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Was Angela Merkel so erfolgreich macht

Welch eine Woche: Die Sozialdemokraten gestehen sich ein, dass sie Angela Merkel kaum schlagen können. 20 Monate vor der Bundestagswahl! Also eine echte Ewigkeit in der Politik, in der so viel noch passieren kann!

Und dann die aktuellen Umfragewerte des ARD-Deutschlandtrends: 64 Prozent der Deutschen sind mit der Bundeskanzlerin zufrieden, der beste Wert seit Dezember 2009, unmittelbar nach der vorherigen Wahl und dem Abschluss des Koalitionsvertrages.

69 Prozent vertraten zudem die Ansicht, Merkel sei eine „gute Bundeskanzlerin“, berichtet „Spiegel Online“. 85 Prozent hielten Merkel für eine Politikerin, „die unser Land in der Welt gut vertritt“. 55 Prozent fanden, Merkel „wirkt nicht wie eine Parteipolitikerin, sondern eher wie jemand, der über den Parteien steht“.

Und fast zwei von drei Befragten finden zudem, sie habe in der Euro-Krise richtig gehandelt.

Das sind spektakuläre Werte mitten in der schlimmsten Krise, die die Europäische Union bislang zu bestehen hatte. Was also macht diese Frau so erfolgreich?

Teflon, so viel kann man sicher sagen, ist es jedenfalls nicht. Die so oft zu lesende Zuschreibung der „Teflon-Kanzlerin“ suggeriert ja, dass alles – irgendwie von Zauberhand – an der Frau abprallt.

Dies aber ist eine viel zu passive Lesart der Geschehnisse. Sie tut das, was so viele auch nach sechs Jahren Kanzlerschaft Merkels noch immer tun: Sie unterschätzt die Frau an der Spitze der Bundesrepublik. Und verleitet deshalb zu – teilweise – drastischen Fehleinschätzungen.

Nehmen wir die Euro-Krise: Wer Merkel kennt, wusste Bescheid, als sei zwei Sätze gesagt hatte. Der erste war sinngemäß der, dass Europa stärker aus der Krise herauskommen müsse als es hineingegangen ist. Er baut auf ihren Erfahrungen in der ersten Finanzkrise 2008/2009 auf, als sie ihn auf Deutschland angewendet hat.

Für Deutschland hat er funktioniert. Kaum ein Land kam schneller aus der ersten Finanzkrise heraus wir. Für Merkel war das die Bestätigung, dass Krisen da sind, um genutzt zu werden, das Land besser zu machen. Eine Bestätigung dafür, beharrlich zu bleiben trotz allen möglichen Anfeindungen und das zu tun, was sie – und ihr Team – nach längeren Diskussionen für richtig befunden hat. Es auch dann zu verfolgen, wenn sich der Erfolg nicht einstellen will. Stand zu halten und einen langen Atem zu haben.

Diese Erfahrung ist die Grundlage für ihre Entscheidung, die Euro-Schuldenkrise zu nutzen, um einen Fiskalpakt durchzusetzen. Als sie ihn ankündigte, erntete sie viel Hohn und Spott von all jenen, die darin entweder das übliche Politiker-Blablah sahen oder ihr nicht zutrauten, den Pakt in Europa durchzusetzen.

Als sie es dann doch geschafft hatte, war das Erstaunen groß – und führte dann doch zu dem manchmal etwas widerwilligen Eingeständnis, dass Merkel das ganz gut hinbekommen hatte.

Das gleiche Schicksal traf den zweiten wichtigen Satz Merkels in der Eurokrise. „Scheitert der Euro, scheitert Europa“. Als sie das im Herbst sagte, war Merkel-Kennern klar, dass sie alles tun würde, um die gemeinsame Währung zu retten. Dass die strikte Ablehnung von Eurobonds zwar ernst gemeint, aber auch sehr taktisch war. Und dass hinter den Kulissen alles in Bewegung gesetzt werden würde, um den Euro zu stabilisieren.

Vor allem die Märkte haben entweder nicht begriffen oder nicht geglaubt, dass Merkel es mit diesem Satz mehr als ernst war. Als sie es dann viele Wochen später verstanden haben, ging die Entlastungsrally los, die seit einiger Zeit an den Aktienmärkten zu beobachten ist und die es den Krisenländern Italien, Spanien und Konsorten derzeit ermöglicht, zu erträglichem Zins neue Kredite aufzunehmen trotz schlechterer Ratings.

Natürlich hat Merkel in der Euro-Krise Fehler gemacht. Viele. Die Art und Weise, wie die privaten Gläubiger eingebunden werden sollten beispielsweise. Doch ihre grundsätzliche Herangehensweise hat sich ausgezahlt: Ringen um eine Strategie, Umsetzen der getroffenen Entscheidungen, Kurs halten gegen alle Widrigkeiten.

Deshalb steht sie inzwischen auch wieder in den Umfragen gut da. Das ist ihr Erfolgsrezept. Wer es sehen wollte, hat es bereits in der ersten Finanzkrise gesehen.  Wer Merkel ohnehin schon immer doof fand oder zu denen gehört, die sie immer noch unterschätzen, hat sich an ihren Fehlern während der Krise festgehalten. Und dabei übersehen, um was es wirklich ging.

Letztere Gruppe muss ihre Fehleinschätzungen nun revidieren. Und fragt sich – wieder einmal – total überrascht, was diese Kanzlerin so erfolgreich macht.

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7 Gedanken zu “Was Angela Merkel so erfolgreich macht;”

  1. avatar

    Merkels Streben fuer die „Finanztransaktionssteuer“ zeigt, wie damals Schroeders Weigerung zum Irak-Krieg, dass es in „Germany“ doch eine „Resistance“ gibt, auf wenn die Meisten nur Ersatz-„Americans“ geworden sind (selbst die Nazis sind „americanized“!). Zu einem anderen Thema: Sie blickten damals mit Hoffnung auf die „deutschen Stiftungen“ in Aegypten. Jetzt hat man in Kairo einen Deckel ueber die „deutschen Stiftungen“ gestuelpt. Auch wenn die Situation und die Gruende in Aegypten und Lateinamerika vollkommen anders sind: Die deutschen Parteistiftungen – alle(!) sind subversiv in Lateinamerika und wirken fuer die geopolitische Einmischung der USA&NATO. In Lateinamerika weiss man das, aber es ist nicht zu verhindern. Aber beobachtet werden sie, wie alle „fremde NROs“. Brasiliens Bundesabwehr hatte eine Analyse der „fremden“ NROs welche die internationale Medienpropaganda gegen die nationalen Entwicklungsprojekte betreiben. Die Analyse wurde „leaked“ an die Presse – aber war kaum eine Neuigkeit – jeder weiss das! Die Konrad Adenauer Stiftung hat den Auftrag (fuer NATO), die „Verbindung“ mit dem dortigen Militaer „zuentwickeln“. Heinrich Boell Stiftung betreibt die Medienhysterie gegen die Entwicklungsprojekte. Friedrich Naumann Stiftung „unterstuetzt“ die Neocon-Parteien. Deutschland hat den Auftrag fuer die NATO in Lateinamerika, weil die USA und Britanien zuviel bestehendes Misstrauen eregen. Heute beginnt die grosse Fernsehpropaganda der NATO in Lateinamerika: „Deutsche Welle“ in spanischer Sprache, 24/7: Konzentration: CDU Geopolitik-NATO Geopolitik- Katholische Kirche. Gleichzeitig beginnt jetzt FOX einen 24/7 TV Kanal in spanischer Sprache fuer Lateinamerika (Konzentration NATO und Neocons) und fuer die 50 Millionen „Hispanic/Latinos“ in USA um sie gegen die Wiederwahl Obamas zu beineinflussen.

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    Dieser Analyse könnte man noch hinzufügen, dass auch der persönliche Stil von Frau Merkel gut ankommt: Weder ist sie eine lächelnde Blenderin wie Guttenberg noch so kleingärtnerisch-verfilzt wie Wulff, stattdessen ruhig, selbstbewusst und intelligent.

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    Frau Merkel ist beliebt, weil es keine Alternative zu ihr gibt.
    Guttenberg: Weg
    Friedrich Merz: Weg
    Gerhard Schröder, SPD: Weg
    Stoiber: Weg
    Seehofer: Ein Bayer
    Frau Merkel ist alternativlos.

    Machen Sie ein Gedankenexperiment: Wir legen Großbritannien und Deutschland zusammen. Ein Land mit dem Pfund. Eine Brücke über die Nordsee ließe sich bauen heutzutage. Sind Sie sicher, dass Angela Merkel gegen David Cameron gewinnen könnte?

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    Die Leute sind halt doof und vergesslich bzw. blicken kaum über den Tellerrand – in Griechenland gehts immer weiter bergab (u. a. wegen Merkel) und ein Ende der Krise ist noch nicht absehbar. Wo ist denn die Transaktionssteuer? Die Franzosen denken drüber nach. Wo ist denn ein Einschnitt in die Freiheit der Banken? Gibt’s noch lange nicht. Aber immer schön in die Kamera grinsen und leere Sätze sprechen. Schade, dass so ein großer Teil unserer Bevölkerung darauf reinfällt.

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    Sorry, aber der Anstieg der Merkelschen Popularitätswerte hat in Wahrheit einzig und allein einen verkappten nationalchauvinistischen Hintergrund. Es scheint vielen Leuten (insgeheim) zu gefallen, dass Europa nach deutscher Pfeife tanzen soll, resp. dass „in Europa wieder Deutsch gesprochen“ wird.

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