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Finanzielle Arkan-Disziplin: die monetären Mysterien der katholischen Kirche

Doppelte Buchführung zwischen offiziellen Sparbudgets und riesigen Schattenhaushalten, unüberschaubare Geflechte aus Beteiligungsgesellschaften, Investments in allen Branchen – man wähnt sich im Reich halbseidener Finanzoptimierer und Steuersparfüchse.

Dann vernimmt man die Kunde von öffentlichen Geldern, die schamlos zweckentfremdet werden, gar in bar in privaten Schubladen auftauchen; man hört von Schwarzgeldkonten des Spitzenpersonals und Veruntreuungen im siebenstelligen Eurobereich und plötzlich meint man irgendwo im Hintergrund eine Geigenmelodie aus der Feder Nino Rotas zu vernehmen. Doch in beiden Fällen täuscht sich der geneigte Beobachter, es ist mitnichten die Rede vom Gebaren steuervermeidender Raubtierkapitalisten und auch wenn es sich bei den Beteiligten um honorige Herren mit ergrauten Schläfen handelt, die sich allein eigenen Gesetzen und einem mächtigen Übervater unterworfen sehen, so bleibt doch festzuhalten, dass die hier Beschriebenen weit häufiger in Soutane als im italienischen Nadelstreifen anzutreffen sind.

Die Rede ist von der katholischen Kirche in Deutschland und vom Finanzgebaren ihres Spitzenpersonals.

Was darüber in den letzten Wochen enthüllt wurde, lässt sich nur als äußerst unappetitlich beschreiben. Vertreter der von den Skandalen der letzten Monate noch immer gebeutelten Kirche haben, so deutet sich jetzt an, über Jahre hinweg ein riesiges System der Schattenwirtschaft und schamlosen Selbstbedienung etabliert. Da soll sich ein (inzwischen ehemaliger) Militärbischof aus den Kassen einer Kinderheimstiftung bedient haben, da verschwanden in einzelnen Bistümern Millionenbeträge spurlos, da unterhielten nach bisherigem Ermittlungsstand einzelne Geistliche bis zu 30 Schwarzgeldkonten. Und während man nach außen hin noch immer Sparsamkeit in Zeiten finanzieller Krisen predigt, gönnt sich ein hessischer Bischof eine neue Millionenvilla, selbstverständlich nicht aus Privatmitteln.

Die katholische Kirche ist in der Bundesrepublik Deutschland in einer äußerst privilegierten Position. Nicht nur, dass sie als wichtige gesellschaftliche Vertreterin in fast jedem öffentlichen Gremium Sitz und Stimme hat und sie bis heute vermittels der missio canonica den katholischen Religionsunterricht an öffentlichen Schulen normiert, nein, ihre eigentlichen Privilegien sind noch weit fundamentaler: Der moderne Säkularstaat betätigt sich bis heute als williger Finanzbeschaffer für die Nachfolger Petris.

Was in anderen westlichen Staaten undenkbar wäre, ist hier etabliert, mit der Einkommenssteuer zieht das Finanzamt auch gleich den Mitgliedsbeitrag einer religiösen Vereinigung ein. Dessen Volumen allein geht jährlich in die Milliarden.

Doch auch Bürger, die nicht Mitglied der Kirche sind, alimentieren indirekt ihr Wirken. Jedes Jahr fließen hohe Summen an staatlichen Subventionsleistungen in die Börsen der Bischöfe, vom Messwein beim Militärgottesdienst bis hin zur Renovierung des baufälligen Kirchendachs, für alles Mögliche und Unmögliche kommt der Staat auf.

Reiche Bistümer zahlen aufgrund jahrhundertealter Verträge die Gehälter ihres Spitzenpersonals nicht selber, was einst feudale Fürsten aus Angst vor dem Fegefeuer absegneten, gilt bis heute fort, ein stets die Verdammnis des modernen liberalen Staates beschwörender Kardinal Meisner lässt sich von eben diesem mit monatlich über 10.000 Euro alimentieren. Im gleichen Moment kürzt die katholische Kirche drastisch ihre Ausgaben – bei Sozialangeboten sowie in der Kinder- und Jugendhilfe.

Das ist nicht nur ungeschickt, es ist unanständig. Viele Menschen verstehen die Kirchensteuer inzwischen als eine Art regelmäßiger Spende für soziale Zwecke, sie geben Teile ihres Einkommens an eine Institution von der sie sich zwar geistlich entfremdet haben, deren gesellschaftlichen Nutzen sie aber immer noch voraussetzen. Wenn eben dieses Geld nun in dubiosen Finanztransaktionen und feudalem Pomp umgesetzt wird, dann ist dies schlicht zynisch.

Das Gebaren des katholischen Spitzenpersonals ist aber nicht nur Betrug an denen, die dafür aufkommen, es schadet auch denjenigen in der Kirche, die sich noch tatsächlich im Sinne guter Werke aufopfern. Nicht einmal dreißig Kilometer entfernt von dem Ort, an dem der neue Sitz des prunksüchtigen hessischen Bischofs entsteht, bemühen sich einfache Ordensbrüder in einem rheinland-pfälzischen Altenheim um einen würdigen Lebensabend für demente Menschen.

Hier herrscht kein Prunk, die Geistlichen wohnen in bescheidenen Zimmern ohne großartigen Komfort. In der Kasse der Einrichtung herrscht zumeist Ebbe, auch für kleine Ausflüge mit den Heimbewohnern müssen stets Sponsoren geworben werden. Genau auf diese Ordensbrüder fällt jetzt das Verhalten ihrer Vorgesetzten zurück, nach den jüngsten Skandalen steht stets der Verdacht im Raum, die Bescheidenheit könnte nur Fassade sein.

Im Angesicht des öffentlichen Auftretens der katholischen Kirche in den letzten Monaten lassen sich ehrliche Aufopferung und ein sauberer Umgang mit Spenden immer schwieriger glaubhaft vermitteln.

Was ist nun zu tun? Das intransparente Verhalten der katholischen Kirche, die sich zunehmend wieder wie ein Staat im Staate geriert, kann nicht toleriert werden, weder aus rechtspolitischen noch aus fiskalischen Erwägungen heraus. Die aktuelle Situation schadet der Rechtskultur, sie ist Betrug am Steuerzahler und nicht zuletzt beschädigt sie auch das Image ehrlicher katholischer Sozialarbeit. Staatliches Eingreifen ist also dringend gefordert, denn der Umgang mit öffentlichen Geldern darf kein religiöses Mysterium mehr sein.

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6 thoughts on “Finanzielle Arkan-Disziplin: die monetären Mysterien der katholischen Kirche

  1. avatar

    Während der Sakularisierung wurde kirchlicher Grundbesitz in großem Umfang verstaatlicht. Die Kirche hat das hingenommen, weil ihr vertraglich zugesichert wurde, dass der Staat die Geistlichen weiterbezahlt, deren Gehalt bisher durch die Erträge aus kirchlichem Grundbesitz finanziert wurde.

    Kocks scheint der Meinung zu sein, dass der Staat, weil er die Macht hat, solche Verträge zu brechen, auch das Recht dazu hat. Würde er dem Staat auch das Recht zubilligen, Verträge mit dem Bürger oder den Banken einfach zu brechen bzw. Bürger oder Banken entschädigungslos zu enteignen?

  2. avatar

    Manager, Politiker oder Geistliche zu verhöhnen ist demagogisch und unverantwortlich. Das Volk glaubt halt (mit Hilfe der Medien): den Job eines Managers oder Politikers kann jeder machen, Fussballer oder Rennfahrer nicht. Das ist pure Demagogie und Volksverdummung.
    Weimarer-Zustände…

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    Lieber 68er: Langsam kommen Sie mir vor, wie der alte Cato, Sie wissen schon ………….
    Den Grund Ihrer Abneigung kann ich nicht prinzipiell nachvollziehen!
    Lieber Kocks, nicht nur ausnahmsweise gebe ich Ihnen Recht. Aber auch da sind, nicht nur Sie, spät dran mit der Kritik.

    Mir ist das schon seit über 39 Jahren klar, wie “uneigennützig” manchen Kirchenvertreter mit den ihnen anvertrauten (Kirchensteuer)Geldern umgehen.
    Mir persönlich wurde das spätestens dann klar, als die Ehefrau eines Kollegen meines Vaters, obere Führungsebene eines Konzern, sich bitterlich bei meinem Vater beklagte, daß sie als protestantische Frau dem kath. Pfarrer die Gardinen waschen und den Haushalt führen müsse – die Katholiken wären wohl dazu nicht imstande. Mein Vater, Angehöriger dieser Gemeinde, amüsierte sich sehr darüber, und klärte die Dame auf, was für einen hohen Betrag ein kath. Geistlicher, zusätzlich zu seinem nicht gerade niedrigen Gehalt, für eine Haushälterin erhielte.
    Der besagte Geistliche sparte dieses Geld für einen Bechstein Flügel – und ließ die Protestantin putzen!!!

    Abgesehen davon, aber sind die katholischen Würdenträger kein Haar schlechter als unsere politischen Würdenträger, Manager und andere. Es besteht also kein Grund, sich darüber jetz auch noch aufzuregen. Abzocken tun sie alle – war das jemals anders ?

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    Vorneweg:

    Herr Kocks sollte ignoriert werden,
    (grundsätzlich), aber diesmal hat er – der Sache nach – ausnahmsweise einmal recht.

    Ich frage mich nur, wer oder was ihn wohl motiviert hat, zu diesem Thema zu schreiben.

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