt, solange das System stabil war. Wie heute.”

    Damals gab es weniger Menschen, ergo mehr Fläche und vermutlich weniger Funktionsträger, so dass sie nicht zu viel Wohnraum wegnahmen. Man sollte bedenken, dass Schlösser wie Versailles, Sanssoucis oder Windsor außerhalb der Städte entstanden. In Paris gab es zwar das Stadtschloss Louvre oder etwa den Palais Royal, aber trotzdem wohnten bis zur drastischen Stadtrenovierung von Haussmann in der Stadt auch Bürger, und zwar auch ärmere Bürger. Heute doch undenkbar.

    Dann stellt sich die große Frage, was mit Louis XVI und Marie Antoinette passiert wäre, hätten sie die Sorgen des Volkes ernster genommen, also ob ihre Hinrichtung mit dem herablassenden Vorschlag zu tun hat, es möge doch Kuchen essen, wenn es kein Brot hätte. Schließlich steht Versailles immer noch. Die Bourbonen waren übrigens sehr gebildet, zum Teil Mazarin-gebildet. Man kann sie daher, finde ich, nicht gut mit gewissen Schichten heute vergleichen, die Zippert so unvergleichlich in einer Lanz-Talkshow umrissen hat, und deren Umgang gelegentlich unsinnigerweiser von Politikern gesucht wird.

    Und zu diesem Absatz stelle ich eine Frage:
    “Andererseits werden sich Nonkonformisten kaum dazu überreden lassen, ein Arbeitsleben in der Fabrik zu verbringen oder auf Baustellen oder in einem langweiligen Büro und irgendjemand muss ja nun produzieren und verwalten.”

    Wenn man bedenkt, dass viel von dieser Fabrikarbeit sich bereits auf Maschinen verlagert hat, wäre es dann nicht viel sinnvoller, Menschen zu kreativen Individuen zunehmend zu erziehen, damit sie selbst Ideen bekommen, womit sie sich ernähren können, für den Fall, dass Angestelltenjobs mehr und mehr aussterben? Jedenfalls kann doch nicht die Lösung sein, statt dessen die Zahl der Beamten weiter zu erhöhen, weil nicht finanzierbar, siehe Griechenland, aber letztlich auch hier.

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    @Parisien, Don Camillo
    Völlig D’accord.
    Aber was wird, wenn wir alle Individuen werden?
    Im Ernst: Das (Wirtschafts-)System wird wohl tatsächlich instabil, wenn alle das gleiche fühlen, denken und tun.

    “Ihr” Stadtschloss lässt aber nachdenken, Parisien: Es sind genau die gleichen weitgehend ungenutzten Immobilien, die nur der Repräsentation dienen, wie im Feudalismus. Sie gehören zum Job.
    Die Funktionsträger der damaligen Elite wurden nicht infrage gestellt, solange das System stabil war. Wie heute.
    Problematisch wird es, wenn die Versprechen der Eliten und der Gesellschaft (Anpassung bringt Sicherheit, Bildung bringt Auskommen etc.) nicht mehr eingelöst werden.
    Und da wir eben weitgehend keine Nonkonformisten sind, schließen wir uns Meinungen und Erklärungen an, die zu kurz greifen oder noch schlimmer: Verschwörungstheorien.
    Andererseits werden sich Nonkonformisten kaum dazu überreden lassen, ein Arbeitsleben in der Fabrik zu verbringen oder auf Baustellen oder in einem langweiligen Büro und irgendjemand muss ja nun produzieren und verwalten.
    Ich glaube, wie immer sind Extreme falsch aber auch, daß man sich heutzutage nicht allzuviel von Anpassung bzw. systemkonformem Verhalten versprechen sollte.

  13. avatar

    Nun ja, Rainer, Marx hat ja nicht nur das Manifest geschrieben, das übrigens eine Lobeshymne auf die kapitalistische Globalisierung enthält, sondern auch die “Fetischisierung” beschrieben, durch die unsere Produkte wie Waren, Geld usw. Macht über uns gewinnen, wie die Fetische primitiver Völker. Wenn Köhler die Märkte als “Monster” beschreibt, dann ist das nur falsch, wenn er nicht hinzufügt, dass es Monster sind, die wir, wie Frankenstein, selbst geschaffen haben. Darum geht es letztlich: unsere eigenen Produkte in den Griff zu bekommen, oder wie ein anderer Denker es ausdrückte, der sich ebenfalls mit der Fetischisierung beschäftigte: “Wo Es ist, muss Ich werden”. Es ist übrigens leicht, “die Politik” wegen der Staatsschulden zu kritisieren, aber wenn der Sozialetat mittlerweile so aufgebläht ist wie früher das Militärbudget, dann liegt das weniger daran, dass die Politiker “Wohltaten verteilen”, als vielmehr daran, dass immer weniger Menschen sich von eigener Arbeit ernähren (können). Jeder Versuch, die Staatsschuldenkrise zu lösen, die dieses Problem nicht angeht, muss scheitern.

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    @ Don Camillo
    Gefällt mir:
    1. Was hindert Menschen daran, sich über die Qualität einer Schafherde zu stellen?
    2. Haben Sie Angst, anders zu sein, als die Anderen in der Herde?
    3. Sind sie zu faul und bequem, eigene Gedanken zu fassen und vorallem danach zu handeln?
    4. Sind sich sich zu sicher, dass andere ihre eigenen Probleme lösen werden?
    5. Sind sie zu festgefahren, um neue Wege zu gehen, die alten zu verlassen, was k ann sie halten?
    6.Sind sie zu dumm, um nachzudenken, dann wären sie den Schafen gleich….

    1. Die, die es versuchen, werden oft massiv gemobbt. Die anderen haben Angst vor dem, der anders ist. Angst auch, dass er die eine oder andere Wahrheit spricht.
    2. Das wird geprägt, schon seit Jahrzehnten. Es fängt mit den Moden an. Keiner will eine Schuluniform, am Ende aber tragen sie doch Uniform, die immer gleichen Marken aus den immer gleichen Ketten.
    In der Schule kann von den Lehrern in den Fächern Deutsch, Philosophie, Geschichte und Wipo negativ sanktioniert werden, wenn eine(r) ihrer Ansicht nach die falsche politische Meinung hat. Das wird beliebig praktiziert. Die falsche Meinung birgt das Risiko einer Fünf.
    3. Nein. Es wird ihnen von Schule, Universität und Fernsehen aberzogen. Journalisten wird es von den Werbeträgern aberzogen. Von wegen Meinungsfreiheit.
    4. Ja. Sie kapitulieren und wissen, dass Papa Staat zur Not einspringt.
    5. Ja. Sie sind auf Sicherheit getrimmt. Überhäuft von Versicherungen und Alarmanlagen. Falls das Geschäft müde wird, kommt mal schnell ein Bericht über die Zunahme von Einbrüchen.
    6. Besonders die Alten. Das hat das Fernsehen gemacht. Guck Sie Dir an, wie sie aus dem Bus steigen und hinter ihrem Führer herdackeln. Sie hatten einen Führer und brauchen weiter kleine Führer. Kaum einer löst sich von der Gruppe,um länger ein Bild anzusehen oder schon mal weiterzugehen. Die Japaner und Chinesen sind ganz genauso, dabei noch am Ablichten. Alles, was der Führer zeigt, wird abgelichtet. Und deswegen – nur deswegen – funktioniert ihre Wirtschaft so gut. Herdentiere, die malochen und im Urlaub einen Führer brauchen. Japan, China, Deutschland. Es ist gewollt. Es hat sich herumgesprochen, wo der Gehorsam wohnt.

  15. avatar

    Ich riskier sicheren Widerspruch ohne Ende, genau deshalb:

    sichere Energieversorgerung – Versorungsabhängige ohne ende
    sichere Wasser- Abwasserversorgung – dasselbe ohne ende
    sichere Arbeitsplätze – Lohnabhängige ohne ende
    sichere Lohnbezieher – Unselbstständige ohne ende
    sichere Konsumentenversorgung – Plunder ohne ende
    sichere Versorgungsempfänger – Risikoscheue ohne ende
    sichere Beamtenstrukur (-dikatur, konnte ich gerade noch vermeiden) – Gegängelte ohne ende
    sichere Rentenanspruchsberechtige – Enttäuschte ohne ende (demnächst in diesem Theater..)
    sichere Geldsparer – ins Ofenrohrguckende ohne ende

    sichere liesse sich fortsetzen – ohne Ende

    Gruss an Alice im Wunderland –
    Dem Wunderland von schwindendem Geld und fallender Börse!

  16. avatar

    Zeit für –
    Mein Glaubensbekenntnis:

    Ich glaube nicht an diese Gesellschaft.

    Ich füge mich nicht ein in Zwänge, Kredite, Leasingraten, Hypotheken, Steuerabgaben, Versicherungen, Verordnungen, Vorgaben, Gesetze, Ängste, Sanktionen und Vorschriften.

    Ich vertraue weder dem ideologisierten Kapitalismus, weniger noch einem gleichmachenden Sozialismus.

    Ich bemittleide Menschen, die ihren Heilsbringern lauschen und deren Rezepten glauben.

    Ich will nie denen glauben, die ihre interessensgesteuerten Heilspredigten halten

    Ich bedaure eine doofe, eine naive Gesellschaft, die Schäfchen gleich, sich lenken läßt und ihre eigene Seele verschenkt.

    Ich glaube an den Menschen, an jeden einzelnen.

    Ich weiss, dass Menschen kraft besitzen, ihre eigenen Fehler korrigieren zu können, sie können aufbauen und abreissen.

    Ich hoffe, dass Menschen nicht verzweifeln an ihrem eigenen moralischen und finanziellen Bankrott.

    Ich setze auf die Intelligenz des Menschen, die Dummheit der Gesellschaften scheint grenzenlos.

    Nein, ich glaube nicht an diese Gesellschaft, ich glaube an den Menschen!

    …. (ich bet´ es morgens, mittags und abends, das hilft ! )

    +

    Was hindert Menschen daran, sich über die Qualität einer Schafherde zu stellen?

    Haben Sie Angst, anders zu sein, als die Anderen in der Herde?
    Sind sie zu faul und bequem, eigene Gedanken zu fassen und vorallem danach zu handeln?
    Sind sich sich zu sicher, dass andere ihre eigenen Probleme lösen werden?
    Sind sie zu festgefahren, um neue Wege zu gehen, die alten zu verlassen, was kann sie halten?
    Sind sie zu dumm, um nachzudenken, dann wären sie den Schafen gleich….

  17. avatar

    In den vergangenen 100 Jahren haben wir (wir=die Welt) den “Arbeiter&Bauern” Marxismus und den “New Yaaark Insider” Kapitalismus erlebt. Beide Methoden – wie manche in vergangenen Epochen seit der Steinzeit – haben fuer zu viele Menschen eine negative Auswirkung. Wenn wir heute ins Weltall fliegen koennen, koennen wir auch neue sozialoekonomische Methoden entwickeln – und Marx/Engels so wie Hayek/Friedman zurueck lassen in derVergangenheit. Am Ende muss die Gesellschaft das soziale und wirtschaftliche Zusammenleben regulieren. Nicht nur “Occupy” und Soros fordern “Neues Denken” – das hoert man jetzt sogar von Koepfen wie Krugmam and Stieglitz -ganz solide Akademiker in USA. Die “Deutsche Bank” ist in grosse Prozesse in USA verwickelt – wegen quasi-kriminelle Methoden in der Inmobilienfinanzierung.

  18. avatar

    @ Roland Ziegler
    Glauben Sie wirklich, das würde an Schulen einer kapieren? Dann müssen Sie das Lehrfach “Kriminelle Energie” einführen. Das Problem bei so was ist m.E., dass es Gut und Böse gibt und Gut (bzw. naiv) sich kriminelle Energie nicht vorstellen kann. Gucken Sie mal auf APo’s Posten das New Yorker Neuzeitschloss an (link aus dem Figaro). Man blickt überhaupt nicht hinter diese neureiche Gier-Mentalität. Ich finde aber, “Die Firma” von Grisham gab schon eindeutige Hinweise auf eine sich entwickelnde Gigantomanie, schlimmer als jeder König. Damals hielt man das noch für Phantasie.

  19. avatar

    …die “Zeit” bezeichnet den angesprochenen Liborskandal als das bald “größte Wirtschaftsverbrechen der modernen Geschichte”. Dämonisierung? Nein, dieses Großverbrechen sollte genauestens aufgeklärt und ERklärt werden – in der Schule und anderswo.

  20. avatar

    Herr Werner, Sie sind ein Lehrer. Machen Sie sich doch mal dafür stark, dass “die Märkte” in den Schulen besser, länger und tiefer erklärt werden. Dann klappts auch mit dem Rationalismus. Der Grund, warum alle “die Märkte” dämonisieren und Sie diese Klage führen, ist, weil keiner sie zu Schulzeiten je kennengelernt hat. (Sie und mich eingeschlossen.) “Die Märkte” sind wie eine Macht, von der keiner was Klares gehört hat, die aber über einen kommt wie eine Großwetterlage und bei der ein paar Insider (“toughe Nordafrikaner mit hohem Testosteronspiegel” – O-Ton Deutsche Bank) an den Hebeln drehen, mit ungeheuren Auswirkungen, und niemand schaut ihnen auf die Finger, weil keienr kapiert, was die da tun.

  21. avatar

    Empörungsliteratur hat es doch schon immer gegeben, wie Sie zu Recht im letzten Absatz anmerken.

    Das der Kapitalismus seit seiner Entstehung Krisen aufweist weiß mittlerweile auch jeder.

    Das bedeutet doch logischer Weise nicht, dass man den Kapitalismus in seinen negativen Auswirkungen kritisieren kann.

    Ihre hier ausgebreiteten Kenntnisse zur Ökonomie in allen Ehren.

    Nehmen wir das Beispiel Ihres gierigen Rentners mit den Lehman Papieren.

    Im einzelfall und einer weiteren Vielzahl haben sie Recht.

    was sie vielleicht nicht wissen, Neben dem Grundgehalt eines Bankangestellten gibt es auch auf unterer ebene Boni.

    Was das in der Realwelt bedeutet brauche ich sicherlich nicht hier weiterausführen.

    Ihr Hohelied von der freien Marktwirtschaft in allen Ehren, leider ist die vermeintliche Marktwirtschaft nicht so frei, wie Sie es glauben.

    Und dies nur zum Teil am Staat.

    An anderer stelle habe ich bereits hier Soros zitiert und da Sie Lehter sind und wissen, dass man Inhalte immer wiederholen muß um sie sich einzuprägen, hier noch einmal der Hinweis:

    George Soros aus dem Jahr 1997 (1O Jahre vor Lehman)

    The Capitalist Threat
    What kind of society do we want? “Let the free market decide!” is the often-heard response. That response, a prominent capitalist argues, undermines the very values on which open and democratic societies depend.

    by George Soros

    A Capitalist in the Philosophy of History, Hegel discerned a disturbing historical pattern — the crack and fall of civilizations owing to a morbid intensification of their own first principles. Although I have made a fortune in the financial markets, I now fear that the untrammeled intensification of laissez-faire capitalism and the spread of market values into all areas of life is endangering our open and democratic society. The main enemy of the open society, I believe, is no longer the communist but the capitalist threat.

    aus:

    http://www.theatlantic.com/pas…..apital.htm

    Hier auch ein weiterer Artikel der jüngsten Zeit:

    http://www.berliner-zeitung.de…..22706.html

    Und was die Gier betrifft.

    Herr Posener ist der Auffassung (er möge mich korrigieren, wenn ich wieder einmal falsch liege) ist der auffassung dass Gier der Motor unserer wirtschaftlichen entwicklung ist.

    Bei meinen Bankern sehe ich es auch so:

    Mein Haus, mein auto, mein Swimmingpool 🙂

    Ob Gier tatsächlich der entscheidende Faktor bei der entwicklung von Innovationen (ich spreche hier nicht vom Finanzbereich) ist,zweifel ich sehr stark an.

    Erfinder wie Edison, siemens, Krupp, Tesla , Steve Jobs etc wurden nicht von Gier getrieben, sondern eher von der Neugierde.

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