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Atom-GAU – It can’t happen here

Vor zwei Tagen wurden wir an dieser Stelle Zeugen eines äußerst seltenen Ereignisses:  Michel Friedman bekannte, die Ereignisse in Japan hätten seine bis dahin positive Einstellung zur Atomkraft erschüttert. Hut ab vor jeden, der sich zu einem Irrtum und einer Korrektur bekennt. Schon am nächsten Tag jedoch belehrte uns Daniel Dettling: „Japan ist nicht Deutschland“. Deshalb könne, ja müsse man wie bisher mit der Nutzung der Kernenergie fortfahren.

„Japan ist nicht Deutschland“: will sagen, die Japaner sind vielleicht so doof, ihr von Erdbeben und Tsunamis bedrohtes Land mit AKWs vollzupflastern, aber wir Deutsche nicht. Bei uns bebt die Erde ja nicht. It can’t happen here.

Die Argumentation kennen wir. Bis vor ein paar Tagen lautete sie: Japan ist nicht die Sowjetunion. So schrieb etwa der Umweltexperte Michael Miersch vor drei Jahren einen Artikel über den „Mythos von der Gefährlichkeit der Atomkraft“:

http://www.welt.de/politik/article2137403/Der_Mythos_von_der_Gefaehrlichkeit_der_Atomkraft.html

Darin schrieb er (unter dem Untertitel „Der Mythos vom größten anzunehmenden Unfall“): „Gegen Tschernobyl als finales Anti-Atom-Argument spricht auch der Umstand, dass der Unfall, wie später nachgewiesen wurde, durch extremes Fehlverhalten der verantwortlichen Ingenieure geradezu provoziert wurde.“ Genau. Die Technik ist sicher, bloß die Menschen nicht. Dass es neben Tschernobyl – und vor Fukushima – mindestens fünf weitere Kernschmelzen bzw. Teil-Kernschmelzen gegeben hat, darunter in Ländern wie Großbritannien und den USA, in denen weder statistisch unwahrscheinlich starke Erdbeben noch sowjetisch verbildete verrückte Professoren verantwortlich gemacht werden können, wird dabei verschwiegen; doch wenn die Befürworter der Atomkraft auf Three Mile Island, Sellafield e tutti quanti zu sprechen kommen, wird auch dort der Mensch, dieses dumme Tier, für die Unfälle verantwortlich gemacht. Uns ist offensichtlich nicht zu trauen. Vielleicht wäre es besser, um Brecht zu paraphrasieren, die Technik löste die Spezies auf und wählte sich eine neue.

Ich will nicht moralisch argumentieren. Stattdessen will ich eine Erklärung für das Versagen der Experten liefern. Sie stammt übrigens nicht von mir. Ereignisse wie in Fukushima sind das, was der Finanzmathematiker Nassim Nicholas Taleb „Schwarze Schwäne“ nennt: äußerst unwahrscheinliche Ereignisse. Sie sind das Produkt dessen, was der ehemalige US-Verteidigungsminister „unknown unknowns“ nannte: Dinge, von denen wir nicht einmal wissen, dass wir sie nicht wissen.

Vor allem Experten wissen nicht, was sie nicht wissen, und darum überschätzen sie immer die Stabilität der Systeme, für die sie als Experten gelten.

Welcher „Ostexperte“ prognostizierte den Fall der Berliner Mauer? Welcher „Finanzexperte“ warnte vor der Kernschmelze (nomen est omen) des internationalen Finanzsystems 2008? (Nun, Nassim Nicholas Taleb, aber er gehörte zu den wenigen, und man hörte nicht auf ihn.) Welcher „Nahostexperte“ sah die arabische Revolution voraus? Welcher AKW-Experte sah ausgerechnet im Hochtechnologieland Japan, das seit Jahrzehnten Erfahrungen mit Erdbeben und Tsunamis hat, die Gefahr eines GAU durch jene Kombination unglücklicher Ereignisse voraus, die nun eingetreten ist?

Da „Schwarze Schwäne“ ihrem Wesen nach unvorhergesehen auftreten und die Experten überraschen, gibt es wenig, was man dagegen (oder im Fall erwünschter Ereignisse wie einer demokratischen Umwälzung: dafür) tun kann.

Man sollte, so Taleb, erstens den Experten misstrauen. Zweitens auf Außenseiter und Warner hören. Drittens, so scheint mir, sollte man grundsätzlich den Zusammenbruch eines Systems für möglich halten, vor allem wenn man ihn für völlig sicher hält („Deutschland ist nicht Japan“).

Und dann sollte man fragen: Will man mit diesem Risiko leben, um sich – so die Berechnung Daniel Dettlings – 50 Euro im Monat zu sparen, oder will man das lieber nicht? Ich habe weder berechnet, was mich die Finanzkrise Monat für Monat in Gestalt der Steuern, mit denen ich das System stütze, kostet, noch, was die finanziellen Folgen eines katastrophalen Elbe-Hochwassers wären, bei dem etwa ein losgerissener Tanker ins AKW Brokdorf geschwemmt wird mit der Folge eines GAUs, der notwendigen Evakuierung Hamburgs, dem Herunterfahren der anderen AKW, der Stromrationierung usw., vielleicht wären es nur 40 Euro im Monat. Ehrlich gesagt, möchte ich es nicht darauf ankommen lassen.

Zu meiner eigenen bisherigen Einstellung zur Atomkraft: sie war schwankend. Aber am 7. September 2008 schrieb ich – auch als Antwort auf Mierschs Mythen – folgenden Leitartikel für die „Welt am Sonntag“:

http://www.welt.de/wams_print/article2406704/Aus-fuer-die-Atomkraft.html

 

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51 Gedanken zu “Atom-GAU – It can’t happen here;”

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    @ decamerone

    unverbesserlicher Idealist, verstehe ich nicht, was das mit dem Herrn Jesus Christus zu tun hat, noch weniger.

    @ EJ

    Was kann ich dazu sagen? Es lief wohl wie am Schnürchen, da ist nichts gerissen oder daneben gegangen, es gab obviously weder technische Probleme noch menschliches Versagen … es war alles unter Kontrolle.

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    Alt 68er zur Fasenacht in einem tief katholischen Ehebett gezeugt

    Wir sollten jetzt vielleicht doch nicht jeden GAU und Super-GAU zum Thema machen.

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    Lieber Alt 68 er: Für „Knackse“ sind eigentlich Sie zuständig.
    Ansonsten, habe ich Sie wohl für einen unverbesserlichen Idealisten gehalten. Ist ja auch nicht so schlecht, wie uns Herr Dettling empfiehlt!

    Katholisches Ehebett klingt nicht schlecht, womöglich erklärt das Ihren Humor, mit dem ich auch hoffentlich weiterhin rechnen kann.

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    @ decamerone

    Das, was Sie EJ über mich sagten, habe ich, auch wenn ich zur Fasenacht in einem tief katholischen Ehebett gezeugt wurde, nicht annähernd verstanden.

    Bevor ich jetzt zu sehr grüble, Ihre Andeutungen falsch lese und interpretiere, könnten Sie mir/uns das etwas deutlicher vermitteln? Ich habe vielleicht einen deutschen Knacks/Bias, möglicherweise können Sie mir helfen, diesen besser zu verstehen.

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    Anscheinend haben wir ja nicht nur das “J” gemeinsam, sondern auch noch den Geburtstag in den “Iden des März”, so daß ich mich mal gerne den Glückwünschen anschließe.

    KJN, ein „J“, katholisch, auf der Sommerwiese gezeugt – was wollen Sie/ wir mehr? Meine Glückwünsche für Sie!

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    @decamerone

    Sehr lustig: „@EJ: Absolute Übereinstimmung. Alt 68 er hat ein typisch Deutsches Problem.
    Die Welt als Idealvorstellung. Die Realität sieht anders aus, warum sonst hätte Gott sonst seinen Sohn als Erlöser schcken sollen. “

    Sie werfen Alt68er Mangel an Realität vor und kommen im nächsten Satz mit Jesus dem Erlöser um die Ecke? Wie ernst soll ich Sie mit Ihrer Forderung nach mehr Realität da nehmen?
    Neben der Tatsache, dass Realität im Sinne von Objektivität niemals existiert sondern immer subjektiv und von den Erfahrungen des Individuums abhängig ist.
    Aber das muss man einem klugen Mann wie Ihnen, der anderen sonst alles erklären muss, ja sicher nicht näherbringen.

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    Die letzten Samurai: Wenn man die stündlichen Berichte aus Japan hört, und den letzten Bericht von Herrn Friedlaender von der New York Times liest, dann bekommt man einen annähernden Eindruck davon, was 50 Menschen in Fukushima dort gerade leisten.

    Sie muten tatsächlich an, wie die 50 letzten Samurai.Der Ursprung des Wortes Samurai wurde von „Saburai“ abgeleitet, was der „Dienende,der Beschützende“ bedeutet. Diese Männer dienen gerade, im wahrsten Sinne des Wortes, dem Japanischen Volk und versuchen die Menschen vor größerem Unglück zum schützen, unter Einsatz des eigenen Lebens.

    Sie haben unser aller Dank, unseren Respekt und unsere Erinnerung verdient.

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    @Possierliches Getüm: Auch ich bin gelegentlich bei der“Konkurrenz“. Man ist sich da tatsächlich nicht ganz darüber im Klaren, ob das nun ernst zu nehmen ist, oder eventuell eine Provokation ist!!

    Bevor ich mich anfange zu erregen, sage ich mir immer: Wir sind ein freies Land und jeder darf seine Meinung sagen – das ist ein ungewöhnlicher Luxus in eine kleineren Teil der Welt.

    Solange achgut nicht epidemisch wirkt, was soll`s!

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    @EJ: Absolute Übereinstimmung. Alt 68 er hat ein typisch Deutsches Problem.
    Die Welt als Idealvorstellung. Die Realität sieht anders aus, warum sonst hätte Gott sonst seinen Sohn als Erlöser schcken sollen.

    Das ist leider ein zu weites Feld, um darüber hier weiter zu diskutieren. Tatsächlich aber ist es ein Grundübel unserer christlichen, nicht Jüdisch-Christlichen Leitkultur. Die Juden sind sehr viel pragmatischer, als die Christen. Sie präferieren ein Himmelreich im hier und jetzt.

    Tatsächlich bin ich mehr als froh, daß es so geistig flexible Menschen gibt, wie Sie. Man muß Ihnen nicht alles extra erklären. Wie wohltuend!!!!

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    Danke für die Hinweise; natürlich können wir uns nur annähern. Ich habe – es muss ca. 4 Jahre her sein – einen Werbspot, ich glaube, für AUDI (Vorsprung durch Technik) gesehen, der mich geradezu vom Hocker gerissen hat: ein anthropophober Yuppie, master of the universe, desinfiziert alle human beings, die sich ihm nähern. Dann steht er vor dem vollendeten AUTO (Selbst, vielleicht auch Heideggers Gestell) und desinfiziert sich selbst, bevor er das Fahrzeug zu berühren wagt. Vielleicht sollten wir uns als die Verunreinigungen begreifen, die eine perfekte Technik kontaminieren (denn dafür, dass z.B. die Stecker der externen Notstromaggregate nicht passten, dafür kann die Technik nichts, das war menschliches Versagen).

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    @ decamerone

    Mein Zynismus, oder Pessimismus ist lediglich eine Folgeerscheinung, keine Grundhaltung.

    So habe ich Sie auch verstanden. Worauf ich aber vor dem Hintergrund von Pessimismus (und Zynismus) hinaus wollte: Dabei darf es nicht bleiben! Er darf nur „ein Moment“ sein. Der Pessimismus darf uns nicht blind machen und beispielsweise nach der alternativen Lösung suchen lassen.

    Frau Heckels Schnellschuss (oben: Warum ein Grüner Marshallplan gerade jetzt nötig ist) hat etwas von einer solchen alternativlosen Lösung. In ihrem Eifer vergisst sie, dass ihr Vorschlag u.a. die Lösung der arabischen Probleme voraussetzt, die uns neben dem Japanischen GAU zu allem Unglück gerade auch noch beschäftigen: Weder über die arabische Revolte noch etwa über Gaddafi verliert sie irgendein Wort!

    Frau Heckel (Juhu! Ich habe sie, die Alternative!) setzt mit ihrem Grünen Marshallplan an die Stelle des atomaren GAUs lediglich den politischen GAU. – An der ergebnisoffenen Suche nach und der Erprobung von einer Vielzahl(!) möglicher Techniken führt kein Weg vorbei! Für den schlimmsten Fall muss sogar der Weg zurück zu Kernenergie offen sein!

    @ Don Altobello

    Bei „Großer Schnauze“ geht es mir nicht um die Umschreibung einer individuellen Eigenschaft. (Benny Peiser würde ich keine „Große Schnauze“ zuordnen. Da gäb’s ganz andere individuelle Kandidaten!)

    Mit „Großer Schnauze“ umschreibe ich den radikal ideologischen Charakter, die Rücksichts- und Bedenkenlosigkeit der auf AchGut von einigen Postern (auch Peiser!) gepflegten Argumentation: Die leugnet die Gefahr der (in welchem Zusammenhang auch immer immer möglichen) schlimmstmöglichen Wendung, den GAU, nicht nur, sie treibt (uns) in ihrem Beharren auf Ausschließlichkeit und Alternativlosigkeit geradezu hinein.

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    @ Alt 68 er
    „… welche Verfassung (Immunisierung gegen die Argumente anderer) verhindert, dass z.B. ein Benny Peiser oder David Harnasch sich nicht vor sich selbst ekeln?“ — Ich nenne das das Homer-Simpson-Syndrom (auch wenn er diesen Satz in einem anderen Zusammenhang gebraucht hat). Zitat: „Komisch, alle Menschen sind dumm, nur ich nicht.“

    Interessanterweise hat ausgerechnet Henryk Broder (im Zusammenhang mit palästinensischen Flüchtlingen, er hat das verglichen mit der telef. Warteschleife eines Unternehmens, in der man so länge festhängt, bis man nicht mehr bereit ist, aufzulegen) das kongenial beschrieben: Man geht einen Weg so lange, bis man irgendwann nicht mehr bereit ist, einzusehen, dass man falsch abgebogen ist. Sonst wäre ja alles bis dahin umsonst gewesen. Außerdem finden es ja schon Jugendliche chic, sich gegen den „Mainstream“ zu stellen und zu rebellieren. Manche brauchen diese „heroische“ Pose zur Selbstbestätigung auch noch als Erwachsene. Ich will jetzt aber nicht rumpsychologisieren, da habe ich keine Ahnung von, ich kenne die Leute nicht persönlich, außerdem gibt es sicherlich eine Menge verschiedener Gründe, die zu dieser offensichtlichen Scheuklappenmentalität geführt haben. Eins steht fest: Ich kann den Sermon nicht mehr lesen, ohne mich zu ärgern, deswegen vermeide ich das mittlerweile weitestgehend. Es gibt dort einfach zuviele Beiträge, die man durchaus als menschenverachtend bezeichnen kann.

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    @Alt 68er: Die von Ihnen zitierten Leute haben eine Risikoabschätzung gemacht und sich fürs Risiko entschieden, d.h. dass man auf Kernkraft setzen sollte. An dieser Risikoabschätzung hat sich, wie wiederholt gesagt, durch die aktuellen Ereignisse nichts geändert. Warum sollte es das auch? Diese Leute meinen, dass das Risiko eines Super-GAUs a.) klein genug ist, um es eingehen zu können, und b.) dass die Folgen eines Super-GAUs bei weitem nicht so schlimm sind wie gedacht. (Von anderen Argumenten wie Strompreisen etc. abgesehen.) Die Annahme a.) wird durch den gerade stattfindenden Super-GAU nicht widerlegt, also: Warum sollten sie ihren Standpunkt ändern?

    (Ich muss wohl nicht extra betonen, dass trotz dieser Verteidigung von Harnasch und Co. mein Standpunkt ein anderer ist. Ich halte es für schlauer, im Zweifelsfall eben NICHT auf Atomkraft zu setzen. Die Beweislast haben – und hatten auch schon immer – die Befürworter.)

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    Ach ja @EJ:
    Anscheinend haben wir ja nicht nur das „J“ gemeinsam, sondern auch noch den Geburtstag in den „Iden des März“, so daß ich mich mal gerne den Glückwünschen anschließe.

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    @decamerone
    „Was “achgut” betrifft, brauchen wir darüber noch zu reden? Kaum!“
    Genau darüber sollte man auch in Zukunft immer wieder reden: Wo bekommt man die Argumente der per se – AKW – Befürworter, der per Geburt – Leistungsträger, der Universalneocons usw. so auf dem Silbertablett frei Haus zum Sezieren geliefert?
    Vielleicht werde ich spenden..
    (Und vielleicht ist das ganze ja subversiver, als wir alle denken.)

    Im Übrigen: Unseren 4 Energieoligarchen ist es letzlich egal, womit sie die Elektronen in die Leitungen drücken – die Subventionen für die Kernkraft sind ja schon kassiert, warum nicht noch welche für Photovoltaik und Windkraft abziehen (s‘ pressiert ja nun – man verzeihe mir den Zynismus angesichts der Vorgänge in Fukushima)

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    @ EJ

    Herzlichen Glückwunsch im nachhinein. Asbach Uralt sollte keine Anspielung auf Ihre Lebensmitte sein, sondern den vorangehenden Bedingungssatz evozieren. (Ich kann leider keine Smileys)

    @ alle

    hat jemand eine gute Idee dafür, dass das Panier (z.B. auf der Achse) ohne Wenn und Aber, ohne Zweifel (wenigstens nach außen) hochgehalten wird, Überzeugung Hundert pro, sacrificium intellectus, Lobbyismus, Arroganz der Macht, corps d´esprit? Mit meinen psychologischen Hypothesen komme ich nicht weit genug; welche Verfassung (Immunisierung gegen die Argumente anderer) verhindert, dass z.B. ein Benny Peiser oder David Harnasch sich nicht vor sich selbst ekeln?

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    @EJ: Noch ein kleines zynisches Zahlenspiel, um meine Argumentation zu erhärten.

    Wie ich gestern hörte, war der Gewinn der Atomlobby im letzen Jahr 10.000.000.000 (10 Milliarden).
    Dividieren Sie dies durch unsere Bevölkerung von ca. 82.000.000 so kommen Sie auf den“Wert“ eines Deutschen Menschenlebens.

    Daher die Panik an der Börse, gestern. Bestimmt nicht!!

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    Vielleicht hätte ich noch EJ´s Kommentar mit zitieren sollen, damit man mein Eingangszitat bzw. -satz nicht falsch versteht: „Doch! Einfach schön zu sehen, wie AchGut nach dem Finanz-Gau jetzt schon zum zweiten Mal auf die große Schnauze fällt.“

    P.S.: Es ist fast schon tragikomisch, wie Benny Peiser versucht, in der Atomdebatte die CO2-Keule zu schwingen, wo er doch selber seit Jahren den anthropogenen Klimawandel als bloße Mär darstellt.

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    „Was “achgut” betrifft, brauchen wir darüber noch zu reden? Kaum!“ — Das sehe ich wie EJ. Zumal die die Dreistigkeit besitzen, die Atomkraftgegner als pietätlose „Kriegsgewinnler“ zu beschimpfen, während sie selber auf dem Rücken des Leids der Japaner ihre Agenda pflegen, die Folgen der Reaktorkatastrophe verharmlosen und munter weiter ihre Propaganda betreiben (von wegen „Aufklärung“). Was für ein schändliches Schauspiel! Ich warte gespannt auf Live-Berichte von Maxeiner und Konsorten aus dem Katastrophengebiet, die uns verdeutlichen sollen, dass alles halb so wild ist (ungefähr so wie Töpfer damals mit seinem Bad im Rhein)!

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    @EJ: Genau das, nämlich das mit dem Lebensrisiko versuche ich schon lebenslänglich zu vermitteln;leider umsonst, bisher.

    Das mit der“Rechthaberei“ des Zynismus, wollte ich noch in meinem Beitrag unterbringen, wie schön daß Sie von sich aus darauf eingestiegen sind!
    Mein Zynismus, oder Pessimismus ist lediglich eine Folgeerscheinung, keine Grundhaltung.

    Wenn man aber täglich beobachten muß, wie Vernunftmaßnahmen regierungsseitig boykottiert werden, wie die Kürzung der Solarförderung, dann ist für einen mit gesundem Menschenverstand „gestrafter“ Menschen Zynismus sozusagen eine „gesundheitserhaltende Maßnahme“.
    Sonst wird man nämlich verrückt, angesichts solcher Idiotie!

    Um auch keine anderen Missverständnisse aufkommen zu laßen. Das Elend der Menschen in Japan umfaßt mein Zynismus keineswegs. Es ist die natürlichste menschliche Regung Mitgefühl mit diesen Menschen zu verspüren, eine menschliche Selbstverständlichkeit sozusagen, über die man nicht extra reden muß!

    Mein Zynismus richtet sich schon an die entsprechende und richtige Adresse! Wenn Sie die Börsenmeldungen der letzten 2 Tage verfolgt haben, wißen Sie um was es geht, nicht nur in Deutschland. Es geht“ ums Fressen, nicht die Moral“, frei nach Brecht.
    „Verbrechern“ mit Moral beikommen zu wollen, das ist die falsche Methode. Man muß die Realität sehen, und sich mit den selben Methoden wehren. Mit Moral oder gesundem Menschenverstand kommt man da nicht weit.

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    @ decamerone

    Ich meinte nicht etwas ganz anderes, sondern Dürrenmatts (Wirklichkeits-)Dramaturgie der schlimmstmöglichen Wendung. (Dürrenmatt, Sätze über das Theater, 1970 – Ich habe mal was in den „Evangelischen Kommentaren“ drüber geschrieben, steht leider nicht online.)

    Sollte diese eintreten – eine atomare Verseuchung – da wird man dann sehen, daß alle bisherigen Kernkraftbefürworter das alles nicht so ernst gemeint haben, mit der Sicherheit.

    Das wird so sein. Das glaube auch ich. Allerdings gebe ich (im Sinne der Dramaturgie der schlimmstmöglichen Wende) zweierlei zu bedenken: Der Pessimismus keineswegs nur, aber leider eben auch oft auf allzu billige Weise Recht hat. (Man muss nur lange genug warten.) Vor allem aber ist in gleichsam umgekehrter Richtung zu bedenken: Ohne Wirklichkeitsfiktion, ohne Risiko also – und das Risiko (wissen alle Eltern) fängt schon beim Kinderkriegen an – kein Leben.

    Was “achgut” betrifft, brauchen wir darüber noch zu reden? Kaum!

    Doch! Einfach schön zu sehen, wie AchGut nach dem Finanz-Gau jetzt schon zum zweiten Mal auf die große Schnauze fällt.

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    @decamerone: Klar, auch Atombomben sind Fakten, die die Gefährlichkeit der Atomtechnologie zeigen. Im Iran sehen wir heute am deutlichsten die Verschränkung von friedlicher und militärischer Problematik. Ansonsten lassen sich noch andere Fakten – Tschernobyl, Three Mile Island… – hinzuziehen, um die Realität des Risikos zu unterstreichen. Diese Fakten haben auch tatsächlich ähnliches bewirkt. Ich erinnere mich noch lebhaft an die Panik, die hierzulande nach Tschernobyl ausbrach: kurzzeitig waren sich alle einig, dass diese Technologie unbeherrschbar sei; alle wollten sie abschaffen, auch die CDU. Nach einiger Zeit dann relativierte sich das; die Panik zerfiel analog zu den Teilchen; der Vorfall wurde eingeordnet und abgegrenzt; die Schuldigen wurden gefunden und die hiesigen AKWs für unbedenklich erklärt.

    Zu befürchten ist, dass Ähnliches auch diesmal wieder geschieht. Denn AKWs haben Vorteile, das darf man nicht übersehen, und die werden wieder in den Vordergrund der Diskussion rücken, wenn die Panik vorüber ist. Mal sehn, wie sich Frau Merkel dann positioniert.

    Bei Kindern gibt es ein entsprechendes Verhalten. Erst nach einer Reihe von ähnlichen, aber eben auch unterschiedlichen – „nicht vergleichbaren“ – Vorfällen entsteht eine generelle, zusammenfassende Regel. Ich hatte eigentlich die Hoffnung, dass es bei Erwachsenen anders läuft, dass man mithilfe von Argumenten diskutiert.

    Ich fände es jedenfalls gut, wenn die Physikern Merkel bei ihrer Meinung, die ja über Jahrzehnte in der Theorie gereift ist, bleiben würde. Nach der Quittung bei den Wahlen und einer Bedenkpause in der Opposition würde ich ihr den Meinungswandel dann abnehmen können, so aber nicht.

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    Asbach Uralt

    Jetzt übertreiben Sie mal nicht! Es war mein sechzigster, nicht mein hundertster Geburtstag, den ich in Berlin gefeiert habe 😉

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    @Roland Ziegler: Die Atombomben auf Hiroshima und Nagasaki, waren die etwar kein Faktum für die Gefährlichkeit?

    Wiederlegen Sie sich in diesem Fall nicht selbst?

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    @Lieber EJ: Sich die Atomkraft als“ den Besuch der alten Dame“ vorzustellen gefällt mir, obschon Sie sicher etwas ganz anderes meinten.

    Die schlimmstmögliche Wendung hat man ja noch gar nicht erreicht. Sollte diese eintreten – eine atomare Verseuchung – da wird man dann sehen, daß alle bisherigen Kernkraftbefürworter das alles nicht so ernst gemeint haben, mit der Sicherheit.

    @Alan Posener: Voller Vernunft habe sogar ich die Atomenergie ebenso für eine noch kurzzeitige Brückentechnologie angesehen;aber nur bis zu der Laufzeitverlängerung unserer Bundesregierung. Ihre Argumente sind für mich alle nachvollziehbar und werden ebenfalls von mir akzeptiert. Allerdings wurde von Seiten unserer Regierungen, der letzten 20 Jahre, keinerlei ernstzunehmende Versuche gemacht die regenerativen Energiequellen nur ansatzweise zu realisieren. Daher ziehen bei mir diese Argumente nicht mehr!
    Sorry, aber seit der Verlogenheit und Verschleierung des Gaus in Biblis, halte ich die Bezeichnung Verbrecherbande – Ihre Bezeichung – für noch sehr untertrieben.

    Was „achgut“ betrifft, brauchen wir darüber noch zu reden?
    Kaum!

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    @decamerone: Nein, der Umkehrschluss ist, dass ohne die normative Kraft des Faktischen nichts geht. Unsere seriösen Mandants- und Anzugträger treffen Entscheidungen wie Kinder: Risiken werden erst dann als solche realisiert, wenn es weh getan hat. Jahrzehntelang sind die Atomkraftgegner mit Argumenten gegen Betonwände gelaufen, und plötzlich, von einem Tag auf den anderen, ist die Wand butterweich geworden.

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    Nämlich der, daß eine Wahrheit offensichtlich nur dann die Wahrheit sein darf, wenn sie das eigene Angstpotenzial erreicht.

    Nein. Wahrscheinlich ist es noch schlimmer. Wir treten in die Wahrheit bzw. in die Wirklichkeit erst dann ein, wenn sie die „schlimmstmögliche Wendung“ nimmt. Wir bewegen uns (unausweichlich) in Modellen. Und Wahrheit bzw. Wirklichkeit erfahren wir dann, wenn die Modelle kollidieren.

    Alle Physiker sollten Dürrenmatt lesen.

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    @ Decamerone: Das ist in der Tat ein Problem, und wenn man sieht, wie auf Lobby-Websites wie AchGut die Bedeutung des Unfalls heruntergespielt wird, muss man gegen die innere Versuchung ankämpfen, ihnen einen veritablen Super-GAU an den Hals zu wünschen. Ansonsten: Es gab und gibt natürlich gute gründe für die Atomkraft, und mit einem sind wir gerde konfrontiert: unserer Abhängigkeit von arabischem, iranischem oder russischem Öl. Ein weiterer Grund war und ist die Frage, wie ohne Atomstrom unsere ehrgezigen Klimaziele zu erreichen sind. Das sind keine trivialen Fragen. Ich denke trotzdem, dass unter dem Strich die Gefahren eines Schwarzen Schwans einfach zu groß sind, um die Rechnung wie bisher so aufzumachen. Man kann, wie Milchmädchen, behaupten, alles sei vorher zu berechnen gewesen, der Schwarze Schwan sei ein ideologisches Konstrukt zur Bemäntelung der Tatsache, dass die Verantwortlichen (oder vielmenr Unverantwortlichen) sehenden Auges in die Katastrophe gingen, aber auch hier glaube ich, dass sie ihren Namen zu Recht trägt. Die Reaktion der Bundesregierung ist m.E. nicht die einer auf frischer Tat ertappten Verbrecherbande, sondern die einer Flugzeugbesatzung, die aus dem Radio vom eigentlich ausgeschlossenen Fall hört, dass bei anderen Maschinen des gleichen Typs die Flügel abfallen.

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    Lieber 68er: Nachdem ich mich nicht erst seit Japan mit dem Restrisiko der Atommeiler beschäftige, kann ich mich jetzt beruhigt aus allem ausklinken, keine Nachrichten oder Brennpunkte mehr sehen und jegliche weiteren Debatten verweigern.

    Das opportunistische Geschwafel kommt nicht nur mir zu den Ohren heraus!!

    Ich wünsche wahrlich keinem Menschen einen atomaren Supergau. Auf der anderen Seite – und mit dieser Meinung stehe ich nicht alleine – nach einem ersten Supergau gäbe es garantiert keine Duskussionen mehr über die Sicherheit von Kernkraftwerken.

    Verzeihen Sie bitte herzlich meinen Zynismus; aber, die Menschen sind nun mal so, seit der Entdeckung des Feuers.
    Und Sie werden sich – erfahrungsgemäß – nie ändern.

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    Frau Winter und andere: Natürlich ist es nicht unlobenswert, daß nicht nur Herr Friedman, sondern auch Herr Posener ihren Standpunkt zur Kernenergie neu überdenken. Eine Heldentat ist es aber sicherlich nicht. Im Gegenteil. Was ist uns neu, seit dem tragischen Unglück in Japan? War Atomkraft bisher ungefährlicher oder sicherer? Herr Friedmann und ebenso Herr Posener können sich mit vorsätzlicher Dummheit als Entschuldigung nicht herausreden.

    Der Umkehrschluß aus diesen“neuesten“ Erkenntnissen ist eigentlich ein absolut furchtbarer.
    Nämlich der, daß eine Wahrheit offensichtlich nur dann die Wahrheit sein darf, wenn sie das eigene Angstpotenzial erreicht.

    War Neckarwestheim sicherer, als unsere Regierung die Laufzeitverlängerungen absegnete? Warum wird Neckarwestheim jetzt doch plötzlich abgeschaltet?????????
    Ich bin langsam zynisch genug um mir zu wünschen, daß die ganzen antiquierten Atommeiler weiter am Netz bleiben „müßen“, zur Strafe und Erinnerung an Politiker-Korruptheit und Verlogenheit!!!!!!

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    Die völlig aus der Luft gegriffene Zahl von 50 € Mehrkosten hätte ich definitiv nicht erwähnt – man muss solchen Nonsense der Atomgroupies nicht noch weiterverbreiten. Eher hätte ich als kleine Übung die Kosten für die Entsorgung des Atommülls (über die gesamte Laufzeit) und die Kosten eines Atomunfalls (die Wahrscheinlichkeit kann man ja inzwischen einschätzen, und sie ist nicht unterhalb von 1 % oder was auch immer uns weisgemacht werden soll) gegen die angeblichen teureren kw/h von Ökostrom aufgerechnet und hätte damit demonstriert, dass wir mit diesem deutlich günstiger wären.

    Ansonsten: Guter Artikel, dem ich zustimmen kann!

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    Alan Poseners grandioses Posting muss in WAMS, WELT und BILD veröffentlicht werden!

    🙂 Für BILD müsste aber erst eine (angemessen vereinfachende) Bearbeitung durch Wagner erfolgen. Ob der sich dafür hergibt?

    EJ möge mir diesen Link verzeihen.

    Na, eine etwas scheinheilige Bitte! Sie haben neulich schon auf Ihr Blog gelinkt 😉

    Ich war gerade für ein paar Tage in Berlin und Potsdam und habe tatsächlich überlegt, Ihnen (über Ihr Blog) ein Real-Life-Treffen vorzuschlagen. Schien mir dann aber doch eine netiquette-widrige Idee zu sein …

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    Alan Poseners grandioses Posting muss in WAMS, WELT und BILD veröffentlicht werden! Könnte der Einwand von milchmädchen noch berücksichtigt und eingebaut werden?

    Es gibt, unter anderem auf der Achse des Guten, Apologeten der friedlichen und ökonomischen Verwendung der Kernenergie, die sagen: Die Lage ist ernst, aber unter Kontrolle. Warum ich über die Kernkraftwerke in Japan nicht beunruhigt bin (http://www.achgut.com/dadgdx/i.....t_beunruh/).

    Hier eine kleine Meditation http://von-den-einzigwahren-fr.....r-die.html.
    EJ möge mir diesen Link verzeihen.

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    Irgendwer hat sich darüber beschwert, dass es sprachlich nicht korrekt wäre von einem Super-Gau zu sprechen, aber wenn ich gerade sehe, was da in Japan geschieht, weiß ich was ein Super-Super-Super-Gau ist.

    Da ist nicht ein Reaktor außer Kontrolle, sondern 3 bis 6 und dazu noch ca. 70-Tonnen abgebrannter Brennstäbe.

    Und hier wird noch darüber gefaselt, ob wir uns den Ausstieg aus der Atomenergie finanziell leisten wollen.

    Wie schrieb Frau Holofernes so treffend:

    „Ich glaub, es hackt!“

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    Alle Atomkraftwerke in Deutschland abschalten!

    SOFORT!

    Ich habe gerade eine Pressekonferenz mit Norbert Röttgen und den für die Reaktorsicherheit zuständigen Landesministern gesehen. Die Herren wirkten offensichtlich leicht gebeutelt.

    Der mediale Super-Gau war für mich allerdings am Ende der Veranstaltung zu beobachten. Als sich Herr Röttgen – Umweltminister seit Oktober 2009 – von Herrn Schmalfuss, den ebenfalls seit Oktober 2009 amtierenden schleswig-holsteinischen Minister für Reaktorsicherheit verabschiedete, durfte man folgendem gespenstischen Dialog lauschen:

    Minister Schmalfuss:

    „Herr Röttgen, freue mich Sie kennen gelernt zu haben. Hö, hö, hö!“

    Minister Röttgen:

    „Wurde aber auch Zeit.“

    Wo waren die Herren, als die Laufzeitverlängerung beschlossen wurde?

    Wieso sehen die sich heute zum ersten Mal?

    In welchem Land leben wir hier?

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    The world community has to think about solutions to safe the further life on this earth. Therefore we have to build, in an enormous amount and effort of engineering an worldwide logistics power, an plumb container. This plumb container should be build near japan to be shipped by helicopters to enclose the blasted Fukushima nuclear plant.

    This is an catastrophe which will change the life of all inhabitants of this planet. therefore we need worldwide solutions

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    Lieber Herr Posener,

    ich freue mich über jeden neuen Gutmenschen, egal ob er nun Friedman oder Posener heißt. Mich würde interessieren, wie Ihr Herausgeber Thomas Schmid die Sache heute sieht, im August letzten Jahres hatte er den „Energiepolitischen Appell“ von 40 „Schlechtmenschen“ ja noch mit Hosianna gelobtpreist.

    Ich denke, auch in Welt und WAMS werden die „Manager“ ihre Annonce geschaltet und dafür tief in die Tasche gegriffen haben. Vielleicht spenden die Herren Schmid und Döpfner die Anzeigengebühren ja jetzt an Greenpeace oder an den IPPNW.

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    Erinnert sich eigentlich noch wer an die Tsunamikatastrophe 2004? Dort wurde die Gefahr für die küstennahen japanischen AKWs konkret angesprochen (ich hab leider keine Zeit zu recherchieren, wie & von wem). Die Behauptung, man würde nun unbekannte, neue Fakten erleben, die eine Neubewertung der Risiken erzwängen, ist jedenfalls eine Meisterleistung der Verdrängung. Das einzig neue Faktum ist die Tatsache, dass die 54 AKWs in Japan dieses gewaltige Erdbeben immerhin besser überstanden haben, als zu befürchten war. Die japanische Ingenieurskunst ist gut, das wissen wir also jetzt. In der Atomfrage nützt uns dieses neue Wissen nichts. Die zu bewertende Fragestellung ist die alte, die Risiken sind bekannt.

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    Ich muß das noch loswerden: In Fukushima ist in drei Blöcken Kernschmelze zu erwarten und es gibt keine weiteren Möglichkeit, den drohenden radioaktiven Fallout über der 35 Mio-Metropole Tokio abzuwenden. Jeder sitzt vor dem Fernseher entweder wie das Kaninchen in Schockstarre vor dem Wolf oder mit einem gewissen prickelnden Gruseln – je nach Charakter.
    Vom Erdbeben und dem Tsunami gar nicht zu reden.
    Perverser könnte die Situation nicht sein!
    Wer will sowas eigentlich noch?

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    Das Gerede von den schwarzen Schwänen mag ich nicht mehr hören.

    Alan Posener schrieb: Ereignisse wie in Fukushima sind das, was der Finanzmathematiker Nassim Nicholas Taleb „Schwarze Schwäne“ nennt: äußerst unwahrscheinliche Ereignisse. Sie sind das Produkt dessen, was der ehemalige US-Verteidigungsminister „unknown unknowns“ nannte: Dinge, von denen wir nicht einmal wissen, dass wir sie nicht wissen.

    Nein! Man wusste seit Jahrhunderten genau, daß Japan von extremen Erdbeben und Tsunamis bedroht wurde. Da ist nix mit Nichtwissen. Da weiss man was man tut, wenn man ein AKW am Meere baut. Wollen sie uns ernsthaft weismachen, daß man das nicht wusste?

    A.P.: Welcher „Finanzexperte“ warnte vor der Kernschmelze (nomen est omen) des internationalen Finanzsystems 2008? (Nun, Nassim Nicholas Taleb, aber er gehörte zu den wenigen, und man hörte nicht auf ihn.

    Nein! Man wusste schon 2002, daß in den USA eine Hausblase initiiert wird. Hier

    http://www.nytimes.com/2002/08.....e-dip.html

    steht: „Alan Greenspan needs to create a housing bubble to replace the Nasdaq bubble.“ Und auf allen Medienkanälen wie FAZ oder Bloomberg wurde das Entstehen dieser Blase seitdem jahrelang besprochen. Extrem schwer einzuschätzen war nur der genaue Zeitpunkt, wann diese Blase platzt.

    Die schwarzen Schwäne sind doch nur die Verschleierungsrhetorik des Establishments, wenn es offenkundigen Unsinn verbrochen hat und sehenden Auges in die Katastrophe gerannt ist.

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    It can`t hapen here? Lieber Herr Posener, natürlich ist in unserem Lande ein Tsunami eher unwahrscheinlich, ein Super-Gau aber eben doch wahrscheinlich.

    War Biblis nur mein persönlicher“Alptraum“, oder reicht das Langzeitgedächtnis der Meisten nicht mehr aus?

    http://www.ippnw.de/atomenergi.....tstro.html

    Das ist bei der Kerneregie nun leider nicht, wie beim „Golem“, dem der Rabbi nur den Zettel mit der Zauberformel aus dem Mund nehmen mußte, daß er zu Staub zerfiel. Die „Zerfallszeit“, bzw. Halbwertzeit von Plutonium betragt ja nur um die 24.000 Jahre!

    Die „Cohen“, will sagen die politische Beerdigungsbruderschaft verändert sich leider nicht, nicht in Japan und schon gar nicht hier. Sie ist nicht weniger verlogen heute, als damals in Biblis, täglich zu verfolgen in den Medien. Die „Konjunktive“ unserer Kanzlerin heute sind einer Physikerin nun wahrlich nicht würdig.

    Wir spielen seit langer Zeit Gott, nicht nur in der Gentechnik. Am Freitag hat sich einmal wieder die Allmacht Gottes, bzw. der Natur gezeigt. Da könnten so alte Atheisten, wie wir, zumindest zum Agnostiker werden.
    Es bleibt nur beten oder Zynismus.

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    Ach, Herr Posener, vielen Dank.

    Ich hatte bis eben noch die, durch Herrn Dettlings Artikel verursachte, Zornesröte im Gesicht. Und diverse Internetdiskurse zum Thema Kernenergie, die zwangsläufig aufkommen seit dieser unfassbaren Katastrophe, enden dieser Tage meist mit Diskussionen zu Bezahlbarkeit und machen auch vor der „Hässlichkeit von Windrädern“ nicht halt. Und natürlich sind sich alle Befürworter einer Sache ganz gewiss: Deutschland ist sicher. Keine Erdbeben = Kein GAU. Oder eben kein Tsunami = kein GAU. Und klar, das ewige Beispiel, ein Flugzeug könne genau dort abstürzen nimmt man zwar wahr, aber nicht sehr ernst. Die Wahrscheinlichkeit scheint nicht sehr groß. (Auch wenn Terroristen uns andernorts schon eines Besseren belehrt haben) Es gibt aber auch noch menschengemachte Katastrophen. Wer spricht z.b. darüber, dass auch der Frieden in diesem Land, der wunderbarer Weise schon mein ganzes Leben lang anhält, möglicherweise nicht von Dauer sein wird? Es geht nicht einmal nur um die Unwägbarkeiten der Natur und Murphys Gesetz. Oder um all die Dinge, die im wahrsten Sinne des Wortes undenkbar sind, bis sie passieren. Entwicklung ist auch Bewegung und Machtverschiebung, ein Prozess der sich nicht aufhalten lässt. Irgendwann in der Zukunft mag es wieder zu feindlichen Angriffen kommen. Weit weniger unwahrscheinlich als ein Tsunami. Und dann? Die Dauerhaftigkeit der Schäden, die durch einen Reaktorunfall oder gezielten Angriff auf einen Reaktor hervorgerufen werden können, würden uns weit länger beschäftigen, als ein Griff in die Tasche. Und auch hier nochmal: Auch ich bin in Sachen Kernenergie immer eher pragmatisch gewesen. Ich möchte, wie jeder andere, Strom-Rundumversorgt sein. Auch ich möchte so wenig wie möglich zahlen. Ich habe Tschernobyl nicht bewusst mitbekommen und meine Haltung entsprach in etwa der, der Regierung (Brückentechnologie etc.).
    In den letzten Jahren jedoch, als die Diskussion über Laufzeitverlängerung aufkam, wurde ich kritischer. Schließlich wurden diverse Möglichkeiten der alternativen Energiegewinnung totgeschwiegen. Wie diese hier http://www.ardmediathek.de/ard.....Id=5429234
    Da wird Einspeisung ins Stromnetz verweigert, staatlich bewilligt zugunsten der Atomlobby. Und das, obwohl es den Staat nichts kosten würde. Es gäbe Privatinvestoren, die einfach nur die Sicherheit wollen, dass der Strom ins Netz darf, wenn sie schon Geld in dieses Projekt pumpen. (Wenn man denn schon über Kosten spricht)
    Ich musste lesen, dass die Menge an Solarenergie, die von Privatpersonen ins Netz gespeist wird, nach oben begrenzt wird. Jedes Mehr an Einspeisung wird gezielt von der Atomlobby verhindert, weil Ressourcen, die die Nachfrage überschreiten, auch weniger Verdienst bedeuten.
    Ich denke, eine radikale Reduzierung der Atomenergie wäre heute durchaus schon machbar, wenn es gewollt wäre. Man muss ja nicht gleich radikal alles abstellen, aber die veralteten Reaktoren vom Netz nehmen und dann einen schnellen und machbaren Ausstiegsplan vorlegen, das sollte reell und im Rahmen des Machbaren sein.
    Sie wissen, ich schätze Ihre Meinung. Ganz besonders in diesem Fall. Sie als liberaler Geist, sowie auch Herr Friedman als Konservativer beweisen hier, dass es absurd ist, der Ausstiegsforderung einen roten oder grünen Anstrich zu verpassen. Dieses Thema und die Konsequenzen betreffen auch diejenigen, die sich im schwarzen und gelben Lager zu Hause fühlen. Daraus eine parteipolitische Diskussion zu machen, in der man nur aus Parteizugehörigkeitsgründen an seinem Starrsinn festhält ist unverantwortlich.

  43. avatar

    Nunja – vielleicht ein wenig „off-topic“, aber der multimedialen Ganzheitlichkeit verpflichtet würde vielleicht F. Zappas Elaborat aus 1966 (!) den passenden Soundtrack zum Artikel liefern : „It can’t happen here“ http://www.youtube.com/watch?v=vKITpVovTAE

    Zur Sache: In der Tat ist es wohl so, dass Experten vielfach in geschlossenen Systemen denken. Ergibt sich die Frage, wem kann man überhaupt noch trauen, wenn nicht jenen ausgewiesenen Experten, die jeweils für dies und jenes heranzitiert werden. Im Falle der seit den 80ern abgeebbten Atomkraft-Diskussion, die ja mittlerweile (und nicht nur seit Freitag) wieder hohe Wogen schlägt waren es Argumente aus der Wahrscheinlichkeitsrechnung, die das Volk beruhigen sollten – so àla „so etwas passiert nur alle 250.000 Jahre“. Problem ist halt nur, man weiss nicht, welches Jahr das jeweils ist: 1952 in Chalk River, Kanada oder 1957 und 1973 in Sellafield, Großbritannien oder 1979 in Harrisburg, USA oder Tschernobyl oder Fukushima…

    Im Falle der Atomkraft-Diskussion sollte man wohl mittlerweile dahin gekommen sein, schlichtweg den derzeitigen Erkenntnisstand als Handlungsgrundlage zu nehmen, dass diese Technik letztlich nicht beherrschbar ist.

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