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Wir Deserteure: Die politisch-mediale Elite flüchtet aus der Verantwortung

Der Deserteur genießt in Deutschland hohes Ansehen. Wer als deutscher Soldat im 2. Weltkrieg fahnenflüchtig wurde, besitzt heute Heldenstatus. Einen solchen Status hat diese Woche auch der aus seinem Amt geflüchtete Bundespräsident Köhler errungen, zumindest aus seiner Sicht.

Der „Zapfenstreich“ der Bundeswehr parodiert einen staatspolitisch einmaligen Vorgang. Wo jeder Arbeitnehmer im Lande jegliche Lohnfortzahlungsansprüche bei Selbstkündigung verliert, bezieht der Bundespräsident bis an sein Lebensende runde 200.000 Euro jährlich. Desertieren lohnt sich in Deutschland.

Das Motto „viel Geld für wenig Verantwortung“ gilt auch für andere Politiker. Das neueste Beispiel heißt Hannelore Kraft. Die selbsternannte Wahlsiegerin hat nach ergebnislosen Sondierungsgesprächen mit Linken, FDP und CDU einen neuen politischen Begriff erfunden: „Oppositionsregierung“. Im Klartext: Regieren mit der Linkspartei ohne die politische Verantwortung übernehmen zu müssen.

Die Medien treiben das Desertieren auf die kommunikative Spitze. Unisono und sich selbst gleichgeschaltet haben sie den Rücktritt des Bundespräsidenten als „Fahnenflucht“ kritisiert. Keine zwei Wochen später treiben dieselben Blätter die amtierende Regierungskoalition zum „Aufhören“.

So viel Lust am Untergang war selten in diesem Land. Eine Regierung wird für vier Jahre gewählt. Ein Bundespräsident für fünf Jahre. Die Bürger „draußen im Lande“ haben kein Verständnis für Koalitionsgeplänkel und Verantwortungsflucht. Wenn Merkel und Westerwelle schon nicht „durchregieren“ können, sollen sie zumindest durchhalten.

Das Volk hat ein Recht darauf, dass in diesem Land regiert und geführt wird. Und es fühlt am Ende auch, wenn es gerecht und zukunftsorientiert zugeht. Demokratie braucht Demokraten und keine Deserteure.

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8 Gedanken zu “Wir Deserteure: Die politisch-mediale Elite flüchtet aus der Verantwortung;”

  1. avatar

    Ein Regierungswechsel käme im Moment vermutlich noch teurer als der Bundespräsidentenwechsel, daher sollte man in Zeiten wie diesen eher an einen Sparkurs verbunden mit ordentlicher Regierungsarbeit denken und nicht an einen Wechsel!

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    Wenn wir doch endlich aus dem Euro desertieren könnten !

    Euroeinführung und Afghanistankrieg sind genauso falsch wie der Zweite Weltkrieg.
    Das Desertieren der Hartliner kann nur begrüßt werden.

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    Mit Verlaub geschimpft Daniel Dettling: Ich habe selten einen so dummen, historisch schiefen Satz gelesen wie den Ihrigen:“Der Deserteur genießt in Deutschland hohes Ansehen. Wer als deutscher Soldat im 2. Weltkrieg fahnenflüchtig wurde, besitzt heute Heldenstatus“.
    Moritz Berger hat ja schon darauf hingewiesen. Ich füge hinzu: Mann des Wortes, wie historisch jungfräulich müssen Sie noch sein, um solchen Vergleich zu wagen. Ich habe die aufgehängten deutschen Deserteure noch gesehen…und zwar „gemordet“ wenige Tage vor Ende des Krieges. Welch ein Unterschied von damals zu heute. Wenn Sie wenigsten darauf hingewiesen hätten, wie albern sich
    dieser militärische Verabschiedungs-Brimborium (Zapfenstreich) ausnimmt,wenn man an jene denkt, die damals 45 desertierten.

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    @68er: Danke, für Ihre etwas deutlichere Wortwahl. Lag auch mir auf der Zunge, bzw. der Tastatur.
    Ich wollte nur nicht schon wieder mit den alten Kliches kommen, als „angebliche Wendedeutsche“, wie ich von unserem Reinarier gestern tituliert wurde.
    Sie haben Recht, nur immer stramm unseren Führern folgen und …… rufen.

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    Das ist wirklich eine sehr seltsame Mixtur. Die Wortwahl und die dahinterliegenden Denkstrukturen sind auch ziemlich „deutsch“.

    Unsere Politiker sollen uns führen und durchhalten.

    Durch Dick und Dünn? Und wohin soll der Weg führen?

    In den Abgrund?

    Dort können wir uns dann freuen, dass wir unseren Führern gefolgt sind und durchgehalten haben.

    Prima Herr Dettling!

  6. avatar

    Sehr verehrter Herr Dettling,
    sind Sie eigentlich des Wahnsinns?
    Wir benötigen eine Regierung, die regiert, nicht die durchhält.
    Was Sie da fordern, ist geradezu unverantwortlich. Wenn eine Regierung nicht in der Lage ist, die Probleme eines Volkes ordentlich zu lösen, dann soll sie, bitteschön, abtreten und doch nicht durchhalten – bis zum bitteren Ende etwar?

    Die Kritik an den eigenen Reihen ist scheinheilig. Gehen Sie in sich, und suchen Sie doch mal so etwas, wie Verantwortungsgefühl.

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