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Helden im Sport und Schufte in den Banken: Wir messen mit zweierlei Maß

Für Millionen und Abermillionen Euro wechseln junge Fußballer von einem Verein zum anderen. Die Gehälter sind in der Größenordnung, die sonst nur Investmentbanker ihr Eigen nennen können. Und die Vereine sind gewaltige Wirtschaftsunternehmen, die sich die Unsummen für die Stargagen leisten können.

Wer Tore schießt, soll es ruhig zum Slumdog-Millionär bringen. Da sind wir großzügig. Ja, es ist unsere Großzügigkeit, Ihre und meine. Das Geld der Vereine  stammt aus Werbe-Einnahmen und TV-Lizenzen. Damit ist klar, wer es am Ende zahlt: wir, die Fernsehzuschauer und Verbraucher.

Aber für einen Ballgott wie den grazilen Özil, liebevoll Fischauge genannt, da legen wir  gerne hier und da einen Euro drauf. Ich liebe ihn, weil er zeigt, was man in seiner und meiner Heimat, dem Ruhrpott,  unter Integration versteht und weil er Ballett und Sturmangriff stilsicher vereint. Einen Künstler kriegt man nicht für Mindestlohn; zahlen wir ihm stolze Gagen. Money well spent, sagt da der Engländer.

Bei den Stürmern im Finanzwesen, jedenfalls bei den öffentlichen Bankern, hat die Politik die Gehaltsmöglichkeiten gedeckelt. Da gibt es „eine halbe Mille brutt“, und keinen Cent mehr. Dafür tritt im Fußball niemand an, der das Runde auch tatsächlich in das Eckige bringt. Wir reden also darüber, was wir unseren Stars im Sport bereit sind zu zahlen und was wir den Helden der Börse verweigern. Dazu meldet sich der Coach der HSH Nordbank, Hilmar Kopper (der mit den „peanuts“), nun zu Wort. Als Aufsichtsrats-Vorsitzender einer norddeutschen Landesbank verliert er gerade auf politischen Druck hin seinen Mannschaftskapitän, einen gewissen Dr. No (Kennzeichen: Gelhaar, genannt Ölprinz).

In dieser Geschichte tauchen allerlei Figuren auf, über deren Sachkenntnis man zweimal nachdenken sollte, gerade in der Politik. Da filzt es im Senat und riecht gänzlich unhanseatisch. Es laufen für die Nordbank Berater durch das Land, bei denen man in der Branche nur jene als Klienten weiß, die bar jeder Hoffnung sind. Aber darüber hat der Wähler das letzte Wort.

Zur Lösung der Bankenkrise hat es allerdings nicht Zeit und Muße bis zur nächsten Wahl: Wenn Dr. No sich mit seinem erzwungenen Abschied und seiner deshalb stattlichen Abfindung vergnügen soll, muss irgendjemand den Karren aus dem Dreck ziehen. Den muss der AR-Chef jetzt finden. Das ist so gut wie ausgeschlossen. Kopper sagt auch warum: Für eine Amateurvergütung kriegt er keinen Profi. Und dieses Urteil hat Gewicht. Der greise Hilmar Kopper ist eine Autorität. Gelernter Deutsch Banker und, weiß Gott, kein Bruder Leichtfuß.

Ich bin vielleicht nicht objektiv, weil ich ihn schätze, und das nicht nur, weil er mein Nachbar im Westerwald ist; von seiner Frau Gemahlin wollen wir hier jetzt mal nicht reden. Was also sagt das Urgestein seriösen Bankwesens zur Gehaltsdeckelung bei Bankern in öffentlichen Häusern? Der Jahrhundertsatz lautet: „Wir erhalten dafür keine Manager aus der Bundesliga.“

Dem Steuerzahler droht eine Milliardenpleite. Eine Landesbank muss gerettet werden, die sich unter vermeintlichen Aufsicht der Politik in die Schieflage verspekuliert hat. Es braucht Profis, um weiteren Schaden vom Gemeinwesen abzuwenden. Vor einem Länderspiel stehend darf der Coach aber nur aus der Amateurliga rekrutieren. Ja, sind wir bei Verstand? Wir sollten mehr Interesse am Erfolg der Ölprinzen auf den Vorstandsetagen haben als an den Toren des Fischauges.

Wir zahlen zwar beide, aber die Bankenpleite ist teurer. Deshalb mein Vorschlag: Banker in öffentlichen Banken sollten nicht mehr verdienen als Fußballhelden, aber auch nicht weniger. Und wir machen das Gehalt davon abhängig, ob sie Tore schießen, bei beiden. Hohe Gagen sind in Ordnung, wenn sie am nachgewiesenen Erfolg hängen, und ein Skandal, wenn sie als Beamtenapanage gewährt werden.

Die Verstaatlichung der Banken ist nicht die Lösung; sie ist das Problem. Die Bankenaufsicht in Händen minderbemittelter Politiker ist das Problem, nicht die Lösung. Was brauchen wir auf dem Platz? Hochbezahlte Spieler und rigorose Schiedsrichter. Und ein lautstarkes, gnadenloses Publikum. So geht Spitzenklasse. Nur so.

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3 Gedanken zu “Helden im Sport und Schufte in den Banken: Wir messen mit zweierlei Maß;”

  1. avatar

    Sehr geehrter Herr Kocks, wenn Sie ernsthaft verantwortungslose Bankster mit Hochleistungssportlern vergleichen wollen, können Sie wirklich nicht ganz bei Hessen Groschen/Trost sein. Vielleicht fangen Sie nochmal neu an zu denken. Kann sein, dass es diesmal was wird.

  2. avatar

    Die Leistung von Sportlern ist direkt mess- und bewertbar – auch im Mannschaftssport.
    Außerdem brauchen Sportler mit spätestens 40 einen neuen Job.
    Die Leistung von angestellten Managern ist – entgegen der vorherrschenden Ideologie – nicht messbar, schon weil es gar keine zuverlässige Messlatte gibt. (Buchungsgewinn in Quartalszahlen..)
    Gehaltsdeckelungen zeigen die ganze Hilflosigkeit der Politik.
    Manchmal komme ich Naivling mir vor, wie in „des Kaisers neue Kleider“..

  3. avatar

    Ja, aber Fussball ist vergleichsweise einfach, und nur gut zu sein, reicht nicht. Mann muss auch anderes zu bedienen wissen als das Spielgerät. Zeigt u.a. der andere Boateng, der nicht deutsch genug war, um den Adler zu tragen. Jetzt steht er vor anderen Toren.

    Einer Bank vorzustehen heißt, sich einem multidimensionalen Zielsystem auszusetzen. Und es ist unglaublich unprofessionell, seinen Mitarbeitern zu erklären, sie müssten ihre Gürtel enger schnallen, während man selbst den Säckel ganz weit aufmacht. SO geschehen bei Dr. No, der deshalb schon lange überfällig war. Ihn damals schon nicht abberufen zu haben, ist der eigentliche Fehler der Politik.

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